Kurze Infos:

Die Initianten wählen im Alter von 18, nicht mit 16 Jahren.

Eric hat mehr was vom Film Eric, als vom Buch Eric.

M-Rating, da sowohl gewalttätige Kampfszenen als auch sexuelle Szenen beschrieben werden.

Der OC (eigene Charakter) ist Casey und es wird eine Liebesgeschichte zwischen Eric und Cas sein. Eric mag sich seine Attraktion anfangs nicht ganz eingestehen.

So, das war's von mir. Viel Spaß bei meiner ersten Fanfic!


1 Joggen am Morgen schafft nur Kummer und Sorgen

Die Initiierungsphase in Ferox ist im vollem Gang. Die erste Woche Krafttraining und Kampftheorie haben mich schon fast an meiner Wahl zweifeln lassen. Es hat sich wie eine halbe Ewigkeiten angefühlt, bis wir kleine Wurfmesser auf überdimensionale Zielscheiben werfen durften und einen weiteren Tag, bis uns Schusswaffen anvertraut wurden. Zwei volle Tage , mit insgesamt 16 h, gefüllt mit einer einzigen Aufgabe, Messer werfen. Und es ist noch viel langweiliger, als es sich anhört. Was denken die sich eigentlich, dass wir nur zum Spaß hier sind? Eher zum Däumchen drehen, so wie die Initiierungsphase bisher lief.

Der Umgang mit Waffen ist nichts Neues für mich. Mein Vater hat schon früh damit angefangen mich auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Immer ambitioniert. Besser sein als alle Anderen. Du glaubst du bist gut? Ich weiß, dass ich besser bin. Außerdem werden in Ken die neusten Waffenmodelle entwickelt. Es gibt also keine Waffe, mit der ich nicht perfekt umgehen kann.

Demnach ist die Schießübung auf dem Dach ganz nach meinem Geschmack. Ich war schon etwas überrascht, dass gerade eine Amite mir den ersten Platz streitig macht.

Wie jeden Morgen wache ich kurz vor Sonnenaufgang auf und mache mich, nach einem kurzen Stop im Gemeinschaftsbad, leise auf den Weg nach Draußen. Es ist die perfekte Zeit zum Laufen und ich genieße diese ruhige Phase am Tag. Es ist ein altbewährtes Mittel, um meine Gedanken zu sortieren und meinen Kopf frei zu bekommen.

Gerade als ich einen guten Laufrhythmus finde, meine Beine werden angenehm taub und meine Gedanken kreisen nicht unaufhörlich, um die Idee wieder in mein warmes Bett zu steigen, taucht sie auf.

Casey.

Sie ist wie eine verdammte, blutrünstige, klitzekleine Mücke. Gerade wenn du am Einschlafen bist, dein Kopf frei von allen Gedanken, erklingt das nervige Summen. Egal was ich mache, ich werde sie einfach nicht los.

Ich beachte sie nicht und starre mit grimmiger Miene nach vorne. Um eine Nummer sicher zu gehen ziehe ich das Tempo an.

Natürlich kann sie mithalten. Verdammte Amite Geborene, sie und ihre kilometerweiten Felder. Wenn diese Hinterwäldler abgesehen vom ständigen Einwerfen von Friedensserum Eins können, dann ist es Laufen. Und anscheinend Schießen, wo auch immer sie das her hat.

„Hey, Eric. Du auch hier? Was für ein Zufall!" Casey strahlt mich von der Seite an. Zufall, als ob. Es ist ja nicht so, als würden wir uns täglich beim morgendlichen Laufen immer ganz zufällig über den Weg laufen. Warte mal, doch das ist genau so! Egal wie spät ich aufstehe und welche Strecke ich wähle, sie findet mich. Jedes verdammte Mal.

„Ich kann die heutige Schießübung kaum abwarten. Zeke, aus der Ferox Gruppe, war sich sicher, dass wir heute zu beweglichen Zielkörpern übergehen. Seine Gruppe ist schon gestern damit angefangen. Das wird so ein Spaß," rattert Casey, ohne auch nur einmal Luft zu holen, runter. Ich starre weiterhin unbeirrt nach vorne, ganz konzentriert auf meine Atmung und den Rhythmus. Verflixt nochmal, wer kann so früh am Morgen schon so viel reden? Das ist nicht normal. Bestimmt ist sie als Kind in einen Topf Friedensserum gefallen und nun stimmt irgendetwas nicht mit ihr. Das würde zumindest ihre kurvige Figur erklären. Nicht das mir ihr Aussehen in irgendeiner Form aufgefallen wäre.

„War wie immer ein tolles Gespräch. Morgen selbe Zeit?" Mit den Worten zwinkert Casey mir mit ihren hellgrünen Augen zu. Sie hat sogar noch den Nerv mir ein Halblächeln zuzuwerfen, bevor sie bei der nächsten Abbiegung verschwindet. Ihr entgeht leider mein patentierter Todesblick. Wenigstens mag ich diese Ansicht von ihr am Liebsten. Sie hat ihre braunen partial Dreads wieder zu zwei langen Zöpfen geflochten, die ihr beim Laufen gegen den Rücken schlagen. Ich hoffe, dass sie davon blaue Flecke bekommt.

Eine so kleine Amite sollte allein durch meinen Anblick eingeschüchtert sein. Ich bin immerhin mindestens zwei Köpfe größer als sie und wiege fast das doppelte. Natürlich reine Muskelmasse. Aber nicht einmal mein genervtester Blick oder ignorantes Schweigen lassen sie mit der Wimper zucken. Als ob sie immun dagegen wäre. Genervt fahre ich mir mit der Hand durch meine blonden, streng zurückgegelten Haare, die Seiten nur wenige Zentimeter lang.

Es stellt sich heraus, dass wie angekündigt von Ezekiel oder „der Parasit", wie ich ihn gerne liebevoll nenne, heute das Schießtraining mit den beweglichen Zielkörpern startet. Und wie schon gestern sind Casey und ich gleich auf. Das regt mich natürlich überhaupt nicht auf. Beim Anblick von ihr zuckt auch nicht mein linkes Auge.

Ich gehe ihr trotzdem für den restlichen Tag aus dem Weg.


Zwei Tage später wird mir bewusst, dass ich Casey nur noch während der Schießübungen sehe. Und sogar hier positioniert sie sich nicht wie üblich direkt neben mir, sondern stellt sich ans entgegengesetzte Ende. Nicht einmal morgens beim Laufen nervt sie mich, wie sonst täglich. Es kommt mir fast schon so vor, als ob sie mir aus dem Weg geht und nicht anders herum. Und obwohl ich es mir kaum eingestehen will, stört mich das ein wenig. Das liegt aber nur an dem fehlenden Konkurrenzkampf. Denn nur mit Konkurrenz kann man besser werden.

Als ich am nächsten Tag eine Stunde früher als üblich wach werde und beobachte, wie Casey leise aus dem Gemeinschaftsraum schleicht, entschließe ich mich deshalb, allein aus dem Grund des fehlenden Konkurrenzkampfs, ihr zu folgen.

Wie vermutet steuert sie direkt auf die gewohnte Laufstrecke zu und findet schnell einen angenehmen Laufrhythmus. Mit einem kleinen Abstand folge ich ihr geräuschlos. Sie wirkt unbeschwert, fast schon glücklich. Nach kurzer Zeit steigert sie abrupt ihr Tempo und ich muss eingestehen, dass sie gut ist. Unerwartet weicht sie von der Route ab und verschwindet hinter einem kleinen nahestehenden Häuschen. Ich glaube es wird für Gartenwerkzeuge verwendet oder Ferox nutzt das Gebäude für ihre Spinnensammlung. Letzteres würde zumindest die hohe Anzahl an Spinnennetzen erklären.

Misstrauisch verlangsame ich meine Schritte und blicke mich um. Außer den üblichen Wachposten, hier und da, ist sonst niemand auf dem Gelände. Mit langsamen Schritten umrande ich das kleine Gartenhäuschen, von der anderen Seite, und schaue mich neugierig um.

Ich muss nicht lange suchen. Casey hockt auf allen Vieren hinter einem kleinen Busch und schaut immer wieder über den Rand der Pflanze nervös zur Laufstrecke. Ich muss bei dem Anblick schmunzeln. Casey wirkt etwas unruhig, noch ist ihr meine Anwesenheit nicht bewusst. Diese Situation ist so gut, ich kann mir ein leises „Hmpf" einfach nicht verkneifen. Anscheinend war es auch nicht so leise wie ich gedacht habe oder es liegt daran, dass ich mittlerweile direkt hinter ihr stehe und auf sie runter Blicke. Casey steht ruckartig auf und wirbelt herum. Bei der schnellen Bewegung treffen mich ihre brauen Zöpfe. Autsch, das tut tatsächlich weh.

„Eric! Ich habe dich gar nicht gesehen," stößt sie mit hoher Stimme und knall rotem Kopf hervor. Ich blicke ihr amüsiert in die Augen und schmunzel.

„Ich..Mmmeine Schnürsenkel waren offen und ich wollte auf der Laufstrecke Niemandem im Weg sein." Bei den Worten blicken wir beide auf das menschenleere Gelände vor uns.

„Hn," ist alles was ich dazu zu sagen habe. Sie reibt sich verlegen den Nacken und weicht meinem Blick aus. Ich wende mich von ihr ab und marschiere zur Laufroute, wenig später joggen wir, in einem etwas langsameren Rhythmus als üblich, nebeneinander her. Casey ist dabei etwas Abwesend und ungewohnt still. Ihr Benehmen beunruhigt mich etwas. Was kann sie so stark beschäftigen und hat sie sich ernsthaft vorhin vor mir versteckt?

„Casey?" Sie wirkt für einen Moment erschrocken. Ja, ich beherrsche die Fähigkeit, außer „Hn" zu sagen, auch andere Wörter zu artikulieren.

„Hm?"

„Offensichtlich beschäftigt dich etwas, raus damit."

„W-Was?" Sie verringert das Tempo und schaut mich gequält an. „Mhh.. also, vor ein paar Tagen haben sich die Ferox geborenen Initianten, während des Abendessens, zu mir an den Tisch gesetzt. Und irgendwie kamen wir ins Gespräch über unser Training, Max und auch über die anderen Initianten," hier weicht sie meinem genervten Blick aus.

„Hn."

„Und. Naja. Shauna meinte sie würden am Samstag Ziplinen gehen und da wir beide, du und ich, ja so was wie Freunde sind, du weißt schon..ähm, da ich habe versprochen dich am Samstag mitzubringen. Bitte, bitte, komm mit. Ich habe mich einfach so gefreut über die Einladung und habe dann direkt für uns beide Zugesagt." Sie schaut mich verlegen von der Seite an. „Und ich wollte dich bei der nächstbesten Gelegenheit fragen, aber irgendwie war mir die ganze Situation sehr unangenehm und ich wusste auch nicht wie ich das Alles zur sprache bringen sollte."

Ich schaue sie genervt an. Frauen. Natürlich können sie ihr Anliegen nicht einfach kurz und knapp schildern, sondern müssen immer erst ihre halbe Lebensgeschichte erzählen. Nach einem kurzen Augenblick nicke ich ihr wortlos oder besser „Hn"-los zu. Der Parasit hat mich schon vor Tagen zum Ziplinen eingeladen und dabei auch Casey kurz erwähnt.

Erleichtert strahlt Casey mich an. „Super, vielen Dank. So, jetzt musst du mir nur noch erklären was Ziplinen überhaupt ist." Das kann doch wohl nicht ihr Ernst sein.

„Etwas gefährliches," flüstere ich mit einer tiefen Stimme und weiche ihrem Blick aus. Sie ist kurz still und mustert mich besorgt. Wenig später höre ich jedoch ihr lautes Lachen und sie beginnt von neuem mit ihrem endlosen Gequatsche. Genervt versuche ich mit aller Kraft ihre Stimme auszublenden und erhöhe das Tempo. Casey dagegen merkt nichts davon und gestikuliert nun sogar mit ihren Armen. Mit genügend Abstand ist nur noch ein stetiges Gemurmel, fast schon wie ein Summen, hörbar. Schön angenehm.