Hallöchen, ihrs! Hier bin ich auch schon wieder mit dem 4. Kapitel! Wahrscheinlich hab ich euch mit der langen Wartezeit ganz schön verschreckt :) Traut sich deshalb keiner mehr zu reviewen oder bin ich nur zu ungedudlig ^^ ? Jedenfalls hab ich einem Anfall mitternächtlicher Kreativität und Schlaflosigkeit letztes Wochenende der kompletten Story ein Outline verpasst. Ich weiß nun also über welche Zwischenpunkte die Story zu welchem Ziel führen soll. Auf Grund einschlägiger Erfahrungen geb ich mal lieber keine Versprechungen ab, aber ich will diese Story unbedingt zu Ende bekommen, letzten Endes auch um mir selbst mal wieder etwas zu beweisen. Ich würde mich wirklcih sehr freuen, wenn ihr mich über ein paar Reviews dabei unterstützt. Soderle, dann viel Spaß beim Lesen :)


Ich verfasse dein Leben in Worte

4. Kapitel - Von dehnbaren Begriffen

„Lily, bei Merlin, sag mir was los ist! Du machst mir echt Angst!", eindringlich musterte Chantal ihre Freundin und hoffte irgendein Zeichen von ihr zu erhalten, dass die Situation aufklären würde.

„Es ist aus!", flüsterte Lily völlig apathisch und starrte durch Chantal hindurch ins Leere. Irritiert verzog diese ihre dunklen Augenbrauen und seufzte vor Ungeduld. Sie hasste es, wenn Lily das tat. Wenn sie sich etwas zur schlechten Angewohnheit gemacht hatte, dann, dass sie vom einen Moment auf den anderen ohne ersichtlichen Grund aus allen Wolken fiel, in totale Apathie versank und ihre Freunde stets im Unklaren darüber ließ, was in ihrem hübschen, zuweilen aber verbohrten und undurchschaubaren Köpfchen vor sich ging.

„Es ist aus!", sagte sie erneut, jedoch lauter als zuvor.

„Herr Gott nochmal, Lily! Mit was ist es aus? Rede doch endlich mal in vollen Sätzen mit mir!", erwiderte Chantal mit erhobener Stimme. Lily zuckte zusammen, anscheinend waren die Worte zu ihr durchgedrungen.

Leicht orientierungslos schaute Lily ihre Freundin an. Sie schien den einen Moment lang nachzudenken, bevor sie im nächsten völlig unvermittelt in Tränen ausbrach.

„Ich kann meinen Traum vergessen, Chantal! Ich hab totalen Mist gebaut!", gestand sie, während dicke Tränen an ihrer Wange herunter kullerten. Chantal wurde daraus nicht wirklich schlauer, aber es war ein Fortschritt. Besorgt scheuchte sie Mercutio auf, um sich neben Lily setzen zu können und sie behutsam in die Arme zu nehmen.

„Sssscht, Süße! Ganz ruhig. Erzähl mir doch erst Mal was genau passiert ist!", sagte Chantal leise und strich Lily einfühlsam über die roten Haare, während Mercutio sie mit einem Blick strafte, den nur Katzen beherrschten, erhaben und stolz wie sie waren.

„Die Aufgabe...sie...ich...ich muss eine Reportage....eine Reportage schreiben", erklärte Lily schluchzend und kramte in ihrer Handtasche aufgebracht nach einem Taschentuch.

Wieder verzog Chantal eine ihrer fein säuberlich gezupften Augenbrauen: „Ähm ja...aber wo genau liegt denn darin das Problem? Es tut mir Leid, dir das sagen zu müssen, Lily, aber Journalisten tun so etwas für gewöhnlich.", bemerkte Chantal und konnte sich den etwas spöttischen Unterton nicht verkneifen.

Empört und mit einem verständnislosen Knurren stieß Lily ihre Freundin von sich weg und blickte trotzig aus dem Fenster. „Das weiß ich selber, sei nicht albern. Ich hab hier echt ein Problem!"

„Dann rück' gefälligst mit der Sprache heraus und lass mich hier nicht weiter im Dunkeln herum tappen!" Langsam aber sicher wurde Chantal etwas ungehalten. Lily schaute ihr verunsichert in die Augen, bevor sie seufzte und traurig lächelte.

„Wir mussten alle ein Los ziehen mit dem Thema für unsere Reportage und ich....", sie machte eine Pause und holte tief Luft, um fortzufahren, „...naja, ich hab Potter gezogen." Um Chantal die Dramatik noch mal zu verdeutlichen, für den Fall, dass die Tränen nicht eindeutig genug gewesen waren, seufzte sie theatralisch und ließ die Schultern fallen.

„Wie 'du hast Potter gezogen'?", fragte Chantal ungläubig. „Musst du einen Bericht über all die Streiche und Flüche schreiben, die er seinen Mitschülern aufhalst? Oder ... oder musst du etwa über den Tod seiner Familie schreiben?"

„Weder noch", erwiderte Lily und tupfte mit dem Taschentuch ein wenig die von Tränen verschmierte Schminke unter ihrem Auge weg. „Er ist doch seit letztem Mai in der Auswahl für die Quidditch-Nationalmannschaft und im Juni war sein erstes Spiel."

„Stimmt, das war noch bevor....", Chantal hielt kurz inne. Sie sprach es so ungern aus, das machte es so real, so schmerzvoll, „...bevor diese schreckliche Sache passiert ist. James war sogar ziemlich gut gewesen, nicht wahr?", fragte sie und legte eine übertriebene Heiterkeit zu Tage, die Lily sofort auffiel.

Doch sie nickte und gestand Chantal zu, ihre Trauer, ihre Angst zu überspielen, indem sie beim eigentlichen Thema blieb: „Ich hab das Spiel selber nicht gesehen, aber von dem was der Redakteur gesagt hat, hat er einige entscheidende Tore getroffen und naja, von wegen Potter, einer der jüngsten Nationalspieler aller Zeiten, bla bla....ist die Sache für die Leute vom Tagespropheten wohl zusätzlich interessant - so kurz vor der Europameisterschaft."

Etwas entspannter, lehnte sich Chantal zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Sollte es wirklich so einfach sein? Sollte sich an dieser Stelle wirklich das ganze Problem offenbaren? Machte Lily wirklich nur wegen dieser Sache so einen filmreifen Aufstand? Einen Versuch war es wert.

„Lily-Schätzchen, ich weiß, dass du und James – dass ihr in der Vergangenheit hin und wieder, sagen wir mal, Differenzen hattet." Unbeirrt von dem spöttischen Auflachen, welches Lily ihr entgegen warf, fuhr Chantal mit ihrem Gedanken fort: „Es ist nicht die ideale Ausgangsbasis und bestimmt auch nicht sehr angenehm, mit ihm zusammen zu arbeiten, aber später wird dich auch keiner fragen, ob dir der Auftrag passt oder nicht."

„Das ist mir klar, Chantal. Darin liegt auch nicht das eigentliche Problem!", erwiderte Lily daraufhin und brachte Chantal zum Verzweifeln. Genervt schlug sich diese eine Hand vor die Stirn und schüttelte ungläubig den Kopf, obwohl sie es intuitiv hatte kommen sehen: „Ob du jetzt langsam mal zum Punkt kommst, Lily?"

Lily hätte gerne gelacht, denn die Situation war einfach nur bescheuert, aber sie hatte sich so schrecklich daneben benommen. Auch ohne diese Tatsache fiel es ihr schwer, Fehler vor anderen einzugestehen. Sie konnte sich Fehler nicht einmal vor sich selbst eingestehen, wie sollte sie ihrer besten Freundin, dann erklären, dass sie vor James Potter gerade ausgerastet ist und ihm Dinge an den Kopf geworfen hat, die man einem trauernden Sohn einfach nicht an den Kopf werfen durfte?

Wieder seufzte sie und schloss die Augen. Wenn schon, dann wollte sie ihre Freundin dabei wenigstens nicht anschauen müssen: „Ich hab ihn vorhin nach der Einweisung der Vertrauensschüler ziemlich angefahren, hab ihn bezichtigt eine Show abzuziehen und dass er von mir kein Mitleid bekommen würde, nur weil...naja, nur weil seine Eltern gestorben sind."

Lily brauchte Chantal nicht anzusehen, sie wusste, dass ihre Freundin sie entsetzt anstarrte. Ihre eigenen Hände verkrampften sich in ihrem dunkelgrauen Faltenrock, als sie wie ein kleines Kind, dass auf den Tobsuchtsanfall seiner Eltern wartete, wenn es etwas Böses angestellt hatte, auf die Predigt ihrer besten Freundin wartete.

„Wie konntest du das tun, Lily? Seine Eltern sind nicht einfach gestorben, sie sind grausam ermordet worden. Meinst du nicht, dass auch ein James Potter in diesem Fall etwas mehr Taktgefühl verdient hat?"

Schuldbewusst zuckte Lily zusammen und machte sich auf dem großen Sitz so klein es ging: „Mir ist einfach mein Temperament mit mir durchgegangen...", entgegnete sie vorsichtig, wohlwissend, dass dies keine Entschuldigung war. Sie sah, wie Chantal gerade zum nächsten Teil der Predigt ansetzen wollte, als sich plötzlich die Tür zu dem Abteil der beiden Mädchen öffnete.

Lily stöhnte, als sie die recht kleine, sehr weiblich gebaute Schülerin mit den perfektesten blonden Korkenzieher-Löckchen, die England je gesehen hat, im Türrahmen erblickte. Ihre Lippen waren vollmundig, so wie es sich jeder pubertierende Schüler von Hogwarts wünschte, der ein Y-Chromosom besaß. Doch auch wenn man, wie Lily, nur im Besitz von X-Chromosomen war, konnte man den Neid auf diese vollen roten Lippen nur schwer verbergen. Zum Inbegriff der Weiblichkeit wurde sie allerdings durch ihre wahnsinnig großen Kulleraugen, die Lily ohne Umschweife fixierten, sobald sie in deren Blickfeld geraten war.

Der Rotschopf erschauderte als Rita Kimmkorns eisblauer Blick sie traf. Im Gegensatz zu den meisten ihrer männlichen Mitschüler, konnte Lily nicht im Geringsten nachvollziehen, wie man solch kühle Augen verführerisch finden konnte. Mit jedem ihrer Blicke fühlte sich Lily bedrängter und eingeschüchterter.

Rita Kimmkorn strahlte eine Selbstzufriedenheit und Selbstsicherheit aus, die Lily nicht nur Angst machte, sondern in ihren Augen selbst die Arroganz und herablassende Einstellung, welche Potter für gewöhnlich an den Tag legte, bei weitem übertraf.

Lily schnaubte und beschloss Rita keines Blickes zu würdigen. „Na na, wieso denn gleich so unfreundlich?", fragte Rita, mit einer Selbstgefälligkeit in der Stimme, die Lily abermals die Zornesfalten auf die Stirn trieb. Mit einem aufgesetzten Grinsen, dass von einem Ohr zum anderen reichte und ihre strahlend weiß gebleichten Zähne offenbarte, ging sie auf Lily zu ohne von Chantal Notiz zu nehmen, die noch immer dicht neben ihr saß und Rita ebenso entgeistert anstarrte, wie es Lily mittlerweile tat.

Ignorant quetschte sich Rita zwischen Lily und Chantal, um Letzterer auf ihre eigene, unmissverständliche Art und Weise zu bedeuten, sich doch bitte einen anderen Platz zu suchen.

„Hast du denn bei dem Seminar nicht gelernt, dass man seine Opfer zunächst einmal von seinem Charme überzeugen sollte? Die Bissigkeit kannst du dir aufsparen für diejenigen, die sich als unkooperativ erweisen", sagte sie und mimte das naive Dummchen, indem sie ihre mit schwarzen Kajal nachgezogenen Augenbrauen ungläubig in die Höhe riss.

Noch bevor sich diese herablassende Geste in ihrer ganzen Schlagkraft vor Lily ausbreiten konnte, noch bevor Lily Ritas Wortwahl, v.a. bezüglich des Wortes Opfer, irgendeine Bedeutung schenken konnte, formten deren rote Lippen schon wieder das aufgesetzte Grinsen, das sie so gut beherrschten. „Allerdings hat bei mir bis jetzt JEDER kooperiert!", fügte Rita ihrer letzten Aussage hinzu und klimperte unschuldig mit ihren langen Wimpern.

„Was willst du, Rita?", meldete sich Chantal nun zu Wort, sichtlich darum bemüht, sich von der selbstüberzeugten Blondine nicht aus der Reserve locken zu lassen.

Überrascht wendete sich Rita von Lily ab: „Huch, ich hab gar nicht bemerkt, dass du auch da bist, liebste Chantal!" „Du merkst doch nie etwas!", erwiderte Chantal bissig und starrte Rita intensiv in die blauen Augen.

Diese hielt einen Moment inne, musterte Chantal mehrmals von oben bis unten, reckte ihr Kinn in die Höhe und wandte sich dann mit einem schnippischen Seufzen von ihr ab. Anscheinend hatte sie Chantal für nicht würdig genug befunden, um ihre Beleidigung zu kommentieren. Doch in Wirklichkeit fiel Rita zu dieser, in ihren Augen, bodenlosen Frechheit einfach nichts mehr ein.

„Eigentlich plädiere ich ja immer wieder für selbstständiges Arbeiten in einem Wettbewerb. Fair und anständig sollte es zugehen. Dazu gehört auch, dass man den Konkurrenten keinesfalls beschattet oder gar ausspioniert. Aber in dringenden Fällen, sollte man eine Ausnahme machen und seinem Konkurrenten helfen, wenn er es nötig hat." Rita klang höchst pathetisch, als sie das äußerte und sich zur Unterstützung eine Hand theatralisch an ihr viel zu klein geratenes Herz drückte.

Skeptisch hob Lily eine Augenbraue. Nur zu gern hätte sie sich diese Szene erspart, doch jetzt wollte sie wissen, wo das Gespräch eigentlich hinführen sollte – wissen, was Rita schon wieder im Schilde führte.

„Wovon redest du?", fragte sie schließlich und rutschte weiter Richtung Fenster, um genügend Sicherheitsabstand zwischen sich und Rita zu bringen, die unaufhörlich näher rückte.

Mit Unbehagen sah Lily dabei zu, wie sich Rita zu ihr hinüber beugte, stets das süffisante Lächeln auf den Lippen, und ihr Gesicht viel zu nah an ihr linkes Ohr hielt. „Ich hab meine Quellen, Liebes. Du scheinst dich nicht gerade geschickt anzustellen, bei der Erfüllung deiner Aufgabe!", hauchte Rita ihrer Mitschülerin fast schon lasziv ins Ohr.

Chantal konnte sehen, dass Lily mit einem Mal völlig steif wurde und entsetzt ins Leere starrte. Ritas selbstzufriedenes Lächeln ließ erahnen, was hier vor sich ging.

„Wenn du möchtest, lass ich gern meinen Charme bei Mr. James 'sexy' Potter für dich spielen!", bot Rita, auch für Chantal hörbar, an. Bei dem Namen James schien Lily plötzlich aus ihrem Schockzustand zu erwachen und blickte Rita voller Verachtung an. Auch wenn das wie ein Angebot, wie ein zu verabscheuendes Angebot, klang, Lily kannte Rita Kimmkorn lange genug, um zu wissen, dass sie wieder eines ihrer Spielchen spielte, die Lily zutiefst verachtete.

Wenn es nicht darum ging, Lily vorzuführen, zu demütigen oder sich einfach nur an ihr zu belustigen, dann ging es um irgendein Plan, der Rita in irgendeiner Hinsicht, in welcher auch immer, einen Vorteil verschaffen würde.

„Auf dein Niveau werde ich mich bestimmt nicht herab begeben und soweit ich weiß, sollten deine Prioritäten weit abseits von James liegen", knurrte Lily sie zwischen vor Wut zusammen gebissenen Zähnen an.

Ein kokettes Lächeln huschte über Ritas Lippen und ließ ihre Augen für den Bruchteil einer Sekunde ebenfalls strahlen. So viel Selbstgefälligkeit verunsicherte auch Lily, die sich noch weiter in der Ecke des Abteils verkroch: „So so, sind wir wieder bei James angelangt, Ms. Evans? Gerade eben, als du ihn ohne ein Hauch von Mitgefühl herunter gemacht hast, hattest du nicht so viel Anstand für ihn übrig."

„Woher...?", die Frage blieb Lily im Halse stecken. Keine geringere als Rita Kimmkorn stand vor ihr, die Frage erübrigte sich.

Ihr Vater, Richard Kimmkorn, hatte bereits vor Jahrzehnten begonnen den mittlerweile größten Verlagskonzern für magische Printmedien Großbritanniens aufzubauen. Fast zwei Drittel aller Tageszeitungen gehörten seinem Verlag an. Dies war nicht nur der Grund dafür, dass Rita bisher jedes Praktikum im journalistischen Bereich für das sie Interesse zeigte, zugesprochen bekam ohne auch nur mit der Wimper zu zucken; sondern es war auch der Grund dafür, dass sie genügend Geld hatte, um jeden Möchtegernreporter auf dem Internat fürs Bespitzeln diverser Leute bezahlen zu können, die in Ritas (journalistischem) Leben gerade interessant waren.

Selbstverständlich hatte sich auch Rita Kimmkorn für die Stelle beim Tagespropheten beworben und völlig selbstverständlich war sie nur noch eine Aufgabe von der erhofften Festanstellung entfernt ohne die ersten Runden des Bewerbungsverfahrens je bestritten zu haben. Jedoch musste wahrscheinlich auch ein so mächtiger Mann, wie Ritas Vater einer war, an bestimmten Punkten im Leben zumindestens den Anschein von Legalität wahren, um seinen guten Ruf zu schützen und konnte seinem Töchterchen den Job nicht einfach erkaufen.

Rita ihrerseits, hätte sich auch die letzte Hürde gern erspart. Stattdessen musste sie sich nun wohl oder übel der ersten Herausforderung ihres Lebens stellen und versuchte dabei die Risiken auf ein Minimum zu reduzieren, indem sie ihre schärfste Konkurrentin Lily Evans beschatten ließ.

Lily seufzte, als diese Erkenntnis langsam durch ihre Gedankenströme hindurch sickerte und ein mulmiges Gefühl in der Magengrube hinterließ. Sie wusste sehr wohl, dass Rita sich auch auf andere Mittel und Wege verstand. Der Begriff 'beschatten' war im Rahmen ihres Wortschatzes äußerst dehnbar und in seiner Interpretation durchaus variabel.