Hallo ihr Lieben! Ich entschuldige mich für meine lange Abwesenheit. Die letzten Monate waren gefüllt mit Praktika und Prüfungen. Jetzt ist das neue Kapitel endlich fertig und Annas zweites Schuljahr fast zu Ende! Viel Spaß beim Lesen!

Die Beschützer

Zwischen mir und Neville herrschte im Moment schuldiges frostiges Schweigen. In unseren gemeinsamen Unterrichtsstunden saßen wir nicht einmal nebeneinander. So ging es eine Woche lang. Ich fühlte mich immer elender. Ich sah vom Ravenclawtisch zu ihm hinüber, aber er wich meinen Blicken aus. Im Unterricht ignorierte er mich weiter und setzte sich sogar von mir weg. Ich fühlte mich so alleine. Tiger versuchte mich aufzumuntern, aber das half nicht viel. Er kam aber viel öfter als in letzter Zeit und wir kuschelten oft zusammen in meinem Zimmer. Emily. Lauren und Stephen wussten zwar, dass Neville und ich uns zerstritten hatten, denn ich sah es in ihren Augen, aber nicht um was es genau ging. Sie erwähnten ihn nicht und ich verbrachte etwas mehr Zeit mit ihnen, aber es fühlte sich nicht so an, wie die Zeit mit Neville und Tracey im Hauptquartier. Tracey, die immer noch versteinert, kalt und einsam im Krankenflügel liegt. Alles meine Schuld! Hätte ich dieses doofe Buch doch nie hierhergebracht; hätte ich bloß nie darin geschrieben!

In Zauberkunst nach einer weiteren Woche ununterbrochenen Schweigens hatte sich Neville endlich wieder zu mir gesetzt. Wir übten gerade Marionetten zu bewegen, als er leise flüsternd zu mir sagte: „Anna, ich…. Ich möchte mich bei dir entschuldigen." Total perplex sah ich zu ihm und sagte verdattert: „Neville, du musst dich nicht entschuldigen. Ich habe Geheimnisse vor dir und Tracey gehabt. Du hast jedes Recht, sauer auf mich zu sein. Ich habe Mist gebaut und es tut mir leid!" Neville nickte, aber sagte: „Ich weiß, aber ich habe dich gemieden. Jeder macht Fehler. Du bist meine beste und ehrlich gesagt erste echte Freundin. Du hast immer zu mir gehalten und bist immer geduldig, wenn ich einen Zauber nicht gleich beherrsche. Du unterstützt meine Interessen, auch wenn sie nicht deine sind. Ich… ich war nur so enttäuscht, denke ich… aber es ist okay. Wir werden das wieder geradebiegen. Zusammen, Anna! Uniques?" Er hielt mir die Hand hin und ich legte meine auf seine und sagte mit Tränen in den Augen: „Uniques für immer! Danke Neville!"

Professor Flitwick räusperte sich und Neville und ich sahen schuldbewusst zu ihm hin. Er gestikulierte auf unsere starren Marionetten. Schnell hob ich wieder den Zauberstab und lies meine sich aufrichten: „Pupa stabit!" Neville versuchte es auch, aber seine Puppe knickte ein, bevor sie ganz aufgerichtet war. Ich sah ihn unsicher an, aber überwand mich und flüsterte: „Zieh dein Zauberstab etwas länger nach oben und wie immer Konzentration." Neville nickte und so übten wir den Rest der Schulstunde. „Pupa dextra!" Und meine Marionette machte wackelige Schritte nach rechts. Hermines Puppe tanzte schon auf geordnete Weise. Sie sah meine Versuche und schaute mich fragend an. Ich zuckte nur mit den Schultern. Meine Konzentration ist dieser Tage nicht die Beste. Aber wenn Neville wieder versöhnlicher ist, wird es vielleicht jetzt auch wieder besser!

Professor Flitwick rief mich nach dem Unterricht zu sich. „Miss Hansen, wie ich sehe, haben Sie sich mit Mr. Longbottom versöhnt. Das ist gut! Ich hoffe Ihre Performance wird sich nun wieder auf ihren Standard heben!" Ich nickte etwas beschämt und sagte: „Ja, Professor. Ich entschuldige mich, aber die letzte Woche war wirklich schwer!" Professor Flitwick nickte und sagte: „Wenn Ihre Leistung sich nun wieder verbessert, dann ist alles vergessen, Miss Hansen." „Versprochen, Sir!", versicherte ich ihm. Ich nahm meine Tasche und ging hinaus. Neville wartete draußen auf mich. „Alles in Ordnung?", fragte er und ich nickte. Ja, langsam wird alles wieder normaler. Hoffentlich!

Es war inzwischen Ende März und das nächste Quidditchmatch stand vor der Tür und alles war wieder etwas ruhiger geworden. Die Zwillinge fingen mich am Morgen ab und führten mich in eine dunkle Ecke. „Hallo" „Kleiner Rabe" „Wie geht´s?" „Wie steht´s?" „Gut, ihr zwei Chaos-Chaoten! Was gibt es denn?" „Wir haben einen Plan" „in Operation Geisterexorzismus!" „Aha und welchen?", fragte ich interessiert. „Ruf du mal alle aus deinem Haus zusammen. Treffen im 4. Stock bei der Bibliothek, 2. Klassenraum auf der rechten Seite!" „Okay, und wann?" „Heute nach dem Spiel. Da wird niemand unser Treffen bemerken!" Ich nickte und sagte: „In Ordnung, ich werde alle zusammenrufen!"

Ich lief in die große Halle und sagte Neville, Ron und Harry Bescheid. Neville wollte nach Hermine suchen, damit Harry sich auf sein Spiel konzentrieren konnte. Ich setzte mich an den Ravenclawtisch und flüsterte leise zu Emily und Lauren: „Heute nach dem Spiel wollen sich die Zwillinge mit uns treffen. Sie haben wohl ein paar Ideen für unser Geistproblem." „Cool, ich komme", meinte Lauren und Emily nickte zustimmend. Wir aßen in Ruhe unser Frühstück, während um uns herum das Quidditchfieber um sich griff. Lauren begann sich an den Diskussionen zu beteiligen, wer gewinnen wird, welches Team besser spielen wird, die Pros und Cons für das jeweilige Team. Emily und ich lächelten uns schweigend an und hörten einfach zu.

Wir liefen zum Quidditchfeld und setzten uns auf eine der Tribünen. Immer mehr Schüler kamen und fanden ihre Plätze. Das Spiel sollte in wenigen Minuten beginnen. Da kam Professor Dumbledore und trat in die Mitte des Feldes. Ich stupste Emily an und auch sie sah beunruhigt aus. Das sollte nicht passieren! Professor Dumbledore setzte seinen Zauberstab an seine Kehle und sprach: „Schüler und Schülerinnen, bitte begebt Euch sofort in Eure Gemeinschaftsräume. Ihr werdet dort informiert." Es kamen Buh-Rufe und Pfiffe, aber ein scharfes Wort von Dumbledore: „Genug!" reichte und alle begaben sich zu den Treppen. „Was ist denn jetzt passiert?", fragte Lisa ängstlich. „Vielleicht ein erneuter Angriff?", mutmaßte Sue. Lisa sah sie angsterfüllt an. Ich legte ihr beruhigend den Arm um die Schultern und meinte: „Komm lasst uns einfach in den Turm gehen. Wir werden es ja erfahren." Alle nickten und wir gingen gemeinsam in den Turm. Oh nein. Wurde Hermine angegriffen? Wieso? Das Buch ist doch noch nicht lange verschwunden. So schnell kann doch keiner besessen werden?!

Im Turm wurden wir von Professor Flitwick darüber informiert, dass Penelope, eine unserer Vertrauensschülerinnen, und Hermine Granger angegriffen wurde und in der Krankenstation liegt. Keiner von uns dürfe von nun an alleine durch die Gänge laufen und nach dem Unterricht sollte sich jeder in seinen Gemeinschaftsraum begeben. Ich seufzte. Wieso? Wieso habe ich es nach Hogwarts gebracht? Unser Treffen mit den Zwillingen fiel natürlich ins Wasser, aber wir konnten es nach dem Abendessen arrangieren. Von der aufgeregten Stimmung, endlich etwas wegen unseres Projektes zu unternehmen, war nichts zu spüren. Harry und Ron waren ziemlich geknickt wegen Hermine und auch die Zwillinge waren ruhiger. Nichtsdestotrotz präsentierten sie uns ihren Plan. Ihre Idee war es, Briefe an die Eltern zu schicken, mit der Frage ob sie einem Lehrerwechsel im Fach Geschichte zustimmen würden. Emily meinte dazu: „Nette Idee, aber ob das reicht und ob überhaupt alle den Zettel unterschreiben?" Die Zwillinge grinsten etwas und George erklärte: „Nachdem sie Binns Vortrag gelauscht haben, bestimmt!" „Wie können sie den denn hören?", fragte Lauren. „Wir werden einen Audiozauber auf die Briefe legen, der aktiviert wird, wenn sie in dem Kästchen nein ankreuzen." „Dann schmeißen sie ihn weg!", sagte Lauren. „Können sie nicht! Er wird sie verfolgen für eine halbe Stunde!", sagte Fred selbstsicher. „Wie denn das?" „Mit einem anderen Zauber, einem Folge mir-Zauber. Ist wohl erfunden worden, um unwillige Kinder dazu zu bringen, bei ihren Eltern zu bleiben", erklärte George. Emily überlegte und fragte dann: „Werden sie dann nicht erst recht genervt sein und extra nein ankreuzen?" „Nun der Vortrag wird zweimal abgespielt, dachten wir uns und beim zweiten Mal eine halbe Stunde länger und dann leuchtet die Frage auf: Wollen Sie wirklich keinen neuen Lehrer für ihr Kind? Und wieder ja und nein und nur wenn sie dann nein ankreuzen bleibt es dabei." Ich warf ein: „Die Idee ist gut, aber die Umsetzung klingt kompliziert. Könnt ihr so viele verschiedene Zauber auf ein Objekt legen und dann auch noch, dass sie zeitversetzt in Kraft treten?" Die Zwillinge sahen sich an und sagten gemeinsam: „Sicher doch!" Alle anderen sahen zweifelnd aus, aber Stephen meinte: „Wir können ja einen Testbrief an uns selbst schicken und sehen, ob es funktioniert." Alle nickten und Neville meinte: „In Ordnung, dann ist das geklärt und wenn es funktioniert, planen wir den nächsten Schritt." Wieder allgemeines Nicken und dann löste sich unsere Zusammenkunft auf und schlich in ihre jeweiligen Gemeinschaftsräume zurück.

Einige Tage später saß ich abends am Fenster auf den bequemen blauen und weißen Kissen. Auf meinen Knien lag mein Astronomiebuch und um mich herum mehrere zerknüllte Pergamentrollen. Ich stöhnte leise und las die Passage im Buch erneut. Astronomie wird einfach nie mein Fach sein. Ich sah hinaus und über die Ländereien von Hogwarts. Der See glitzerte im fahlen Mondlicht und der verbotene Wald war noch schwärzer als die Dunkelheit, die ihn umgab. Das einzige Licht, dass deutlicher zu sehen war, war Hagrids Hütte. Ich widmete mich wieder meinen Hausaufgaben. Eine halbe Stunde später war ich von noch mehr Pergamentknöllchen umgeben. Stephen kam zu mir und setzte sich auf den Sessel. „Astronomie?", fragte er und hob eines der zerknüllten Pergamentknollen hoch.

Ich nickte, klappte das Buch zu und sah auf die Uhr. „Nun für heute ist Schluss!", sagte ich resolut. Stephen fragte: „Schach?" „Ja, warum nicht." Stephen setzte sich zu mir mit einem Schachbrett zwischen uns. Wir spielten zwei Spiele, die Stephen beide gewann. Es war inzwischen 21.45 Uhr abends. „Wollen wir noch ein Spiel spielen?", fragte Stephen und ich nickte. Ich sah wieder aus dem Fenster in den Sternenhimmel. Dann sah ich ein Licht über die Wiese schweben. Ich sah genauer hin und erkannte den Schulleiter und noch eine weitere Person mit komischem Hut. Oh nein, ist es schon so weit. Ich sah wieder zum Schachbrett und begann meinen Zug. Soll ich es verhindern? Harry und Ron wären beinahe gefressen worden! Was ist, wenn das Auto nicht kommt?

Ich sah wieder zur Hütte und sah eine weitere Person dorthin laufen. Malfoy Senior! Ich stand auf und Stephen sah überrascht zu mir auf. „Was ist denn Anna?", fragte er. „Ich… ich habe etwas total vergessen. Bitte entschuldige, wir können das Spiel morgen nachholen. Ja?" „Ja, sicher Anna!", meinte Stephen etwas verwirrt. Ich lief schnell nach oben und holte meine dicke Robe, dann schlich ich wieder nach unten. Leise und unauffällig schlüpfte ich durch die Tür. Es ploppte neben mir und die kleine Elfe erschien neben mir. Ich ignorierte sie und hastete zum Gryffindor Gemeinschaftsraum. „Milly, bitte sag Neville Bescheid, dass ich ihn dringend sprechen muss!" Milly ploppte kurz weg. „Willst wohl nicht mich fragen!", sagte das Porträt der fetten Dame. „Würden Sie mir den Zutritt gewähren?", fragte ich etwas außer Atem. „Natürlich nicht! Du bist keine Gryffindor!" Ich sah sie ausdruckslos und meinte nur: „Und deswegen bemühe ich mich gar nicht!"

Das Porträt öffnete sich und Neville kam heraus. Ich nahm ihn gleich am Arm und zog ihn hinter mir her. „Anna, was ist los?" „Ich habe gesehen, wie Harry und Ron in den Wald gelaufen sind. „Was? Wieso?", zischte Neville entsetzt. „Keine Ahnung, aber wir müssen was tun!" „Und was?", fragte Neville und blieb stehen. „Keine Ahnung, aber vielleicht im Tal Bescheid geben?" Nevilles Augen weiteten sich und er schlug sich gegen den Kopf: „Na klar! Kalita sagte ja damals, sie seien da, um die Bewohner zu beschützen." „Und ich hoffe das gilt auch für Harry und Ron!", sagte ich und lief wieder Richtung große Halle. Neville folgte mir dicht auf und sagte: „Bestimmt. Kinder sind unschuldig, das hat Kalita gesagt. Aber ob wir es rechtzeitig schaffen? Bis zum Tal ist es ziemlich weit und du sagst die die beiden sind schon in den Wald gelaufen." „Ja", sagte ich gehetzt.

Dann blieb ich abrupt stehen. Habe ich da Schritte gehört? „Hast du was gehört?", fragte ich leise. Neville lauschte und wahrlich, da waren Schritte zu hören. Neville und ich versteckten uns rasch in einer Fensternische. Madame Pomfrey und Professor McGonagall liefen die Treppe hinauf und an uns vorbei. Wir blieben noch eine Weile still in der Nische und dann hasteten wir leise zur großen Halle hinab und aus dem Nebeneingang hinaus auf die Ländereien. Sobald wir weit genug weg waren, riefen wir: „Lumos" und unsere Zauberstäbe leuchteten uns den Weg. Wir rannten in den Wald und zur Wandmauer mitten im Wald. HoHHhHoffentlich sind wir nicht zu spät. Hoffentlich überleben Harry und Ron wirklich die Spinnen und nichts ist von mir verändert worden!

An der Mauer wollten wir den Durchgang öffnen, aber er öffnete sich, bevor wir die Hand auflegen konnten. Einige Einhörner, Schutzfeen und Waldgeister kamen uns entgegen. Auch Kalita war unter ihnen. „Kalita", rief Neville und wir liefen zu ihr hin. „Kinder, was macht ihr denn hier? Mitten in der Nacht! Wir haben euch doch gesagt, dass es im Moment viel zu gefährlich ist, hier im Dunkeln herumzulaufen", schimpfte sie leicht. „Es sind Kinder im Wald", platzte ich heraus. „Ja, ihr!", sagte sie. „Nein, unsere Freunde, Harry und Ron!", sagte Neville. Kalita sah uns entsetzt an. „Wie kommt ihr darauf?" „Ich habe es gesehen!", sagte ich schnell. Kalita sah mich an und lächelte. „Und ihr seid hierhergekommen, um uns um Hilfe zu bitten?" „Ja", nickte ich und fuhr fort: „Ihr sagt doch, ihr seid die Beschützer des Waldes und dass ihr alle Unschuldigen beschützt. Harry und Ron sind Kinder. Sind sie dann nicht unschuldig?"

Merilia kam durch die Öffnung zusammen mit Grom. „Meine Königin, die Spinnen werden immer zahlreicher. Unsere Kundschafter berichten, dass sie sich zusammenrotten. Es muss etwas geschehen! Wir müssen mit Aragog sprechen. Seit seine Gefährtin verendet ist, lässt er all seine Abkömmlinge schalten und walten!" Kalita seufzte und nickte. „Eure Majestät, meine Feuervögel sind bereit. Wir können das Nest ausräuchern und sie wieder tiefer in den Wald drängen." „Nein, Grom", beschied Kalita. „Nicht mit Gewalt, aber jetzt ist etwas viel wichtiger. Zwei Kinder sind im Wald. Sie sind ein leichtes Opfer. Wir müssen erst einmal sie in Sicherheit bringen. Alles andere später!" „Ja, eure Majestät!", sagten beide und stellten sich gerader. Kalita nickte, wendete sich an uns und sagte: „Kinder, geht ins Tal und bleibt dort! Die Blätterkobolde werden sich um euch kümmern."

Neville und ich nickten, ich knickste, Neville verbeugte sich und wir gingen den Durchgang hindurch, durch den immer noch einige Einhörner, Feuervögel und Wassergeister strömten. Mit unseren erleuchteten Zauberstäben bahnten wir uns ein Weg hinunter ins Tal und zu den Hügeln der Blätterkobolde. Mannichen, eine der älteren Blätterkobolde, kam uns als einer der ersten entgegen und führte uns zu seinem Hügel. Dort loderte ein kleines Lagerfeuer und es stand ein Gestell aus stabilen Stämmen, Zweigen und Blättern, das uns vor Wind und Regen schützen würden. Unter dem Gestell lagen zwei Mooslager und zwei Decken. Neville und ich setzten uns dort hin und schauten ins Feuer.

Es war relativ lebendig um diese späte Uhrzeit. Neville und ich schwiegen zunächst, aber dann fragte Neville nervös: „Ob es Harry und Ron gut geht?" Ich zuckte mit den Schultern und sagte: „Hoffentlich!" „Warum sie wohl in den Wald gelaufen sind? Um diese Uhrzeit?", fragte er sich leise. „Sie wollen wohl Hermine helfen." „Wie das denn?" Ich zuckte abermals mit den Schultern. Wie soll ich darauf denn antworten? Neville sah mich kritisch an. Ich seufzte und erklärte: „Ich habe mit Harry gesprochen, nachdem Hermine angegriffen worden war. Er war total verzweifelt und erzählte mir, dass die Kammer schon einmal vor 50 Jahren geöffnet worden war…. Und dass Hagrid damals dafür verantwortlich gemacht wurde!" „WAS?", Neville sah mich fassungslos an. Ich nickte und Neville starrte ins Feuer. „Weiß er, dass du es bist? Also, dass dich jemand benutzt hat?" Ich schüttelte den Kopf. „Hagrid soll vor 50 Jahren die Kammer geöffnet haben? Das ist doch kompletter Unsinn!" Ich nickte und sagte: „Deswegen arbeitet er hier auf den Ländereien. Professor Dumbledore hat das bestimmt arrangiert, weil er auch nicht daran geglaubt hat." Neville nickte zustimmend. Wir saßen eine Weile schweigend da und sahen ins Feuer. Die Nacht war wieder still geworden. Es waren ein paar Eulen zu hören und das Feuer knisterte leise vor sich hin.

Neville und ich legten uns auf unsere Mooslager und ich schloss die Augen. Die Wärme des Feuers war angenehm und einlullend. Ich wurde wach, weil mich jemand an der Schulter schüttelte. „Wasn los?" „Anna, wach auf. Es ist bereits Morgen! Anna!" Ich blinzelte und tatsächlich war die Welt hell geworden. Ich setzte mich auf und sah mich um. Das Feuer war niedergebrannt und die Sonne schien. Kalita kam zu uns und setzte sich auf einen Baumstumpf, den einen der Blätterkobolde anschleppte. Sie dankte dem kleinen Wesen freundlich. Wir sahen sie gespannt an und Neville fragte aufgeregt: „Sind Harry und Ron in Ordnung?" Kalita nickte und wir seufzten erleichtert. Merlin sei Dank! „Was ist passiert?", wollte ich wissen. Kalita begann zu erzählen:

„Wir kamen erst an ihrem Nest an, als die beiden Jungen und ein Hund schon dort waren. Aragog hatte tatsächlich seinen Abkömmlingen gestattet, die Kinder zu fressen." Neville und ich sahen sie erschrocken an. Kalita schüttelte nachdenklich ihren Kopf und erzählte weiter: „Als die jungen Abkömmlinge sich auf die Kinder stürzten, haben wir unsere Magie verwendet und sie mit Wind und Wasser aufgehalten. Zum Glück ist das alte Auto aufgetaucht, das im September hier gelandet war. Die Kinder sind eingestiegen und losgefahren, aber das Auto kam nicht in die Luft. Die Spinnen kamen von allen Richtungen. Wir haben das Nest umstellt und sie mit Windbarrieren und Wasserschleudern von den Jungen abgelenkt. Ein Teil der Abkömmlinge war so dreist, uns tatsächlich anzugreifen." Neville grinste und ich fragte: „Haben sie das überlebt?" Kalita sah mich streng an, aber lächelte dann. „Nun, Grom und sein Klan hatte ihren Spaß mit ihnen. Auch wenn ich das so nicht gutheißen kann. Aber ja, die Spinnen sind um ein paar dezimiert worden." „Was ist mit Harry und Ron? Wie sind sie entkommen?" „Ein paar meiner Feen haben den Wagen mit Hilfe der Winde hochgehoben und haben es bis zum Ende des Waldes begleitet und es dann landen lassen. Die beiden Kinder sind dann in Richtung Schloss gerannt." Gut, also sind sie okay. Ob Kalita und die anderen auch ohne uns dorthin gegangen wären? Wäre das Auto auch alleine geflogen? Oder waenr es von Anfang an die Beschützer?

„Was passiert jetzt mit den Spinnen?", fragte Neville vorsichtig. „Wir werden mit Aragog sprechen und ihm raten, mit seinem Klan in den tieferen Wald zu ziehen. Es geht gar nicht, dass er Unschuldige angreifen lässt! Wir werden das mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern." Neville und ich sahen uns unsicher an und dachten wohl das gleiche. Krieg im Wald klingt nicht so gut. „Macht euch keine Sorgen! Wir werden uns darum kümmern! Euch wird nichts geschehen!", sagte Kalita ruhig. „Geht jetzt zurück ins Schloss und ich danke euch!" Wir sahen sie verwirrt an und fragten: „Wofür?" „Dass ihr hergekommen seid, um uns um Hilfe zu bitten. Das war die richtige und auch kluge Entscheidung, anstatt den Jungen hinterherzulaufen." Neville und ich nickten, verbeugten uns und machten uns auf den Weg zum Schloss.

Dort angekommen trennten wir uns auf der obersten Etage und ich bat Neville noch: „Kannst Harry und Ron vorsichtig aushorchen? Ich würde sehr gerne wissen, ob sie etwas mitbekommen haben von unseren Freunden?" Neville grinste, nickte und umarmte mich. „Mach ich. Wir sollten uns in unseren Gemeinschaftsräumen blicken lassen und dann im Hauptquartier treffen, vielleicht vor dem Abendessen?" Ich nickte und meinte: „Guter Plan." Ich lief zur Tür, die zum Gemeinschaftsraum führte und hörte mir das Rätsel an: Es hat einen Rücken, manchmal liegt es darauf.

Du brauchst keinen Hammer, und doch schlägst du's auf.

Es hat keinen Mund, und ist doch sehr klug.

Es ist kein Baum, hat doch Blätter genug.

Ich verdrehte die Augen, nannte die Lösung und trat ein. Da es noch sehr früh war, waren nur wenige im Raum und die meisten lasen oder lernten. Ich verschwand schnell hinter der Mädchentür und lief zu meinem Zimmer. Emily und Lauren schliefen noch und so nahm ich mir mein Waschzeug und ging duschen. Danach nahm ich mir ein Buch und ging hinunter. Stephen kam auch gerade in den Gemeinschaftsraum und wir setzten uns auf die Fensternische, wo noch unsere Schachpartie aufgebaut war. „Alles in Ordnung, Anna? Du warst gestern so schnell weg." „Mhm, ja ich hatte total vergessen, dass ich noch einen Brief schreiben musste, der morgen schon ankommen soll", log ich schnell. „Einen Brief an wen?", fragte Stephen. „Hannes. Ich habe ihn bei dem Turnier im Sommer kennengelernt. Er lebt in den deutschen Landen!" Ich muss Hannes sowieso bald mal wieder schreiben. „Aha. Ja, bis in die deutschen Lande ist eine Eule eine Weile unterwegs." „Eben. Wollen wir unsere Partie wieder aufnehmen?", fragte ich und deutete auf das Schachbrett. „Sicher. Bis zum Frühstück dauert es noch." Wir begannen zu spielen und Stephen fragte nicht mehr wegen meinem Verschwinden. Gut gegangen!