Kapitel 4
Synthese: In der eine Übereinkunft erreicht wird
Der zweite Teil: Das Was
„Willkommen im Manor", sagte Lucius Malfoy und machte eine ausholende Armbewegung.
Misstrauisch beäugte Severus die Pfauen, während die etwas unorthodoxe Invasionstruppe sich schnell über den breiten Streifen Rasen in Richtung eines Seiteneingangs stahl. Es war hell und früh am Morgen; die Sonne stand noch nicht hoch genug, um alle Tautropfen von den Blättern und Statuen entlang des Pfades verdunsten zu lassen. Obwohl einige der jungen Leute darüber gejammert hatten, an einem Freitag so früh aufzustehen, hatte am Ende das Argument gesiegt, dass die derzeit im Manor residierenden Todesser ebenfalls gerne ausschliefen und deshalb kaum viel Ärger verursachen würden.
Es hatte länger als erwartet gedauert, alles vorzubereiten, aber Ende August waren sie schließlich bereit. Gerade rechtzeitig außerdem, da das Schuljahr nur eine Woche später starten würde. Albus war nicht erfreut gewesen, als Severus sagte, er sei über das Wochenende nicht verfügbar, aber er schob es darauf, den Dunklen Lord genügend zerstreuen zu müssen, um ihn für den Rest des Jahres bei Laune zu halten. In gewissem Sinn, überlegte er, entsprach dies völlig der Wahrheit.
Herm… Miss Granger hatte ihm beim Brauen und der erforderlichen Recherche geholfen. Im Keller des Grimmauld Place hatten sie ein Labor eingerichtet und viele überraschend nette Tage, Nächte und Abende damit zugebracht, Tränke vorzubereiten und zu testen. Severus schüttelte den Kopf. Was dachte er da? Es war … auszuhalten gewesen, ihre Gesellschaft zu haben. Gelegentlich war sie fast … brauchbar gewesen. Ja. Er nickte sich selbst zu und versuchte, nicht an ihren in diesen engen Muggeljeans gekleideten Hintern zu denken, die sie bevorzugte, oder an die Art, wie ihr T-Shirt an ihren Kurven geklebt hatte, wenn sie verschwitzt und müde war, nachdem sie einen halben Tag gebraut hatte, oder an dieses schrecklich verwirrende Lächeln, das sie aus irgendeinem Grund immer wieder an ihn richtete, wenn er es am wenigsten erwartete.
Gelinde gesagt war es eine Herausforderung gewesen, die hitzköpfigen Gryffindors dazu zu bringen zu akzeptieren, dass manche Todesser weniger böse als andere waren, aber Hermione war überraschend gut darin gewesen, sie einzuschüchtern. Sie musste jahrelang Erfahrung gesammelt haben, mit sturen Weasleys zurechtzukommen, vermutete er. Schlussendlich hatten sie Draco an den Grimmauld Place zu Popcorn und Muggelfilmen eingeladen, und nach einem angespannten Start hatten sie, bestochen mit Popcorn, Muggelsüßigkeiten und Brause, es tatsächlich geschafft, miteinander auszukommen. Besonders Draco Malfoy und die Weasleyzwillinge vertrugen sich verdächtig gut. Severus war sicher, dass er nicht wissen wollte, was die drei im Schilde führten.
Sobald sie drinnen waren, bewegten sie sich schnell weiter. Fred und George Weasley gingen mit Draco davon, um den magischen Filmprojektor klarzumachen. Die meisten der Gruppe schlichen sich in den alten Schwieger-Großmutter-Flügel, um sich den Tag über dort zu verstecken, während Severus und Lucius vorsichtig zu den Haupt-Stockwerken gingen. An diesem Abend plante der Dunkle Lord ein Abendessen für den Inneren Kreis, und der selbsternannte Despot hatte die Nutzung des Speisezimmers und des Ballsaals gefordert, und dass die Elfen alles Essen nach seinen Wünschen vorbereiteten. Während Lucius Elfen, Dunkle Lords und Todesser hütete, verbrachte Severus den Tag abgesondert in der Malfoybibliothek, bis Lucius einen Elfen zu ihm hinunterschickte, um ihn wissen zu lassen, dass es Zeit war, die nächste Phase des Plans einzuläuten.
Überraschenderweise und gegen jede Erwartung schien der Plan tatsächlich irgendwie zu funktionieren. Severus hatte gebraut und mittels Kauf, Bestechung und Erpressung eine ziemlich beeindruckende Zusammenstellung von Tränken und Giften für den Anlass gesammelt, und der gesamten versammelten Mannschaft verschiedene Tränke zu verabreichen, war mit Hilfe der Malfoy-Hauselfen einfach genug gewesen. Er hatte einige Zeit damit zubringen müssen sicherzustellen, dass sie von den meisten Standardschutzzaubern und magischen Artefakten unentdeckt blieben, die die alte Reinblutbesatzung üblicherweise benutzte, und außerdem, damit sie nicht so schrecklich schmeckten wie die meisten Tränke, aber aus irgendeinem Grund schmeckten die meisten der wirkungsvollen Gifte entweder gut oder völlig neutral.
Jeder am Tisch, er und Lucius eingeschlossen, hatte eine Dosis Leichtgläubigkeitstrank in sein Getränk bekommen, was sie dazu bringen würde, weniger zu argwöhnisch auf seltsame Vorkommnisse zu reagieren. Er hatte kurz überlegt, Lucius das Antidot als Heimzahlung nicht vorab zu geben, aber er hatte es brummig ausgehändigt, als Lucius ihm leichthin erzählt hatte, er werde dafür sorgen, dass Severus von Avery einen Posten Cockatrice-Zehennägel während des Pokerspiels gewänne, das er für später geplant hatte, als Wiedergutmachung für die Roben, die seine Pfauen beim letzten Mal zerstört hatten.
Die schwierigsten Entscheidungen und Diskussionen waren darum gegangen, was man mit den Todessern tun solle, die klar auf der Seite des Dunklen Lords standen. Severus war ganz dafür gewesen, sie so schnell wie möglich umzubringen, aber dann hatte Hermione geklagt, dass sie eine faire Chance bekommen und sich vor Gericht verantworten sollten und so weiter. Am Ende hatten sie einen etwas garstigen Kompromiss mit einem langsam wirkenden Gift erreicht, das ihren Tod sicherstellen würde, sofern sie nicht innerhalb von drei Tagen von Kingsleys Aurorenteam das Gegenmittel bekamen.
Der Dunkle Lord hatte einen der neuen Tränke verabreicht bekommen, die Severus kreiert hatte, und hatte sich früh in seine Suite zurückgezogen. Severus hatte nichts weiter gehört und nahm daher an, dass die Dinge unter Kontrolle waren. Er war ziemlich stolz auf seine Neuerung, einen besonders langsam wirkenden Verjüngungstrank mit einem Glücksgefühlstrigger, einem starken, zeitlich beschränkten Vergessenstrank und einer Extradosis Leichtgläubigkeitstrank zu kombinieren, um sicherzustellen, dass der alte Despot nicht zu misstrauisch wurde.
Nach einer angemessenen Zeit hatte Lucius inzwischen die alte Garde hinauf in sein Arbeitszimmer geführt, wo er sie unmerklich alle einsperrte und ihnen abwechselnd jahrhundertealten Feuerwhisky die Kehlen hinuntergoss und sie beim Poker um ihre überzähligen Galleonen erleichterte, wahrscheinlich um sie damit für ihre Drinks bezahlen zu lassen. Die Todesser, die nicht zur getreuen alten Garde gehörten, aber nicht so schlimm wie die Schlimmsten von ihnen waren, bekamen eine Dosis einer weiterentwickelten Version des Tranks der Lebenden Toten und wurden auf dem Boden des Ballsaal schlafen gelassen, oder wo immer sie gelandet waren, bis Kingsley sie mit einem kleinen Team vertrauenswürdiger Auroren am nächsten Morgen einsammeln würde.
Das beunruhigendste Ereignis während des Rests des Abends war, dass die Schlange Nagini einige Zeit, nachdem Lucius und die anderen den Raum verlassen hatten, zu zischen und sich zu winden begann, als kämpfe sie mit etwas Unsichtbarem. Severus hatte einen schnellen Bemerke-mich-nicht-Zauber über das Mistvieh geworfen, aber glücklicherweise starrten die meisten anderen bereits leeren Blickes, und einige hatten den Raum verlassen, vermutlich um schlafen zu gehen.
Er wusste nicht, dass Schlangen sich übergeben konnten, und hätte ohne dieses Wissen glücklich den Rest seiner Tage weitergelebt, aber dessen ungeachtet riss die Riesenschlange ihr Maul weit auf, und ein schwarzer, schleimiger Schlamm begann aus ihrem Maul zu fließen. Aus der Schweinerei erhoben sich violette Dämpfe, die sich wanden und zischten, als seien sie lebendig. Er brauchte drei Versuche, bis er mit Verschwindezaubern alles entfernen konnte. Als der Rauch sich auflöste, war die Schlange statt zehn Metern nur noch gut einen Meter lang. Sie zwinkerte ihm langsam zu, dann ringelte sie sich vor dem Kamin langsam zu einem ordentlichen Kringel zusammen und schlief mit dem Kopf auf ihren Windungen ein.
Einer nach dem anderen schliefen die restlichen Todesser und verschiedenen Möchtegern-Todesser ein, wo sie standen oder saßen. Der Zaubertrank entfaltete langsam seine Wirkung; theoretisch ermöglichte er es demjenigen, der ihn getrunken hatte, ein Schlafzimmer oder einen anderen bequemen Schlafplatz aufzusuchen, aber in Kombination mit dem Leichtgläubigkeitstrank brachte er in diesem Fall die Leute dazu, einfach auf dem Boden zusammenzusacken, sofern sie sich nicht früh genug am Abend zurückgezogen hatten. Severus wartete, bis er buchstäblich der Einzige war, der noch stand, ehe er den Raum verließ und zur Suite ging, in der der Dunkle Lord derzeit untergebracht war.
Dennoch bereitete all ihre Planung ihn nicht auf den Anblick vor, auf den er traf, als er vorsichtig an der Tür anklopfte und den Raum betrat. Zwei große Sofas in blasslila, höchstwahrscheinlich antik, standen beieinander vor einer großen Projektionsleinwand, die einige Ähnlichkeit mit Narcissas bester Leinenbettwäsche hatte und von der Decke vor dem Spiegel hing, der normalerweise dort seinen Platz hatte. Draco saß auf demselben Sofa wie der Dunkle Lord selbst, der etwas gesünder aussah als nur wenige Stunden zuvor beim Abendessen, mit mehr Nase, etwas Haar und ein wenig mehr Farbe auf seiner fahlen Haut. Auf der anderen Couch saßen noch ein paar Weasleys, während Luna Lovegood rücklings und mit den Füßen auf einer Couch-Armlehne lag und den Film kopfüber ansah. Das infame Trio war noch nicht anwesend; sie hatten als Vorsichtsmaßnahme zuvor entschieden, damit zu warten, Potter dem Dunklen Lord vorzustellen, und Miss Granger hatte gesagt, sie zöge es vor, ein wenig länger im Hintergrund zu bleiben, da sie muggelgeboren war.
Auf der Leinwand wurden die tapferen Ritter gerade von König Arthur angeführt und waren eben dabei, sich mittels eines Trojanischen Hasen in eine Burg einzuschmuggeln, während französische Soldaten ihnen Beleidigungen entgegenschleuderten.
Der Dunkle Lord schaute auf. „Ah, Severus. Du bist doch Severus, richtig? Ich habe ein paar Namen vergessen. Komm rein, mir wurde gesagt, dass die guten Teile gleich kommen." Er griff nach einer Schüssel Popcorn.
Severus schlüpfte hinein und nahm in einem Sessel nahe der Tür Platz. Bisher schien es nicht, als sei irgendjemand dabei, jemanden zu ermorden außer natürlich auf der Leinwand. Es war ein wenig irritierend, den Dunklen Lord tatsächlich über etwas lachen zu hören, wenn niemand Schmerzen hatte, und als die Ritter vom Ni ins Bild kamen, brachen die Jüngeren in Lachkrämpfe aus, und sogar Severus fiel es schwer, ernst zu bleiben. Verstohlen versuchte er, die Wirkung seiner Tränke zu beurteilen, aber in dem abgedunkelten Raum war natürlich außer der Tatsache, dass alle noch am Leben waren, nicht viel zu erkennen.
Ein Elf erschien direkt vor Severus im Zimmer. „Kommen schnell, Meister der Tränke, Sir! Topsy soll Sie holen!"
Er hatte keine Zeit zu protestieren, ehe er blitzschnell ins Wohnzimmer der Suite befördert wurde, in der sich Potter und mehrere Weasleys aufhielten. Auf einem dunkelblauen Plüschteppich hatte Potter Krämpfe, und Bill Weasley versuchte ihn davon abzuhalten, sich selbst zu verletzen, während Miss Granger eher nutzlos dabeistand, und der jüngste Mr Weasley den Teppich anstarrte, als sei dies dessen Fehler.
Severus warf schnell ein paar Diagnosezauber auf den Lümmel. Ein starkes Feld dunkler Magie fand sich um ihn herum, aber sonst war nichts offensichtlich verkehrt, weder sichtbare Fluchspuren noch andere Anzeichen von Kampf.
„Was ist passiert? Sagt mir die Einzelheiten", fuhr er niemand Speziellen an, während er einen weiteren Zauber warf, um die dunkle Aura zu identifizieren zu versuchen. Sie sah nicht wie ein Zauber oder ein Fluch oder sonst etwas aus, womit er vertraut war.
„Nichts!", sagte Miss Granger. Sie hatte sich hinter Severus gestellt und sah über dessen Schulter auf ihren Freund hinunter. „Wir haben Karten gespielt, und dann fing er ganz plötzlich an, so um sich zu schlagen."
„Irgendetwas, das er getrunken oder gegessen hat?"
„Nichts, das wir nicht auch hatten, Sir."
Potter wandte sich ihm zu, und seine Pupillen waren so stark erweitert, dass seine Augen vollkommen schwarz erschienen. Der Junge zischte ihm etwas zu, dann fing er plötzlich an zu husten und zu zucken. Schnell drehte Severus ihn auf den Bauch um, gerade als Potter begann, etwas zu erbrechen, das auf unheimliche Art dem ähnelte, was Nagini zuvor ausgeworfen hatte. Bill fluchte verhalten und fing an, Eindämmungs- und Verschwindezauber auf den schwarzen Schlamm und die lila Dämpfe zu werfen, während Severus sich darum kümmerte, dass Potter nicht an seinem eigenen, jetzt ziemlich scheußlichen Atem erstickte.
Als das Erbrechen aufhörte, fiel der Junge in erschöpften Schlaf. Bill schaffte es endlich, mit einigen sehr speziellen Fluchbrecherzaubern den ekligen Überrest loszuwerden. Severus warf noch einige Diagnosezauber, die nichts Abnormales ergaben, und das dunkle Feld war verschwunden. Da er Antworten brauchte, weckte er den Jungen mit einem Rennervate auf, der sich langsam aufsetzte und sie eulenartig anblinzelte.
„Wasspassiert?", fragte Potter langsam, ehe er sich mit Unterstützung von Weasley Junior aufrichtete.
„Du bist ohnmächtig geworden und hast etwas Ekliges erbrochen", informierte Miss Granger ihn. Mit einem Glas Wasser in der Hand eilte sie zu Potter hinüber, und er nahm es dankbar.
„Genau wie Nagini vorhin", sagte Severus langsam und runzelte die Stirn.
Alle fingen gleichzeitig an zu reden, aber er blendete sie aus. Etwas an dieser Situation nagte an ihm, ein Gespräch, das er hatte vergessen wollen, etwas, das Albus gesagt hatte. Hier gab es eine Verbindung, das konnte er fühlen, aber er musste seine Gedanken es von allein herausarbeiten lassen, um es herauszufinden.
Nachdem er sicher war, dass alles unter Kontrolle war und dass sonst niemand den Wunsch verspürte, schwarzen Schlamm auszuwürgen, verließ er das Zimmer und machte sich Richtung der Gästesuite auf, in der er diese Nacht verbringen würde. Die Suite war fast wie ein Apartment mit einem großen (jedoch nicht nach Malfoystandards) Wohnzimmer in blassem Grün und Creme mit goldenen Akzenten, einem Bad und einem Schlafzimmer. Aus dem Dekanter, den Lucius dagelassen hatte, goss er sich einen Feuerwhisky ein und ließ sich für einen friedlichen Moment am Feuer nieder. Zweifellos würde morgen ein seltsamer Tag sein, aber hoffentlich würden sie diesem dämlichen Konflikt ein Ende bereiten, der sein ganzes erwachsenes Leben überschattet hatte. Er nippte an seinem Drink und genoss die Flammen, die in seinem Mund tanzten, als der Whisky seinen Zweck erfüllte. Es war seltsam, das Ende dieser Ära so nahe zu sehen, aber noch nicht daran zu denken zu wagen, was danach passieren würde. Dafür würde hoffentlich später Zeit sein.
