Disclaimer: Die Idee für diese Geschichte Gehört mir! Die Rechte an den Figuren und einigen Schauplätzen gehören J.K.R.. Ich verdiene kein Geld mit dieser Geschichte.

2. Das Leiden der Männer

- Vernons POV -

Er hatte es gewusst. Natürlich hatte er das und rückblickend war Vernon Dursley immer wieder fassungslos, wie bereitwillig sie den Jungen adoptiert hatten. Kein Jahr hatte es gedauert bis sein Neffe begonnen hatte Bauklötze fliegen zu lassen oder die Möbel in schrilles Pink verfärbte. Anfangs hatten sie noch versucht es ihm auszutreiben – ihm wegzunehmen womit auch immer er gerade seinen Schabernack trieb oder ihn in den Schrank unter der Treppe gesperrt – doch das machte es nur noch schlimmer. Auch hatten sie die Vorgänge vor Dudley kaum geheim halten können. Wann immer es geschah hatte er alle Mühe seinen Sohn zu beruhigen. Doch er würde Dudders nicht von diesem Jungen tyrranisieren lassen und war beruhigt, als sein Sohn nach einiger Zeit begann sich zu wehren. Vielleicht war der Junge doch zu etwas zu Nutze und sei es nur als Training für das spätere Leben.

Doch es kam anders: Er wusste nicht ob es die Nachbarn waren oder einer der vielen Erziehungsratgeber, die Petunia nun immer las, doch plötzlich schien seine Frau wie ausgewechselt.

Angefangen hatte es wohl mit dem Spitzkohl, dem Mangold, den Artischoken und all dem anderen Grünzeugs, was auf ihrem Tisch landete. Ungläubig hatte er sie angestarrt. Glaubte sie wirklich, er würde dieses Kaninchenfutter auch nur anrühren? Und er war nicht allein. Kaum hatte sie Dudley einen Löffel in den Mund geschoben, klebte die grüne Pampe schon an der Wand. Beziehungsweise neben einem alten Foto… Seine Augen weiteten sich. In ihrer Küche, gleich neben dem Kühlschrank hatte seine Frau ein Bild ihrer verstorbenen Schwester aufgehängt. Immerhin machte der Junge – Harry, wie Petunia ihn begonnen hatte zu ermahnen – keine Probleme und aß schweigend seine Portion. Was auch immer mit dem Jungen nicht stimmte, sein Überlebensinstinkt war unschlagbar. Widerrum hätte er es besser wissen sollen, als sich seinem Drachen von einer Frau zu verweigern.

„Wofür soll dieses Grünzeug gut sein?", hatte er sie am Abend gefragt.

„Es ist gesund."

„Und sind wir denn krank?", schnaubte er. „Sowas isst man im Krankenhaus."

Doch Petunia schüttelte den Kopf und formte das Wort „später" mit ihren Lippen. Griesgrämig würgte er die Hälfte der Pampe hinunter und schickte die grummelnden Jungen nach oben, bzw. in den Schrank. Ratlos setzte er sich an den Küchentisch. Petunia, die eben noch die Reste der Pampe weggespült hatte, setzte sich mit einem Seufzer neben ihn.

„Der Arzt sagt, Dudley wiege zu viel. Er braucht jetzt viel Obst und Gemüse.", erklärte sie und deutete auf einen Topf, der wohl noch viel mehr von dem Grünzeug enthielt.

„Dudders? Zu viel? Das ist doch nur ein bisschen Babyspeck! Lassen sie jetzt schon Vierjährige hungern oder was?"

Mit verschränkten Armen blickte seine Frau an ihm herab. „Uns allen wird eine gesunde Ernährung gut tun.", stellte sie bissig fest. „Und Sport. Ich habe mich und die Jungen im Tennisclub angemeldet."

Vor seinem inneren Auge sah er seinen Sohn im Tennisdress. Wütend schüttelte er den Kopf. „Warum in aller Welt Tennis?"

„Warum nicht? Die Jungen brauchen Bewegung und ich wollte schon seit einiger Zeit anfangen."

„Aber sie sind Jungen!", protestierte Vernon verzweifelt. Er konnte es nicht fassen! Seine Frau hatte begonnen sie alle in eine Ausgabe von „Familie, Haus und Hund" umzuformen! „Lass sie doch Fußball spielen, wenn du sie schon durch die Welt hetzen willst. Es gibt hier doch die Whinging Kickers oder wie die heißen. Der Sohn der Polkisses spielt dort auch."

„Ein guter Grund sie von dort fernzuhalten. Der Junge ist eine Katastrophe."

„Aber Petunia, Marcus und ich sind alte Freunde."

„Und Marcus ist nicht Pierce.", entgegnete Petunia schneidend und reichte ihm einen leicht zerknitterten Brief. Sofort erkannte er das Logo des örtlichen Kindergartens. „Ich habe es erst kaum glauben wollen aber unser Sohn scheint alle Manieren zu vergessen, wenn man ihn nur kurz alleine lässt."

Schweigend überflog er den Brief, der davon berichtete, wie Dudley wohl den Teppich im Gruppenraum in Brand gesteckt hatte und dann das ganze versucht hatte zu „löschen" indem er darauf… nun auf höchst unangemessene Weise. Immerhin war nichts Ernstes passiert aber die Betreuerin hatte einige böse Kommentare zur schlechten Erziehung seines Jungen gemacht.

„Unser Sohn wird nicht auf die schiefe Bahn geraten.", erklärte Petunia bestimmt. „Und wir werden nicht weiter darüber hinwegsehen, wenn er Harry piesackt."

„Aber der Junge ist ein… ein… Er hat es verdient!"

„Was auch immer der Junge ist, wir sollten ihn nicht noch weiter anstacheln, indem wir ihn schlecht behandeln. Er ist immerhin mein Neffe."

„Das Foto?", fragte er und musste bestürzt erkennen, dass Tränen in den Augen seiner Frau standen.

„Sie war meine Schwester.", krächzte sie. „Immer habe ich gedacht, ich würde es besser machen als unsere Eltern mit – du weißt schon – den beiden Jungen. Und schau was passiert ist.", sie machte eine umschweifende Geste auf die Fotos an der Wand (ausschließlich Dudleys) und die Spielsachen, die ihr Sohn überall im Raum verstreut hatte.

„Ich bin eine schreckliche Mutter… für beide Jungen.", nun flüsterte sie fast.

„Aber Petunia…"

Entschlossen blickte seine Frau zu ihm auf. „Es wird keine Sonderbehandlung mehr geben für Dudley. Und wir werden nächsten Monat Harrys Geburtstag ganz normal feiern, mit Kuchen und Geschenken."

Vernon wusste, dass er verloren hatte. Nur wenige Tage später wurde Harry aus dem Schrank aus- und unter Protest Dudleys in das Zimmer neben ihm einquartiert und tatsächlich gab es eine kleine Feier mit Kaffee und (ihm lief das Wasser im Mund zusammen) Erdbeerkuchen. Der Junge hatte ganz verdutzt geguckt, als er das knallrote Kinderfahrrad mit Stützrädern ausgepackt hatte. Es hatte einen ziemlichen Eklat gegeben, als Dudley ein zweites Fahrrad verlangt hatte (natürlich hatte er einige Wochen zuvor bereits ein ähnliches Rad zu seinem Geburtstag bekommen. Doch alles Bitten und Betteln hatte nichts genützt und als ihr Sohn auf Petunia losgegangen war, hatte sie ihm Zimmerarrest gegeben. Zum ersten Mal in seinem jungen Leben.

Im Nachhinein musste er zugeben, dass es in den folgenden sechs Jahren großartig lief, für ihn wie auch für seine Familie. Natürlich hatte er erst versucht den neuen Diätplan mittels der Firmenkantine bei Grunnings zu umgehen. Schnitzel Tag war doch immer noch der beste Tag und auch der Bäcker um die Ecke verdiente gut an Petunias guten Vorsätzen. Zudem machte er sich gerne bei den Jungs beliebt, wenn er abends Pizza oder ähnliches mit nach Hause brachte, doch das Rad ließ sich nicht zurückdrehen. Zweimal die Woche kutschierte Petunia die Jungen zum Tennis und war selbst bereits einige Jahre später Stadtmeisterin geworden. (Mit einer Mischung aus Entzücken und Grauen hatte er beobachtet, wie ihre Figur zunehmend athletisch wurde. Die Schwangerschaftspfunde waren längst vergessen.) Er selbst hatte auf ihr Drängen schließlich wieder mit dem Golfen angefangen. Immerhin konnte er sich einreden, das ganze sei gut für Firmenkontakte und bei Grunnings lief es für ihn ja nun wirklich nicht schlecht. Er war nun Abteilungsleiter.

Natürlich war es für Dudley ein Schock. Nicht nur das Essen, sondern auch dass seine Mutter ihn nun ermahnte, wenn er sich nicht benahm. Plötzlich hatte er seine Spielsachen wegräumen müssen und seit neustem verlangten seine Eltern auch noch, beim Abtrocknen zu helfen! Immerhin hatte Vernon ihm irgendwann ein Schlagzeug gekauft (Harry hatte er einen Chemiebaukasten mitgebracht, von wegen gleiche Behandlung und so). Das war auch eine Form süßer Rache gegenüber seiner Frau gewesen, die schon überlegt hatte, die beiden Jungen zum Klavierunterricht zu schicken.

Ihr Eifer verstärkte sich nur noch mit der Einschulung der Jungen. Mit scharfen Augen kontrollierte sie Tag für Tag deren Schulaufgaben und hatte mindestens die Hälfte der Lehrer mit ihren regelmäßigen Besuchen während (und auch außerhalb) der Sprechzeichen in den Wahnsinn getrieben. Zudem konnte sie nicht davon ablassen, die Leistungen Dudleys mit denen Harrys zu vergleichen, der sich zugegebenermaßen deutlich besser machte, besonders beim Rechnen, und ihren Sohn unablässig anzutreiben. Vernon hatte so einige Male Seelentröster spielen müssen und sich oft mit seiner Frau gestritten, bis sie endlich akzeptiert hatte, dass es nichts nützte, wenn Dudley sich beim Lernen auch noch schlecht fühlte, weil er kaum so gut sein würde wie Harry. Danach hatte sich die Situationen bei ihenen zu Hause deutlich entspannt.

Und doch musste er seiner Frau zustimmen, dass unter ihrer strengen Erziehung die Verrücktheiten um Harry abgenommen hatten. Fliegende Untertassen gehörten mittlerweile eigentlich der Vergangenheit an. Ob es daran lag, dass er und Dudders sich nicht mehr ständig kabbelten oder am ganzen Rennen und Springen und weiß Gott was sich seine Frau ausdachte, um die beiden Jungen auf trab zu halten. Sie hatte sogar begonnen einen Gemüsegarten anzulegen, um mit den Jungen Kräuter und anderes Grünzeug anzubauen. Lavendel und Liebstöckel, offenbar hatte sie zu viel über diese Bio Fritzen gelesen!

Er mochte die Nase rümpfen über diese Veränderungen, doch trotz allem schien auch Dudley sich ganz gut zu machen. Abendessen mit wichtigen Geschäftpartnern hatte er eigentlich immer in der Tasche mit „Ihren zwei reizenden Jungen". Er hatte Dudley bereits einige Male mit zum Golfen genommen und auch ihre Strandurlaube waren doch deutlich entspannter, da die Jungen miteinander spielten und er seine wohlverdiente Ruhe bekam.

Nein, Petunia hatte recht gehabt. Die Jungen hatten sich unter den „neuen Regeln" zum besseren gewandelt. Beinahe hatte sie geschafft, was sie beide sich immer vorgenommen hatten – eine normale Familie zu sein. Beinahe.