Nachdenklich stand sie da und sah ihre kleine Tochter an, die ruhig in ihrem Bettchen schlief. 'Endlich.', dachte die Frau erleichtert und strich dem kleinen Mädchen sanft über die Wange. 'Wie friedlich sie aussieht, wenn sie schläft.', fügte die Frau ebenfalls gedanklich hinzu, deren Name Isobel war.
Das Mädchen, welches sie gerade in den Schlaf gesungen hatte, war ihre Tochter Minerva. Und Isobel liebte ihr Kind sehr, jedoch gab es etwas, das ihr Angst machte. Nämlich die magischen Fähigkeiten ihrer kleinen Tochter, die mit jedem Tag stärker zu werden schienen und bald konnte Isobel die Wahrheit vor ihrem Ehemann Ronert wahrscheinlich nicht mehr geheim halten. Dabei hatte sie selbst der Magie entsagt, um ihm nie erzählen zu müssen, dass sie eigentlich eine Hexe war.
Nun, da Minerva allerdings die magischen Fähigkeiten ihrer Mutter geerbt hatte und diese sich immer stärker in den verschiedensten Situationen äußerten, blieb ihr wohl keine andere Wahl mehr. Irgendwann würde er es nämlich mitbekommen und da war es besser, wenn Isobel nun ehrlich zu ihrem Ehemann und dem Vater ihrer Tochter war.
Jedoch wusste Isobel einfach nicht, wie genau sie ihrem Gatten Robert beibringen sollte, welcher Welt sie wirklich entstammte. Einer Welt voller Magie und Zauberei, mit allerhand magischen Wesen und übernatürlichen Dingen.
Robert hingegen war ein Muggel, also ein einfacher Mensch und diese durften von der Existenz der anderen Welt eigentlich nichts erfahren. Und Isobel hatte Angst, Robert könnte sie verlassen, wenn er erstmal wusste das sie eigentlich eine Hexe war.
Aus diesem Grund hatte sie vor Jahren beschlossen, diese Tatsache als Geheimnis für sich zu bewahren und ihren Zauberstab an den Nagel zu hängen. Für ihn und für die Liebe, die sie empfand. Doch eine solch starke Liebe verspürte sie auch ihrer kleinen Tochter gegenüber und deren Kräfte ewig vor Robert zu verbergen, das war schier unmöglich. Dafür passierte in letzter Zeit einfach schon zu viel.
Angefangen mit kleinen Gegenständen, die Minerva verschwinden ließ, über große Dinge, die plötzlich in der Luft flogen. Wie zum Beispiel ihr Kinderbett, als Minerva darin gesessen war. Vorhin, als Isobel nach ihrer Tochter hatte sehen wollen, hatte sie mit ihrem Kinderbett in der Luft geschwebt.
Minervas Fähigkeiten waren stark und nahmen immer mehr an Intensität zu. Allerdings konnte das kleine Mädchen sie nicht kontrollieren und das war das gefährliche daran. Ihre Magie war unberechenbar.
Eigentlich hatte Isobel gehofft, auch die Kräfte ihrer Tochter im Verborgenen halten zu können. Doch das würde wohl leider nicht möglich sein, da sie Minerva nicht mal mehr ein paar Minuten aus den Augen lassen konnte, ohne das ihre Magie zum Vorschein kam.
Minerva musste einfach lernen, ihre Magie zu beherrschen und das konnte Isobel ihr hier nicht im Geheimen beibringen. Wenn es an der Zeit war, musste sie auf eine Zauberschule gehen, denn dort würde Minerva alles lernen, was wichtig war.
Und Isobel kam zu dem Entschluss, dass sie ihrer Tochter auch nicht das gleiche Schicksal auferlegen wollte, wie sich selbst. Eine Hexe zu sein, aber keine Magie nutzen zu dürfen, das war für Isobel schon sehr oft wie Folter vorgekommen und Minerva würde es irgendwann genauso gehen.
Das wollte ihre Mutter ihr unbedingt ersparen und sie entschied sich dazu, ihrem Ehemann Robert die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie Angst vor seiner Reaktion hatte.
Ihrer Tochter zu Liebe, musste sie diesen Schritt einfach gehen und das würde sie nun auch tun.
