Kapitel 5
Synthese: In der eine Übereinkunft erreicht wird
Der dritte Teil: Das Wie
Hermione fand es sehr seltsam, in Malfoy Manor aufzuwachen, in einem riesigen Zimmer, das in blassem Rosa, Gold und mit Cherubinen dekoriert war, und das sie mit Ginny teilte. In relativem Schweigen duschten sie und zogen sich in für Muggel angemessener Kleidung an; Hermione und Harry hatten die Auswahl der Reinblüter überprüft. Ginny hatte sich über Hermiones Sommerkleidung hergemacht und hüpfte in Jeansshorts und einem blau-weiß gestreiften Top plus einem Collegepullover davon, den sie sich um die Taille gebunden hatte. Hermione trug unterdessen ein Paar gelbe Sommerhosen und eine weiße Bluse mit kurzen Ärmeln unter einem hellblauen Cardigan.
Sie schaute sich um, sah aber Luna nirgendwo, und ihr zugewiesenes Bett schien unberührt. Zumindest war in der vergangenen Nacht kein Alkohol getrunken worden, nur eingeschmuggeltes Cola und alkoholfreies Gingerale, das zugegebenermaßen stark genug war, um Nase und Ohren binnen zweier Sekunden freizumachen, aber Hermione wusste nicht, wie lange die anderen aufgeblieben waren.
Zwei Malfoy-Elfen — Tipsy und Turvy — hatten im kleineren Speisezimmer im Schwieger-Großmutter-Flügel ein üppiges Frühstück für sie aufgetischt. Die Zwillinge waren bereits auf, jeder hatte eine riesige Tasse Kaffee. Ron sah aus, als ob er auf seinen Rühreiern einschlafen wolle, und Draco hielt sich wahrscheinlich nur aufrecht, weil ihn Jahrhunderte von Malfoymanieren stützten. Nach dem Monty Python-Film hatten sie angefangen, 'Allo 'Allo-Episoden abzuspielen, aber Hermione hatte die meisten davon schon mit ihrer Familie gesehen und war nach zwei Episoden gegangen, weil sie gern früh schlafen gehen wollte. Dennoch hatte sie einige Zeit darauf verwendet, ihre Pläne für den folgenden Tag durchzugehen mit allen Zeitplänen und farblich gekennzeichneten Bereichen für verschiedene Leute, ehe sie geduscht hatte und zu Bett gegangen war.
Die Tür öffnete sich, und sofort fühlte sich Hermione zu Severus' schlanker Gestalt hingezogen, als er den Raum in einer schwarzen Muggeljeans und einem frischen weißen Hemd betrat, eine schwarze Lederjacke über die Schulter geworfen. Er hatte außerdem sein Haar zurückgebunden und sah völlig anders aus als in seinem üblichen, gestrengen Professorenstil. Hermione sah, dass Ginny, die Verräterin, ihn auch offen beäugte, und sogar die Zwillinge nickten anerkennend. Als seine Augen ihre trafen, und er eine Augenbraue hob, konnte sie ein Erröten nicht aufhalten. Er schritt um den Tisch, setzte sich neben sie und rief nonverbal die Teekanne herbei, während sie sich daran zu erinnern versuchte, wie man atmete.
In der Schule hatte sie bereits für ihn geschwärmt, aber mit ihm über den Sommer zu arbeiten, hatte dies zu etwas fast physisch Schmerzhaftem intensiviert. Sie hatten zahllose Stunden damit verbracht zu arbeiten, zu streiten, hastig zubereitete Mahlzeiten zu essen und alles von Flüchen bis Muggelmusik zu diskutieren. Es war darauf hinausgelaufen, dass sie seinen scharfen Verstand, sein breites Wissen und den Anblick seines Hinterns in schwarzen Hosen schätzte, wenn er seine Roben beim Brauen ablegte.
„Hey, Professor", traute sich Ginny. „Sind Sie heute auch als Muggel unterwegs?"
Er hob ihr gegenüber eine Braue. „Wie es der Anlass erfordert, Miss Weasley. Ich denke, heute sollten Sie alle mich Severus nennen." Letzteres sagte er mit einigem Zögern.
„Nur, wenn Sie unsere Vornamen verwenden, Severus", warf Hermione ein und schaffte es beinahe, nicht über seinen Namen zu stolpern.
Er wandte ihr seinen Blick zu, sein Mundwinkel zuckte aufwärts. „Natürlich, Hermione."
Sie errötete noch mehr und beschäftigte sich mit ihrem Toast; dabei versuchte sie sehr, nicht auf seine Hände zu schauen, während er einen für sich selbst zubereitete. Sie hatte diese Hände länger angestarrt, als sie jemals zugeben würde, als sie miteinander gearbeitet hatten, und sie hatte sich oft ausgemalt, wie sie sich auf ihrer Haut anfühlen mochten, lange Finger mit ordentlich geschnittenen Nägeln, mit einigen Schwielen von seiner Arbeit, die geschickt und sicher Zutaten vorbereiteten oder einen Kessel rührten.
„Wie ist der Rest des Abends gelaufen?", fragte Prof… Sn… Severus. Schließlich war er während des Monty Python-Films weggegangen.
Hermione lächelte mit einem nervösen Gefühl. „Gut, einfach gut. Der Leichtgläubigkeitstrank hat prima funktioniert, er hat uns überhaupt nicht in Frage gestellt. Als ich gegangen bin, sah er viel jünger aus, er hat während der Filme viel gelacht."
Severus bat die Elfen um etwas Toast und Rühreier und schenkte sich zuerst Milch, dann Tee aus der antiken Teekanne der Malfoys ein. Gegenüber am Tisch aßen die Zwillinge in perfekter Synchronisation Cornflakes.
„Was war die Wirkung des Tranks, Severus?", fragte Ginny. „Wurde sie durch Lachen ausgelöst? Ich bin ein Weilchen länger als Hermione geblieben, er sah definitiv jünger aus. Luna hat ihm vorgelesen, als ich gegangen bin."
Severus nickte. „Ja, die verjüngende Komponente wird von Lachen oder Glücksgefühlen ausgelöst. Er hat einen viel stärkeren Effekt, wenn man ihn mit Vergessens- und Leichtgläubigkeitstrank kombiniert, und sollte hoffentlich die Wirkung umkehren, den er auf den Rest der Welt gehabt hat. Ein Standard-Verjüngungstrank kann Sie normalerweise höchstens um ein paar Jahre verjüngen und hat ziemlich unangenehme Nebenwirkungen. Jedoch müssen Vergessens- und Leichtgläubigkeitstrank mindestens alle zwölf Stunden wieder verabreicht werden, sonst fällt er wieder zurück."
Hermione nickte, aber Ginny schien abgelenkt zu sein, da Harry ins Zimmer gekommen war, sich neben seine Freundin setzte und sofort seinen Toast in Angriff nahm. Er trug abgetragene Muggeljeans, ein Flanellhemd und ein T-Shirt mit dem Namen einer Rockband. Da sein Haar nass und glatt zurückgestrichen war, musste er es gewaschen haben.
Ginny japste. „Deine Narbe, Harry!"
Etwas war in der Tat anders, sah Hermione, als sie genauer auf ihren Freund sah. Die Narbe war vom zornigen, immer noch entzündeten Rot, das sie immer gehabt hatte, zu einem fahlen Silber verblasst.
Prof… Severus erhob sich, trat näher zu Harry und betrachtete ihn. „Sie war eine Verbindung zum Dunklen Lord", sagte er langsam. „Ein Teil von ihm lebte in dieser Narbe, Albus erzählte mir das letzten Sommer. Warum ist sie jetzt verschwunden, und weshalb ist dasselbe bei Nagini passiert?"
Ein weiterer Elf poppte mit einem Tablett herein, das größer als er selbst war. „Topsy hat Waffeln!" Er deponierte seine Last auf dem Tisch. Marmelade und Streichrahm erschienen daneben.
„Horkrux", sagte Harry plötzlich mit dem Mund voller Toast, und überallhin flogen Krümel.
„Gesundheit", sagte George. Sein Zwillingsbruder zog hinter seinem Ohr ein kariertes Taschentuch hervor und reichte es Harry mit einer überschwänglichen Geste.
„Ich war ein Horkrux? Die Schlange hatten wir schon in Verdacht." Seltsamerweise schien Harry davon nicht allzu beunruhigt.
Hermione biss sich auf die Lippe und runzelte die Stirn. Auf absurde Weise ergab dies Sinn. Sie sah, wie Severus sich abrupt neben Harry setzte, die Lippen fest zusammengepresst, und sein Gesicht war ganz weiß geworden. Bill erschien ebenfalls ein wenig überrascht. Sie versuchte eine Erklärung, ehe ihr Zaubertränkeprofessor an die Decke ging. „Der Schulleiter hat Harry veranlasst, nach ihnen suchen zu gehen, aber bisher haben sie nur einen gefunden, einen verfluchten Ring. Es gab einen Hinweis auf einen weiteren in einer verborgenen Höhle, aber der, den sie gefunden haben, war nicht echt."
Zu spät.
„Warum habt ihr mir das nicht mitgeteilt, bevor wir hiermit angefangen haben?", schnarrte Severus. Er stand auf und fing an, auf dem Teppich auf und ab zu gehen. „Das hätte alles in Gefahr bringen können! Wie viele davon gibt es?"
„Wir sollten niemandem davon erzählen, sagte der Schulleiter. Wir glauben, dass er sechs hergestellt hat, zuzüglich Harry dann", sagte Hermione schnell im Versuch zu erklären. „Zwei sind bereits zerstört, und Sie sagten, die Schlange hat dasselbe wie Harry durchgemacht? Ja, das ergibt Sinn, oder? Nagini und Harry waren die letzten, die er geschaffen hat. Von Harry wusste ich nichts, aber meine Berechnungen haben gezeigt, dass sie höchstwahrscheinlich zerstört würden, sobald er das Alter unterschritt, in dem er sie hergestellt hat."
Ehe er wieder zu schreien beginnen konnte, unterbrach Bill. „Nun, daran können wir nichts ändern, nicht wahr? Während des Tages sollten wir herauszufinden versuchen, ob wir von irgendwelchen anderen Objekten erfahren können, die zerstört wurden."
Severus setzte sich mit geschlossenen Augen wieder und kniff sich in die Nasenwurzel. Hermione zog ein zerfleddertes Notizbuch aus ihrer Tasche, schob ihren Toast beiseite, um dafür Platz zu schaffen, und blätterte durch die Seiten, bis sie fand, was sie suchte, auch wenn sie alles ohnehin auswendig wusste. „Soweit wir es sagen können, ist einer von ihnen wahrscheinlich in Hogwarts. Einer war im Besitz von Lucius Malfoy, derjenige, der zerstört ist, daher hat vielleicht ein anderer Todesser einen davon. Vielleicht Bellatrix? Dann gibt es einen, den jemand namens R.A.B. dem Dunklen Lord vor einiger Zeit gestohlen hat; sie haben eine Imitation mit einer Notiz darin gefunden."
Dies schien ihn erfolgreich abzulenken. Severus sah auf, und seine Augen trafen auf ihre. „R.A.B? Vielleicht wie in Regulus Arcturus Black?"
Hermione sah auf Harry, der ihren Blick mit großen Augen erwiderte. „Kreacher!", riefen sie gleichzeitig.
Während Harry einen Lachanfall zu erleiden schien, vielleicht aufgrund des Fehlens des Dunklen Lords in seinem Kopf, versuchte Hermione, die anderen über die Einzelheiten zu informieren. Über das Medaillon, das sie am Grimmauld Place beim Putzen gesehen hatten und die mögliche Verbindung zu Regulus und dem Horkrux. Nach dem Frühstück gingen sie an den nächsten Teil des Plans. Es wurde entschieden, eine Art Bestätigung die übrigen Horkruxe betreffend abzuwarten, ehe sie mit dem letzten Teil des Plans fortfuhren, aber da sie zumindest noch einen vollen Tag hatten, ehe sie den Punkt erreichten, an dem es kein Zurück mehr gab, konnten sie sehen, ob Kingsley bis dahin etwas hörte.
Gerade, als sie aufbrechen wollten, trat Lucius Malfoy ein und zog Bill und Severus beiseite. Bill runzelte die Stirn und Severus nickte einmal. Sie glaubte, etwas über Pettigrew gehört zu haben, aber ehe sie es herausfinden konnte, wandte sich der Malfoypatriarch um und fixierte sie alle mit einem leicht angestrengten Lächeln.
„Genießen Sie den Tag, Gentlemen, Ladys. Kingsley wird in einer halben Stunde hier sein, daher wäre es sinnvoll, wenn Sie jetzt aufbrechen."
Bill ging mit Lucius hinaus; während der Rest von ihnen den Raum verließ, schnappte sich Ron noch einen Toast, bevor er sich vom Tisch entfernte.
Hermione holte tief Luft und versuchte, ihr rasendes Herz zu beruhigen. Obwohl sie all die Arithmantikberechnungen vorwärts, rückwärts, seitwärts und kopfüber gemacht hatte, war sie immer noch nicht sicher, dass es ihnen würde gelingen können. Schließlich war der Plan komplett verrückt. Aber vielleicht war es wie in einem weiteren Buch von Pratchett: „Es ist eine Chance von eins zu einer Million, aber es könnte einfach funktionieren"? Dennoch konnte sie wegen all dessen nur nervös sein. Es hatte Spaß gemacht, auch den Rest des Tages zusammen mit den anderen zu pIanen, aber sie spürte definitiv den Druck, dass alles funktionieren musste. Harry war hilfreich gewesen, und er und Draco waren aneinandergeraten, wer für die Eintrittskarten und Ähnliches bezahlen würde. Darüber hinaus hatten sie einen Tag mit den Weasleys in Geschäften zugebracht, Kleidung anprobiert und eine Gruppe widerspenstiger Reinblüter durch die Muggelmengen geleitet.
Sie sammelten sich außerhalb des Schlafzimmers des bereits weniger Dunklen Lords, nachdem Hermione mit Harrys Unterstützung erneut die Auswahl der Muggelkleidung jedes Einzelnen überprüft hatte. Hermione hatte Severus verzweifelt gefragt, ob sie sicher sein konnten, dass der Dunkle Lord die nächste Dosis Tränke bekommen hatte, aber bei der Frage war einer der Elfen — wahrscheinlich Topsy — hereingeplatzt und hatte in ziemlich beleidigtem Ton gefragt, ob sie ihm nicht trauten, dass er seinen Job machte, und das war es dann.
Eine reichlich zerzauste Luna öffnete die Tür, als sie klopften. Hinter ihr spazierte jemand heraus, der ehemals als der Dunkle Lord bekannt gewesen war, und sah sie neugierig an. Er sah aus, als sei er etwa in seinen Zwanzigern, jetzt wieder mit welligem, dunkelbraunem Haar und stechenden blauen Augen, einfach, aber elegant in schwarze Zaubererroben gekleidet. Zumindest schien er nicht drauf und dran zu sein, sie zu verhexen, aber Hermione schlich sich trotzdem für alle Fälle näher zu Severus.
„Hallo, Hermione", sagte Luna mit einem lässigen Lächeln. „Ich habe auf dem Sofa geschlafen. Sind wir alle startklar?"
Hermione lächelte ihr ein wenig nervös zu, während Ginny versuchte, das Ravenclawmädchen von der Tür wegzuziehen. Ron versuchte anscheinend, sich hinter Draco zu verstecken, der sich etwas weniger deutlich außerhalb der Zauberstabreichweite hinter die Weasleyzwillinge schlurfte, was wahrscheinlich angesichts ihrer riesigen Auswahl an Tricks nicht der schlauste Zug war.
„Hi, Tom", begann Harry tapfer. Sein Lächeln sah ein wenig gezwungen aus. „Bereit für einen Tag Spaß?"
„Hallo", begann Vold… äh Tom. „Kenne ich dich?" Er sah sich nach ihnen allen um und nickte Severus langsam zu, schien aber tatsächlich niemanden wiederzuerkennen.
Harry fuhr sich mit einer Hand durch's Haar. „Sorry, ich bin Harry. Wir haben uns schon einmal gesehen, aber möglicherweise erinnerst du dich nicht daran, es ist ziemlich lange her."
„Stimmt. Hallo, Harry."
„Du warst eine Weile krank, Tom", sagte Luna leichthin und trat einen Schritt näher zu ihm. „Meine Freunde finden alle, dass ein Tag Spaß helfen würde, deshalb sind wir alle hier, um mitzugehen."
Luna stellte sie alle einen nach dem anderen vor, und Tom grüßte jeden höflich, sogar Hermione. Ehe zu viel Spannung aufkommen konnte, forderte Fred alle auf, sich aufzustellen.
„Bereit?"
Alle nickten und griffen an den abgeschabten Rechen, den sie als Portschlüssel benutzten.
„Wetterwachs!", riefen Fred und George, und sie wurden durch das Vakuum des Nichts gesaugt, um auf dem höchsten Punkt eines Hügels anzukommen, neben einigen Bäumen in der Nähe eines großen Parkplatzes. Die Sonne schien, auch wenn sich schon einige Sommerwolken bildeten.
Hermione spürte einen Anfall von Nostalgie, als sie auf die Menschenmenge schaute, die sich über den Parkplatz bewegte und darauf wartete, den großen Freizeitpark zu betreten. Jedes Jahr hatte sie ihn mit ihrer Familie besucht, bis Hogwarts und die magische Welt angefangen hatten, auch ihre Sommer von ihrer Familie zu stehlen.
Sie holte tief Luft. Jetzt war es Zeit, diesen Hexen und Zauberern einen Teil ihrer Welt zu zeigen, denjenigen, der aus Achterbahnen und Zuckerwatte bestand.
