Hallo ihr Lieben! Ich hoffe ihr und eure Familien hatten ein wunderschönes Weihnachtsfest! Mein neues Kapitel ist fertig, allerdings noch nicht beta-gelesen. Wir haben alle ein RL ;) Ich hoffe es gefällt euch und viel Spaß beim Lesen!

Viele Besuche

Ich hatte wiedermal einen Brief von Dora bekommen. „Was hast du da?", fragte Lady Mary-Anne. Ich zeigte ihr den Brief. „Er ist von Dora. Ich hab den letzten Sommer bei ihr und George verbracht bevor ich nach Hogwarts kam. Sie wissen nichts von der magischen Welt. Es ist besser so, aber ich hab ihnen immer wieder geschrieben. Ich wollte den Kontakt nicht verlieren." Lady Mary-Anne nickte verständnisvoll. „Aber du weißt, dass du Familienmitgliedern von deiner Gabe erzählen darfst." Ich sah kurz erstaunt auf und nickte dann schnell. Sie denkt Dora und George sind meine Großeltern?! Na vielleicht besser so.

„Möchtest du sie besuchen? Wir haben dich eingeladen, aber du kannst selbstverständlich deine Familie besuchen oder auch Neville. Dies hier ist für den Sommer dein Zuhause. Ich hoffe du fühltest dich nicht gedrängt unsere Einladung anzunehmen?", fragte sie besorgt. Ich schüttelte schnell den Kopf und antwortete: „Oh nein, Lady Mary-Anne! Ich wollte hierherkommen. Für Dora und George ist es besser nichts von dieser Welt zu wissen. Sie können sie nicht besuchen oder Hogwarts sehen. Es ist so, wie von Frankreich zu hören, aber es nie besuchen zu können. Ich denke, es ist schlimmer, von etwas zu wissen und es nie wirklich haben zu können. Denken Sie nicht?"

Lady Mary-Anne sah mich lange an, nickte dann und meinte: „Wahrscheinlich hast du Recht. Ich habe nie so darüber nachgedacht. Die Muggelwelt ist mir sehr fremd. Ich habe sie lange nicht mehr besucht. Wenn wir andere Länder besuchen, so besuchen wir das magische Äquivalent." „Selbst hier? In Gryffin Coast? Ich mein, hier leben auch Menschen", fragte ich erstaunt. Lady Mary-Anne antwortete mir: „Diese leben auch mehr in der magischen Welt. Sie arbeiten zwar in den Dörfern außerhalb von Gryffin Coast, aber sie verändern nicht unser Leben hier." Ich nickte nachdenklich. Es sind wirklich zwei verschiedene Welten, fast voneinander getrennt!

Am Freitag schickte ich Harry sein Geburtstagsgeschenk. Dobby müsste Harry heute Nacht ja besucht haben und Harry bekommt nun wieder seine Post. Ich hoffe das Abenteuerbuch gefällt ihm. „Anna!",rief mich Lord Richard. „Ich komme, Sir!" Lord Richard und Lady Mary-Anne brachten mich in einer fliegenden Pferdekutsche nach Cokeworth. Apparieren ist gut schön, aber man kann nur dort hinreise, wo man schon mal gewesen ist. Fremde Orte kann man mit Apparieren also nicht besuchen. Ich sah aus dem Fenster und genoss die Reise. Lord und Lady Windsor unterhielten sich mit mir über meinen Kurztrip. Es war Freitagnachmittag und Lord Richard würde mich am Sonntagabend wieder abholen, dann aber per Apparation.

Wir landeten hinter einer kleinen Baumgruppe. Den Rest des Weges liefen wir. Dora begrüßte mich schon am Tor: „Hallo Anna! Wie schön dich wieder zu sehen!" Dora umarmte mich und hieß Lord und Lady Windsor willkommen. George begrüßte sie ebenfalls und nahm mich auch in den Arm. Doras Einladung zur Teezeit lehnten sie allerdings ab, da sie gleich weiterwollten. „Wir sehen uns dann am Sonntagabend. Genies deine Zeit hier, Anna!", verabschiedete sich Lady Mary-Anne und gab mir einen Kuss auf die Wange. Dann wandten sich Lord und Lady Windsor ab und gingen die Straße zurück.

Dora führte mich auf die Terrasse und wir aßen Kuchen, Kekse und tranken Früchtetee. Tiger, der mitgekommen war um seine Familie zu besuchen, schleckte genüsslich seine Milch. Nach der Teezeit ging ich mit Dora in den Küchengarten und half ihr bei den Kräutern, die morgen auf dem Wochenmarkt verkauft werden sollten. Wir sprachen über Heilkräuter und ihre Wirkungsweise. Dora war sehr überrascht, wie bewandert ich schon in dem Thema war. „Dein Kräuterprojekt über das Jahr hat dir viel Wissen vermittelt, Kleines." Ich nickte und antwortete: „Ja, offensichtlich. Nächstes Jahr will ich ein Thema über den Sammelzeitraum machen." Dora sah auf und lachte. „Deine Schule gefällt mir immer mehr. Wie hieß deine Biologielehrerin nochmal?" „Sprout", entgegnete ich.

Am Abend half ich Dora beim Kochen in der gemütlichen Wohnküche. Nach dem Abendessen sahen Dora, George und ich gemeinsam einen Spielfilm im Fernsehen. Wann hab ich das letzte mal ferngesehen? Fast zwei Jahre, das letzte mal in der „alten Zeit" Um 22 Uhr fielen Tiger und ich todmüde ins Bett und schliefen gleich ein. Am nächsten Morgen half ich George noch vor dem Frühstück um 5.30 Uhr im Stall. Ich fütterte die Tiere, sammelte die Eier ein und melkte die Kühe. Nach einem deftigen Frühstück wollte ich spazieren gehen, während George und Dora alles zusammenpackten für den Markttag. Ich lief zu der alten Scheune, die mir im letzten Jahr Unterschlupf war und erkundete alles. Es war wieder sehr staubig, aber mich überfiel ein wenig Wehmut. Hier bin ich vor genau einem Jahr angekommen. So viel ist seit dem geschehen! Es ist kaum zu glauben.

Tiger schnurrte um meine Beine, ich nahm ihn auf meinen Arm und kuschelte mit ihm. „Ich geh gleich zurück. Wir wollen auf den Markt. Willst du mit oder besuchst du deine Familie?", fragte ich ihn. Tiger maunzte: „Ich werde sie im Wald suchen. Vielleicht kommst du morgen mal mit?" Ich nickte und wir trennten uns. Ich lief zurück zum Bauernhof und Tiger in den Wald. Dora und George hatten den alten Paul schon vor den Wagen gespannt. Ich stieg auf und wir fuhren in die Stadt.

Auf dem großen Marktplatz vor der Kirche bauten wir einen großen Stand auf und stellten die Kräutertöpfchen, Gemüseplatten und Obstkästen auf. Um neun Uhr eröffnete der Wochenmarkt und die ersten Kunden kamen an. Hausfrauen, die frisches Obst und Gemüse kaufen wollten. Ein paar Familien mit kleinen Kindern liefen auch schon durch die Gänge zwischen den Ständen. Ich half Dora beim abwiegen des Mehls und einpacken der Einkäufe. Dora und George unterhielten sich auch mit ein paar ihrer Stammkunden. Ich füllte gerade die Kästen auf und stellte frische Kräutertöpfe auf die Verkaufsfläche, als ich jemanden in der Menge erkannte, den ich nicht erwartet hatte.

Diese Person sah mich auch und kam auf mich zu. „Miss Hansen, welch ein Zufall. Ich dachte, sie wären bei den Windsors." Ich schluckte schnell, knickste und antwortete höflich: „Guten Morgen, Professor Snape. Sie liegen nicht falsch. Ich bin bei den Windsors, allerdings besuche ich dieses Wochenende George und Dora." Dora kam zu mir herüber und lächelte Snape höflich an, bevor sie mich fragte: „Anna, Kleines, habe ich richtig gehört? Professor Snape, dein Chemielehrer?" Ich nickte und antwortete: „Ja, Dora!" Dora streckte Snape ihre Hand hin und sagte höflich: „Guten Tag, Professor! Es ist schön Sie einmal kennen zu lernen. Anna hat viel von Ihnen erzählt." Snape zog eine Augenbraue hoch, sah mich an und meinte: „Ach wirklich." Er nahm Doras Hand und schüttelte sie leicht. Ich wurde leicht rot. Kann Dora nicht den Mund halten?! Das ist peinlich! „Können wir etwas für Sie tun, Professor?", erkundigte sich Dora höflich.

Snape sah sich interessiert die Kräutertöpfchen an. „Ja, in der Tat. Ich suche nach Salbei, Melisse, Liebstöckel und Brennnessel." „Da können wir Ihnen helfen. Anna, dein Kunde." Dora lächelte mich an und wendete sich einer älteren Frau zu. Snape blickte mich intensiv an. „Salbei, Melisse, Liebstöckel und Brennnessel, Sir? Wie viel von jedem?" Snape antwortete: „Vier Töpfchen von jeder Pflanze, Miss Hansen." Während ich seine Bestellung fertigmachte, beobachtete dieser mich aufmerksam. Als ich ihm seinen Einkauf gab und sein Geld entgegennahm, räusperte sich dieser und fragte: „Sind sie Ihre Familie?" Ich sah zu Dora und George hinüber und nickte dann. „Ja, sir." Er nickte und meinte: „Bis in einem Monat in der Schule, Miss Hansen. Ich hoffe Sie bereiten sich ausführlich auf ihren… Chemieunterricht vor." Ich nickte höflich und antwortete: „Ja natürlich, Sir. Einen schönen Sommer wünsche ich Ihnen." Snape nickte und verschwand ohne weiteren Kommentar. Puhh. Das war eine Begegnung der dritten Art! Snape in Muggelkleidung und im Sonnenlicht! Ron wird mir kein Wort glauben!

Um 14 Uhr bauten wir ab und fuhren zurück zum Hof. Nachdem wir alles aufgeräumt haben, machten Dora, George und ich uns gemeinsam auf zum See. Dora legte eine rießige Picknickdecke unter einem Baum aus. George legte sich auf das trockene Gras und machte ein Nickerchen. Dora las in einem Roman und ich ging im See baden. Am Abend grillten wir Würstchen und Stockbrot über einem Lagerfeuer am See. Irgendwann kam auch Tiger aus dem Wald und kuschelte sich in meinen Schoß. George erzählte eine Geschichte nach der anderen und spät in der Nacht kehrten wir erst wieder zum Hof zurück. Dieser Tag war einfach toll!

Den Sonntagmorgen verschliefen wir alle ein wenig und standen erst um neun Uhr auf und versorgten die Tiere bevor wir gemütlich in der Sonne auf der Terrasse frühstückten. „Kommst du heute mit mir?", fragte mich Tiger nachdem ich den Tisch abgeräumt und Dora geholfen hatte die Küche aufzuräumen. „Natürlich! Ich bin schon sehr gespannt auf deine Familie, Tiger." Tiger führte mich zur Scheune und dann in den Wald hinein. Wir liefen immer tiefer hinein, die Bäume wurden dichter und der Wald dunkler. „Ähm, Tiger", ich duckte mich unter einem tiefen Ast weg, „Bist du sicher, dass das wir richtig sind?" „Ja!" Okay, ich wusste gar nicht, dass es noch richtige Urwälder gibt.

Wir kamen an einer kleinen Lichtung an, durch die ein kleiner Bach floss. Die Sonne glitzerte durch das Blätterwerk der Bäume und warfen lustige Schattenspiele auf die kleine Lichtung. „Kommt raus!", maunzte Tiger laut. „Sie wird euch nichts tun." Ich hockte mich neben Tiger. Da sah ich ein kleines Köpfchen aus dem Gebüsch herausschauen. „Oh, wie süß", rief ich leise aus. Der kleine Kopf schob sich noch weiter aus den Büschen hervor und eine kleine grau-gestreifte Kätzchen tapste auf Tiger zu. „Das ist Minze, eine meiner kleinen Schwestern aus dem neuen Wurf", erklärte Tiger leise. Ich streckte sanft meine Hand aus und Minze schnüffelte leicht an ihr. Dann streichelte ich seicht über ihren Kopf. Minze miaute leise. Sie ist noch zu klein um richtig zu sprechen, sowie die kleinen Welpen auf dem Gestüt.

Noch ein paar Kätzchen kamen auf die Lichtung gefolgt von zwei großen Katzen, die eine war eine echte Wildkatze oder eher Kater. Er war braun-grau getigert und hatte leuchtend grüne Augen. Erinnern mich an Harrys. Hoffe die Weasleys kommen wie im Buch zu seiner Rettung. Die andere Katze war eine große orangene Hauskatze mit ebenfalls grünen, allerdings dunkleren, Augen. „Das sind meine Eltern. Mum, Dad, das ist Anna", stellte mich Tiger vor. Ich nickte leicht mit meinem Kopf und grüßte höflich: „Guten Tag! Es freut mich euch kennen zu lernen." Die beiden großen Katzen beobachten mich misstrauisch. Kein Wunder, Tigers Mum ist von ihrem Menschen weggelaufen. Genau wie Cuairt-Gaoth. Ich frag mich wie viele Tiere noch unglücklich bei ihren Menschen sind.

Tigers Mum kam langsam auf mich zu und ich ließ sie an mir schnuppern. „Du bist also das Menschenkind weswegen mein Sohn von seinem Zuhause weggelaufen ist." Ich stockte kurz und meinte dann zögerlich: „Ähm, nun ja, so ganz stimmt das wohl, aber auch nicht. Ich habe ihn nicht gezwungen. Er wollte mit mir kommen." „Und es war die beste Entscheidung meines Lebens, Mum!", unterbrach mich Tiger energisch. „Ich habe die Zauberwelt, Hogwarts und noch vieles mehr gesehen, als ich mir je erträumen konnte. Es war richtig!" „Er hat Recht, mein Schatz! Tiger wollte nie hier im Wald leben. Er hat ihn immer schon verlassen und sich in der Nähe der Menschen aufgehalten. Er ist eben abenteuerlustig, unser Tiger", besänftigte Tigers Dad seine Gefährtin. Diese nickte nur missmutig.

Ich lächelte sie an und sagte leise: „Ich werde ihm nie etwas tun. Er ist mein Freund!" Ich lächelte Tiger an und dieser sprang auf meinen Schoß und ich kraulte ihn am Ohr, seiner Lieblingsstelle. Tigers kleine Wurfgeschwister tapsten wieder vorsichtig heran und ich streichelte sie sanft über ihr Fell. Tigers Mum und Dad legten sich ins Gras und beobachteten mich und Tiger. Tiger erzählte wieder seine Abenteuer in Hogwarts und auch ich erzählte Geschichten von meinen Freunden. So verging der Morgen schnell und als die Sonne am höchsten stand machten wir uns wieder auf zum Bauernhof. „Vermisst du deine Familie?", fragte ich Tiger, als wir den Wald verließen. „Manchmal, aber meistens nicht. Ich habe Freunde in Hogwarts und nicht nur dich!", meinte er grinsend. Ich lachte und meinte: „Ja, das weiß ich!"

Den Nachmittag verbrachten wir wieder mit George und Dora am See, veranstalteten ein Picknick und badeten im See. Am Abend nach dem Abendessen warteten wir auf Lord Richard. Es war 20 Uhr, als es an der Tür klopfte. Dora öffnete die Tür und begrüßte ihn höflich. George und er schüttelten Hände. „Guten Abend, Lord!", grüßte er höflich. „Guten Abend! Anna, ich hoffe du hattest ein schönes Wochenende!" Ich nickte und antwortete: „Ja, Lord Richard. Es war unglaublich schön!" Er nickte und meinte dann: „Wir müssen los! Verabschiede dich und komm!" Ich umarmte George und dann Dora zum Abschied. Dora küsste mich aufs Haar und gab mir etwas in Papier eingewickelt. „Das ist für dich, Kleines! Damit du uns nicht vergisst! Ich hoffe du schreibst uns weiterhin." Ich nahm das Päckchen und umarmte Dora dann fest. „Ich vergesse euch nie und ich schreibe. Versprochen!" Dora nickte, nahm Tiger auf den Arm und trat mit Lord Richard aus dem Haus. Dora und George standen in der Tür der Wohnküche und winkten, als wir den Hof verließen.

„Bereit?", fragte Lord Richard. Ich nickte, nahm einen Schluck von dem Magenberuhiger-Trank und hielt mich dann fest an Lord Richards Arm. Dieser apparierte uns in sekundenschnelle zurück nach Gryffin Coast. Lady Mary-Anne, Emily und Matthew erwarteten uns im Familienzimmer. Ich erzählte von meinem Wochenende und packte Doras Päckchen aus. In ihm war ein Schal, der mit Motiven bestickt war. Ich konnte eine kleine Katze, einen See, einen Hof und eine große Sonne erkennen. Am Rand war der Schal mit winzigen Gänseblümchen Doras Lieblingsblumen! und Trauben Georges Lieblingsobst bestickt. Lord Mary-Anne inspizierte den Schal und sagte: „Ein wunderschönes Geschenk!" Ich nickte und legte ihn mir um die Schultern. „Er steht dir", sagte Matthew und Emily nickte zustimmend.

Ich ritt wiedermal heimlich auf Cuairt-Ghaoth aus. Vor zwei Tagen bin von meinem Wochenendtrip zurückgekommen. Emily und Matthew waren in den letzten Tagen ständig damit beschäftigt ihren Eltern bei den Vorbereitungen für das Turnier zu helfen. Ich hatte meine Hilfe angeboten, aber Lord Richard hatte mein Angebot freundlich abgelehnt, da ich sein Gast war. Somit hatte ich viel freie Zeit zwischen den Trainingstunden, die ich sinnvoll genutzt hatte. Cuairt-Ghaoth und ich waren inzwischen schon ein sehr gutes Team. Im Moment ritten wir außerhalb von Gryffin Coast über die Wiesen und Felder in der Muggelumgebung. Auf Cuairt-Ghaoth lag der „Bemerk-mich-nicht-Zauber", sodass keiner der Muggel seine Flügel bemerken konnte oder uns durch die Wolken fliegen sehen konnte.

Wir flogen zu unserer Lieblingsstelle etwa 20 km weg von Gryffin Coast. Es waren Klippen, die metertief über dem tiefblauen Meer herausragten. Ich liebe diesen Blick! Blaues weites Meer und sonst nichts! Stormy graste, ich saß unter einem Baum und aß einen Apfel. Es war schön ruhig bis auf das Rauschen des Meeres, sodass ich fast einschlief. Da hörte ich das Trappeln von Hufen und sah den Hügel hinunter. Ein Junge auf einem rotbraunen Hengst kam den Hügel hinaufgeritten. Ich sah schnell zu Stormy. Hoffentlich hält der Zauber! Der Reiter kam näher und je näher er kam, desto bekannter kam er mir vor. Der Junge stoppte sein Pferd wenige Meter vor mir und grüßte mich: „Hallo! Neu hier? Ich habe dich vorher noch nie hier gesehen?" Ich musterte ihn und meinte dann unschlüssig: „Hallo, kenne ich dich nicht?" Der Junge sah mich an und dann fiel es mir ein und fragte: „Bist du nicht Oliver Rivers?" „Ähm ja, stimmt und du Anna Hansen. Aus Zaubertränke", antwortete er überrascht. Ich nickte. Oliver kam näher, setzte sich neben mich und fragte dann: „Was machst du hier? Wohnst du etwa hier?"

Ich schüttelte meinen Kopf und erklärte ihm: „Nein, ich bin über die Ferien zu Besuch bei Emily Windsor und ihrer Familie. Ich bin mit Stormy ausgeritten." Ich deutete auf Cuairt-Ghaoth, der sich etwas entfernt hatte und die Situation misstrauisch beobachtete. „Schönes Tier… Hat er etwa Flügel?", fragte Oliver total perplex. Ich lachte und meinte: „Ja, er ist ein Granianer." „Wow! Ich habe über sie gelesen, aber noch nie eines gesehen." Er wollte aufstehen und auf Cuairt-Ghaoth zu, aber ich hielt ihn am Ärmel zurück und meinte: „Besser nicht, er ist sehr misstrauisch und lässt nur mich an sich heran." Oliver nickte und setzte sich wieder hin. „Ich finde es schade, dass wir in Hogwarts nicht reiten können. Das ist mein Lieblingshobby und ich bin jeden Tag mit Kobold unterwegs", erzählte mir Oliver.

Ich musterte den rotbraunen Fuchshengst, ging auf diesen zu und hielt ihm meine Hand hin, sodass dieser mich beschnuppern konnte. Kobold wieherte freundlich. Oliver stand ebenfalls auf, klopfte ihn am Hals und sagte: „Er scheint dich zu mögen." Ich nickte zustimmend. Vielleicht haben Emily, Neville und Matthew Recht und ich habe mehr, als nur die Sprache der Tiere, als Gabe! Ich setzte mich zurück ins Gras und Oliver tat es mir gleich. „Wohnt Emily hier in einem Herrenhaus. Ernie hat immer von seinem erzählt oder mehr damit angegeben", erklärte Oliver. Ich schüttelte den Kopf und antwortete: „Nein, sie wohnt auf einem großen Gestüt in Gryffin Coast." „Gryffin Coast?" Oliver sah mich fragend an. Ich erwiderte seinen Blick verdutzt. „Ist das ein Dorf?", fragte er weiter. Ich nickte perplex. Er fragte weiter: „Ich habe noch nie von ihm gehört und ich lebe hier seit meiner Geburt. Oder ist es weiter weg?" Er sah auf Cuairt-Ghaoths Flügel.

Ich folgte seinem Blick. Er weiß nichts von Gryffin Coast und lebt sein ganzes Leben schon hier? Sprich von zwei getrennten Welten. Es ist unglaublich! Ich sah Oliver wieder an und antwortete auf seine Fragen: „Gryffin Coast ist ein magisches Dorf, naja so halb. Dort leben auch Menschen, die mit Hexen oder Zauberern verheiratet sind. Sie leben dort zwar, aber das Dorf selbst ist vor der Menschenwelt versteckt, nur die die magisch sind oder von dem Dorf wissen, können es sehen. Es ist liegt etwa 20 km in südwestlicher Richtung von hier." „Ich lebe seit Jahren in der Nähe eines magischen Dorfes und wusste nichts davon? Wahnsinn!", rief Oliver fassungslos aus und griff sich an den Kopf. Ich sagte nichts, denn ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte.

Wir schwiegen eine Weile, dann unterbrach Oliver die Stille und fragte aufgeregt: „Kannst du mich mal dorthin bringen?" „Ähm", ich zögerte und Oliver senkte enttäuscht seinen Kopf. Ich sagte hastig: „Oh versteh mich nicht falsch. Es ist nur kompliziert. Weißt du,… Emilys Eltern… sie… nun ja… sie wissen nicht, dass ich außerhalb von Gryffin Coast reite und da wäre es irgendwie schwierig zu erklären, wie ich dich getroffen habe. Aber ich überlege mir etwas versprochen. Ich kann dir eine Eule schicken, okay?" Oliver nickte zufrieden, sah dann zu Cuairt-Ghaoth hinüber und meinte verschmitzt grinsend: „Heimlich ausgeritten? Wow, in euch Ravenclaws steckt mehr, als ich vermutet habe. Ich dachte ihr seid die Streber!" Ich grinste ihn an und meinte: „Nein, wir sind die Klugen mit einem Plan!" Oliver musste auflachen und ich auch. Wir redeten noch eine Weile bevor wir beide wieder aufbrachen um nach Hause zu reiten. Er auf der Erde und ich durch die Luft.

Es war ein sonniger, aber windiger Samstagmorgen, als ich mit Neville, Emily und Lauren den Hafen von Gryffin Coast besuchte. Ein großer Segler kam gerade an und wir konnten das Anlegemanöver beobachten. Die Mannschaft holten das Segel ein und das Schiff wurde mit riesigen Tauen am Hafensteg befestigt. Viele Zauberer und Hexen, auch Kinder stiegen aus. Die tragen ja merkwürdige Roben und Kleider, so viele verschiedene Farben in einem Kleidungsstück. „Dieses Schiff kam von Afrika, mit Zwischenstation in Portugal und Frankreich", informierte uns Emily. „Schaut euch nur diese farbigen Roben an!", staunte Neville. „Ja!", rief Lauren laut aus. „Die machen die Farbkombis von Dumbledore wahrlich Konkurrenz, nicht Neville!" Wir mussten lachen und Neville wurde knallrot. Daraufhin mussten Emily und ich noch mehr kichern. Neville blickte zu Lauren und stammelte: „Das… also… das… darauf wollte… ich…ich… eigentlich nicht hinaus, Lauren."

Neville ist irgendwie süß, wenn er so errötet. Ich hoffe diese charmante Eigenheit bleibt ihm, auch wenn er jetzt schon mehr Zutrauen hat, als in der „alten Zeit" „Kommen die alle wegen dem Turnier?", fragte ich erstaunt. Emily nickte und Lauren fügte hinzu: „Und es werden noch drei andere Schiffe erwartet, aus dem Südosten, Amerika und Brasilien! Es ist schließlich ein Weltmeisterturnier, das findet nur alle fünf Jahre statt!" „Und wir sind diesmal die Gastgeber! Eine Riesenehre!", sagte Emily stolz. „Und du und Anna nehmt daran teil. Wow!", meinte Neville etwas ehrfürchtig. Mir wurde etwas flau im Magen. Kaum fang ich an zu reiten, soll ich an so einem Turnier teilnehmen! Ich weiß nicht… ob ich dafür bereit bin?

Emily legte ihren Arm um meine Schultern und sagte selbstsicher: „Und wir werden auch gewinnen! Kopf hoch, Anna! Mit Stormy hast du mehr als eine gute Chance. Ihr zwei seit unschlagbar! Das hat unser Training doch gezeigt. Matthew und ich konnten nur knapp an euch dranbleiben und Matthew ist letztes Jahr Landesmeister geworden!" Ich holte tief Luft und nickte. Lauren sah uns neugierig an und fragte mich: „Lord und Lady Windsor haben dir nun doch erlaubt mit Stormy am Turnier teilzunehmen?" Ich wurde leicht rot, als ich mich an die Standpauke erinnerte, die vor ein paar Tagen stattfand.

Flashback Anfang

Ich kam gerade von einem anderen heimlichen Ausritt und brachte Stormy, oder eher gesagt Cuairt-Gaoth, zurück auf seine Koppel, als aus der Dämmerung ein Schatten auf mich zutrat. Ich erschrak fürchterlich und zog unwillkürlich meinen Zauberstab. Der Schatten trat näher an die Laterne, die am Rand des Zaunes stand und ich erkannte Lord Richard, der mit verschränkten Armen und strenger Miene auf mich zukam. Ich wurde leicht blass. Oh Mist! Erwischt! „Guten Abend, Anna!", grüßte er mich streng. Ich schluckte schwer und flüsterte leise: „Guten Abend, Lord Richard." Er musterte mich und Stormy, der dicht neben mir stand und die Ohren angelegt hatte. Ich strich ihm beruhigend über den Hals und flüsterte: „Er ist nicht böse. Er wird mir nichts tun." „Das sehe ich", entgegnete Lord Richard und sah mich überrascht an. Ich wendete mich an ihn und meinte entschuldigend: „Ehrlich gesagt, Lord Richard, hatte ich nicht mit Ihnen, sondern über Sie gesprochen. Cuar…. Ich mein Stormy ist sehr misstrauisch."

Lord Richard musterte mich und sagte dann: „Verstehe! Dürfte ich nachfragen, wie es kommt, dass du auf ihm reitest? Nachdem ich mir ziemlich sicher bin euch Kindern den Umgang mit diesem Pferd verboten zu haben." Ich druckste etwas herum und meinte dann: „Er ist nicht gefährlich, nur missverstanden und er und ich verstehen uns, Sir!" Lord Richard sah mich streng an und sagte: „Ich denke wir sollten dieses Gespräch drinnen fortsetzen. Komm!" Damit drehte er sich um und ich folgte ihm etwas unsicher ins Haus in sein Büro. „Licky, bitte meine Gemahlin hier her. Es gibt etwas Wichtiges zu besprechen", befahl Lord Richard seiner persönlichen Hauselfin. „Ja, Master!", piepste die Hauselfin und knickste tief, bevor sie mit einem Pop verschwand.

Lord Richard saß hinter seinem Schreibtisch und ich auf einem Stuhl davor. Wir warteten in Stille auf Lady Mary-Anne. Was mache ich jetzt? Ich wusste, dass es früher oder später soweit kommen würde. Aber lieber hätte ich es Ihnen lieber selber gesagt, als erwischt zu werden. Lady Mary-Anne trat ein und sah ihren Mann und mich mit fragender Miene an. „Was ist hier los?", fragte sie. Lord Richard deutete auf einen Stuhl neben ihr und bat sie: „Setz dich, meine Liebe! Anna hat uns beiden einiges zu erzählen!" Ich schluckte abermals, aber mein Hals fühlte sich ziemlich trocken an. Lady Mary-Anne setzte sich und sah mich fragend an. Lord Richard tat es ihr gleich. Also gut.

Ich räusperte mich und begann zu erklären: „Es tut mir leid, dass ich hinter eurem Rücken gehandelt habe, aber es war nicht in böser Absicht!" „Was genau hast du denn getan?", fragte Lady Mary-Anne. Ich sah zu Lord Richard hinüber, aber der sah mich nur mit strenger Miene herausfordernd an. Ich seufzte und erklärte: „Ich habe Cuar… Stormy eingeritten…" „Du hast was? Anna! Dieses Pferd ist gefährlich, tückisch! Es hat schon mehrere Jockeys gebissen! Du weißt doch, warum wir euch verboten haben sich ihm zu nähern", unterbrach mich Lady Mary-Anne aufgebracht. Ich nickte, aber sprach dann selbstsicher: „Ja, Mam! Das weiß ich und ich habe ihn auch nicht sofort geritten, sondern ihm Möhren gegeben, wochenlang. Später hat er sich von mir streicheln und aus der Hand füttern lassen. Dann habe ich ihn angefangen zu striegeln und dann erst später bin ich auf seinen Rücken gestiegen. Cuar… Stormy vertraut mir inzwischen. Sein Verhalten gegenüber allen anderen, muss Gründe haben. Niemand ist von Geburt an böse."

„Wochenlang?", fragte Lord Richard streng. Ich nickte und sagte leise: „Ja, Sir. Es tut mir wirklich leid. Ich wollte es Ihnen bald erzählen, wenn ich mir sicher bin, dass Stormy sich auch Ihnen gegenüber benimmt. Ich wollte sie nicht hintergehen, aber ich hatte Angst, das gebe ich zu." „Angst vor uns?", fragte Lady Mary-Anne überrascht. „Haben wir dir dazu irgendwann einen Grund gegeben?" Ich schüttelte meinen Kopf und antwortete ehrlich: „Nein, aber Sie wollten Stormy verkaufen. Ich hatte Angst, wenn ich Ihnen nicht beweisen kann, dass ich ihn führen und reiten kann, würden Sie ihn sofort wegbringen und wer weiß, wo er dann hingekommen wäre. Sie haben es doch selbst gesagt, Lady Mary-Anne, ich habe ein Gespür für Pferde, naja für die Tiere allgemein. Ich wollte Stormy helfen, dass er hierbleiben kann und … das hat Wochen gebraucht."

Lord Richard musterte mich kritisch und Lady Mary-Anne sah zwischen mir und ihrem Gatten hin und her. „Richard?" Lord Richard seufzte leise und rieb seinen Nasenrücken. „Das kann ich verstehen, Anna, und auch das du diesem Pferd helfen wolltest, aber trotzdem, lügen, verheimlichen?" Ich wurde rot, senkte beschämt meinen Kopf und flüsterte leise: „Das tut mir wirklich leid, Sir!" Lord Richard nickte, seufzte tief und sagte dann: „Von nun an, Anna, keine Lügen und keine Geheimnisse mehr. Wenn du ein Problem hast, komm zu uns! Wir werden dir zuhören und helfen. Versprochen?" Ich sah auf und blickte ihm direkt in die Augen. „Versprochen, Sir!" Er nickte abermals und meinte: „Dann ist das Thema erledigt." Ich sah ihn überrascht an, er musste lächeln und fragte: „Was ist, Anna?"

Ich wurde wieder rot und fragte leise: „Ähm, werden Sie mich nicht bestrafen? Ich mein… wegen… wegen dem Lügen, Sir." Lady Mary-Anne sah ihrem Mann an und antwortete mir dann: „Nein, Liebes. Du hast zwar etwas falsch gemacht, aber aus einem guten Grund heraus. Du warst trotz allem vorsichtig, denn ich habe keine Verletzungen an dir gesehen, oder hast du sie versteckt?" Ich schüttelte den Kopf und verneinte: „Nein, Mam. Ich habe mich nicht verletzt. ER hat mich nicht verletzt." Lady Mary-Anne nickte und fuhr fort: „Du bist neu hier und auch wir sind dir noch ein wenig fremd. Es ist normal für dich, Dinge alleine zu regeln, wenn ich den Geschichten von dir und Emily glauben kann. Also ist es auch verständlich, dass du diese hier alleine regeln wolltest und wie du gesagt hattest. Du wolltest mit uns reden. Richard war nur schneller, nicht wahr?" Ich nickte zaghaft. Lady Mary-Anne lächelte und sagte: „Na also. Du hast zwar die Regeln gebrochen, aber aus gutem Grund, warst dabei vorsichtig und hast dich nicht verletzt! Für uns ist das Thema damit erledigt!"

Ich nickte erleichtert. Das ging ja nochmal glimpflich ab. Aber Lord Richard wandte nochmals streng ein: „Allerdings werden beim nächsten Mal, Konsequenzen folgen, Anna. Du weißt jetzt, dass du mit uns reden kannst. Also bitte, tue das in Zukunft auch!" Ich nickte abermals und sagte mit fester Stimme: „Sie haben mein Wort, Lord Richard." Ich stand auf und knickste einmal vor den beiden und wollte hinausgehen, als ich mich nochmals zu den beiden umdrehte. „Ehrlich gesagt, Sir, wäre da etwas über das ich mit Ihnen sprechen wollte. Oder eher, bitten wollte." Lord Richard sah mich fragend an. „Und das wäre, Anna?" „Bitte geben Sie mir die Erlaubnis mit Stormy an dem Turnier teilzunehmen!" Lord und Lady Windsor sahen mich verblüfft an. „Anna, also ich weiß nicht", begann Lady Mary-Anne. Ich unterbrach sie und bat: „Bitte! Ich weiß, dass ich ihn reiten kann und ehrlich gesagt hat es noch einen anderen Grund." „Welchen?", fragte Lord Richard. „Ich will Stormy freikaufen!" Auf dieses Statement folgte erstmal Stille.

Flashback ende

Ich sah zu Lauren und Neville und antwortete: „Ja nach langen hin und her." Emily sah mich ernst an und sagte: „Du hättest eben von Anfang an ehrlich sein müssen. Ein Wildpferd alleine einreiten, noch dazu ein so unbändiges. Also ehrlich, Anna, manchmal sind dein Gryffindoreigenheiten viel zu präsent." Diesmal musste Neville laut lachen bei meinem Gesicht und Lauren stimmte ebenfalls ein. Ich rollte etwas genervt die Augen und meinte: „Ja, ja, schon klar! Ich bin manchmal recht eigensinnig!" „Jep!", sagte Neville und lachte wieder. Ich streckte ihm die Zunge aus und musste dann selber lachen.

Hat es euch gefallen? Kommentare sind gerne erwünscht :) Bis zum nächsten Mal...