Es mochten drei Stunden vergangen sein, in denen Gollum unbehelligt durch die Dunkelheit

tappte, gleichmäßig waren die Stufen, so dass er gut vorankam. Fast hätte er zufrieden

begonnen mit seinem Schatz zu sprechen, wie er es früher so oft getan hatte, als der Ring

noch bei ihm war. Hier im Berg fühlte er sich wohl, weil die Umgebung ihn an seinen

Unterschlupf im Nebelgebirge erinnerte.

Doch plötzlich vernahmen seine feine Ohren ein Geräusch. Es war noch fern, aber Gollum hatte

keine Mühe es zu deuten - schwere Stiefel polterten über Gestein. Einen Augenblick war

Gollum wie gelähmt, dann begann er sich zurückzuziehen. Ein gutes Stück weiter hinter ihm

war eine der vielen Öffnungen im Fels. Auch wenn er nicht wusste, was sich darin verbarg,

wollte er dort Zuflucht suchen. Es war allemal besser, als aufgegriffen zu werden - von wem

auch immer.

Doch Gollum war nicht schnell genug. Während er zurück kroch, tanzte ein flackerndes Licht

näher, huschte über die bräunlichen Wände und warf bizarre Schatten auf ihre grob behauene

Oberfläche. In seinem Schein sah Gollum, dass die Treppe eine Biegung nach Rechts machte,

kurz vor der Kehre war ein anderes Felsloch; viel näher, aber dennoch unerreichbar.

Gollum kauerte sich an die Felswand, der raue Stein kühlte seine Haut. Man würde ihn

entdecken, aber er hoffte inbrünstig einen Ausweg zu finden. Gebannt starrte er auf das Licht,

das nun in einem kräftigen Gelb erstrahlte.

Wenige Augenblicke später kam ein großer Ork um die Kehre. Er hielt eine Fackel in der Hand

und war sehr in Eile, denn er hastete förmlich über die Treppe, achtete mehr auf seine Schritte

denn auf die Umgebung. Seinen Lederpanzer zierte ein Totenkopfmond, er hatte keine Waffen.

Als der Ork an die Felsöffnung gelangte, zögerte er ein wenig. Dann ging er um so schneller an

dem dunklen Loch vorbei.

Gollum kauerte sich zusammen, bis man ihn bei flüchtigem Hinsehen für einen großen Stein

halten konnte, zum Sprung bereit. Ein unbewaffneter Ork war ein Gegner den zu besiegen er

sich zutraute. Er wusste um die Kraft seiner dürren Finger, und die Schärfe seiner Zähne - er

konnte mit ihnen eine Kehle zerdrücken und zerreißen.

Gollum kam jedoch niemals dazu, sein Geschick im Kampf mit einem Ork zu erproben, denn

mit einem Mal ertönte aus der Felsöffnung ein Geräusch; ein dumpfes Gurgeln und Scharren,

das den Ork in Furcht erstarren ließ. Seine katzenartigen Augen waren weit aufgerissen und

sein Mund verzog sich wie in einem Krampf, Speichel rann ihm über das Kinn.

Etwas schob sich aus der Finsternis auf die Treppe …

Im Licht der Fackel offenbarte sich ein namenloser Schrecken - eine gewaltige Spinne, größer

noch als ein Mensch, mit langen behaarten Beinen, an deren Enden je eine scharfe Kralle saß,

einem dicken, hässlichen Körper, dessen lederne Haut alt und runzlig war. Ein langer Stachel

zierte ihren Hinterleib, Gift quoll aus ihm hervor und besudelte den Boden. Ihr unförmiger

Schädel zuckte nach vorn.

Sie packte den entsetzten Ork mit ihren gewaltigen Kieferzangen. Er kreischte und hieb mit

der Fackel auf den Kopf der monströsen Spinne ein, die wütend fauchte. Das Feuer tat ihren

empfindlichen Augen weh und versengte die feinen Haare auf ihrem Körper. Als der Ork seine

Gegenwehr verdoppelte, zappelte und wie von Sinnen um sich schlug, hatte die Spinne genug.

Gegen ihre Gewohnheit und ihre Natur setzte sie nicht ihren Giftstachel ein, sondern bewegte

ihre Zangen.

Das Geschrei des Orks schwoll an, während sich der Griff um seinen Leib unerbittlich

verstärkte. Er ließ die Fackel fallen und packte die Kieferzangen - aber vergeblich. Knochen

brachen mit einem lauten Krachen und Blut und Gedärm spritzen umher, als die Spinne ihr

Opfer tötete, indem sie es in der Mitte zermalmte und zerriss.

Mit dem Oberkörper in den Fängen verschwand sie in dem Loch, in dem sie auf Beute gelauert

hatte, eine Blutspur hinter sich herziehend. Sie kam ein zweites Mal hervor und holte den Rest

ihres unglücklichen Opfers.

Vor Entsetzen vollkommen unfähig sich zu bewegen, hörte Gollum sie schmatzen, schlürfen

und keuchen. Es schien Stunden zu dauern, bis die Geräusche des grausigen Mahls verebbten.

Aber endlich war es still und finster wie zuvor, denn die Fackel, die der Ork fortgeworfen hatte,

war heruntergebrannt. Gollum wagte kaum zu atmen. Lauerte die Spinne noch in ihrem

Versteck? Sicherlich hockte sie über den ausgesaugten Gliedern des Orks, den fetten Wanst

vollgefressen. Oder hatte sie sich nach ihrer Mahlzeit von dannen gemacht? Auf die Suche

nach neuer Beute, wohl wissend, dass sie an der gleichen Stelle in so kurzer Zeit schwerlich

ein zweites Mal ein Opfer finden würde?

Es gab nur einen Weg, um das herauszufinden.

Behutsam schlich Gollum vorwärts. Der Gestank aus der Felsenöffnung machte ihn benommen

und der Geruch des Orkblutes tat ein Übriges um ein Würgen in seiner Kehle hervorzurufen. Er

schnappte nach Luft, was seiner Übelkeit nicht zuträglich war, doch mit einem eisernen Willen

zwang er sich vorwärts. Seine Füße berührten den nassen, glitschigen Boden; und noch etwas

anderes. Voller Ekel sprang er über die Überreste des Orks hinweg. Das leise Tappen, das er

dabei verursachte, nahm er in Kauf.

Fast hatte er die Felsenöffnung passiert. Er warf einen Blick hinein ...

Gollum schrie entsetzt, als sich facettierte Augen auf ihn richteten, die in einem eigenen Licht

schimmerten. Er machte einen Satz vorwärts, an der Öffnung vorbei, in der Hoffnung rasch

genug zu sein.

Aber die Spinne war schneller, trotz ihrer Größe und des plumpen Aussehens. Ihre haarigen

Beine verstellten ihm den Weg. Um nicht gegen sie zu prallen, hielt Gollum abrupt inne und

dann warf er sich wimmernd zu Boden, die dünnen Hände in einer demütigen Geste der Spinne

entgegenreckend.

Der Körper der Kreatur leuchtete nun ganz schwach in einem ungesunden Grün und

verbreitete ein diffuses Licht auf der Treppe.

Die Spinne beäugte Gollum abschätzend und mit Schrecken sah er, dass ihre Augen

erstaunlich intelligent dreinblicken. Sie legte den mächtigen Schädel ein wenig schief, so als

würde sie überlegen. Schwarzes Blut tropfte aus ihrem hässlichen Maul, langsam und zäh und

bildete eine Lache unter ihr, die dunkel schimmerte und stank.

Ein Ork bist du nicht, sagte mit einem Mal eine krächzende Stimme zu Gollum, die von überall

zu kommen schien, doch sie hallte nur in seinem Kopf wieder - Gedanken zu erkennbaren

Worten geformt. Neugier schwang in diesen Worten mit, während das Leuchten des

Spinnenkörpers sich verstärkte. Gollum verschluckte einen überraschten Ausruf, dann

überwand er seine Angst und erhob sich so weit, dass er auf seinen Fersen kauerte. Die Spinne

wartete geduldig auf eine Antwort. Sie bekam zu selten etwas anderes zu Gesicht als die

jämmerliche Orkbrut, die sich durch das Gebirge schlich, vor Furcht zitternd und uninteressant.

Aber das hier war etwas Neues. Zur dürr und klein für ihren Geschmack, seltsam kalt, doch

unzweifelhaft geschickter und intelligenter als die Orks, denn als sie das Wesen ansprach mit

der Stimme ihrer schwarzen Seele, da verlor es vor Angst nicht den Verstand, sondern wandte

sich ihr zu. Es hatte ihre Worte vernommen!

Vorsichtig schüttelte Gollum den Kopf, während er in den Facettenaugen der Spinne eine

Regung zu erkennen versuchte. Fieberhaft überlegte er, wie er am besten zu der Furcht

erregenden Kreatur sprechen sollte. Ehrerbietig neigte er den Kopf.

"Sméagol, wir sind Sméagol, Erhabene!" antwortete er mit schmeichelnder Stimme und

verbeugte sich noch etwas tiefer. "Wir sind ein ..." Gollum stockte. Jahrhunderte hatte er nicht

einen einzigen Gedanken daran verschwendet, was sein Wesen ausmachte, was er einst

gewesen war. Sein Leben kreiste seit einer halben Ewigkeit um seinen Schatz, er selbst war

unwichtig geworden, konnte und wollte sich nicht an das Früher erinnern, es lag im dunklen

Nebel des Vergessens.

"Wir sind ein Nichts", fuhr er langsam fort. "Nicht wert, beachtet zu werden von der großen

Spinne." Gollum verzog die Lippen zu einem Lächeln, das seine spitzen Zähne entblößte,

demütig gebeugt kroch er ein wenig aus der Reichweite der langen Beine, die ihm noch immer

den Weg nach vorne verstellten. Die Augen der Spinne folgten ihm aufmerksam und Gollum

hätte schwören können, dass sie belustigt glitzerten. Die Kreatur erkannte seine Absichten,

also verwarf er den Plan nach hinten entwischen zu können. Vielleicht ließ die Spinne mit sich

handeln. Immerhin hatte sie ihn bis jetzt am Leben gelassen. Gollum überlegte fieberhaft was

er anzubieten hatte, um seine Freiheit wiederzuerlangen.

Du scheinst mir recht klug zu sein, Bürschchen, raunte die heisere Stimme in seinem Kopf

plötzlich. Leise und heimlich, nicht so plump wie das Orkpack, das mein Reich durchquert.

Aber mager ...

Der Kopf der Spinne beugte sich vor. Gollum riss sich zusammen, damit er nicht weiter

zurückwich.

Die Facettenaugen funkelten. Die Spinne war sich nicht schlüssig, wie mit der kleinen Kreatur

zu verfahren war, die dort vor ihr kauerte. Zum Fressen schien sie wenig geeignet, denn es

war nichts da, was sich auszusaugen lohnte. Aber vielleicht konnte dieses Ding namens

Sméagol sich als nützlich erweisen. Es war ein mühseliges Geschäft für die Spinne im Berg auf

der Lauer zu liegen und auf Beute zu warten, denn die Orks kamen selten. Manchmal hörte sie

sie von weit her reden und rumoren, aber sie ging nicht dorthin.

Einmal hatte sie es getan und einen Wachturm vorgefunden, in dem die Orks hausten, um den Pass über den Berg im Auge zu behalten, denn auch wenn dieser Weg nur wenigen bekannt war, so ließ ihn der Dunkle Herrscher - misstrauisch, wie es seiner bösen Natur entsprach - doch bewachen. Die Orks leisteten ihm dabei jedoch weniger gute Dienste, als die Große Spinne, die jeden Eindringling, der sich in ihr Reich wagte, fing und tötete; dass sie sich auch an vielen Orks schadlos hielt, fiel kaum ins Gewicht.

Ihr unverhofftes Erscheinen im Licht hatte allerdings nicht nur die Wachen des Turms in

Aufruhr versetzt. Nach kurzer Zeit waren viele Krieger gekommen, mit langen Spießen und

Fackeln in den Händen, und hatten die Spinne zurückgetrieben in die Dunkelheit ihrer

Behausung, damit sie dort blieb, so wie Sauron es wünschte - als grausige Wächterin, der

niemand entging.

Sie hatte sich diese Lektion gemerkt. Doch das Leben im Berg behagte ihr schon lange nicht

mehr, sie darbte die meiste Zeit und sann unermüdlich darüber nach, wie sie sich zu mehr

Nahrung verhelfen konnte. Jetzt sah sie eine Gelegenheit, die sie nicht vorübergehen lassen

wollte.

Mit Unruhe verfolgte Gollum, wie die Spinne allmählich näher rückte. Er hoffte inbrünstig, dass

sie ihre Ansicht über seinen Wert als Beute nicht geändert hatte, denn dann wäre er verloren

gewesen. Doch als sie weitersprach, musste Gollum sich beherrschen, um seine Erleichterung

zu verbergen.

Ich denke, ich lasse dich laufen, mein Kleiner. Aber nur unter einer Bedingung. Schaff mir

Beute heran! Du wirst einen Weg finden, davon bin ich überzeugt. Doch versuche nicht, mich

zu betrügen. Ich habe mächtige Freunde draußen in der Welt des Lichts. Sie können dich

überall finden und wieder zu mir bringen, und glaube mir, dann wird mein Zorn schrecklich

sein über alle Maßen!

"Oh ja!" Eifrig hüpfte Gollum vor der Spinne auf und ab, seine Begeisterung kam von Herzen,

wenn auch nicht aus dem Grund, den die große Kreatur im Sinn hatte. "Wir werden eilen, um

der Spinne ihren Wunsch zu erfüllen, gleich, ja. Sméagol wird mit Orks zurückkommen, vielen

Orks. Und vielleicht auch etwas anderem." Vergnügt gluckste Gollum vor sich hin und konnte

sein Glück kaum fassen. Er kam frei! Und wie weit auch immer der Arm der Spinne reichen

mochte, darüber würde er sich später Gedanken machen. Nun zählte nur, dass er ungeschoren

blieb und der Preis dafür war mehr als gering.

Die Spinne nickte zufrieden und ohne ein weiteres Wort kroch sie in die Felsöffnung zurück aus

der sie gekommen war. Gollum hörte sie schlurfen, wartete bis er sie nicht mehr vernahm und

eilte dann davon, jede Vorsicht außer Acht lassend. Bald konnten seine empfindlichen Augen

den Weg erkennen, denn je weiter er lief, desto weniger undurchdringlich wurde die Finsternis.

Die Felsentreppe blieb nun auf einer Ebene, und als sie sich um eine Ecke wand, sah Gollum in

weiter Ferne einen Spalt, durch den sanftes Licht fiel.

Nun rannte Gollum förmlich, getrieben von einem unbeschreiblichen Hochgefühl, das seinen

ganzen Körper überschwemmte. Er roch Luft, die ihm so süß erschien wie nie zuvor, nach dem

Gestank der Spinne, und es dauerte nicht mehr lange, da konnte er den Berg verlassen, durch

den sich der Weg, den er entdeckt hatte, auf seinem letzten und gefährlichsten Stück wand.

Gollum war heilfroh, den Abstieg aus dem Gebirge zügig und nun unbehelligt hinter sich

gebracht zu haben. Das Wissen um die Spinne, die im Berg lauerte, verfolgte ihn, denn

unablässig dachte er an ihre Worte. Seine anfängliche Erleichterung mischte sich mit Angst.

Wohin war er nur geraten? Tödliche Schatten und Bestien hatten seinen Weg gekreuzt und er

war ihnen nur durch glückliche Fügungen entkommen.

In diesem Moment wünschte Gollum sich zurück in seinen Unterschlupf im Nebelgebirge, aber

einen Augenblick später drängte sich der Ring wieder in seine Gedanken - und er wusste, dass

er weitergehen würde, was auch immer ihm noch begegnen mochte.

So kam er über den Pass, der den Namen Cirith Ungol - Spinnenspalte – trug.

Nur den Dienern des Auges war dieser Pfad durch das Schattengebirge bekannt, den Gollum

durch einen längst vergessenen Zugang betreten hatte, und sie mieden ihn, wenn es irgend

möglich war, denn er gehörte Kankra, der alten Spinne, die sich an den unglücklichen Orks

schadlos hielt, die gezwungen waren, diesen Weg zu wählen, wenn die hohen Herren es

befahlen.

Gollum trat aus dem Schatten des Berges hervor in das Licht des ausklingenden Tages, das

Düsternis über dem kargen Land schweben ließ. Der Weg hatte ihn fast an sein Ziel geführt.

Nun lag nur noch ein kurzes Stück vor ihm und er konnte Mordor betreten. Aber dieses Stück

erwies sich als tückisch, denn ein großer Turm stand nicht weit entfernt und eine Mauer

versperrte den Weg zwischen den Felsen hindurch. In ihr befand sich ein hoher Torbogen; aber

kein Tor, denn es war nicht vonnöten.

Gollum schlich sich voran. Der Wachturm war erleuchtet und er konnte laute Stimmen hören,

die sich mit dem leichten Säuseln des Windes verbanden, der um das Gebirge streifte. Aber

außerhalb des Turmes befand sich niemand. Gollum nutzte die Gunst der Stunde, schnell lief

er weiter, ließ das Bauwerk hinter sich und kam schließlich an den hohen Torbogen.

Verängstigt hielt er inne. An den Seiten der großen Öffnung hockten zwei Gestalten aus Stein,

im Zwielicht des scheidenden Tages ein gar furchtbarer Anblick. Mit drei Köpfen versehen,

schauten sie aus schwarzen Augen wachsam umher. Gollum zögerte, denn die steinernen

Wesen erschienen ihm bedrohlich und mitnichten tot und seelenlos, so wie sie es sein sollten.

Eine uralte Bosheit ging von ihnen aus, die Gollums Glieder lähmte und seinen Verstand träge

werden ließ. Verzweifelt wehrte er sich gegen den Wunsch auf der Stelle niederzusinken und

auszuharren, bis man ihn unweigerlich fand - auf dem Weg kauernd und schutzlos.

Wütend biss Gollum die Zähne zusammen. So kurz vor dem Ziel versuchte man ihn zur

Aufgabe zu zwingen, ihn, der so viele Entbehrungen auf sich genommen hatte, um seinem

Schatz wieder nahe zu sein! Der Ring war fast greifbar, er spürte es deutlicher als jemals

zuvor, seit er seine Suche begonnen hatte.

Knurrend schüttelte er sich, immer wieder, bis er die Lähmung, die von seinem Körper Besitz

ergriffen hatte, förmlich abstreifen konnte. Seinen Blick starr auf die Straße gerichtet, die aus

dem Tor hinaus in ein finsteres und unbekanntes Land führte, wolkenverhangen und wie mit

Blut getränkt, setzte er sich in Bewegung, schob ein Bein vor das andere mit einem eisernen

Willen.

Doch je weiter er kam, desto mehr verließ ihn der Mut und drückte ihn die Furcht nieder. Auf

Händen und Knien kroch er auf den Torbogen zu, sah sich ängstlich um. Viel zu lange schon

hielt er sich in der Nähe des Turmes auf.

Gollums Glück war die Nachlässigkeit der Orks. Sie überließen es der Spinne, den Pass zu

bewachen. Sie konnte es besser als ein ganzes Heer. Auch war seit Menschengedenken

niemand mehr den beschwerlichen Weg gegangen. Minas Morgul war Wache und Warnung

genug. Wer sein Leben liebte mied das Gebiet um die verfluchte Stadt; selbst die Waldläufer

Ithiliens wagten sich nicht heran.

Deshalb nahm es nicht Wunder, dass die Orks von Cirith Ungol sich lieber mit dem Trinken

eines starken, stinkenden Gebräus beschäftigten und dem schadenfrohen Gedenken an den

Gefährten, der sich in das Reich der Spinne hatte wagen müssen und noch nicht zurückgekehrt

war. Das irgend etwas oder irgendwer den Pass zu überqueren vermochte, kam ihnen gar nicht

in den Sinn.

Und die Wächter am Tor?

Sie schliefen nie, verrichteten unermüdlich ihren Dienst, von einem bösen Hauch

durchdrungen, der in ihrer steinernen Brust ein schwarzes Herz schlagen ließ. Sie wussten sehr

wohl zu unterscheiden, wer das Schwarze Land betreten durfte und wer ein Eindringling war,

denn sie konnten jedem lebenden Wesen bis auf den Grund der Seele blicken …

"Tut uns nichts", jammerte Gollum, während er auf dem Bauch vorankroch, an den Wesen mit

den Geiergesichtern vorbei, die ihn aufmerksam beäugten. Er fühlte sie mit unsichtbaren

Händen neugierig nach ihm tasten. Kalte Finger tanzten über seinen Körper, und nur mühsam

unterdrückte er einen Schrei.

Dann war das beklemmende Gefühl fort. Gollum schoss förmlich vorwärts, hetzte ein Stück die

Straße entlang und nach kurzer Zeit wich er nach rechts aus, in die Wildnis hinein und an den

Rand des Gebirges. Dort würde er sich zwischen den Felsen verstecken, um erst einmal

ausruhen zu können.

Und so hatte er das Verfluchte Land betreten ...