„Ich sehe das ein wenig anders." Raymond lehnte sich zurück und hielt seine Waffe gezückt in Abduls Richtung. „Das FBI ist zwar auf dem weg hier her um dich zu schnappen, aber dazu wird es nie kommen. Wir beide wissen das."
„Bist du verrückt geworden Raymond?!" Abdul hielt sich seine blutende Nase, während Dembe hinter ihm stand und er dessen große Hand in seinem Nacken spürte.
„Oh verrückt zu sein hat seine Vor und Nachteile aber deswegen sind wir nicht hier. Habe ich dir überhaupt einmal erzählt, was ich mit denjenigen mache, die sich in meine Arbeit einmischen? Fast Eineinhalb Jahren kam mir zu Ohren das ein gewisser Händler des Todes im Menschenhandel einsteigen will. Einer meiner besten Routen von Syrien in die Türkei wurde mir durch Dumpingpreise einfach ruiniert. Ich achte mir, ja gut. So etwas passiert. Was soll's? Es gibt ja schließlich so viele andere lukrative Geschäfte. Aber dann kam mir zu hören, dass dieses Geschäft dafür gesorgt hat, das mehr als 60 % der Beteiligten Flüchtlinge, gestorben sind." Reddington lehnte sich etwas vor und griff sich einen Tee. Genüsslich trank er einen Schluck und musterte Abdul wieder. „Das Problem hierbei ist, Plötzlich hat es jeden Interessiert! Das sonst so gut im verborgenen laufende Geschäft, stand Dick und Fett in jeder Zeitung. Überall auf der Welt! Ich bekam ein paar Anrufe von Freunden, die aufgrund deiner Unfähigkeit ihre besten Routen verloren. Und damit ihr Geld." Reddington trank wieder einen schluck und seufzte zufrieden. „Und dann hörte ich von den deinen Stümperhaften versuchen dich in Europa und den USA einzukaufen. Hm! Da dachte ich mir. Komm schau dir diesen Frischling an und zeig ihm doch ein wenig von unserer Welt des Verbrechens. Jeder muss schließlich mal was lernen. Aber nein. Ich fand raus dass du seit Jahren in dieser Welt lebst. Du bist praktisch als einer geboren! Erinnerst du dich wie erschrocken wir gewesen waren Dembe?"
„Ja wir waren sehr erschrocken", meinte Dembe kühl und behielt Raymond im Auge.
„Und dann fand ich raus, dass du Kinderehen arrangierst. Kinderarbeit. Und das…" Raymond schüttelte seinen Kopf. „Ich meine hast du keinen Respekt vor dir selbst? So etwas ist absolut widerwärtig! Also, als ich zu dir kam um dir neue Routen anzubieten die du mit deinen Männer absicherst, hat es mich nicht wirklich überrascht als du mir deine Schwester zum kauf angeboten hast. Eigentlich hatte ich es genau darauf abgezielt. Eine unterdrückte Frau ist nicht zu unterschätzen. Vor allem eine, der man ein vollkommen neues Leben bietet."
„Sie hat mir alles über dich gesagt!", spuckte Abdul es ihm fast schon ins Gesicht.
„Ja ihre Arbeit als Spionin. Natürlich. Ich habe das schnell erkannt und ihr neue Optionen gezeigt."
„Sie ist nicht meine Schwester." Abdul lächelte böse und lehnte sich zurück. Zumindest versuchte er das, aber Dembes Hand im Nacken griff plötzlich fester zu. Und da auch sah er diesen Funken in Raymonds Augen. Er wusste es nicht. Also hatte sie Geheimnisse für sich behalten. Wenn das hier heute sein Untergang werden würde, würde es auch ihrer sein. „Das hat sie dir verheimlicht nicht wahr? Das sie ausgebildet wurde, für genau solche Umstände? Sie lieferte mir ständig wichtige Informationen. Zum Beispiel weiß ich von deiner Tochter und die Kleine Agnes." Raymond spannte sich sofort an und sagte nichts mehr. „Ich wollte einen Großteil deiner Geschäfte übernehmen und ich wusste dass ich dich nicht einfach töten konnte. Nicht ohne Kontaktpersonen und Namen. Ich bot Azari ein neues freies Leben, wenn sie dich ausspioniert und mir gibt was ich will. Als du dann aber meinen Schwager getötet hast und meine kleine Schwester entführt und fortgebracht hattest, wusste ich dass ich handeln muss. Nur dieses kleine Miststück konnte dir von ihr erzählt haben! Aber…" sagte Abdul um sich zu beruhigen. „Irgendwie musste sie dein Vertrauen gewinnen. Irgendwie also… Das war das ehrlichste und das was mich am direktesten treffen würde. Also plante ich meine Aktion gegen dich weiter. Und jeden Moment müsste auch dein Handy klingeln."
Raymond holte tief Luft. Es klingelte nichts. Zumindest noch nichts. „Am besten", fing Abdul wieder an. „Überschreibst du mir, dein ganzes Vermögen und sagst mir alle Namen, die mit dir arbeiten und dann vielleicht lasse ich die kleine Agnes Frei."
„Agnes." Raymonds Mundwinkel zuckte leicht nach rechts. Er, Elizabeth und Agnes haben sich nach der Sache mit Katharina erst so wirklich angenähert. Er hatte Abstand von Agnes gehalten, damit ihr nichts wiederfahren konnte. Und jetzt… Nein. Abdul bluffte. Er bräuchte hier Kontakte.
„Du glaubst mir wohl nicht? Nun ich gebe zu meine Kontakte zu den Amerikanern war sehr eingeschränkt, aber du hast mir ja alle Türen geöffnet. Azari war verdammt Fleißig während ihres Studiums."
Das war unmöglich. Azari hatte kein doppeltes Spiel gespielt. Raymond dachte an den Momenten zurück, als Azari ihm gesagt hatte, das Abdul ihre Schwester verkauft hätte. Oder daran das Abdul gewollt hat, das sie ihn ausspionierte. Raymond hatte ihr gesagt, das Azari ihren Bruder mit unwichtigen Daten füttern sollte. Agnes und Lizzy waren dabei alles andere als unwichtig. Hatte sie ihn wirklich derartig verraten? Lizzys und Agnes Leben waren ihm das wichtigste überhaupt. Als Dembes Telefon klingelte, zitterte Raymonds Hand beinahe. Dembe ging ran und blickte ihm in die Augen, ehe er Raymond das Telefon reichte.
Reddington hielt das Telefon an sein Ohr und blickte Dembe dabei in die Augen. Nachdenklich legte er auf ohne etwas zusagen und stand daraufhin auf. „Dembe wir gehen."
„Aber Raymond…" Dembe sah zu Abdul runter der nun am lachen war.
„Sobald die Zahlung eingegangen ist, bekommt ihr die Kleine wieder!" rief Abdul den beiden nach und selbst als Raymond die Halle verließ, hörte er ihn noch lachen.
„Raymond ich glaube ihm nicht", fing Dembe an.
„Damit brauchen wir uns nicht beschäftigen. Agnes Sicherheit ist jetzt alles was zählt." Und er zögerte auch nicht, als sie im Auto saßen und wählte Coopers Nummer. „Harold… Ich habe keine Zeit für große Erklärungen. Habt ihr die Kontaktperson gefunden? … Nein? Verstehe… Agnes wurde von Abduls Handlangern entführt. Ich muss wissen WER das war… Wo ist Azari? … Weck sie auf und bring sie in einen der verhör Räume.… Nein. Ich mache es selbst." Red legte auf und sah Dembe an, der den Wagen dann Richtung Post Office lenkte. „Raymond Azari würde dich nie verraten."
„Agnes ist weg!" sagte Raymond angestrengt, „Und das weil ich unvorsichtig war!"
„Gib dir nicht die Schuld…"
Harold blickte auf sein Telefon runter und stand langsam auf. Wusste Elizabeth was los war? Bestimmt nicht. Im Moment befand sich hier auch niemand außer Aram und Azari. Letztere schlief immer noch. Also erhob er sich und begab sich zu Resslers Büro, ehe er eintrat und zur Couch schaute. Azari schwitze. Er sah es an der nassen Spur auf ihrer Stirn die leicht im Schein der Lampe reflektierte. Langsam kam Harold näher und setzte sich zu ihr auf die Couch, ehe er seine Hand an ihre Wange legte. Sie hatte Fieber? Cooper dachte einen Momentlang nach und rüttelte dann leicht an Azaris Schulter. „Mrs. Reddington", sagte er leise und beobachtete wie sie ihre Augen öffnete. „Geht es Ihnen nicht gut? Brauchen sie einen Arzt?"
„Nein", sagte Azari und fuhr sich mit dem Handrücken über ihre Augen. „Mir ist nur so… Komisch."
„Sie haben Fieber. Raymond bat mich, sie zu wecken. Er kommt gleich um sie etwas zu fragen."
„Ray kommt?" fragte sie lächelnd und dämmerte schon wieder weg.
„Azari." Cooper seufzte und stand wieder auf. Sie brauchte schlaf und sie sollte zu einem Arzt. Kaum das er das Büro wieder verließ kam Aram auf ihn zu. „Was ist denn los? Gibt es Neuigkeiten?"
„Reddington ist gleich hier. Er will Azari befragen."
„Azari? Etwa wegen ihrem Bruder?"
„Ich vermute es. Nur liegt sie mit Fieber auf der Couch. Sie ist kaum bei Verstand zu kriegen."
„Was? Dann braucht sie einen Arzt!" Aram wollte handeln, aber Cooper hielt ihn auf. „Warte. Wir werden warten."
„Aber…" Aram schwieg als Cooper ihn so seltsam ansah. „Sollen wir, Ressler und Liz bescheid geben?"
„Nein. Noch nicht." Harold beschloss einfach abzuwarten. Was ging da vor sich? Er wollte wegen Agnes nicht viel Zeit verschwenden, aber Reddington würde das genauso wenig. Wenn sein Hauptziel jetzt Azari war, dann musste etwas daran hängen. Und tatsächlich. Als sich der Fahrstuhl in Gang setzte und die gelben Tore sich hochschoben trat Harold Raymond und Dembe etwas entgegen. „Welcher Raum?" fragte Raymond leicht außer Atem. Er beeilte sich. Cooper konnte sehen wie eilig er es hatte.
„Sie schläft noch."
„Was meinst du mit: sie schläft noch? Harold ich habe dir gesagt, dass du sie wecken sollst und in einen Verhörraum bringen musst! Wir haben keine Zeit!"
„Moment. Raymond. Azari ist Krank. Sie hat viel zu hohes Fieber um aufstehen zu können."
„Fieber vor Panik!" Raymond kannte da kein erbarmen. Nicht mit den Infos die er über sie bekommen hatte. „Raymond." Dembe sah zu seinem engsten Freund runter und musterte ihn genau. In diesem Zustand war Raymond unberechenbar. Wenn Stimmte was Abdul gesagt hatte, dann hatte Azari Raymond verraten und das obwohl er sich so sicher gewesen war, dass sie so etwas nie tun könnte. Wenn sie darauf trainiert wurde, wunderte es Dembe nicht, dass sie diesen Typen damals hatte umbringen können.
„Jetzt nicht Dembe." Reddington drehte sich um, damit er auf das Büro von Cooper zugehen konnte. Leise und alarmiert öffnete er die Türe, als befürchtete er, dass Azari ihm eine Waffe entgegen halten konnte. Aber als er hinein sah, erkannte er dass sie schlief. Deshalb machte er große Schritte auf sie zu und blickte von Oben auf sie herab. Ihr Gesicht war blass, ihre Haut glänzte leicht im dimmen Licht der Lampe. Sie hatte Fieber, aber das war ihm gerade egal. Zunächst setzte er sich und legte seine Hand auf ihre Schulter. „Azari, wach auf." Als sie nicht reagierte übte er mehr Druck auf ihre Schulter aus. „Azari!"
„Hm…" Azari erwachte leicht. Schemenhaft erkannte sie Raymond bei sich sitzen und irgendetwas sagte er. „Was?" fragte sie leise und versuchte ihre Hand zu heben, aber dazu fühlte sie sich nicht stark genug. „Ray mir geht's nicht gut."
„Das kann ich mir denken. Aber ich habe keine Zeit für noch mehr Spielchen. Steh jetzt auf!" Agnes. Diese kleinen süßen Rehraugen, die ihn anblickten, wenn sie etwas Süßes wollte… Wenn er diese Augen wegen Azari nicht mehr sehen würde… Er würde sie dafür töten. Er musste sich zurückhalten, das nicht gleich zu tun. Grob packte er sie am Oberarm und zog sie mit sich hoch auf die Beine. Sie schwankte und suchte Kraft sich zu halten, aber er gab ihr keine Zeit um sich zu erholen. „Ray… Was?"
Raymond hatte mühe sie auf den Beinen zu behalten. Deshalb stieß er sie wieder runter auf die Couch, ehe er sich einen Stuhl griff und diesen direkt vor Azari hinstellte. Als er saß zückte er seine Waffe und legte dieses auf sein Bein, während er es festhielt. „Du sagst mir jetzt, was du Abdul gesagt hast."
„Was?" Azari spürte ihr Herz schneller schlagen. Raymond war ihr gegenüber noch nie derartig Grob gewesen und dass er es jetzt war, verwirrte sie zu sehr. „Abdul ist er?"
„Nein. Ist er nicht und ich spiele hier nicht länger rum. Er hat mir ein paar Aufschlussreiche Dinge erzählt."
„Er lügt", sagte Azari sofort und rieb sich ihre Augen, ehe sie Raymond wieder ansah. Sie sah kein Erbarmen darin. Er war wie ein Monster der kurz davor stand sie aufzufressen. „Du wolltest das ich ihm Sage was er hören will."
„Also hast du ihm wichtige Informationen über mich Preisgegeben. Wie zum Beispiel meine Elizabeth und Agnes."
„N-Nein…" Azari schüttelte ihren Kopf. „Ich habe nur gesagt… Nur…" sie musste kurz innehalten. War das ein schlechter Traum?
„Was nur?"
„Ray, das was du mir gesagt hast. Über deinen Hintermann und ein paar Kontakte in Europa. Mehr nicht. Ich schwöre es."
„Abdul hat meine Enkelin entführt. Und wenn ihr etwas passiert, passiert auch dir etwas. Hast du mich verstanden?"
Azari holte tief Luft und nickte. „Ja… Ja… Ich habe verstanden aber…"
„Er ist nicht dein Bruder. Er ist nicht an dir interessiert. Aber an seiner richtigen Schwester. Diejenige die ich aus ihrer Hölle befreien sollte."
„Er ist…" Azari versuchte sich zu konzentrieren, aber ihre Augenlieder fielen immer wieder zu und sie drohte sich wieder ihrem Fieber hinzugeben. „Ray ich muss in ein Krankenhaus", sagte sie und schaute ihm wieder in die Augen. „Es ist… Wichtig."
„Wichtig ist jetzt nur eines. Das du eine Kugel bekommst, wenn du mir nicht sofort sagst wo Abdul untergetaucht ist."
Sie wusste nicht wo er war. Aber ihr wurde in all dem bewusst, das Raymond sie wirklich töten würde. Sie wusste wie sehr er seine Familie liebte und das, er sie beschützen würde, komme was wolle. „Ich…"
„Du wirst hier bleiben." Raymond stand auf als Dembe in das Büro kam und etwas sagte. Azari verstand nur die Hälfte von dem was gesprochen wurde. Als Raymond plötzlich ging und sie alleine zurückblieb, erhob sie sich mühsam und trat zu Resslers Schreibtisch. Wasser… Aber sie brauchte Tabletten. Sie durchforstete seine Schublade und als sie eine Packung Schmerzmittel sah, griff sich sofort danach und nahm sich einige, die sie mit Wasser runter schluckte. Anschließend griff sie sich ihr Handy und holte mehrmals tief Luft, ehe sie eine Nummer eintippte und sich wieder setzte. Was war schief gegangen? Was war mit Agnes? „Du kleines Stück! Du lebst also noch?" Abduls Stimme ließ ihr ein schaudern über den Rücken laufen. „Was hast du getan Abdul", fragte Azari. „Was hast du mit Agnes getan? Woher weist du von ihr? … Ich will dich treffen… Ja… Du wirst es nicht wagen! … Agnes sie ist ein Kind! … Ich… Wo bist du? … Ich komme… Du wirst das büßen." Azari legte auf und fuhr sich mit einer Hand wieder über das Gesicht. Als sie das Büro verließ, sah sie wie Cooper gerade hoch in sein Büro ging. Von den anderen war keine Spur zu sehen. Raymond würde sie töten. Sie musste beweisen, dass sie nichts mit alldem zu tun hatte. Zum Glück wirkten die Schmerzmittel langsam. Azari schritt ohne zögern auf den Fahrstuhl zu und aktivierte diesen.
Dembe schaute Raymond an, während sie in Coopers Büro saßen und durchgingen was Abdul gefordert hatte. „Sie sah sehr Krank aus", sagte Dembe nachdenklich. „Ich bezweifle das Brimley Antworten aus sie rausbekommt."
„Teddy schafft es immer. Ich habe ihn schon angerufen. Er wird in einer Stunde hier sein."
„Wir müssen Elizabeth Bescheid geben", sagte Cooper und schaute Raymond an. „Sie muss es erfahren."
„Der Meinung bin ich auch." Dembe sah Reddington an, ehe dieser sein Handy zückte und Elizabeth anrief.
„Elizabeth… Es ist Wichtig. Hör mir zu.… Nein… Nein… Ja… Elizabeth Agnes sie wurde entführt." Er herrschte langes Schweigen auf der anderen Seite und plötzlich als sie wieder etwas sagte, war es Raymond der große Augen machte. „Du hast nach ihr gesehen? Bei Scotty? Willst du… Vor zwei Stunden. Er sagte er habe Agnes entführt und würde sie umbringen wollen. Du bist dir sicher Lizzy? Gott sei Dank." Raymond schloss seine Augen und schüttelte seinen Kopf. „Nein. Fahr zurück zu Scotty. Bleib bei ihr und Agnes. Ja. Ich melde mich."
„Was ist los?" Harold wirkte entrüstet während Raymond sein Telefon zurück an Dembe gab. „Lizzy sagt das es Agnes gut ist. Sie ist bei Scotty und hat eben kurz vorbei geschaut."
„Was, aber wieso hat Abdul gesagt er hätte sie?" fragte Harold sofort nach.
„Um Raymond wütend zu machen", sagte Dembe und musterte Raymond. „Und beinahe hättest du einen schlimmen Fehler deswegen getan. Er ist wütend auf Azari und will sich nicht nur an dir Rächen Raymond. Sondern auch an sie."
Red holte tief Luft und sah Dembe an. „Stopp die ersten Transaktionen. Hol das Geld zurück." Er selbst stand langsam auf. „Und ruf dann einen Arzt hier her, für Azari. Ach und… Sag Teddy er kann zu Hause bleiben."
„Sicher." Dembe beobachtete wie Raymond das Büro verließ, weshalb er selbst das Telefon wieder in die Hand nahm.
Red hätte beinahe einen Fehler gemacht. Hatte er überprüft ob etwas an dem Wahr war, was Abdul gesagt hatte? Nein. Seine Logik hatte ihn im Stich gelassen. Vermutlich lag es am Schlafmangel. Er war nun schon seit über 35 Stunden Wach und der Jüngste war er nun mal nicht mehr. Und dazu sah er komplett Rot wenn es um Agnes oder Elizabeth ging. Sie waren seine Aufgaben und nichts anderes hatte ihn ablenken dürfen. Auf dem Weg hier her hatte er sich ständig Vorwürfe deswegen gemacht. Er hätte für die beiden da sein sollen und sich nicht auf seine Privaten Freuden bestehen dürfen. Und jetzt. Er hatte Azari so grob behandelt und ihr beinahe eine Kugel in den Kopf gejagt. Das alles weil er irrational gehandelt hatte. Er musste mehr auf Dembe hören. Vor Resslers Büro stoppte Raymond und öffnete dann die Türe wieder. Als er Azari nicht dort sah, trat er an die Couch und blickte sich um. Ob sie im Bad war? Als sein Blick auf die Dose mit den Pillen hängen blieb, besah er sich diese und presste seine Lippen zusammen. War sie etwa… Sofort drehte er sich um und eilte die Treppen rauf zu Coopers Büro. „Dembe wir müssen los. Sofort!"
Azari saß bereits in einem Taxi und blickte aus dem Fenster. Was für Lügen Abdul auch immer erzählt hatte… Sie würde ihn selbst stoppen. Warum und wie war er dem FBI entkommen? Wieso war er Raymond entkommen? Wie hatte er ihn mit Haltlosen Lügen überzeugen können? Azari fühlte das sie selbst nicht Herr all ihrer Sinne war. Etwas stimmte nicht mit ihr, aber sie wusste nicht was es war. Raymond glaubte ihr kein Wort… Wie sollte sie nur…
„Wir sind da Ma'am… "
„Danke." Azari gab den Mann sein Geld und stand dann auf. Es war vielleicht neun Uhr morgens. Im Park wo Abdul sie treffen wollte, war bereits einiges Los. Die Menschen waren auf dem Weg in die Arbeit und andere drehten hier ihre Runden. Sie sah Abdul. Er saß auf einer Bank und trug eine Cap. Mit schwachen Beinen lief sie auf ihn zu und setzte sich zu ihm. „Wieso hast du gelogen?" fragte Azari und beobachtete die Leute vor sich. Seine Nase war gebrochen. Sie konnte das ganz deutlich sehen. „Das FBI hat mich aufgelauert und meine Zielpersonen in Gewahrsam genommen", sagte Abdul. „Und mich hat Reddington geschnappt- Mein ganzer Plan ist ins Wasser gefallen und das alles nur weil du mich verraten hast."
Azari holte tief Luft und sah Abdul nun direkt an. „Raymond sagt, dass du seine Enkeltochter entführt hast. Woher wusstest du von ihr?" Azari verkrampfte sich fast, als sie spürte wie er ihr eine Waffe an die Seite hielt. „Ich habe das Foto in deinem Apartment gesehen. Genau genommen der Mann den du Umgebracht hast. Du hast ihn doch getötet oder? Er hat mir ein paar Fotos aus deiner Wohnung geschickt. Also habe ich Nachforschungen betrieben."
„Was IST mit ihr?" fragte Azari wütend und hielt den Atem an, als Abdul die Waffe entsicherte. „Was mit ihr ist?" fragte Abdul und griff mit der anderen Hand grob nach ihrem Arm. „Ich habe sie getötet!"
„Das hast du nicht!" Azari wurde wütend als sie das hörte.
„Nun es reicht doch das Raymond das denkt oder?" fragte Abdul und zog sie dichter an seine Seite. „Und wenn er dich nicht getötet hat, werde ich es eben tun. Steh auf und komm mit."
„Was hast du ihm gesagt?" fragte Azari leise aber ernst nach. „Was hast du ihm gesagt, damit er mich fast getötet hatte?" Abdul stand auf und zog Azari mit auf seine Beine, wobei er die Waffe weiterhin an ihren Rücken gepresst hielt. „Ich habe ihm gesagt dass du mir alles gesagt hast. Das ich über jeden Schritt Bescheid gewusst habe und du seine Familie an mich verraten hast."
Azari lief los, als Abdul sie vor drängte. Sie fragte sich warum Raymond ihm mehr glaubte als ihr. Ihr blieb nur eines Übrig um ihn davon zu überzeugen, dass sie unschuldig war. Sie musste Agnes finden und Abdul töten.
„Der Sender bewegt sich wieder", Tadashi über das Telefon zu Dembe und Raymond. „Fahrt die Straße weiter gerade aus. Ich versuche herauszufinden wohin Azari geht." Raymond hatte schon vor einer längeren Zeit, Peilsender an ihrem Schmuck angebracht. Azari wusste davon Bescheid. Es war einfach eine Notfall Vorkehrung mit der sie Einverstanden war. „Jetzt ist das Signal wieder stehen geblieben. Ihr seid fast 15 Minuten entfernt. Ich schicke euch die genauen Daten und rufe wieder an, wenn es Veränderungen gibt."
„Danke Tadashi." Raymond spürte sein Herz rasen.
„Sie ist bei ihrem Bruder", sagte Dembe möglichst ruhig. „Um ihre Unschuld zu beweisen. In ihrem Zustand überhaupt rauszugehen…"
„Habe ich ihr denn eine Wahl gelassen? Nein ich denke nicht." Raymond wusste dass er Schuld an ihre Kurzschluss Reaktion hatte.
„Cooper sagte, das es ihr bereits kurz nach dem wir gegangen sind nicht gut ging. Sie war die letzten male als ich sie gesehen habe bereits sehr blass und nachdenklich. Vielleicht ist sie Krank."
Dembes Satz beunruhigte Reddington. Er hatte Abdul in die Hände gespielt. Sie hatten ihn zwar hochgenommen und die Namen seiner Verbündeten hier lagen nun offen, aber trotzdem hatte er Kerl es geschafft ausgerechnet ihn übers Ohr zu hauen. Vertraute er Azari wirklich so wenig? Hatte sie ihr Vertrauen nicht bereits da unter Beweis gestellt, als sie aus Reflex die Kugel abgefangen hatte, die ihn hätte töten sollen? „Ich hätte auf dich hören müssen", sagte Red plötzlich und schaute Dembe an. „Du hast mir sagen wollen, das etwas an dem ganzen nicht Stimmte. Aber ich habe es einfach ignoriert."
„Du bist übermüdet Raymond." Dembe hielt vor einer Lagerhalle an und sah seinen Freund lange an. „Selbst du bist nicht Unfehlbar. Aber wir sind jetzt hier. Soweit wir wissen ist Abdul und Azari alleine." Sie müssten es zumindest sein. Also zogen beide ihre Waffen und stiegen aus. Die Lagerhalle hatte einen kleinen Eingang der bereits offen stand. Raymond sah Bluttropfen am Boden und schaute dann vorsichtig hinein, ehe er Dembe ein Zeichen gab und reinging. Es herrschte pure Stille in der Halle. Weit entfernt stand ein Stuhl auf welchem jemand regungslos gefesselt saß. Es brannte kein Licht, weshalb schwer zu erkennen war um wen es sich da handelte. Zügiger traten beide nähe und Reddington holte tief Luft, als er Abdul erkannte. Er sah aus, als wäre er gefoltert worden und das auf eine Grausame Weise. Red hätte das am liebsten selbst mit ihm getan. „Er ist Tod." Dembe besah sich den Hals von Abdul und erkannte einen anfangenden blauen Strich am Nacken. „Sein Genick ist gebrochen worden."
„Das war Azari."
„Er ist noch warm Raymond. Sie muss hier noch irgendwo sein."
„Gib mir mein Telefon." Raymond wählte Tadashis Nummer und wartete Geduldig ab. „Ich bin es Tadashi. Ist… Nein alles okay… Hat der Sender sich … nein? Gut… Danke." Raymond legte auf und sah sich sofort am Boden um. „Die Kette die Azari trug, muss hier sein. Das Signal bewegt sich nicht also…"
„Raymond…" Dembe hatte sich den Hals noch einmal genauer angesehen, als Red telefoniert hatte. Und er hatte Azaris Kette gefunden. Sie hing Abdul um den Hals. „Hier ist sie." Er riss die Kette ab und reichte sie Raymond. „Aber…" Wieso hatte sie…
„Sie hat ihn getötet", sagte Dembe nachdenklich. „Wieso ist sie dann geflohen? Sie musste wissen das wir kommen?"
„Weil sie nicht die Antworten bekommen hat, die sie gebraucht hätte um ihre Unschuld, mir gegenüber zu beweisen." Er muss sie im glauben gelassen haben, dass Agnes sich tatsächlich in seiner Gefangenschaft befand und irgendwann ist das hier wohl eskaliert.
Dembe musterte seinen Freund und schüttelte seinen Kopf. „Wir müssen sie finden. Es geht ihr nicht gut also kann sie nicht soweit sein."
„Ich sage Harold, dass er die Krankenhäuser abfragen soll." Raymond kümmerte sich sofort darum und trat mit Dembe wieder raus. Die Lagerhalle war nur etwas entfernt von einer belebten Straße. Der perfekte Ort um erst einmal kurz unter zu tauchen. „Komm."
Azari hatte Panik. Abdul hatte darauf bestanden das er Agnes hatte und wenn sie ihm etwas antun würde, man die Kleine nie finden täte… Und dann hatte er sie provoziert. Und sie… Sie war so benebelt von den Tabletten, dass sie sich zu schnell darauf eingelassen hatte. Die Angst ihre Unschuld nicht beweisen zu können, lastete schwer auf ihren Schultern. Sie wäre direkt zu Ray zurückgegangen und hätte jede Strafe ertragen aber… Es ging hierbei nicht mehr nur um sie. Es ging hier auch um ihr ungeborenes Kind. Raymond würde sie töten. Sie wusste das. Sie hatte… Sie trug Schuld an der Entführung in seinen Augen und sie war auch Schuld daran, dass man das Kind nun nicht mehr finden konnte. Sie hatte ihre Kette mit dem GPS Sender um Abduls Hals gelegt. Reddington würde ihn finden und vielleicht hatte er ja irgendwelche Beweise für den Ort an dem Agnes sein konnte. Die Straßen um sie herum waren so voll… Sie schwankte und musste einmal tief Luft holen. Die Tabletten ließen schon wieder nach und ihre Glieder fühlten sich so schwer an. Red würde sie überall finden. Nur erst einmal musste sie so weit weg wie möglich kommen und genug Geld hatte sie auch nicht bei sich. Es würde für ein paar Wochen reichen aber dann… Ein Taxi. Sie musste sich ein Taxi nehmen.
Als sie eine halbestunde später in einem Taxi saß und dieser sie aus der Stadt heraus fahren sollte, behielt sie ihre Augen geschlossen. Raymond hatte sie angesehen, als habe er sie töten wollen. Er hatte sich zusammenreißen müssen, es nicht gleich zu tun. Und das tat weh. Sie hatte Abdul nur mit Informationen gefüttert, die Raymond auch hatte durchsickern lassen wollen. Mehr nicht. Aber wie sollte sie das beweisen? Er hatte ihr vertraut und wegen Abdul, glaubte er nun, sie hätte ihn verraten. Ihr Bruder hatte dafür gebüßt aber… Wie sollte sie ihren Namen reinwaschen?
„Ma'am geht es ihnen gut?"
„Ja… Ja alles okay."
„Alles okay?" wiederholte der Taxifahrer. „Sie brauchen einen Arzt."
„Es ist nichts Schlimmes." Azari verschränkte ihre Arme vor der Brust und schloss ihre Augen wieder. „Fahren sie mich einfach raus aus diese Stadt."
„Wie Sie meinen…" Der Taxifahrer blickte immer wieder in den Rückspiegel. Als sie sich dann aber nicht mehr regte, fuhr er den Wagen an den Straßenrand und stieg aus. „Ma'am! Wachen sie auf! Ich rufe einen Notarzt okay?"
„Hm?" Azari öffnete fiebrig ihre Augen und schüttelte sofort ihren Kopf. „Nein! Nein sonst findet er mich…"
„Finden… Laufen Sie vor jemandem weg?" fragte der Fahrer verwirrt.
„Bitte…"
„Nein Ma'am Sie brauchen Hilfe und ich hole sie Ihnen, die Polizei wird schon auf Sie achten."
„Okay." Azari beobachtete wie der Mann sein Telefon zückte und sich umdrehte während er telefonierte. Sie holte etwas Geld heraus und ließ es im Taxi liegen, ehe sie einfach aus dem Taxi ausstieg und los lief. Der Fahrer bekam das erst nach wenigen Sekunden mit und rief ihr sofort hinterher. Als er dann aber das Geld fand, schwieg er plötzlich und ließ Azari ziehen.
Natürlich hatte das Aufmerksamkeit auf sich gelenkt, aber bereits ein paar Straßen weiter erkannte sie niemanden. Was sollte sie tun? Fiebrig lehnte sie sich an eine kalte Hauswand und schloss ihre Augen. Sie musste weg. So weit weg wie möglich aber ihr Körper ließ das nicht zu. Er würde sie finden und sie töten. So oder so. So oder… So… Tief Luftholend lief Azari weiter. Sie hatte Raymond die Chance genommen mit Abdul zu klären wo Agnes war. Sie hatte ihm das genommen was er so sehr liebte. Er würde ihr das nie vergeben. Sie kannte Abdul. Er hätte das ohne hin nicht verraten aber vielleicht hätte Raymond mehr Erfolg gehabt. Schweigend lief sie weiter und weiter, bis ein angenehmes Geräusch hörte. Wasser. Der Potomac River. Ja. Das wollte sie sehen. Einen Fluss zu beobachten konnte einem unheimlichen Frieden geben. Frieden den sie jetzt brauchte um nachzudenken. Als sie bei diesem ankam, sah sie den Abgrund herunter an und seufzte. Sie liebte Raymond. Sie hatte sich so schnell in ihn verliebt und sie hatte sich so sehr nach ihm gesehnt. Und jetzt… War jetzt einfach alles vorbei? Einfach so? Sollte sie noch einmal versuchen mit ihm zu sprechen? Ihr Leben würde so oder so Enden. Und ihr Herz sagte ihr, das es lieber von seiner Hand geschehen sollte. Sollte sie also wirklich vor ihm davon laufen?
„Warte was?" Ressler sah Elizabeth und Aram an. „Er hat sie bedroht und sie ist dann abgehauen?"
„Sieht ganz danach aus", sagte Aram. „Sie ist einfach rausspaziert! Und ist dann verschwunden. Reddington sucht sie zwar aber…"
„Und das alles nur, weil Reddington dachte, dass Agnes entführt wurde?" Elizabeth wurde wieder bewusst, wie sehr Red sie und Agnes liebte und beschützen wollte. Sie hatte gesehen wie sehr er um das wohl ergehen von Azari besorgt war, aber wenn um seine Familie ging kannte er kein Erbbarmen… Aber… War das Richtig so? Azari war allem Anschein nach Grundlos von Abdul beschuldigt worden und Red war direkt in die Falle gelaufen. „Sie wird glauben das Reddington sie töten wird. Sie schnell wird sie bestimmt nicht auftauchen", sagte Elizabeth zu ihrem Team.
„Wir könnten Park jetzt gebrauchen", murmelte Aram. „Sie hat sonst auch irgendwelche Ideen die nützlich sind."
„Sie hatte sich extra Freigenommen", sagte Donald. „Lassen wir sie in Ruhe und versuchen das selbst zu klären. Zumindest ist alles andere Gut ausgegangen."
„Außer das wir Abdul verloren haben", sagte Elizabeth. „Tod nützt er uns nichts."
„Aber wir haben seine Kontakte hier", warf Ressler ein. „Zumindest etwas."
„Und Reddington sucht sie?" fragte Aram leiser nach. „Ich kapier nur nicht wieso? Arbeitet sie für ihn?"
„Es ist etwas komplizierter", sagte Elizabeth sofort und merkte auf als Cooper dazu kam. „Eben hat ein Taxifahrer einen Krankenwagen für eine Frau gerufen, die auf Azaris Beschreibung passt. Allerdings ist sie abgehauen bevor der Krankenwagen ankam. Elizabeth? Ressler? Sehen sie am Besten nach was sich dort ergibt. Aram? Sie geben Reddington Bescheid."
„Ja ist gut." Aram lief zurück an seinen Platz während Elizabeth und Don losgingen. Als er Reddington nicht erreichen konnte, versuchte er es bei Dembe und zum Glück ging dieser auch zum Glück dran. „Hallo Dembe ich bin es Aram! Ich wollte euch Mitteilen, das Cooper… Ja… Okay, okay… Ich komme gleich zum Punkt. Ich schicke dir eine Adresse. Dort hat ein Taxifahrer einen Krankenwagen für eine junge Frau gerufen die auf Azaris Beschrei-… Hallo?" Aram seufzte als Dembe einfach aufgelegt hatte und schickte ihm stattdessen die Adresse.
Wo? Raymond hatte bei der angegebenen Adresse keine Spuren gefunden. Dembe fragte sich rum, ob jemand etwas mitbekommen hatte und letztlich waren sie zum River gelaufen. „Sie ist nicht gesprungen", sagte Dembe zuversichtlich. „Sie wäre Mutig genug dazu, aber sie würde es nicht machen Raymond."
„Und wenn sie glaubt, das ihr so oder so der Tod droht? Würde sie es nicht lieber selbst tun, anstelle es mich machen zu lassen?"
„Sie liebt dich." Dembe hielt an und stieg mit Raymond aus, während sie dich dem Fluss nährten. „Sie würde, wenn dann lieber bei dir sterben, als alleine. So oder so… Sie liebt dich."
Hätte er ihr wirklich etwas tun können? Raymond wusste, das er es nicht konnte, weil sie ihm zu viel bedeutete. Er liebte sie auch und er war deshalb, gerade deshalb so verletzt von diesem angeblichen Verrat gewesen. „Raymond… Das ist ihres." Ein Telefon. Am Rand des Flusses lag ihr Telefon. Als habe sie es zurückgelassen um… „Ich muss nach ihr suchen!" Raymond zog sich seine Mütze aus und war dabei seine Jacke auszuziehen, als Dembe ihn an der Schulter griff. „Nicht Raymond! Ein Sprung darein würde dich töten! Es ist viel zu Kalt und viel zu hoch!"
„Aber sie ist da drin!" Raymond wollte Dembe von sich weg stoßen, aber dieser schloss beide Arme fest um ihn. „Es ist nicht sicher ob sie da drin ist. Vielleicht hat sie ihr Handy zurückgelassen, damit wir das denken und sie nicht weiter suchen. Du darfst nicht hinterher springen!" langsam löste Dembe sich von seinem Freund und erblickte diesen Schmerz in seinen Augen. „ich habe sie dazu getrieben. Sie fühlte sich bei mir nicht mehr sicher. Ich habe ihr Angst gemacht."
„Wir finden sie Raymond."
„Du hast selbst gesagt, dass sie nicht gut aussah. Was wenn sie abgerutscht ist?"
„Dann soll Harold Cooper hier alles im Fluss absuchen lassen, aber ich bin mir sicher das sie lebt." Dembe wollte zuversichtlich sein. Selbstmord war eine Sünde und er wusste, das Azari an einen Gott glaubte. Aber das hier… Das hier sah wirklich so aus als habe sie abgeschlossen. Tod war Tod. Ob hier oder von Raymonds Händen. Nur das Red sie nicht töten wollte. Als Dembes Telefon klingelte drückte er Raymonds Schulter und sah auf die Nummer. „Es ist Cooper. Willst du…?" er hielt ihm das Telefon hin, aber Red stand vollkommen neben sich. „Raymond?"
„Ja… Ja gib her." Tief Luftholend nahm er ab und starrte über das Geländer zum dem Fluss runter. Was würde Cooper jetzt sagen? Das man sie bereits Tod aufgefunden hatte? Das etwas Schlimmes passiert war? Ein Stechen in seiner Brust ließ ihn fast Ohnmächtig werden. Harold sprach zu ihm und beinahe knickten seine Beine ein als er seine Worte hörte. Red musste sich festhalten und schloss lange seine Augen, ehe er nur okay sagte und wieder auflegte. „Dembe…"
„Alles ist okay Raymond." Dembe griff nach seinem Arm um ihn zu stützen. Dabei spürte er wie schwach Raymond auf den Beinen war und wie blass er geworden ist. „Raymond! Ist alles okay bei dir?"
„Sie ist im Post Office", sagte er plötzlich und schaute zu Dembe hoch. „Fahren wir dort hin."
Dembe nickte und half seinem Freund sich noch ins Auto zu setzten, ehe er selbst auch einstieg und direkt los fuhr. „Ich wusste dass es ihr gut geht", sagte Dembe. „Sie liebt dich zu sehr, als das sie dich alleine lassen könnte. Ob du sie angeblich töten willst oder nicht."
Raymond konnte nichts dazu sagen. Für einen Moment war ihm der Boden unter den Füßen weggerissen worden und nun war alles wieder okay? Er schluckte schwer und lockerte seine Krawatte, weil er das Gefühl bekam, schlecht Luft zu bekommen. „Wann sind wir dort?" fragte Red abwesend und schaute flüchtig zu Dembe. „In 30 Minuten Raymond. Alles okay bei dir?"
„Nein. Ja… Fahr einfach", bat er ihn.
