Kapitel 9 - Dagoberts gefährlichste Schätze

Unsere Chance, den Dolch ein zu setzten, kam schneller als gedacht. Nikki lud uns für das darauf folgende Wochenende wieder zu sich zum Übernachten ein. Pünktlich erschienen wir in der Duckvilla und wurden auch gleich von Johann herein gelassen. Ganz ehrlich, wenn man bedenkt, was wir alles erlebt haben und kennen, war es glaube ich nicht verwunderlich, dass uns ein Geisterbutler in der Villa Duck nicht weiter schockierte, oder?
Der ganze Abend verlief relativ ereignislos. Erst als wir bemerkten, dass Herr Duck sich zur Nacht verabschiedete, wussten wir, dass nun der Moment gekommen war. Wir warteten noch eine halbe Stunde, um sicher zu gehen, dass er auch wirklich schlief, und schlichen uns dann in sein Zimmer. Nikki sagten wir, dass jeder von uns einmal auf Toilette müsste.
Während ich an der Tür stehen blieb um Wache zu halten, schlich sich Lena bis zum Bett, kletterte hinauf und begann mit dem Dolch die Schnur zu bearbeiten.
Plötzlich erschien Gundel wieder und begann laut zu lachen. ,,Hörst du wohl auf? Das nervt echt total'', herrschte Lena sie an. Zum Glück hatte Herr Duck wohl einen tiefen Schlaf, sonst wäre er schon längst durch das Lachen aufgewacht. ,,Du nervst echt total! Da gebe ich dir eine einfache Aufgabe...'' Sofort wurde die alte Hexe von Lena unterbrochen. ,,Einfach? Was ist daran bitte einfach?'' Da stimmte ich ihr voll und ganz zu. Ich warf noch mal ein Blick hinaus auf den Flur um sicher zu gehen, dass die Luft rein war und ging dann zu Lena ans Bett. Gundel verfiel währenddessen in Erklärungen, die sie mit kleinen Schattenspielen untermalte. ,,Du musstest dich nur als Freundin der Schleifentante ausgeben, ihr Vertrauen erlangen, zu ein paar Übernachtungen eingeladen werden, einen Vesuv-Diamant-Dolch fälschen, der alles durchschneiden kann, dich in Dagobert Ducks Zimmer schleichen, während er schläft, um meine bittere Rache zu vollziehen, und...'' ,,Dagobert Ducks Glückskreuzer los schneiden, ohne das er aufwacht, während du mich die ganze Zeit an schreist'', unterbrach Lena ihren Wortschwall erneut. In diesem Moment drehte sich Herr Duck unruhig im Schlaf. Wenn Gundel nicht bald leise war, würde er auf wachen.
,,Ich schreie nicht, ich flüstere streng'', kam es von Gundel. Was war denn dann bei ihr Schreien? So laut das die Wände wackeln? ,,Du willst deine Freiheit? Dann tu, was ich dir befohlen habe'', setzte die alte Hexe noch einen drauf. ,,Ich bin nicht deine Marionette. Wenn du Dagobert Duck echt weh tun willst, dann tu's doch'', schoss Lena zurück und zeigte dabei auf Herrn Duck. ,,Würde ich liebend gern aber.…'', versuchte Gundel erfolglos nach Herrn Duck zu greifen. Leider glitten ihre Hände einfach über ihn hinweg. ,,Ich vermisse es eingreifen zu können'', meinte sie etwas niedergeschlagen. Als von draußen ein Heulen ertönte, schien ihr das neue Kraft zu verleihen. ,,Schnell, die Mondfinsternis kommt, meine wachsende Macht ist ohne den Glückskreuzer nutzlos.'' Dabei zeigte sie aus dem Fenster zum Mond. ,,Würdest du bitte leise sein? Wir wollen doch nicht erwischt werden'', herrschte ich sie so leise wie möglich an. Aber kaum das ich das sagte, hörten wir hinter uns die Tür knarren.
,,Lena? Marcel? Was tut ihr da?'', kam es von Nikki, die in der geöffneten Tür stand. Mist. Was jetzt? Zum Glück hatte Gundel schnell reagiert und war in Lenas Schatten verschwunden. Aber wir mussten uns jetzt ganz schnell was einfallen lassen. Aus dem Augenwinkel sah ich wie Lena den Dolch schnell unter ihrem Pullover versteckte. Als Lena zu mir auf den Boden kletterte, fing Herr Duck an im Schlaf zu murmeln. Schnell rannte Lena los und zog dabei Nikki mit sich aus dem Zimmer. Ich folgte den Mädchen auf dem Fuße.
Kaum das wir in Nikkis Zimmer angekommen und die Leiter zu ihrem Schlafplatz hinauf geklettert waren, schnappte sie sich ihre Nachttischlampe und leuchtete uns in die Augen. ,,Was habt ihr in Onkel Dagoberts Zimmer gemacht?'', stellte sie uns direkt die unangenehmste Frage. ,,Was hast du da gemacht?'', wich ich der Frage mit einer Gegenfrage aus und lenkte den Strahl der Lampe auf sie. ,,Äh, gar nichts. Auf jeden Fall keine Speichelprobe genommen während er schläft'', versuchte sie sich heraus zu reden. Der Versuch scheiterte aber, da ihr ein kleines Fläschchen aus der Rocktasche fiel. Sofort nutzte Lena diese Chance. ,,Nein, du würdest das blöd finden.'' ,,Was?'', hatte sie auch gleich Nikkis Interesse geweckt. ,,Na ja, es ist so. Herr Duck ist schon ziemlich cool. Vielleicht haben wir uns das Besessenheitsvirus von dir eingefangen.'' Einfach Genial. So wie ich Nikki kannte, würde sie das sofort schlucken. ,,Oh nein. Entschuldigt, dass ihr die beste Krankheit aller Zeiten bekommen habt'', stieg sie auch sofort drauf ein. ,,Gründen wir einen Fanclub. Oh, der Fanclub sollte mit einem Blutschwur beginnen. Legen wir einen Blutschwur ab'', wurde Nikki immer aufgedrehter. Vielleicht war das doch keine gute Idee gewesen.
Nikki kletterte de Leiter nach unten in ihr eigentliches Zimmer. ,,Oder wir könnten damit anfangen, uns Herrn Ducks Glückskreuzer an zu sehen'', versuchte Lena sie etwas zu bremsen und sie gleichzeitig in die richtige Richtung zu lenken. Nikki, die gerade unten angekommen war, antwortete schnell. ,,Oh das wäre schön. Er hat ihn immer bei sich, das egoistische, liebenswürdige Genie. Aber ich habe eine ausführlich recherchierte Präsentation über das Leben von Dagobert Duck.'' ,,Oh nein'', entfloh es uns gleichzeitig. Da Nikki aber so in ihrem Wahn vertieft war, bemerkte sie davon nichts und begann uns alles zu erzählen, was sie über Dagobert Duck wusste. Angefangen bei seiner Geburt. Zu dritt seufzten wir verzweifelt auf, und Gundel konnte man die Qual genauso ansehen wie uns. Wir nahmen uns beide einen Stuhl und es dauerte nicht lange, da waren wir eingeschlafen. Lenas Kopf auf meiner Schulter und mein Kopf auf ihrem.
Als wir wieder aufgewacht waren, hatte Nikki unseren Schlaf gar nicht bemerkt und erzählte munter weiter. Sie beendete ihren Vortrag und meinte, dass es jetzt Zeit für die Diashow wäre und lief weg, um diese zu holen. Synchron stöhnten wir beide auf. ,,Tja ihr habt es vergeigt'', maulte Gundel uns an, kaum das Nikki weg war. ,,Wir haben uns kein Stück bewegt'', meinte Lena darauf hin. ,,Genau das ist das Problem. Ihr seid zu langsam und jetzt ist uns unser Erzfeind auf der Spur. Dagobert Duck ist weg und hat den Glückskreuzer in einem sogenannten 'anderen Speicher' versteckt. Das ist alles nur eure Schuld.'' ,,Ok du bist wütend. Immerhin hat er den Glückskreuzer nicht bei sich'', versuchte Lena sie zu beruhigen. ,,Wir müssen nur dieses komische 'andere Speicher'-Dings finden. Gern geschehen'', Schloss ich mich ihr an.
,,Statt euch an unseren Plan zu halten, musstet ihr ja eure Zeit mit dem Vortragsmädchen verschwenden'', meinte Gundel mit bedrohlicher Stimme und ihr Schatten wurde ein Stück größer. ,,Sie zu benutzen war Teil des Plans'', versuchte Lena sich zu rechtfertigen. Großer Fehler. ,,Dann benutzt sie endlich!'', schrie sie uns an und ihr Schatten hüllte das halbe Zimmer ein.
Zu unserem Glück kam in diesem Moment Nikki zurück ins Zimmer, wodurch sich Gundel schnell in Lenas Schatten zurück zog. Sie erzählte uns von den Dias, wurde aber schnell von Lena unterbrochen. ,,Cool. Äh, ganz kurz, was ist der 'andere Speicher'?'' Nikkis schreckgeweitetes Gesicht sprach Bände. ,,Gut du kennst ihn. Gehen wir'', meinte ich und wollte Nikki hinter mir her ziehen. Leider lies sie das nicht zu. Verwirrt sahen wir zu ihr. ,,Oh nein nein nein nein. In den Geldspeicher kommt das Geld. Der 'andere Speicher' ist für all die anderen Dinge. Die bösen Dinge'', meinte Nikki etwas ängstlich. Sie klatschte kurz in die Hände, wodurch das Licht aus und der Projektor an sprangen. Gleich darauf zog sie von der Decke eine Leinwand herunter, worauf eine Zeichnung zu sehen war. Auf der Leinwand waren ein kleiner Ausschnitt der Stadt und die Villa Duck zu sehen. Unter der Villa war ein riesiger Raum zu sehen, welcher wohl den 'anderen Speicher' darstellen sollte. ,,Dort bringt Onkel Dagobert die gefährlichsten Fundstücke und Relikte hin, um sie vor neugierigen Händen zu schützen. Wieso wollt ihr denn da hin?'', erklärte sie weiter und klatschte das Licht wieder an. ,,Weil wir Herrn Duck gerade haben sagen hören, er hätte seinen Glückskreuzer dort hin gebracht'', erklärte Lena. Das schien Nikki zu überraschen. ,,Er nimmt seinen Glückskreuzer fast nie ab'', meinte Nikki mit einem Hauch Begeisterung in der Stimme. ,,Dann sollten wir ihn uns ansehen, bevor er ihn sich zurück holt'', kam es gleich von Lena, während sie schon zur Tür ging. ,,Ich weiß nicht'', versuchte Nikki uns aufzuhalten. ,,Soll das heißen, es gibt einen Raum in deinem Zuhause, in dem du nie warst und der die größten Geheimnisse von Herrn Duck enthält. Und du willst da nicht hin?'', versuchte ich ihr die Aktion schmackhaft zu machen. Erst schien sie noch zu zögern, aber nachdem wir sie beide mehr als nur eindringlich angesehen hatten, brach ihr Widerstand. ,,Ah, ok, na schön. Auf ins Abenteuer.'' Sie packte unsere Hände und zog uns hinter sich her.
Nikki führte uns in einen Flügel der Villa, wo sie den Eingang zum 'anderen Speicher' vermutete. Kaum das wir dort waren, sahen wir Herrn Duck, wie er aus einem Raum trat mit einer Armbrust in der Hand. Er tauschte seinen Zylinder gegen eine alte Jägermütze und ging murmelnd davon. Der Raum schien uns der beste Ort zu sein, mit der Suche zu beginnen. Kurz vor der Tür zögerte Nikki nochmal, wurde aber einfach von Lena hinein gezogen.
Das innere dieses Raumes sah eher nach einem Lagerraum aus und nicht nach dem Zugang zum gefährlichsten Teil der Villa. Zum Glück hatte Nikki wie immer ihr kleines Büchlein dabei, in dem sie alles aufschrieb, was sie über die Familie Duck und andere mystische Kreaturen und Objekte wusste. ,,Laut Johanns altem Putzplan muss der Eingang zum mysteriösen anderen Speicher irgendwo hier sein.''
Plötzlich wurden wir durch ein Rumpeln aufgeschreckt, welches aus einer Kiste kam, die auf einer größeren Kiste stand. Das rumpeln wurde stärker und die Kiste begann zu rütteln und viel schlussendlich herunter. Sie sprang auf und es ergossen sich mehrere verfaulte Körperteile auf den Boden, wovon eine Hand begann auf uns zuzukrabbeln. Lena und ich wichen sofort ein paar Schritte zurück während Nikki versuchte uns zu beruhigen. ,,Keine Sorge, das sind nur verschiedene Zombieteile.'' Wir stießen gegen etwas und als wir uns umdrehten, sahen wir ein Gemälde, wie Herr Duck einen Minotaurus mit einer Armbrust bedrohte. Der gleichen Armbrust, mit der er gerade aus diesem Raum gekommen war. Und er trug auch die gleiche Jägermütze. ,,Ich würde sagen Onkel Dagobert ist wirklich ein guter Monsterjäger'', meinte Lena mit leichter Besorgnis in der Stimme. ,,Er hat noch nie einen mystischen Feind getroffen, den er nicht besiegen konnte. Richtig Zombiehand?'', wandte sich Nikki beim letzten Satz an die abgetrennte Hand, die immer noch vor uns auf dem Boden hockte. Sofort sprang sie in die Höhe und landete, einen Daumen nach oben zeigend, wieder auf dem Boden. ,,Also das ist irgendwie beruhigend'', versuchte ich positiv zu klingen, was mir ziemlich misslang. Schließlich konnte man uns auch in die Kategorie 'mystischer Feind' packen.
Schnell wandten wir uns wieder Nikkis Aufzeichnungen zu, um uns ab zu lenken. ,,Laut dieser Aufzeichnung müssen wir, um den Speicher zu finden, durch Onkel Dagoberts Augen sehen und in seinen Kopf hinein.'' erklärte uns Nikki. ,,Das hat wohl schon jemand gemacht.'' meinte Lena und zeigte dabei auf eine Kopflose Statue von Herrn Duck, der mit einem Fuß auf einem Felsen stand. Sofort ging Nikki dort hin und kletterte hinter die Statue, sodass ihr Kopf auf der Höhe war, auf der der Kopf der Statue gewesen wäre. ,,Durch seine Augen... Ah ich sehe ein Gemälde.'' rief sie auch gleich aus und zeigte zum anderen Ende des Raumes.
Das Gemälde befand sich an der Wand und ein leichtes Podest war davor. Das Gemälde zeigte Herrn Duck, wie er vor der riesigen Stahltür seines Geldspeichers stand. Dabei sah er schräg nach unten in die Ecke. ,,Das muss es sein'', wandte ich mich an die anderen. ,,Aber wie kommen wir in seinen Kopf rein?'', stellte Lena die wichtigste Frage. ,,Was sieht er sich an?'', meinte Nikki als auch sie die merkwürdige Blickrichtung bemerkte.
Sein Blick war auf drei Absperrpfosten gerichtet, wo auch eine Absperrkordel zwischen zweien hing. Nikki lief sofort hin und nahm die einzelne der drei in die Hand um sie zu untersuchen. Währenddessen kletterte Lena das Podest hoch und sah sich das Gemälde aus der Nähe an.
Als Nikki an der Spitze des Pfostens drehte, gab es ein leichtes Klick Geräusch und aus dem Fuß kam ein Schlüssel. ,,Hey, zeig das mal her'', meinte ich und nahm von Nikki den Pfosten entgegen. Ich kletterte zu Lena hoch und steckte den Schlüssel in das Gemälde. Genau dort, wo auf dem Bild ein Schlüsselloch dargestellt war. Wie ich vermutet hatte, traf der Schlüssel auf keinen Widerstand und glitt einfach ins Bild hinein.
Der Pfosten glitt selbstständig in das Bild hinein, und verwandelte sich zum Schloss einer Tresortür, welches sich zu drehen begann und die im Gemälde versteckte Tür öffnete. Wir lächelten uns kurz an und kletterten dann in das dunkle Loch hinein.
Der Eingang führte uns zu einem sehr kleinen Raum mit einer Wendeltreppe, die nach unten führte. Wir zögerten keine Sekunde und gingen die Treppe nach unten. ,,Wow, für eine verbotene Gefahrenkammer war das aber ziemlich einfach. Wir müssten den Glückskreuzer im nu finden'', prahlte Nikki als wir am Fuße der Treppe ankamen. Dabei hallte ihr letztes Wort als Echo entgegen. Wir waren in einer riesigen Halle mit Unmengen Türen. Es gab sogar einen zweiten Stock der mit einer Brüstung erreichbar war. Über jeder Tür standen merkwürdige Zahlenkombinationen. ,,Was sagtest du gerade?'', wandte sich Lena an Nikki.