Eine Stunde später..
Ben und Semir kehrten bereits von ihrem Einsatz zurück. Sie waren von oben bis unten voller Dreck, da sie Gangster hatten durch den Wald jagen müssen.
Jenny und ihr Kollege Horst saßen nun zusammen über dem Papierkram, als sie die zwei herein kommen sahen. "Ich wette die haben schon wieder einen geschrottet.", meinte Jenny zu Horst und redete dabei vom Dienstwagen der zwei Polizisten. "Wenn das stimmt, dann flippt die Chefin aus. Die haben vor drei Wochen erst einen neuen gekriegt.", antwortete Horst. "Ach, ich glaube die Chefin ist gerade ziemlich gut drauf. Hast doch gesehen, wie sie diese junge Frau da vorhin begrüßt hat. Ihre Nichte. Ich wusste gar nicht, dass sie eine Nichte hat.", meinte Jenny. "Du weißt so vieles nicht.", erwiderte der Ältere. "Aber wie man Papierkram macht hoffentlich, in einer Stunde will ich damit fertig sein.", zog Horst seine junge Kollegin auf.
In der Zwischenzeit waren Ben und Semir bei ihnen angekommen. "Wie seht ihr denn aus?", fragte Jenny. "Wehe ihr habt schon wieder einen Dienstwagen demoliert, die Chefin reißt euch den Kopf ab!", kam sofort von Horst. "Wir haben zwei Idioten durch den Wald verfolgen müssen.", antwortete Semir. "Diesmal ist also kein Auto explodiert.", fügte Ben hinzu. "Habt ihr sie gekriegt?", wollte Jenny wissen. "Was glaubst du? Natürlich!", erzählte Semir stolz. "Sehr gut. Aber mal was anderes.. Habt ihr gewusst, dass die Chefin eine Nichte hat?", fragte Jenny nun die zwei jüngeren Kollegen.
"Nichte?", fragten die zwei gleichzeitig. Sie wussten wirklich nicht viel über ihre Chefin, wie sie nun wieder merkten. "Ja, Nichte. Da kam vorhin eine junge Frau an, Ben hat sie getroffen.", erklärte Jenny grinsend. "Oh Mist!", meinte Ben und schlug sich die Hand vors Gesicht. "Sag mir nicht, dass die Kleine die ich vorhin umgerannt hab die Nichte von der Chefin war!", bat Ben Jenny. "Doch, das war sie. Du kannst dich auch gleich nochmal richtig entschuldigen, sie kommen gerade aus dem Büro.", bemerkte Jenny.
"Oh, oh!", machten Horst und Semir gleichzeitig, die sich köstlich über Bens Dilemma amüsierten.
Meine Tante und ich hatten lange geredet. Auch darüber, wie lange ich bleiben würde und wo ich unter kam. Aber das wusste ich nicht, da ich ohne großartige Vorbereitung hierher gekommen war. Jedoch hatte Kim sofort eine Lösung parat. Ich durfte bei ihr wohnen und das so lange ich wollte.
Das einzige was ich ihr erzählt hatte war, dass ich von Zuhause dringend raus gemusst hatte. Das hatte sie hingenommen und mich so lieb aufgenommen, sodass all meine Bedenken von vorhin verschwunden waren. Sie wollte mich tatsächlich hier haben und mich gleich mit zu sich mit Heim nehmen, damit ich mich ausruhen konnte. Ich war ziemlich erschöpft, wie ich nun selbst merkte.
Kim zog ihre Jacke an, nahm ihre Tasche und als das Büro weitestgehend aufgeräumt war verließen wir es gemeinsam. Die Beamten von vorhin waren immer noch mit dem Papierkram beschäftigt, allerdings waren sie nicht mehr allein. Zwei weitere Personen, zwei Männer, standen bei ihnen.
Alle sahen sie plötzlich zu uns und mir war das ziemlich unangenehm. Ich erkannte den einen sofort wieder. "Dieser Mann da vorne, der größere von den Beiden, wie heißt der?", fragte ich meine Tante. "Warum fragst du?", fragte sie verwirrt. "Rein aus Interesse.", erwiderte ich. Aber sie gab mir keine Antwort mehr, da wir fast bei den Mitarbeitern angekommen waren.
"Sie sind wieder vom Einsatz zurück, wie ich sehe.", meinte Kim und die zwei Männer nickten. "Ich mache heute früher Schluss.", erzählte sie nun. "Ich möchte, dass sie sich anständig aufführen. Wehe ich sehe Morgen wieder einen Antrag für einen neuen Wagen auf meinem Schreibtisch!" Die Männer blickten in der Gegend herum, es fehlte nur noch das Pfeifen, dann hätten sie gänzlich unbeteiligt gewirkt. "Schönen Dienst noch.", meinte meine Tante und ging voraus.
Ich wollte ihr folgen, aber der Mann der mich vorhin umgerannt hatte stellte sich vor mich. Unfreiwillig, da sein Kollege ihn vor mich geschubst hatte. "Hallo.", sagte er unbeholfen und blickte seinen Kollegen an. Er wusste wohl nicht was er sagen sollte, während sein älterer Kollege nur triumphierend grinste. "Hallo.", sagte ich und wartete ab, bis er etwas erwiderte. Aber er begann zu stammeln, weshalb ich beschloss es kurz und schmerzlos zu klären. "Wenn sie sich entschuldigen wollen, müssen sie das nicht. Ich hab's ihnen schon verziehen.", meinte ich. "Sie haben sich also nicht verletzt?", wollte er wissen und ich sah wie sich die anderen das Lachen verkneifen mussten. "Nein, keine Sorge.", antwortete ich und wollte mich bereits umdrehen.
"Sie sind also die Nichte von Frau Krüger?", erkundigte er sich. "Ja.", antwortete ich. "Und sie sind eindeutig zu schnell unterwegs und viel zu neugierig.", sagte ich grinsend. "Schönen Tag noch.", wünschte ich ihm und seinen Kollegen dann, bevor ich ihn einfach stehen ließ. Ich hörte sie seine Kollegen in Gelächter ausbrachen, weshalb ich ebenfalls kurz auflachen musste. Es war niedlich gewesen, wie er so vor mir gestanden und kein Wort raus gebracht hatte.
Meine Tante wartete draußen auf dem Parkplatz. "Ich fahr voraus, du folgst mir einfach.", erklärte sie mir ihren Plan und ich nickte. Wir stiegen beide in unsere Autos und sie fuhr wie geplant voraus, ich ihr hinterher.
Irgendwann hielt sie vor einem Haus an. Etwas außerhalb, vom Großstadttrubel war hier nichts zu spüren. Wir stiegen beide etwa gleichzeitig aus unseren Autos aus. "Hier wohnst du?", fragte ich und Kim nickte. "Allerdings.", erwiderte sie. "Komm rein und fühl dich wie zu Hause."
Ich folgte ihr hinein und es sah wirklich aus, wie ich es bereits draußen schon vermutet hatte. Groß und einladend, wirklich gemütlich. "Ich werde dir das Gästezimmer fertig machen.", meinte Kim. "Aber ich bleibe nur hier, wenn es wirklich in Ordnung ist.", sagte ich. "Du darfst bleiben so lange dir danach ist. Ich hab dich ewig nicht gesehen, ich freu mich das du hier bist.", stellte meine Tante lächelnd klar und ging davon.
