Kapitel 15 - Neues Leben
Der erste Morgen unseres neuen Lebens begann relativ ereignislos. Als die sanften Strahlen der Sonne sich ihren Weg durch die Vorhänge bahnten und mich aus dem Schlaf weckten, musste ich mich erst einmal orientieren. Es dauerte ein paar Sekunden, bis mir die Ereignisse der vergangenen Nacht wieder ins Gedächtnis kamen und ich so realisierte, wo ich war. Wir befanden uns in der Villa von Dagobert Duck, der uns als einen Teil seiner Familie aufgenommen hatte. Mein Blick wanderte zu meiner linken Seite, wo Lena immer noch friedlich schlief. Leicht hatte sie sich an mich gekuschelt und hatte ein Lächeln auf den Lippen. Bei diesem Anblick musste ich automatisch auch lächeln. An diesen Anblick am Morgen könnte ich mich echt gewöhnen.
Noch eine Zeit lang sah ich Lena beim schlafen zu, bis sie sich plötzlich regte und die Augen öffnete. Ganz verschlafen sah sie mich an und wünschte mir mit einem Lächeln einen guten Morgen. Und ganz ehrlich, es gibt keinen Moment, wo ein Mädchen schöner ist. Ich drückte ihr einen Kuss auf die Stirn und wünschte ihr ebenfalls einen guten Morgen.
Wir lagen neben einander im Bett, Lena in mein Armbeuge eingekuschelt, und dachten darüber nach, was alles passiert war. Seit Monaten war unser einziges Ziel gewesen Dagobert Duck seinen Glückskreuzer abzujagen. Und jetzt, nachdem wir dies geschafft hatten und er dank uns fast seine komplette Familie verloren hatte, waren wir teil seiner Familie. Andere Personen hätten sich uns gegenüber wohl anders verhalten.
Irgendwann standen wir dann doch auf. Da wir gestern ganz kurzfristig in die Villa eingezogen waren, hatten wir natürlich keine Klamotten oder sonstige Sachen dabei. Dementsprechend hatten wir uns in unseren normalen Klamotten ins Bett gelegt und mussten uns diesmal nicht weiter umziehen. Schnell putzten wir uns noch die Zähne im Badezimmer und verließen dann unser neues Zimmer.
Kaum dass wir den Flur in Richtung Treppe auch nur zur Hälfte gegangen waren, erschien Johann aus dem Boden und informierte uns darüber, dass das Frühstück im Esszimmer angerichtet wäre. Keine Sekunde später verschwand er wieder im Boden. Ein Geisterbutler war wirklich etwas besonderes. Sofort stiegen wir die Treppe herunter und betraten das Esszimmer.
Um den großen Esstisch waren schon alle versammelt. Dagobert saß wie immer am Kopfende, die Drillinge und Nikki saßen auf seiner rechten Seite. Zu seiner linken waren zwei Plätze frei und dann kamen Donald und Quack. Frieda war nirgends zu sehen. Wahrscheinlich war sie noch in der Küche und gab dem Frühstücksbuffet den letzten Schliff. Eben dieses Buffet war auf dem gesamten Tisch angerichtet. So eine Vielfalt hatten wir noch nie gesehen, was uns eigentlich sehr überraschte, denn schließlich war Dagobert nicht gerade für seine verschwenderischen Lebensstil bekannt. So ein großes Buffet voller Vielfalt gab es in diesem Haus wahrscheinlich sehr selten.
Lena und ich setzten uns auf die beiden freien Plätze zu Dagoberts linken Seite und wurden auch gleich von allen begrüßt. ,,Guten morgen ihr zwei. Wie war eure erste Nacht in eurem neuen Zuhause?'', wandte sich Dagobert auch gleich als erster an uns. ,,Ziemlich gut eigentlich'', gab ihm Lena als erstes ihre Antwort. ,,So gut habe ich schon lange nicht mehr geschlafen'', schloss ich mich ihrer Aussage an. ,,Das freut mich zu hören. Habt ihr euch denn schon überlegt, wie ihr euer neues Zimmer einrichten wollt?'' Einrichten? Meinte er etwa, wir durften unser Zimmer noch einrichten? Lena schien das gleiche wie ich zu denken. ,,Was meinen Sie.. äh.. was meinst du mit einrichten?'', stellte sie ihm auch gleich die Frage, die uns beiden auf der Seele brannte. Und man merkte auch, dass wir uns erst daran gewöhnen mussten, Dagobert nicht mehr mit ‚Sie' anzusprechen.
,,Um ehrlich zu sein, geht das mit auf unser Konto'', kam es daraufhin etwas kleinlaut von Nikki. Ein kurzer Blick genügte, um zu erkennen, dass sie und die Jungs etwas verlegen und schuldbewusst aussahen. ,,Was meinst du damit, dass das auf euer Konto geht?'', wandte ich mich auch gleich an die vier. ,,Na ja, als Gundel Gaukelei Onkel Dagobert gefangen genommen hatte und Oma und die anderen aufgebrochen sind, um ihn zu retten, wollten wir zu euch, da wir gehofft hatten ihr könntet uns helfen. Schließlich wusste ich, dass ihr etwas über Magie versteht, auch wenn ich zu der Zeit nicht wusste, wie viel ihr wirklich darüber wisst'', erklärte Nikki. ,,Wir sind zum Freilichttheater gegangen, da wir uns dachten, euch dort am wahrscheinlichsten anzutreffen'', ergänzte Trick. ,,Und dort haben wir dann durch Zufall euer Zimmer gefunden'', ließ Track am Ende die Bombe platzen.
Oh Scheiße. Sie hatten unser schäbiges altes Zimmer gesehen? Lena und ich konnten gar nicht anders, als den Blick ab zu wenden. Das war uns mehr als peinlich. Schließlich hatten wir uns viele Möbel aus dem Sperrmüll der Stadt zusammen gesucht. Als Straßenkinder hatte man schließlich kein Geld um vernünftige Möbel zu kaufen. Und Möbel waren auch zu groß, um auf andere Art an sie ran zu kommen. Das die anderen diese Seite von uns gesehen hatten, war einfach nur peinlich.
,,Die Kinder hatten mir davon erzählt und da hatte ich beschlossen, dass ich euch die Möglichkeit geben will, euer Zimmer so einzurichten, wie ihr es möchtet. Egal was es auch ko..o...stet'', erklärte Dagobert uns, wobei ihm der letzte Satz sichtlich schwer über die Lippen kam. Er wollte uns wohl eine Freude machen, war aber doch immer noch geizig.
Wir hingegen konnten es einfach nicht glauben. In unserem gesamten Leben war noch nie jemand so großzügig zu uns.
Aus den Augenwinkel konnte ich sehen, dass Lena die Tränen in die Augen stiegen und keine Sekunde später spürte ich auch wie meine Wangen nass wurden. Diese ganze Großzügigkeit, Verständnis und auch Liebe, die uns hier entgegen gebracht wurde, war einfach zu viel für uns. Unser ganzes Leben kannten wir nur das harte Leben auf der Straße und jetzt nahm uns eine so liebevolle Familie auf, und wäre das noch nicht genug, machten sie uns solch enorme Geschenke.
Kurz darauf konnten ich spüren wie sich ein Arm um meine Schulter legte und als ich aufsah, erkannte ich Nikki, die zu uns auf die andere Seite des Tisches gekommen war und uns umarmte, indem sie jeweils einen Arm um Lenas und meine Schulter legte. Als wäre das ein Kommando für alle, kamen erst die Jungs und schließlich auch Donald und Quack dazu und es artete in einer riesigen Gruppenumarmung aus. Nur Dagobert blieb an seinem Platz sitzen und sah sich das Schauspiel mit einem Lächeln an.
Kaum dass wir uns wieder etwas beruhigt hatten und alle zu ihren Plätzen zurück gekehrt waren, kam Frieda aus der Küche zurück. Dabei hatte sie ein Tablett mit mehreren Kannen. ,,So, wer möchte eine Tasse heiße Schokolade?'' Nachdem das köstliche heiße Getränk verteilt war, verfielen wir in ein angenehmes Schweigen und frühstückten erst einmal ausgiebig. Zwischendurch sahen Lena und ich uns ein paar mal an und an ihrem Blick erkannte ich, dass sie ähnlich dachte wie ich. So eine familiäre und warme Atmosphäre war sehr ungewohnt, aber wir freuten uns schon darauf, uns daran zu gewöhnen.
Nachdem das Frühstück beendet war, machten wir uns mit Dagobert, Nikki und den Jungs auf den Weg zu Entkea, einem riesigen Möbelhaus. Während Quack uns in der Duck Limousine zum Möbelhaus fuhr, sah ich ein bisschen aus dem Fenster und genoss einfach das Gefühl, wie sich Lena etwas an mich lehnte und meinem Blick folgte.
Als wir bei Entkea angekommen waren, staunten wir nicht schlecht über das riesige und weitläufige Gebäude. In dem Gebäude konnte man sich doch verlaufen. Nachdem wir das Gebäude betreten hatten, wurde unsere Sorge aber sofort zerstreut. Überall hingen Lagepläne und es war komplett in Kategorien unterteilt. So wie uns Dagobert erklärte, ging man wohl erst durch die verschiedenen Räume und sah sich die Möbel in aufgebauter Version an. Dort gab es dann wohl Zettel die man mit nahm wenn man sich für ein Stück entschieden hatte, und mit diesen Zettel konnte man die Möbel am Ende dann kaufen. Für Lena und mich war das komplettes Neuland.
Die ersten beiden Abteilungen ließen wir schnell hinter uns, ohne uns groß um zu sehen. Die erste Abteilung war die Küche und die zweite Abteilung war das Badezimmer. Da wir keine Küche hatten und das Badezimmer für unseren Geschmack komplett eingerichtet war, brauchten wir uns in diesen Abteilungen nicht aufhalten. Gleich darauf kamen wir in die Wohnzimmer Abteilung, wo wir uns genauer umsahen. Dagobert ließ sich auf eines der Sofas nieder und sah uns dabei zu, wie wir uns die einzelnen Möbelstücke ansahen.
Er schien nicht mit unserer eher pragmatischen Art gerechnet zu haben. Schnell hatten wir ein Sofa gefunden, das uns gefiel und hatten uns diesen komischen Zettel genommen, da ging es auch schon weiter zur nächsten Abteilung. Wir gingen schlicht nach dem Motto, warum weiter gucken, wenn man schon etwas gutes gefunden hatte? So ging es immer weiter, bis wir zum Schluss zur sogenannten Kleinteil Abteilung kamen. Dort ging man schließlich mit einem großen Wagen durch und warf alles hinein, was man noch gebrauchen konnte. Es gab Teppiche, Gardinen, viel Dekokram und vieles mehr. Da sowohl Lena als auch ich es gewohnt waren, nur mit dem nötigsten zu leben, hatten wir nicht viel für unnötige Dekoartikel übrig. So waren wir auch in der Abteilung relativ schnell durch.
Zum Schluss waren wir nach knapp drei Stunden an der Kasse und Dagobert ging ziemlich widerwillig dahin, um zu bezahlen, war am Ende aber mehr als überrascht, als er fest stellte, dass wir ungemein günstig eingekauft hatten. Straßenkinder schauten eben unbewusst auch auf den Preis und kauften sehr sparsam ein.
So verließen wir Entkea mit einem relativ entspannten Dagobert, der wohl mit einem deutlich teureren Einkauf gerechnet hatte. Auf dem Rückweg deckten wir uns im Baumarkt noch mit Farben, Tapeten und Laminat ein, und als wir an der Villa wieder ankamen, war auch schon der Möbellaster von Entkea da. Eine reiche und einflussreiche Person wie Dagobert Duck hatte wohl gewisse Privilegien, dass man ihn immer so gut wie möglich zufrieden stellen will.
Kaum dass wir die neuen Möbel in der Garage verstaut hatten, begannen wir mit der Arbeit. Als erstes wurde der Teppich aus dem Wohnzimmer heraus genommen, da wir dort Laminat verlegen wollten. Die Bücherregale die in die linke und rechte Wand eingelassen waren, ließen wir so wie sie waren. Es wurde neues nussbraunes Laminat verlegt und die hintere sowie die vordere Wand in einem etwas dunklerem Blau gestrichen. Sehr passend zum dunklen Laminat und den Bücherregalen aus Teakholz.
An Möbeln wurde an die hintere Wand ein großer Flachbildfernseher gehängt, der links und rechts von jeweils einem großen Fenster umrahmt wurde, und in die Mitte des Raumes kam ein großes schwarzes U-Sofa, sodass die Öffnung in Richtung Fernseher zeigte. Links und rechst stellten wir mit den Sofalehnen abschließend jeweils eine lange Kommode, damit man eine Abstellfläche vom Sofa aus hat. In die Mitte des U-Sofas kam noch ein kleiner, schlichter Couchtisch aus dunklem Holz. Unter dem Couchtisch lag noch ein schwarzer Teppich, der bis unter das Sofa reichte. Auch unter dem Fernseher kam eine etwas längerer Kommode, damit wir auch Stauraum für DVD´s und vielleicht auch eine Spielkonsole hatten. Abgerundet wurde das, indem wir in die Decke mehrere, dimmbare Spots einsetzten.
Nachdem wir im Wohnzimmer fertig waren, ging es ans Schlafzimmer. Als erstes wurde es in einem eher dunklerem Grau tapeziert und ein Teppich in einem verwaschenen dunkelgrün verlegt. Schließlich wollten wir, gleich nach dem Aufstehen, unsere Füße nicht auf kaltes Laminat stellen. Wir hatten uns für ein dunkelgraues Bett passend zu den Wänden entschieden. Da wir zusammen darin schlafen, hatten wir natürlich ein 140X200 Bett genommen. Auf beiden Seiten des Bettes stand ein schlichter schwarzer Nachttisch und eine eher altmodische Nachttischlampe. Der Fuß der Lampen war in einem hellen Braun, dazu ein kastenförmiger Schirm in einem hellen Beige.
An die Wand gegenüber der Fenster stellten wir einen großen, zwei Meter breiten Schrank aus dunkler Eiche, sodass jeder von uns einen Meter zur Verfügung hatten. Da zwischen den beiden Fenstern in etwa ein halber Meter Platz war, hängten wir in die Mitte ein gerahmtes Bild von der Familie. Eben das Bild, das vor dem Geldspeicher gemacht wurde. Schlussendlich setzten wir auch im Schlafzimmer dimmbare Spots ein.
Nachdem wir mit allem fertig waren, war auch schon der Abend herein gebrochen und alle waren mehr als erschöpft. Nachdem wir alle zusammen ein wundervolles Mahl von Frieda zu uns genommen hatten, gingen Lena und ich in unser neues gemeinsames Zimmer. Da der Tag voller Arbeit uns so geschafft hatte, gingen wir beinah sofort ins Bett. Zusammen lagen wir noch eine Zeit lang im Bett und kuschelten einfach nur. ,,Es ist viel passiert oder?'', wandte sich Lena irgendwann an mich. ,,Ja, aber nur gutes. Wer hätte gedacht, dass wir einmal so viel Glück haben'', schloss ich mich ihr an. ,,Ja, endlich können wir in Ruhe das Leben genießen und müssen uns keine Sorgen mehr machen. Wir sind endlich frei'', beim letzten Satz kuschelte sie sich noch etwas mehr an mich ran. Kurz gab ich ihr noch einen Kuss auf die Schläfe und ein paar Minuten später waren wir auch eingeschlafen.
