Akane hatte am nächsten Tag schon sehr früh das Haus verlassen und war zu Hitomi geeilt. Sie musste dringend mit ihr reden. Denn sie war am Vorabend das Skript für das heutige Date durchgegangen und sie hatte etwas darin entdeckt, womit sie nicht umgehen konnte. Dieses kleine Detail, stellte ihre ganze Welt auf den Kopf.

Sie hatte sich sehr kurzfristig telefonisch angemeldet und Hitomi hatte auch nicht viel Zeit für sie. Als Akane Hitomi erblickte konnte sie ihre Gefühle nicht mehr bändigen, es kam alles raus. Sie warf sich in Hitomis Arme und weinte erstmal. Es dauerte ganze zehn Minuten und viel von Hitomi beruhigenden Worten, damit sich Akane wieder fassen konnte. „Ist etwas mit Ranma passiert. Habt ihr euch gestritten?" fragte Hitomi als erstes. Akane schüttelte den Kopf. „Es geht nicht um Ranma. Ich hab ein Problem mit dem heutigen Date" Sie wischte sich die letzten Tränen noch mit dem Ärmel weg.

Hitomi runzelte die Stirn und wusste nicht was sie sagen sollte. Wie konnte die heutige Verabredung, sie so aus der Fassung bringen „Und was stimmt nicht damit?" Ihre Freundin wollte es unbedingt wissen, vielleicht war ja was mit Shota vorgefallen, von dem sie noch nichts wusste. „Ich hab im Skript gelesen, dass wir uns…..küssen sollen. Das kann ich nicht" sagte Akane heiser.

Hitomi wusste nicht was daran so schlimm sein sollte, aber sie war es sich auch nicht gewöhnt. Sie lebte in einer Welt voller Schauspiel, da küssten sich die Leute ständig und machten noch verrücktere Sachen. Somit konnte sie Akanes Gefühle nicht nachempfinden „Es ist nur ein Kuss, was ist denn so schlimm daran" versuchte Hitomi sie zu überzeugen. Aber bei Akane stiess sie da auf Granit. Sie schüttelte nur den Kopf „Ich kann das nicht, das ist viel zu persönlich, um es mit einem Fremden zu machen" doch Hitomi gab nicht auf „Shota ist doch kein Fremder mehr"

Akane unterbrach sie sofort „Es geht nicht. Ich werde das nicht tun. Auch wenn du dann von mir enttäuscht bist" schluchzte sie wieder. Hitomi nahm Akane in den Arm „Ach Süsse, ich versteh dich zwar nicht, aber darum bin ich nicht gleich enttäuscht" Akane brachte ein halbes Lächeln raus „Und was wäre wenn du es nur vortäuscht. Wenn es nur so aussehen würde" Akane blickte fragend zu ihr hoch „Geht das denn?" Hitomi nickte erfreut.

Hitomi hatte Akane viel zugeredet, bis diese nagegeben hatte, wenigstens so zu tun als ob. Aber jetzt rannte sie erstmal in die Schule. Akane hatte recht mit ihrer Vermutung.
In der Schule wurde sie regelrecht überfallen. Alle wollten wissen, wer das ist. Sie war das Gesprächsthema nummer eins. Immer wieder wurde sie angesprochen.
Alle Mädchen beneideten sie und Ranma bemitleideten sie, gegen so einen Typen hatte er keine Chance. Ranma sass etwas eingschnappt auf seinem Stuhl und hatte beharrlich seine Freunde ignoriert, die immer wieder versuchten etwas aus ihm herauszubekommen. Auch sie waren an der Situation der beiden sehr interessiert.

Als sie endlich zuhause ankam, war es schon Zeit, sich für das Date fertig zu machen. Akane hatte ein Kleid von ihrer Freundin bekommen, es war atemberaubend. Es war ein Trägerloses Kleid, es war dunkel blau voller Glitzer. Vorne ging es nur bis zu den Knien, so dass man Akanes tolle Beine sehen konnte und hinten ging es bis zum Boden. Akane betrachtete sich im Spiegel und kam nicht mehr aus dem Staunen heraus. War sie wirklich diese Frau, die sie vor sich im Spiegel betrachtete.

Alle anderen sassen unten im Wohnzimmer, als es an der Tür klingelte. Kasumi stand auf „Wer könnte das um diese Uhrzeit nur sein?" Als Kasumi die Tür öffnete und den jungen Mann im Anzug erblickte, fragte sie sich, ob er sich wohl in der Tür geirrt hat. „Guten Abend" sagte Kasumi fröhlich wie immer „Guten Abend. Ich bin hier um Akane abzuholen" Kasumi wechselte zwischen verschiedenen Emotionen.

Sie war erstaunt, dass das vor ihr Akanes Freund sein sollte. Sie hatte sich ihn ganz anders vorgestellt. Als Kasumi endlich aus ihrer Starre erwacht war, rief sie sogleich „Akane, kommst du bitte runter, dein Freund ist hier". Sie streckte ihm die Hand hin. „Es ist so schön sie mal persönlich kennen zu lernen. Ich bin Kasumi" Shota nahm Kasumis Hand und hauchte einen Kuss drauf „Ich bin Shota, ich bin auch sehr erfreut, sie müssen Akanes älteste Schwester sein".

Als Nabiki hörte was Kasumi gesagt hatte, ist sie sofort losgestürzt. Auch der Rest der Familie ging in Richtung Tür, um endlich das Gesicht des geheimnisvollen Kampfsportlers zu sehen. Sie kamen gerade um die Ecke als Shota auch Nabikis Hand zur Begrüssung küsste. Ranma blickte verachtend zu diesem Typen „Was für ein Schleimer" knurrte er vor sich hin.

Shota hatte das genau gehört und hatte Ranma nur kurz angesehen. Soun trat vor und stellte sich vor „Ich bin Akanes Vater Soun Tendo" Shota verbeugte sich tief, um seinen Respekt zu zollen. „Darf ich fragen, was für ein Kampfsportler du bist" Shota nickte kurz und sagte „Ich bin Schüler der Schattenkampfschule" Als Genma und Soun das hörten zogen sie scharf die Luft ein.

Das war eine sehr berüchtigte Schule. Ihre Kampfkünste war gefürchtet, so dass nur selten Gegner auftauchten, die sich trauten, sie herauszufordern. Und ausserdem war es sehr bekannt, dass sie nur sehr selten Schüler aufnahmen. Niemand wusste nach welchen Kriterien dass entschieden wurde. Da kam auch schon Akane.

Sie stand oben an der Treppe und alle schauten hoch zu ihr. Alle verstummten, als sie mit langsamen Schritten die Treppe herunterstieg. Solche Aufmerksamkeit war sie sich nicht gewohnt, ihre Wange schimmerte rot. Ranma sah sie mit sehr grossen Augen an. Er hatte sie so noch nie gesehen. Sie war wunderschön, feminin und einfach nur bezaubernd. Ihr Kleid sah aus, als würde sie den Sternenhimmel tragen. Er musste sich sehr zusammenreissen um sich seine Überraschung nicht anmerken zu lassen.

Akane trat zu Shota und begrüsste ihn „Und was meinst du. Zu viel" und machte eine Geste auf ihr Kleid. Er lächelte sie mit seinem grössten Lächeln an und sagte nur eins „Perfekt". Soun verwickelte den jungen Mann noch in ein Gespräch. Da er sehr interessiert war an der Kampfkunst die dieser praktizierte. Allgemein waren eigentlich alle Augen auf ihn gerichtet.

So das Ranma unbemerkt, Akane von der Gruppe wegziehen konnte. Akane war ihm still gefolgt, weil sie wissen wollte, was er zu sagen hatte „Oke Akane, ich sehe ein das du recht hattest. Du kannst dieses ganze Spiel jetzt beenden und den Affen nachhause schicken" Akane sah ihn mehr als entrüstet an und flüsterte „Bist du wahnsinnig. Ich spiele kein Spiel und Shota ist kein Affe"

Sie wollte gerade zurückgehen, da nahm Ranma ihr Handgelenk und drehte sie zu sich. Ranma seufzte tief „Ich weiss das du alles nur machst um mir eins auszuwischen. Das hast du jetzt geschafft. Würdest du bitte diesen Lackaffen, den Laufpass geben" Akane verschränkte ihre Arme vor der Brust. Seine Stimme war jetzt brüchig und schaute ihr tief in die Augen „Akane du musst das nicht tun" Akane erwiderte seinen Blick, auch sie sah ihm Tief in die Augen,

Es sah aus als würde ein Sturm in ihnen wüten, als würde er in einen Zwiespalt stecken. Wenn er ihr gesagt hätte das sie bei ihm bleiben sollte, dann hätte sie das getan. Aber er schien partout seine wahren Gefühle nicht offenbaren zu wollen und sie wollte es ihm nicht so leicht machen. „Ich will aber"
Als er erneut zum reden ansetzte, stockte er „Ich…Ich" weiter kam er nicht, denn Akane hatte die initiative wieder ergriffen „Du denkst wirklich das sich die ganze Welt immer nur um dich dreht. Was ist wenn ich ihn wirklich mag und er mich. Was wäre wenn das alles hier mit dir nichts zu tun hat. Würdest du das verkraften. Denk mal darüber nach" Mit diesen Worten liess sie ihn stehen.

Als die beiden endlich draussen waren, entschuldigte sich Akane für ihre aufdringliche Familie. Shota fand es gar nicht so schlimm. Sie hatten eine Kunstgallerie besucht, Hitomi war auch anwesend. Auch sie sah blendend aus. Sie verbrachten einen sehr interessanten Abend, auch wenn man es Shota schon sehr ansah, das er sich nicht für solche Sachen interessierte und die meiste Zeit gelangweilt Löcher in die Luft starrte. Hitomi musste ihn auch zweimal tadeln, weil gegähnt hatte.

Zuhause hingegen waren alle aufgeregt gewesen. Sie hatten nur noch ein Gesprächsthema. Shota. Ranma hatte sich schon längst verzogen, er wollte kein Wort mehr über diesen Typen hören. Alle waren ja so begeistert von ihm. Er sass jetzt schon mehrere Stunden auf Akanes Balkon und betrachtete das Tor. Wann würde Akane endlich nach Hause kommen. Er wollte sich doch bei Akane entschuldigen, aber das hatte er nicht geschafft, stattdessen hatte er sie nur wütend gemacht.

Ranma dachte die ganze Zeit an ihre Worte. Was wenn sie ihn mochte und er sie. Was wenn das alles nichts mit Ranma zu tun Hatte. Er lehnte seinen Kopf an die Balkonstange und fragte sich, ob er ihr überhaupt noch etwas bedeutete. Ohne es zu merken döste er ein. Es dauerte nicht lange, da schreckte ihn ein Geräusch auf.

Als er Aufblickte, erkannte er die Ursache. Er sah sie kommen. Sie schlenderten gemeinsam den Weg zum Tendo-Anwesen entlang. Ranmas Kiefer verspannte sich und er richtete sich leicht auf, aber so dass man ihn nicht sah. Shota hielt Akane zurück und sah sie vielsagend an „Wir werden beobachtet" sagte er zeigte ihr unauffällig mit seinen Augen die Richtung. Verblüfft sah sie hoch zu ihrem Balkon „Ranma" flüsterte sie. Shota nahm sie an der Schulter und neigte sich zu ihr. Entsetzt trat sie einen Schritt zurück

„Was tust du da?" er kam ihr wieder entgegen „Keine Angst, ich werde dich nur auf die Wange küssen, aber für ihn wird es echt aussehen" Dann überbrückte er denn letzten Abstand und zog sie in seine Arme.

Als Akane ihre Zimmertür hinter sich schloss und sich gegen diese lehnte, fasste sie sich mit den Händen ans Gesicht. Sie wollte die röte zurückdrängen. Sie schloss die Augen und dachte an denn Kuss. Shota hatte sie so nahe am Mund geküsst, sie konnte seine Lippen an ihrem Mundwinkel spüren. Sie hatte sich da so reingesteigert, dass sie Ranma völlig vergessen hatte.

Er kam gerade vom Balkon rein, da vernahm sie schon seine Schritte, die auf sie zukamen. Sie traute sich nicht aufzublicken. Er trat sehr nah an sie heran und streckte seine Hand nach ihr aus. „Wieso hast du das getan?" sagte er lethargisch und fuhr mit seinen Fingern über ihre Lippen. Ihr Herz schien Weltrekorde zu schlagen und ihre Atmung ging in Stössen. Sie vermochte ihm nicht zu Antworten „Der Erste hätte mir gehören müssen" Erschrocken blickte sie zu ihm rauf, doch es war zu Dunkel, sie sah nichts.

Er klang so teilnahmslos, als wäre er nicht mehr wirklich hier. Sie schluckte fest. Seine Geste war sehr aufwühlend, aber seine Stimme war das komplette gegenteil. Ob sie es übertrieben hatte, ob er jetzt wohl verletzt war. Sachte schob er sie von der Tür weg und liess sie alleine in ihrem Zimmer zurück.

Akane fand einfach keinen Schlaf, sie fragte sich immer wieder ob sie zu weit gegangen war. Hatte sie ihn verletzt. Sie erinnerte sich an die ganzen male zurück, wie verletzt sie sich gefühlt hatte, wenn sie Ranma mit einem anderen Mädchen sah. Vielleicht würde sie ihn jetzt für immer verlieren. Sie fasste sich an die Lippen, seine Finger waren so sanft über ihren Mund gefahren, das sie Gänsehaut davon bekommen hatte.

Zuerst dachte sie, er würde sie Küssen, aber dem war leider nicht so. Und als er sagte "Der erste hätte mir gehören müssen" da hatte ihr Herz für einen Moment ausgesetzt. Eigentlich sollte sie sich darüber freuen, er hatte zugegeben das er sie Küssen wollte. Aber so richtig konnte sie das nicht, sie hatte zwar sein Gesicht nicht sehen können, aber seine Stimme verriet alles. Er hatte sich von ihr distanziert. Bei diesem Gedanken, brach ihr Herz ein kleines Stückchen und ihr stiegen die Tränen in die Augen.