Tonks stand im Fitnessraum der Auroren. Wieder einmal musste der Boxsack für ihre Schläge herhalten. Sie dachte über Remus nach. Als er ihr sagte er wolle eine feste Beziehung da war sie überrascht und glücklich zugleich. Es hatte hatte ihn ganz offensichtlich einiges an Überwindung gekostet. Sie kannten sich nun schon so viele Wochen und erst jetzt war ihm offenbar erst in den Sinn gekommen, dass Tonks es mit ihm ernst meinen könnte.
Tonks schüttelte gedankenverloren den Kopf, während sie den Boxsack vor sich mit harten Schlägen malträtierte. Sie liebte Remus, aber manchmal ärgerte sie sich einfach nur über ihn. Immer dachte er nur daran wie andere ihn ablehnen würden. Tonks wollte ihn. Und zwar langfristig. Wie kam Remus überhaupt auf die Idee, dass sie ihn nicht auch wollte? Nach all den Wochen, die sie miteinander verbracht hatten?
Tonks ließ von dem Boxsack ab. Sie ging in die Umkleide, duschte sich und wechselte die Klamotten. Bis auf Mad-Eye wusste keiner ihrer Kollegen, dass sie einen Werwolf als Freund hatte. Das war auch gut so. Sie verstand völlig warum Remus so voller Angst war. Allerdings machte es sie schon irgendwie wütend, dass er einfach ständig dachte jeder würde ihn behandeln wie das Ministerium es tat. Vermutlich war es schwer das im Kopf auszuschalten, wenn man es sich einmal angewöhnt hatte. Tonks wollte jedoch nicht, dass er immer so voller Furcht war, dass er immerzu daran dachte was andere tun würden, wenn sie es erfuhren.
Nach der Arbeit ging sie ins Ordenshauptquartier. Remus saß mit Sirius vor dem Kamin im Saal. Sie diskutierten über irgendwas erregt und verstummten sofort als Tonks näher kam.
„Ihr habt doch keine Geheimnisse, oder?", fragte Tonks und ließ sich auf der Couch neben Remus nieder.
„Nein.", sagte Remus knapp. Sirius sah ihn an als würde er ihn bei dieser Antwort am liebsten eine runterhauen.
„Irgendwas, was ich wissen müsste?", fragte Tonks.
„Ähm … nein …", begann Remus.
„Doch!", rief Sirius dazwischen.
Die beiden verstummten und Tonks sah von Remus zu Sirius und wieder zurück.
„Wir sprachen gerade darüber wie man nur so furchtbar kompliziert sein kann!", sagte Sirius mit einem strengen Blick auf Remus.
„Wer ist kompliziert?", fragte Tonks.
„Na, wer wohl!", entgegnete Sirius und machte eine Geste in Richtung von Remus. Der verschränkte die Arme vor der Brust und atmete tief.
„Sag mal, Tonks, angenommen du würdest diesem Werwolf hier sagen, dass du ihn heiraten und fünf Kinder mit ihm haben willst, dann würdest du das doch ernst meinen, nicht wahr?", fragte Sirius sie.
Sie zog die Augenbrauen nach oben. So langsam kam ihr ein Gedanke worum die beiden stritten.
„Wenn ich das irgendjemanden sagen würde, dann wohl nur im völligen ernst. Genauso würde ich es völlig ernst nehmen, wenn jemand zu mir käme und sagen würde, dass er gern mit mir zusammen leben möchte, auch wenn es so viel Mut und Kraft kostet, es auszusprechen.", antwortete Tonks.
Remus sah sie an und sie nahm seine Hand.
„Hat der Blödmann hier schon wieder erzählt, dass er Angst vor einer Beziehung hat?", fragte Tonks gerade heraus.
„Also … ich ...", begann Remus, wurde aber von Sirius unterbrochen.
„Natürlich.", sagte Sirius ungehalten. „Du kannst dieser Frau nicht erst sagen, dass du sie haben willst und dann einen Rückzieher machen!"
„Ich habe keinen Rückzieher gemacht!", verteidigte Remus sich. „Aber ich habe Angst. Vor mir. Vor dem was geschehen könnte, wenn wir wirklich zusammen sind."
„Ich sag ja; unfassbar kompliziert!", entgegnete Sirius.
„Jetzt hör auf!", ermahnte Tonks Remus. „Ich will dich. Ich will, dass wir richtig zusammen sind, verstehst du das?"
„Was hab ich dir gesagt?", sagte Sirius und sah Remus bedeutsam an. „Hör mal, ich bin vielleicht schwul bis unter den Haaransatz, aber mit so was kenn' ich mich aus."
Remus brummte etwas in sich hinein. Tonks legte ihren Arm um ihn.
„Warum müssen Männer immer so schwierig sein?", sagte sie.
Sirius begann zu kichern.
„Du weißt, was passiert, wenn das Ministerium das herausfindet, oder?", sagte Remus.
„Glaubst du, ernsthaft ich lasse mir von denen vorschreiben, wen ich zu lieben habe?", antwortete Tonks. „Mit wem ich schlafe oder mit wem zusammen lebe? Das lass ich mir ja noch nicht mal von meiner Mutter vorschreiben! Und die hat es echt oft versucht."
Tonks wusste, was Remus umtrieb. Das Ministerium hatte harte Beschlüsse gefasst, dass man Halbmenschen und Magier nicht in einer sogenannten „zeugungsfähigen Beziehung" haben wollte. Mit anderen Worten man verbot ihnen zu heiraten und erst recht Kinder zu machen. Selbst freie Beziehungen waren offiziell schwierig. Das interessierte Tonks jedoch nicht. Diese Gesetze stammten noch aus der Steinzeit.
Tonks lehnte ihren Kopf an Remus' Schulter.
„Jetzt hör auf.", sagte sie zu ihm. „Warum müssen wir das immer wieder durchkauen?"
„Siehst du?", meinte Sirius und klatschte in die Hände.
„Diese Gefühle machen einen echt fertig.", antwortete Remus. Er strich ihr sanft über die Wange.
Am Abend saß Tonks auf dem Boden der Hütte. Sie sah gerade die Vinyl-Platten in Remus' Regal durch. Dabei handelte es sich Hauptsächlich um Swing, Jazz und Folk. Sehr viel Johnny Cash, Louis Armstrong und Glenn Miller. Da waren sie nun schon so viele Wochen zusammen und Tonks hatte noch nie einen Blick in sein Musikregal geworfen.
„Oh, ich weiß schon was Gutes.", sagte Remus, der hinter ihr aufgetaucht war.
Er griff zielsicher nach einer der Johnny-Cash-Platten und legte sie auf den altmodischen Plattenspieler auf. Anschließend zog er Tonks auf die Beine. Remus lächelte sie an und gab ihr einen sanften Kuss.
Seit dem Gespräch mit ihr und Sirius war er wie verwandelt. Als hätte Remus erst von anderen hören müssen, dass es richtig war, was er tat.
Er legte die Hände auf ihre Hüfte und sie tanzten aneinander geschmiegt zu der Musik. Tonks gefiel es. Sie legte die Arme um ihn und küsste zärtlich seine Lippen. Er erwiderte ihren Kuss und seine Hände glitten sanft über ihren Rücken.
„Ich wollte dir sagen, dass es mir leid tut. Ich bin eben ...", begann Remus.
„... furchtbar kompliziert?", beendete Tonks seinen Satz.
Remus lächelte sie an und küsste sie erneut. Manchmal hätte Tonks die Männer schlagen können. Als wäre das alles so schwer zu begreifen!?
„Ich will nicht mehr weglaufen.", sagte Remus. „Ich will bei dir sein."
Na endlich hat er es auch begriffen!, dachte Tonks. Da waren sie nun schon so viele Wochen und Monate beieinander und schliefen zusammen, hatten Sex und liebten sich und trotzdem dauerte es so lange bis es in Remus' Gehirn klick machte!
Tonks legte ihren Kopf auf seine Schulter und folgte mit ihm langsam dem Takt der Musik. Remus strich ihr sanft durch Haar. Sie genoss seine zärtlichen Berührungen, während sie miteinander tanzten. Tonks schloss die Augen. Es gab in diesem Augenblick nichts Schöneres für sie. Das war im Grunde alles, was sie wollte.
Remus und Tonks schmusten miteinander, während ihres langsamen Tanzens. Sehr lange taten sie nichts anderes, weil es ihnen gefiel den jeweils anderen sanft an sich zu spüren und zu umarmen.
Als sie später ins Bett gingen hatten sie keinen Sex miteinander. Tonks und Remus lagen einfach nur da und streichelten sich gegenseitig. Beide in Gedanken vertieft. An manchen Tagen gab ihnen das mehr als es Lust und Leidenschaft konnten. Es waren die Augenblicke in denen sie spürten, dass sie zusammen gehörten. Sex war okay, aber er gab ihnen nicht dieses tiefe Gefühl der Zugehörigkeit.
So schliefen sie einander in den Armen liegend ein.
In den folgenden Wochen entwickelten Remus und Tonks viel mehr füreinander als sie selbst für möglich gehalten hatten. Auch weil Tonks den Entschluss fasste und zu Remus zog. Ihre kleine Wohnung in London zog sie ihm und seinen Streunern vor. Erstaunlicher Weise hatte Remus keine Einwände gebracht als sie ihm eröffnete, dass sie gerne dauerhaft bei ihm wohnen wollte. Er schien es sogar zu befürworten.
Mit der Zeit schlich sich die Routine ein. Sie wohnten zusammen. Kochten zusammen. Kümmerten sich um das Haus und den Garten. Sie hatten immer noch Sex und waren allgemein sehr glücklich miteinander. Selbst seine Verwandlungen einmal im Monat wurden zu einem Teil ihres Lebens.
Es hätte vermutlich alles so bleiben können, wenn nicht jener schicksalshafter Tag im Juni gekommen wäre an dem sie alle in das Hauptquartier beordert wurden. Der gesamte Orden stand in einem Kreis im großen Wohnsaal. Dumbledore trat vor.
„Der Tag ist gekommen. Voldemort hat Harry Potter in die Falle gelockt, die wir wie auch er mühsam aufgebaut haben. Mad-Eye, Tonks, Kingsley, Remus, ihr geht in die Mysteriumsabteilung und holt Harry da raus."
„Ich komme mit!", fuhr Sirius dazwischen.
„Das ist keine gute Idee!", wandte Mad-Eye ein.
„Er ist mein Junge! Und kommt mir jetzt nicht mit 'Du wirst gesucht!'", entgegnete Sirius energisch.
„Er ist nicht dein Junge!", wandte Molly Weasley ein.
„Aber so gut wie!", rief Sirius. „Dumbledore …!"
„Er kommt mit.", entgegnete Albus. „Wir können jeden Zauberstab gebrauchen."
Dumbledore ging auf Sirius zu.
„Lass mich das nur nicht bereuen!", sagte er leise zu ihm. Dumbledore nickte Sirius zu und wandte sich dann wieder an die anderen: „Ich habe Severus bereits instruiert. Er wird versuchen Voldemort so lange wie möglich hinzuhalten. Wichtig ist, dass Harry da lebend raus kommt."
„Also dann ...", sagte Mad-Eye und setzte seinen Hut auf.
Die Versammlung löste sich auf. Remus und Tonks umarmten sich.
„Pass auf dich auf!", sagte Remus ihr und gab ihr noch einen Kuss, bevor sie sich bereit machten ins Ministerium zu apparieren.
Dort angekommen hörten sie schon von weitem Kampflärm. Sie zogen ihre Zauberstäbe und folgten den Geräuschen bis in einen großen Raum mit Treppen und einem seltsamen Torbogen kamen. Er wirkte uralt und die Anordnung der Treppen wirkte wie in einem Amphitheater. Sie sahen wie die Todesser Harry und eine Reihe anderer Schüler vor dem Torbogen umzingelt hatten.
Tonks musste ehrlich zugeben, dass sie noch nie in der Mysteriumsabteilung gewesen war. Der Name traf es aber genau. Hier wurden allerhand absonderliche Phänomene erforscht.
„Also, wie lautet der Plan?", fragte Tonks leise, doch ehe ihr Mad-Eye antworten konnte sprang ein großer, schwarzer Hund an ihnen vorbei genau in Richtung der Todesser.
„Na toll, das war es dann mit dem Überraschungsangriff!", sagte Mad-Eye.
Zusammen stürmten sie Sirius hinterher die Treppen hinunter. Einer der Todesser drehte sich im letzten Augenblick um und der große Hund sprang ihm genau ins Gesicht. Mit einem Schrei ging er zu Boden. Die anderen wandten sich nun von Harry ab, der den Augenblick dazu nutzte davonzulaufen.
Sie schossen Flüche auf die Todesser ab, die nun endgültig ihre Überraschung überwunden. Sie blockten ihre Schüsse ab. Ein Teil von ihnen rannte Harry hinterher. Der andere versuchte die Ordensleute aufzuhalten.
Sirius verwandelte sich zurück in seine menschliche Form und rannte den Todessern, die hinter Harry her waren, nach.
„Geht!", rief Mad-Eye Tonks und Remus zu. „Diese Idioten krieg ich alleine platt!"
Remus und Tonks rannten Sirius hinterher. Der bekam einen der Todesser zu fassen und rang ihn zu Boden. Er hatte eindeutig zu lange als Hund gelebt.
„Harry!", rief Remus und schoss einen Fluch auf den Todesser vor ihm ab. Es schleuderte einen der Verfolger mit einem Schrei zu Boden und er blieb ohnmächtig liegen. Remus packte Harry am Kragen und zog ihn in Deckung.
„Bleib unten!", rief Tonks, die gerade einen weiteren Todesser abwehrte und ihn mit einem Hieb ihren Zauberstabs davon schleuderte.
„Wir müssen …!", begann der Junge, doch Remus unterbrach ihn.
„Nein, du musst hier weg. Um den Rest kümmern wir uns!"
„Aber Sirius …!"
„Nein, wir tun das hier für dich! Los, beweg dich!", sagte Remus.
In diesem Augenblick sahen sie wie Sirius, der immer noch mit dem Todessern rang von einem grünen Blitz getroffen wurde. Wie in Zeitlupe sahen sie zu wie ihr bester Freund leblos den Treppenabsatz nach unten fiel.
Harry schrie vor Verzweiflung auf und wollte dem Mörder seines Paten hinterher rennen. Remus hielt ihn fest. Er schlang seine Arme um den Jungen, doch der befreite sich aus seinem Griff und rannte davon.
„Harry, nein! Halt!", rief Remus ihm hinterher.
Tonks sah in das fassungslose Gesicht ihres Liebhabers. Sie hielt ihn fest, da sie Angst hatte er würde den anderen irgendwie hinterher rennen wollen, doch er tat nichts dergleichen. Als sich der Kampflärm von ihnen entfernte ging er mit wackligen Beinen die Treppe hinunter zu der Leiche seines besten Freundes. Remus ließ sich neben ihm fallen. Er brach weder in Tränen aus noch sagte er etwas.
Tonks kannte diese Symptome. Er stand unter Schock. Sie nährte sich Remus vorsichtig von hinten und legte ihm die Hand auf die Schulter. Er reagierte nicht.
„Wir müssen gehen.", sagte Tonks leise zu ihm.
Sie zog Remus auf die Beine. Er sah sie mit einer Verzweiflung an, die sie noch nie an ihm gesehen hatte. Tonks nahm seine Hand und disapperierte mit ihm zurück zum Hauptquartier. Dort bugsierte sie ihn auf die Couch.
Erst jetzt schien Remus gewahr zu werden, was eigentlich passiert war. Stille Tränen rannen seine Wangen hinab. Er biss sich auf die Unterlippe und schnappte nach Luft.
Tonks fühlte sich grauenvoll, doch sie hatte Sirius bei weitem nicht so lange gekannt wie Remus es tat. Sirius war der letzte, beste Freund gewesen, den er hatte und nun war er fort.
Sie setzte sich neben Remus und sogleich vergrub er sein Gesicht in Tonks Schulter und begann bitterlich zu weinen. Sie legte die Arme um ihn und spürte wie auch ihr stille Tränen herunter kullerten. Lange saßen sie so da und konnten nicht fassen, was geschehen war.
Tonks hatte keine Ahnung wie spät es war als Dumbledore und die anderen in den Grimmauldplatz zurückkehrten. Keiner sagte etwas. Alle sahen sie völlig fertig aus, erschöpft und schockiert.
„Harry ist in Sicherheit.", sagte Dumbledore. „An dem, was heute Nacht passiert ist, trägt niemand die Schuld. Niemand außer Voldemort."
Es dauerte bis sich die Versammlung auflöste. Tonks und Remus saßen bis zum Morgen beieinander und hielten sich fest. In der aufgewühlten Stimmung in der sie waren wären sie nur ungern nach Hause gegangen.
