4 Huckepack und Tagträume
„Eric", flüstert mir jemand ins Ohr. Ich ignoriere die nervige Stimme und drehe mich grummelnd auf die andere Seite. Es kommt mir so vor, als ob ich gerade erst eingeschlafen wäre. Nachdem Casey mir dieses scheußliche Tapeband um den halben Oberkörper geklebt hat, wurden die Kopfschmerzen so stark, dass ich nur noch schlafen wollte. Eigentlich untypisch für mich, mitten am Tag ein Nickerchen zu machen. Mich hat aber auch noch nie zuvor eine riesige Wespe angefallen. Lästiges Ding.
„Eric, wach auf," kommt nun belustigt und definitiv lauter irgendwo rechts von mir. Das ist doch die verflixte Wespe. Ich fuchtel mit einem Arm in die besagte Richtung und kneife dabei meine Augen fester zusammen. Ich sollte anfangen brennenden Kaffeesatz mit mir zu führen. Insektenspray wäre aber auch eine gute Lösung.
„Du hast schon das Mittagessen verschlafen und wenn du nicht gleich aufstehst, verpassen wir das Abendessen." Bei den Worten bin ich hellwach.
„Hm?" Casey lacht laut los.
„Nico hatte recht. Das hätten meine ersten Worte sein sollen." Ich richte mich auf dem Bett auf und blicke mich um. Der Gemeinschaftsraum ist sporadisch beleuchtet und, abgesehen von uns, vollkommen leer. Anscheinend habe ich wirklich den halben Tag verschlafen, aber ich fühle mich richtig gut. Es ist nichts mehr von den nervigen Blockaden zu spüren.
„Du hast 10 min bevor wir uns mit den Anderen vor der Bar treffen. Wir wollen den ersten Kampftag feiern. Außerdem muss Zeke uns, wegen seiner dramatischen Niederlage nach dem Ziplinen, noch eine Runde ausgeben." Bei den Worten stehe ich auf und drehe mich zu Casey. Erst jetzt fällt mir ihr untypisches Aussehen auf. Weg ist das Kleinkind mit den zu großen Sportshirts und den Yoga Leggins. Stattdessen sind ihre braunen Haare offen und wild. Sie trägt eine dunkelgrüne Hose und ein enges schwarzes Shirt mit Herzausschnitt, das im oberen Drittel aus einem Netzstoff besteht. Von dieser Position aus kann ich ihr, dank des Netzeinsatzes und ihrer lachhaften Größe, direkt in den Ausschnitt schauen. Mhh, sieht immer noch gut aus. Mist.
Als sie sich verlegen räuspert, lasse ich meinen Blick langsam zu ihren Augen wandern. Offensichtlich versucht sie angestrengt nicht auf meine entblößten Beine zu starren, ist aber machtlos dagegen. Meine Waden sehen bei dem Licht aber auch echt gut aus. Ich sollte in Zukunft anfangen auch das Oberteil beim schlafen wegzulassen. Mal schauen, ob ihr Gesicht beim nächsten Mal vor Scharm Lila anläuft. Ich schmunzel sie kurz an, bevor ich mich von ihr abwende und mit langsamen Schritten ins Gemeinschaftsbad gehe. Und falls ich dabei spielerisch mit meiner Beinmuskulatur zucke, damit sie sich beim Starren ertappt fühlt, ist das natürlich purer Zufall.
Ich ziehe mir in aller Ruhe meine gewohnte Cargohose und ein schwarzes Shirt an, bevor ich einige Minuten lang mit meinen vom Schlafen abstehenden Haaren kämpfe. Nach kurzer Überlegung werfe ich mir noch eine schwarze Jacke über. Mit perfekt gestylten Haaren, die keineswegs mehr Gel als üblich enthalten, und einer noch immer leicht geröteten Casey im Schlepptau, betrete ich 20 Minuten später die Bar.
„Hey, der Oktopus ist aus dem Winterschlaf erwacht!" ruft der verdammte Parasit und winkt uns enthusiastisch zu sich. Bei den Worten schaue ich Casey mit einem genervten Gesichtsausdruck an. Da war wohl jemand gesprächig. Sollte mich eigentlich nicht wundern. Beim Joggen holt sie ja auch kaum Luft zwischen den 100 Wörtern, die sie pro Minute runter rattert.
Auf der Eckbank von Zeke, Maria und Nico sind noch zwei Plätze frei, auf der Tischmitte befinden sich bereits verschiedene Häppchen und ein riesiger Krug Bier. Ich setze mich wortlos neben einem viel zu glücklich wirkenden Zeke und Casey wird sofort in ein Gespräch mit Maria und Nico verwickelt. Shauna und weitere Ferox Geborene, die auch beim Ziplinen dabei waren, prosten uns lautstark vom angrenzenden Nachbartisch zu.
Da ich fast am Verhungern bin, konzentriere ich mich in erster Linie auf das Essen. Anscheinend hat jemand mitgedacht und alle Vorspeisen 3-fach bestellt. Der Parasit schafft es irgendwie, neben dem Kauen, am Gespräch der Mädels teilzunehmen. Sicherlich, nur um Maria zu beeindrucken. Wahrscheinlich reden sie wieder über abgebrochene Fingernägel und kleine Wehwehchen, damit hat der Parasit genügend Erfahrung. Als ich einigermaßen gesättigt bin, dreht sich Zeke dramatisch zu mir und tippt sich grüblerisch ans Kinn.
„Mh. Ich kann mich einfach nicht entscheiden was besser ist, Okti oder Pussi?" Bevor ich ihm zeigen kann, was ich darüber denke, springt der Parasit, mit der zu großen Klappe, auf und flüchtet in Richtung Theke. „Ich glaube es ist Zeit für einen Absacker", ruft er lachend über die Schulter.
In Antwort darauf drehe ich mich schweigend, mit todernster Miene und verengten Augen, zu Casey. Sie blickt mich mit groß aufgerissen Augen an und zuckt einmal kurz mit den Schultern, als ob sie keine Ahnung hätte wovon der verdammte Parasit spricht. Maria unterbricht unseren Blickkrieg und tippt Casey ungeduldig auf die Schulter.
„Ach ja, wo war ich?" fragt Casey etwas abgelenkt und wendet den Blick von mir ab.
„Du warst gerade dabei uns über den Ursprung deiner Superkräfte aufzuklären. Dein Vater ist ein Ferox Transfer gewesen?" sagt Nico und schaut kurz in meine Richtung. Casey nickt etwas abwesend.
„Ja, stimmt. Von ihm habe ich ein paar Kampftechniken gelernt. Meine Mama ist in Amite so etwas wie ein Osteopath und Physiologe. Von ihr weiß ich so viel über die Nervenblockaden. In Amite werden sie zur Schmerzlinderung eingesetzt, anstelle von Schmerzmitteln."
„Das hört sich echt cool an. Ich hätte euren Kampf heute Morgen gerne gesehen. Ganz Ferox spricht darüber, wie eine Amite den großen, grimmigen Eric innerhalb von Sekunden kampfunfähig gemacht hat", sagt Maria aufgeregt. Casey runzelt die Stirn.
„Es war mehr ein Füße weg ziehen und zufällig aus dem Ring fallen", verbessert Casey sie verlegen.
„Hm." Die Mädels schauen mich überrascht an. „Du bist klein und schnell, dadurch konntest du meinen Angriffen gut ausweichen. Und die Nervenblockaden waren eine echte Überraschung", kommentiere ich mit ruhiger Stimme und richte meinen Blick suchend in Richtung Theke. Fast entgeht mir Caseys dankbares Lächeln und zu meiner Verwunderung stoßen sich Nico und Maria gegenseitig an und nicken verschwörerisch. Frauen...Wo bleibt der verdammte Parasit?
Wenig später kommt Zeke mit einem überfüllten Tablett an den Tisch. Seine Ausbeute besteht aus winzigen Gläsern, die bis zum Rand mit fragwürdig bunten Flüssigkeiten gefüllt sind. Und Wunder, oh Wunder, ziemlich abstoßend schmecken. Nachdem alle Gläser geleert sind, ist die Stimmung auffällig lauter und ungezwungener. Eine Stunden später sitzen nur noch der Parasit und ich am Tisch, im Augenwinkel kann ich sehen wie die Mädels mit fast schon spastischen Bewegungen wild auf der Tanzfläche tanzen.
Da ich nicht ganz den Sinn dahinter verstehe, einen Teil meiner Kontrolle und Hemmungen in Gegenwart anderer zu verlieren, ist der Konsum von alkoholischen Getränken eher eine Seltenheit für mich. Ich kenne meine Grenzen und, anders als die Anderen, wechsel ich deshalb irgendwann zu alkoholfreien Bier.
Maria, Nico und Casey haben dagegen eine völlig andere Einstellung zu Alkohol, je mehr desto besser. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie mittlerweile mehr als nur leicht betrunken sind und als Resultat dessen wild mit ihren Armen fuchteln und zwischendurch wie ein lauter Hühnerhaufen gackern.
„Hey Eric, schau mal. Ist das nicht einer von den Transfer Initianten?" Zeke mustert den etwas hin und her schwankenden Typen, der sich Shauna von hinten nähert.
„Hm, ich glaube er ist ein Altruane Transfer."
Nach gefühlt einer halben Ewigkeit bemerkt Shauna den betrunkenen Initianten hinter sich, der in der gesamten Zeit ziemlich beschäftigt und scheinbar auch zufrieden damit war mit ihrer Rückenansicht zu flirten. Offenbar genießt sie jegliche Form von männlicher Aufmerksamkeit. Innerhalb kürzester Zeit wird der Tanz immer enger und anzüglicher. Ich verziehe angewidert das Gesicht und wende den Blick ab. Die Bar ist nur noch sporadisch gefüllt. Kein Wunder, es ist immerhin Montagabend.
Plötzlich stößt der Parasit mich mit der Schulter an und nickt in Richtung Tanzfläche. Besoffsky hat anscheinend das Interesse an Shauna verloren, wer kann es ihm Verübeln, und hat sich ein neues Opfer für seine fragwürdigen Bewegungen gesucht. Maria sieht nicht so glücklich über seine Wahl aus und versucht ihn mit einigen schnellen Ausweichschritten abzuschütteln. Da er anscheinend mehr als leicht betrunken ist, was seinen Aussetzer mit Shauna erklären würde, lässt er leider nicht so schnell locker.
Anfangs wirkt Zeke etwas belustigt über Marias Dilemma, aber als der Transfer seine Arme um ihre Taille schlingt, springt der Parasit wütend auf. Ich schüttel schweigend den Kopf und folge ihm zur Tanzfläche. Maria ist zwar klein, aber sie hat mehr drauf als man ihr zumutet. Da liegt wohl ein Hauch von Eifersucht in der Luft. Ich kann mir ein leichtes Grinsen vor Belustigung nicht verkneifen. „Halt die Klappe", zischt der Parasit mir genervt zu.
Bevor wir die Mädels erreichen können, verpasst Maria dem betrunkenen Typen einen kräftigen Stoß auf den Brustkorb. Besoffsky verliert sofort das Gleichgewicht und stolpert in Richtung Casey, die völlig ahnungslose noch immer unkontrolliert tanzt. Beide stürzen zu Boden und der betrunkene Typ bleibt regungslos auf ihr liegen. Wäre Casey nicht komplett unter dem betrunkenen Typen begraben, würde ich jetzt laut loslachen und mit dem Finger auf die beiden zeigen. Aber Casey wirkt richtig böse und so schnell wird sie ihn nicht von sich runter bekommen. So ein Vollspast. Typischer Altruane, gib ihm zum ersten Mal etwas Alkohol und schon springt er alles an, was nicht bei drei in Deckung geht.
Mit großen Schritten und zuckendem Kiefer überhole ich Zeke. Casey befindet sich noch immer auf dem Boden und versucht, in Begleitung einiger einfallsreicher Beschimpfungen, den betrunkenen Typen mit wenig Erfolg von sich weg zu schieben. Derweilen versucht der besagte Vollspast sich zu orientieren und schaut Casey lediglich verwundert an, ohne sich auch nur einen Zentimeter zu bewegen. Ich bin nun mehr als genervt von diesem verdammten Altruanen.
Da ich mir das Ganze nicht länger ansehen kann, bin ich bin so freundlich und helfe dem Vollspasten, mit einem festen Griff in den Nacken, sich aufzurichten. Sobald er einen einigermaßen sicheren Stand hat, löse ich meinen Griff und funkel ihn genervt an.
Währenddessen hat sich Casey mit Hilfe von Nico aufgerappelt und blickt mich nun mit großen Augen an. Bevor ich dem Vollspasten helfen kann, eine bequemere Position auf dem Boden zu finden, steht Casey vor mir und legt mir beide Hände auf die Brust. „Danke, Eric. Aber ich glaube wir sollten jetzt besser gehen." Sie lächelt mich erschöpft an. Mit meinen Händen zu Fäusten geballt blicke ich in ihre blassgrünen Augen und es dauert einen Moment, bis ich mich beruhigt habe und ihr zunicken kann. Zeke klopft mir wortlos auf die Schulter und gemeinsam drehen wir uns um und steuern auf den Ausgang der Bar zu.
Als wir uns einige Meter von der Tanzfläche entfernt haben, geht ein Transfer Initiant an uns vorbei in Richtung Tanzfläche. „Verflixte Altruanen, die vertragen echt gar nichts. Nur zwei Bier und schon dreht Tobias völlig am Rad."
Der Gemeinschaftsraum von den in Ferox geborenen Initianten befindet sich in der entgegengesetzten Richtung von unserem Schlafsaal. Zeke zwinkert mir zur Verabschiedung vielsagend zu und wirft im Vorbeigehen seine Arme über die Schultern von Maria und Nico. Bevor das Trio um die Ecke verschwinden kann, dreht Nico sich unerwartet um und ruft laut, „Hey Cas!"
Casey und ich stehen noch immer vor dem Ausgang der Bar und drehen uns verwundert um. „Lass dich lieber von Eric tragen, Superkräfte hin oder her, du musst hier nicht den Helden spielen", brüllt Nico mit gespielter Sorge in der Stimme.
Ich habe keine Ahnung was Nico meint und mustere Casey mit angehobener Braue. Natürlich weicht sie meinem Blick, mit leicht geröteten Wangen, aus. Nicos lautes Lachen ist da keine große Hilfe.
„Hör auf mich anzuglotzen und gib mir lieber deine Jacke. Mir ist echt kalt." Ich kann mir ein Grinsen kaum verkneifen, typisch Casey.
Hat sie sich vielleicht beim Sturz mit dem Vollspasten verletzt? Ich gehe mit ernstem Blick langsam auf sie zu und streife meine Jacke ab. Jeder Andere würde bei diesem Blick unwohl wegschauen oder sogar einen Rückzieher machen, aber nicht sie. Casey schaut mir direkt in die Augen, mit einem fast schon trotzigen Blick, und streckt mir ihre Hand erwartungsvoll entgegen. Ich bemerke wie blass ihr Gesicht ist und wie ungewohnt still sie vor mir steht. Normalerweise spricht sie ohne Punkt und Komma oder tippt ungeduldig mit einem ihrer kleinen Füße.
Jetzt bin ich misstrauisch, irgendwas hat meine nervtötende Mücke. Als ich direkt vor ihr bin halte ich die Jacke mit angehobenem Arm über sie, geradeso aus ihrer mickrigen Reichweite. „Die Jacke willst du? Dann hol sie dir doch", mit den Worten wackel ich grinsend mit meinem Arm. Es muss schon nerven so klein zu sein. Denn in der Theorie muss sie, um sich die Jacke zu holen, einen kleinen Sprung machen. Das ist die perfekte Situation um ihren Gesundheitszustand einzuschätzen. Ein richtig guter Plan, fast schon perfekt. Zumindest in meinem Kopf.
Casey fackelt nicht lang und versetzt mir einen Seitenhieb mit ihrem echt spitzen Ellbogen. Zugegeben, damit habe ich nicht gerechnet. Während ich mich überrascht leicht zur Seite krümme, schnappt sie sich die Jacke mit einem kleinen Sprung, wohlgemerkt auf nur einem Bein, und wirft sie sich lachend über. Aha! Erwischt.
„Nicht schlecht", gebe ich schmunzelnd zu. „Was hast du mit deinem rechten Bein gemacht?" Auch wenn mein Plan in der Ausführung nicht ganz so ablief wie gedacht, nichtsdestotrotz habe ich ihr humpeln bemerkt. Es war also ein schmerzhaft erfolgreicher Plan.
Sie weicht meinem Blick aus und verschränkt die Arme vor der Brust. Da sie mit Schmollen beschäftigt ist, bemerkt sie mein Näherkommen erst als es schon zu spät ist und sie nicht mehr flüchten kann. Ich knie vor ihr und hebe behutsam ihren rechten Fuß an. Caseys Knöchel ist stark geschwollen, definitiv umgeknickt. Dieser verdammte Vollspast.
Ungewollt verstärke ich meinen Griff bei dem Gedanken an Besoffski und Casey atmet zischend ein. „Autsch, Eric! Ich weiß nicht was du glaubst da unten zu tun, aber eine Entspannungsmassage fühlt sich anders an."
„Als ob du wüsstest wie das geht. Deine Massagen haben mehr was vom Brotteig kneten als von Entspannung", sage ich in einem ernsten Ton zu ihr und versuche mir ein Grinsen zu verkneifen. Ohne großartig darüber nachzudenken drehe ich mich in der Hocke um, so dass mein Rücken zu ihr gewendet ist. „Komm, ich will nicht die ganze Nacht hier verbringen."
Es herrscht für einen Moment komplette Stille, ich glaube sie hat sogar die Luft angehalten, aber irgendwann spüre ich wie sie ihre Beine um meine Hüfte schlingt und ihre Arme um meinen Hals legt. Zur Stabilisierung greife ich mit meinen Armen unter ihre Oberschenkel und richte mich langsam auf.
Als ich wortlos in Richtung Schlafsaal gehe, legt sie ihren Kopf auf meine Schulter. Durch meine Bewegung kommen unsere Wangen immer wieder in Kontakt, ihre Haut ist weich und kühl von der Abendluft. Ihre langen Haare kitzeln meinen Nacken und beim Einatmen füllt sich meine Nase mit dem gewohnten Geruch ihres Shampoos. Caseys Duft ist mir eigentlich vertraut, aber so nah kommt es mir viel intensiver vor. Sie riecht nach kalter, frischer Abendluft mit einer angenehm süßen Note. Ein bisschen Vanille? Wie Hypnotisiert gehe ich durch die sporadisch beleuchteten Gänge und achte überhaupt nicht darauf wo ich hin gehe.
Ich bemerke erst, dass sie eingeschlafen ist, als Casey ihr Gesicht in meinen Nacken drückt und beim tief Einatmen leise stöhnt. Ihre warme Atemluft trifft mich direkt unter dem Ohr und ich kann ein leichtes Zucken nicht unterdrücken, als mir ein Schauer den Rücken hinunterläuft. Casey presst sich fester an mich und anstatt ihre Arme um meinen Hals abzustreifen, genieße ich den ungewohnten Körperkontakt. Verwundert bleibe ich stehen und bemerke erst jetzt, dass ich mitten in der menschenleeren Kantine stehe. So ein Mist, was ist eigentlich los mit mir?
Kopfschüttelnd drehe ich mich um und versuche mich dieses Mal auf den Weg zu konzentrieren, wäre da nicht Casey. Durch meine Kopfbewegung und den schnellen Gang scheint sie langsam aufzuwachen. Sie rutscht ein wenig hin und her und drückt, laut stöhnend, ihre Nase fester in meine Nackenkuhle. Warum fühlt sich das so gut an? Ich kann ein leises knurren nicht unterdrücken.
„Hm." Das hat sich verdächtig nach einem Kuss angefühlt. Ich beschleunige meine Schritte bevor ich noch etwas wirklich dummes tun kann. Etwas echt dämliches, zum Beispiel in dieser kleinen dunklen Nische da vorne im Gang.
Tief Luft holen. Ich versuche mit aller Kraft nicht an die dunkle Einbuchtung vor mir und schon gar nicht an die dunkle Einbuchtung in Verbindung mit Casey zu denken. Ich meine, was genau könnte denn bitte schön passieren? Es ist ja nicht so, als ob Casey urplötzlich aufwachen würde und beim Anblick der einladenden Nische aufgeregt von meinem Rücken steigen und mich ungeduldig hinter sich herziehen würde. Oder?
Ich lege beide Händen an ihre Taille und hebe sie wenig später an ihren Kniekehlen hoch. Ihre Beine umschlingen meine Hüfte und ich drücke sie fest gegen die kalte Wand. Meine Hände wandern in Richtung ihres gut geformten Pos, während wir uns wortlos in die Augen schauen.
Sie sieht wunderschön aus.
So um mich herum geschlungen, mit wilden Haaren und dem nervösen Tick auf ihrer Unterlippe zu kauen. Sie hat keine Ahnung was das mit mir macht. Ihre blassgrünen Augen sind erwartungsvoll auf mich fixiert.
Langsam beuge ich mich nach vorne, ich biete ihr einen letzten Ausweg. Die einzige Gelegenheit jetzt noch einen Rückzieher zu machen. Erst einmal angefangen, kann ich nicht mehr aufhören. Ich muss sie einfach haben. Sie ist ganz anders als die Anderen, ganz anders als ich anfangs gedacht habe.
Ich lehne mich so weit vor, bis meine Lippe ihr Ohr leicht streifen. „Magst du es langsam und verspielt?" flüstere ich mit einer tiefen Stimme und küsse Casey unterhalb ihres Ohrs. „Oder bist du der Typ, der es schnell und hart mag." Bei den Worten stöhnt sie leise auf. Als ich an ihrem Hals entlang küsse und beiße, zieht sie mich fester zu sich heran und vergräbt ihre Hände in meinen Haaren. Sobald ich ihre Finger auf meiner Kopfhaut spüre, gehen die Küsse in saugen über. Caseys weiche, makellose Haut ist von einer Gänsehaut bedeckt und ich kann an ihrem Pulspunkt ihren rasenden Herzschlag spüren. Meine Erektion ist fast schon schmerzhaft. Angespornt durch ihre Laute drücke ich sie fester an mich heran, spätestens jetzt müsste ihr meine prominente Erregung auffallen.
„Sag mir, dass ich stoppen soll." Ich schaue ihr direkt in die Augen. Casey schüttelt leicht mit dem Kopf und zieht mich mit ihren Händen zu sich heran. Unsere Lippen treffen mit einer spürbaren Ungeduld aufeinander. Casey bewegt sich nun rhythmisch gegen mich und versucht mit einer ihrer Hände meinen Reißverschluss zu öffnen.
Unerwartet löst sie sich von unserem Kuss, um kurz an meinem Ohrläppchen zu saugen. Verdammt, das halte ich nicht länger aus.
„Eric", flüstert sie mir verschlafen ins Ohr. Warte mal..verschlafen? Ah, verdammte Tagträume. Casey schläft noch immer in ihrer gewohnten Position auf meinem Rücken. So ein verdammter Mist.
Meine Erektion ist von ihrer Perspektive ganz bestimmt nicht sichtbar, hoffentlich, aber von meiner Position echt schmerzhaft. So leicht abgeknickt und die Reibung beim Gehen ist nicht die Art von Reibung die angenehm ist.
Casey drückt ihr Gesicht wieder in meinen Nacken und ihre Atmung verlangsamt sich spürbar. Da ich diese verdammte Erektion nicht auf die Schnelle los werden kann, undenkbar mit ihren Brüsten an mich gepresst und ihrem warmen Atem an meinem Hals, muss ich wohl oder übel meinen Penis in eine bequemere und etwas unauffälligere Position bewegen.
Ich verlangsame meinen Gang und löse vorsichtig einen meiner Arme von Caseys angewinkelten Bein. Gerade als ich meinen fast schon schmerzhaft erigierten Penis in Richtung Bauchnabel positioniere, drückt Casey mir ihre Nase fester in die Nackenkuhle.
„Eric? Ich glaube, ich bin kurz eingeschlafen", sagt Casey verschlafen mit einer heiseren Stimme direkt in mein Ohr. Fast schon panisch ziehe ich ruckartig meine Hand aus der Hose und gehe mit einem überhaupt nicht auffällig schnelleren Tempo weiter. Ruhig atmen, nichts anmerken lassen. Das hat sie bestimmt nicht mitbekommen.
„Hm? Oh, kann sein. Ist mir gar nicht aufgefallen", sage ich etwas zu schnell und versuche unauffällig meine Hand, die vor einer Sekunde noch meinen Penis umfasst hat, wieder unter ihr Bein zu schieben.
„Alles gut bei dir?" fragt Casey etwas aufgeweckter und mustert mich von der Seite. „Bin ich zu schwer?"
„Nein, nein. Alles gut, wir sind fast da."
„Ach so, super. Hast du vorhin etwas in deiner Hosentasche gesucht? Wenn du willst kann ich dir helfen. Ich komm bestimmt besser dran als du", fragt Casey unschuldig und legt ihren Kopf auf meine Schulter. Oh, wenn du wüsstest. Du kannst mir ganz sicher besser behilflich sein.
„Oh man, ich glaube ich habe dich im Schlaf angesabbert. Dein Nacken ist ganz nass." Ich spüre wie sie die Feuchtigkeit von meinem Hals wischt. Der Gedanke an ihre verschlafenen Küsse lässt meine Erregung wieder neu aufflammen. Meine Gänsehaut oder vielleicht auch das leise Knurren könnten sie auf die etwas angespannte Stimmung aufmerksam gemacht haben.
„Was ist? Habe ich im Schlaf etwas peinliches gesagt? Das würde mir gerade noch fehlen." Ich wünschte das wäre das Problem, stattdessen habe verdammte Sexträume über Casey während ich verdammt noch mal wach bin und sie in meiner unmittelbaren Nähe ist. Da ich gerade den dunklen Schlafsaal betrete, bleibt mir eine Antwort erspart.
Schweigend steuere ich direkt auf Caseys Bett zu und setzte mich drauf, damit sie langsam von meinem Rücken steigen kann. Mit einem lauten Hmpf lässt sie sich stattdessen auf ihre Matratze fallen und schiebt sich ihr Kissen auf das Gesicht.
„Eric, sag's schon. Was ist passiert?" Trotz Kissen ist ihr weinerliches Gejammere deutlich zu verstehen.
„Pscht!", ist von den umliegenden Betten zu hören. Wir haben wohl ungewollte Zuhörer.
„Das wirst du wohl nie erfahren", flüstere leise bevor ich ihr das Kissen wegziehe und es vorsichtig unter ihren verletzten Fuß schiebe. Mit ernstem Gesichtsausdruck stehe ich auf und gehe mit großen Schritten ins Gemeinschaftsbad. Zunächst verbringe ich mehrere Minuten damit, eiskaltes Wasser über meine Handgelenke laufen zu lassen und dabei konzentriert an Besoffski und Shauna zu denken. Als meine Hosen endlich um einiges bequemer geworden ist mache ich mich erleichtert auf die Suche nach einem Kühlkissen, das ich im Vorbeigehen völlig zufällig gegen Caseys Kopf werfen kann.
Vor meinem Bett ziehe ich mir noch schnell meine Hose und das Shirt aus, bevor ich mich erschöpft auf mein Bett schmeiße. Ein leises „Gute Nacht, Eric, und Danke" ist das Letzte was ich höre bevor ich wenig später einschlafe.
