Kapitel 2
Antithese: In der Hermione zu viel redet

Endlich näherte sich das Ende des Schuljahrs; nur noch ein paar Tage lagen bis zum formellen Jahresabschluss-Abendessen und bis zur Zeugnisvergabe-Zeremonie vor ihnen. Wie es die Tradition vorschrieb, hatten die Siebtklässler am Abend ihrer letzten NEWT-Prüfung eine unerlaubte Party organisiert. Wie üblich schienen die Schüler zu glauben, dass sie die Ersten waren, die solch eine brillante Idee hatten, und wie üblich wussten die Professoren alles über die Pläne, von denen sie nichts wissen sollten. Wie die Tradition ebenfalls vorschrieb, ignorierten sie dennoch die Eskapaden, solange alles vernünftig unter Kontrolle blieb und keine jüngeren Schüler involviert waren.

Severus seufzte und kniff sich in die Nasenwurzel, als er den Flohanruf mit Pomona beendete. Dieses Jahr waren die Dinge ganz bestimmt nicht unter Kontrolle. Pomona hatte nach Verstärkung gerufen, da ihre Hufflepuffs mit verschiedenen Weasleyprodukten bewaffnet Amok liefen, die Ravenclaws zankten sich entweder in der Großen Halle, oder sie sangen direkt vor ihrem Gemeinschaftsraum lärmend Lieder, da offensichtlich keiner von ihnen nüchtern genug war, um das Rätsel an der Tür zu beantworten. Natürlich trugen die Gryffindors in einem verlassenen Raum in der Nähe des Zauberkunst-Klassensaals eine Art Trinkwettkampf aus, und seine eigenen Slytherins hatten offensichtlich die letzten paar Monate damit verbracht, diverse alkoholische Getränke zu brauen, die sie den anderen verkauften. Zumindest zeigten sie Unternehmergeist, dachte er säuerlich.

Er stolzierte hinauf Richtung Große Halle, und seine Roben blähten sich in wohlgeübter Manier drohend hinter ihm. Direkt vor sich im Korridor, der zum Slytherin-Gemeinschaftsraum führte, entdeckte er in einer Nische zwei Schüler knutschende Schüler, eine offene Flasche Feuerwhisky stand gefährlich nah an ihren miteinander verschlungenen Beinen.

„Fünf Punkte von Slytherin, Miss Davis, dafür, dass Sie sich erwischen lassen, und zehn Punkte von Slytherin, Mr Goyle, dafür, dass sie Ihren eigenen Hauslehrer dazu zwingen, Ihnen Punkte abzuziehen", schnappte er. Die beiden sprangen auseinander und hätten die Flasche umgekippt, hätte er sie nicht mit einem Fingerschnippen verschwinden lassen, ehe er schnell weiterging, ohne sich die Mühe zu machen, stehen zu bleiben.

Schnell überblickte er das Chaos in der Großen Halle. Glücklicherweise war Minerva bereits gekommen und hatte alle Kämpfer an Ort und Stelle erstarren lassen können, und jetzt drohte sie, sie alle in Kröten zu verwandeln, wenn sie nicht sofort zu kämpfen aufhörten. Filius war ebenfalls da, rang die Hände und versuchte, sich vor umherfliegendem Mobiliar wegzuducken. Mit einem Nicken zu dem winzigen Ravenclaw-Hauslehrer wandte er sich um, ging weiter zu den Hufflepuff-Schlafsälen und verjagte auf dem Weg einige jüngere Schüler. Glücklicherweise hatte Pomona zu der Zeit, als er eintraf, die Dinge gut unter Kontrolle, obwohl der süße Dunst von etwas verdächtig Kräuterigem vor dem Eingang zu den Hufflepuff-Schlafsälen in der Luft hing, und einige von ihnen ihn fast lächelnd mit leeren Augen anstarrten, eine höchst entnervende Erfahrung. Oh gut, wenn es die kleinen Bälger dazu brachte, sich zu benehmen, würde er es nicht bei Albus ausplaudern. Er nickte der Pflanzenkundelehrerin zu, machte wieder kehrt und sich Richtung Zauberkunstkorridor auf, wo er sich desillusionierte, ehe er um die Ecke abbog, begierig zu sehen, was die Gryffindors im Schilde führten, bevor er ihre kleine Party stürmte.

Die Schüler saßen im Kreis auf dem Boden eines unbenutzten Klassensaals, umgeben von einem regelrechten Berg von Kissen ähnlich denen, die Filius im Zauberkunstunterricht verwendete. Leise Jazzmusik erklang aus einer nicht sichtbaren Quelle, und angezündete Kerzen und magische Lampen warfen einen sanften Schein über den Raum. Mehrere leere Flaschen und Schnapsgläser lagen um sie verteilt, aber zumindest waren sie halbwegs ruhig. Zu seiner Überraschung sah er, dass einige Ravenclaws und sogar ein paar Slytherins auch anwesend waren, darunter Theo Nott und Blaise Zabini. Da sie alle Freizeitkleidung und keine Schuluniformen trugen, brauchte er einen Moment, um sie alle zu identifizieren.

„Ich habe noch nie … jemanden desselben Geschlechts geküsst", sagte Miss Dunbar, eine Gryffindor-Siebtklässlerin, während sie eine gläserne Stange hielt, die sie als Wahrheitsanzeiger beim Spiel benutzten, um sicherzustellen, dass die Person, die eine Aussage machte, nicht schummelte. Miss Brown trank ihren Schnaps genau wie Mr Thomas, Mr Zabini und Mr Longbottom zum allgemeinen Gekicher der anderen.

Miss Patil war die Nächste. „Ich habe noch nie … etwas gestohlen", sagte sie. Dieses Mal tranken fast alle einschließlich des Potterbalgs und Miss Granger. Er grinste. Er erinnerte sich gut an ihren Stunt mit dem Vielsafttrank, für den sie Zutaten aus seinen Vorräten geklaut hatte. Sie als Katze im Krankenflügel zu sehen, war sein bestes Weihnachtsgeschenk für Jahre gewesen, auch wenn er ein paar Tage damit zugebracht hatte, ein Gegenmittel für sie zu brauen.

„Ich habe noch nie … für einen Professor geschwärmt", erklärte Miss Brown.

Fast alle Mädchen tranken darauf und manche der Jungen auch, bemerkte er. Die Glasstange in Miss Browns Hand färbte sich jedoch rot, und mit einem Quietschen ließ sie sie fallen.

„Ooohh!", ging durch den Raum, und Miss Brown protestierte, war aber gezwungen, ihren Schnaps und als Strafe noch einen zu trinken.

„Erinnerst du dich an Lockhart, Lav?", sagte Miss Patil und brach in Gekicher aus.

„Verdammt, den hatte ich vergessen!", sagte Miss Brown.

„Ich auch", rief Miss Granger und errötete. Interessant, also dachte sie nicht an ihn, überlegte er, ehe er sich selbst dabei ertappte; weshalb sollte es ihn kümmern, für wen sie schwärmte?

Potter nahm den Stab, nachdem die Schnapsgläser aller wieder gefüllt waren. Zu Severus' Überraschung wählte der Junge, der lebte, um zu nerven, kein Statement betreffend seine sexuellen Talente, Fähigkeiten in der Schlacht oder Ähnliches.

„Ich bin noch nie … in einem Freizeitpark gewesen", sagte der Junge stattdessen.

Sofort leerte Miss Granger genau wie einige andere ihr Glas, aber einige Reinblüter sahen sich verwirrt um. Nach etwas Diskussion einigten sie sich, das magische Jahrmärkte ebenfalls zählten, da auch sie magische Karussells für Kinder hatten, und daher leerten ein paar andere auch ihre Schnapsgläser.

Mr Nott kam als Nächster an die Reihe. Er saß dem Eingang direkt gegenüber und schien einige Mühe zu haben, sich etwas einfallen zu lassen.

„Ich habe noch nie … Professor Snape … knutschen wollen?", sagte Nott, und seine Augen weiteten sich, als er Severus über den Raum hinweg erblickte, dessen Desillusionierung verschwunden war. Er grinste und hob zu seinem Schüler eine Augenbraue, ehe er zurück in den Schatten untertauchte. Nott schluckte und nickte kurz; er hielt die Anwesenheit seines Hauslehrers vor den anderen geheim.

„Ooohh!", ging es wieder durch den Raum.

Zu Severus' Überraschung tranken einige Mädchen einschließlich der beiden Miss Patil und Miss Granger und Miss Turpin aus Ravenclaw darauf. Leider leerten auch Zabini und Longbottom beide ihre Gläser, was ihn zum Schaudern brachte.

„Iiihh, 'Mione, du willst die Kerkerfledermaus küssen, aber mich nicht?", sagte Weasley Junior zornig und setzte sich gerader.

Miss Granger verschränkte die Arme vor sich und starrte den Rotschopf an. „Halt die Klappe, Ron! Nur, weil ich deine schlaffe Zunge nicht in meinem Hals haben will oder irgendwelche anderen schlaffen Körperteile von dir! Behalte sie bei dir! Ich bin nicht dein Eigentum!"

Das brachte ihn zum Grinsen. Gut gesprochen, Miss Granger.

„Komm schon, warum bist du so kalt, 'Mione? Willst du nicht die Chance haben, mit jemandem Sex zu haben, ehe du auf Du-weißt-schon-wen triffst? Ich will nur helfen, auch wenn du eine lausige Nummer wärst, ist es eh die einzige Chance, die du kriegen wirst!"

Miss Granger sprang auf, während die anderen im Raum meist zugunsten von Miss Granger in Empörung ausbrachen, wie er bemerkte. „Ronald Bilius Weasley", zischte sie mit den Händen auf den Hüften. „Wenn du und ich die letzten Menschen auf der Erde wären, würde ich trotzdem keinen Sex mit dir haben. Ich dachte, wir seien Freunde, aber du willst mir nur an die Wäsche!" Stattdessen wandte sie sich an Miss Brown, während Potter Mr Weasley harsch beiseite zog. „Lavender, ich habe keine Ahnung, was du an ihm findest, aber wenn du ihn mit allen Teilen funktionsfähig haben möchtest, schlage ich vor, dass du ihn mit einem Knebel an der kurzen Leine hältst."

„Gute Idee, keine Sorge, Hermione, er wird eine lange Zeit nicht vergessen, wie dumm er gewesen ist", sagte das andere Mädchen und schaute ihren Freund böse an.

Miss Granger nickte dem blonden Mädchen zu und stürmte aus dem Raum, ohne die Anwesenheit ihres Professors im Eingang zu bemerken. Severus musste entscheiden, was er tun sollte, aber Mr Nott hatte offensichtlich seine Anwesenheit bemerkt, und bisher benahmen sie nicht außerhalb des Zulässigen für die letzte Nacht in Hogwarts, daher beschloss er, sie weitermachen zu lassen. Nach einer Runde Slytherin-patentierter Blicke und gehobener Augenbrauen in die allgemeine Richtung von Nott machte er auf dem Absatz kehrt und stolzierte davon und Miss Granger nach, die schneller weggerannt war, als er erwartet hatte, wenn er die hohen Absätze in Betracht zog, die sie trug.

In der Eingangshalle holte er sie ein, wo sie zu einem unordentlichen Bündel auf der Treppe zusammengesunken war; ihr hellblaues Sommerkleid war ihr den halben Schenkel hinaufgerutscht. Zuerst dachte er, sie weine, aber als er näherkam, war es klar, dass sie kicherte, auch wenn der Anlass ihrer Heiterkeit völlig unerkennbar war.

„Hallooooo", sagte sie und sah mit einem albernen Lächeln zu ihm auf, ehe sie wieder in Gekicher ausbrach. Sie lag auf dem Rücken und sah zur Decke hinauf. Es sah nicht besonders bequem aus.

„Miss Granger, wie betrunken sind Sie genau?", fragte er mit erhobener Augenbraue, die keinerlei Effekt zeigte. Sie war weit über Augenbrauen hinaus. Wahrscheinlich sogar über finstere Blicke. Sinnlos, gute böse Blicke an jemanden zu verschwenden, der sie nicht zu schätzen wusste, nicht wahr?

„Sie haben reizende Wimpern, wissen Sie", sagte sie mit einem rührseligen Lächeln. „Lavender wäre so eifersüchtig. Ron hat überhaupt keine hübschen Wimpern."

Definitiv jenseits böser Blicke, entschied er. Wimpern? Wer in aller Welt scherte sich um Wimpern? Die Gedanken von Hexen würde er nie verstehen. Er trat näher zu ihr und streckte eine Hand hinunter, um sie hochzuziehen. Beim zweiten Versuch schaffte sie es, seine Hand zu ergreifen, und stand auf wackeligen Beinen auf. Wieder lächelte sie ihn an und wäre seitwärts umgekippt, hätte er sie nicht mit einer Hand am Oberarm stabilisiert.

„Was haben Sie getrunken?", versuchte er es wieder, aber sie lächelte ihn nur an und kicherte weiter. Es war sinnlos, wenn sie in diesem Zustand war, und sie sollte so nicht allein durch die Gänge laufen. Da aktuell überall im Schloss Chaos herrschte, war Poppy wahrscheinlich ebenfalls beschäftigt, und aus irgendeinem Grund hatte er auch keine Lust, sie an Minerva weiterzureichen. „Kommen Sie mit", sagte er zu ihr und begann, sie hinunter in Richtung der Kerker zu lenken. Glücklicherweise folgte sie ihm, ohne zu fragen, auch wenn sie sich zwecks Stabilität an seinen Arm hängte. Seltsamerweise fühlte es sich gut an.

„Wissen Sie, Sie erinnern mich an jemanden, wissen Sie das?", sagte sie plötzlich, blieb stehen und sah mit großen Augen zu ihm auf. „Mein Zau… Zaubertränkelehrer in der Schule. Er war ein alter Brummbär, aber ich hatte in meinem letzten Jahr sehr für ihn geschwärmt. Er hatte wundervolle Hände, wissen Sie, und diese Stimme … Ich musste immer ein extra Höschen mitbringen zum Wechseln nach dem Unterricht." Wieder brach sie in Gekicher aus.

Er zuckte zusammen und bemühte sich vergeblich, nicht an den Zustand von Miss Hermione Grangers Höschen zu denken. Glücklicherweise waren sie an seiner Tür angekommen, und er konnte sich damit beschäftigt halten, die betrunkene Hexe auf seiner Couch zu platzieren und ihr Wasser zu holen. Er hatte Ausnüchterungstrank in seinem Schrank, aber da die Nebenwirkungen dieses Tranks ziemlich brutal waren, war es oft besser, stattdessen am nächsten Morgen einen Katertrank einzunehmen und den Körper in der üblichen Weise mit dem Alkohol umgehen zu lassen.

Die Hexe setzte sich auf der Couch kerzengerade hin, als er mit dem Wasser zurückkam. Ihrer beider Hände berührten sich, als sie das Glas nahm und es mit zwei Händen hielt, und ein Hauch ihrer Berührung verweilte auf seiner Haut.

„Sir, was wäre, wenn es bei der ‚Macht, die der Dunkle Lord nicht kennt' nicht um Liebe oder sonst etwas ähnlich Albernes geht?", fragte sie plötzlich, und ihre großen Augen fixierten seine. „Was wäre, wenn es etwas anderes ist?"

Er zuckte mit den Schultern. „Ihre Mutmaßung ist so gut wie meine, aber ich habe nie viel von dieser Idee von Albus gehalten", räumte er ein.

Unsicher stand sie wieder auf und stellte das Glas auf den Beistelltisch. „Wo ist das Klo?"

Er führte sie zu seinem Bad und wartete draußen, um zu hören, falls sie Hilfe brauchte, aber es schien nicht, als müsse sie sich übergeben.

„Glauben Sie, dass er jemals gelacht hat? Ich meine, richtig, nicht auf Kosten von jemand anderem?", fragte sie verträumt, als sie aus dem Bad zurückkam. Offen gesagt, sah sie vollkommen betrunken aus mit einem albernem Lächeln auf dem Gesicht, als sie den Kopf neigte, um an ihrer niedlichen kleinen Nase entlang auf ihn hinunterzusehen. Er runzelte die Stirn; woher war dieser Gedanke gekommen?

„Miss Granger. Hat Miss Lovegood Ihnen etwas gegeben?", fragte er scharf. „Oder hat Ihnen jemand ein Produkt der Weasleyzwillinge untergejubelt?"

„Neeeeiin", sagte sie, zog das Wort in die Länge und beendete es mit einem Kicheranfall.

Sie ließ sich wieder auf der Couch nieder, während er seufzte und sich in die Nasenwurzel kniff. Dies würde eine lange Nacht.

„Ronald Weasley ist ein Idiot erster Klasse!", rief sie plötzlich aus, setzte sich gerade auf und starrte ihn an. „Nur, weil ich ihn nicht küssen wollte, bedeutet das nicht … bedeutet nicht …" Sie beendete den Satz mit einem Gähnen.

„Nein, natürlich nicht", stimmte er zu. „Bitte trinken Sie Ihr Glas Wasser aus, Miss Granger."

Sie leerte es vollständig, rülpste eindrucksvoll und kippte prompt zur Seite, während sie einschlief. Er warf einige Diagnosezauber über sie, um zu sehen, ob sie sofortige Versorgung brauchte, zog Minervas Tartanplaid über sie und stellte ihr ein frisches Glas Wasser und eine Phiole Katertrank auf den Tisch, ehe er zu Bett ging.

Am nächsten Morgen war er ein wenig irritiert durch das jämmerliche Stöhnen, das aus seinem Wohnzimmer kam, bis ihm die Ereignisse des Abends zuvor wieder einfielen. Aus irgendeinem Grund ließ das Geräusch ihn sich ziemlich … glücklich fühlen? War es das? Entweder, weil jemand anderes betroffen und unglücklich war, oder vielleicht sogar, weil ausnahmsweise einmal jemand in seiner Wohnung war? Er zog sich an und betrat das Wohnzimmer, wo die junge Hexe völlig derangiert zu sein schien, ihr Haar wie ein Krähennest, ihr Kleid zerknittert und fleckig und ihr halbes Gesicht mit Make-up verschmiert. Die Phiole mit dem Katertrank war zumindest leer. Als sie ihn in der Tür erblickte, holte sie tief Luft, biss sich auf die Lippe und errötete, während er eine Augenbraue hob.

„Äh …"

„In der Tat. Guten Morgen, Miss Granger."

Sie quietschte etwas Unverständliches und eilte wieder ins Bad; unterdessen kontaktierte er des Frühstücks wegen die Küchenelfen. Es schien, als habe die Augenbraue diesmal funktioniert.

In seinem Hinterkopf nagte ein Gedanke an ihm, ein einzelner Kommentar, den sie gestern gemacht hatte, und dessen Sinn er nicht recht verstehen konnte.

„Erinnern Sie sich, was Sie gestern gesagt haben?", fragte er und schälte ein Ei.

Wieder errötete sie auf ziemlich attraktive Art. „Äh … vielleicht?"

Er grinste; an ihre Kommentare über ihn erinnerte er sich auch. „Nein, ich dachte eher an Ihre Kommentare den Dunklen Lord betreffend."

Sie runzelte die Stirn und nickte langsam. „Ja, Harry erwähnte, dass er nie in einem Freizeitpark gewesen ist, und das brachte mich dazu zu denken, wissen Sie, dass Sie-wissen-schon-wer auch nie in einem gewesen sein kann. Wäre es nicht für einen megalomanischen Despoten sehr schwierig, Spaß zu haben? Hat er jemals über etwas gelacht, das nicht auf Kosten von jemand anderem ging? Ich glaube, mich an einige alte Muggel-Volksmärchen zu erinnern über Monster, die verschwinden, wenn man lacht, auch wenn man wahrscheinlich die Monster anlachen sollte."

Während sie sich mit ihrem Toast und Tee beschäftigte, dachte er darüber nach. Nach einer Weile kamen ihm einige seltsame Geräusche zu Bewusstsein, die von der anderen Seite des Tisches kamen. Kicherte sie tatsächlich schon wieder? Was stimmte nicht mit der Hexe, warum tat sie das die ganze Zeit? Schließlich bemerkte sie seinen betont bösen Blick, der wieder einiges seiner Wirksamkeit ihr gegenüber eingebüßt zu haben schien. Zumindest hörte sie mit ihrem verdammten Gekicher auf.

„Miss Granger", begann er langsam. „Welche Pläne haben Sie für den Sommer?"

Über ihrer Teetasse zuckte sie mit den Schultern. „Vorerst bleibe ich bei Harry am Grimmauld; ich habe eigentlich nicht viel geplant. Fühlt sich ziemlich unsinnig an, solange der blöde Krieg weitergeht."

Er nickte heftig. „Gut, hätten Sie etwas dagegen, mir bei einigen Forschungen zu assistieren, damit wir das ein für alle Mal beenden? Aufgrund Ihrer absonderlichen Erklärungen habe ich einige Ideen, und Sie sind einigermaßen gut in Arithmantik, nicht wahr?"

Sie setzte sich aufrechter, und fast konnte er all die Fragen sehen, die in ihrem Schädel herumhüpften. Einige von ihnen schienen durch ihr Haar hinauszugelangen, das sich mit latenter magischer Energie aufzublähen schien.

„Nein, nein, Miss Granger, ich werde Ihnen diese letzten paar Tage in Hogwarts nicht missgönnen, nur um Sie in einer Bibliothek in den Kerkern einzusperren", sagte er mit einem Grinsen. „Minerva wäre höchst ärgerlich. In der Zwischenzeit könnten Sie sich vielleicht mit dem Konzept von … Freude … beschäftigen, da Sie für solch ein Unterfangen wahrscheinlich besser geeignet sind als ich." Das F-Wort ließ ihn schaudern, und seine Lippen verzogen sich zu einem Hohnlächeln.

Langsam erhellte sich ihr Gesicht mit einem strahlenden Lächeln. „Ihnen bei der Forschung helfen, Sir? Natürlich würde ich Ihnen gerne helfen!"

Kurz nachdem sie in ihren Schlafsaal aufgebrochen war, flackerte sein Flohnetzwerkanschluss mit der hereinkommenden Bitte um einen Besuch auf. Mit einem Schwenker seiner Hand akzeptierte er Lucius' Anfrage, und prompt trat der blonde Aristokrat hindurch in sein Wohnzimmer. Der Zauberer sah wirklich ziemlich mitgenommen aus, sein Haar war matt und zerzaust, seine sonst tadellosen puderblauen Roben sahen zerknittert aus, und er hatte dunkle Ringe unter den Augen. Seit dem letzten großen Treffen hatte Severus ihn nicht gesehen, da er danach nur einmal zu einem privaten Meeting nur mit dem Dunklen Lord gerufen worden war, um den angeblichen Unverwundbarkeitstrank zu diskutieren.

„Severus, du hinterhältiger Bastard, was hast du angestellt? Ich habe seit zwei Monaten nicht richtig geschlafen!"

„Dir auch einen guten Morgen. Möchtest du auch Tee, oder brauchst du schon etwas Stärkeres?" Er konnte nur grinsen, wenn er den blonden Zauberer ansah.

Lucius schnaubte und ließ sich auf Severus' Couch fallen, während dieser einen Hauselfen rief und um Tee und leichte Erfrischungen bat. Sie ließen sich bei Crumpets und Tee nieder, und eine Weile lang sprach keiner von ihnen, bis Lucius das Schweigen brach.

„Es hat Gerede gegeben, Severus", sagte er ruhig und starrte ins Feuer. Er schaute ernster als seit langem. „Wir haben es jetzt eine Zeitlang geschafft, über die Runden zu kommen, aber ich fürchte, das wird bald nicht mehr reichen. Bella heult ihm die Ohren voll und will Blut, Blut und noch mehr Blut. Wurmschwanz schnüffelt überall herum und scheint seine Augen auf Narcissa gerichtet zu haben, Greyback sabbert auf meinen Teppich, und diese verdammte Schlange ist bald größer als meine Abraxaner. Wusstest du, dass sie meine Vögel gefressen hat?"

Severus schnaubte. „Dann hat sie zumindest etwas Gutes getan."

Lucius sah ihn böse an, aber Severus starrte ins Feuer und strich abwesend mit einem Daumen über seine Unterlippe, während er über die Worte seines zeitweiligen Freundes nachdachte. Vielleicht … vielleicht war es Zeit. Er zog seinen Zauberstab aus dem Ärmel und fügte einen Muffliato und ein paar andere Schutzzauber hinzu, die Lauschern eine fiese Überraschung bescheren würden.

„Lucius …"

„Ja …?"

Er atmete einmal tief ein. „Du weißt, dass diese beiden Verrückten wollen, dass dies so unschön wie möglich endet, während sie es so lange hinausziehen, wie sie nur können."

Lucius nickte. „Mein Bankkonto und der Zustand meiner Teppiche haben Einwände dagegen, weißt du. Hast Du gehört, dass Bella letzte Woche wieder ein antikes Bett ruiniert hat? Sie muss darin mehrmals gehüpft sein. Ich habe mich geweigert, irgendwelche Details zu hören, aber es ist nicht so, als ob sie jemals ersetzen würde, was sie kaputtmacht! Verdammte angeheiratete Sippschaft, nichts als Ärger."

Severus schnaubte. Nun. Triff einen Malfoy, wo es wehtut: in seinem Gringottsverlies. Zumindest mochte es Lord Malfoy dazu bringen, in Aktion zu treten, hoffentlich für die richtige Seite. Er holte tief Luft.

„Jemand hat kürzlich einige Kernkonzepte infrage gestellt, die ich für unveränderbar gehalten hatte, aber vielleicht liegt in ihnen eine Lösung für diesen Schlamassel."

„Ist das so? Wer war das, wenn ich fragen darf?", fragte Lucius und nahm noch ein Crumpet.

„Eine Miss Granger. Ich bin sicher, Draco könnte sie ein- oder zweimal erwähnt haben?"

Lucius' Augenbrauen schossen in die Höhe. „Du meinst die Schlam…muggelgeborene?"

„Ja. Diese." Über den Rand seiner Tasse sah er Lucius böse an. „Wie auch immer. Ich habe jedenfalls zuerst einige Nachforschungen angestellt. Hättest du schrecklich viel dagegen, sie und ihre Freunde irgendwann in Zukunft ins Manor einzuladen?"

Lucius runzelte die Stirn; seine angeborene Abneigung gegen Gryffindors kämpfte mit seinem Bedürfnis, seine Familie zu beschützen. „Ich denke, das wäre machbar, solange du diskret bist und sicherstellst, dass die Ratte, die Schlange und die Schwägerin ausgeschaltet werden. Wenn du es für nötig hältst."

„Davon bin ich ziemlich überzeugt."

Schweigend aßen sie ihre Crumpets auf, dann erhob sich Lucius, um zu gehen. „Ich überlasse dir gern die Recherche; zu viel zu lesen, macht mich müde. Bis später, Severus. Ich beneide dich nicht, dass du mit dem anderen Verrückten im Turm auch zurechtkommen musst. Bei den Anhörungen im Zaubergamot und bei den Schulbeiratssitzungen sehe ich genug von ihm."

Severus erhob sich ebenfalls, wie es die Höflichkeit erforderte. „Oh, und Lucius?"

„Ja?"

„Versuche Pisum Reverti."

Einen Moment lang blieb Lucius still stehen; offensichtlich übersetzte er das Latein. „Was? Warte …, ist das der Grund, weshalb ich nicht geschlafen habe? Der Erbsenhex? Oh, du ausgewachsener, heilloser Bastard, Severus!"

Severus grinste. „Du warst derjenige, der mich mit dem Enthemmungsfluch getroffen hat, und deine verdammten Vögel schulden mir noch eine Robe."

„Danach wirst du Nagini fragen müssen", schniefte Lucius.