II.
„Hier steckst du also."
Damon setzten sich neben seinem Bruder auf die Bank, und starrte mit ihm hinüber zum Bahnhof. Dort ging es geschäftig zu, doch von der Person, auf die Stefan wartete, war nichts zu sehen. Stefan hielt einen Strauß Blumen in seinen Händen, hielt ihn umklammert, und starrte wie hypnotisiert auf den Bahnhof. „Sie wird nicht kommen, weißt du", warf Damon schließlich ein.
„Ja, ich weiß", gab Stefan zu, „Aber trotzdem hofft ein Teil von mir, dass es dieses Mal vielleicht anders ist, dass, wenn ich dieses Mal vielleicht einfach nur lange genug warte, Valerie aus dem nächsten Zug aussteigen wird, mir mitteilen wird, dass sie schwanger ist, und mein Leben deswegen einen vollkommen anderen Verlauf nehmen wird. Dass ich heirate und zum Familienvater werde, ein hart arbeitender anständiger Mann werde, und all das Leid, das ich – das wir beide – über die Welt gebracht haben, dann niemals geschehen wird."
Er warf einen Blick hinüber zu seinem Bruder, musterte dessen Südstaatenuniform, und fuhr dann fort: „Ich wusste es damals nicht, aber das hier war der Wendepunkt meines Leben, der Moment, ab dem alles schief gelaufen ist. Natürlich hat es sich damals so angefühlt, als wäre es der Weltuntergang, dass das Mädchen, das ich dachte zu lieben, nicht aufgetaucht ist, aber erst vor kurzem ist mir die wahre Bedeutung dieses Moments klar geworden. Dass das hier der Moment war, in dem sich das Leben des sterblichen Stefan Salvatores und das des Vampirs Stefan Salvatore voneinander getrennt haben. Wenn Valerie damals aufgetaucht wäre, dann wäre mir nicht nur mein gebrochenes Herz erspart geblieben, dann hätte ich nicht nur mein ungeborenes Kind kennengelernt, nein, dann hätte es keine Katherine Pierce gegeben, keine Vampire, keinen Gründerrat, keinen Ripper Stefan, keine Lexi, nichts davon."
„Oder Katherine wäre trotzdem aufgetaucht, hätte dich gesehen und beschlossen, dass sie dich für sich haben will, hätte Valerie ermordet und ihren Platz eingenommen und wäre zur Stiefmutter deines Kindes geworden, und hätte uns alle so oder so in ihre ewige Flucht vor Klaus hineingezogen", erwiderte Damon, „Wir können das nicht wissen, vielleicht war es uns in Wahrheit immer bestimmt zu dem zu werden, was wir wurden. Vergiss nicht diese Doppelgänger-Sache. Und ganz abgesehen davon, was für ein Leben wäre das schon gewesen? Der gute alte Dad hätte nicht gerade verständnisvoll darauf reagiert, dass du eine unverheiratete Frau geschwängert hast, vermutlich hättest du dich krumm und buckelig gearbeitet um deine Familie zu versorgen, und wärst mit 40 gestorben. Und dann wäre niemand da gewesen um Elena aus dem Fluss zu ziehen. Sie wäre als Teenager gestorben, Jeremy wäre ihr kurz darauf auf Grund einer Überdosis nachgefolgt, und Mystic Falls wäre vermutlich durch den Kampf zwischen Werwölfen, Vampiren, und Urvampiren entvölkert worden, später von den Travelers zu ihrem neuen Stützpunkt gemacht worden, und dann zuletzt von den Sirenen zum neuen Stützpunkt des Teufels bestimmt worden. In welcher Hinsicht wäre das besser?"
Stefan warf ihm einen abwägenden Blick zu. „Und was ist mit dir in diesem Szenario passiert?", wollte er wissen, „Hättest du mich nicht unterstützt?"
„Nein, weil ich im Bürgerkrieg gestorben wäre. Siehst du, nicht nur du hast einen Wendepunkt in deinem Leben, an dem alles begonnen hat schief zu gehen. Ich hatte ebenfalls einen. Und auch ich habe mir manchmal überlegt, wie viele besser es wäre, wenn ich mein sterbliches Leben nicht überlebt hätte. Ich weiß, dass es viel besser für diese Welt gewesen wäre, wenn ich niemals aus dem Krieg zurückgekommen wäre. Wenn wir keine Vampire geworden wären, dann wären wir jung gestorben, aber so viele Leben das auch gerettet hätte, so viele hätte es auch gekostet", erwiderte Damon, „Das weiß ich, und du weißt es ebenfalls."
Stefan nickte. „Aber der Unterschied zwischen uns ist und war schon immer, dass du damit leben kannst, während ich … nicht mehr sicher bin, ob ich das kann. Jahrelang habe ich mir eingeredet, dass es besser wird, dass ich das Monster in mir unter Kontrolle habe, dass ich mehr bin als nur der Ripper. Aber dann habe ich erfahren, dass das Ripper-Gen in der Familie liegt, was in Monetrey wirklich passiert ist, und dass der Teufel persönlich an meiner Seele interessiert ist und mich als seinen treuen Diener haben möchte", sagte er, „Und jetzt … bin ich mir einfach nicht mehr sicher, ob es mir jemals gelingen wird aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Ich muss nur einen kleinen Schalter umlegen, und schon geht es wieder von vorne los. Was wenn es sich niemals ändert? Was wenn das alles ist, was ich bin: Stefan der Ripper und Stefan der Kaninchenjäger – immer das eine oder das andere. Alle anderen haben ihren inneren Ripper unter Kontrolle, nur ich nicht. Was wenn es mir niemals gelingt eine gesunde Balance zwischen meinen beiden Seiten zu finden, was wenn ich niemals als normaler Vampir leben kann? Nie auf Dauer? Und was wenn der Grund dafür ist, dass ich einfach irgendwie falsch bin? Wenn der Grund dafür ist, dass ich irgendwo tief in mir einfach nur böse bin?"
Damon schüttelte den Kopf. „Das ist Unsinn, Stefan. Niemand kennt dich länger als ich, und ich sage dir, du bist definitiv nicht einfach nur böse. Du bist ein Held, schon vergessen? Du hast Fluch, Sirene, und Cade widerstanden und verhindert, dass Dallas vom Höllenfeuer verschlungen wird. Und das ist nur deine jüngste Heldentat. Jemand, der einfach nur böse ist, tut so etwas nicht. Ich weiß ja, dass du viele furchtbare Dinge getan hast, aber die hast du getan, weil du dich nicht unter Kontrolle hattest und nicht aus Bösartigkeit heraus. Außerdem wette ich, dass du in Wahrheit nicht mit mir mithalten kannst, wenn es um böse Taten geht. Ich habe eine ganze Familie ausgelöscht, aus kalkulierter Blutrache heraus, Generation um Generation. Und nicht zu vergessen, Onkel Zachs schwangere Freundin getötet. Und ihr ungeborenes Baby. Du magst zwar gerne Anspruch auf den Titel des bösesten Salvatore erheben, aber wir wissen beide, dass das in Wahrheit ich bin", behauptete er.
Und natürlich würde er das behaupten, denn er war Damon, aber er übersah den wichtigsten Punkt. „All diese Dinge konntest du nur tun, weil ich dich gegen deinen Willen verwandelt habe. Und du hattest Gründe dafür – Augustine hat dich kaputt gemacht - aber ich … ich hatte niemals Gründe, ich war von Anfang an ein böser Vampir ohne Kontrolle. Meine schlimmen Taten kamen nicht aus einem Trauma heraus zu Stande, mir wurde nichts angetan, nichts vorenthalten, nichts aufgezwungen. Ich wurde verwandelt und war sofort ein Monster. Und während andere dieses Monster im Laufe der Zeit unter Kontrolle bekommen haben, habe ich das niemals geschafft, nicht wirklich. Vielleicht weil es ich tief in mir gar nicht möchte. Und was Onkel Zachs schwangere Freundin angeht, ja, die hast du getötet, aber ihr ungeborenes Kind hat überlebt. Diese Sünde hast du niemals auf dein Gewissen geladen. Ich habe das Baby gerettet, versteckt, und versorgt. Und das alles vor dir geheim gehalten. Ich habe dich um Glauben gelassen etwas Unverzeihliches getan zu haben, nur um dich zu bestrafen. Ich habe dir die einzige Familie, die wir noch haben, vorenthalten. Das alles habe ich dir in angetan, in den letzten Jahren, als wir uns endlich wieder gefunden haben, wissentlich vor dir geheim gehalten. Wer würde das tun, wenn nicht jemand, der böse geboren wurde?", hielt Stefan dagegen, „Und jetzt, wo du das weißt, wirst du mich verlassen, wie ich es verdient habe, wirst du mich hier drinnen verrotten lassen, weil ein Bruder, der so etwas macht, keine Rettung verdient hat."
Damon schwieg einen Moment lang. Dann meinte er. „Ich verstehe."
Stefan wartete darauf, dass er endlich gehen würde, ihn endlich im Stich lassen würde, doch er tat es nicht, er blieb sitzen und starrte den einfahrenden Zug an.
„Weißt du, dass es ziemlich schwierig ist wegen etwas auf dich böse zu sein, wofür du dich selbst geißelst? Stattdessen bin ich dann meistens sauer, weil ich wegen Dinge, wegen denen ich jedes Recht hätte auf dich wütend zu sein, nicht auf dich wütend sein kann, weil du sie schlimmer nimmst als ich. Das kann verdammt frustrierend sein, nur damit du es weißt", meinte er dann, „Aber ich habe es satt mich darüber aufzuregen, weil es verdammt ermüdend ist. Also, all diese Zweifel an dir und deiner Zukunft, die du jetzt hast, hast du nur wegen Sybil. Weil sie dafür gesorgt hat, dass alle deine Taten auf einmal auf dich einstürzen. Jeden Moment der Sünde, der dir dadurch so frisch erscheint als wäre er gestern gewesen. Und was alles andere angeht: Ich verzeihe dir, Stefan, okay? Ich verzeihe dir, dass du mich in den Glauben gelassen hast ein noch größeres Monster zu sein als ich bin. Und ich verzeihe dir, dass du mich gegen meinen Willen dazu gezwungen hast ein Vampir zu werden. Und will ein für allemal klarstellen, dass all die Leichen, die ich hinterlassen habe, nicht auf dein Konto gehen, sondern auf meines. Dass sie ein Resultat meiner schlechten Entscheidungen sind, und nicht deiner.
Und was diesen Unsinn angeht, von wegen du hättest keine Gründe: Hallo? Wir wurden beide im selben Haushalt großgezogen, von denselben Eltern, wenn diese Kindheit kein Trauma ist, dann weiß ich nicht was eines ist. Und dann, kaum, dass du verwandelt warst, hast du unseren Vater umgebracht, was dich wohl ziemlich verstört hat. Also wenn das keine Gründe sind, dann weiß ich nicht was Gründe sind. Und dass du keine Kontrolle hast, hast du dir nicht ausgesucht, es ist dir passiert, und es sagt nichts über dich aus, nicht mehr als deine Haarfarbe oder deine breiten Schultern. Was etwas über dich aussagt ist, dass du nie aufgehört hast etwas dagegen zu tun, nie damit aufgehört hast um die Kontrolle zu kämpfen. Und solange du das weiterhin tust, solange bist du nicht defekt oder böse oder falsch, solange bist du genau richtig.
Aber weißt du was ebenfalls etwas über dich aussagen würde? Wenn du jetzt aufgeben würdest, und dich von der verdammte Sybil besiegen lassen würdest. Denn das würde bedeuten, dass du nicht der Mann bist, für den ich dich immer gehalten habe. Es würde bedeuten, dass jemand bist, der aufgibt anstatt immer weiter zu kämpfen im Angesicht von überwältigender Übermacht", schloss Damon, „Wie du es bisher immer getan hast, weswegen ich immer verdammt stolz darauf war dein Bruder zu sein!"
„Aber was, wenn ich das wirklich bin, wenn du dich irrst, und ich in Wahrheit immer nur jemand war, der aufgibt?", wollte Stefan wissen.
„Das bist du nicht. Das weiß ich genau. Du wolltest weiterleben, auch ohne Katherine. Ich war der, der darin keinen Sinn gesehen hat. Und als ich mich hinlegen und austrocknen lassen wollte, da warst du da und hast mir gesagt, dass ich weitermachen soll und mich nur so verzweifelt fühle, weil der Phönix-Stein mir einreden wollte mich so zu fühlen. Du wusstest, dass ich Elena niemals etwas antun würde, wenn ich bei klarem Verstand wäre, so wie ich weiß, dass du niemals aufgeben würdest, wenn du das jetzt wärst. Du bist niemand der aufgibt, Stefan Salvatore", widersprach Damon voller Überzeugung.
„Aber ich habe dich aufgegeben", beharrte Stefan, „Wieder und wieder."
„Nein, das hast du nicht. Ich habe es vielleicht nicht immer gesehen, und habe mich vielleicht öfter von dir im Stich gelassen gefühlt, aber als es darauf angekommen ist, warst du für mich da. Du bist immer wieder zu mir zurückgekommen, hast immer wieder um mich gekämpft, und bist sogar zu mir gekommen um mich davon abzuhalten aufzugeben, nachdem der Phönix-Stein dir einreden wollte, dass du mich zurücklassen sollst", sagte Damon, „Du hast mich niemals aufgegeben, und ich werde dich genauso wenig jemals aufgeben, verstehst du? Weil keine Sirene den Mann besiegen kann, den ich meinen kleinen Bruder nenne!"
Stefan starrte Damon einen Moment lang an, versuchte die widerstreitenden Gefühle, die in ihm aufstiegen, zu unterdrücken, doch dann ließ er sie endlich zu und ließ sich von ihnen davon schwemmen…
Stefan fuhr keuchend hoch. „Schon gut, schon gut, es ist alles in Ordnung. Du bist wach, du bist wieder wach", versicherte ihm Damon, und klopfte ihm beruhigend auf den Rücken, „Du bist wieder zurück bei uns."
Stefan atmete tief ein. Und erblickte dann Katherine, die ein paar Meter entfernt hockte, und sich in diesem Moment aufrichtete. „Siehst du, ich habe es dir ja gleich gesagt, wenn jemand zu ihm durchdringen kann, dann du, Damon."
„Du bist wirklich hier", stellte Stefan fest, „Es war keine Einbildung."
Katherine nickte. „Ja, ich bin hier, und jetzt wo meine Salvatore-Helden wieder vereint sind, ist es an der Zeit, dass ihr euch dafür, dass ich dabei geholfen habe dich zu retten, revanchiert und dabei helft mich vorm Teufel zu retten", meinte sie.
Stefan runzelte die Stirn, und warf seinem Bruder einen verwirrten Blick zu. Dieser seufzte tief. „Ja, was das angeht … Kai und Katherine wollen unsere Hilfe um Cade umzubringen", erklärte er.
„Ach so, na wenn es weiter nichts ist", spottete Stefan.
Katherine zog einen Schmollmund. „Spott steht dir nicht, Stefan", meinte sie, „Und vergesst eines nicht, es ist in euren eigenen Interesse uns zu helfen. Ihr würdet eure teure Elena zurückbekommen, und außerdem …. nun, unter uns gesagt … denkt ihr beide wirklich, dass ihr an irgendeinem anderen Ort landen würdet als ich und Kai, wenn ihr erst einmal tot seid? Ging es bei dieser ganzen Sache nicht darum, dass du böse Dinge getan hast, Stefan? Damon mag dir vergeben, Elena mag dir vergeben, Caroline mag dir vergeben, ich mag dir vergeben, aber glaubt mir, wenn ich euch sage, dass Cade nicht der Typ ist, der an Vergebung glaubt."
„Ich weiß, ich hätte nicht anrufen sollen…."
„Unsinn, Damon, wenn Sie ihren Therapeuten anrufen, weil Sie in einer seelischen Krise stecken, dann ist das der richtige Impuls", behauptete Doktor Sulez am anderen Ende der Leitung.
„Für diejenigen, deren Therapeut nicht entführt und beinahe getötet würde und das nur wegen seiner Verbindung zu ihnen, vielleicht", gab Damon zurück, „Aber unser Fall liegt ein wenig anders…"
„Was habe ich Ihnen gesagt? Es war nicht Ihre Schuld, Damon. Nichts davon", meinte Sulez streng. Hatte er ihm das gesagt? Vermutlich hatte er es eher jemand anderen, der zu diesem Zeitpunkt gerade in seinem Körper gesteckt hatte, gesagt. Aber darum ging es im Moment gar nicht.
„Der Punkt ist, dass ich Sie aus all diesen übernatürlichen Zeug hinaushalten wollte, und jetzt rufe ich Sie erst deswegen an", meinte der Vampir, „Obwohl ich weiß, dass ich das nicht sollte…"
„Nur raus damit", forderte Sulez nur.
„Also … kurz gesagt, ich werde mich wohl mit den Teufel anlegen, versuchen ihn zu vernichten. Und wenn das schief geht …. Aber es ist so, wir haben da diese aus der Hölle zurückgekehrten …. Bekannten, die sich retten wollen und uns dazu überreden wollen ihnen zu helfen, und bereit wären zu lügen um uns dazu zu bringen, das ist mir durchaus bewusst; aber sie sagen, dass die Hölle allen von uns vorbestimmt ist, die böse Taten begangen haben, egal warum, und egal wie viel Gutes wir in unseren Leben getan haben. Und so sehr ich das nicht glauben möchte, kann ich kein Risiko eingehen. Nicht meinetwegen. Es ist mir gleich wo ich später mal lande. Aber Stefan, Elena, Ric, Bonnie, Enzo, selbst Caroline … Ich kann nicht daneben stehen und zulassen, dass ihnen dieses Schicksal blüht", erklärte Damon.
„Wenn jeder verdammt wäre, der einmal sündigt, wäre die Hölle überfüllt", merkte Sulez an, „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es so läuft."
„Ich glaube auch, dass es nicht immer so gelaufen ist. Aber bis vor ein paar Jahren gab es so eine Art Zwischendimension in der die Seelen von übernatürlichen Wesen gelandet sind, bevor sie weitergezogen sind. Aber diese Dimension wurde zerstört. Und während es sie noch gab, musste Cade sich verdammt anstrengen um sich Seelen zu klauen, die ihm nicht direkt geweiht wurden. Aber jetzt … jetzt kann er sie sich einfach so holen, vielleicht zieht seine Welt die Seelen von übernatürlichen Wesen sogar irgendwie automatisch an. Und ich kann mich nicht einmal darauf verlassen, dass ehemalige übernatürliche Wesen die Ausnahme darstellen", sagte Damon, „Denn ich glaube, dass Cade einen Trick hat um sich Seelen zu holen. Wenn ich mir ansehen, wie er und die Sirenen gearbeitet haben, dann … Was wenn es nicht darum geht, was jemand getan hat? Was wenn es darum geht, was er denkt getan zu haben? Schuld war die Waffe der Sirenen, was wenn sie das Grundkriterium darstellt? Wenn man sich schuldig fühlen muss um von Cade in seine Dimension gebracht werden zu können? Stefan ist eine Ansammlung von Schulgefühl. Und Elena, so viel, für das sie sich die Schuld gibt. Bonnie genauso. Ric. Caroline, was immer sie auch tut, sie wird sich immer nur an ihre Fehler erinnern. Was wenn ein Gedanke ausreicht? Ein Schimmer von Schuld. Ich konnte meine Tochter nicht retten. Ich habe ungeborene Babys umgebracht. Jeder, hat doch irgendetwas. Und wenn das alles ist, was nötig ist. … Dann kann ich nicht zulassen, dass sie alle dort landen."
„Und deswegen wollen Sie es tun, wollen jedes Risiko eingehen, das notwendig ist", meinte Sulez, „Weil es sein könnte."
„Ich glaube, ich muss es tun", sagte Damon.
Sulez seufzte. „Wenn Sie es tun müssen … Aber darf ich fragen wie das überhaupt funktionieren soll? Wie soll es überhaupt möglich sein den Teufel zu töten?", wollte er wissen.
„Ja, was das angeht… Das ist der gefährliche Teil", gab Damon zu, „Da wir verhindert haben, dass er auf Erde Form annimmt, müssen wir ihn in seiner Dimension stellen."
„In der Hölle. Wo tote Seelen hingehen", folgerte Doktor Sulez.
Damon ersparte sich darauf zu antworten.
„Damon, sind Sie sicher, dass Sie das alles nur tun wollen, weil Sie andere retten wollen, und nicht weil Sie sich selbst bestrafen wollen?", wollte Sulez wissen, „Denn wenn das Zweite der Fall sein sollte, dann bitte ich Sie inständig es nicht zu tun."
Und das war ein berechtigter Einwand, immerhin hatte Damon gerade eine zweite Runde Höllenstein hinter sich, und dann auch noch den Trip in Mister Laws Körper, und den Spaziergang durch das Unterbewusstsein seines Bruders. Er war in der letzten Zeit in mehr als nur einer Form daran erinnert worden, was er alles getan hatte.
Aber das war nicht der Grund weswegen das tun wollte. Seine Gründe waren viel simpler. Er hatte Stefans Selbstvorwürfe gehört und wusste, dass nicht nur sein Bruder zu solchen neigte. Und er hatte bisher nicht immer alles, was in seiner Macht stand, getan um Stefan und später auch um Elena zu retten, nur um sie am Ende doch noch an Cade zu verlieren. Er hatte Bonnie nicht aus der Gefängniswelt gerettet, nur um damit sie am Ende in Cades Hölle schmoren würde. Nein, diese Entscheidung hatte nichts mit dem Impuls sich selbst zu bestrafen zu tun, sondern alles damit das Konzept der Strafe für immer zu vernichten.
„Ich tue es wegen der anderen und nicht wegen mir", versicherte er dem Arzt.
Dieser seufzte. „Also schön", meinte er, „Ich kann Ihnen nicht erlauben das zu tun, aber ich kann es Ihnen auch nicht verbieten. Und wenn Sie wirklich denken, dass es das ist, was Sie tun müssen, dann kann ich Sie auch nicht davon abhalten, und vielleicht sollte ich das auch gar nicht. Versprechen Sie mir nur, dass Sie von diesem kleinen Trip wieder zurückkehren und mir nachher davon erzählen."
Sulez mochte es vielleicht anders bezeichnen, aber das hier war genau die Erlaubnis, die Damon gebraucht hatte. „Ich werde mein Bestes tun", meinte er und legte auf.
Dann steckte er sein Handy wieder in seine Hosentasche.
Damit wäre das abgehakt. Und an der Zeit zum letzten Mal den Helden zu spielen.
A/N: Die ganze Sarah Nelson-Sache hat mich immer geärgert, weil Damon nie wirklich erfahren hat, dass sie überlebt hat und sich Jahre lang für etwas die Schuld gegeben hat, dass er nie getan hat, zumindest nicht in der Form, die er glaubt. Und dann hat er es endlich doch noch erfahren - eine Minute bevor Sarah umgebracht wurde. Weswegen die Brüder auch nie darüber gesprochen haben, dass Stefan (und alle anderen übrigens ebenfalls) ihre Existenz vor Damon geheim gehalten hat und das Jahre lang, nachdem sie sich wieder ausgesöhnt und auf ihrer ewige Bruderliebe gepocht haben. Also musste ich das auch noch schnell reparieren.
Was sollte ein Therapeut einen Patienten sagen, der einem erklärt, dass er losziehen will um den Teufel zu vernichten um so zu verhindern, dass irgendwer jemals wieder in die Hölle kommen muss? Ich habe keine Ahnung, von allen Sulez-Ratschlägen war das der schwierigsten, den ich je schreiben musste, weil er Damon davon abraten muss, aber das zugleich auch nicht wirklich sollte. Also hat er es durchgehen lassen und angedeutet darüber nicht erfreut zu sein.
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