5 Warum Paintball, wenn man auch Fäuste hat?

Paintball. Wessen verdammte Idee war es Paintball um 3 Uhr morgens zu spielen? Und dann noch ausgerechnet heute. In der Sekunde in der mein Kopf das Kissen berührt, stürmen mehrere Ferox Mitglieder, bewaffnet mit Taschenlampen und laut brüllend, den Schlafsaal. Nach stundenlangen herumirren, mit Casey auf dem Rücken und einem verdammten Baguette in der Hose, musste ich quer durch Ferox gehen, um jetzt nicht einmal für 5 min die Augen zu machen zu können. Und als ob das nicht genug wäre, strahlt mir irgendein Idiot mit einer verdammten Taschenlampe direkt ins Gesicht. „Aufstehen, Initiant. Du hast 10 min bis der Zug vorbeifährt." Mh, scheint wohl eine lebensmüde Idiotin mit einer Taschenlampe zu sein.

Ich öffne meine Augen und fixiere sie mit einem hasserfüllten Blick. Das Mädchen, alias die Idiotin mit der Taschenlampe, wirkt auf einmal sehr nervös. Sie geht langsam einen kleinen Schritt nach hinten. Ihre Augen huschen von meiner geballten Faust, neben dem Kopfkissen, zu meinem Gesicht und bleiben schließlich an meinem zuckenden Augenlid hängen. Ich beachte sie nicht weiter und richte mich wortlos auf.

Um mich herum herrscht pures Chaos. Sowohl Ferox Mitglieder als auch Ferox geborene Initianten genießen ihre Aufgabe die Transfer Initianten so ungemütlich wie möglich aus dem Schlaf zu reißen. Mein Blick fällt sofort auf den Parasiten, der neben Max am Bett von Casey steht.

Casey ist gerade damit beschäftigt ihnen zu versichern, dass sie auf keinen Fall in die Krankenstation muss, während sie beiläufig versucht das Vogelnest auf ihrem Kopf platt zu drücken. „Mein Knöchel sieht schlimmer aus als es ist. Ich werde einfach versuchen beim Laufen das Bein nicht so stark zu belasten. Glaubt mir, das Tapeband wirkt wundert. Eric war völlig begeistert von der magischen Wirkung des lila Tapes." Bei den Worten zwinkert Casey mir zu.

Max wirkt nicht ganz überzeugt, nickt dennoch ihre völlig wahnwitzige Vorstellung einbeinig beim Paintball mitzumachen ab. Das muss an den blassgrünen Kulleraugen liegen, anders kann ich mir das nicht erklären.

Jetzt erst bemerke ich, dass die Idiotin mit der Taschenlampe noch immer wie angewurzelt vor mir steht. Wahrscheinlich kann sie sich vor Angst nicht bewegen und bereut die Entscheidung mein Bett ausgewählt zu haben. Mit verengten Augen wende ich mich zu ihr und bin etwas überrascht über ihren fast schon hypnotisierten Blick auf meinen nackten Oberkörper. Mh, von Bereuen kann hier nicht die Rede sein.

Um sie aus ihrer Trance zu wecken spiele ich mit meiner Brustmuskulatur. Als sie weiterhin ihren Blick nicht abwendet, breitet sich ein gemeines Grinsen in meinem Gesicht aus. „Siehst du etwas was du magst, kleine Ferox?" Ein leichter Nervenkitzel breitet sich in mir aus, als sich die Stalkerin ertappt fühlt und hörbar schluckt. Sie wirkt auf einmal so klein und unsicher, besonders als sie ihren Blick von mir abwendet und nervös mit der Taschenlampe herumfummelt.

Ohne auf eine mögliche Antwort zu warten stürme ich mit angewidertem Gesichtsausdruck an ihr vorbei, in Richtung Gemeinschaftsbad, und stoße sie dabei scheinbar versehentlich hart mit meiner Schulter aus dem Weg.

Meine Betthaare sehen zwar nicht so schrecklich aus wie Caseys, dennoch verbringe ich mehr Zeit als ich eigentlich habe vor dem Spiegel. Als ich zurück in den fast leeren Schlafsaal komme, steht Casey wartend mit eingeschränkten Armen vor der Brust neben meinem Bett. Ich verlangsame meinen Gang und schmunzel sie an. Wie schon erwartet wandert sie mich mit ihren Augen von Kopf bis Fuß ab und kommt dabei bei dem Anblick meines entblößten Oberkörper ins Stocken.

„Das vorhin mit Natalia war echt gemein, Eric. Stimmt es, dass du ihr ein Bein gestellt hast und sie danach gegen die Wand gedrückt hast?" Sie tippt nervös mit dem nun bandagierten Fuß und schaut mich mit gerunzelter Stirn fragend an. Da war das violette Tape wohl doch nicht so magisch wie angepriesen.

„Hm." Schade, dass mir das in Gegenwart der Idiotin mit der Taschenlampe nicht eingefallen ist. Sie hätte sich bestimmt vor Angst eingenässt. Und wer zum Teufel ist Natalia? Ich ziehe mir schnell meine Trainingssachen an und bemerke erst jetzt meine Jacke auf dem Bett. Ah, deshalb steht Casey hier und kaut mir das Ohr ab. „Ich weiß gar nicht was du meinst", sage ich im Vorbeigehen und werfe mir die Jacke über. Kopfschüttelnd folgt Casey mir und gemeinsam erreichen wir mit den letzten Initianten die Gleisen.

„Jeder nimmt sich ein Paintball Gewehr und Munition. Der Zug müsste jeden Moment kommen." Max zeigt auf einige Kästen und schaut ungeduldig auf seine Armbanduhr. Der Parasit ist der Erste mit einem Gewehr und fuchtelt aufgeregt damit herum. Oh verdammt noch mal, er ist noch hyperaktiver als sonst.

„Hast du überhaupt geschlafen?" frage ich ihn mit monotoner Stimme und stelle mich neben ihn. Bevor er antworten kann hören wir den sich nähernden Zug. Wortlos grinst er mich mit weit aufgerissenen Augen an.

„Letzter Wagon?" stoße ich im Flüsterton hervor, bevor er loslaufen kann. Der Parasit schaut mich kurz an und folgt meinem Blick. Kurze Zeit später sprintet er los. Statt mit ihm Schritt zu halten, jogge ich in einem deutlich langsameren Tempo hinterher, den Blick konzentriert auf die humpelnde Gestalt gewendet. Mehrere Initianten überholen mich, der Zug verlangsamt das Tempo minimal und die ersten Wagons ziehen an mir vorbei. Endlich joggt Casey, leise fluchend und mit angespanntem Kiefer, an mir vorbei. Sie ist vollkommen fokussiert auf die schnell an ihr vorbeiziehenden Wagons. In dem Zustand wird sie den Sprung alleine nicht schaffen. Bevor der letzte Wagon an uns vorbei zieht sprinte ich los und greife mit einer Hand die Wagontür, während meine andere Hand sich gleichzeitig um Caseys Taille schlingt. Der Parasit steht schon wartend an der Öffnung und mit einem Schwung zieht er uns rein. Mit einem lauten „Hmpf" landen wir auf dem Boden des Abteils.

„Danke, Jungs. Ich habe mir das Ganze einfacher vorgestellt." Casey ist etwas aus der Puste, strahlt uns jedoch mit einem breiten Grinsen an. Ich nicke ihr beim Aufsehen kurz zu und klopfe Zeke auf die Schulter. Gemeinsam gehen wir durch die verschiedenen Abteile, bis wir auf die anderen Ferox Mitglieder und Initianten treffen. Max steht in der Mitte und wartet bis die letzten Initianten ihren Weg ins Abteil finden und etwas Ruhe einkehrt.

„Paintball ist eine Tradition hier in Ferox. Das Spiel ist simpel. Wir werden uns in zwei Gruppe aufteilen und mit den Paintball Gewehren 'Erobere die Flagge' spielen." Während Max die Regeln und die Handhabung der Gewehre erklärt wandert mein Blick gelangweilt durch die aufgeregte Menge. Als Max fertig ist werden die Teams gebildet. Er und eine weibliche Ferox mit grünen Haaren sind die Team Anführer. Laut Zeke ist sie die Trainerin der in Ferox geborenen Initianten. Als sie Caseys Namen zuerst aufruft, wirken gerade die in Ferox Geborenen überrascht. Offenbar ist sie auf der Rangliste ganz oben.

Mit gesenktem Kopf geht Casey quer durch das Abteil, ihre geflochtenen Zöpfe wippen bei ihrem leicht humpelnden Gang hin und her. Alle Blicke sind auf sie gerichtet, zugegeben in dem Moment macht sie keinen wirklich kompetenten Eindruck. Aus dieser Entfernung wirkt ihre Größe noch lachhafter. Umgeben von den anderen schwarz gekleideten Initianten wirkt sie mit ihren Dreads und ihrer kurvigen Figur völlig fehl am Platz. Der bandagierte Fuß macht das Ganze nicht besser.

Wie erwartet wird mein Name als nächstes aufgerufen und mit hoch erhobenen Kopf und ernstem Blick gehe ich, in die entgegengesetzte Richtung von Casey, direkt auf Max zu. Dabei fällt mein Blick auf den Altruane Transfer von letzter Nacht. Unsere Blicke treffen sich und meine Augen verengen sich sofort.

Nach einigen unbekannten Ferox Initianten wird wenig später ausgerechnet sein Name von der grün haarigen Frau aufgerufen. Der Vollspast wirkt mehr als zufrieden mit sich, als er mit selbstbewussten Schritten auf Casey zugeht. Wahrscheinlich ist er noch betrunken, anders kann ich mir sein fragliches Selbstvertrauen nicht erklären.

Max und die grün haarige Frau, dessen Name ich vor lauter Desinteresse gezielt überhört habe, wählen im schnellen Tempo nacheinander ihre Team Mitglieder. Meine Augen sind noch immer auf den Vollspasten gerichtet. Er steht nun viel zu nah, fast Schulter an Schulter, neben Casey und hat auch noch den Nerv sie mit der Schulter leicht anzustoßen. Als sie sich verwundert zu ihm wendet breitet sich ein dämliches, schiefes Lächeln in seinem Gesicht aus. Und als ob das nicht genug wäre, reicht er ihr nach einer kurzen Unterhaltung auch noch ganz förmlich die Hand. Verdammter Vollspast, dein Altruane ist mal wieder sichtbar. So einen Scheiß will hier niemand sehen. Genervt wende ich den Blick ab und schaue mir den Rest der Konkurrenz an. Maria und Shauna sind ebenfalls im gegnerischen Team und Letztere zwinkert mir grinsend zu. Gerade jetzt macht sich der Schlafmangel und der fehlende Kaffeekonsum mehr als bemerkbar.

Schnell blicke ich mich suchend nach dem Parasiten um. Wurde er schon in eins der Teams gewählt? Erst jetzt bemerke ich, dass er direkt neben mir steht. So ein Mist. Daran ist nur der Vollspast schuld. Mit einem viel zu breiten, fast schon wahnsinnigen Grinsen, bei dem auch die letzte Reihe seiner viel zu weißen Backenzähne sichtbar ist, schaut er mich vielsagend von der Seite an. Verdammter Parasit, schleicht sich wie immer leise an seine Opfer. Mit einer schnellen Kopfbewegung nicke ich in die Richtung von dem Vollspast, der noch immer mit vollem Körpereinsatz vertieft im Gespräch mit Casey ist. Ich beobachte wie das Grinsen langsam aus dem Gesicht von dem Parasiten verschwindet und er die beiden mit ausdruckslosem Gesicht mustert.

„Hm." Der Parasit verschränkt die Arme vor der Brust und hebt fragend eine Augenbraue. Ich folge seinem Blick und sehe, wie der Vollspast laut lachend Casey, trotz der an Wachstumsstörung grenzenden Größe und dem Krüppelstatus, viel zu hart auf die Schulter klopft. Ich kann sehen, wie sie versucht nicht nach vorne zu stolpern und ihn dabei verunsichert anlächelt.

Der Vollspast wird mein erstes Ziel. Ein sauberer Headshot, direkt zwischen den Augen und mit minimalem Abstand. Womöglich erhofft er sich, durch das ganze Einschleimen, bessere Chancen beim Ranking zu haben. Vollspast.

„Hm." Als ob der Parasit mich hören könnte, nickt er mir mit skeptischen Blick zu. Ich ziehe in Antwort meine Augenbrauen hoch und zucke einmal kurz mit den Schultern. Der Parasit schnaubt und mit einem lächeln klopft er mir auf die Schulter. Aha, er sieht es also ein, dass der Altruane reif für eine kleine Abreibung ist.

„Männer." Überrascht drehen wir uns um. Nico steht leise lachend hinter uns und wischt sich spielerisch nicht vorhandene Tränen von den Augen. „Es ist echt unglaublich wie ihr beide es schafft, ohne Worte und mit nur minimalen Bewegungen, eine komplette Unterhaltung zu führen. Und das Schlimmste ist, allen Anschein nach habt ihr euch doch tatsächlich auf etwas geeinigt." Der Parasit und ich schauen uns verwundert an und brechen in, sehr leises und unglaublich männliches, kichern aus. Noch immer lachend wende ich mich von Nico ab und mein Blick wandert, wie so oft und vollkommen unbewusst, in Richtung Casey.

Als ob sie meinen Blick spüren würde, schaut sie unerwartet hoch und wir halten, inmitten der hyperaktiven Menge, Blickkontakt. Für einen langen Moment schaut keiner von uns weg. Sie beißt sich nervös auf die Unterlippe. Erst als sie jemand leicht an der Schulter berührt, natürlich der Vollspast, unterbricht sie was auch immer das gerade war. Er stellt ihr eine Frage, bei der sie knallrot anläuft und verlegen auf den Boden schaut. Maria, die nun hinter Casey steht, lacht bei den Worten des Vollspasten laut auf. Ich beiße mir genervt in die Innenseite meiner Wange.

„Okey, das war's. Noch eine Sache, bevor Laurens Team sich auf den Weg macht. Es gelten bei Kämpfen mit Fäusten die gleichen Regeln wie gestern. Jeder Zweikampf hat Einfluss auf die Rangliste. Die Ferox Mitglieder sind nur zum beobachten da und werden die Kampfergebnisse am Ende an mich weiterleiten. Hat noch jemand letzte Fragen?" Max schaut kurz um sich und nickt dann Lauren zu.

Sie macht sich zusammen mit ihrem Team auf den Weg zur Öffnung des Wagons. Voller Abscheu beobachte ich wie der Vollidiot beim Gehen seine Hand auf Caseys unteren Rücken legt und ihr schon wieder irgendetwas ins Ohr flüstert. Als ob er so nah an sie herangehen muss, um sie etwas zu fragen. Und was macht seine verdammte Hand eigentlich auf ihren unteren Rücken? Wenn er ihr beim Gehen helfen will, dann wäre ein Griff unter den Arm hilfreicher. Verdammter Vollidiot. Als die ersten Initianten vom Zug springen, dreht sich der Vollidiot unerwartet um. Er schaut mir direkt in die Augen und seine Mundwinkel zucken minimal. Ich starre ihn mit einem neutralen Blick direkt in die Augen. Er denkt wohl, ich hätte seine peinlichen Annäherungsversuche an die Spitzeninitianten nicht schon längst durchschaut. Am liebsten würde ich ihm, mit einem kräftigen Tritt, bei seinem Absprung behilflich sein.

Nach wenigen Minuten springt auch mein Team vom Zug und wir landen auf einem schmalen Rasenstreifen. Neben uns befindet sich ein Waldgebiet und leicht verdeckt von den ersten Baumreihen sind die Überreste eines kleinen Holzhäuschens sichtbar. Während der kurzen strategischen Diskussionen zwischen den Initianten verteilt Max kleine Taschenlampen und nickt immer mal wieder zustimmend. Am Ende verstecken wir unsere Flagge auf dem Dach des Häuschen, unter einem losen Dachziegel nahe des Dachgiebels. Im Haus, auf dem Dach und in den umliegenden Sträuchern versteckt sich ein Drittel der Initianten. die Anderen werden, in stiller Begeleitung von Max, versuchen das gegnerische Team zu Infiltrieren und sich die Flagge anzueignen. Max hat uns die entsprechenden Aufgaben zugeteilt und zusammen mit dem Parasiten schleiche ich kurze Zeit später hinter Max her.

Anscheinend hat er eine Vermutung wo sich Lauren befindet. Sie ist wohl nicht ganz einfallsreich und versteckt die Flagge immer an der gleichen Stelle, an einem veralteten Karussell direkt neben einem riesigen Metallgerüst. Wir orientieren uns auf dem Weg durch das kleine Waldgebiet anhand des großen Gerüsts, das über den Baumkronen sichtbar ist. Bevor wir das gegnerische Team erreichen werden wir jedoch von dessen Spähern gesichtet.

Urplötzlich ist das schießen von Paintball Kugeln hörbar. Der Parasit und ich laufen in geduckter Haltung zum nächsten Gebüsch und gehen in Deckung. Unerwartet überkommt mich ein Gefühl der Euphorie. Das kann vielleicht doch Spaß machen. Vorsichtig schaue ich über den Rand des Gebüschs und sichte sofort unseren Angreifer. Maria sitzt selbstzufrieden in einem nah liegenden Baum. Unglücklicherweise zielt sie gerade mit ihrem Gewehr direkt auf Zeke. Mit einem Ruck am Kragen seiner Jacke ziehe ich den Parasiten schnell zur Seite, bevor die Kugel ihn treffen kann. Als ich mich wieder zu ihr wende ist der Baum leer. Sie ist echt gut.

„Zeke, wir hatten eine Abmachung. Du brauchst keine Angst haben, es wird nicht weh tun. Ich werde ganz sanft sein." Maria klingt leicht belustigt und ihre Stimme kommt nun aus einer völlig undefinierbaren Richtung. Sie scheint aber definitiv näher zu kommen.

„Geh, das ist eine Sache zwischen mir und Maria," flüstert der Parasit mir aufgeregt leise ins Ohr und stößt mich danach leicht von sich weg. Meine Mundwinkel ziehen sich unwillkürlich nach oben. Wenn das mal nicht ein Vorspiel ist, dann weiß ich auch nicht.

Ich laufe in geduckter Haltung weiter in Richtung des Metallgerüsts und hinter mir kann ich den Schusswechsel zwischen Maria und Zeke hören. Plötzlich schreit der Parasit laut auf. „Autsch, Maria! Das war mein Hintern. Ich hab dir doch gesagt, dass mein Hintern tabu ist!" Seine weinerlichen Worte hallen durch den Wald, dicht gefolgt von Marias lauten Lachen.

Als ich dem Gerüst immer näher komme höre ich einen dumpfen Schlag. Es hört sich so an, als ob jemand leise stöhnen würde und immer wieder auf den Erdboden klopft. Neugierig schleiche ich, mit dem Gewehr auf Anschlag, dem Geräusch hinterher. Nach wenigen Schritten erkenne ich eine kleine Person, die auf dem Boden sitzt.

„Casey?" flüstere ich verwundert. Casey befindet sich im Schneidersitz auf dem Boden und richtet sofort ihr Gewehr auf mich. Direkt vor ihr liegt Shauna, mit allen Vieren von sich gestreckt und in Bauchlage. Die dumpfen Geräusche kommen von ihrer Kopfbewegen, da sie immer wieder mit ihrer Stirn gegen den Boden haut. Mh, da konnte wohl jemand sein großes Mundwerk nicht halten. Allem Anschein nach ist Shauna vom Halts abwärts gelähmten.

Für einen Moment herrscht absolute Stille, keiner von uns bewegt sich. Niemand schießt. Ich wandere ein letztes Mal mit meinen Augen das Spektakel ab und versuche mir alles einzuprägen. Casey schmunzelt und Shauna drückt wütend ihr Gesicht in die Erde, ein abgedämpfter Schrei ist hörbar. Wortlos drehe ich mich langsam um. Bevor ich auch nur einen Schritt machen kann, steht auf einmal Max vor mir und klopft mir beim Vorbeigehen abwesend auf die Schulter. Er steuert direkt auf Casey und Shauna zu.

Geflüsterte Worte sind hörbar, aber ich bin leider zu weit weg um die genauen Worte zu verstehen. Nach der Tonart zu schließen, ist Max mehr als belustigt. Leise schleiche ich weiter zwischen den Bäumen umher, in Richtung des Gerüsts. Um mich herum nehme ich vereinzelt Mitspieler aus meinem Team war. Mit Handzeichen und vielsagenden Blicken finden wir uns wenig später vor dem alten Karussell wieder.

Jetzt ist Konzentration angesagt. Ich muss den Vollspasten finden, bevor das Spiel vorbei ist. Alle Gedanken über meine fragwürdige Begegnung mit Casey und Shauna werden vorerst in die hinterste Ecke meines Kopfs verbannt. Verdammte Casey und ihren Hang Mitmenschen außer Gefecht zu setzten.

Nach viel hektischen Gefuchtel und minimalen Bewegungen mit der Kinnpartie, haben meine drei Mitspieler und ich geschafft uns irgendwie auf eine Vorgehensweise zu einigen. Die gegnerische Flagge ist gut sichtbar im Herzen des verrosteten Karussells und zwei gegnerische Mitspieler stehen gelangweilt wache. Vom Vollspasten fehlt jede Spur. Wäre sonst zu einfach gewesen.

Vorsichtig schleichen wir zwischen den Bäumen umher. Ein Mitspieler klettert auf einen der Bäume und wir anderen verteilen uns so gut es geht innerhalb der letzten Baumreihe, die die Lichtung mit dem Karussell umgibt. Nach einem schrillen Pfiff greifen wir von unserer Deckung aus an. Mindestens ein Gegner ist auf dem nahestehenden Metallgerüst versteckt und weitere Schüsse kommen aus dem gegenüberliegenden Waldbereich. Ich kalkuliere in meinem Kopf mindestens drei versteckte Gegner, plus die zwei Wachen. Das sollte ein leichtes Spiel sein. Und der Altruane Transfer muss einfach hier irgendwo sein.

Ich konzentriere mich auf die versteckten Gegner gegenüber von uns. Irgendwo muss er doch sein - Bingo! Der Vollspast ist dabei. Mit einem triumphierenden Grinsen springe ich aus meinem Versteck.

„Hey Vollspast! Du und ich – Zweikampf."

Der Schusswechsel um mich herum kommt zum Stillstand. Mit weit aufgerissenen Augen richtet sich der Altruane Transfer auf und schluckt hörbar. Einige Initianten, inklusive Vollspast, blicken fragend zu Lauren, die mit eingeschränkten Armen am Rand des Kampfgeschehens steht. Unbeirrt steuere ich auf die Mitte der Lichtung zu und schaue mein Lieblingsopfer mit einem bedrohlichen Blick an. Mein Gewehr landet mit einem dumpfen Schlag auf dem Boden, mein Blick ist weiterhin direkt auf meinen Gegner gerichtet. Erst als Lauren den Zweikampf mit einem Augenrollen zustimmt, kommt der Vollspast mit langsamen Schritten auf mich zu. Er fixiert mich mit einem finsteren Blick, fast schon belustigt ziehe ich meine Augenbrauen hoch.

Als er vor mir steht wirkt er zunächst etwas verunsichert. Nach einem vielsagenden Blick in Richtung Gewehr, lässt auch er seine Waffe mit gerunzelter Stirn fallen. Sobald seine Finger sich von seinem Gewehr lösen, nehme ich Anlauf und steuere mit meiner geballten Faust direkt auf ihn zu. Das Geräusch seiner brechenden Nasenknochen wird wie Musik in meinen Ohren sein.

Mit verengten Augen blockt er meinen Angriff mit seinem Oberarm und stolpert durch die Wucht meines Schlags einige Schritte nach hinten. Meine Oberlippe krümmt sich angewidert nach oben. Ich täusche einen weiteren Schlag mit meinem Oberkörper an und verpasse im stattdessen einen kräftigen Seitenhieb mit meinem Knie. Schön in die Rippen, davon wird er auch noch Morgen was haben.

Der Altruane krümmt sich leicht zur Seite und attackiert, mit fast schon lachhaften Schlägen, meine Nierengegend. Nichts, was ich nicht im Handumdrehen blocken kann. Um uns herum geht der Schusswechsel zaghaft weiter.

Er nutzt meine Selbstsicherheit und holt schnell mit seinem Fuß aus. Er trifft mich in meiner Rippengegend, aber anders als er lasse ich mir nichts anmerken. Mit zusammengebissenen Zähnen umpacke ich seinen Fuß und bringe ihn schnell zu Boden. Gleich noch ein paar kräftige Tritte und dann ist das Ganze vorbei.

Bevor ich seinen Fuß von mir stoßen kann, trifft mich unerwartet eine scheinbar verirrte Paintballkugel an der Kniescheibe. Verwundert blicke ich kurz runter auf mein Knie und in der Sekunde nutzt der Vollspast meine Abgelenktheit und holt mit seinem freien Bein aus. Er tritt mir doch tatsächlich genau auf das besagte Knie und zwingt mich so in die Hocke. So ein verdammter Vollspast. Gerade von einem Altruanen hätte ich so ein krummes Ding nicht erwartet, aber wie soll er sonst eine Chance zum Sieg haben?

Bevor ich mich orientieren kann finde ich mich in einem Unterarmwürgegriff wieder. Wütend schlage ich gezielt auf seine Nieren und Weichteile. Der Vollspast wirkt völlig unbeeindruckt und erhöht lediglich den Druck um meinen Hals. Ich werde immer wütender und schlage nun mit meinen Fäusten wild um mich, aber scheinbar ohne Erfolg.

Als die Ränder meines Sichtfelds verschwimmen und das Rauschen in meinen Ohren immer lauter wird, muss ich mir meine Niederlage eingestehen. Angewidert von mir selbst klopfe ich mit geschlossenen Augen auf den Boden. Der Druck um meinen Hals lässt sofort nach und mit ausdruckslosem Gesicht richte ich mich auf. Der Vollspast kann sich ein selbstgefälliges Grinsen nicht verkneifen und nickt mir kurz zu.

Jeder Muskel in meinem Körper ist angespannt, als ich mich abrupt umdrehe und mein Gewehr aufhebe. Mein Rücken ist noch immer zu dem Vollspasten gerichtet, als ich einen fragenden Blick zu Lauren werfe und mit einer kurzen Kinnbewegung nach hinten weise. Das Spiel geht immerhin weiter. Laurens Mundwinkel zucken nach oben, das ist Antwort genug. Lässig drehe ich mich um und gehe mit neutralem Gesichtsausdruck los. Im Vorbeigehen schieße ich dem nichtsahnenden Altruanen auf seine Kniekehlen und höre nur wie er laut stöhnend zu Boden geht. Vollspast. Beim nächsten Mal werde ich mich nicht zurückhalten.

Ich unterdrücke nur mit Mühe das Verlangen mich umzudrehen und beteilige mich stattdessen an dem Spiel um mich herum. Bevor die gegnerische Flagge in unseren Besitz übergehen kann, ertönt lauter Jubel aus der Richtung unseres Verstecks. Mit einem schrillen und langgezogenen Pfiff beendet Lauren das Spiel.

Die letzte Munition wird wild und unabhängig von der Teameinteilung auf die Mitinitianten ausgeleert. Um mich herum herrscht für ein paar Minuten pures Chaos. Falls in dem Gerangel mehrere, direkt aufeinanderfolgende Paintball Kugeln auf den Knien eines gewissen Altruanen treffen, ist das natürlich rein zufällig und nur irgendwelchen verirrten Streukugeln zu verdanken. Purer Zufall.

Auf der Rückfahrt suche ich mir ein leeres Abteil und setzte mich mit finsterer Miene in die Wagenöffnung. Ich humpel schon fast so schlimm wie Casey. Es ist fast schon ein Wunder, dass ich es überhaupt in den Wagon geschafft habe.

Noch immer etwas wütend über mich selbst, gehe ich den Kampf gegen den Altruanen in meinem Kopf durch. Was hätte ich alles besser machen können? Meine verdammte Siegessicherheit wurde mir zum Verhängnis. Der Schuss am Knie hätte meine Konzentration nicht brechen sollen. Ich hätte dem Vollspasten nicht die Zeit geben dürfen einen Gegenangriff zu unternehmen. Ich hätte einfach nicht mit ihm spielen sollen, sondern ihn mit ein paar gezielten Handgriffen außer Gefecht setzten sollen. Ich hätte, hätte, hätte...Unbewusst ballen sich meine Hände zu Fäusten.

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Mit einem lauten „Hmpf" lässt sich Zeke neben mir fallen und schaut mich aus dem Augenwinkel an. Ah, anscheinend hat er von meiner glorreichen Niederlage gehört. Ich presse meine Zähne zusammen und meine Kiefermuskulatur zuckt angespannt. Der Parasit räuspert sich lediglich und blickt konzentriert auf die vorbeiziehende Landschaft.

„Nicht die Niederlage definiert dich, sondern wie du damit umgehst." Weise Worte für einen verdammten Parasiten. In absoluter Stille und mit dem Blick stur nach vorne gerichtet, sitzen wir für mehrere Minuten so da.

Diese vollkommen ungezwungene und keines Wegs angespannte Stimmung wird durch laute Schritte unterbrochen. Es hört sich so an, als ob eine gesamte Herde von tollwütigen Nilpferden sich einen Weg in unseren Wagon bahnen würde. Nach einem kurzen Blick über die Schulter steht der Parasit schmunzelnd auf. „Bis später, man."

Den Blick weiter nach vorne gerichtet nicke ich ihm abwesend zu. Wenig später wird sein Platz von keinem anderen als Casey eingenommen. Ich versuche ihre Anwesenheit nicht weiter zu beachten. Natürlich vergeht kaum eine Minuten bevor sie scheinbar unbeschwert los plappert.

Gedanklich bin ich schon bei der Planung eines neuen Trainingsplans, den ich abends, vor dem Schlafen gehen, in die Tat umsetzen werde. Mit gezielter Konzentration, auf Krafttraining und Klettereinheiten, schaffe ich es doch tatsächlich Caseys Stimme auszublenden. Ihre Stimme vermischt sich mit dem rauschenden Fahrwind zu einem stetigen Gebrumm im Hintergrund.

Erst als ich eine Hand auf meinem Oberschenkel spüre, werde ich schlagartig aus meinen Gedanken gerissen. Verwundert blicke ich auf Caseys schmale Hand und beobachte mit Faszination wie ihre Hand langsam in die Innenseite meines Oberschenkels wandert, während sie unbeirrt weiter quasselt und konzentriert auf ihre baumelnden Füße starrt.

Ich starre noch immer völlig überrascht auf ihre Hand und erst als sie sich meiner Leistengegend nähert, spannt sich bei der ungewohnten Berührung mein Oberschenkel an und mich überkommt eine Gänsehaut. Ich werfe ihr aus dem Augenwinkel einen Blick zu und sehe ihr unsicheres Lächeln.

Oh, verdammt.

Das Blut aus meinem Kopf schießt direkt in meinen Penis. Erst jetzt wird mir bewusst, wie nah wir nebeneinander sitzen. Schenkel an Schenkel gepresst. Langsam lasse ich meine Hand um ihre Taille schlingen und spiele unbewusst mit dem Rand ihres Pullovers. Dabei streifen meine Finger immer wieder Caseys Haut, die sich unglaublich zart und warm anfühlt.

Ich kann mich nicht entscheiden, was faszinierender ist. Die zunehmende Röte auf Caseys Wangen oder die stetige Bewegung ihrer wanderfreudige Hand. Ich schlucke hörbar und blicke wieder unauffällig nach unten in meinen Schoß. Mein Penis zuckt vor Freude und schreit förmlich nach Aufmerksamkeit.

Als ich ihre Hand in meinen Leistenbereich spüre, stöhne ich leise ihren Namen und lehne mich zu ihr rüber. Mit offenem Mund küsse ich ihren Nacken. Ihre Haut ist von einem leicht Salzfilm bedeckt und einem Geschmack, der undefinierbar ist. Auch hier ist ihre Haut warm und unglaublich zart. Ich kann mit meinen Lippen ihre Gänsehaut spüren und meine Mundwinkel verziehen sich zu einem Grinsen.

„Eric, ich.." Ihre Stimme hört sich unsicher an. Verwundert und auch etwas beunruhigt schaue ich sie an. Casey schaut mich mit groß aufgerissenen Augen an und wirkt fast schon entschuldigend.

Bevor ich registrieren kann, dass ihre Hand sich noch immer auf meiner Leiste befindet und sich seit dem auch keinen Millimeter bewegt hat, drückt sie mit zwei Fingern fest zu.

Oh, verdammt. Wie gern hätte ich diese Finger wo anders gespürt. Und Autsch! Nicht so fest. Ich hatte mehr an eine auf und ab Bewegung gedacht, vielleicht mit einer leicht kreisenden Bewegung am Ende. Aber nein, Casey muss mal wieder ihren scheiß Voodoo abziehen.

„So, das sollte den Schmerz in deinem Knie für die Nacht betäuben." Sie zieht vorsichtig ihre Hand zurück und schaut mich an. Ihre Pupillen sind leicht geweitet und an ihrem Nacken sind zwei große rote Flecken sichtbar. Flecken, die ich ihr verpasst habe in dem Denken, dass sie.. Ich kann den Satz nicht einmal in meinem Kopf zu Ende bringen.

Ich bin so ein Vollidiot. Mit gerunzelter Stirn bringe ich etwas Abstand zwischen uns und starre wortlos nach Vorne. Wir sind fast beim Ferox Komplex, nur noch ein paar Minuten in dieser mehr als peinlichen Situation. Mein halb steifer Penis lässt mich meine idiotische Eskapade nicht vergessen.

Das schon fast vertraute Gefühl der Taubheit breitet sich in meinem schmerzlich pochenden Bein aus. Die Betäubung ist dieses Mal nicht so stark wie erwartet, sondern es nimmt eher das nagende Gefühl weg. Ich kann den Bluterguss an meinem Knie noch spüren, gerade wenn ich das Knie unauffällig beuge, aber es ist nicht mehr so dominant wie vorher. Ich spanne meine Beinmuskulatur fasziniert an. Komplett darauf konzentriert nicht mehr an mein idiotisches Verhalten zu denken.

Der Parasit, Maria und Nico kommen flüsternd in das Abteil. „Bereit für den Absprung?" fragt der Parasit mich leise. Ich richte mich vorsichtig auf und belaste neugierig mein verletztes Bein.

„Hm." Mehr bekommt der verdammte Parasit nicht von mir. Sicherlich hab ich das ganze Dilemma mit Casey nur ihm zu verdanken. Eine kleine Vorwarnung wäre ja wohl nicht zu viel verlangt gewesen. So was in der Art wie „Hey, Eric. Gleich wird Casey dir schon wieder einen ihrer verdammten Wespenstiche verpassen, nicht dass du dich wunderst. Immerhin werden ihre Finger genau neben deinem scheiß Penis sein, der noch immer halb erigiert bei dem Anblick von ihr zuckt." Ja, so was in der Art.

Zeke klopft mir, wie immer breit grinsend, auf die Schulter und springt vom Wagon ab. Bevor ich ihm folgen kann, spüre ich eine Hand auf meinem Oberarm. Zögernd bleibe ich stehen, drehe mich aber nicht um.

„Ich habe nicht gesagt, dass du aufhören sollst. Beim nächsten Mal erwarte ich mehr Gehorsam." Caseys Lippen streifen mein Ohr und mit Mühe unterdrücke ich ein stöhnt.


Ich würde mich über Kommentare sehr freuen. Sogar über negaive Bemerkungen, hauptsache eine Reaktion :)