Kapitel 3
Synthese: In der ein Plan gefasst wird
Der erste Teil: Das Wer
Mit einigem Widerwillen hatte er eine Eule zu Miss Granger geschickt, als das Schloss endlich leer von Missetätern war. Wäre zu unterrichten nicht so viel einfacher, wenn keine Schüler da wären, überlegte er nicht zum ersten Mal. Keine explodierenden Kessel, kein Nachsitzen, keine heimwehkranken Erstklässler oder Teenager, die in den Nischen knutschten.
Zu seinem Erstaunen kam die Eule am folgenden Morgen mit einem Brief von ihr zurück. Er löste die Rolle von ihren Beinen, fütterte sie mit einem Stück Schinken von Filius' Teller und steckte das Pergament in seine Roben, um es später zu lesen. Sowohl der Schulleiter als auch seine Stellvertreterin beäugten ihn mit unverhohlener Neugier, Ersterer aufgrund chronischer Neugier und Letztere, weil Katzen immer und bei jeder Gelegenheit ihre Schnurrhaare hineinsteckten, wohin sie nicht gehörten. So schnell wie möglich ging er zurück in seine Räume, versah die Tür mit einem Schutzzauber und öffnete die Pergamentrolle.
Professor Snape,
ich habe die Berechnungen angesetzt und denke, dass wir vielleicht etwas haben, aber ich brauche mehr Info. Wissen Sie zufällig
– seine Größe und Gewicht
– ob er jemals irgendwelche Hobbys hatte, Sie wissen, außer Muggel zu foltern
– seine Augenfarbe, ist sie wirklich rot?
– sein Lieblingsessen
– was er zu Weihnachten bekommen hat, und welche Bücher er gern liest, wenn überhaupt
– seine Schuhgröße?
Alles oben angeführte wäre hilfreich! Es wäre viel einfacher, ihn zum Lachen zu bringen, wenn er, sagen wir, zwölf wäre.
Hoffe, Sie haben einen schönen Sommer,
Hermione Granger
Abwesend strich er mit der Pergamentrolle über seine Lippen und starrte ins Feuer. Zwölf, sagte sie… Aus dem Nichts schlug die Inspiration zu. Er zog einige Bücher aus seinen Regalen und brachte sie in sein privates Labor, wo er anfing, Zutaten, Kessel, Messer, Schneidblöcke und andere, eindrucksvoll aussehende Gerätschaften hervorzuholen, ein wenig traurig darüber, dass niemand als Zeuge seiner Vorstellung anwesend war, aber später erleichtert darüber, allein zu sein, als er sich den Kopf an einem Kessel anschlug, der von der Decke hing. Er schrieb einen weiteren Brief an sie, kurz bevor er zum Abendessen in die Große Halle ging, als sein Magen ihn informierte, dass er das Mittagessen verpasst hatte.
Ihre Korrespondenz ging weiter. Er begann, sich auf ihre Briefe zu freuen, was ihn verwirrte, bis er feststellte, dass sie eine hervorragende Art waren, Minerva zu piesacken.
„Hast du eine Freundin, Snape?", fragte Hooch nach einer Woche. Während des Frühstücks war die Eule eingetroffen, die einen Brief mit seinem Namen trug. Obgleich keine Schüler mehr im Schloss waren, blieben über Sommer einige Lehrer einschließlich der Hauslehrer, die etwas länger bleiben mussten, um den Papierkram ihre Schüler betreffend zu erledigen, Noten zu registrieren und sicherzustellen, dass alles erledigt war. Auf Hoochs Frage hin brachen Pomona und Aurora in Gekicher aus.
Eine Freundin? Nun, sie war ein Mädchen, und sie war … seine … Freundin … also, ja? Vielleicht? Er grinste seine Kollegin nur an und ging davon, um seinen Brief zu lesen.
Es brauchte eine Weile, ein Treffen außer Sicht der neugierigen Augen eines gewissen Albus Percival Wulfric Brian Dumbledore zu organisieren. Der erste Punkt auf der Tagesordnung war gewesen, den Geheimniswahrer für den Fideliuszauber auf dem Grimmauld Place von Albus selbst auf Potter zu übertragen angesichts dessen, dass der Junge im Haus zu leben vorhatte, und dass er dessen rechtmäßiger Eigentümer war. Dennoch hatte es einige Zeit und eine Menge Tüten voller Muggelsüßigkeiten gekostet, bis der Schulleiter einlenkte. Severus hatte vorsichtig eine Tüte Schokokugeln geklaut, ehe Albus es tat; er hatte vor, sie in Notfällen wie für Bestechung des Schulleiters zu benutzen, damit er ihn aus langwierigen Meetings des Kollegiums gehen ließ, oder für Fälle, wenn die Gier abends um zehn zuschlug.
Er apparierte zum Grimmauld und war sehr zufrieden damit, dass er Albus getäuscht hatte zu denken, er sei wieder vom Dunklen Lord gerufen worden, um vom Schloss wegzukommen. Gerade, als er die Eingangstür öffnete, stieß jemand gegen ihn. Miss Granger war die Treppen hinuntergerannt und hatte eben gestoppt, als sei sie versteinert, genau vor seiner Brust. Sie trug ein Paar verwaschene Jeans und ein löchriges grünes Top mit V-Ausschnitt, das einige Zentimeter ihres Bauchs freiließ, ein höchst ablenkender Anblick.
„Äh, guten Abend, Professor", quietschte sie seinen Knöpfen zu.
„Miss Granger."
„Wir sind im ersten Stock im Wohnzimmer, ich wollte gerade — äh —" Sie errötete und sprach noch immer mit seinen Knöpfen, dann schaffte sie es, an ihm vorbei ins Esszimmer zu schleichen.
Verwirrt schüttelte Severus den Kopf und ging hinauf in das große Wohnzimmer.
Potter war dort, und ein Wirrwarr von Weasleys lümmelte sich auf den abgewetzten Sofas einschließlich der Zwillinge und Bill plus den jüngsten beiden, ebenso Miss Lovegood, und alle waren in verschiedenen Stadien sommerlichen Leicht-Bekleidetseins. Er nickte Bill zu und ging in eine Ecke hinüber, während sie darauf warteten, dass Miss Granger zurückkam.
„Warum ist er hier?", fragte der jüngste Mr Weasley Potter.
„Weil dies im Grunde seine Idee ist", sagte Miss Granger scharf, die gerade wieder hinaufgekommen war, und der Kreacher mit Erfrischungen für alle gefolgt war.
Miss Granger räusperte sich. „Also, wir haben euch heute hierhergerufen, um einen Plan auszuarbeiten, diesen ganzen Schlamassel zu beenden. Es hat jetzt lange genug gedauert, meint ihr nicht? Professor Snape und ich haben einige Recherchen angestellt, und wir werden ihn zum Lachen bringen."
„Äh …", sagte einer der Weasleyzwillinge.
„Bist du jetzt komplett übergeschnappt, 'Mione?", fragte Weasley Junior, der mit verschränkten Armen auf der Armlehne eines Sofas saß.
Der andere Weasleyzwilling begann zu kichern, und bald fielen die anderen ein.
Severus hustete leicht und trat vor. „Ja, Mr Weasley. Genau das. Falls Sie irgendwelche besseren Ideen haben, sich eines megalomanischen Despoten zu entledigen, tun Sie sich keinen Zwang an, sie mitzuteilen. Ich für meinen Teil würde mich lieber nicht an Albus' Idee einer großangelegten Schlacht in der Schule halten." Er hob eine Augenbraue. Es schien noch immer zu funktionieren, obwohl alle außer den beiden jüngsten Hexen Hogwarts verlassen hatten. Gut. „Wie Miss Granger in einem Anfall von Inspiration ermittelt hat, ist dies eine Möglichkeit, den Dunklen Lord ohne viel Blutvergießen von seinem Thron zu stürzen."
Nach einer längeren Erklärung nickten die meisten in der Gruppe zu seiner Erleichterung. Potter war ganz für Ideen gewesen, die nicht dazu führten, dass er einem verrückten Zauberer in einer großen Schlacht gegenüberstand. Darüber war Severus ein wenig überrascht gewesen, da er dachte, der Junge volle Ruhm und Ehre, aber er war eisern gewesen, dass er eigentlich niemanden in einem Duell töten wollte. Potter Senior wäre zweifellos auf die Idee gesprungen; vielleicht war seine jüngere Ausgabe tatsächlich anders?
„Also, jetzt müssen wir einfach mit Ideen aufkommen, wie wir ihn zum Lachen bringen", sagte Miss Granger fröhlich; sie hatte ein Muggelnotizbuch und eine ganze Auswahl bunter Stifte dabei. „Dann brauchen wir uns nur in das undurchdringliche Malfoy Manor zu schleichen und herauszufinden, wie wir mit den bösen Buben verfahren."
„Überlassen Sie dasLucius", sagte Severus.
Miss Granger nickte und machte eine Notiz im Buch. Fred und George Weasley schienen auf Zwillingesisch ein schweigendes Gespräch zu führen und runzelten synchron die Stirn, dann grinsten beide und wandten sich an Severus. „Vielleicht haben wir eine oder zwei Ideen Spaß betreffend."
„Ich werde ihm vorlesen", sagte Miss Lovegood plötzlich und zog aus ihrer großen Tasche ein Muggeltaschenbuch mit einem grellen Umschlag. Sie trug ein hellgelbes Sommerkleid, das ziemlich dramatisch mit ihren Radieschenohrringen kontrastierte.
„Als ob das helfen würde?", sagte Ron skeptisch. „Bücher machen mich immer schläfrig."
Ohne weitere Umstände öffnete die blonde Hexe das Buch.
„Als der Kessel blubberte, kreischte eine unheimliche Stimme: ‚Wann sollen wir drei uns wieder treffen?'
Es gab eine Pause.
Schließlich sagte eine weitere Stimme in weitaus normalem Ton: ‚Nun, ich kann am nächsten Dienstag.'*"
Während sie weiterlas, fingen mehr und mehr der versammelten Menge zu lachen an, und sogar Severus fand es schwierig, seine Mundwinkel in gebührender Position zu halten. Binnen kurzer Zeit lag einer der Zwillinge bäuchlings auf der Couch und lachte, Potter musste seine Brille absetzen, um sich die Augen zu wischen, Miss Weasley krümmte sich und hielt sich den Bauch, und Herm … Miss Granger kicherte in ihren Ellenbogen.
„Gnade!", japste Fred Weasley. „Was ist das, Luna?"
„Terry Pratchett", sagte Luna. „Ich habe mehrere seiner Bücher. Er ist ein Squib, der bei uns in der Nähe wohnt. Vater hat ihn und seine Familie ein paarmal zum Tee zu uns eingeladen."
Severus war erleichtert, als sie zu lesen aufhörte, und die Gefahr schwand, dass er in einem Raum voller Gryffindors in Gelächter ausbrach. Es hätte sein sorgfältig aufgebautes Image komplett zerstört.
Miss Granger grinste. „Ich dachte auch an Monty Python, falls wir hier einen Filmprojektor zum Laufen bringen."
Potter begriff es gleich. „Oh, ich will schon ewig sehen, ob wir hier ein Videogerät installieren können! Fred, George, meint ihr, wir könnten danach sehen? Es wäre toll, wenn es funktioniert!"
Die Zwillinge wechselten ein identisches, langsames Lächeln aus, das sich zu einem breiten Grinsen veränderte, und Severus war sicher, dass er kleine Galleonen um ihre Köpfe schwirren sah.
„Und du glaubst, das wird funktionieren?", fragte Bill Severus leise, während die jüngere Gruppe damit beschäftigt war, über Muggelhumor und Videotechnologie zu diskutieren. „Was ist dann mit den anderen, wie gehen wir mit ihnen um?"
Severus nickte. „Miss Grangers Berechnungen sind solide. Wir werden einige von ihnen, die etwas mehr Vorurteile haben, ausschalten müssen. Den Rest werden wir den Auroren überlassen; ich dachte zumindest Kingsley, vielleicht Tonks."
Bill nickte langsam, ehe er zu den anderen zurückkehrte, die nun die Vor- und Nachteile von Popcorn, Erdnüssen und Schokokugeln diskutierten.
Anmerkung der Autorin:
* Wyrd Sisters von Terry Pratchett. Was sonst.
