Kapitel 5: Podbanské

Die Zeiger standen auf neun Uhr, als sie das erste Mal rasteten. Sie waren jetzt vier Stunden lang zügig durchmarschiert, was nur aufgrund der Karten möglich war. Immer wieder waren andere Tunnel auf diesen Hauptweg gestoßen und jetzt standen sie an einer Kreuzung. Der Tunnel in dem sie waren, verlief gerade aus weiter, immer leicht abwärts. Ein weiterer stieß beinahe im rechten Winkel auf diesen, doch konnte Leila im schwachen Licht der beinahe erloschenen Windlichter nicht erkennen, was die Beschriftung sagte. So kniete sie momentan über der auf dem Boden ausgebreiteten Karte und brütete.

Da die Karpatianer Zero nicht in ihre Nähe lassen wollten, stand sie jetzt vor einem Rätsel. Die Zeichen, besagten, soweit sie die auf der Karte lesen konnte, dass an dieser Stelle ein Weg nach Podbanské führen sollte. Allerdings war hier ein wesentlich schmalerer Tunnel vorgesehen.

„Zero, steht da irgendwas an den Wänden", überging sie die aberwitzigen Vorsichtsmaßnahmen von Kai, Jurij, Adrian und Andrej.

„Podbanské", antwortete dieser gelassen und trat näher an die Wände und damit auch ein kleines Stückchen näher in Richtung Leila, was ihm sofort wieder ein paar warnende Blicke einbrachte, die er geflissentlich überging.

„Das ist alles, oder steht da noch ein Jahr, irgendetwas, das auf das Alter des Tunnels hindeutet?"

„Warum willst du das wissen?"

„Hier", sie deutete auf die Karte. „Nach der Zeichnung, dürfte der Gang höchsten halb so breit sein, zumindest steht das in der Legende."

Zero, blieb stehen wo er war, richtete seinen Blick jedoch ebenfalls auf die Karte. Wenn Blicke töten würden, dann wäre er heute Nacht schon mehr als einmal gestorben oder hätte mittlerweile mehr Löcher als ein Schweizer Käse.

„Hm, nun, dann ist die Karte vermutlich älter als der Gang."

„Möglich, aber warum sollte jemand den Tunnel ausbauen? Hier ist doch niemand mehr oder hast du hier mal jemanden gesehen?"

„Nein, nie."

Leila nickte nur, rollte die Karte wieder zusammen und werkelte an ihrem Rucksack. Sie begann nach ihrer Stirnlampe zu suchen, als Zero wieder sprach:

„Warum wollt ihr überhaupt nach Podbanské, ihr könntet doch durchlaufen?"

Sie hielt inne und warf dem Vampir einen bedeutungsschweren Blick zu. Diese Frage meinte er doch wohl nicht ernst. Die junge Agentin warf einen kurzen Blick zu ihren besten Freunden, die sich etwas abseits hingesetzt hatten und nun leise miteinander auf Japanisch sprachen.

Sehr leise, damit vor allem Jean es nicht hörte erklärte sie:

„Weil dort ein Arzt ist und vor allem Jean tut stärker, als er ist. Die Verletzungen hätten längst professionell versorgt werden müssen und Rahels Knöchel, macht auch nicht mehr lange mit."

Das leuchtete ein.

„Wie lange, wollt ihr heute noch laufen", mischte sich Ray ein, der dem Vampir nicht halb so feindlich gesinnt war, wie die anderen.

„Von halb zehn bis um halb eins. Dann sollten wir auch genau am Ausgang sein, sodass wir morgen früh einfach so gegen acht oder neun im Städtchen ankommen."

„Und dann", wollte Yuki wissen.

„Wir werden sehen, was der Arzt sagt und dann entscheiden. Eventuell, dass wir nicht weiter laufen, aber zu Ramix wollen wir noch. Ich kenne hier jemanden von früher, wir könnten Pferde ausleihen."

„Ihr wollt tagsüber reisen?" Der Junge klang deutlich abgeneigt, was Leila und Zero zum Schmunzeln veranlasste.

„Natürlich", erklärte sie jedoch selbstverständlich, zeitgleich mit Ray.

„Yuki, Menschen reisen tagsüber", erinnerte er seinen Sohn.

„Ja, aber", wollte dieser erwidern, als ihm Leila über den Mund fuhr.

„Nein, ich bin ein Mensch", sagte sie nachdrücklich.

„Ja, klar. Und wie hast du dann das mit dem Nebel gemacht." Yuki schmollte und Leila grinste.

„Das können Druiden auch."

„Ach so", gab sich der Struwwelpeter geschlagen. „Heißt das, du kannst noch mehr von diesen Sachen", hakte er jedoch sofort neugierig nach.

„Ja, Pandoramix hat mich so wie jedes andere Kind der Druiden aufgezogen."

„Aber, dann wärst du Priesterin", mischte sich Jurij ein

„Bin ich, na ja, zumindest habe ich es gelernt, aber ich wurde nie vereidigt", bestätigte die schwarzhaarige und konnte sich des Gefühls nicht erwehren, dass der ältere erleichtert und gleichermaßen besorgt aussah, als sie geendet hatte. Tatsächlich müsste sie bis spätestens zu ihrem 25ten Geburtstag vereidigt werden und dazu gehörte nun einmal auch das Gelübde sich nie der fleischlichen Lust hinzugeben.

Inzwischen hatte sie ihre Lampe gefunden, die Karte wieder weg gesteckt und stand auf. Die anderen ignorierend ging sie an Zero vorbei in den Gang, die Lampe angeknipst und untersuchte Wände und Beschaffenheit. Ihren Rucksack hatte sie noch stehen lassen, da sie ohnehin noch nicht weiter gehen würden. Nach etwa einem Kilometer, konnte sie feststellen, dass sich der Gang verengte und immer Schmaler wurde. Neugierig ging sie noch ein Stück weiter und entdeckte den Grund für die Erweiterung.

Ein kleiner unterirdischer Bach floss hier durch ein ziemlich tief ausgewaschenes Bett. Beim genaueren Hinsehen konnte sie auch erkennen, dass der Boden, auf dem sie stand glatt war. Vermutlich floss hier zur Zeit der Schneeschmelze wesentlich mehr Wasser durch und überflutete die Wege.

Nach etwa 1,5 Kilometern, die sie in den Tunnel hinein gewandert war, war er nur noch zwei Mann Breit und nur wenig höher als sie. Sie vermutete die Decke bei etwa 1,80 Metern, was sehr hoch war für frühere Zeiten. Jean jedoch würde den Kopf ein wenig einziehen müssen, immerhin war der Gute noch 15 Zentimeter größer.

Mit dem Wissen, dass der Gang von dort aus gerade und eben verlief kehrte sie Zurück. Es war kurz nach halb, als sie bei den anderen ankam und ihren Freunden bedeutete, dass es weiter ging.

Zero nahm nun Jean den Rucksack ab und auch Rahel und Leila wurden um ihre Last erleichtert.

„Du wirst den Kopf einziehen müssen, da hinten wird es niedriger."

Jean nickte und so starteten sie wieder.

Kurz darauf wusste Jean, was Leila gemeint hatte. Er und auch Jurij, Kai, Andrej, Adrian und Brian waren wie Zero gezwungen die Köpfe einzuziehen. Nur Leila, Yuki, Rahel und Ray hatten keinerlei Probleme mit der niedrigen Decke.

„Tja, ich habe dir schon immer gesagt, dass es von Vorteil ist klein zu sein", stänkerte die Jüngste.

„Oh, sei bloß still Krümel", lachte der Franzose und duckte sich unter einem etwas tiefer hängenden Stein.

„Tja Jean, wie wär's, wenn du nicht immer so viel Milch trinken und Käse essen würdest", schlug Rahel und spielte damit auf eine fast suchtartige Leidenschaft ihres Kollegen an. Der jedoch ließ sich nicht stören, holte nur zu ihr auf und küsste sie auf die Schläfe.

„Es ist immerhin gesünder als – autsch!" Nun hatte er doch eine Kante mit dem Kopf erwischt. Lachen folgte und von nun an wurde der Weg schweigend fortgesetzt. Leila die noch immer voran ging warnte hin und wieder vor tief hängenden Stalaktiten und so stieß sich nach dem Franzosen niemand mehr den Kopf. Einmal hielten sie noch zwischendurch um die Träger der Rucksäcke wieder zu wechseln, wobei Jean und Rahel ihren nicht zurückbekamen. Leila jedoch hatte ihren wieder aufgesetzt, Yuki und Ray übernahmen die andern. Immerhin kamen sie drei am besten voran und brauchten nicht ständig gebückt laufen.

Kurz vor dem Ausgang fanden sie noch einmal so einen Raum in dem sie auch gestern schon geschlafen hatten. Durch die zweite ungeplante Pause, sowie die Verzögerung beim Aufbruch war es jetzt schon kurz nach eins und alle wieder recht müde und, vor allem die Karpatianer, hungrig.

„Leila, sollten wir nicht auch mit hinaus? Wir wissen immerhin nicht, wie lang es dauert, bis die Hydraulik wieder funktioniert", gab Jean zu bedenken als sie gerade wieder Lager aufschlagen wollten.

„Er hat recht", pflichtete Rahel bei und holte den Wanderführer aus ihrem Rucksack. „Wo kommen wir ungefähr hinaus?"

„Hier", sie deutete auf das Kleine Zeichen mit der Schutzhütte.

„Dann lasst uns mit hinausgehen."

„Aber da draußen sind noch immer die Vampire", warf Jurij ein, dem der Gedanke, dass seine Gefährtin die Sicherheit der Gänge verließ nicht unbedingt gefiel.

„Pech", erwiderte die jedoch dreist. „Sie sollten unsere Spur längst verloren haben und wenn, dann könnten sie uns nur in die Gänge gefolgt sein, was hieße, dass sie uns schon längst eingeholt haben müssten. Oder sie wissen, wo wir in die Gänge gekommen sind. So ganz blöd sind die ja auch nicht."

„Gerade weil sie uns nicht eingeholt haben ist anzunehmen, dass sie zwar wissen, dass wir in den Gängen sind, aber auch, dass wir wieder hinaus müssen."

„Sie können kaum alle Eingänge überwachen."

„Nur deswegen braucht man noch lange kein Risiko einzugehen." Leila seufzte genervt, holte tief Luft und fing noch einmal an:

„Nur noch mal für die ganz langsamen unter uns: Erstens, sind sie zu wenige um alle Ausgänge zu überwachen. Zweitens, selbst wenn sie detailliertes Wissen über die ‚Verborgenen Pfade' haben, woran ich zweifle, dann würden sie wohl eher annehmen, dass wir gleich durch laufen und bei meinem Großvater raus kommen. Drittens, ich bin bei einem der ältesten noch lebenden Druiden aufgewachsen, glauben sie, er wäre so alt geworden und hätte Inquisition und Kriege überstanden, wenn er nicht in der Lage gewesen wäre ein Haus zu sichern." So langsam aber sicher, war Leila wirklich wütend. „Nur weil wir ein paar hundert Jahre jünger sind als sie, heißt das noch lange nicht, dass wir nicht über einen gesunden Menschenverstand verfügen, was mich zu viertens bringt. Wir wissen nicht, wie lange es dauert, bis die Hydraulik wieder funktioniert, sobald sie einmal betätigt wurde. Schon allein das ist Grund genug die Gänge zu verlassen." Damit schnappte sie sich wieder ihren Rucksack und marschierte zurück in den Gang, gefolgt von einem grinsenden Zero.

Die zurückgebliebenen hörten wie sich beide entfernten und leise redeten.

„Ivanow, das, war der größte Fehler, den sie machen konnten", bemerkte Jean.

„Ach ja?"

„Ja", kam es vierstimmig. Von Rahel und dem Franzosen, war das ja zu erwarten, aber auch Yuki und Ray hatten zugestimmt, wofür sie seltsame Blicke kassierten.

„Sie ist wie ich", „Sie ist wie Daddy", entgegneten beide Gleichzeitig was den beiden Agenten ein Schmunzeln abrang.

„Sie hasst es bevormundet zu werden", erklärte Rahel. „Leila lässt es nur sehr selten durchblicken, aber sie hat einen IQ, der weit über dem Durchschnitt liegt, genauso wie er hier", sie knuffte ihren Freund leicht.

Jurij fuhr sich durch die Haare.

„Dann erwarten sie jetzt, dass ich mich entschuldige?"

„Nein", antwortete ihm Jean.

„Was dann", wollte Kai ungeduldig wissen.

„Zeit", antwortet Yuki ihm und hielt dem scharfen Blick seines Vaters mühelos stand.

„Stimmt", pflichtete Rahel bei. „Sie hat uns erzählt, worum das Gespräch ging, als wir schon geschlafen haben, zumindest das Meiste und auch noch ein Bisschen was über ihr Volk. Den Rest konnten wir uns selbst zusammenreimen. Geben sie ihr einfach ein Bisschen Zeit. Sie hat es zweifellos verstanden, aber das ist auch schon alles."

„Sie hat es einfach noch nicht angenommen", seufzte Ray, der sich ein wenig in die Vergangenheit zurück versetzt fühlte. Immerhin hatte er zu Anfang auch so einige Schwierigkeiten mit den Eigenheiten der Karpatianer gehabt. „Also los, gehen wir."

Sie verließen im Schein der zwei Stirnlampen der Agenten den Raum und schlossen zu den beiden auf. Alle schwiegen, denn keiner hatte Lust sich noch weiter zu streiten, doch die Spannung lag nach wie vor in der Luft. So war es ganz gut, dass der Vampir den Auslöser betätigte und alle wieder an die Oberfläche stiegen. Der frische Nachtwind kühlte die erhitzten Gemüter ein wenig ab und außerdem würde man sich nun trennen. Die Karpatianer mussten sich dringend stärken und die anderen Drei würden noch das letzte, kurze Stück bis zur Hütte laufen und darinnen Quartier beziehen.

Kai hatte schlechte Laune und das nicht erst, seit dem Streit, den sein Freund und dessen Gefährtin ausfochten, nein, schon seit dem Gespräch, das sie vor dem Losgehen geführt hatten. Ray versuchte zwar ihn immer wieder zu besänftigen, aber dadurch, dass sein Gefährte seiner Tochter auch noch zustimmte, machte er es nicht ungedingt besser.

Leila, nein, Nadjeschda. Endlich hatten sie sie wieder gefunden und nun, stellte sie sich quer. Wenn Kai ehrlich zu sich selbst war, konnte er es ihr nicht einmal verübeln. Es musste ein gewaltiger Schock sein plötzlich vor seinen leiblichen Eltern zu stehen, die erstens zwei Männer waren und dann noch nicht einmal menschlich.

Aber, Kai war nicht ehrlich zu sich selbst. Er regte sich viel zu sehr über die offensichtliche Abneigung auf, die Leila gegenüber seinem besten Freund zeigte. Verdammt, sie waren Gefährten und seine Tochter wies Jurij einfach ab. Sah sie denn nicht, wie sehr sie ihn damit verletzte? Zugegeben auch Ray und er hatten so ihre kleineren und größeren Anlaufschwierigkeiten gehabt, aber sie hatten den jeweils anderen nie absichtlich so dermaßen verletzt, wie es Leila – er korrigierte sich selbst – Nadja mit Jurij tat.

Wieder konnte er eine Hand spüren die sich auf seinen Arm legte und ihn zu beruhigen suchte. Der besorgte Blick Rays, der dieser Berührung folgte, war alles was er brauchte. Ja, auch sein über alles geliebter Gefährte machte sich Sorgen.

‚Gib ihnen Zeit', schien der Ausdruck in Ray Augen zu sagen und es dauerte tatsächlich einen Moment, bis Kai begriff, dass Ray ihm dies auch tatsächlich gesandt hatte.

Ein kurzes Lächeln glitt über die harten Züge des Russen, dann wurde sein Gesicht wieder ausdruckslos. Zeit. Zeit war etwas, das Jurij nicht hatte. Der Heiler seines Volkes mochte zwar wieder im Besitz seiner Gefühle sein, aber diese waren dunkel und selbst zerstörerisch seit dem Vorfall von damals. Seit dem ihre kleine Tochter einfach aus ihrem Leben verschwunden war.

Damals hatte eine fanatische Gruppe am helllichten Tage ihr Haus angegriffen. Die Kinder hatten zu diesem Zeitpunkt nicht in der Erde geschlafen, genauso wenig wie alle anderen. Er selbst und Ray waren im Schlafzimmer gewesen. Kurz bevor sie eingeschlafen waren, hatte sich die Tür noch einmal geöffnet und Jurij war mit dem weinenden Yuki herein gekommen. Nadja hatte schon geschlafen und damit der kleine Schreihals sie nicht weckte, hatte er ihn entfernt. Sie wussten nicht warum, aber der kleine wollte nur in der Erde, bei Ray oder Adrian schlafen. Da letzterer jedoch nicht anwesend war, nahm ihn Ray und legte ihn zwischen sie.

Das nächste woran sich alle beteiligten erinnern konnten, war dichter Rauch, der die Atemwege reizte und Hitze. Das Haus war effektiv in Brand gesetzt worden ihre Zimmer waren mit einer dichten Feuerwand von dem Kinderzimmer abgetrennt worden und überhaupt war keiner von ihnen richtig wach gewesen. Irgendwie hatte Kai es geschafft Jurij zu wecken indem er den Befehl direkt, laut und auch ein wenig schmerzhaft in dessen Kopf gezwungen hatte.

Die Flucht aus den Flammen war allen nur schleierhaft in Erinnerung geblieben. Jemand von der Feuerwehr hatte ihnen geholfen. Alles war hektisch, weil schon einem der Rückweg abschnitten worden war. Erst am Abend hatten sie wirklich registriert, dass ihre Tochter fehlte, doch auch die Rettungskräfte konnten ihnen nicht mehr sagen, als dass es nur eine Leiche im Haus gab und die gehörte einem Kollegen. Das Kinderbett sei vollkommen abgebrannt, aber ein Kind sei da nicht gewesen.

Schock und Erleichterung. Nadja war weg, aber offensichtlich hatte sie jemand vor den Flammen retten können. Auch Jurij hatte gesagt, dass er sie spüren konnte und noch einen Tag lag konnten sie diesem Gefühl folgen, dann war es plötzlich weg. Der rothaarige hatte zwar nicht das Gefühl, dass seine Gefährtin gestorben war, nein er empfing regelmäßig Lebenszeichen, aber es war unmöglich für ihn zu sagen woher diese kamen.

Der Nachtwind riss Kai aus seinen Erinnerungen. Sie hatten die Tunnel verlassen und standen mittlerweile sogar vor der Hütte in der Leila und ihre Freunde übernachten wollten. Sie selbst müssten sich beeilen um sich noch stärken zu können – ein Gedanke, der dem Anführer nicht unbedingt gefiel. Nun mussten sie ihre gerade erst gefundene Tochter wieder allein lassen und immer noch waren die Vampire da draußen, die sie umbringen wollten.

Gerade als er das Geschehen wieder aufmerksam beobachtete verabschiedete sich Zero. Er sagte nicht wohin er ging, nur, dass er noch etwas zu erledigen hätte und weg war er. Leila schüttelte darauf nur den Kopf und ging in das Innere der Holzhütte. Man hörte sie kurz rascheln, etwas rumpeln und die junge Frau leise fluchend, dann stand sie wieder draußen – in der Hand ein Stück Kreide.

Sie würde die Hütte also tatsächlich sichern. Der Gedanke beruhigte Kai ungemein und verpasste ihm gleichzeitig einen Stich. Mit diesen Bannen, würden auch sie nicht mehr in der Lage sein zu ihr zu kommen, da war er sch sicher.

Er warf einen Blick zu Jurij, der etwas abseits stand. Was dachte sein Freund? Kai wusste es nicht, denn der Blick war verschlossen. Jedoch schien der rothaarige zu merken, dass er beobachtet wurde und erwiderte den Blick für einen Moment, bevor er nickte und sich zum Gehen wandte. Der geheimnisvolle Karpatianer verlor kein weiters Wort. Offenbar war es für ihn nicht notwendig.

Yuki hingegen verhielt ich vollkommen anders. Er war sofort mit Leila warm geworden und diese schien auch mit ihm recht gut zu Recht zu kommen.

„Macht's gut und passt auf euch auf", verabschiedete sich sein Sohn fröhlich und winkte noch mal bevor er Jurij folgte. Auch Ray wünschte eine gute Nacht und folgte den zwei. Andrej nickte zum Abschied und Adrian folgte wortlos, genauso wie er selbst.

Während Jean und Rahel und in der Hütte die ISO-Matten und Schlafsäcke ausrollten, machte sich Leila daran die Hütte zu sichern. Ohne, es zu wissen, tat sie genau das, was Kai vermutet hatte, sie sicherte die Hütte gegen alles, was nicht Mensch war. Sie selbst konnte natürlich noch rein, außerdem war sie, wie die anderen ja vermutet hatten gebannt, hieß, sie war gewissermaßen ein Mensch.

Essen wurde keines mehr vorbereitet. Alle waren müde und so legten sie sich nur noch hin. Morgen früh würden sie am Bach, der durch das Tal floss neues Wasser holen und sich waschen. Aber jetzt wollten sie nur noch schlafen.

Den Geräuschen nach zu urteilen waren Jean und Rahel auch sofort weggedämmert – für Leila ein deutliches Zeichen ihrer Erschöpfung. Sie selbst lag noch eine ganze Weile wach. Das Gespräch ging ihr nicht aus dem Kopf. Sie, eine Karpatianerin – lächerlich. Obwohl, es würde einiges erklären.

Irgendwann übermannte sie dann doch der Schlaf und in dem Wissen, dass ihnen heute Nacht nichts mehr geschehen würde, war dieser auch sehr tief, sodass sie gar nicht mitbekam, wie es Morgen wurde und ihre Freunde erwachten. Diese machten sich auch zunächst nicht die Mühe ihr Krümel wach zu bekommen. Stattdessen gingen sie schon mal zum Flüsschen, wuschen sich mit dem eiskalten Wasser und füllten ihre leeren Flaschen wieder auf. Erst als sie begannen ein Frühstück vorzubereiten, stupste Rahel ihre Freundin so lange und penetrant, bis auch diese wach wurde.

Noch reichlich verschlafen tapste diese dann ebenfalls zum Wasser und war nun in kürzester Zeit vollkommen war. Das war kein Waschen, das war eine Tortur – und das im Sommer. Leicht zähneklappernd kam sie zurück und bekam sofort von einem grinsenden Jean einen warmen Tee in die Hand gedrückt.

„Guten Morgen, na, endlich wach."

Leila schnaubte.

„Mehr als mir lieb ist."

Nur eine viertel Stunde später waren sie auf dem Abstieg nach Podbanské, wo sie sich sofort auf die Suche nach einem Arzt machten.