Blinzelnd öffnete ich die Augen. Ich wollte allerdings noch nicht aufstehen und drehte mich nochmal um. Dann wurde mir aber schlagartig bewusst, welcher Tag heute war.

Es war der 4. Oktober 1946 und das war nicht irgendein Tag, sondern.. 'Mein elfter Geburtstag!', schoss es mir durch den Kopf und sofort war ich hellwach.

Ich sprang regelrecht aus dem Bett, schlüpfte in meine Hausschuhe und rannte zum Fenster, um die Vorhänge auf zu ziehen. Es war schon ziemlich hell, meine Familie hatte mich also ausschlafen lassen.

Nun wollte ich aber nicht länger schlafen und eilte demnach aus meinem Zimmer hinaus die Treppe hinunter. Dort saßen meine Eltern und meine Brüder am gedeckten Küchentisch. Meine Mutter Isobel stand sofort auf, als sie mich sah und nahm mich in den Arm.

"Alles Gute zum Geburtstag, Minnie!", sagte sie und gab mir einen Kuss auf die Stirn. "Danke!", antwortete ich und inzwischen standen auch mein Vater Robert und meine Brüder Malcolm und Robert jr. bereit, um mir zu gratulieren. Mein Vater hatte sich extra frei genommen, damit wir den Tag alle gemeinsam verbringen konnten und das alleine war schon das schönste Geburtstagsgeschenk für mich.

Wir frühstückten dann alle gemeinsam und unterhielten uns angeregt. Irgendwann verkündete mein Vater, dass er nun erstmal nach der Post sehen würde und daraufhin stand er auf. Wir anderen blieben sitzen und ich trank mein Glas Saft aus, bis mein Vater zurück kam.

In der Hand hatte er einen Stapel Briefe. Er setzte sich und begann sie durchzusehen. Bei einem blieb er schließlich hängen und sein Blick wanderte vom Brief hin zu meiner Mutter. "Isobel.", sagte er und sie sah von ihrem Teller auf. "Ja?", fragte sie und mein Vater bat sie daraufhin, kurz mit ins Wohnzimmer zu kommen. Sie standen schließlich beide auf und verließen die Küche. Mein Vater hatte alle Briefe hier gelassen, bis auf einen.

Ich konnte nicht sagen warum, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass etwas nicht stimmte und das es um mich ging. Das verriet mir einfach mein Bauchgefühl.

Meine Brüder und ich warteten still, bis unsere Eltern schließlich wieder kamen. Zuerst betrat meine Mutter die Küche, ihr folgte Vater. Das Gesicht meiner Mutter war tränenüberströmt, sie hatte geweint und nun war sie diejenige, die den Brief in der Hand hielt.

Meine Brüder und ich waren erschrocken über den Anblick unserer aufgelösten Mutter, die sich schweigend an den Tisch setzte. Vater tat es ihr gleich.

"Minerva.", setzte meine Mutter nach einigen Malen tief durch atmen an. "Weißt du noch, was ich dir erzählt habe? Über mich und woher ich eigentlich komme? Über das, was mich so besonders macht und was auch dich und deine Brüder zu etwas Besonderem macht?", fragte meine Mutter und ich nickte.

Wie könnte ich das auch je vergessen? Schließlich war meine Mutter eine Hexe und ich war ebenfalls eine und meine Brüder besaßen ebenfalls magische Kräfte. Ich hatte Mutter oft genug geholfen, ihre Taten zu vertuschen, als sie noch kleiner gewesen waren und auch heute stellten sie mit ihren Zauberkräften häufig Blödsinn an, von dem keiner etwas mitbekommen durfte. Es musste nämlich unbedingt geheim gehalten werden, dass die Zauberwelt existierte.

"Ich weiß es natürlich noch!", stellte ich klar und meine Mutter lächelte. "Dann brauche ich dir ja nicht nochmal alles erzählen.", meinte sie. "Weißt du aber auch noch, was Hogwarts ist?", wollte meine Mutter nun von mir wissen und wieder nickte ich. Das war die Schule, auf der meine Mutter vor einigen zaubern gelernt hatte.

Mutter sah daraufhin Vater an, der leicht nickte und daraufhin gab meine Mutter mir den besagten Brief, den sie die ganze Zeit über in der Hand gehalten hatte. "Der ist für dich.", sagte sie und ich sah mir das Kuvert erstmal an.

Ich erkannte die Adresse und tatsächlich stand darüber mein Name. Es war der erste Brief meines Lebens, der an mich direkt adressiert war, weshalb ich ihn mir einfach genau anschauen musste.

Der Umschlag war dick und schwer und aus gelblichem Pergament. Die Anschrift war mit smaragdgrüner Tinte darauf geschrieben worden. Mit zitternden Händen drehte ich den Brief um und zum Vorschein kam auf der anderen Seite ein purpurnes Siegel aus Wachs, mit dem der Umschlag verschlossen worden war. Das Siegel zeigte ein Wappen mit einem Löwen, einem Adler, einem Dachs und einer Schlange, die einen Kreis um den Buchstaben ‚H' bildeten.

Im Augenwinkel sah ich, dass meine Mutter nach wie vor mit den Tränen kämpfte. „Öffne den Brief ruhig.", meinte sie und klang stolz, aber auch besorgt. So wie die ganze Zeit über schon.

„Okay.", antwortete ich und löste vorsichtig das Siegel. Ich wollte den Brief so wenig beschädigen, wie es ging, denn für mich war er schon jetzt etwas Besonderes.

Nachdem der Umschlag geöffnet war, entnahm ich den darin enthaltenen Brief und begann zu lesen:

[style type="italic"]HOGWARTS-SCHULE FÜR HEXEREI UND ZAUBEREI

Schulleiter: Armando Dippet

Sehr geehrte Miss McGonnagal,

wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass sie an der

Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei aufgenommen

sind. Beigelegt finden Sie eine Liste aller benötigten Bücher

und Ausrüstungsgegenstände.

Das Schuljahr beginnt am 1. September. Wir erwarten Ihre

Eule spätestens am 31. Juli.

Mit freundlichen Grüßen

Albus Percival Wulfric Brian Dumbledore

(Stellvertretender Schulleiter)/style]

Ich las die Worte wieder und wieder. Zum einen konnte ich es nicht glauben, andererseits war ich auch aufgrund des ziemlich langen Namens des stellvertretenden Schulleiters irritiert. Aber die Freude überwiegte. Ich durfte bald auf eine Zauberschule gehen, nach Hogwarts, um wie meine Mutter dort Zauberei zu studieren.

Es war so ein überwältigendes Gefühl, auch wenn ich wusste, dass sich dadurch einiges ändern würde. Dennoch wollte ich gehen und ich war froh, dass weder Mutter noch Vater mir dies verbieten wollten, auch wenn sie beide ihre Bedenken hatten.