Das heutige Kapitel erscheint eine halbe Woche nach dem französischen und eine halbe Woche vor dem belgischen Nationalfeiertag. Und Lucky Luke ist ein belgisch-französischer Comic. ;-)


„He, Bill, was ist los? Warum machst du schlapp?", rief Laura dem Mann am Klavier zu, denn sein Spiel war plötzlich abgebrochen.

„Tut mir leid, Laura, aber ich habe einen Krampf in der Hand!", antwortete der Angesprochene. „Schick die Mexikaner auf die Bühne, oder sing mit Molly im Chor!"

„Die Chilischoten haben sich vorhin verdünnisiert, als die beiden Halbstarken Stunk gegen ihren Landsmann gemacht haben", berichtete Molly.

„Darf ich einen Ausweg aus dieser misslichen Lage vorschlagen?", richtete Miss Dweedlecum das Wort an Laura. „Wenn Sie gestatten, erlaube ich mir, den Pianisten abzulösen. Natürlich bin ich keine professionelle Musikerin, aber die Klavierstunden, die ich in Boston genossen habe, waren hoffentlich nicht ganz umsonst."

Da Laura ihr zunickte, erhob sich die Lehrerin, nahm auf dem Klavierhocker Platz und spielte ein Allegretto, das Lord Buttercup sofort als Alla Turca, den dritten Satz aus Wolfgang Amadeus Mozarts Klaviersonate Nr. 11, identifizierte. Zu seiner Verblüffung schien das Publikum großen Gefallen an der Melodie zu finden, und als Miss Dweedlecum das Stück beendete, erscholl aus allen Ecken des Saloons tosender Beifall.

Die Lehrerin verbeugte sich errötend und setzte sich schließlich wieder auf ihren Platz an dem runden Tisch.

„Die Leute hier haben also doch Sinn für Kultur", murmelte sie leise.

„Sie haben ja allerhand auf dem Kasten", raunte ihr Laura Legs anerkennend zu. Dann stand sie auf und rief laut: „Wie wäre es mit einem Square Dance zum Abschluss?"

Als Antwort kam ein zustimmendes Gejohle aus vielen Kehlen, und sogleich machten sich die Leute daran, die runden Tische zur Seite zu schieben.

Schließlich wurde ein alter, zerzauster Mann mit Flicken auf der Hose und einer Fiedel in der Hand auf die Bühne komplimentiert, wo er nach einigen Augenblicken mit seinem Spiel begann und den vier Tanzpaaren, die mittlerweile im Quadrat Aufstellung genommen hatten, Anweisungen zurief.

Eines dieser Paare wurde von Lucky Luke und Laura Legs gebildet. Miss Dweedlecum stand mit Molly, Ming Li Foo und Lord Buttercup etwas abseits und schaute den Tanzenden interessiert zu.

„Tanzen Sie an der Ostküste auch so?", fragte Molly die Lehrerin.

„Nein – zumindest habe ich keinen derartigen Tanz in der Tanzschule gelernt."

„Tanzschule!", rief Molly aus. „Sie haben es gut! Sie haben Klavier spielen gelernt und waren in der Tanzschule! Ich wünschte, ich hätte die Gelegenheit gehabt, eine Tanzschule zu besuchen oder so richtig Gesangsunterricht zu nehmen. Dann könnte ich jetzt vielleicht auch in New York und in San Francisco auftreten. Aber ich habe ja noch nicht mal eine normale Schule besuchen können."

Miss Dweedlecum blickte die Sängerin erstaunt an, worauf diese fortfuhr: „Bei uns daheim in Irland hatten wir andere Sorgen – die Kartoffelseuche verursachte eine Hungersnot, wie Sie sicher wissen, und ich musste zusehen, wie ich meinen Eltern helfen konnte, die hungrigen Mäuler meiner kleinen Geschwister zu stopfen. Schließlich sind wir über den großen Teich nach Amerika, als ich so etwa acht war, und in New York mussten wir erst mal allesamt schuften, um die Überfahrt abzubezahlen. Schule kam für mich nicht in Frage – für meinen Bruder Sean vielleicht, aber nicht für mich. Aber dann sind wir ja '49 nach Westen zum Goldsuchen, und da gab es in Kalifornien noch keine Schule – zumindest nicht in dem Goldgräbernest, in dem wir gehaust haben. Das Gold hat uns übrigens nicht reich gemacht – nichts als elende Plackerei für ein paar Unzen von diesem verfluchten gelben Zeug, das plötzlich nichts mehr wert ist, wenn man es verkaufen will."

Auri sacra fames", murmelte Miss Dweedlecum leise vor sich hin.

„Mit 15 habe ich mich aus dem Staub gemacht", fuhr Molly fort. „Weil ich nicht mehr an den großen Reichtum über Nacht geglaubt habe, und habe mich als Sängerin in Saloons durchgeschlagen. Eine Schule habe ich nie von innen gesehen. Bin froh, wenn ich meinen Namen fehlerfrei schreiben kann und in der Bibel das Wort Amen finde."

Die Lehrerin war tief ergriffen von diesen Worten.

„Wenn Sie möchten, können Sie gerne bei mir in die Schule gehen, Miss Mulligan", bot sie der Irin an. „Es ist nie zu spät, mit etwas zu beginnen."

Molly lachte verlegen und erwiderte: „Das fehlte noch – Molly Mulligan inmitten von sechsjährigen Abc-Schützen! Nein, der Zug ist für mich abgefahren!"

„Ich könnte Ihnen auch private Stunden geben, nachmittags oder abends oder wann Sie wollen", schlug Miss Dweedlecum vor.

„Mal sehen", murmelte die Sängerin abwehrend.

„Nun, Miss Dweedlecum", ergriff Lord Buttercup das Wort. „Möchten Sie bei der nächsten Runde gerne mittanzen?"

„Ich würde es gerne einmal versuchen, und es wäre mir eine Ehre, mit Ihnen zu tanzen, Lord Buttercup", antwortete die Lehrerin höflich.

„Nicht doch – diese Art zu tanzen verträgt sich nicht mit den Anweisungen meines Arztes, fürchte ich", wehrte der Lord zur Verblüffung der jungen Bostonerin ab und fügte augenzwinkernd hinzu: „Suchen Sie sich lieber einen jungen, hübschen Cowboy als Tanzpartner."

Kurz darauf endete der erste Square Dance und die Paare verließen die Tanzfläche. Lucky Luke und Laura Legs gesellten sich mit leicht geröteten Wangen und ein paar verklebten Haarsträhnen wieder zu ihren Bekannten und sahen zu, wie neue Paare für den zweiten Tanz Aufstellung nahmen.

„Miss Dweedlecum", wandte sich Laura an die Lehrerin. „Luke meint, Sie könnten mir dabei helfen, im Saloon hin und wieder ein bisschen Kultur zu verbreiten. Und vorhin haben wir ja auch schon über Theaterstücke gesprochen, die historisches Wissen vermitteln. Ich meine so was mit Niveau, wie es im Osten oder in Europa gang und gäbe ist. Waren Sie schon mal in der Alten Welt? Vielleicht am Zarenhof in St. Petersburg?"

„Ich habe im Rahmen meiner Ausbildung ein Jahr in Europa verbracht. Nach Russland bin ich leider nicht gekommen, aber dafür habe ich Großbritannien bereist und war auch einige Zeit in Wien und Paris."

„Paris!", rief Laura entzückt aus. „Da würde ich ja auch gerne mal hinkommen!"

„Ja, es ist eine bezaubernde Stadt", bestätigte Miss Dweedlecum. „Mit vielen Museen, Theatern und Opernhäusern. Das denkwürdigste Ereignis war für mich, die berühmte Schauspielerin Sarah Bernhardt auf der Bühne zu erleben."

„Luke hatte Recht – Sie sind genau die Richtige für den Job", strahlte Laura. „Erzählen Sie mir mehr von diesem Kulturzeug!"

„Gerne, Miss Legs", antwortete die Lehrerin.

„Nennen Sie mich Laura", forderte die Saloonbesitzerin sie auf.

„Wenn Sie mich Augusta nennen", erwiderte Miss Dweedlecum lächelnd.

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Während man sich im Saloon vergnügte, saßen die beiden jungen Raufbolde, die dem Zeitungsverkäufer so übel mitgespielt und von Lucky Luke eine Lektion erteilt bekommen hatten, auf einer alten Kiste in einer Seitengasse der kleinen Stadt und ergingen sich in Racheplänen gegen den Cowboy mit dem schnellen Colt. Ihre Hosen hatten sie mit Stricken, die sie wie Gürtel benutzten, notdürftig befestigt.

„Wir lauern ihm auf und stoßen ihn vom Pferd, wenn er morgen die Stadt verlässt", schlug der Blonde vor.

„Das ist zu riskant, Henry", entgegnete der Schwarzhaarige. „Am Ende schießt er wieder auf uns. Nein, wir müssen viel raffinierter vorgehen. Wir könnten was mit seinem Pferd machen – die Hufeisen lockern oder den Sattelgurt anschneiden oder so was."

„Mit solchen Dummejungenstreichen kommt ihr bei dem Cowboy nicht weit", erscholl da plötzlich eine Frauenstimme vom anderen Ende der Gasse, sodass die beiden jungen Burschen unwillkürlich zusammenzuckten.

Im nächsten Augenblick stand die dunkelhaarige Frau vor ihnen, die Miss Dweedlecum im Saloon so hasserfüllte Blicke zugeworfen hatte.

„Haben Sie vielleicht eine bessere Idee, Mrs. Thingleberry?", fragte Henry verdrießlich.

„Allerdings, mein lieber Henry Obermoser. Wir werden die Rothäute auf ihn hetzen. Die holen sich dann seinen Skalp, und keiner wird euch verdächtigen."

„Aber die Indianer hier leben doch mit uns in Frieden", wandte der Schwarzhaarige ein.

„Nicht mehr lange, Frank Dubois", erwiderte Mrs. Thingleberry. „Nicht, wenn Lucky Luke in ihr Heiligtum eindringt und ihren kostbarsten Schatz, die Maske des Medizinmannes, entwendet."

„Aber wieso sollte er das tun?", fragte Frank einfältig.

„Was soll er auch mit so 'ner ollen Maske?", setzte Henry hinzu.

„Ihr zwei seid wirklich nicht die Hellsten. Kein Wunder, dass ihr nie lesen gelernt habt", schimpfte Mrs. Thingleberry. „Natürlich klaut nicht wirklich Lucky Luke die Maske, sondern ihr zwei. Wir verstecken sie dann in seiner Satteltasche, und wenn die Wilden kommen, sieht es schlecht für den Cowboy aus. Das Einzige, was ihr tun müsst, ist, unbemerkt die Maske aus dem Indianerlager zu holen. Das werdet ihr wohl hinkriegen, oder?"

„Im Schleichen sind wir große klasse", prahlte Henry.

„Unsere Väter haben uns schließlich nicht umsonst zum Pferde- und Viehstehlen mitgenommen, als wir klein waren", fügte Frank stolz hinzu.

„Genau das habe ich mir eben auch gedacht", erwiderte Mrs. Thingleberry mit einem boshaften Funkeln in den Augen.

„Vielen Dank für Ihre Idee, Mrs. Thingleberry", sagte Henry. „Was verlangen Sie dafür?"

„Nichts, mein Junge – weil ihr es seid. Bezahlen könnt ihr wieder, wenn ich den nächsten Brief für euch schreibe."

„Dankeschön, Mrs. Thingleberry", riefen die beiden Jünglinge erfreut aus und machten sich auf den Heimweg.

,Diese Trottel!', dachte Mrs. Thingleberry bei sich, während sie zum Saloon zurückging. ,Die habe ich ja schön reingelegt. Natürlich werden sie von den Indianern geschnappt und an den Marterpfahl gestellt werden. Ich alarmiere ganz dezent die Kavallerie in Fort Yuma und sorge dafür, dass der Vorfall in der Zeitung aufgebauscht wird. Ideal wäre ein kleines Gemetzel am Stadtrand. Dann bekommt diese eingebildete Schulmeisterin aus dem Osten einen gehörigen Schrecken und verlässt in wilder Panik meine Stadt, und ich kann weiterhin diese dummen Analphabeten hier ausnehmen, indem ich für horrende Preise Briefe für sie schreibe oder vorlese.'

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Im Saloon ging eine weitere Tanzrunde dem Ende zu. Miss Dweedlecum hatte die Tänzer aufmerksam beobachtet und den Anweisungen des Fiedlers genau gelauscht. Als nun der letzte Tanz des Abends angekündigt wurde, nahm sie all ihren Mut zusammen, schritt entschlossen auf Lucky Luke zu, der mit dem Rücken an der Theke lehnte und seinen Limonadenkrug zum Mund führte, und fragte ihn: „Mr. Luke – würden Sie mir die Ehre des letzten Tanzes erweisen?"

Der Cowboy hatte große Mühe, sich nicht zu verschlucken. Erstaunt setzte er den Krug auf dem Tresen ab, fuhr sich mit dem Handrücken über die Lippen und antwortete schließlich verlegen: „A... Aber sicher, Miss Dweedlecum."

Dann fasste er sich wieder, nahm den Hut vom Kopf, warf ihn geschickt über eine Stuhllehne und bot der Lehrerin schließlich galant lächelnd den rechten Arm an.

Lord Buttercup schmunzelte zufrieden und wandte sich wieder seinen Gesprächspartnern, dem Klavierspieler Bill und dem Wäschereibesitzer Ming Li Foo, zu.

Einige ältere Farmer und Farmerinnen, die die Szene zwischen Miss Dweedlecum und Lucky Luke ebenfalls mitbekommen hatten, waren hingegen empört.

„Wie unschicklich!", wetterte eine ältere Dame. „Fordert das junge Frauenzimmer einfach einen Mann zum Tanz auf!"

„Das ist der Untergang unserer guten, alten Sitten hier im Westen", murmelte ein alter Farmer düster.

„Die Leute aus dem Osten meinen, sie müssten uns zeigen, wie wir zu leben hätten. Diese überheblichen Lackaffen! Sollen sie doch in ihrem Boston oder wo auch immer bleiben!", schimpfte ein anderer Mann.

„Wenn diese Person in unserer Stadt bleibt, wird es nicht lange dauern, bis Unzucht und Laster Einzug halten und unsere Jugend ins Verderben reißen!", fügte Mrs. Thingleberry, die einige Augenblicke zuvor die Szene betreten hatte, mit entrüsteter Stimme hinzu. Die Umstehenden nickten eifrig und stimmten ihr zu. Während sie sich noch weiter über die verderbten Sitten der jungen Leute aus dem Osten ausließen, verließ Mrs. Thingleberry unbemerkt den Saloon und lenkte ihre Schritte in Richtung der Redaktion der Pleasure Gulch Daily News.

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Als Mrs. Thingleberry kurz darauf nach Hause ging, schob sich ihr plötzlich ein bestiefelter Fuß in den Weg, sodass sie stolperte. Im nächsten Moment schob sich eine Hand über ihren Mund, während eine andere sie an der Schulter packte, und eine raue Männerstimme zischte ihr ins Ohr: „Ganz ruhig, Lehrerin, dann passiert Ihnen nichts. Sie kommen jetzt schön mit in unser Versteck!"

Mrs. Thingleberry versuchte sich freizukämpfen, doch der Bandit, der sie ergriffen hatte, erhielt Hilfe von zwei weiteren Männern. Sie fesselten und knebelten sie und legten sie quer über ein Pferd. Ein vierter, sehr kleinwüchsiger Mann saß hinter ihr auf und gab in barschem Ton das Kommando zum Aufbruch.

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Nachdem sie eine Weile galoppiert waren, näherten sie sich einer Höhle. Hier hielten die Männer, saßen ab und trugen die wütend zappelnde Mrs. Thingleberry in die Höhle hinein.

„Averell, mach Licht!", befahl der Kleinwüchsige dem größten der vier Männer und wandte sich sodann der Gefangenen zu, der er mit den folgenden Worten den Knebel abnahm: „Keine Sorge, Miss Lehrerin, wenn Sie unseren Anweisungen folgen, haben Sie nichts zu befürchten. Wir sind nur an Ihrem Wissen interessiert, das Macht verleiht."

Im nächsten Augenblick verbreitete eine alte, rußende Öllampe ein schummriges Licht – und der kleinwüchsige Bandit erstarrte! Dafür wurde Mrs. Thingleberry umso aktiver und stieß eine wahre Flut von Schimpfworten aus.

„Na so was, das ist ja gar nicht die Lehrerin, Joe!", ließ sich Averell nun vernehmen und kicherte dümmlich.

„Was du nicht sagst, du Idiot!", wetterte Joe. „Ihr könnt aber auch nie etwas richtig machen!"

„Aber Joe", verteidigte sich William. „Im Dunkeln sah sie genauso aus wie die Lehrerin."

„Ja, sie trägt ihr Haar auch in so einem komischen Knoten", bestätigte Jack.

„Ich habe ja gleich gesagt, dass es komisch ist, dass die Lehrerin nachts unterwegs ist, aber auf mich will ja nie jemand hören!", schmollte Averell.

„Halt die Klappe, Averell!", riefen seine Brüder im Chor, und Joe fügte hinzu: „Hilf uns lieber überlegen, was wir jetzt mit der hier machen sollen."

„Ihr seid die Daltons!", rief Mrs. Thingleberry erschrocken aus, doch im nächsten Augenblick durchzuckte sie eine Idee, und sie fuhr gefasst fort: „Wenn ich es recht verstehe, so wollten Sie nicht mich, sondern die neue Lehrerin Miss Dweedlecum entführen, meine Herren. Nun, Sie haben Glück, dass Sie mich stattdessen erwischt haben. Miss Dweedlecum wird nämlich streng von diesem Kuhtreiber, der sich ständig in die Angelegenheiten anderer Leute einmischt, diesem Lucky Luke, bewacht. Er weicht ihr keinen Augenblick von der Seite – er tanzt sogar mit ihr, um sie besser bewachen zu können!"

„Lucky Luke?! Lucky Luke! Ich hasse ihn, ich hasse ihn, ich hasse ihn!", schrie Joe Dalton, warf sich auf den mit Zigarettenkippen übersäten Boden und bearbeitete das Bein eines schäbigen kleinen Tisches mit den Fäusten, sodass die Öllampe, die darauf stand, gefährlich schwankte.

„Gaanz ruhig, Joe!", riefen seine Brüder gemeinsam.

„Wie ich schon sagte", fuhr Mrs. Thingleberry fort, „ist es ein großes Glück, dass Sie an mich geraten sind. Ich kann Ihnen nämlich helfen, an die Lehrerin heranzukommen. Ich sorge dafür, dass der Cowboy abgelenkt ist, und Miss Dweedlecum sich allein an einem einsamen Ort befindet."

„Aber warum wollen Sie uns helfen?", fragte Joe misstrauisch.

„Weil ich diese Person nicht in meiner Stadt haben will!", zischte Mrs. Thingleberry hasserfüllt, und diesmal verstellte sie sich nicht.


Square Dance ist ein typischer Volkstanz in den USA, der in den Lucky-Luke-Alben öfters erwähnt wird. Der Name rührt daher, dass die vier Tanzpaare sich zu Beginn im Quadrat (engl. square) aufstellen. Ein sogenannter Caller gibt Anweisungen, welche die Tanzenden befolgen (bei Lucky Luke im Film Daisy Town z.B. "klatschen", "im Kreis drehen" u.ä.).

Die große Hungersnot in Irland (1845 bis 1849) war die Folge der durch den Eipilz Phytophthora infestans hervorgerufenen Kartoffelfäule sowie der Politik der Engländer. Eine Million Menschen verhungerten, zwei Millionen - was einem Viertel der damaligen Bevölkerung entsprach - wanderten aus, vor allem nach Nordamerika.

Auri sacra fames: "Verfluchter Hunger nach Gold" (Vergil, Ae. III 57) - wie der gewiefte Asterix-Leser sicher weiß. ;-) Für Leser (z.B. aus Nordamerika), die Asterix nicht kennen sollten: Asterix ist eine Comic-Reihe, an der auch Lucky-Luke-Texter René Goscinny beteiligt war, und die zur Zeit Cäsars (50 v. Christus) spielt und für ihre lateinischen Zitate bekannt ist. ;-)

Henry Obermoser heißt eigentlich Heinrich und ist deutscher Abstammung, sein Freund Frank Dubois hat französische Eltern und heißt offiziell François.

Für uns heute ist es kaum nachvollziehbar, was so besonders daran sein soll, wenn eine Frau einen Mann zum Tanz auffordert, aber zu Lucky Lukes Zeiten war so etwas geradezu unerhört. Sogar die fortschrittliche Miss Dweedlecum, die sich eigentlich nicht von Konventionen einengen lässt, musste all ihren Mut dafür zusammennehmen. Das muss man sich verdeutlichen um zu verstehen, was für einen Affront Miss Dweedlecums Verhalten für die älteren Stadtbewohner dargestellt haben muss.
Übrigens habe ich mir sagen lassen, dass es selbst heute noch in den USA unüblich ist, dass Frauen Männer auffordern - sei es zum Tanzen oder zu dem, was man dort "Date" nennt. Es wird sogar erwartet, dass der Mann die komplette Rechnung für beide im Restaurant begleicht! :-O Und das im 21. Jahrhundert!