Die Weihnachtsferien waren zu Ende und die zweite Hälfte des Hogwarts Schuljahres begann.
Im Hogwarts Express, während Rose zur Toilette ging, erklärte Scorpius Albus Severus, weswegen er ihm keine Eule mit dem Gesprächsergebnis zukommen lassen hatte. Außerdem erzählte er, dass auch seine Familie ihm zu Weihnachten ein Haustier geschenkt hatte. Die kleine Fledermaus von der er sprach hielt sich an seiner Umhangtasche fest, während sie kopfüber schlief. Doch trotz der eben noch aufkommenden Freude beim erzählen über seine Fledermaus, konnte der Junge nicht begreifen wieso seine so liebe Oma so aggressiv reagiert hatte, hätte es nicht auch gereicht einfach zu sagen, dass das ihr Geheimnis ist? Er war gekränkt.
Auch Draco hatte mit dem Ereignis zu kämpfen, er zerbrach sich den Kopf über mögliche Beweggründe seiner Mutter, so hatte er sie nie zuvor erlebt. Was konnte so schlimm sein, dass sie es nicht einmal ihrem einzigen Enkelsohn oder ihm selbst sagen konnte. Draco strich sich durch das mittlerweile kürzere blonde Haar, bevor er seinen Kopf in den Händen abstütze. Sie musste Lucius fremd gegangen sein – kann man es fremd gehen nennen? Schließlich war er seit 19 Jahren in Askaban und würde das Gefängnis voraussichtlich auch zu lebzeiten nicht mehr verlassen. Wem hatte sie versprochen nichts zu erzählen und vorallem von wem war dieses Kind?
Derweil waren Potter, Weasley und Malfoy Junior wieder in ihren Gemeinschaftsräumen angekommen, morgen war Quidditch Turnier und der Unterricht entfiel deswegen, so konnten sie sich bis zum Morgengrauen unterhalten. Sie mussten sich austauschen und neue Pläne schmieden solange Rose nicht anwesend war, in ihrer Nähe war dieses Thema tabu! Sie nahmen sich vor Saffiyah nun öfter zu beobachten und ihr, wenn möglich, zu folgen – dies war nur möglich, währen Rose ihre Zusatzkurse belegte. Gesagt – getan, doch zuvor fand das erwähnte Quidditch Winter Finale statt. Gryffindor gegen Slytherin, wie fast immer eben. Es war ein aufregendes Spiel, ein Kopf an Kopf rennen. 10 – 10, 20 – 10, 20 – 20, 50 - 60. Zum Schluss konnte der Gryffindor Sucher den Schnatz fangen, der Sieg brachte den Gryffindors noch obendrein den Hauspokal ein. Ärgerlich, die grüne Mannschaft hatte so hart auf diesen Tag hingearbeitet, doch die Roten hatten offenbar den besseren Trainingsplan gehabt. Schon am nächsten Tag war die Niederlage – zumindest für die Zuschauer – schon vergessen.
Rose hatte nach den Zaubertrankstunden drei Stunden Muggelkunde Unterricht. So setzten die neugierigen Jungen ihren Plan in die Tat um, nachdem sie das Klassenzimmer verlassen hatten, folgten sie der Mitschülerin. Natürlich hatte Harry seinem Sohn den Tarnumhang überlassen, sodass das Mädchen sie nicht sehen konnte. Mit schnellen Schritte rauschte sie durch den Regen in Richtung der Hogwarts Ländereien, immer weiter in Richtung des verbotenen Waldes. ,Scorp da dürfen wir nicht rein!" stellte Albus Severus fest. Scorpius zog ihn weiter, er ignorierte die Angst seines Freundes und wies ihn lediglich darauf hin, dass er nicht so laut sein solle.
Sie folgten der Mitschülerin bis in den dunklen Wald. Dort setzte sie sich an einen Baum und schrieb etwas in ein Buch, während ihr dicke Tränen über die Wangen rollten. Die Feder kratzte stillebrechend auf dem Pergament. Albus Severus dachte an die Geschichte die sein Vater ihm von der Träne seines Lehrers erzählt hatte. Konnte man aus jeder Träne eine Erinnerung gewinnen? Vermutlich nicht, abgesehen davon wäre das viel zu auffällig gewesen. Die Jungen schlichen sich leise näher, bis sie direkt hinter dem schluchzenden Wesen standen und lesen konnten was sie zu Papier brachte. Die Seiten des Buches waren sehr gewellt, vermutlich weinte sie jedes Mal, wenn sie ihre Gedanken aufschrieb: es entpuppte sich als Tagebuch:
3.Januar 2017
Liebes Tagebuch,
auch heute war wieder ein grausamer Tag, zwar bin ich wieder in Hogwarts und muss nicht mehr alleine zurechtkommen, reden jedoch, will noch immer niemand mit mir. Meine Mitschüler mustern mich Tag für Tag, sie hänseln mich wegen meiner abgenutzten Robe und meinem löchrigen Umhang, doch niemand fragt warum. Ich hätte gerne Freunde. Jeder hat jemanden mit dem er Hogwarts, dessen Ländereien erkunden und für Proben lernen kann. Eigentlich sollte ich es gewohnt sein mich alleine durch das Leben zu schlagen, aber ich hatte Hoffnung, dass ich wenigsten hier jemanden finde der mich mag, oder sich wenigstens mit mir unterhält. Mama hat wieder nichts von sich hören lassen in den Ferien. Ich vermisse Papa, in den Ferien konnte ich mir die Fahrt in die Klinik wieder nicht leisten. Die Ärzte sagen es geht ihm schlechter. Ich hoffe er kennt mich noch, wenn ich ihn das nächste Mal besuchen kann.
Damit endete ihr Eintrag und sie klappte das schwarze Buch zu. Sie brauchte noch einige Minuten um sich zu beruhigen, dann steckte sie ihre Feder und das Buch in die Tasche und begab sich mit zögernden Schritten zurück zum Schloss.
Als sie außer Sichtweite war, legten die Jungen den Umhang ab. Sie waren verdutzt und hatten Mitleid mit ihr. ,Meinst du das stimmt?" fragte Scorpius seinen Verbündeten. ,Scorp das ist ein Tagebuch natürlich stimmt das, sonst würde sie es ja nicht rein schreiben!" Scorpius nickte und senkte seinen Kopf. ,Vielleicht sollten wir uns mit ihr anfreunden?!" gab er von sich, halb fragend, halb bestimmend. Albus gab ihm recht sie sollten es versuchen.
Schon am nächsten Tag machten sie ihren Plan wahr, Albus Severus, der nicht sonderlich gut in Zaubertränken und mal wieder überfordert war, bat das sonderbare Mädchen um ihre Hilfe beim Vorbereiten der Zutaten. Zuerst blickte sie ihm erschrocken in die Augen – scheinbar hatte sie wirklich noch nie jemand angesprochen – doch dann nickte sie. Rose beobachtete das Szenario genau und Scorpius wusste sofort, dass sie die Beiden später zur Schnecke machen würde, weil sie davon ausging, dass sie wieder etwas im Schilde führten. Dabei meinten es die Jungen dieses eine Mal tatsächlich nur gut. Während sie Albus Severus die Zubereitung und Handhabung der Zutaten erklärte wurde ihre Stimme sicherer. Als Albus Severus sich bei ihr bedankte, war sogar ein leichtes Lächeln auf ihren Lippen zu erkennen, doch bevor die Jungen sie fragen konnten ob sie die Pause gemeinsam verbringen wollten, hatte sie den Klassenraum im Kerker auch schon verlassen.
Wie erwartet prustete Rose beim Essen los: ,Was habt ihr Jungs jetzt vor? Wollt ihr jetzt nett tun und sie dann ausquetschen? Lasst sie doch einfach in Ruhe!" Die Jungen hatten sich bereits am Vortag darauf geeinigt, dass es wohl bessere wäre Rose nichts von ihrem Ausflug in den verbotenen Wald zu erzählen. ,Es ist gut wenn jemand mit ihr redet!" begann Albus Severus, ,Genau…hast du mal gesehen wie traurig sie ist weil sie immer alleine ist?" fügte Scorpius noch hinzu. Rose rollte mit den Augen, ,Jungs…", sie erhob sich und verließ die große Halle.
,Harry Post für dich!" reif Ginny, die soeben McGonagalls Eule empfangen hatte. Die Briefe der Schulleitung waren die einzigen, die Harry sofort öffnete, zum Einen aus Angst, dass sein Sohn etwas angestellt hatte, zum Anderen weil er seine ehemalige Professorin nicht auf eine Antwort warten lassen wollte.
Sehr geehrter Mr. Potter,
Ich freue mich Ihnen mitteilen zu dürfen, dass Ihr Sohn sich gut in der Schule eingefunden hat. Seine Noten in Zaubertränke und Geschichte der Zauberei werden stets besser. Was zuletzt auch daran liegen mag, dass Ms. Weasley ihn unterstützt und dazu bringt zu lernen.
Er ist Ihnen sehr ähnlich, Potter.
Ich freue mich Sie bald wieder im Hause begrüßen zu dürfen, falls sie auch dieses Jahr bereit sein sollten Ihre Begabung in Verteidigung gegen die Dunklen Künste mit den Schülern und Schülerinnen zu teilen.
Ich erwarte Ihre Eule, grüßen sie auch Ginny Potter von mir.
Gez. Minerva McGonagall
Natürlich war er bereit, er freute sich jährlich auf seine Lehrstunden in Hogwarts, dieses Jahr jedoch ganz besonders, da er nun sein Wissen auch an seinen eigenen Sohn weitergeben konnte. Er schickte die Hogwarts Eule umgehend mit passender Antwort zurück.
Saffiyah war nach Albus Bitte um Hilfe nicht mehr im Unterricht erschienen. Mittlerweile waren seitdem genau drei Wochen vergangen, die Jungen sprachen nun weniger über sie, was gab es auch Neues zu sagen, schließlich war sie ja nicht aufzufinden. Da niemand etwas mit ihr zu tun hatte, sorgte sich keiner ihrer Klassenkameraden um sie, falls sie ihre Abweseneheit überhaupt zur Kenntnis nahmen. Als die Beiden Gryffindors - verbotenerweise und gut getarnt - am selbigen Tag nach Sonnenuntergang über die Ländereien schlichen, konnten sie beobachten, dass Saffiyah sich wieder zu ihrem Platz im verbotenem Wald begab. Wieder weinte sie bitterlich. ,Lass mich mit ihr sprechen." Bat Albus Severus seinen Freund leise um Erlaubnis, dieser nickte und hob den Unsichtbarkeitsumhang an, damit sein Freund ihn verlasen konnte.
Verunsichert aber zielsicher begab sich Albus Severus zu dem weinenden Mädchen, welches ihr Buch noch nicht geöffnet hatte – Merlin sei Dank – dem Jungen wäre es sehr unangenehm gewesen sie anzutreffen während sie ihre zu Papier gebrachten privaten Gedanken geöffnet hätte.
Er setzte sich neben sie, ohne sie zu begrüßen beobachtete er ihre Tränen und fragte leise: ,Was ist passiert?" Saffiyah hob ihren Kopf nicht sie bestritt das etwas los sei. Doch nach ein paar Minuten drückender Stille atmete sie tief durch: ,Zu viel." Begann sie ihre Geschichte die der Anfang einer wunderbaren Freundschaft werden sollte.
Der Sohn des Auserwählten lauschten ihren Worten aufmerksam. ,Ich wohne … lebe … seit ich 6 bin alleine. Meine Mutter kann sich nicht um mich kümmern und mein Vater ist schwer krank. Mum habe ich seit meinem zweiten Lebensjahr nicht mehr gesehen und Dad kann ich nur besuchen, wenn sie mir Geld schickt und das hat sie seit zwei Jahren nicht mehr. Während der Ferien bettle ich, das Geld reicht dann gerade so für Essen." Ihre Sätze wurden immer wieder von lautem Schluchzten unterbrochen. ,Und dann komme ich hier her, niemand redet mit mir, ich bin genau so alleine wie immer. Die Schüler hänseln mich wegen meiner Kleider und die Professoren bemitleiden mich, weil sie mehr über meine Vergangenheit wissen als ich selbst."
Albus Severus hatte geahnt, dass sie keine schöne Vergangenheit hatte, dass es so schlimm war hatte er jedoch nicht erwartet.
,Heute lernen wir Expelliarmus, den Entwafffnungszauber. Wendet ihr diesen in Richtung eures Gegners an, so entreißt ihr ihm seinen Zauberstab, verletzt ihn jedoch nicht."
Harrys Zeit war gekommen, nur war er wieder für drei Wochen Professor für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Bei ungefährlichen Zaubern setzte Harry auf die praktische Lehrmethode. Daher wurde der Unterricht vom Lehrraum in den Raum der Wünsche verlegt, wie damals, als Dumbledores Armee im Raum trainierte stellte dieser die benötigten Materialien zur Verfügung.
Harrys Schüler lernten schnell, innerhalb der drei Wochen beherrschten die Erstklässler bereits den Entwaffnungszauber und konnten harmlosere Zauber abwehren, die Zweitklässler lernten Flüche zurückprallen zu lassen und ausnahmslos alle Drittklässler beherrschten nun den Patronus Zauber. Harry war stolz auf seine Lehrlinge, so schnell hatten die Hogwarts Stufen noch nie gelernt. Auch auf seinen Sohn war Harry sehr stolz, nicht nur weil er ein guter Zauberer war, auch weil er Saffiyah aufgebaut hatte und sie unterstützte. Die Beiden - und auch Scorpius – waren sehr gute Freunde geworden. Nur Rose mied sie aus irgendeinem Grund, zwar akzeptierte sie ihre Anwesenheit, sprechen wollte sie jedoch nicht mit ihr, auch wenn sie nicht erklären konnte/wollte was der Grund für ihr Verhalten war.
Die Sommerferien kamen Näher und Harry erinnerte sich an sein Gespräch mit Saffiyah. Sie würde wieder auf der Straße leben, täglich um Geld für Nahrung betteln und wenn sie keines bekommen würde? Die Sommerferien warwn, er würde sich um seine Freundin sorgen, wenn sie auf der Straße leben müsste.
Kurzerhand verfasste er einen Brief an seine Eltern:
Lieber Papa, liebe Mama,
ich hoffe es geht euch so gut wie mir. In der Schule habe ich eine Freundin gefunden, sei heißt Saffiyah. Ihre Situation ist ein bisschen schwierig, deswegen wollte ich fragen, ob sie über die Sommerferien bei uns bleiben kann? Wir würden uns freuen!
Kuss
Euer Albus Severus
Genaueres wollte der Junge seinen Eltern nicht erzählen, Saffiyah sollte selbst entscheiden können wie viel sie von ihrem Leben preisgeben wollte. Natürlich – Harry und Ginny waren herzliche Menschen – erlaubten sie ihrem Sohne seine Freundin mit zu nehmen.
Als Young Potter mit seiner Slytherin Freundin in der Bibliothek saß fragte er beiläufig: ,Hast du deine Sachen schon gepackt für die Ferien?" Als sie langsam den Kopf schüttelte wurden ihre Augen feucht, sie hatte Angst, Angst vor der Einsamkeit, Angst vor dem Hunger und Angst vor dem Tod und Angst schlechte Nachrichten aus dem St. Mungos Hospital zu hören. ,Das solltest du aber bald, ich hab nicht so viele Mädchen Klamotten, also natürlich können wir welche kaufen aber ich glaube für die ersten Tage solltest du trotzdem welche einpacken."
Albus Severus lächelte sie an, er freute sich riesig, dass ihm die Überraschung geglückt war. ,Heißt das……?" Saffiyah schlug ihre Hände vor dem Mund zusammen, sie brauchte nicht weiter sprechen ihr Freund wusste was sie wissen wollte und hatte ihre Frage bereits mit einem nicken bejaht. Freudentränen weinend fiel sie ihm um den Hals, sie hatte nie in ihrem Leben solches Glück verspürt. Ferien – ohne Angst, ohne Hunger, ohne betteln. Vielleicht konnte sie ihren Vater besuchen, vielleicht konnte sie ihm ihren neunen Freund vorstellen – das St. Mungos Hospital lag im Zentrum von London, unweit vom Wohnsitz der Potters, sie brauchte nichteinmal ein Fahrticket. Zum ersten Mal in ihrem Leben fühlte sie sich frei und wohl, sie rannte in den Gemeinschaftsraum und die steinerne Treppe hoch in ihren Schlafsaal um so schnell wie möglich alles was sie hatte in einen Koffer zu packen.
Endlich konnte es los gehen, der Hogwarts Express fuhr pfeifend und dampfend aus dem Bahnhof von Hogsmeade.
