Ranma fand in dieser Nacht einfach keine Ruhe. Er musste immer wieder daran denken. Wie sollte er sich jetzt in ihrer Nähe verhalten. Sollte er versuchen, mit ihr darüber zu reden. Nein, lieber nicht. Wie sollte er erklären, woher er das wusste, ohne zuzugeben dass er in ihrer Privatsphäre rumgeschnüffelt hatte.
Mein Gott, war er jetzt schon so schlimm wie Nabiki. Er schüttelte energisch den Kopf. Junge beruhige dich. Was ist denn so schlimm daran. JA was war denn so schlimm daran, dass seine Verlobte ihn liebte. Das war doch etwas das sich jeder Wünschte. Oder?. Wünschte er sich das auch. Wollte er überhaupt das Akane ihm liebte.
Ach Quatsch, wer will schon von so einem Machoweib geliebt werden. Da kamen ihm ihre Augen in den Sinn. Sie hatte so schöne Rehaugen und eigentlich war sie auch ganz süss. Wieder schüttelte er den Kopf, was war nur mit ihm los. Wieso dachte er die ganze Zeit daran. Er wollte es nur noch vergessen.
Dann dachte er wieder an sie. Wie empfand er eigentlich für sie? Ein tiefer Seufzer entwich ihm. Über Liebe konnte er jetzt noch nicht entscheiden. Konnte er sie überhaupt ausstehen. Wenn sie ihn nicht anschrie und ihn nicht schlug, dann in ein paar seltenen Momenten, hatte er das schon mal gedacht. Er zerbrach sich sosehr den Kopf darüber, dass er nicht merkte das es schon wieder Morgen war.
Erst als die Tür langsam aufging und jemand eintrat, erkannte er wie hell es im Zimmer ist. Er drehte seinen Kopf und sah Akane wie sie sich gerade zu ihm runterkniete. Er erstarrte und blickte sie nur an. Er konnte nichts sagen. Sofort lief er rot an. Akane legte ihm die Hand auf die Stirn. Da merkte er zum ersten Mal, wie weich und zart ihre Haut war. Ihre Hand war kühl und so angenehm „Oje Ranma, das sieht nicht gut aus. Du hast ganz dunkle Augenringe und glühst immer noch"
Es erstaunte ihn wie besorgt Akane aussah. Besorgt um IHN. Wieder kam ihm der Gedanke. Sie liebte ihn. Da wurde er noch roter und Akane zog ihre Hand weg. „Wird heute wohl nichts mit Schule.
Ich sag Kasumi schnell bescheid. Du bleibst liegen" sagte sie und verliess das Zimmer. Er überlegte kurz, sollte er den kranken spielen, damit er heute Schule schwänzen konnte. Obwohl, er musste nichts vorspielen. Er fühlte sich ja schon so, als würde etwas nicht ihm stimmen.
Er musste nur an Akane denken und schon war es um ihn geschehen. Kasumi kam rein und blickte zu ihm runter. Er hatte sich noch nicht von Akanes Anblick erholt und strahlte immer noch rot. „Dann muss ich wohl Doktor Tofu anrufen" flüsterte sie besorgt bei seinem Anblick. Als Ranma das hörte sprang er auf „Nein, nein, schon gut Kasumi mir geht's gut" versuchte er Kasumi zu überzeugen. Er wollte nicht in der Nähe sein wenn, der Dok und Kasumi aufeinander treffen und schon gar nicht der Patient in dieser Zeit. Das könnte ihn sein Leben kosten.
„Bist du dir sicher?" fragte sie etwas skeptisch nach. Er nickte nur und ging an ihr vorbei. Er beeilte sich und machte sich fertig. Als er zur Tür kam, reichte ihm Kasumi das Mittagessen. „Wo ist Akane?" fragte er etwas verwirrt. „Sie dachte du bleibst im Bett und ist schon gegangen" erklärte sie ihm. Er packte das Pausenbrot und lief schnell los. Er lief so schnell er konnte, aber er konnte sie nirgends entdecken.
Als er in der Schule ankam war er viel zu spät, aber er musste nicht im Gang stehen. Denn Akane hatte ihn schon als Krank entschuldigt und für die Lehrer war es schön zu sehen dass er trotz Krankheit, der Schule nicht fernbleiben wollte. Wenn die wüssten das er nur hier ist, weil er nicht zum Arzt wollte. Er liess sich auf die Tischplatte nieder. Seine Augenlieder waren so schwer, der fehlende Schlaf von gestern Nacht holte ihn ein.
Als nach einer Weile, dem Lehrer das Schnarchen auffiel, empfand er zum ersten Mal Mitleid, statt gleich mit der Kreide zu werfen. Da Ranma wirklich ein wenig Krank aussah. „Daisuke, Hiroshi würdet ihr Saotome bitte in die Krankenstation bringen" sofort standen die Freunde auf und taten was ihnen zugetragen wurde. Ranma bekam nichts davon mit. Er war einfach viel zu erschöpft und hatte von Natur aus einen sehr tiefen Schlaf.
Akane sah ihnen besorgt hinterher. Sie fragte sich wieso er doch noch gekommen war, obwohl er sich nicht wohl fühlte. Sie nahm sich vor, in der Pause mal nach ihm zu sehen. Ranma wurde vom Klingeln geweckt. Er sah sich ihm Raum um und fragte sich wo er war. Er setzte sich auf und bemerkte dass er in einem Bett lag. Was zu Teufel…. Doch seine Gedanken wurden unterbrochen.
„Du bist endlich wach. Hast du vielleicht Hunger?" Erst da merkte er das Akane auf einem Stuhl neben seinem Bett sass. Zack und schon war er wieder hochrot. Von sich selbst enttäuscht liess er sich einfach wieder in die Kissen fallen. Das konnte doch nicht sein ganzes Leben lang so gehen, das sobald er Akane sieht, rot wie eine Tomate wird. Akane war verschreckt aufgesprungen, als er sich so plötzlich fallen liess.
„Ranma, ist dir schwindlig?" er zog sich das Laken übers Gesicht, damit er Akane nicht mehr ansehen musste. „Mir geht's gut" sagte er nur knapp. Akane setzte sich erleichtert wieder hin. „Möchtest du vielleicht etwas Essen?" Da knurrte auch schon sein Magen bestätigend, so das er gar nichts mehr dazu sagen musste.
Ranma hatte sich im Bett aufgesetzt und ass abwesend. Er horchte auf, als er Akane kichern hörte. Ihr Lachen war so schön. Moment mal, was dachte er sich nur. Sofort verbannte er diesen Gedanken. „Was…was ist so Lustig?" fragte er sie zurückhaltend. Er wollte sie nicht aufregen und dann wirklich noch zu einem Arzt müssen.
„Solange du isst, kann es nichts schlimmes sein" sagte sie und lächelte ihn süss an. Wieder war er von ihrem Anblick gefesselt. Sie war eigentlich ganz hübsch, wenn sie lächelte. Bei diesem Gedanken musste er auch lächeln. „Aber wir sollten zur Sicherheit auf dem Heimweg, bei Doktor Tofu vorbei schauen."
Ranma schüttelte den Kopf „Ist nicht nötig, mir geht es gut" Akane sah ihn jetzt streng an. „Nicht widersprechen. Du musst dich nicht schämen, jeder wird mal krank und sieht dann schwach aus. Auch Kampfsportler" Tadelte sie ihn.
Das war gar nicht der Grund, aber wenn Akane darauf bestand, würde er ihr zu Liebe, kurz mal bei Arzt halt machen. Sie nahm ihm die leere Lunchbox ab und sagte ihm er solle sich lieber etwas ausruhen. Sie würde ihn dann nach der Schule abholen.
Dagegen hatte er nichts einzuwenden und nickte nur kurz. Er rutschte zurück ins Bett und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Es war ganz nett gewesen, so mit Akane Mittag zu essen. Sie hatten sich nicht gestritten. Ob das nur daran lag, weil sie dachte dass er krank war und ihn schonen wollte. Er schloss wieder die Augen und wurde schon ins Traumland gezogen.
Sie traten gerade durch die Eingangstür, da kam ihnen Kasumi entgegen. „Akane vorhin hat jemand angerufen. Er hat nur gesagt, er wäre Kampfsportler und du wüsstest wer das ist". Akane runzelte die Stirn. Keine Ahnung wer das sein sollte, wollte sie jemand herausfordern. Sie zuckte mit den Schultern und ging weiter. Ranma sah ihr ein bisschen skeptisch hinterher, wer war der Typ und was wollte er von Akane.
Jetzt sah Kasumi zu Ranma. „Du siehst ja schon viel besser aus" „Wir haben beim Doktor vorbeigeschaut, er hat gesagt mir fehlt nichts" versicherte er der ältesten Tendo. Ranma hatte sich soweit wieder im Griff, das er nicht ständig errötete. Der Tag auf der Krankenstation hatte es echt gebracht. Akane ist direkt in ihr Zimmer raufgerannt. Sie hatte sich schon einloggt.
Dojo home: Hallöchen, was macht den meine Liebste Freundin so?
KampfsportBitch: Hallo, Akane bist du das wirklich? Geht es dir gut?
Akane musste über den Kommentar ihrer Freundin schmunzeln
Dojo home: Natürlich wer sollte es denn sonst sein?
KampfsportBitch: Wieso bist du so gut gelaunt? Versteh mich nicht falsch, ich bin glücklich wenn du es bist. Aber wieso?
Dojo home: Ich hab heute kein einziges mal mit Ranma gestritten. Es fühlt sich so gut an.
KampfsportBitch: Das ist doch schön. Du hast also den ganzen Tag mit ihm verbracht und dich zusammen gerissen. Ich bin stolz auf dich :)
Dojo home: Also um ehrlich zu sein war es nur eine Stunde, in der Mittagspause.
KampfsportBitch: Waaaas?
Dojo home: Er hat sich nicht wohl gefühlt und hat den ganzen Tag auf der Krankenstation verbracht.
KampfsportBitch: Wahrscheinlich ist eine Stunde für eure Verhältnisse schon recht gut. Also kannst du dich doch ein bisschen freuen.
Dojo home: Wie war's bei dir Heute?
KampfsportBitch: Einfach nur Toll. Ich hab den ganzen Tag mit Shota verbracht. Ich vermisse ihn jetzt schon. Dabei sind wir erst seit 10 Minuten getrennt.
Dojo home: Das klingt Toll. Sowas will ich auch. Momentmal, was ist mit Schule?
KampfsportBitch: Hab geschwänzt ;)
Dojo home: Das solltest du echt nicht tun. Irgendwann fällt alles über dir ein.
KampfsportBitch: JA Mama
So ging das noch eine Weile. Sie erzählen sich einfach alles. Akane war so neidisch auf ihre Freundin. Sie war drei Jahre älter als Akane und ging schon auf die Uni. Ihr Vater besass auch ein Dojo und liess seine Tochter nicht mit normalen Jungs ausgehen. Er erwartete nur eins von ihr, das sie eines Tages einen Kampfsportler heiratet. Dieses Gefühl kannte Akane zu gut.
Als ihr Vater dann vor einem Jahr einen neuen Schüler aufnahm, der auch bei ihnen Wohnen sollte, hatte sie sich so aufgeregt. Er störte ihren ganzen Tagesablauf und immer wieder liess er dumme Sprüche ab. Sie stritten sich permanent. Auch das kannte Akane.
Aber eines Tages hatte sich alles Geändert. Jetzt waren sie zusammen, fest zusammen. Ihre Freundin hatte ihr noch nicht erzählt, wie das damals genau abgelaufen ist, aber sie fand es trotzdem Romantisch. Sie dachte an Ranma und sich, ob das jemals etwas werden würde.
Ihr entwich ein tiefer Seufzer, da streckte Ranma wieder seinen Kopf in ihr Zimmer. Sie verstand es sofort ohne dass er etwas sagen musste. Er hielt ihr die Tür auf und sie lief an ihm vorbei. Er erspähte den Computer und dachte einen Moment darüber nach, nochmal zu spionieren. Doch er hatte keine Chance dazu „Ranma kommst du" rief ihm seine Verlobte zu. Er schloss die Tür und folgte ihr runter.
