-1 Tag

Vier Uhr morgens entschied James war die schlimmste Zeit um wach zu sein. Er war müde aber es war zu spät zum schlafen wenn er wusste das der Morgen so nah war und er hatte die Nacht kaum ein Auge zu getan. Im Manor zu schlafen war für ihn nicht ungewohnt aber zu schlafen während Ainsley sich im Schlaf wälzte und wimmerte war eine Erfahrung die er nie gemacht hatte.

Er sass auf der Bettkante, beobachtete sie und versuchte zwecklos sie zu beruhigen. Er beschwor feuchte Tücher um ihr den Schweiss von der Stirn zu wischen und ihr Fieber zu dämmen. Sie war so müde das sie jedes mal nur einige Minuten erwachte bevor sie wieder einschlief und er hatte lange aufgegeben zu versuchen sie wach zu halten. Er hoffte das schlechter Schlaf wenigstens besser war als kein Schlaf.

James hatte sie – oder sonst jemanden – so gesehen. Ainsley war nicht die prima und angemessene Art Mädchen aber sie war nicht gerne unter Leuten wenn sie krank war und sie war akkurat bei ihren Haaren und ihrer Haut (eines der wenigen Überbleibsel vom Leben mit Daphne die sie behalten hatte) also war es komisch und desorientierend sie so blass zu sehen mit zerzausten und ermatteten Haaren vom wälzenden Schlaf.

Die Uhr am ende das Gangs schlug vier mal – James zählte es – und er nahm Ainsleys Hand in seine, hoffte verzweifelt sie zu beruhigen und zu erden wusste aber das es zwecklos war. In den Augenblicken in denen sie sich beruhigte war das Haus ruhig ausser den Geräuschen der Unruhe die von Scorpius' Zimmer durch den Gang klangen. Es klang als würde sein Bruder auch keinen Schlaf kriegen.

Am Morgen bestanden Draco und Dania darauf zu übernehmen. Ainsley verlangte ihren Cousin zu sehen und erlaubte James nicht sie in sein Zimmer zu tragen. Mehrere zittrige Minuten gingen sie den Gang hinunter – Ainsley hielt James' Hand und Dania nicht weit hinter ihnen.

Albus schlief auf der Fensterbank, fest zu einem Ball zusammengerollt und in eine weiche Decke geschlungen. Draco sass am Fussende von Scorpius' Bett mit einem Tablett halb aufgegessenem Rührei neben sich und Scorpius welcher zusammengerollt in der Mitte des Betts lag. Ainsley bemerkte das er ziemlich verloren aussah als er mit einem entfernten ausdruckslosen Starren auf seinen Sohn sah.

„Draco?" sagte James. Dania ging an ihnen vorbei und fühlte mit ihrem Handrücken Scorpius' Stirn genau wie sie es vor einigen Minuten bei Ainsley getan hatte.

Draco sah sie einen Augenblick lang an und blinzelte als würde er sie für einen Moment nicht erkennen.

„Wie fühlst du dich?" fragte er Ainsley.

„Rau", gab sie zu. James hielt ihre Schultern fest und brachte sie hinüber zum Bett. Sie liess sich direkt darauf fallen und streckte sich neben ihrem Cousin aus. Erst da merkte sie das Scorpius wach war als er sich zu ihr streckte und ihre Wade – das nächste was er erreichen konnte – mit seiner kalten Hand tätschelte. Als er sprach war seine Stimme nicht mehr als ein Flüstern.

„Hoffentlich dauert das nur einen Tag", sagte er mit gezwungenem Optimismus.

„Hoffentlich."

„Wie geht es dir?" fragte er und drehte seinen Kopf in seinen Arm. „Es tut mir leid – ich kann meine Augen nicht öffnen. Ich habe die schlimmsten Kopfschmerzen die ich je erlebt habe."

„Kopfschmerzen?" fragte Ainsley. „Ich glaube mein Kopf tut ein wenig weh aber mir ist hauptsächlich kalt und ich habe Schmerzen."

„Faszinierend", sagte Scorpius und sie konnte sagen das er es wirklich interessant fand. „Wir sollten das aufschreiben – es ist eines Tages vielleicht für jemanden nützlich."

„Das stimmt", sagte Ainsley. „Erinnere mich später daran angemessene Worte dafür zu finden. Ich denke ´Gelenke voller Rost´ und ´fühlt sich wie ein Eisbad an´ würden helfen."

James schüttelte den Kopf und lächelte sie liebevoll an. Er hatte dunkle Ringe unter den Augen die Ainsley noch nie gesehen hatte und erweckte ihre Instinkte sich um ihn zu kümmern – ihn schlafen lassen und ihn mit Suppe und Schokolade zwangs zu ernähren bis er sich besser fühlte – aber sie war so weit weg in der Lage zu sein das zu tun. Wieder einmal fühlte sie sich ziemlich nutzlos.

„Nur ihr beiden könnt euch Sorgen darüber machen ob das Dokumentiert wird oder nicht um anderen zu helfen", sagte James. Er unterdrückte ein Gähnen.

„Du solltest etwas schlafen James", sagte Draco. „Wir kümmern ums um sie."

Ainsley sah wie James' Augen von ihr und Scorpius zu Albus wanderten, welcher selbst im Schlaf angespannt wirkte. Er nickte wiederwillig.

„In Ordnung", sagte er. „Aber nur weil ich später nutzlos bin wenn ich es nicht tue."

„Das hat Albus auch gesagt", murmelte Scorpius. „Verdammte Potters."

Ainsley sah nun wie Draco ab dieser Aussage leicht lächelte. Er streckte sich und streichelte Scorpius feuchtes Haar etwas erleichtert. Sicher wenn er Albus und James noch ärgern konnte, konnte es nicht so schlimm sein.

Spät am Nachmittag zog sich Albus erschöpft und desorientiert unter der Kaschmire Decke hervor. Er erinnerte sich schwach daran das er sich auf die Fensterbank gelegt hatte und hatte eine vage Erinnerung an Stimmen im Raum aber er war nach einer schlaflosen Nacht hauptsächlich bewusstlos gewesen.

Glückerweise schien Scorpius jetzt auf dem Bett ausgestreckt zu dösen. Albus betrachtete ihn einen Augenblick um sicher zu gehen das er in Ordnung war – seine Finger zuckten alle paar Sekunden und er hatte an einem Punkt seine Decke abgeworfen aber für den Augenblick war alles ruhig.

Albus verliess den Raum leise und ging hinunter, entschied sich auf dem Weg das er verantwortlich sein und sich bei der Arbeit melden sollte. Nach einem kurzen Abstecher in die Küche wo Pokey ihm ein Sandwich gab ging er ins Wohnzimmer und kniete sich vor den Kamin. Er warf etwas Flohpulver hinein und rief nach der Magiezoologischen Gemeinschaft. Während er wartete das der Wächter Magorian holte setzte sich Albus auf den Boden und knabberte an seinem Sandwich. Er hatte keinen Appetit wusste aber das er essen musste. Zehn Minuten später als Magorians Kopf im Kamin auftauchte hatte er nur einen Drittel davon gegessen.

„Albus", grüsste er. „Wie geht's?"

„So gut wie man erwarten kann nehme ich an", Albus zuckte mit den Schultern. Er hatte besseres erwartet und erhofft wollte das aber nicht zugeben oder sich selbst für Fragen öffnen. Magorian wusste ein gutes Stück davon was los war – Albus war gezwungen es zu erklären wenn er seine Tage kürzte und die Arbeit verpasste und hatte Glück einen Vorgesetzten zu haben der es verstand. „Ich wollte mich nur melden und sicher gehen das es meinem Baby Mondkalb gut geht."

„Ihr geht es gut", versicherte Magorian ihm. „Dein Onkel Charlie ist heute morgen gekommen und hat sie sich persönlich angesehen."

Albus fühlte eine warme Welle der Zuneigung für seinen Onkel und lächelte zum ersten mal an diesem Tag.

„Wann können wir dich zurück erwarten?" fragte Magorian.

Albus sah hinunter und riss ein Stück Brot auseinander. „Ich weiss es nicht um ehrlich zu sein", gab Albus zu. „Ich hoffte später diese Woche aber ich bin nicht sicher. Die Dinge laufen nicht reibungslos."

Magorian hielt inne und betrachtete Albus sein Gesicht ging im Feuer durch verschiedene Grüntöne.

„Al ich muss fragen – muss ich erwarten das du bald Trauerurlaub nimmst?"

Albus' Augen weiteten sich und seine Hände wurden ruhig. Seine Kehle schnürte sich schmerzhaft zu. „Trauer?"

Magorian schien sich nicht wiederholen zu wollen oder zu bestätigen was er gesagt hatte aber Albus brauchte das nicht.

„Ich – ich weiss nicht", stammelte er. „Ich bin nicht…Ich weiss nicht was passiert."

„Okay", sagte Magorian. „Es tut mir leid das ich gefragt habe."

„Braucht es nicht", sagte Albus schnell. „Sie müssen es wissen aber ich weiss nicht was passiert."

„Halt mich auf dem neusten Stand Albus", sagte Magorian ernst. „Ich mach mir Sorgen um dich."

„Werde ich Sir", versprach Albus und bereute das er sich überhaupt gemeldet hatte. „Danke für Ihr Verständnis."

Magorian nickte und Albus hörte am anderen Ende der Verbindung ein lautes Krachen. Sein Gesicht verschwand kurzfristig und als er wieder auftauchte sah er genervt aus. „Verdammter Kniesel ist wieder frei", erklärte er. „Muss los."

„Bye."

Albus sah wie Magorians Gesicht verschwand und die Flammen wurden wieder zu einem warmen gelb. Er starrte eine lange Zeit hinein, dachte immer wieder über das Wort Trauer nach bis er was von seinem Sandwich übrig war zerrissen hatte bis es unerkenntlich war.

-2 Tage

Scorpius und Ainsley waren am zweiten Tag beide erschöpft. Ainsleys Hände zitterten stark und es war so schlimm geworden das sie Mahlzeiten verlangte die kein Besteck erforderten obwohl James darauf bestand das er nicht weniger von ihr halten würde wenn er ihr essen helfen musste.

Scorpius auf der anderen Seite wechselte zwischen frieren und überhitzen und ihm war mehr schlecht als zittrig. Wenn er das Bett verliess schlang er seinen dicksten Bademantel und seine Decke um sich ging aber nicht weit.

„Ich habe das Gefühl das das Brennen womit es begonnen hat schnell zu Kälte wurde", sagte er Albus nach einer weiteren unruhigen Nacht.

Um die Mittagszeit waren Scorpius' Nerven so strapaziert das er nicht mehr den Anschein der Höflichkeit waren konnte. Er, Draco und Albus assen in der Bibliothek zu Mittag er wurde mindestens zwölf mal gefragt ob er etwas brauchte. Scorpius war halb aus seinem Sessel um seine Sachen auf den Wagen zu stellen den Pokey gebracht hatte als Albus schnell seinen Teller nahm und ihm sagte er solle sich setzten und entspannen. Es war zu viel.

„Ich kann es selbst machen Albus", fauchte Scorpius. Albus erstarrte und starrte ihn überrascht an.

Draco welcher neben Scorpius sass legte eine beruhigende Hand auf die Schulter seines Sohnes. Scorpius spannte sich bei der Berührung an.

„Ich glaube nicht das Albus meinte das du es nicht kannst", sagte Draco sanft.

„Habe ich nicht", sagte Albus. „Ich war nur – „

„Ich weiss", seufzte Scorpius irritiert. Er rieb seine pochenden Schläfen. „Könnt ihr beide mich einfach etwas alleine lassen? Ich brauche eine Minute."

Albus und Draco tauschten zögernde Blicke.

„Mir geht es gut. Geht…einfach."

Draco und Albus standen verloren auf und nahmen ihre Teller vom Mittag mit ihnen. Draco nahm den Wagen mit sich als er ging und Albus sah Scorpius ein letztes Mal unglücklich bevor er ihm folgte.

Scorpius bereute es sofort sie gebeten zu haben zu gehen. Er sackte in seinen Sessel, zog die Decke enger um seine Schultern und schloss die Augen. Sein ganzer Körper schmerzte und sein Kopf pochte so fest das er kaum denken konnte. Seine Brille fühlte sich nutzlos auf seiner Nase an – er konnte sowieso kaum sehen – also nahm er sie ab und warf sie auf den Tisch.

Zwei Tage und er fühlte sich zehn mal so schlecht wie vor dem Trank. Zwei Tage und keine Verbesserung. Zwei Tage und in der Nacht zuvor hatte es einen Moment gegeben in dem er um den Tod gefleht hatte als er erschöpft und schmerzend in Albus' Armen gelegen hatte.

Mit grosser Mühe zog Scorpius sich aus seinem Sessel, hielt sich am Tisch fest. Das Aufstehen liess ihn schwer atmen und hielt inne um zu Atem zu kommen, starrte auf das dunkle Holz und die leichten Kratzer die er als Kind hinterlassen hatte als er mit seiner Mutter gespielt hatte.

Er wünschte sich nun mehr den je das sie hier wäre.

Als er in der Lage war sammelte Scorpius seine restliche Energie und schlurfte zum Sofa wo er auf den weichen Kissen zusammenbrach. Er lag auf ihnen, drehte sein Gesicht in das blaue Leder und hatte mühe seine Füsse unter die Decke zu kriegen um warm zu haben.

Er lag dort benommen und deprimiert für eine lange Zeit. Er konnte es nicht mehr sagen – sein Zeitgefühl war komplett weg – aber als Albus zurück kam, in frischen Kleidern und geduscht fühlte er sich als wäre er ewig weg gewesen.

„Scorp?"

Scorpius sah auf als er eintrat er bewegte nur die Augen.

„Es tut mir leid das ich dich angefaucht habe", sagte er bevor Albus etwas sagen konnte. Er musste sich daran erinnern das Albus ihn nicht mitleidig ansah – es war Mitgefühl und diese beiden sahen oft aus wie dasselbe.

„Es tut mir leid wenn ich aufdringlich war."

„Warst du nicht", versicherte Scorpius ihm. Er versuchte sich langsam und vorsichtig hochzustemmen, seine Arme zitterten dabei. Albus machte einen schnellen vorwärts als wollte er helfen hielt aber inne seine Arme fielen schlaf an seine Seiten.

„Komm her", sagte Scorpius. „Bitte?"

Albus kam schnell zu ihm und setzte sich auf den Platz neben Scorpius, schlang seine Arme um seine Schultern und zog ihn an sich. Nun da er ruhiger war bemerkte Scorpius die Sorgfalt von Albus vorsichtigen Berührungen und schmolz dabei – nicht das er viel Wahl hatte. Albus zog Scorpius' Beine über seinen Schoss und liess ihn näher sitzen.

„Es tut mir leid", entschuldigte er sich erneut sobald sie ruhig waren. „Tut es wirklich und es tut mir leid womit du dich alles herumschlagen musst."

„Entschuldige dich nicht", sagte Albus kopfschüttelnd. Scorpius starrte ihn an suchte nach dem kleinen braunen Ring im Zentrum seiner grünen Iris. Er wollte sich alles einprägen – die Farbflecken in Albus' Augen, die Platzierung seiner Sommersprossen und die vielen kleinen Muttermale die an seinem Hals zu sehen waren.

„Was?" fragte Albus als er zu lange starrte.

Scorpius schüttelte den Kopf und lehnte sich gegen das Sofa. „Nichts. Ich…liebe dich einfach. Du weisst das oder?"

Albus' Kiefer spannte sich an und seine Lippen pressten sich zu einer schmalen Linie. „Tu ich, aber sag es nicht als würdest du dich verabschieden."

„Ich…" Scorpius wollte sagen das er das nicht tat. Er hatte nicht beabsichtigt das es so klang. Vielleicht erinnerte sich einfach daran wie seine Mutter in den Monaten vor ihrem Tod sicher gestellt hatte das er wusste das er geliebt wurde – ihn erinnert und jeden Tag kleine Wege zu finden es ihm für den Fall zu sagen. „Ich decke nur all meine Zielpfosten ab."

Albus sagte nichts und hielt Scorpius fester, seine Hände fuhren so gut sie durch drei Lagen Stoff konnten über seinen Rücken und seine Arme. Scorpius drückte sich weiter in Albus' Wärme, zufrieden mit der Stille bis Albus sprach.

„Wie viele Kinder willst du?"

Scorpius rümpfte verwirrt die Nase. „Was?"

„Ich will es wissen. Ich glaube nicht das ich je gefragt habe."

„Ich weiss nicht", sagte Scorpius.

„Was ist mit Haustieren? Willst du noch einen Hund?"

„Ich bin nicht sicher."

„Was ist mit einer Scheune? Wir können Eulen züchten wenn wir das Haus auf dem Land haben."

Scorpius drehte sein Gesicht in Albus' Schulter. „Ich kann nicht soweit voraus denken."

„Ist es weil wir nicht verheiratet sind? Weil ich kann Tante Hermine rufen – „

Albus", warnte Scorpius. „Das ist kaum an der Zeit."

„Ich weiss", sagte Albus. Seine Stimme fiel etwas. „Ich möchte aber das du über diese Dinge nachdenkst."

Albus fuhr mit den Händen sanft über jedes Stück blosser Haut das er finden konnte über Scorpius' Wange und Hals bis er seine Hand erreichte und sie sanft in seine nahm. Albus fuhr leicht mit seinem Daumen über Scorpius' Handfläche, vorsichtig bei den blassen Blutergüssen auf seiner Haut auch wenn er seit Tagen nicht mehr Klavier gespielt hatte.

Scorpius fühlte wie sein Atem langsamer wurde als sein Körper übernahm, zwang ihn zum Schlafen durch die Anstrengung auch wenn sein Geist Albus sollte wollte das er so weit voraus denken wollte. Er wollte soweit vorausdenken dass er ihr Haus chaotisch von ihren spielenden Kindern sah und Hunde und Katzen und was für andere Wesen um die sich Albus kümmern wollte zu kraulen. Er wollte Albus sagen das er so vieles wollte aber sein Körper liess ihn nicht und er schlief ein mit dem Gedanken an lachende Kinder und das Pfeifen des Hogwarts Express.

-3 Tage

Draco erwachte rasch. In dem kurzen Augenblick der Stille fragte er sich was ihn geweckt hatte hörte aber keine Schreie von Orion und keine Geräusche im Gang. Er griff nach Dania fand aber ihre Seite des Betts warm und frisch verlassen. Orions Wiege war ebenfalls leer und er setzte sich verwirrt auf. Er hatte nicht geträumt auch wenn er früher am Abend einige spektakuläre stressträume gehabt die seinen Vater, Lord Voldemort und den Namen seines Sohnes auf einem Grabstein beinhielten.

Dann hörte er es. Gelächter aus dem Gang. Es kam immer näher – ein hohes und fröhliches Geräusch gefolgt von einem herzlichen glücklichen Lachen und Schritte. Ainsley und James.

Er hob seine Augenbraue als er ein weiteres vertrautes Geräusch hörte – das ein Körper eine Wand traf und das leichte Stöhnen von zwei küssenden Menschen die sich lachend trennten bevor sie barfuss den Gang hinunter rannten und ihre Stimmen verblassten die Treppe hinunter.

Draco sprang aus dem Bett, ignorierte seine Hausschuhe und schnappte seinen Zauberstab von seiner Kommode. Wenn Ainsley lachte – wenn Ainsley rannte dann ging es ihr gut und wenn es Ainsley gut ging und bei James war brauchte sie ihn noch nicht.

Draco ging schnell vom Zimmer in den Gang. Er hörte genau auf Geräusche hinter der schweren Holztür zu Scorpius' Zimmer. Stille.

Mit der grössten Vorsicht öffnete Draco die Tür und blickte hinein. Die Blenden waren offen, liessen das Licht durch die feinen Vorhänge und warfen ein leichtes Sommer Leuchten in den Raum, erhellte die blauen Wände und die Bücherregale daran genau wie das massive Bett im Zentrum des Raums. Draco trat herein. Unter normalen Umstände hätte Draco das Zimmer seines Sohnes nie so betreten aber diese Art von ungeduldigen Flattern in seiner Brust war nicht normal.

Albus sass gegen das Kopfteil Scorpius lag in seine Decken geschlungen auf seiner Brust. Er sah mit einem Arm um seine Schultern auf Scorpius und sein anderen lag auf den Decken und erlaubte es seinen Finger immer wieder durch Scorpius' Haar zu streichen. Von der Tür war alles was Draco von Scorpius sehen konnte sein Arm welcher um Albus' Mitte lag und sein helles Haar über Albus grünes T-Shirt verteilt. Albus jedoch konnte er perfekt sehen.

Das erste was er aus der Ferne bemerkte war der Ton von Albus' Haut. Sie war fleckig als hätte er geweint – und Draco merkte das er weinte. Er hatte Tränenspuren auf den Wangen welche unbemerkt schienen während er Scorpius' Haare weiter streichelte seine Bewegungen wiederholend und methodisch.

Oh nein, dachte Draco. Er ging einige Schritte näher unbemerkt von Albus welcher zu eingeschlossen war in dem was er sah um Dracos Anwesenheit zu bemerken. Draco sah genauer hin und sah das Albus' Ruhe nur von Scorpius' Stille übertroffen wurde. Nein, nein, nein.

Aber etwas stimmte nicht. Albus beugte sich hinunter und küsste Scorpius' Kopf, seine Augen geschlossen und seine Hände ruhig. Draco sah einen langen Augenblick zu als Albus ruhig blieb gegen Scorpius' Haar tief zitternd einatmete bevor er sich lächelnd erhob und sie gegen das Kopfteil entspannte.

„Albus?" flüsterte Draco als er nicht mehr länger warten konnte.

Albus sah nicht auf aber Draco sah das er zuerst überrascht war. Dann grinste er und sah noch immer auf Scorpius der auf seiner Brust lag glücklicher als Draco ihn je gesehen hatte. Er winkte Draco blind herüber und er verschwendete keine Zeit und ging zum Bett und sah auf seinen Sohn.

Da war Farbe in seinen Wangen und seine Lippen waren wieder leicht pink. Die leichten Blutergüsse waren komplett weg und die Haut über seinen Armen hatten ihre Durchsichtigkeit verloren. Er hatte noch leicht verfärbte Flecke aber sie waren vernachlässigbar und verschwindend.

Draco fiel neben dem Bett auf die Knie und war auf Augenhöhe mit dem Gesicht seines Sohnes. Er erholte sich friedlich sein Atem gleichmässig und unangestrengt. Sein Gesicht war entspannt – er hatte keine Sorgen oder Schmerzfalten auf der Stirn oder Tränen auf den Wimpern. Er schlief einfach.

„Er ist gestern um elf eingeschlafen", flüsterte Albus. Er hatte noch immer nicht aufgesehen. „Er muss für eine Weile ruhig gewesen sein weil ich auch eingeschlafen bin als ich vor etwa einer Stunde aufgewacht bin…"

Albus deutete mit seiner freien Hand auf Scorpius und eine Erklärung war unnötig. Draco nahm an das er nicht von Scorpius weggesehen hatte seit er wach war und Draco verstand wieso. Sein schlafender Sohn, gesund und geheilt war das schönste was er je gesehen hatte.

Draco wusste nicht ob er lachen oder weinen sollte. Er konnte sich nicht entscheiden und er hatte Angst er würde beides tun und Scorpius wecken. Er atmete tief durch um sich selbst zu fokussieren versagte jedoch kläglich. Sein Herz klopfte stark in seiner Brust ekstatisch voller Freude und er wollte den Gang hinunter rennen und allen sagen das es Scorpius gut ging konnte sich aber nicht dazu bringen aufzustehen oder weg zu sehen.

„Es geht ihm gut", flüsterte Draco. Albus nickte seine Hände bewegten sich zu Scorpius' Haaren. Es blockierte Dracos Blick aber es störte ihn nicht. Sein Sohn verdiente es so gehalten zu werden – geliebt und sicher – und er fühlte sich etwas wie ein Eindringling vertraute aber das Albus ihm gesagt hätte zu gehen wenn es ein Problem wäre.

„Ja ich glaube schon", sagte Albus. Erst dann sah er zu Draco hinüber. Seine Augen waren hell und erleichtert. „Sollen wir ihn wecken?"

„Ungern", gab Draco zu. „Er sieht so ruhig aus."

„Er wird sicher nicht ruhig sein wenn er aufwacht", sagte Albus mit einem zurückhaltenden Lachen. Draco lächelte und griff hoch und legte seine Hand über Scorpius. Sie war wieder warm.

„Ja wecken wir ihn", sagte Draco nach einem Moment. Albus schüttelte Scorpius' Schulter sanft vorsichtig ihn nicht zu entfernen oder ihn weg zu drängen. Es dauerte eine Sekunden bis Scorpius reagierte und Albus stoppte als er stöhnte und sein Gesicht vom Sonnenlicht weg drehte.

„Scorp?" sagte Albus.

„Was?" stöhnte Scorpius so gereizt das Draco anfing zu lachen.

Scorpius zu ihm hoch offensichtlich verwirrt ab der Anwesenheit seines Vaters an der Seite seines Bettes. Draco setzte sich auf und bewegte sich auf die Kante der Matratze während Scorpius seine Augen rieb. Für eine Sekunde sah es aus als würde er sich auf was Draco annahm seine Seite des Bettes war rollen aber Albus hielt ihn fest.

„Was tust du hier Dad?" fragte Scorpius als er wach genug war. Er betrachtete Dracos Gesicht für eine Sekunde. „Wieso siehst du mich so an?"

Er sah zu Albus und setze sich schnell an seiner Seite auf, seine Augen weit und verängstigt. „Wieso weinst du? Was ist passiert?"

Scorpius sah schnell zwischen ihnen her und Albus' Grinsen wurde so breit das Draco annahm das es ihm später am Tag wehtun würde.

Draco legte eine beruhigende Hand auf die Schulter seines Sohnes. „Sie auf deine Hände", sagte er.

Scorpius sah verwirrt auf seine Handfläche und zog die andere unter den Lacken hervor. Er starrte sie mehrere Sekunden an, verwirrt drehte er seine Hände und untersuchte jeden seiner Finger und die Linien auf seinen Handflächen und fuhr mit dem Zeigefinger über eine davon. Er streckte seine Arme aus und sah auf die Haut bevor er überrascht hochsprang. Er setzte sich auf die Knie und zog den Saum seines dicken Nachthemds hoch – eines was er normalerweise nur im Winter trug – und untersuchte seinen Bauch. Er war frei von Zeichen. Neben ihm sah Albus aufmerksam zu noch immer grinsend und zitterte beinahe vor Aufregung.

„Es hat funktioniert", sagte Albus. „Siehst du? Es hat funktioniert."

Scorpius sagte nichts und vergrub das Gesicht in den Händen. Ein merkwürdiges Geräusch kam zwischen seinen Fingern hervor und Draco war nicht sicher ob er in tränen oder hysterisches Gelächter aufgelöst war. Albus schob sich hoch und schlang einen Arm um Scorpius' Rücken und Draco merkte das es beides war.

„Scorpius?" sagte Draco. Er wünschte er wäre näher wo er seinen Sohn halten konnte und ihm sagen konnte das alles gut gehen würde – es war schwer der Elternteil eines Erwachsenen zu sein merkte er. Er wollte nichts mehr als Scorpius zu trösten wusste aber das es oft nicht mehr sein Platz war. Stattdessen legte er seine Hand auf Scorpius' Nacken. „Geht es dir gut? Du fühlst dich besser oder?"

„Ich fühle mich perfekt", sagte Scorpius in seine Hände. „Ich fühle mich komplett normal."

„Das ist grossartig", sagte Albus. Die Worte waren unzureichend aber der Bruch in seiner Stimme sagte den Rest.

Nach ein paar Minuten in denen Scorpius versuchte sich zu beruhigen liess er seine Hände fallen und Draco sah das er lächelte wirklich lächelte sein Gesicht von Tränen bedeckt und seine Augen frei von Schmerz. Er sah strahlend zu Draco und dann zu Albus.

„Und Ainsley?" fragte er.

„Geht es auch gut", versicherte Albus ihm.

„Ich hörte sie und James lachen und den Gang runter rennen", fügte Draco hinzu. „Sie muss gerade aufgewacht sein. Sie klangen ziemlich hysterisch um ehrlich zu sein."

Scorpius entspannte sich sichtlich weiter. „Merlin sei Dank", flüsterte er und warf sich ohne Vorwarnung auf Draco und schlang seine Arme fest um die Schultern seines Vaters. Draco zögerte nicht seine Arme fest um seinen Sohn zu schlingen umarmte ihn zum ersten mal seit Monaten ganz ohne Angst ihn zu verletzten. Er hielt Scorpius fühlte wie seine Schultern vor Lachen zitterten und erleichterten Tränen sah wie Albus sie anlächelte während er mit dem Quilt die Nässe von seinen Wangen wischte bis Scorpius' Magen so wütend knurrte das man es nicht ignorieren konnte.

„Ich glaube das bedeutet du braucht Frühstück", lachte Draco und liess ihn los. Scorpius setzte sich auf seine Fersen, lächelte schüchtern und wischte mit seinem Ärmel über sein Gesicht.

„Das scheint ziemlich alltäglich nachdem man bemerkt das man nicht mehr stirbt", sagte er mit einem herzhaften Schiffen.

„Selbst wenn es Erdbeer Pancakes sind?"

Scorpius grinste ihn unter seinem unordentlichen Haar an. „Nun das ist eine komplett andere Angelegenheit."

„Ich fang dann an", sagte Draco und stand auf. Scorpius verdiente einen Moment allein mit seinem Verlobten und Draco war nicht sicher das er hier sein wollte wenn Albus die Welle der Kitschigikeit die sich sicher hinter diesem verrückten steten Grinsen versteckte. Dennoch wollte er den Tag feiernd mit seinem Sohn verbringen. „Wir sehen uns in fünfzehn Minuten unten?"

„Absolut", stimmte Scorpius zu. Albus nickte schnell und Draco ging sowohl glücklich als auch ungewillt sie noch immer angrinsend zur Tür.

Draco hatte viele Augenblicken in seinem Leben vorbeigehen lassen ohne ihre Wichtigkeit zu bemerken. Er war so gefangen in der Planung seiner ersten Hochzeit das er nicht gemerkt hatte wie besonders Astorias Lächeln gewesen war als sie den unbrechbaren Schwur leisteten. Als Scorpius geboren wurde hatte er solche Angst es zu versauen das er seine sorgloses Kinderlachen nicht geniessen konnte bis sie beinahe weg waren und als er anfing mit Dania auszugehen war er so besorgt gewesen die Erinnerung an seine Frau zu betrügen oder diese wundervolle Frau die er anfing zu mögen zu verletzten das er einige wichtige Moment hatte vorbeiziehen lassen ohne sie zu schätzen bis sie vorbei waren.

Die Wichtigkeit dieses Augenblick jedoch ging Draco nicht verloren als er sah wie sein Sohn grinsend und voller Leben in die Arme seines Verlobten fiel. Er schloss die Tür hinter sich und er wusste das er hinter ging um seine liebende Frau, seinen kleinen Sohn und seine adoptierte Tochter zu sehen und lebensveränderte gute Neuigkeiten zu überbringen wahrscheinlich zum ersten mal in seinem Erwachsenen Leben. Er war glücklich – glücklicher als je zuvor in seinem Leben – und mit Erkenntnis hielt Draco im Gang inne.

Er zog seinen Zauberstab aus der Tasche seines Schlafanzugs und starrte ihn für einen Augenblick an. Der Zauberstab hatte viele Erinnerungen – seine ersten Tage in Hogwarts. Harry der ihn nach der Schlacht um Hogwarts lässig zurückgab. Die Spielsachen seines Sohnes zum Tanzen zu bringen. Travers in einem alten verstaubten Herrenhaus zu bekämpfen und eine Tür aufzusprengen. Blumen für Dania heraufbeschwören.

Draco hielt ihn leicht in seiner rechten Hand und fragte sich ob er es versuchen sollte. Er hatte seit Jahren keine Bemühungen gemacht aber nun war ein guter Zeitpunkt wie jeder andere auch…

Draco schloss seine Augen, hörte auf das Gelächter das von unten widerhallte und lächelte vor sich hin.

Expecto patronum", flüsterte er, öffnete seine Augen gab seinem Zauberstab einen leichten Schlenker wie er es von anderen unzählige male gesehen hatte.

Zum ersten Mal nahm der Nebel vorm an.

Albus hatte nicht aufgehört ihn anzustarren oder zu lächeln und auch wenn Scorpius überwältigt von Erleichterung, Dankbarkeit, Glück und einer Million anderen Dinge die er nicht benennen konnte überwältigt war wurde es etwas merkwürdig.

„Wieso siehst du mich so an?" fragte Scorpius mit einem Glucksen.

„Ich weiss es nicht", sagte Albus kopfschüttelnd. „Ich kann nicht aufhören."

Scorpius fiel auf die Kissen zurück streckte sich zum ersten mal seit langem ohne Schmerzen und grinste zu ihm hoch. Scorpius schnappte sich Albus' Hemd und zog ihn grob hinunter, nahm sein Gesicht in seine Hände und küsste ihn fest sowohl weil er es nicht einen Augenblick langer aushalten konnte es nicht zu tun als auch weil er es konnte.

Albus liess ein überraschtes Geräusch von sich nahm aber den Vorschlag an und kletterte hinüber, unterbrach den Kontakt nie bis seine Knie auf beiden Seiten von Scorpius' Torso waren und seine Hände sich auf Scorpius' Brust pressten.

Das allein lohnte sich zu leben dachte Scorpius.

Albus küsste ihn ungehalten, hielt ihn nahe und presste seinen Körper auf Scorpius' Arme bis Scorpius sich lösen musste um zu atmen. Er sah zu Albus hellen Augen und katastrophalen Haar auf und gluckste.

„Fünf", sagte Scorpius.

„Fünf?"

„Fünf Kinder. Ich will fünf Kinder", erklärte Scorpius. „Und ein Haus auf dem Land mit viel Land darum damit du eine Kuppel haben kannst und Mondkälber züchten kannst und Einhörnern rehabilitieren kannst oder was auch immer du tun willst."

Albus lachte, seine Hand lag auf der Seite von Scorpius' Gesicht. Er sah auf die beste Weise zu tränen gerührt aus. „Und ich will den Dachboden für die Bibliothek", fuhr Scorpius fort. „Und du hattest recht – eine Scheune wäre gut für Eulen oder was auch immer aber die Kinder könnten auch dort spielen und ich will ein grosses offenes Wohnzimmer damit wir die Feiertage in unserem Haus verbringen können und wo wir von Feiertagen sprechen ich will sicher gehen das die Kinder viele verschiedene Orte sehen – und vielleicht das Ressort in Brasilien weil es so einen grossen Einfluss auf dich hatte und ich will das Orion mindestens einmal in der Woche bei uns ist wenn er alt genug ist – um Dad und Danias Willen und für meinen. Nur weil ich älter bin bedeutet das nicht das ich verpassen will wie mein kleiner Bruder aufwächst."

„Woher kommt das alles?" gluckste Albus.

„Du hast mich zweiundsechzig mal gebeten dich zu heiraten Albus", sagte Scorpius sanft. „Glaubst du ich hätte dich nicht gehört?"

Albus legte seinen Kopf auf Scorpius' Brust und lachte vor sich hin. „Nein ich war nicht sicher ob du das hast", sagte Albus. „Aber du sagtest es wäre nur wegen der Unsicherheit oder? Wie wäre es mit dreiundsechzig?"

Scorpius legte seine Hand auf Albus' Mund um ihn zum Schweigen zu bringen. Er wusste was Albus' nächste Worte wären und er sah wie Albus in Verwirrung und Reue die Stirn runzelte. Es war niedlich und ihn zu bewundern gab Scorpius noch einige Sekunden Pause.

„Heirate mich?" fragte er und liess seine Hand in Albus' Nacken fallen. „Heirate mich am Freitag."

„Freitag?"

„Gib unseren Eltern einige Tage um eine Party zusammen zu würfeln. Dad wird uns nie vergeben wenn wir es nicht tun", sagte Scorpius und wischte Albus' Haar aus seinem Gesicht um seinen Ausdruck zu sehen. „Was sagst du?"

Albus betrachtete ihn einen Moment bevor er sich hinunter beugte und ihn erneut sanft und vorsichtig küsste und als er sich zurücklehnte damit Scorpius ihn gut sehen konnte grinste er wieder.

„Ich bin frei am Freitag."