Kapitel 11 - Der Schattenkrieg - Teil 1

Zwei Wochen waren mittlerweile vergangen, seit Gundel Lenas Körper übernommen und mich in eine Holzfigur verwandelt hatte. Leider trug sie mich die ganze Zeit bei sich. Wenn ich nur einen Meter von ihr entfernt wäre, könnte ich mich vielleicht selbst befreien. Aber das schien auch Gundel zu wissen.
Die Mondfinsternis stand kurz bevor, darum war Gundel auf dem Weg zur Villa Duck und prahlte vor sich selbst, wie genial ihr Plan war. Kurz vor der Villa ging sie plötzlich zu Boden und die schwarze Magie lief regelrecht aus ihren Augen. Ein Zeichen dafür, dass Lena es schaffte die Kontrolle zurück zu gewinnen. ,,Lass mich gehen'', sagte sie zu Gundel, die ihr gegenüber wieder als Schatten erschien. Leider schaffte es Lena nicht sich vollkommen zu befreien, sodass um ihren Körper immer noch Fesseln aus Schatten lagen. ,,Oh richtig, dich hatte ich schon vergessen'', meinte Gundel mit verächtlicher Stimme. ,,Ich werde das nicht zu lassen'', fauchte Lena ihre Tante an. ,,Ja aha. Oh nur im Augenblick der Finsternis werden meine Kräfte endlich freigesetzt und ich mutiere zum unbesiegbarem Schwergewicht der dunklen Magie. Na ja, du weißt schon'', verhöhnte Gundel sie und der Schatten ergoss sich mit Schwung wieder in Lenas Augen. ,,Da du das Vertrauen der Gören von Dagobert erlangt hast, kann ich deinen Körper benutzen um ins Haus zu kommen. Dann schwäche ich Dagobert hiermit-'' Dabei hielt sie ein kleines Reagenzglas mit einer lilanen Flüssigkeit hoch. Sie hatte es sich in den zwei Wochen besorgt, auch wenn ich keine Ahnung hatte was es war. ,,Schnappe mir seinen Kreuzer Nummer eins am Höhepunkt der Finsternis, setze meine volle Kraft frei und vernichte alles, was Dagobert je geliebt hat'', sprach die Hexe, während sie weiter zur Villa ging.
Kurz vor dem Eingang zur Villa, während Gundel gerade einen Lachkrampf hatte, schoss an ihr die Limousine von Herrn Duck vorbei und sorgte dafür, dass sie stolperte und zu Boden ging. Die Limousine hielt vor dem Tor und das Fenster wurde von Quack herunter gelassen. Während er in die Sprechanlage sprach, versteckte Gundel sich schnell in einem Gebüsch neben dem Tor. ,,Hallöchen lieber Herr Duck. Keine Sorge, ich bin nicht hier um nach ihnen zu sehen, weil alle ausgezogen sind und die Jungs ihnen die Schuld geben, dass Sie ihre Mutter ins All geschossen und sie zu Waisen gemacht haben. Ich bin hergekommen um mit Ihnen ein Eis essen zu gehen. Hmmm klingt gut oder? Familienkrise ... äh ich meine ... Eiscreme.'' ,,Gehen Sie weg'', kam es daraufhin nur knarzend aus der Sprechanlage.
Herr Duck hatte die Mutter der Jungs ins All geschossen? Na ja, eigentlich egal. Die Hauptsache war, dass Gundel so vielleicht nicht in die Villa kam. Das schien eben dieser auch bewusst zu werden. ,,Weg? Ausgezogen? Eiscreme? Wie soll ich meine üble Rache verwirklichen, wenn die Kinder nicht da sind, um mich hinein zu lassen?'', regte sie sich auf, wobei sie Lenas Augenlieder nach unten zog und begann zu hyperventilieren. ,,Nein ich werde Dagobert Duck besiegen. Ich bin der dunkle Schatten, der im Hinterhalt liegt. Ich bin der Stoff des Alptraums der versteckt in den Nischen des Geistes lauert. Ich bin ... aaaahhhh'', wurde Gundels Redeschwall unterbrochen, als Quack mit der Limousine drehte, zurück setzte und sie fast an der Wand zerquetschte. Gerade so konnte sie noch ausweichen, indem sie auf die Einfahrt sprang.
,,Na schön. Ich muss Dagobert nur davon überzeugen, dass ich ein kleines Mädchen bin'', sprach Gundel zu sich und begann auf die Sprechanlage zuzuhüpfen, wie es eine sechs jährige gemacht hätte, und drückte auf den Knopf. ,,Holla die Waldfee. Ich bin's, die unausstehliche Göre Lena. Die kleinen Schmuddelkinder haben mich eingeladen zum äh...was mögen Kinder denn?... Murmeln spielen?'' War das ihr ernst? Das würde ihr doch niemand bei klarem Verstand abkaufen. ,,Die Kinder sind fort, lass mich in Ruhe. Für immer'', kam es wieder knarzend aus der Sprechanlage.
Er hatte ihr das abgekauft? Es musste schlimm um seine geistige Verfassung stehen. Gundel bekam währenddessen einen Topsuchtanfall und begann die Sprechanlage zu würgen und darauf ein zu prügeln. Aber dann schien ihr eine Idee gekommen zu sein. ,,Echt doof. Nikki hat vorausgesagt, dass das passiert'', sprach sie erneut in das Gerät hinein. Erst blieb es einen kurzen Moment still, aber dann schien sie doch Herrn Duck Aufmerksamkeit geweckt zu haben. ,,Was hat sie gesagt?'' ,,Das Sie mit dem Abgang der Kinder nicht klar kommen und wie ein Greis zusammen klappen werden. Ich hab mehr von Ihnen erwartet aber ich lag wohl falsch'', antwortete sie ihm. Bitte lass ihn nicht darauf rein fallen.
Doch mein Bitten wurde nicht erhört. Plötzlich ertönte ein Summen und das Tor öffnete sich. Sofort lief Gundel bis zur Tür, wobei sei sich immer wieder ausmalte, wie sie Dagobert Duck vernichten würde. ,,Endlich. Die Bezwingung für alle Ewigkeit. Ein letzter Kampf zwischen der Zauberin der Schatten und dem weltgrößten Abenteurer Dagobert D-'' In diesem Moment öffnete Herr Duck die Tür und der Anblick verschlug Gundel die Sprache. Er stand vor uns nur in einem Unterhemd, das von vielen Fett- und Schweißflecken übersät war und auch sonst war sein Anblick einfach nur schmuddelig. Zum krönenden Abschluss kratzte er sich auch noch vor unseren Augen am Hintern. ,,Augenblick... was?'', kam es mehr als nur verwirrt von Gundel.
Kaum das wir die Villa betreten hatten, sahen wir erst das ganze Ausmaß der Situation. Das komplette Foyer war mit hunderten von Pizzakartons und leeren Limoflaschen gefüllt. Viele Bilder an den Wänden hingen schief und man sah auch so manch eine Kakerlake herum flitzen. ,,Uäh, wie lange sind Ihre Angestellten schon weg?'', fragte Gundel angewidert, als sie auf ein Stück Pizza getreten war. ,,Drei Tage. Und wie geht es meiner so genannten Familie? Elendig, ganz ohne Zweifel. Leben auf diesem widerlichen Boot. Mir geht es hier natürlich wesentlich besser als Ihnen. Ah nerviges Opossum, frisst immer meine Anschovis'', kam es von Herrn Duck, wobei er beim letzten Satz das Opossum jagte, welches unter einem der Pizzakartonberge hervor gekrochen war.
Da Herr Duck beschäftigt schien, kam wieder die dunkle Magie aus Lenas Augen und Mund, und Gundel erschien wieder als Schatten auf einem der Kartonberge. Lena versuchte sofort nach Herrn Duck zu rufen, wurde aber sofort von Gundel abgehalten, indem sie ihr den Schnabel mit Schattenfesseln zu hielt. ,,Dieser traurige Federsack ist nicht Dagobert'', kam es von der alten Hexe. Lena hört ihr gar nicht zu, sondern schnappte sich eine Traube und warf damit nach Gundel. Das schien diese aber wenig zu interessieren. ,,Der Dagobert Duck, den ich kenne, ist ein kluger, siegreicher, legendärer Held'', dabei sah sie zu Herrn Duck, der sich auf dem Boden herum rollte und Pizza aß, die er aus seinem Unterhemd gezogen hatte. Dabei fütterte er auch das Opossum, welches er vorher noch gejagt hatte. Also wie ein Held sah er in diesem Moment nicht wirklich aus. ,,Aber vielleicht... Ist das alles ein Trick. Ja das ist es. Natürlich. Er vermutet etwas. Er versucht mich zu überzeugen, dass er ein erbärmlicher Verlierer ist und hofft, dass ich einen Fehler mache. Haha, mich legst du nicht rein Dago. Ich bin die, die hier herein legt'', versuchte Gundel die Situation zu erfassen. Ich war von der Sache nicht so überzeugt, als ich sah wie Herr Duck auf dem Boden herum robbte.
Gundel schnappte sich das Reagenzglas, welches sich noch in Lenas Tasche befand und meinte. ,,Nur ein Schluck, Lichter aus, Kreuzer schnappen. Dann führe ich meinen Rache aus. Hahaha, danke für die Motivation Lena'', sah sie zu meiner besten Freundin, die sie nur mit großen Augen an schauen konnte. Gleich darauf, fuhr Gundel wieder in ihren Körper ein.
Irgendwann ging Herr Duck in die Küche, um irgendetwas zu suchen. Da Gundel sich in diesem Moment noch im Flur befand, hörte sie sofort, als das Telefon klingelte. Mit einem kurzen Seitenblick zu Herrn Duck in die Küche, nahm sie den Hörer ab. Am anderen Ende war Quacks Stimme zu hören. ,,Hallo lieber Herr Duck. Kommen Sie zu einer Party auf Donalds Hausboot für ähh... ähm... eine Partie Scharade?'' ,,Gratis Essen'', wurde er durch Nikkis Stimme unterbrochen. Sofort entwich Gundel ein fieses Grinsen. ,,Ich werde da sein'', sprach sie in den Hörer rein und ahmte dabei die Stimme von Herrn Duck perfekt nach. ,,Wirklich?'' kam es ein bisschen verblüfft aus dem Hörer zurück. Nikki hatte wohl nicht damit gerechnet, dass es so einfach werden würde. ,,Aber ich esse nur die feinsten Hummer-Kaviar-Kanapees. Und sorgt dafür, dass niemand ohne mich anfängt, denn das erachte ich als höchste Unhöflichkeit. Bei meinen Galoschen, schönen Tag'', setzte Gundel noch einen drauf, bevor sie einfach auflegte.
,,Das Essen wird ein Desaster'', schmunzelte Gundel in sich hinein. ,,Jetzt zurück zur Vernichtung von Dagobert.'' ,,Wo ist der verflixte Muskatnusstee?'', kam es in diesem Moment aus der Küche. ,,Uh passend'', murmelte Gundel und rief dann mit Lenas Stimme. ,,Keine Sorge, ich hole ihn.''
Während Dagobert nach oben ging, begann Gundel eine Tasse Tee zu kochen und schüttete den ganzen Inhalt des Reagenzglases hinein. Dabei konnte sie sich ein verrücktes Lachen nicht verkneifen. Als sie nach oben ging, um Herrn Duck die teuflische Mischung zu bringen, führte ihr Weg sie in das Zimmer der Jungs. Dort war Herr Duck gerade dabei, hunderte Pizzakartons in seinem Geldwagen hinein zu schieben. ,,Das ehemalige Kinderzimmer des einen, ist des anderen Vorratskammer, sag ich immer.'' Keine Sekunde später wurde er von dem Turm an Pizzakartons begraben. Das spielt der doch nie im Leben. Gundel hingegen schien immer noch davon überzeugt zu sein. ,,Seine vorgespielte Erbärmlichkeit zieht er knall hart durch.''
Gundel holte die Kartons von ihm herunter und sagte mit Lenas Stimme. ,,Trinken Sie etwas Tee, dass beruhigt Sie.'' Herr Duck bedankte sich und nahm die Tasse entgegen. Wenn er jetzt trinkt, dann wäre alles aus. Zum Glück stellte er die Tasse gleich darauf zur Seite auf einen Stapel Kartons und begann die Kartons wieder auf zu sammeln. Dabei stieß er auf ein loses Dielenbrett, welches die Jungs wohl als Geheimversteck genutzt hatten. Darin lagen ein paar Münzen, ein Wimpel von ihrer Pfadfindergruppe und ein kleiner Beutel. Eben diesen Beutel nahm er heraus und schüttete den Inhalt auf seine Hand. Drei kleine Murmeln in Grün, Blau und Rot. ,,Die lieben verspielten Murmeln. Drei in einem Beutel. Eine rote, eine grüne und diese Lausbuben blaue, rollen herum, wo auch immer sie wollen'', sagte er mit sanfter liebevoller Stimme. Gundel hatte sich währenddessen wieder die Tasse geschnappt, in der Absicht sie Herrn Duck unter zu jubeln.
Doch plötzlich verzog sich sein Gesicht vor Wut. ,,So undankbar alle miteinander auf Schritt und Tritt. Nach allem was ich für sie getan habe, schmeißen sie es mir vor die Füße.'' Dabei warf er die Murmeln in die Ecke des Raumes. ,,Ja es gibt nichts schlimmeres als Murmeln. Tee?'', versuchte Gundel erneut ihr Glück. ,,Ich meinte damit meine Familie'', kam es daraufhin von Herrn Duck zurück. Da schien Gundel mit ihm ausnahmsweise einer Meinung zu sein. ,,Ach wem sagen sie das. Familie gehorcht nicht, hält einen auf Trapp, hält sich nicht an ausgeklügelte Rachepläne.'' ,,Sie geben dein Geld aus, übernehmen dein Zuhause, machen Ärger, brennen sich mit schönen Erinnerungen, die du nicht los wirst, in deinen Gedanken fest, egal wie sehr du es auch versuchst'', klang er am Anfang noch wütend, wurde zum letzten Punkt hin nur noch wehleidig. Dabei kniete er vor drei Haufen Pizzakartons, auf denen die Gesichter der Jungs gemalt waren. Ganz oben stand auch noch eine Donut Schachtel, wo er das Donut in Donald abgeändert und ein Duck hinter gesetzt hatte.
Gundel versuchte weiterhin ihm den Tee ein zu flößen. ,,Prost. Auf die Vernichtung schöner Erinnerungen.'' Dabei reichte sie ihm wieder die Tasse. Herr Duck ging einfach, mit den Worten. ,,Und dann gehen sie und sagen nicht mal Dankeschön." an ihr vorbei zu einem Sessel komplett aus Pizzakartons gebaut und setzte sich hinein. ,,Vergessen Sie Familie, wer braucht die schon?'', reichte Gundel ihm wieder die Teetasse. ,,Darauf trinke ich!'', rief Herr Duck und nahm die Tasse entgegen. Oh nein. Zum Glück viel in diesem Moment einer der oberen Kartons direkt auf ihn herunter, weswegen er vor Schreck die Tasse fallen ließ und der lilane Inhalt sich auf dem Boden ergoss. Gundel bekam fast einen Anfall, schaffte es aber sich zu beruhigen und sagte. ,,Ich gehe und mache Ihnen noch einen.''