Ein Jahr nach dem Anschlag von Halle, einunddreißig Jahre nach der ersten der großen Montagsdemonstrationen in Leipzig, die die Wende und friedliche Revolution einläuteten. Außerdem feiert man in Uganda heute 58 Jahre Unabhängigkeit von Großbritannien und es ist auch noch Weltposttag.
Die schwarzen Wolken am Himmel verdeckten die sinkende Sonne, als Jolly Jumper und seine beiden Reiter sich von Norden der kleinen Stadt näherten. Hin und wieder zuckten Blitze durch die Luft, und es grollte ein leiser Donner, aber wie Lucky Luke vorhergesagt hatte, verdampften die meisten Regentropfen auf ihrem Weg zur Erde, sodass nur hie und da winzige Wasserfleckchen den ausgetrockneten Boden benetzten. Der Wind zerrte an ihren Kopfbedeckungen und blies ihnen Staub ins Gesicht, sodass Miss Dweedlecum ihren Hutriemen etwas enger zog und die Krempe nach unten bog.
„Brrr! Ja so was, sie haben die Barrikaden noch immer nicht weggeräumt", rief Lucky Luke und wies mit der Hand nach vorne, wo ihnen ein mit Stroh beladener Leiterwagen den Durchgang versperrte. Hinter diesem war offensichtlich eine interessante Konversation im Gange:
„... wenn ich es dir doch sage, Gonzalez! Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen, so wahr ich hier sitze!"
„Du bist ein Lügner, McCaine, und das wissen alle in der Stadt."
„Ich schwöre dir, es war so und nicht anders: Statt an runden Tischen saßen die Leute in diesem Saloon jeder für sich in kleinen Kabinchen, und jeder hatte einen kleinen Telegrafen vor sich, mit dem er in der ganzen Welt herummorsen konnte. Und in einer Ecke stand ein Schild Nicht für Jugendliche unter 16 Jahren – da wurde nämlich Poker gespielt, aber nicht so, wie wir das kennen. Die Leute haben gar nicht erst versucht, ihr Blatt für sich zu behalten oder ein Pokerface zu machen. Im Gegenteil, jeder hat laut rausposaunt, was er für Karten hat und was er als Nächstes tun wolle. Die anderen Spieler haben sich aber seltsamerweise nicht darum geschert. Als ich den Wirt fragte, was das für ein seltsames Spiel sei, antwortete er, man nenne es Telepoker. Die Spielpartner befänden sich dabei nicht im selben Raum, sondern überall auf der Welt verstreut, und die Verbindung zwischen ihnen würde durch einen Telegrafen hergestellt."
„Erzähl jemand anders deine Märchen, amigo."
„So glaub mir doch, es ist wahr! Kannst ja selbst hingehen, nach Sand Valley, Kalifornien, und nachschauen. Der Wirt meinte, diese Art Lokal wäre im Kommen und würde sich noch in der ganzen Welt durchsetzen."
„Entschuldigung, könnten Sie bitte den Weg kurz frei machen, damit wir rein können?", unterbrach Lucky Luke die unglaubliche Erzählung McCaines. „Ach, und die Indianer haben das Kriegsbeil begraben. Sie können also nach Hause gehen."
Als der Cowboy und die Lehrerin kurz darauf durch die Straßen der Stadt ritten, bot sich ihnen an fast jeder Barrikade das gleiche Bild: Überall saßen die Leute mit beiseite gelegten Waffen herum, spielten Karten, sangen zu den Klängen von Banjo und Mundharmonika oder erzählten sich Geschichten von Indianerüberfällen.
„Wie gut, dass wir mit den Yumas Frieden geschlossen haben. Im Falle eines Angriffes wären die Bewohner von Pleasure Gulch völlig unvorbereitet überrascht worden", bemerkte Lucky Luke.
Es gab allerdings einen Mann, dessen Wachsamkeit nicht nachgelassen hatte: Großvater Murphy. Mit einem alten Vorderlader bewaffnet und einer Pfeife im Mundwinkel saß er in seinem Rollstuhl mitten auf der Hauptstraße und rief: „Lasst sie nur kommen, die Rothäute! Denen verpasse ich eine Ladung Schrot, diesen gefiederten Burschen! Denen werden wir es genauso zeigen wie den Yankees Anno '62 oder den Mexikanern Anno '46."
„Nicht zu vergessen Anno 1776 gegen die Engländer, was Opa?", erklang die Stimme eines vorwitzigen Jungen aus einem der Fenster.
Eine weibliche Stimme antwortete: „Jeremy, geh sofort vom Fenster weg! Und sei nicht immer so frech. Und du, Opa, komm rein ins Haus. Der Wind ist nicht gut für dein Rheuma."
„Ich bleibe auf meinem Posten bis zum bitteren Ende! Mir hat kein Weibsbild was zu befehlen! Ha, ich bin schließlich ein Veteran der Schlacht von Alamo Anno '36, jawohl!"
„Dann müssen Sie aber unter Santa Anna auf der mexikanischen Seite gekämpft haben, Sir", ließ sich Miss Dweedlecum, die eben mit Lucky Luke und Jolly Jumper die Stelle passierte, vernehmen. „Denn auf texanischer Seite sind sämtliche Verteidiger der belagerten Mission gefallen."
„Mir kam deine Alamo-Geschichte ja schon immer verdächtig vor, Murphy", rief ein Mann aus einem gegenüberliegenden Haus.
„Beachten Sie den alten Oldtimer einfach nicht, Miss Augusta", riet Lucky Luke. „Reiten wir lieber zum Sheriff."
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Kurze Zeit später standen Lucky Luke und Miss Dweedlecum mit dem Sheriff in dessen Büro, während die Bewohner von Pleasure Gulch die Barrikaden räumten. Die dunklen Wolken verzogen sich und gaben den Blick auf einen malerischen Sonnenuntergang frei. Auch der Wind hatte sich wieder gelegt.
„Ich erkläre Ihnen die Details später, Sheriff", sagte Lucky Luke. „Bitte nehmen Sie Henry Obermoser und Frank Dubois in Gewahrsam, bis die Gesandtschaft der Indianer da war. Und verhaften Sie außerdem die Witwe Thingleberry."
„Waas?", rief der Sheriff entsetzt aus. „Die beiden Schlingel sperre ich mit dem größten Vergnügen ein, aber Mrs. Thingleberry? Sie ist eine ehrbare Person und genießt hohes Ansehen in dieser Stadt. Da muss schon ein triftiger Grund vorliegen, bevor ich sie verhafte."
„Genügt Kollaboration mit den Daltons und Beihilfe zur Entführung?", fragte Miss Augusta.
„Falls nicht, wird Anstiftung zum Auslösen eines Indianerkrieges wohl für eine Verhaftung reichen", ergänzte der Cowboy.
„Das sind schwere Anschuldigungen! Haben Sie denn Beweise dafür?"
„Die werden wir Ihnen liefern. Beweise und Zeugen. Jetzt beeilen Sie sich bitte mit den Verhaftungen, Sheriff, sonst macht sich noch einer der drei vorher aus dem Staub. Was mich betrifft, so habe ich noch vier flüchtige Desperados einzufangen. Adios."
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Im Joyful Coyote Saloon herrschte gute Stimmung. Molly und Laura sangen fröhliche Lieder zu Bills Klavierspiel, während die drei Tänzerinnen um sie herumwirbelten. Die Leute feierten den guten Ausgang des „Beinahe-Krieges" mit gutem Essen, reichlich Bier und einer gehörigen Portion Whiskey. Auch der alte Joker Jim, der noch immer nicht genau wusste, was sich eigentlich alles in der Stadt zugetragen hatte, feierte kräftig mit. Doch diesmal hatte Lord Buttercup dem Barkeeper Sam zwei goldene Zehndollarstücke zugesteckt, damit dieser Sorge trüge, dass der Kutscher sich nicht wieder betränke.
„Morgen kann ich dann hoffentlich meine Reise nach Yuma mit der Postkutsche fortsetzen", sagte der Engländer zu Miss Dweedlecum, die frisch gewaschen und gekämmt und in einem sauberen Kleid neben ihm am Tisch beim Abendessen saß. „Wie James telegrafierte, vermissen mich Gilgamesch und Enkidu nämlich schon. Den '8:34 Uhr' nach Sacramento werden wir allerdings nicht mehr schaffen und somit bis Samstag in Yuma bleiben müssen. Aber wie Mr. Luke sagt, muss ich dort ja sowieso noch Zeugenaussagen vor dem Richter machen."
Er nahm einen Schluck Limonade aus seinem Glas, bevor er fortfuhr: „Apropos Postkutsche: Hat man Ihnen bereits erzählt, unter welch bemerkenswerten Umständen die vier gestohlenen Rappen zurückgekehrt sind? Mr. Joker Jim, der an der Barrikade am Ostende der Hauptstraße postiert war, erkannte in der sich nähernden Staubwolke seine vier Rösser und veranlasste den Schmied, die Postkutsche ein wenig beiseite zu schieben, sodass die Pferde die Barrikade passieren könnten. Glücklicherweise sorgte der athletische Schmied für eine sehr große Lücke, denn die Rappen trabten in Zweierreihen heran, ganz so, als ob sie der Postkutsche vorgespannt wären, und sie hielten in bemerkenswertem Akkord alle vier gleichzeitig auf den Zoll genau vor dem Depot der Wells Fargo & Co."
„Wirklich bemerkenswert", erwiderte die Lehrerin höflich, räusperte sich und fuhr dann fort: „Ob Mr. Luke die Daltons bald finden wird? Und wo mag die Witwe Thingleberry stecken?"
„Wenigstens sind die beiden jungen Burschen mit den schlechten Manieren im Sheriffsbüro hinter Schloss und Riegel. Wirklich schockierend, die ganze Sache mit der Indianermaske!"
In diesem Augenblick trat der Sheriff an ihren Tisch heran, zog den Hut und grüßte.
„Nun, Mr. Sheriff", fragte der Lord, „gibt es Neuigkeiten bei der Fahndung nach Mrs. Thingleberry?"
Der Mann mit dem Stern schüttelte den Kopf: „Leider nicht, Lord Buttercup. Meine Hilfssheriffs haben so ziemlich jedes Gebäude der Stadt nach ihr durchsucht. Wie Susan, ihr Hausmädchen, berichtete, nahm die Witwe noch ihr verspätetes Mittagsmahl ein und schickte Susan dann bis auf Weiteres nach Hause zu ihren Leuten – wegen des Indianerangriffs, wie sie sagte. Das war zwischen halb vier und vier am Nachmittag. Wie wir mit Susans Hilfe feststellen konnten, hat Mrs. Thingleberry in aller Hast eine Reisetasche mit ein paar Kleidern gepackt. Ihren Derringer samt Munition hat sie wohl auch mitgenommen – aber niemand hat sie die Stadt verlassen sehen! Ihr Wagen und ihr Pferd sind übrigens auch noch da, was darauf schließen lässt, dass sie noch in der Stadt ist. Wegen der Barrikaden kann sie Pleasure Gulch vor Sonnenuntergang nicht unbemerkt verlassen haben. Es sei denn, sie hat einen Weg gefunden, um sich unbemerkt hinauszuschmuggeln."
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Abermals rollte der Leichenwagen in gemächlicher Fahrt nach Norden. Epitaph schien die Abendkühle zu genießen, doch Mathias Bones machte ein finsteres Gesicht. In der Ferne ertönte das Geheul eines einsamen Kojoten.
„Dieses ewige Hin und Her! Erst heißt es, die Indianer seien auf dem Kriegspfad, dann lassen sie sich ewig Zeit, und schließlich stiftet dieser Lucky Luke sie wieder dazu an, die Friedenspfeife zu rauchen, bevor auch nur ein einziges Bleichgesicht massakriert werden konnte! Mir reicht's endgültig, Oskar! Wir fahren zum Taufen nach Purgatory, Nacht oder nicht!"
„'n Abend, Bones", ertönte da plötzlich eine Stimme hinter ihm. Erschrocken fuhr er auf dem Kutschbock herum und erblickte zu seinem Entsetzen Lucky Luke, der grinsend auf Jolly herantrabte.
„Sie fahren den Indianern wohl als Empfangskomitee der Stadt entgegen?", scherzte der Cowboy.
„Den Indianern? Ich dachte, die wären in ihre Dörfer zurückgekehrt."
„Bis auf eine kleine Schar der tapfersten Krieger. Also dann, Bones, ich muss weiter. Adios!"
Mit diesen Worten überholte Lucky Luke den Leichenwagen und war bald nur noch als Staubwolke am Horizont sichtbar.
„Dann ist das Kriegsbeil vielleicht doch noch nicht begraben. Los, Epitaph, lass uns sicherheitshalber wenden. Hm, eine kleine Schar hat er gesagt. Aber Kleinvieh macht auch Mist ..."
In diesem Augenblick geschah etwas dermaßen Unerwartetes, dass dem Bestattungsunternehmer fast Hören und Sehen verging. Plötzlich wurde nämlich der Deckel des Luxussarges, den er für den Lord angefertigt hatte, zurückgeklappt und eine wütende Frauenstimme zischte: „Nichts da, Bones, Sie fahren schön weiter, wenn Sie keinen Wert darauf legen, Ihr eigener Kunde zu werden!"
Mathias Bones hörte das unverkennbare Klicken, das das Spannen eines Revolverhahns begleitet – ein Geräusch, das sein Herz für gewöhnlich vor Freude höher schlagen ließ. Diesmal jedoch stellten sich ihm die Haare auf, das Blut gefror ihm in den Adern und er fiel in Ohnmacht. Der Geier Oskar zog aufgeregt kreischend über dem Leichenwagen seine Kreise, während Epitaph unerschütterlich ruhig stand.
Aus dem offenen Sarg kletterte nun leise fluchend die Witwe Thingleberry. Nach einem prüfenden Blick auf den bewusstlosen Leichenbestatter steckte sie ihren Derringer gesichert zurück in ihren Strumpfhalter.
„Was für ein erbärmlicher Angsthase", schimpfte sie, während sie Bones unter die Arme griff und ihn vom Kutschbock schleifte. Dann stieg sie selbst wieder auf, nahm die Zügel, ließ Epitaph nach Osten beidrehen und trieb ihn schließlich zum Galopp an.
„Wenn ich Glück habe, hat der '15:10 Uhr' aus Yuma Verspätung und ist noch nicht in Gamble Town angekommen, und ich kann vielleicht noch heute Nacht weiter nach Tucson fahren."
„Von Galoppieren stand nichts in meinem Tarifvertrag!", regte sich Epitaph auf. „Ich werde mich bei der Gewerkschaft beschweren!"
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In der Zwischenzeit war es Lucky Luke gelungen, Jack Dalton aufzuspüren. Er hatte allein und völlig erschöpft an einen Felsen gelehnt gesessen und sich dem Cowboy sofort ergeben. Von Jack erfuhr Lucky Luke, dass die Brüder Hals über Kopf den fliehenden Postkutschenpferden hinterhergelaufen waren und sich dabei getrennt hatten. Nun saß Jack gefesselt hinter Lucky Luke auf Jollys Rücken und machte ein finsteres Gesicht. Leise drang das klägliche Geheul einiger Kojoten an ihre Ohren.
„Erinnert mich an das Einfangen versprengter Kälber bei Nacht", lachte der Cowboy.
„Nur, dass er eingefangene Kälber nicht auf meinen Rücken lädt, sondern vor sich hertreibt, wie es sich gehört", grollte der Apfelschimmel. „Aber alle Daltons wird er nicht auf mir unterbringen."
„Alle Daltons werde ich wohl kaum auf Jolly unterbringen", fuhr Lucky Luke fort. „Dann müsst ihr eben laufen. Nanu – was ist denn das da vorne? Sieht ja aus wie ein Wagen!"
Beim Näherkommen erkannte Lucky Luke im Schein des Mondes zu seiner großen Verblüffung den schwarzen Leichenwagen. Doch zu seiner grenzenlosen Verwunderung saß nicht Mathias Bones auf dem Kutschbock, sondern – die Witwe Thingleberry! Sie kehrte ihm den Rücken zu und schrie zornig auf den armen Epitaph ein, der mit wackligen Knien und heraushängender Zunge vor dem Wagen stand und offenbar am Ende seiner Kräfte war.
„Ich ... war noch nie ... gut im Galoppieren ...", keuchte der Rappe. „Deshalb habe ich mich ja für diese Branche entschieden, in der es die Kunden für gewöhnlich nicht eilig haben!"
„Guten Abend, Mrs. Thingleberry", grüßte Lucky Luke, worauf die Witwe zusammenzuckte und herumfuhr. Im nächsten Augenblick griff ihre rechte Hand mit erstaunlicher Schnelligkeit ans Strumpfband und gleich darauf blitzte der Lauf ihres Derringers im Mondlicht auf.
Doch Lucky Luke war wie üblich schneller gewesen: Mit einem spitzen Schrei ließ die Witwe die Waffe fallen und rieb sich die Hand, während der Cowboy seinen Revolver zum Munde führte und den Rauch, der aus dem Lauf aufstieg, in den Nachthimmel pustete. Sodann ließ er den Colt einige Male um den rechten Zeigefinger kreisen, bevor er ihn mit einem schwungvollen Satz ins Halfter zurückfallen ließ.
,Angeber!', dachte Jolly Jumper.
„Der Wagen kommt uns wie gerufen. Los, Jack, auf die Ladefläche. Sie auch, Mrs. Thingleberry. Wenn Sie sich ruhig verhalten, kann ich davon absehen, Sie zu fesseln."
Sand Valley ist ein von mir erfundener Ort in der Gegend des heutigen Silicon Valley. Sand besteht in der Regel aus Quarz, also Siliziumdioxid - deswegen Sand Valley. Der aufmerksame Leser des 21. Jahrhunderts hat natürlich unschwer erraten können, dass McCaine hier einen Vorläufer der heutigen Internetcafés sowie eine Vorstufe von Online-Spielen beschreibt. ;-)
Die geschichtlichen Ereignisse, auf die Großvater Murphy und Jeremy sich beziehen:
Anno 1776 - Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg zwischen den Dreizehn Kolonien und der britischen Kolonialmacht 1775 bis 1783. Im Jahr 1776 wurde die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet, daher nimmt diese Jahreszahl im kollektiven Bewusstsein eine größere Bedeutung ein als die übrigen Jahre dieses Krieges.
Anno 1836 - Die Schlacht von Alamo ist wohl die berühmteste Schlacht im Texanischen Unabhängigkeitskrieg (Oktober 1835 bis April 1836). Dabei verteidigten etwa 200 Mann die ehemalige spanische Missionsstation Fort Alamo bei San Antonio dreizehn Tage lang gegen eine große mexikanische Übermacht, die von General Santa Anna befehligt wurde. Wie Miss Dweedlecum bereits bemerkte, siegten die Mexikaner, und sämtliche Verteidiger auf texanischer Seite wurden getötet. Doch wurde die mexikanische Armee durch die Belagerung von Fort Alamo so lange aufgehalten, dass die texanischen Truppen genug Zeit hatten, sich weiter im Norden zu formieren, und schließlich den Krieg für sich entscheiden konnten.
Anno 1846 - Mexikanisch-Amerikanischer Krieg zwischen Mexiko und den USA von 1846 bis 1848.
Anno 1862 - bezieht sich auf den US-amerikanischen Bürgerkrieg (auch Sezessionskrieg genannt) zwischen Nord- und Südstaaten (Union und Konföderation). Möglicherweise spielt Großvater Murphy auf die Gründung und "Organisation" des Territoriums von Arizona durch die Konföderation (Südstaaten) an. Am 1. August 1861 wurde nämlich der südliche Teil der heutigen Bundesstaaten New Mexico und Arizona als zur Konföderation gehörendes Territorium mit dem Namen Arizona gegründet und am 14. Februar 1862 "organisiert" (d.h. der Kongress hat durch einen sog. 'Organic Act' ein gewisses Maß an Selbstverwaltung festgelegt und Richtlinien dafür vorgegeben). Der nördliche Teil der heutigen Bundesstaaten New Mexico und Arizona stand als Territory of New Mexico auf der Seite der Union (Nordstaaten). Im Jahr 1862 gab es wohl einige Vorstöße der Konföderierten in dieses Gebiet, die jedoch von der Union zurückgeschlagen wurden. Womöglich bezieht sich Großvater Murphy darauf - und da Erinnerung verklärt und der gute alte Mann ja sowieso dazu neigt, geschichtliche Ereignisse zu seinen Gunsten zu verdrehen, wurde eben aus "die Union konnte die Konföderierten erfolgreich zurückschlagen" "wir haben es den Yankees Anno '62 so richtig gezeigt". ;-) Yankees ist ein Spitzname für Nordstaatler. Übrigens, dass die Bundesstaaten Arizona und New Mexico ihre heutigen Grenzen haben, liegt daran, dass man nach dem Bürgerkrieg befürchtete, ein neuer Bundesstaat in den Grenzen des alten, konföderierten Territoriums von Arizona könne allzu leicht wieder rebellisch werden. Darum zog man die Grenze von Norden nach Süden (also zwischen Osten und Westen), so dass jeder der beiden neu entstehenden Bundesstaaten einen Teil des unionstreuen Territory of New Mexico enthielt, der den potentiell aufrührerischen Süden kontrollieren könnte.
Ein Derringer ist eine kleine, sehr leichte, i.d.R. einschüssige Handfeuerwaffe, die sich gut versteckt tragen lässt
Der von Mrs. Thingleberry erwähnte Zug von Yuma nach Tuscon ist natürlich eine Anspielung auf den berühmten Western 3:10 to Yuma von Delmer Daves. Ein Zug, der um 15:10 Uhr nach Yuma abfährt, wird in mehreren Lucky-Luke-Alben bzw. Episoden erwähnt.
