Kapitel 12 - Der Schattenkrieg - Teil 2
Als Gundel aus der Küche mit einem neuen vergifteten Tee zurück kam, diesmal im Schnabelbecher, hatte sich Herr Duck einen roten Morgenmantel angezogen und auch seinen Zylinder wieder aufgesetzt. Er saß in einem Raum, den ich noch nie gesehen hatte. Sehr karg eingerichtet, nur mit einem großen Sessel am meterhohem Fenster. In ebendiesen saß er auch.
,,Hier Tee. Diesmal im Schnabelbecher, garantiert kleckerfrei'', reichte Gundel ihm den Becher. ,,Endlich. Ohne diese Kinder, die mich auf tolle, unvergessliche Abenteuer zerren, kann ich hier in Ruhe sitzen, abwesend auf mein Geld starren und wie ein klassischer Einsiedler schmollen'', murrte er vor sich hin. Gundels Blick wanderte währenddessen zum Mond, den man durch das Fenster sehen konnte und der fasst vollständig finster war. ,,Zu einem völlig anderem Thema. Wie ist der Tee?'', versuchte sie ihn zum trinken zu drängen. Zum Glück ließ Herr Duck den Becher einfach auf den Boden fallen, wodurch sich der Inhalt wieder auf dem Boden ergoss. ,,Vergeudet, wie mein Leben.'' Daraufhin sah man das reine Entsetzten in Gundels Gesicht, was ja eigentlich das von Lena war.
Sie ging an den Rand des Raumes und führte wieder Selbstgespräche. ,,Du meine Güte, das ist keine Falle. Er ist wirklich so erbärmlich geworden'', erkannte auch die Hexe endlich das offensichtliche. ,,Ich soll sie wohl bemitleiden. So habe ich mir in den letzten 15 Jahren ihr Ende nicht ausgemalt!'', schrie sie Herrn Duck an. Er war so in seiner Apathie gefangen, dass er gar nicht bemerkte, dass sie ihn mit ihrer echten Stimme ansprach und nicht mit der von Lena. ,,Geh nur. Hau ab Ich will mich im Selbstmitleid suhlen.'' Dafür kassierte er eine kräftige Ohrfeige, und Gundel hatte sich soweit wieder gefangen, dass sie wieder Lenas Stimme verwendete. ,,Reißen Sie sich zusammen. Sie haben das Land der viereckigen Eier erobert, die letzte Krone der Mongolen gefunden, Sie haben sogar ein paar unglaublich dunkle Mächte besiegt. Sie brauchen keine Familie. Sie sind Dagobert Duck, verhalten Sie sich so'', gab sie ihm eine ordentliche Standpauke. ,,Jaaa, ich bin Dagobert Duck. Ich habe schon vor ihnen Abenteuer erlebt, und brauchte damals auch keine Hilfe'', schien Herr Duck endlich aus seinem Selbstmitleid zu kriechen. ,,Ja, sie standen Ihnen alle nur im Weg. Haben geschnorrt, Sie ausgenutzt, sie haben versucht Sie mit Mitgefühl und Führsorge zu schwächen'', versuchte Gundel weiter ihm Flausen in den Kopf zu setzten. ,,Ich gehe zurück zum Ursprung. Der von Ehrgeiz zerfressene, verrückte Dagobert im Alleingang. Ich brauche weder Entenhausen, noch die Villa oder den Geldspeicher, ich kann von vorne anfangen'', begann er sich in Rage zu reden, während er zum Kamin ging. ,,Ich brauche keinen Nasenkneifer, keinen handgemachten Zylinder aus Seide und auch keine Satingamaschen.'' Wobei er nach und nach seine Brille, seinen Zylinder, die Gamaschen und auch seinen Morgenmantel in den Kamin warf. ,,Nein nein nein. Ich brauche einfach gar nichts.'' ,,Ja genau. Nicht einmal Ihren Kreuzer Nummer eins'', versuchte Gundel ihn zu überzeugen, diesen Besitz weg zu geben.
Zum Glück hing Herr Duck zu sehr an diesem Talisman. ,,Also das wäre verrückt, den brauche ich natürlich.'' ,,Sagten Sie nicht von vorne anfangen? Geben Sie mir den Glückskreuzer einfach und ich werfe ihn für Sie weg'', machte Gundel einen Fehler. Mit seinem Ehrgeiz war auch sein Misstrauen und seine Vorsicht wieder gekommen. ,,Wieso ist ein junges Mädchen, so daran interessiert meinen alten Kreuzer Nummer eins in die Finger zu kriegen?'' Diese Frage brachte Gundel ins schwitzen und sie schaute zum Mond, der vielleicht noch eine Minute brauchte um ganz schwarz zu werden. ,,Vielleicht solltest du lieber gehen'', meinte Herr Duck. Das war zu viel für Gundel. Völlig in Rasche warf sie sich von hinten auf ihn. ,,Lena! Was zum...Bist du verrückt geworden?'', brachte Herr Duck heraus, während sie auf dem Boden rangen. Sofort schleuderte er sie von sich. Gundel aber sprang sofort wieder auf die Beine und versuchte sich wieder auf Herrn Duck zu stürzen, wurde aber von ihm auf Abstand gehalten, indem er sie mit einer Hand an der Stirn wegdrückte. ,,Hör mal, ich werde nicht gegen ein Kind kämpfen'', meinte Herr Duck, schrie aber gleich auf, als Gundel ihn in den Arm biss. ,,Ok, na schön'', ließ nun auch Herr Duck die Vorsicht fallen.
Er holte mit dem Bein aus und wollte ihr die ihren weg treten. Gundel aber sprang hoch, verpasste ihm einen Haken ins Gesicht und einen Tritt in den Magen, als sie wieder auf dem Boden gelandet war. Herr Duck, der mit so einem Manöver nicht gerechnet hatte, ging zu Boden wo Gundel ihm sofort den Kreuzer abnahm und ihren Fuß auf seinen Kopf stellte. Jetzt war alles aus. In genau diesem Moment erreichte die Mondfinsternis ihren höchsten Stand. Erst sah es so aus, als würde Lenas Körper einen Anfall bekommen, doch dann wurden ihre Augen wieder pechschwarz und die dunkle Magie sickerte heraus. Sie sammelte sich auf dem Boden und Gundel erschien wieder in Schattengestalt an der Wand. ,,Das kann nicht sein'', entkam es Herrn Duck, als er Gundel erblickte. Lena, die immer noch den Kreuzer in der Hand hatte, ging erschöpft zu Boden. Sofort ließ Gundel den Kreuzer mittels Magie zu sich fliegen, während Herr Duck nur entsetzt zuschauen konnte. Als der Kreuzer genau vor Gundel schwebte, drehte er sich, sodass man zum ersten mal die Rückseite sah. Eine Rückseite auf der Gundels Gesicht prangte. Sofort wurde ihre gesamte Schattengestalt in den Kreuzer gesogen, welcher daraufhin lila leuchtete.
Kaum das der Kreuzer zu Boden fiel und auf eben diesem landete, platzte mit Unmengen lila Rauch Gundel hervor. Sie sah genauso wie ihr Schatten aus, nur dass ihre Haut die Farbe eines kranken grünes hatte.
,,Schatten nimm mir meine Ketten,
denn nur du kannst mich erretten.
Alter Zauber kehre ein,
sollst Diener deiner Herrin sein.''
sprach Gundel eine Uralte Formel um sich endgültig zu befreien. Kaum das sie aus großer Höhe auf den Boden gesunken war, öffnete sie ihre Augen und begann krankhaft zu lachen. ,,Ja, die Magie, der Körper, ich bin zurück!'', rief sie voller Freude. Keine Sekunde später begann der Anhänger um Lenas Hals zu leuchten und flog zurück zu seiner ursprünglichen Herrin. In ihrer Hand angekommen, verwandelte sich der Anhänger in einen Stab mit einem lilanen Kristall auf der Spitze.
Voller Schadenfreude ging sie auf Herrn Duck zu und drückte mit ihrem Stab sein Kinn nach oben. ,,Hallo Dago, ich habe Sie vermisst.'' ,,Gundel Gaukelei. Sie boshafte Schurkin von verdorbenster Abstammung. Unmöglich, wie…'', kam es von Herrn Duck. Besser hätte ich sie nicht betiteln können. ,,Fragen Sie die beste Freundin der Enkelin ihrer Haushälterin. Sie haben eine verwirrende Familienstruktur, wissen Sie das?'', kam es von Gundel auf seine unausgesprochene Frage. ,,Du hast deinen blöden Körper zurück, jetzt lass uns in Ruhe'', stellte sich Lena neben Herrn Duck. ,,Ja, verschwinden Sie, Sie habgieriges Ding'', wurde sie gleich von Herrn Duck unterstützt.
Gundel schien dies überhaupt nicht zu gefallen. Magisch teleportierte sie sich hinter die zwei, in bestimmt drei Meter Höhe. ,,Oh ich bin doch gerade erst angekommen!'', rief sie und schleuderte einen Strahl magische Kraft auf die beiden. Herr Duck reagierte sofort und stellte sich schützend vor Lena, was ich ihm hoch anrechnete. Viele andere täten so was nicht. Aber der Schutz war überhaupt nicht nötig, denn die freigesetzte Magie formte nur einen Käfig um die beiden.
Während Gundel am Fenster schwebte und tat, was verrückte Hexen nun mal taten, versuchte Herr Duck aus dem Magiekäfig auszubrechen. Lena hingegen saß mutlos auf dem Boden und sah einfach nur auf den Boden. Als Herr Duck feststellen musste, dass er aus diesem Käfig nicht würde ausbrechen können, wandte er sich an Lena. ,,Du kleine, düstere Verräterin. Wir haben dich in unser Haus gelassen und du lässt dieses abscheuliche Ungeheuer frei.'' ,,Sie ist meine Tante. Sie hat mich dazu gezwungen'', meinte Lena nur auf seine anklagenden Worte. ,,Familie, zu nichts nütze. Hat mich dem hier vollkommen wehrlos ausgesetzt'', kam es daraufhin verächtlich von Herrn Duck. Auf diese Aussage hin, machte Lena einen leicht verächtlichen Laut. ,,Bitte? Sie haben Ihre Familie doch raus geworfen. Selbst schuld. Meine Familie ist zu nichts nütze. Sie haben eine tolle Familie. Sie kämpfen und kommen in Schwierigkeiten aber das ist unwichtig, denn sie ... oh ich weiß nicht, lieben einander oder so. Alter wie gerne würde ich tauschen. Der einzige, der für mich je wie eine Familie war ist Marcel. Und bei ihm weiß ich nicht mal ob er noch lebt.'' fuhr Lena ihn an und wurde zum Schluss unendlich traurig.
Wie gerne würde ich ihr sagen, dass ich zwar gefangen war, es mir sonst aber gut ginge. ,,Was meinst du damit, du weißt nicht ob er noch lebt?'', wandte sich auch Herr Duck erschrocken an Lena. Sie sah kurz traurig auf den Boden und erklärte dann: ,,Er wusste von Anfang an, was ich vorhatte und wer meine Tante ist. Trotzdem ist er bei mir geblieben und hat mich unterstützt. Zwei Waisenkinder von der Straße gegen den legendären Dagobert Duck. Lächerlich oder?'' Sie ließ Herrn Duck keine Zeit zum Antworten sondern erzählte einfach weiter: ,,Sie erinnern sich bestimmt noch, als wir in ihrem 'anderen Speicher' waren. Dort hatten wir beschlossen, dass wir nicht zu lassen können, dass meine Tante befreit würde, selbst wenn es meine Freiheit kostete. Als ich Sie warnen wollte, schaffte sie es irgendwie meinen Körper zu übernehmen. Marcel kennt mich wie kein anderer. Er hat es sofort bemerkt. Das letzte was ich sah, bevor ich nichts mehr wahrnahm, war wie Marcel nach Ihnen rufen wollte aber die Schatten meiner Tante ihn daraufhin fesselten. Was danach mit ihm passiert ist, weiß ich nicht'', erzählte Lena mit Tränen in den Augen zu Ende. ,,Wenn ich mich recht erinnere, war er nicht bei dir, als du dich von uns verabschiedet hast. Du, oder eher Gundel meinte, er wäre schon vorgegangen, weil es ein Problem bei ihm zu hause gab'', meinte Herr Duck daraufhin. ,,Das hatte ich befürchtet'', kam es niedergeschlagen von Lena. Sie schien von schlimmsten auszugehen. ,,Du hast Recht mit allem Kleine. Hilf mir, meine Familie zurück zu bekommen und euch beiden gehört ein Platz darin'', beschloss Herr Duck, worauf sich ein leichtes Lächeln auf Lenas Gesicht schlich. ,,Gemeinsam sind wir stärker. Bereit?'', hielt Herr Duck Lena die Hand hin. ,,Mal sehen was ich tun kann'', erwiderte diese und ergriff seine Hand. Herr Duck zog sie auf die Beine und hatte neuen Mut gefasst. ,,Komm schon du mesotofilische Medusa, lass uns... uh'', begann er, erschrak aber vor Gundel, die anscheinend schon länger vor dem Käfig stand.
,,Verzeihung, ich habe nur zugesehen, wie ihr euch zum triumphalen Comeback zusammen schließt. So traurig, so sinnlos. Also wo war ich? Achja, Rache'', machte sich Gundel über die beiden lustig. Sie ließ den magischen Käfig zerspringen und kaum eine Sekunde später, wurden Lenas Augen wieder pechschwarz und die Schatten hüllten sie ein. ,,Nein, nicht nochmal. Schick mich nicht zurück'', entwich ihr noch, bevor sie mit einem Schrei zurück in Gundels Schatten verwandelt wurde.
Das schlimmste für mich war, dass ich tatenlos zusehen musste, wie sie verschwand. Es riss mir regelrecht das Herz heraus. ,,Bei meinen Galoschen, ich verfluche Sie Gaukelei!'', rief Herr Duck voller Zorn, als auch er mit ansehen musste wie Lena verschwand. ,,Nein nein Dagobert, ich verfluche Sie'', war Gundels schadenfrohe Antwort. Sie hielt den Kreuzer hoch, der in der Mondfinsternis zu leuchten begann und Herrn Duck regelrecht einsaugte. Er hatte keine Chance. ,,Hm, nicht gerade die inspirierendsten letzten Worte',' meinte Gundel, wobei sie den Kreuzer in die Luft warf. Auf der Seite wo vorher ihr Abbild zu sehen war, prangte jetzt das Gesicht von Herrn Duck.
Jetzt mit ihrem größten Feind im Kreuzer gefangen, kannte Gundel kein Halten mehr. Mit einer riesigen magischen Explosion schoss sie durch die Decke, in den Himmel und steckte dabei das Dach der Villa in Brand. Mittels ihres Stabes, entließ sie eine magische Kraftwelle durch die ganze Stadt. Jeder Schatten, der einem lebendigen Wesen gehörte, wurde durch die magische Energie zum Leben erweckt und von seinem Besitzer getrennt. Der Zauber unterschied nicht zwischen Gut oder Böse.
Gundel erschuf um sich herum ein Kraftfeld aus Magie und flog über die Stadt hinweg. ,,Kommt zu mir meine Schatten-Marionetten'', verkündete sie. Alle Schatten der Stadt folgten ihr auf ihrem Weg zum Geldspeicher. An diesem angekommen, lies sie den mächtigen Wirbel aus Schatten auf das riesige Gebäude los. ,,Sieh nur gut hin Dago'', verkündete Gundel, als der Schattensturm die Mauern wegfegte.
Als der Staub sich legte, waren das Dach und zwei der vier Mauern eingestürzt, wodurch der Inhalt des Speichers der ganzen Stadt preisgegeben wurde. Gundel begab sich hinein und formte das Geld zu einem riesigen, meterhohen Thron, worauf sie sich niederließ. Der Orkan aus Schatten tobte währenddessen über ihr am Himmel.
