Obi-Wan Kenobi's Sicht:
Heute kommt mein neuer Padawan das erste Mal an die Front und heute lerne ich sie auch das erste Mal kennen. Alles, was mir Meister Windu mitgeteilt hat, ist, dass sie 17 Jahre alt und sehr gewissenhaft und freundlich ist. Ansonsten habe ich keine Anhaltspunkte bekommen; Meister Windu meinte nur, dass wir eine interessante Kombination wären, die es so noch nie gab. Nach Anakin wird sie mein zweiter Padawan sein.
Im Moment bin ich mit Cody und Admiral Aila auf der Brücke des Kreuzers Eris. Vor uns liegen die unendlichen Weiten der Galaxis und man könnte fast meinen, dass kein Krieg herrschen würde. Wenn man zurück in die Realität möchte beziehungssweise muss, muss man nicht mal mehr den halben Nachbarmond umrunden und schon steht man vor einer großen Blockade der Separatisten. Der Krieg hat unser gesamtes Denken und Handeln verändert.
Langsam drehe ich mich vom Fenstag weg und begebe mich zum Holotisch, wo Cody und Admiral Aila versuchen eine Taktik auszutüfteln, wie wir unsere Verbündeten auf der Planetenoberfläche am besten unterstützen können. Der Hauptplan ist, dass wir erstmal die Blockade mit den Jägern durchbrechen, anschließend mit den Kreuzern landen, uns verteilen und die Vorräte den Einheimischen geben. Unten soll dann noch eine mobile Basis erbaut werden und ein ein paar Clonetruppen bleiben zur Überwachung des Wiederaufbaus dort. So sieht der Schlachtplan erstmal in der Theorie aus. Die Praxis ist wieder ein ganz anderer Fall. Wir haben nicht genug Truppen, um einen halbwegs erfolgreichen Luftschlag landen zu können. Verstärkung werden wir keine bekommen, das heißt die Mittel, die uns im Luft- und Bodenangriff zur Verfügung stehen, beschränken sich auf drei Kreuzer. Zudem haben wir nur einen Admiral, einen General, nämlich mich und zwei Commander. Einmal Cody und meine neue Padawan, die immer noch nicht anwesend ist.
Pünktlichkeit scheint wohl nicht zu ihren großen Stärken zu gehören. Meister Windu hat noch in den höchsten Tönen von ihr gesprochen, bevor ich hierher aufgebrochen bin. Entweder es ist etwas passiert oder sie ist auch so unpünktlich, wie Anakin es immer war.
"Meister Kenobi, wann kommt denn eigentlich Euer neuer Padawan. Müsste er nicht schon da sein?" Admiral Aila holt mich mit seiner Frage in die Realität zurück.
Mit meinem Oberkörper wende ich mich ihm zu und erwidere etwas angesäuert: "Schön, dass es Euch auch schon aufgefallen ist. Pünktlichkeit scheint wohl nicht ihre größte Stärke zu sein, genauso wie bei Anakin."
Verwundert schaut mich Cody an. "Sie? Also eine Padawan? Das habt Ihr in der Besprechung nicht erwähnt." Bevor ich ihm antworten kann, öffnet sich die Tür mit einem leisen Zischen und eine junge Jedi und der Commander der Coruscantwache treten ein. Zielstrebig laufen die beiden Seite an Seite auf uns zu. Irgendwoher kenne ich sie, aber ich weiß nicht, wo genau ich ihr mir bekanntes Gesicht einordnen soll.
Ihre Augen huschen im Raum unruhig hin und her, als ob sie nicht wüssten, auf wen sie sich fixieren sollen. Als sie bei uns ankommen, salutiert der Clonesoldat sofort.
"General Kenobi, hier ist die junge Jedianwärterin, die ich zu Euch bringen soll."
"Vielen Dank Commander. Ihr dürft jetzt zurück nach Coruscant", versuche die Atmosphäre etwas aufzulockern. "Sir, ja Sir", höre ich nur noch von der Coruscantwache, bevor sich diese nach dem Salutieren umdreht und den Raum verlassen will.
Die junge Padawan schaut ihn lächelnd an und sagt: "Bis bald Fox. Wenn ich wieder auf Coruscant bin, melde ich mich bei dir."
Durch die Macht spüre ich, dass auch er unter dem Helm lächelt: "Klar, mach das Cass, dann kann ich dir zeigen, wie man richtig ein Schiff steuert." Ich stutze. Wie man richtig ein Schiff steuert? Heißt das, dass sie nicht fliegen kann? Das komplette Gegenteil von Anakin.
Mittlerweile hat der Commander die Brücke verlassen. Gespannt wende ich mich meinem neuen Padawan zu. Etwas unschlüssig steht sie noch im Raum herum, bis sie ihre Schultern strafft und näher an den Holotisch herankommt.
Leicht deutet sie eine kleine Verbeugung an. Als sie wieder aufrecht steht, richtet sie sich sofort an mich: "Du kannst dich nicht mehr an mich erinnern oder Wan?" Mich durchzuckt ein Gedankenblitz. Mein Körper wird heiß und kalt zugleich. So hat mich bis jetzt nur eine Person genannt und das war Cassiopeia Shaw. Cassy. Klar, der Clone hat sie ja vorher mit Cass angesprochen. Ich bin so dumm. Warum konnte ich vorher keine Verbindung zu dem herstellen? Die Situation ist mir gerade richtig unangenehm. Ich schlucke. Das fängt ja gut an.
Verwundert schauen Cody und Admiral Aila zwischen uns hin und her. Für die beiden muss unsere Begegnung ein eigenartiges Bild abgeben. Eine zukünftige Padawan, die im ersten Moment etwas respektlos erscheint und ein Jedimeister, der seinem Padawan schon mal begegnet ist und sich nicht mehr an sie erinnern kann.
Lächeld strecke ich ihr meine rechte Hand entgegen. "Tut mir leid, Cassy. Im ersten Moment habe ich dich nicht erkannt. Unsere letzte Begegnung liegt ja auch schon etwas zurück."
Als sie meine Hand ergreift, lächelt sie auch. Eiskalt sind ihre Finger.
"Alles gut Wan. Geschieht mir auch irgendwie recht. Sorry wegen der Verspätung, aber es gab noch einige Sachen, die vor meiner Ankunft geklärt werden mussten." Interessiert neugierig mischt sich nun auch der Admiral in unser Gespräch ein und richtet das Wort an meinen Padawan: "Was für Sachen?"
Das bisschen Farbe, das Cassy im Gesicht hat, ist nun endgültig weg. Sie drucktst etwas herum, bis sie schließlich nuschelnd herausbringt, dass man es kaum verstehen kann. "Die Mitteilung, dass ich einen Meister habe, das Zusammentreffen mit Fox und dass er sich über meine Flugkünste beklagt hat."
Admiral Aila entweicht ein einfaches "Verstehe", bevor er nochmal das Wort mit stolz geschwellter Brust ergreift: "Verzeiht, dass ich mich noch nicht vorgestellt habe. Ich bin Admiral Aila und Ihr befindet Euch im Moment auf dem Kreuzer Eris." Auch der Admiral reicht ihr die Hand, die mein neuer Padawan freundlich ergreift. Zum Schluss schließt Cody die Vorstellungsrunde ab, indem er sich auch vorstellt: "Commander, ich bin Commander Cody." Er salutiert vor ihr.
"Also", mein neuer Padawan wippt auf den Zehenspitzen nach vorne und nach hinten,"wie genau sieht der Plan gegen die Seperatisten aus? Wie kann ich helfen?"
Sie ist genau, wie Anakin voller Tatendrang, aber geht nicht sofort mit dem Kopf durch die Wand. Die beiden sind sich ähnlicher, als sie zugeben wollen. Schon im Tempel, als die zwei noch Kinder waren, gab es immer Konkurrenzkämpfe, wer der bessere Jedi ist. Das lag nicht daran, dass man dachte, dass einer von ihnen die Auserwählte beziehungsweise der Auswerwählte ist. Keiner kann sich so genau daran erinnern, seit wann Anakin und Cassy auf Kriegsfuß stehen und was der Auslöser dafür war. Wichtig ist nur jetzt, dass im Krieg zusammengehalten wird und dass die beiden zusammen arbeiten können, da Anakin und ich oft noch gemeinsam auf Missionen geschickt werden, obwohl wir nicht mehr Padawan und Meister sind.
Admiral Aila antwortet prompt auf Cassys Frage: "Sehr schön, dass Ihr fragt Commander. Als erstes müssen wir die Weltraumblockade durchbrechen. Das wird kein leichtes Unterfangen werden. Wir hatten bereits einen Luftschlag, mussten uns aber nach kurzer Zeit mir hohen Verlusten zurückziehen." Cody knirscht mit den Zähnen.
"Unsere Reihen sind extrem ausgedünnt. Es ist dann erstmal Eure Aufgabe die Blockade mit der restlichen Staffel zu durchbrechen. Verstärkung erhalten wir auch nicht. Dieser Angriff muss gelingen", fügt der Admiral hinzu.
Auf den Schultern meines Padawans liegt eine schwere Aufgabe. Durch das Band der Macht konnte ich spüren, wie ihr bei jedem weiteren Wort des Admirals immer noch mehr unbehaglicher geworden ist. Sie wird es schaffen. Das weiß ich einfach, immerhin wurde sie mal für die Auserwählte gehalten und dieses Gedankengut ist immernoch bei einigen Padawanen und Jünglingen verankert.
"Ok", Cassy richtet das Wort in die Runde,"ich werde es versuchen zu schaffen. Dieser Planet, Daihlya, ist ein sehr wichtiger Handelspunkt der Galaxis. Wenn er den Seperatisten in die Hände fallen würde, könnten wir keinen Handel mehr betreiben. Unsere Ressourcen würden sich noch viel schneller dem Ende neigen und letztendlich würden wir den Kriegen auch sehr schnell verlieren."
