* Sieben Monate zuvor *

Reddington saß in seinem Jet zusammen mit Dembe und Liz. Sie hatten einen dieser Fälle in welchen es besser war das er mit Liz zusammenarbeiten würden. Das FBI ermittelte ebenso im Hintergrund, aber Raymond würde nur darauf zurückgreifen, wenn es wirklich nötig wäre. Aram wäre dafür die eheste Person die er im Falle des Falles Kontaktieren würde. „Es gibt bereits vier Morde", hörte er Elizabeth sagen und schaute sie nachdenklich an. Überhaupt schwieg er mehr als das er sprach, was ungewöhnlich für ihn war. „Und alle Opfer sind… Das Fleisch hat sich regelrecht von ihren Knochen gelöst. Und du sagst der Schlechter ist dafür verantwortlich?"

Reddington sah auf seine Hand runter, dass er während Lizzy gesprochen hatte, herausgeholt hat und es auf und zu klappte. Er hatte Azari fast Täglich seit ihrem Kuss angerufen. Jetzt war er schon fast vier Wochen nicht mehr bei ihr gewesen. Das Gefühl war… Quälend. Er war angespannt und Nervös. Er wusste, das er hätte zu ihr gehen sollen. Dass er das Risiko hätte aufnehmen müssen- Den jetzt war er zu unkonzentriert. Fast schon fühlte er sich wie ein Verliebter Schuljunge und das ließ ihn um Jahre jünger fühlen. „Red?" Er blinzelte als Elizabeth ihn nochmals ansprach. Entsprechend sah er sie an. „Ja?"

„Der Schlechter. Was weist du über ihn?"

„Ah… Man sagt er lässt kein Fleisch zurück. Er verarbeitet alles was ihm in die Finger kommt. Er versorgt Kannibalen fast überall auf diesem Kontinent."
„Warum haben wir bisher nichts davon mitbekommen?" fragte Liz verwirrt nach. Knochen wären doch schließlich irgendwann gefunden worden?

„Weil etwas passiert sein muss. Entweder hat der Schlechter einen Nachahmer oder aber etwas Stimmt nicht mit ihm. Vielleicht ist etwas Unerwartetes in sein Leben geschehen. Vielleicht hat er jemanden verloren oder jemanden gewonnen. Neue Lebensumstände verleiten einen dazu leichtsinnig zu werden und unvorsichtig."
Elizabeth kam es so vor, als würde Red über sich selbst sprechen. Vor allem als er wieder auf sein Handy blickte und dann aufstand. „Entschuldige mich Lizzy ich habe ein Telefonat zu machen." Als Reddington sich erhob und ans Ende des Jets lief um sich dort zu setzten, drehte Liz sich zu Dembe um und musterte ihn. „Was ist mit ihm los? Er ist total Schweigsam Heute? Hat er Probleme?"

„Das kann man so sagen", meinte Dembe. „Aber es ist nichts worüber du dir Sorgen machen müsstest Elizabeth."

„Bist du dir sicher? Sonst redet er auch wie ein Wasserfall." Etwas Stimmte ganz klar nicht mit ihm.

„Lass ihn sein Telefonat beenden und dann wird er wieder ganz der Alte sein", sagte Dembe gelassen und schloss seine Augen.

Elizabeth musterte Raymond von ihrem Platz aus. Noch wirkte er alles andere als gelassen. Er schien die Person nicht ans Telefon zu bekommen und wirkte ziemlich gestresst. Und dann versuchte er es direkt noch einmal und schaute zufällig in ihre Richtung. Er schaute ihr genau in die Augen, aber dann drehte er den Kopf weg und blickte aus dem Fenster. Was war nur los bei ihm?

Reddington war erleichtert als er endlich bei Azari durchkam. Die Verbindung von hier war nicht die Beste und er wusste auch nicht, ob Azari heute in den extra Kurs gegangen war oder nicht. Laut dem letzten Telefonat hatte sie nur mal vorbeischauen wollen, weil sie den Inhalt bereits kannte. Und er wollte sie anrufen, bevor er später keine Zeit hätte. Als Lizzy ihn ansah, betrachtete er ihre schönen Augen und schaute letztlich aus dem Fenster, als er Azaris Stimme hörte. „Azari ich hoffe es geht dir gut? … Ja es geht mir auch bestens. Ich muss eben an dich denken. … Was? Nein ich befinde mich in meinem Jet.… Genau der mit welchem wir in die USA geflogen sind ja.… Das können wir einreichten.… Wie war deine Uni? Hast du schon etwas gegessen?" Raymond hörte ihrer Stimme Aufmerksam zu und saugte jedes Wort auf. „Ich? Nein es ist ein Fall. Ich bin hier mit Lizzy.… Haha! Darum bin ich ja dabei. Ich lasse nicht zu das ihr jemand etwas tut… Du findest das niedlich? So bin ich auch schon lange nicht bezeichnet worden", lachte Raymond und lehnte sich weiter zurück in seinem Platz. „Mit dem Fahrer läuft alles besser? Er wird in deiner Freizeit auch ein Auge auf dich haben. Falls etwas ist, kannst du ihn anrufen… Du warst Spazieren? Du hast ihn bemerkt? Haha… Nein das sollte nicht passieren. Mir war gar nicht bewusst wie Aufmerksam du in diesen Dingen bist… Ja… Ja ich sage ihm das er dir etwas mehr Freiraum lassen soll. Aber er wird dennoch in deiner Nähe bleiben. Ich bin für ein paar Tage nicht in der Stadt und habe noch viel zu erledigen… Ist gut. Ich bin froh das du Verständnis dafür hast. Deine Sicherheit liegt mir am Herzen…" Raymond schwieg am Telefon als Azari zu ihm sprach und sagte das sie ihn vermisste. Er tat es ja ebenso und er wusste wie närrisch er sich verhielt, wenn er damit plante den Jet direkt wieder zurückfliegen zu lassen. „Ich kann Heute Abend bei dir sein… Den Fall kann das FBI übernehmen… Hm… Hm…" er hörte sie sagen, dass er nicht mitgeflogen wäre, wenn seine Dabei sein nicht Wichtig wäre und sie hatte recht damit. „Du hast Recht… Du musst wieder zum Kurs? Ich dachte du bleibst nur kurz? … Da hast du recht. Es ist besser als sich alleine verrückt zu machen. Hab viel Spaß Kleines. Ruf an, wenn etwas ist. Ich…" Reddington hielt inne und schluckte. „Ich melde mich wieder." Als er aufgelegt hatte sah er nachdenklich auf sein Telefon. Er hätte ihr fast gesagt das er sie lieben würde. Das war verrückt. Überrascht war er, als er eine Nachricht auf sein Handy bekam und die von Azari war. Er öffnete sie sofort und musste lächeln.

Ich habe Herzklopfen, wenn wir miteinander sprechen

Mutiges Kleines Ding. Also dachte er eine Sekunde lang nach, ehe ihm ein Spruch von Hepburn einfiel der seine Situation ganz gut schilderte und vor allem… Seine Gefühle. Liebe ist nicht, dass was man erwartet zu bekommen, sondern das was man bereit ist zu geben.

Das ist Wunderschön. Vom wem ist das Zitat? ihre Nachricht war schneller zurückgekommen, als er erwartet hatte. Sie heißt Katharine Hepburn. Pass auf dich auf Liebes.

Meine Gedanken sind bei dir Ray

Raymond steckte sein Handy ein und presste seine Lippen zusammen. Er war Verliebt. War er wirklich Verliebt? Das war so Gefährlich. Sie könnte ein verdammt guter Spion sein. Aber das passte wiederum nicht mit ihr zusammen und er wollte ihr Vertrauen. Dembe vertraute ihr. Das musste etwas heißen. Er sollte ihr Vertrauen. Er wollte ihr trauen. Langsam erhob er sich und schritt wieder zurück zu Lizzy. „Alles okay Red?"

„Alles Bestens Lizzy. Konzentrieren wir uns jetzt auf deinen Fall."

Nur einen Tag später, während Liz sich mir Cooper am Telefon besprach, begab sich Raymond zu dem Stuhl im Hotelzimmer und setzte sich dort. Er griff nach seinem Telefon und war nicht überrascht als er eine Nachricht von Azari sah. Guten Morgen Ray! Wie viel Uhr ist es bei dir? Ich entspanne heute zu Hause.

Stimmte die Zeitverschiebung. Raymond sah noch einmal zu Liz ehe er seine Nachricht zurück tippte. Es ist mittags. Hab einen schönen Tag Mrs. Reddington.

Du auch Mr. Reddington.

„Warum grinst du?" Lizzy Stimme ließ ihn aufmerken. „Nichts ich musste an etwas denken. Wollen wir los?"

„Ja wir können Los."

* Fünf Monate zuvor *

„Hallo Azari, ich bin es Dembe… Mir geht es gut. Raymond auch. Ich soll dich abholen und zu ihm fahren. Ja wirklich. … In ungefähr 15 Minuten. … Pack eine Tasche mit Kleider zusammen… Alles klar." Dembe hatte verstehen können warum Raymond Azari fast drei Monate nicht besucht hatte. Es war einfach zu Gefährlich gewesen und jetzt kehrte langsam wieder Ruhe ein. Raymond hatte sie wirklich vermisst und die letzten Wochen war er besonders anstrengend gewesen. Dembe hatte Raymond schließlich überzeugt, dass es nun sicher war. Also holte er jetzt die Kleine ab und würde sie zu ihm in einen Park fahren.

Als Azari bei ihm im Auto saß blickte Dembe in den Rückspiegel und musste lächeln. „Du siehst gut aus Azari. Geht es dir auch gut?"

„Es ist schön dich wieder zu sehen Dembe. Es ist irgendwie so lange her."

„Durchaus. Raymond wartet in einem Park auf dich. Er sitzt auf einer Bank du wirst ihn nicht verpassen können. Danach fährt er mit dir für ein paar Tage weg."

Azari blinzelte einmal und musste lächeln. Sie würden wegfahren? „Darum sollte ich ein paar Kleider zusammenpacken. Geht es ihm den gut?"

„Es geht ihm sehr gut. Ich denke… Du solltest wissen, dass er dich vermisst hat." Dembe sah in den Rückspiegel um ihre Reaktion zu sehen. Azari blickte ihm genau entgegen und schloss dann ihre Augen. „Ich habe ihn auch sehr vermisst."

„Ihr hattet also die ganze Zeit Kontakt?" fragte Dembe und bog einmal auf der Straße ab.

„Nun Dembe… Ich denke das geht nun ihn und mich etwas an- Entschuldige."

„Schon gut. Es freut mich für ihn." Als sie ankamen stoppte Dembe den Wagen und deutete Azari an, welchen Weg sie langgehen sollte. Als sie ausstieg folgte sie dem entsprechenden Weg und zog sich ihre Sonnenbrille an. Es war sehr Hell und Warm. Entsprechend trug sie eine dünne Beige Hose und ein weißes Kurzärmliges Hemd. Ihr Haar war zusammengebunden und ihr Handy hielt sie in ihrer Hand. Als sie Raymond bereits vom weitem sah, steckte sie das Handy ein und spürte ihr Herz schneller schlagen. Nach drei Monaten… Ihn dann endlich wieder zu sehen war so… Befreiend. Als er in ihre Richtung sah, konnte sie ihn lächeln sehen. Er trug seine Sonnenbrille, seinen Hut. Ein weißes Hemd. Einen grauen Blazer und eine entsprechende Hose.

Azari schritt gleich etwas zügiger und als der Mann mit dem sie so viele Stunden Telefoniert und geschrieben hatte vor ihr Stand, spürte sie ein Beben in ihrer Brust. Hier war er nun. Nach so langer Zeit. „Raymond." Er wirkte Gesund und zufrieden. Sein lächeln, ließ auch sie noch breiter lächeln. „Sieh dich an. Du siehst wundervoll aus."

Er griff sich ihre Hände und beugte sich ohne Scheu runter um sie küssen zu können. „Hm…" seufzte sie gegen seine Lippen und drückte seine Hände. „Ray…" flüsterte sie. „Ich habe dich schrecklich vermisst."

„Das habe ich auch." Er löste den Kuss um sie besser ansehen zu können. „Lass uns ein Stück spazieren gehen."

„Sehr gerne." Raymond legte seinen Arm um ihre Taille während sie langsam zusammen losliefen. Azari lehnte sich an seine Schulter und legte ihren Arm ebenso um seinen Rücken. „Es ist dein erster romantischer Spaziergang im Park oder?" hakte er nach. „Das ist sehr faszinierend."

„Wie geht es dir Ray? Ist alles wieder in Ordnung?"

„Den Umständen entsprechend ja. Ich werde für ein paar Tage untertauchen und dich nehme ich dafür mit. Ansonsten könnte mir ja noch langweilig werden." Er musste bei dem Gedanken daran lächeln.

„Ich freue mich zwar Zeit mit dir verbringen zu können, aber warum musst du untertauchen?"

„Du weißt doch wie das ist. Dem einen passt nicht was der andere macht und schon landet man auf einer Kopfgeldliste. Aber das FBI kümmert sich bereits darum. Deshalb ist es halb so wild."

„Hm…" sie machte sich dennoch Gedanken. Raymond schien das runter zu spielen aber… „Sieh es so. Wir haben endlich ein paar Tage für uns Kleines." Er stoppte an einem kleinen See und schritt mit ihr bis ans Ufer. Es waren zwar ein paar Leute unterwegs, aber daran störten beide sich nicht. Raymond zog Azari wieder in seine Arme und blickte zu ihr runter. „Und niemand wird uns stören."

„Ray…" Azari legte ihre Hände auf seine Brust und fuhr diese rauf, bis sie sein Gesicht in ihre Hände nehmen konnte. „Ich kann es kaum erwarten…"

Raymond beugte sich runter und küsste die junge Frau in seinen Armen, wobei er sich dafür sehr viel Zeit ließ. Er bereute es das er damals nicht gleich mit in ihre Wohnung gegangen ist. Drei Monate lange hatte er sich jeder Frau entsagt, weil er sich auf genau das hier vorbereiten wollte. Als ihr Kuss immer leidenschaftlicher wurde fuhr er mit einer Hand ihr Kreuz runter und griff sanft nach ihrem Hinter. Als sie nach Luft schnappte löste er sich und legte seine Stirn an ihre. „Lass uns gehen", bat sie und küsste ihn noch einmal sanft. Sie war bereit weiter zu gehen und sie wollte selbst nicht mehr warten. „Ray…"

„Ja…" Er holte tief Luft und griff sich ihre Hand, ehe er mit ihr zurück auf den Weg lief.

„Dembe hat mir gesagt, dass ich ein paar Sachen zusammenpacken soll. Darum bin ich soweit startklar. Wo fahren wir denn hin?"

„In ein sicheres Haus in den Wäldern. Es wird dir bestimmt gefallen." Da war er sich sogar sicher. Raymond behielt den Weg vor sich im Auge. Ihnen kam ein Pärchen entgegen. Eine alte Frau. Weiter Weg war ein junger Mann auf einem Fahrrad. Er telefonierte laut, aber alles wirkte soweit harmlos. „Das klingt auf jeden Fall schön auch wenn die Umstände besser sein könnten."

„Das ist etwas woran du dich gewöhnen musst. Dieses Leben. Mein Leben ist Hard.

„Aber ich weiß doch", sagte sie und legte ihre andere Hand auf seinen Arm. „So war das nicht gemeint. So gesehen haben diese Umstände nun dafür gesorgt das ich dich endlich wiedersehen konnte. Also, ist es doch gut?" lächelte sie ihn an und brachte ihn damit zum Lachen. „Oh meine Liebe…" Raymond stoppte nochmal und sah zu ihr runter. „Reden wir über etwas Anderes."

„Ich will gehen", sagte Azari mit leichtem Nachdruck und musste lachen. „Dembe wartet bestimmt."

„Wieso so Ungeduldig?" fragte er und küsste sie direkt noch einmal.

„Ungeduldig? Nun… Vielleicht bin ich ja nur Neugierig."

„Ah… Neugierde… Goethe sagte, wer nicht neugierig ist, erfährt nichts."

„Und weil ich viel erfahren und erleben will, solange du noch Fit bist, sollten wir dafür sorgen bald alleine zu sein."

Raymond musste lachen und schüttelte seinen Kopf. Genau das gefiel ihm an ihr. Sie sagte was sie dachte ohne Angst davor zu haben, wer er war.

Azari musste lächeln und legte ihre Hand an seine Brust. „Du hast Abgenommen."
„Findest du? Ich habe mich eine Zeit etwas anders ernährt, aber ich kann dir sagen lecker war es nicht."

„Dann wird es Zeit das wir wieder Italienisch zusammen kochen!"

„Oh, darauf freue ich mich schon." Als Raymond sich zu ihr runter beugte um ihren Hals zu küssen, wollte Azari ihre Augen schließen, allerdings bemerkte sie dabei diesen Typen auf dem Fahrrad, der plötzlich langsamer wurde und seine Hand hinterm Rücken hielt, als würde er etwas aus seiner Hose ziehen wollen. Verwirrt hielt sie den Atem an und als der Typ plötzlich diese Waffe in der Hand hielt und auf Raymond zielte, zerquetschte sich ihr Herz vor Angst. „Ray!" schrie sie auf und hörte den Schuss. Aus Reflex versuchte sie ihren Partner weg zu drehen und nur weil der Überraschungsmoment auf ihrer Seite war, schaffte sie es auch.

Der Schuss ließ Reddingtons Blut gefrieren. Der Mann auf dem Fahrrad machte sich schneller davon wie er reagieren konnte. Fast wäre er selbst durch Azaris Manöver gestolpert, aber er hatte sich noch halten können. Er konnte nur noch fühlen wie Azari in seinen Armen zusammenbrach und er mit ihr zu Boden ging. „Ray… Es hat mich getroffen…" sagte sie zitternd und blickte zu ihm hoch, da er sie in seinen Armen hielt. „Ray…"

„Es ist alles gut…" flüsterte er und suchte die Verletzung. Ihre weiße Bluse verfärbte sich Blutrot und sein Herz krampfte sich schmerzhaft zusammen. „Es ist deine Schulter. Das kriegen wir hin."

„Versprochen?" fragte sie leise und musste husten, wobei Blut aus ihrem Mund lief. „Ich fühle mich nicht gut."
„Du musst deine Kräfte sparen. Okay? Hör immer auf meine Stimme." Raymond sah auf. Die Menschen um ihnen herum waren geflüchtet vor Panik. Nur Dembe eilte ihnen nun entgegen und wirkte vollkommen Nervös. „Man hat mich gefunden", sagte Raymond zu ihm. „Wir müssen Azari zur Krankenstation bringen."

„Ich kümmere mich darum." Dembe beobachtete wie Raymond seinen Blazer auszog und diesen auf die Wunde von Azari legte. Ihre sonst so schön gebräunte Haut war plötzlich schrecklich blass.

„Ray…" flüsterte Azari und hob langsam ihre Hand, damit sie diese an seine Wange legen konnte. „Ray ich werde müde."

„Du darfst jetzt nicht einschlafen Azari. Gleich bekommst du Hilfe. Versprochen!"

„Raymond sie sind in Zehn Minuten erst hier. Wir sollten ihnen entgegenfahren."

„Ja. Ja das machen wir." Er stand auf und hob Azari auf seine Arme hoch, was für ihn doch recht anstrengend war. Dembe wollte sie nehmen, aber Reddington schüttelte seinen Kopf. „Geh und mach den Wagen an!" Er selbst beeilte sich ihm zu folgen. Als sie das Auto erreichten, setzte er sich mit ihr rein und behielt sie weiter im Arm. Er war schrecklich außer Atem, aber seine Konzentration galt ihr alleine. „Azari sieh mich an", bat er sie leise und legte seine Hand an ihre Wange. „Liebes halte durch. Du bist Stark. Du kannst das schaffen!"

„Ray… Ich… Will dir so vieles… Sagen", hauchte sie und musste wieder husten. „Ray bitte… Du musst Abdul aufhalten… Halte ihn…" Azari drohte einzuschlafen. Nur weil Raymond sie leicht schüttelte und seine Hand an ihre Wange legte, öffnete sie ihre Augen nochmal und sah ihn ganz genau an. Sie sammelte Kraft, er konnte das sehen. „La Illaha Illel…Il…lil…ho". Ihre Stimme die so fest begonnen hatte, brach mit einem Mal ab. Ihre Augenvielen nach Oben und ihre Lieder schlossen sich. Er hatte Angst um sie. Er konnte ihr nicht helfen. Nicht in diesem Sinne. Darum lehnte er seine Stirn fest an ihre und sprach die Worte aus, die sie selbst nicht mehr hatte aussprechen können. „La ilaha illa allah wa muhammad rasul allah." Anschließend küsste er ihre Stirn und sah zu Dembe vor, der den Wagen anhielt. Er konnte den Krankenwagen sehen. Azari glaubte das sie sterben würde. Darum hatte sie diese Worte geflüstert- Die letzten Worte die auf ihren Lippen ruhen sollten bevor sie… Die Türe bei ihm ging auf und er half Azari aus dem Auto zu bekommen. Als sie auf der Liege lag, kümmerten sich drei Ärzte direkt um sie. „Raymond komm, steig ein, wir fahren zur Mobilen Krankenstation."

Raymond blieb allerdings noch stehen und beobachtete wie Azari in den Krankenwagen geschoben wurde. „Sie hat mein Leben gerettet Dembe."

Dembe trat von dem Auto weg und kam auf Raymond zu. Er legte seine Hand auf seine Schulter und drückte diese. „Sie wird das schaffen. Es ist nicht deine Schuld."

„Ich habe sie hierherbringen lassen. Sie war da wo sie war vollkommen sicher."

„Und das ist sie auch in Zukunft. Fahren wir dem Krankenwagen nach. Hier ist es nicht sicher."
„Ja." Raymond trat zitternd zum Auto und stieg dort ein. So leer hatte er sich zu Letzt gefühlt, als er gedacht hatte, das Liz Tod wäre. „Es ist noch nichts verloren", sagte Dembe und startete den Wagen, ehe er dem Krankenwagen folgte. Wer war es? Wer plante seinen Mord? Ohne Azari hätte es schlecht ausgesehen. Wer es auch immer war, würde einen Tod sterben der sich keiner wünschen würde.

Fast vier Stunden später stand der Arzt Nervös vor Raymond und zeigte ihm seine Unterlagen. Raymond hatte sich inzwischen umgezogen und saß auf einem Stuhl kurz vor der Krankenstation. „Wir haben sie in ein Künstliches Koma versetzte damit ihre Lungen sich erholen können- Nachdem ihre rechte Lunge Kollabiert ist mussten wir… Sichergehen darum… ", versuchte der Arzt zu erklären. „Jedenfalls. Sie ist Stabil. Sie wird viel Ruhe brauchen, aber sie wird es schaffen."

„Kann man zu ihr?2 fragte Dembe der direkt hinter Raymond stand und musterte den Arzt.

„Ja sicher, sie können zu ihr. Sollte etwas sein, sagen Sie mir Bescheid."

Raymond reichte ihm die Akte und stand langsam auf, ehe er sich zu der Krankenstation begab. Als er den dicken Plastikvorhang bei Seite schob, wichen die Arzthelferinnen zurück und verließen die Station nachdem Raymond drinnen war- Dembe blieb davorstehen und ließ ihn erst einmal alleine.

Sie sah so blass aus. Ein Schlauch steckte in ihrem Hals und dieser war wiederum an einem Beatmungsgerät angeschlossen. Er war mal in einer gleichen Lage gewesen, sie jetzt aber so zu sehen tat ihm weh. Red beugte sich bei ihr runter und küsste ihre Stirn, ehe er sich auf den Stuhl neben dem Bett setzte und ihre Hand mit beiden Händen ergriff. Dann führte er diese an seinen Mund und drückte ihr einen Kuss auf den Handrücken. „Es tut mir leid Azari", sagte er. „Ich bin kein guter Umgang. Aber du steckst in dem ganzen viel zu tief drin, als dass ich dich noch gehen lassen kann. So wie Lizzy." So oder so war sie die Person die sie war. Abduls Schwester. Er wollte ihren Kopf dafür das sie geredet hatte. Raymond wusste das. Also gab es so oder so keinen Fleck an welchem sie alleine sicher wäre. Das sie heute Verletzt wurde, ging auf seine Kappe. Er war zu Ungeduldig gewesen. Er hätte noch warten sollen. Aber jetzt machte es ohne hin keinen Sinn sich verrückt zu machen. Alles war geschehen und seine junge Frau lag schwer Verletzt im Bett. „Ich bleibe bei dir", versprach er ihr. „Und derjenige der dafür verantwortlich ist wird büßen."

Raymond behielt Azaris Hand fest in seiner, als er Schritte hörte und kurz zu der Person sah. Dembe. „Es wird ihr bessergehen. Bald schon", sagte er ernst und legte seinem Freund eine Hand auf die Schulter. „Es gibt Risiken in diesem Leben Raymond. Sie weiß das."

„Sie ist wegen mir da reingeraten Dembe! Ihr hätte das nicht passieren müssen!"

„Es bringt sich nichts, wenn du dir Vorwürfe machst. Wichtig ist das es ihr bessergehen wird. Und sie wird sich sehr freuen dich zu sehen, sobald sie ihre Augen öffnet."

Raymond sah das alles weniger positiv, aber im Moment konnte er auch nichts tun außer… Den Täter finden.

* Eine Woche später *

Das erste was Azari wahrnahm, war dieses helle Licht und ein dumpfer Ton. Es brauchte viel Zeit bis sie sich aus ihrem Unterbewusstsein kämpfen und langsam ihre Augen bewegen konnte. Sie wollte sehen! Sie… Wo war sie?

Dembe trat sofort an Azaris Bett als sie leise Geräusche machte und sich rührte. Man hatte sie vor einigen Stunden aus dem Komatösen zustand geholt, aber das Bewusstsein hatte sie seither nicht erlagen können. Raymond war im Stuhl eingenickt, deshalb hatte Dembe auf beide aufpassen wollen. „Hey", flüsterte er und strich ihr sanft über die Wange. „Azari, es ist alles okay."

„Hm…" machte sie wieder leise und schaffte es endlich ihre Augen zu öffnen. Es war dunkel, nur eine Tischlampe brannte. „Hn… Dembe?" sie erkannte ihn neben sich stehen. Er sah sie lächelnd an und nickte. „Ja. Ich bin es. Du warst sehr schwer verwundet. Aber jetzt geht es dir besser."

„Ray… Ray ist er okay?"

„Er schläft, direkt neben dir im Stuhl. Es geht ihm gut."

„Wo bin ich Dembe?" ihr Hals fühlte sich so trocken an, weshalb sie Husten musste.

„In einer mobilen Krankenstation von Raymond. Warte." Dembe schritt zu einem Tisch und füllte in ein Glas Wasser. Anschließend steckte er einen Trinkhalm hinein und kam damit zurück zum Bett. Azari trank so viel sie konnte und seufzte am Ende leicht. „Danke Dembe."

„Es ist schön, dass du wieder wach bist." Dembe sah zu Raymond der immer noch schlief. In der ganzen letzten Woche hatte er kaum ein Auge zugemacht. Zumindest war er seit zwei Tagen etwas entspannter, nachdem er den Täter gefunden hatte. Trotzdem schlief er nicht. Und wenn dann nur wenn es nicht mehr ging. So wie jetzt.

„Ich bin müde", flüsterte sie. „Wie lange… Was…"

„Du bist eine Woche lang im Koma gewesen. Du bist noch verletzt, aber die Wunde heilt. Morgen wird der Arzt dir alles erklären. Oder soll ich ihn wecken?"

„Nein. Nein es geht mir gut, denke ich." Ihr Blick fiel auf Raymond der im Stuhl eingenickt war. „Er sieht so erschöpft aus."

„Er hat kaum ein Auge zugemacht und war die meiste Zeit bei dir."

„Ist er noch in Gefahr?"

„Nein. Er ist wieder sicher. Alles ist gut." Dembe legte eine Hand auf ihre Wange und streichelte diese. „Ich decke dich noch weiter zu. Du bist Kalt."

„Ja?" sie bemerkte das noch gar nicht. Als Dembe sie noch besser zudeckte, spürte sie ihre Augen Lieder wieder schwerer werden. „Schlaf noch Azari. Wir passen auf dich auf."

Raymond erwachte ein paar Stunden später und fühlte sich absolut verkatert. Sein Nacken schmerzte, weshalb er sich erst einmal streckte und dann aufstand. Die Sonne würde bald aufgehen und Azari war immer noch nicht zu sich gekommen. Dembe hielt gewiss Wache- Raymond hielt inne als er ein Glas mit einem Halm neben dem Bett stehen sah. War Azari aufgewacht? Sofort trat er zu ihr ans Bett und rieb sich einmal seine Augen, damit er sie sich ansehen konnte. Sie hatte eine zweite Decke. Ob sie gefroren hatte? „Azari." Raymond beugte sich runter und küsste vorsichtig ihre Wange. „Es tut mir leid." Als die junge Frau tiefer Luft holte richtete er sich leicht auf und beobachtete wie sie ihre Augen öffnete. „Hey…" sagte sie leise und blinzelte einmal. „Du bist wach?"

„Ich wollte dich nicht wecken", sagte er sofort und strich ihr über den Kopf.

„Ray ich… Ich habe nur reagiert. Du bist… Nicht Verletzt worden?"

„Es ging mir gut. Dank dir." Raymond wusste das zu schätzen. Sie hatte ihre Loyalität ihm gegenüber in eine Art gezahlt, die keiner so leichtfertig gemacht hätte. „Sag mir warum du das getan hast", sagte er plötzlich und setzte sich an ihr Bett, ehe er ihre Hand ergriff. „Wieso hast du das getan? Du hättest sterben können."

Azari sah ihn aus müden Augen an und dachte über seine Frage nicht lange nach. „Ray… Ich liebe dich. Das würde ich immer für dich tun."

Raymond musterte sie eingehend und sah von ihr auf die Hand die er hielt. Sie liebte ihn. „ich hätte es sein müssen", sagte Raymond ruhig. „Ich hätte das für dich tun müssen." Mit anderen Worten, er fühlte genauso für sie. Und jetzt wurde ihm das so wirklich bewusst. „Raymond." Azari drückte seine Hand und betrachtete ihn im Licht der Lampe. Er hatte tiefe Augenringe und wirkte mehr als müde. „Ich würde es wieder tun."

Und wie sie das würde. Sie war ein Sturkopf. Ein liebevoller Sturkopf. „Du solltest noch schlafen", sagte Raymond schließlich und stand wieder auf. „Ich bleibe hier bei dir."

„Warte Ray", flüsterte Azari und hielt ihm ihre Hand hin. „Leg dich zu mir. Das Bett ist groß genug", das war es tatsächlich. Raymond sah zu ihrer Hand und musterte sie schließlich. Lange Zeit sagte er nichts, ehe er ihre Hand ergriff und diese Küsste. „Mir ist kalt", sagte sie ehrlich und beobachtete ihn. Und tatsächlich gab er ihr nach und zog sich seinen Blazer und sein Hemd aus. Er hing dieses über seinen Stuhl und kurz darauf folgten die Schuhe und die Hose. Letztlich trug er nur noch seine Short und ein Unterhemd. „Danke", hörte er Azari sagen und hob die Decke an, damit er sich an ihre Seite legen konnte. Vorsichtig Rückte er näher und legte einen Arm um ihren Bauch, währen er seinen anderen Arm unter ihrem Kopf legte und sie so vorsichtig an sich zog. „Geht es?" fragte er und zog die Decke wieder über sie beide. „Ja… Es ist so… Viel besser", murmelte sie und drehte ihren Kopf in seine Richtung. „Du riechst gut", sagte sie leise aber lächelnd.

„Ach ja?" Raymond musste ebenso lächeln und küsste ihren Haaransatz.

„Du hast ihn gefunden. Den Täter oder?"

„Das habe ich."

„Und was ist mit ihm geschehen?"

Raymond schwieg auf ihre Frage hin. Zumindest erst einmal. Seine Hand legte er auf ihren flachen Bauch und spürte so wie sie Luft ein und ausatmete. „Ich habe ihn getötet. Ihn und die Person die ihn angeheuert hat."

Er fühlte wie sie tiefer Luft holte, aber sie schloss nun ihre Augen. „Gut. Das ist gut."