Das neue Schuljahr begann, die neuen Schüler und Schülerinnen wurden wie gewohnt vom sprechenden Hut auf die vier Häuser aufgeteilt und Professor McGonagall ermutigte alle zu lernen, im Unterricht aufzupassen und sich zu benehmen.

Während des großen Abendmahles setzte sich ein älterer Schüler zu Albus Severus und Scorpius: ,Hallo Jungs, ich bin Farry Lowan, Kapitän der Gryffindor Mannschaft . Madam Hooch hat verlauten lassen, dass ihr Beide großartige Flieger seid. Ich würde mich freuen euch morgen im Auswahltraining zu sehen." Bevor die Beiden antworten konnten verließ der junge Mann den Tisch. Während sie sich begeisterte und stolze Blicke zuwarten, beobachtete Rose – die keineswegs eine begabte Fliegerin war – eine andere Szene: Am Slytherintisch war es lauter geworden, schallendes Gelächter an den letzten beiden Tischen und ein Mädchen das aufstand um dem Gelächter zu entkommen. Es war Saffiyah, die auf dem Weg nach draußen noch eine Hähnchenkeule am Hinterkopf traf.

,Alb." wollte sie ihren Freund auf das Geschehene aufmerksam machen. ,Alb!" versuchte sie es erneut, doch Potter Junior, der sich aufgeregt mit Scorpius über das Auswahltraining unterhielt, reagierte nicht. ,Albus Severus!!!" nun wurde sie laut. ,Was denn?!" entgegnete ihr Angesprochener mit verwirrter Miene. ,Deine Freundin weint." Sie nickte in Richtung der großen Türe, in der soeben das letzte Stück Umgang verschwunden war.

Sofort machte Albus sich auf um ihr nach zu laufen, doch in der großen Halle war von Saffiyah keine Spur – Albus Severus ahnte wohin sie sich zurück gezogen hatte und lief los.

Das Gelände war dunkel, Doch davon ließ er sich nicht abschrecken, über die Wiesen, vorbei an Hagrids Hütte und der peitschenden Weide bis hin zum verbotenen Wald, wo er langsamer wurde. Er schlich zu der Stelle, wo er das Mädchen einst mit ihrem Tagebuch beobachtet hatte, fand sie jedoch dort nicht vor. Er eilte weiter in den Wald hinein ohne dessen Gefährlichkeit zu überdenken. Im Licht des Mondes trabte ein Zentaur heran: ,Sie sollten den Wald schnell verlassen! Nach wie vor lauern zahlreiche Gefahren in diesen Gehältern!" ,Sie sind Firenze! Ich suche meine Freundin, Sie ist weggelaufen und ich glaube sie versteckt sich hier. Haben Sie sie gesehen?"

Aus Erzählungen seines Vaters wusste Albus Severus um wen es sich handelte. ,Nein tut mir leid, ich werde die Augen offen halten! Geben sie auf sich Acht Potter!" Der Zentaur verschwand mit nachhallenden Hufschlägen.

Albus Severus war besorgt um seine Freundin, immer schneller rannte er durch den Wald ohne darauf zu achten wohin ihn seine Beine trugen. ,Saffiyah!" immer wieder rief der Junge den Namen seiner Freundin – vergebens.

Völlig außer Atem blieb Albus Severus stehen, um ihn herum war nur noch dunkler Nebel zwischen den schwarzen Baumstämmen zu erkennen. Panik erfasste ihn. Wo war er? Wie sollte er zurück kommen? Wo war seine beste Freundin?

Er hörte Flügelschläge – Fini. Der Phönix nahm auf der Schulter seines Besitzers platz. ,Fini, führ mich zu Saffiyah." bat Albus Severus seinen Vogel, dieser breitete seine Flügel aus und gab dem Jungen den Weg vor. Nach mehreren Minuten konnte er in unmittelbarer Nähe ein Schluchzen vernehmen. Er drehte sich um seine eigene Achse um die Richtung aus der das Geräusch kam ausfindig zu machen. Die kleine Gestalt, zusammengekauert an einem Baum lehnend bemerkte seine Anwesenheit nicht. ,Saffiyah?" sagte er leise während er auf das Mädchen zu ging, um sie nicht zu erschrecken, bevor er sich neben sie setzte.

Er fragte nicht nach Einzelheiten, Saffiyah würde es von selbst erzählen, wenn sie bereit dazu war. Liebevoll legte er seinen Arm beruhigend um ihre Schultern und so verweilten sie eine Zeit lang. Saffiyahs Wangen waren von dicken, heißen Tränen bedeckt. Der Halt ihres besten Freundes ließ sie langsam ruhiger werden.

,Ich sollte auch zum Quidditch Auswahltraining, aber sie wollen mich nicht. Alle haben gelacht und gesagt…." Sie wurde von ihrem eigenen Schluchzen unterbrochen und musste sich erneut sammeln bevor sie weiter sprechen konnte,Sie haben gesagt so eine dreckige Pennerin wie mich wollen sie nicht. Ich kann doch auch nichts dafür, dass ich auf der Straße leben musste." Wieder brach sie in Tränen aus, die Worte ihrer Mitschüler hatten sie tief getroffen.

Auf der Straße hätte sie schon viele Gemeinheiten gehört, aber diese Leute gingen nur vorbei, mit den Schülern musste sie täglich auskommen.

Albus Severus, der fürs Erste nicht die passenden Worte fand, drückte seine Freundin einfach näher an sich.

,1, 2, 3 Vera Verto! Mr. Potter, ich denke nicht, dass sie dieses Wissen bereits beherrschen, es wäre zu ihrem eigenen Vorteil dem Unterricht zu folgen!"

Albus Severus schreckte hoch und erkannte beschämt dass er in Professor McGonagalls Unterricht eingenickt war. Auch Rose warf ihm einen mahnenden Blick zu.

Die letzte Nacht war lang gewesen, bis Saffiyah bereit dazu war zurück zum Schloss zu gehen, war die Sonne bereits am aufgehen, er hatte wohl kaum mehr als 2 Stunden geschlafen.

,Tut mir leid Professor." Mehr brachte der Junge nicht hervor, brauchte er auch nicht, die Gryffindor Hausleitung fuhr mit dem Unterricht fort, ohne weiter darauf ein zu gehen. Albus Severus blieb wach, konnte dem Unterricht dennoch nicht wirklich folgen.

,Zu mir braucht er diesmal nicht kommen." Dachte Rose, die ihren Freunden normal gerne half, es jedoch missbilligte wenn jemand im Unterricht schlief.

Auch Saffiyah war kaum in der Lage dem Unterricht zu Folgen. Verteidigung gegen die dunklen Künste, sowieso nicht ihr bestes Fach und dann auch noch übermüdet. Professor Malfoy ermahnte das Mädchen oft sich anständig zu beteiligen, schließlich könne man nie ahnen wie schnell man dieses Wissen benötigen könnte. Sie versuchte den Schülern und Schülerinnen so viel wie nur Möglich bei zu bringen; zu gut erinnerte sie sich daran wie wenig Wissen die jungen Zauberlehrlinge zu Zeiten der Hogwarts Schlacht hatten. Viele Kinder mussten ihr Leben lassen, möglicherweise würden einige von ihnen noch leben, wenn sie sich besser verteidigen hätten können.

,Mr. Potter, Sie bleiben bitte noch kurz hier. Ich möchte kurz mit Ihnen sprechen." Schallte es durch den Raum als Albus Severus gerade durch die Türe treten wollte. Nervös kehrte er um und schlurfte mit gesenktem Kopf zum Lehrerpult. Professor McGonagall wartete bis alle den Raum verlassen hatten. ,Mr. Potter, Sie brauchen vor mir keine Angst haben. Ich rate Ihnen jedoch sich nicht mehr des Nachts in den verbotenen Wald zu begeben!" ,Aber Professor…" wollte der Junge sich erklären, doch seine Lehrerin unterbrach ihn: ,Ich weiß dass Sie lediglich ihrer Freundin helfen wollten, doch bevor Sie ihr das nächste mal in den Wald folgen, tragen sie lieber Sorge dafür, dass sie erst gar nicht dort hin geht!" Eingeschüchtert nickte der junge Zauberlehrling. ,Trotzdem; für ihre selbstlose Hilfsbereitschaft, 10 Punkte für Gryffindor!" Seine Augen weiteten sich – er hatte gerade 10 Punkte dafür bekommen, dass er die Regeln gebrochen hatte? ,Danke Professor!" hauchte er. ,Bis morgen Mr. Potter." Nachdem er hinausgelaufen war lächelte sie noch einige Zeit.

Sie wusste über Saffiyahs Geschichte bescheid und war froh, dass sie nun einen wahren Freund gefunden hatte. Der Vater des Mädchens hatte Minerva McGonagall bereits vor ihrer Geburt darum gebeten im Ernstfall ein Auge auf sie zu haben und das hatte sie. Nicht nur während der Schule überprüfte sie ob das Mädchen wohlauf war, sondern auch während der Ferien tigerte sie täglich in ihrer Animagus Form durch die Straßen und überprüfte des Mädchens Zustand. Sie hätte sie gerne mit nachhause genommen, hatte es jedoch für besser gehalten nur im Notfall zu agieren. Es würden zu viele Fragen im Kollegium aufkommen die sie weder beantworten konnte, noch durfte. Neben ihr, wusste nur noch Professor Slughorn bescheid, auch wenn sie nicht wusste wie es ihm zu Ohren gekommen war.

Auch Harry musste irgendwann die Wahrheit erfahren, aber das musste warten, es musste noch Zeit vergehen, bis Saffiyah verstehen würde.

Sie blickte sich im Klassenraum um, nur leere Tische, eine dunkelgrüne Tafel und ein Bücherschrank – düster und lieblos; nach kurzem überlegen schnippte sie und ließ auf jedem Schülerpult eine Blumenvase erscheinen. Anfangs begeistert, dann zunehmend kritisch betrachtete sie ihre Dekoration.

,Nein, was sollen nur die Schüler von mir denken!" dachte sie laut und ließ die Blumen inklusive Vasen durch ein einfaches Zauberstabschwingen wieder verschwinden. Ihr Blick fiel auf die Uhr – das Quidditch Auswahltraining!

Ohne ihre Sachen zu packen eilte aus dem Zimmer zum Quidditchfeld hinüber und ärgerte sich einmal mehr über die Tatsache innerhalb Hogwarts nicht apparieren zu können. Farry hatte mit dem Trainingsbeginn gewartet bis die Gryffindor Hauslehrerin anwesend war, oft hatte sie betont wie wichtig es ihr war bei der Mannschaftswahl anwesend zu sein.

Wie sich heraus stellte, schien Albus Severus das Talent seines Vaters geerbt zu haben und qualifizierte sich mit diesem als neuer Sucher der Gryffindors. Die Schüler klatschten lauten Beifall, natürlich kannten sie seinen Namen und wussten von welcher Last sein Vater die Zauberwelt erlöst hatte.

Auch Scorpius wurde ins Team aufgenommen, er hatre sich als flinker Jäger erwiesen, seine Zielsicherheit war beeindruckend.

Rose, die sich während des Auswahltrainings zum ersten mal mit Saffiyah unterhalten hatte, freute sich für ihre beiden Freunde und umarmte diese als sie nach dem duschen den Gemeinschaftsraum betraten. ,Ihr habt es geschafft Jungs, ich bin so stolz auf euch!" feierte sie.

Sehr geehrte Mrs. Potter und Mr. Potter,

Ich freue mich ihnen mitteilen zu dürfen, dass ihr Sohn das Talent seines Vaters geerbt hat und seit heute neuer Quidditch Sucher für Gryffindor ist. Zudem möchte ich Sie und Ihre Familie, sowie Mr. Weasley und seine Familie wie jedes Jahr zum Neujahrsessen zu mir einladen. Bitte geben Sie diese Information an ihren Freund weiter und geben Sie mir Bescheid, ob ich sie erwarten kann, Mr. Longbottom und meine Schwester werden ebenfalls anwesend sein. Es wäre mir ein Vergnügen.

Grüße an Ihre Frau,

gez. Minerva McGonagall

,80 zu 30 für Slytherin." Tönte es aus den Lautsprechern des Quiddichfeldes, ein enttäuschtes Raunen auf den Rängen der gold-roten Mannschaft war zu vernehmen. Es war kaum noch möglich das Spiel zu gewinnen; Albus Severus hatte den Schnatz noch nicht gesichtet, fast schon verzweifelt suchend flog er ziellos durch die Luft. Wo war der Slytherin Sucher? Hatte er den Schnatz gesehen? Professor McGonagall behielt den jungen im Auge, ihr letzte Hoffnung auf Gryffindors Sieg steckte sie in ihn.

,Na Minerva, das wird wohl heute nichts mehr mit dem Gryffindor Sieg?! Euer neuer Sucher ist ein wenig planlos!" machte sich Narcissa Malfoy lustig. ,Ruhe Narcissa!" fauchte sie. Sie konnte ihre Kollegin wenig leiden, auch wenn diese bei Voldemorts Vorhaben kaum mitgewirkt hatte, war sie zu allem fähig.

,Nur ein kleiner Scherz, haben sie später kurz Zeit? Ich würde gerne mit Ihnen sprechen!"

Minerva McGonagall bot ihr an sie nach dem Abendessen im Schulleiterbüro anzutreffen.

,POTTER HAT DEN SCHNATZ GEFANGEN, " schallte es plötzlich durch die Lautsprecher. Weder Professor McGonagall noch Professor Malfoy hatten das Vorgehen mitbekommen und Minerva war, wie so oft, sichtlich genervt von der zeitlich unpassenden Ablenkung.

Während die Gryffindor Schüler feierten machten sich die gedemütigten Slytherins auf den Weg ins Schloss zurück, so auch die beiden Hauslehrerinnen.

Narcissa Malfoy nahm dieses Angebot wahr und begab sich bei Einbruch der Dunkelheit zum Schulleiterbüro. ,Piertotum locomotor." Mit rollenden Augen sprach sie das Passwort zum Öffnen des Wasserspeiers. Die Schulleiterin hatte seit ihrer Beförderung das selbe Passwort und Narcissa fand die Begeisterung über diesen Zauberspruch lachhaft. ,Herein." Sagte die alte Dame mit einer vorrausschauenden Gewissheit, wer gleich das Büro betreten würde. ,Narcissa setzen Sie sich." Forderte sie ihren Gast auf, ohne den Blick von den auf ihrem Tisch liegenden Rechnungen abzuwenden. Dracos Mutter hielt ihr Anliegen zurück, bis sie die volle Aufmerksamkeit ihres Gegenübers hatte.