Wir und die Anderen


I.

Nach einer Reihe von Wiedervereinigungen und Erstbekanntschaften im Gefängnis, wurden erst einmal die schlimmsten Verletzungen versorgt. Andrea erfuhr von den Verlusten, die ihr Rudel hatte ertragen müssen, durfte Baby Judith halten, und hörte mit einem Ohr zu, wie Rick mit Hershel, Carl, und Tyreese und seinen Freunden diskutierte. Sie wusste nicht genau worüber, stattdessen wanderten ihre Gedanken zu dem, was sie als nächstes tun musste. Und sie fragte sich, wie sie ihre Pläne Rick und Michonne beibringen sollte. Rick schien der Meinung zu sein, dass sie endlich alle wiedervereint waren und das für immer. Und Michonne …. Nun, sie kannte Michonnes Meinung zu dieser ganzen Sache zur Genüge.

Nachdem sie sicher gestellt hatte, dass Michonne gut versorgt war, bat sie Rick um ein Gespräch unter vier Augen. „Es gibt keine schonende Art dir das beizubringen, aber ich muss zurück nach Woodbury", erklärte sie dem Omega, dessen Miene angesichts dieser Aussage verfiel.

„Nein", verkündete er, „Das kommt überhaupt nicht in Frage! Wir haben endlich alle sicher aus dieser Stadt hinausgeschafft! Und jetzt willst du zurück dorthin? Zu diesen … diesen Tieren, die Merle in eine Kampfarena gesteckt haben?!"

„Ich weiß, dass das ein schlechtes Licht auf sie wirft, aber du musst das verstehen, sie dachten Merle wäre ein Terrorist, der sie im Schlaf ermorden wollte oder schlimmeres. Sie wussten es einfach nicht besser. Sie sind aber keine schlechten Menschen, nicht alle von ihnen zumindest. Es gibt Kinder dort, Rick. Kinder wie Carl und Judith. Ärzte, Lehrer, Wissenschaftler. Mein Freund Milton ist ein Omega, er erforscht die Infektion, und er hat mir dabei geholfen die Ablenkung zu starten, die euch gerettet hat. Ich kann ihn nicht einfach im Stich lassen. Ich kann die ganze Stadt nicht einfach im Stich lassen. Es ist nicht ihre Schuld, dass ihr Anführer wahnsinnig ist. Aber genau deswegen brauchen sie mich dort, damit es dort jemanden gibt, der sich Philip in den Weg stellt. Im Grunde sind Martinez und seine Leute nicht unvernünftig, sie tun nur eben das, was Philip ihnen sagt, aber sobald ihnen klar wird, wie falsch er liegt, werden sie ihm die Gefolgschaft verweigern, das weiß ich mit Sicherheit", erklärte Andrea ihm.

Rick schüttelte den Kopf. „Nein, vergiss es. Das ist viel zu gefährlich! Wer sagt, dass du nicht in dem Moment erschossen wirst, indem du die Stadt wieder betrittst?!", protestierte er, und Andrea hielt es für besser nicht zu erwähnen, was Philip ihr darüber gesagt hatte, was passieren würde, wenn sie die Stadt verließ. Im Grunde hatte Rick ja nicht unrecht.

„Bis auf Milton weiß bisher möglicherweise noch keiner, dass ich euch bei der Flucht geholfen habe", betonte Andrea, „Noch kann ich zurück."

„Nein, ich brauche dich hier. Wir brauchen dich hier", widersprach ihr Rick, „Nach Lori …. Ich brauche dich hier."

„Du hast Daryl, du hast Merle, Hershel, du hast deine neuen Verbündeten, du brauchst mich nicht", meinte Andrea dazu, „Woodbury hingegen braucht mich."

„Ich verbiete dir dorthin zurückgehen!", verkündete Rick.

Andrea warf ihm einen ungläubigen Blick zu. „Wirklich?", fragte sie nur, „Denkst du tatsächlich, du könntest mich davon abhalten?"

Ricks Miene verfiel, und er wandte sich von ihr ab. Er schien in sich zusammenzusinken und war offenkundig besiegt. „Ich will nicht, dass du stirbst", sagte er dann leise, ohne sie anzusehen.

„Ich werde nicht sterben", versicherte ihm Andrea, „Aber ich muss dorthin zurück. Du verstehst das nicht, weil du dich nur für das Rudel verantwortlich fühlst, aber ich, ich fühle mich für eine ganze Stadt verantwortlich. Aus dem einfachen Grund, weil sie mir geholfen haben, als ich Hilfe gebraucht habe. Wenn du es schon nicht gutheißen kannst, kannst du es hoffentlich zumindest akzeptieren." Rick hatte keine Antwort dafür zu bieten.

Ihr nächster Weg führte sie zu Michonne. Diese musste nur einen Blick auf sie werfen um zu wissen, was sie vorhatte. „Du gehst dorthin zurück", stellte sie fest.

„Ich muss", erwiderte Andrea, „Diese Leute brauchen mich."

„Und was ist mit mir? Brauche ich dich nicht auch?", wollte Michonne daraufhin wissen.

„Ich ziehe sie dir nicht vor", erklärte Andrea, „Sie brauchen mich im Moment nur mehr. Meine Gefühle für Woodbury und seine Bewohner, haben nichts mit meinen Gefühlen für dich zu tun. Ich gehe nicht zu Philip zurück, ich gehe zu denen zurück, die ich vor ihm retten muss."

„Dann komme ich mit dir", schlug Michonne vor und griff nach ihrem Katana und zog im nächsten Moment eine Grimasse. Ihre Verletzungen waren versorgt worden, waren aber noch nicht geheilt.

„Das geht nicht. Dich würden sie sofort erschießen, wenn sie dich sehen. Philip hasst niemanden mehr als dich. Das weißt du. Und jeder weiß, welche Rolle du bei den jüngsten Ereignissen gespielt hast", rief Andrea ihr in Erinnerung, „Außerdem musst du dich erholen."

Michonne lachte bitter. „Wo soll ich sonst hin?", wollte sie wissen, "Hier kann ich nicht bleiben. Das hat Rick ziemlich deutlich klar gemacht."

„Er wird dich nicht einfach vor die Türe setzen", meinte Andrea voller Überzeugung, „Das liegt nicht in seiner Natur. Und wenn das alles vorbei ist, wenn ich Woodbury vor seinem verrückten Alpha gerettet habe, dann können wir wieder zusammen sein."

„Sofern wir beide dann noch am Leben sind", ergänzte Michonne ihre Aussage mit dem für sie typischen nicht vorhandenen Optimismus.

„Sofern wir beide dann noch am Leben sind", stimmte Andrea ihr ungerührt zu, „Aber das werden wir sein. Alles wird gut werden. Du wirst schon sehen." Glaubte sie selbst daran, dass es so einfach werden konnte? Nicht wirklich, aber sie musste daran glauben, wenn sie versuchen wollte alle zu retten, ihr blieb keine andere Wahl. Leider würde Philip Blake es ihr nicht gerade einfach machen.


II.

Der Erlöser, der für das Königreich zuständig war, überraschte Carol, weil es sich um einen Beta handelte. Bisher hatte sie den Eindruck vermittelt bekommen, dass es sich bei den Erlösern von Negan ausschließlich um Alphas handelte. Doch dieser Erlöser war eindeutig ein Beta. Sein Name lautete Gavin, und überhaupt war er anders als die anderen Erlöser, die Carol kennengelernt hatte, was natürlich vielleicht auch daran liegen konnte, dass sie nicht versucht hatte ihn umzubringen, und er keine Ahnung hatte, wer oder was sie war. Gavin war nämlich ein durchaus angenehmer Zeitgenosse. Er schien sich gut mit Ezekiel zu verstehen, plauderte mit ihm darüber, was es im Königreich Neues gab, während seine Leute, manche davon Betas, aber auch einige Alphas, ihren Anteil an der Ernte des Königreichs einsackten.

„Das ist weniger als beim letzten Mal, Eure Hoheit. Schon wieder", merkte Gavin an.

„Wir hatten Pech mit der Ernte in letzter Zeit", erklärte Ezekiel.

„Wir hatten dieses Gespräch schon", gab Gavin zurück, „Ich muss mich vor Negan dafür verantworten, dass der Tribut, den uns das Königreich zahlt, von Mal zu Mal weniger wird. Einmal ist keinmal. Zweimal kann passieren. Aber dreimal … Negan wird das nicht gefallen, und wenn ihm etwas nicht gefällt, dann wird er unangenehm. Irgendwann kann ich das Königreich nicht mehr beschützen, Ezekiel. Irgendwann wird er der Meinung sein, dass ihr ihm auf der Nase herumtanzt, und Simon schicken. Und ihr wollt nicht, dass er euch Simon schickt. Bin ich euch nicht so sehr entgegen gekommen, wie es mir möglich war? Ich habe allen Bedingungen zugestimmt. Wir treffen uns heimlich, abseits des Königreichs, ich komme nicht unangekündigt vorbei, verlange nicht mehr als ihr habt. Das ist alles okay für Negan, solange ich Resultate erziele. Aber sobald ich keine mehr erziele…." Er zog eine finstere Grimasse. „Ich will euch nicht unter Druck setzen, ich will euch beschützen, versteht Ihr das?"

„Wir werden tun, was in unserer Macht steht um unsere Produktivität zu erhöhen", versicherte ihm Ezekiel ernst, „Aber nicht einmal ein König kann über das Wetter gebieten."

„Nun, das ist wohl wahr", räumte Gavin ein, „Normalerweise würde ich ja auch nichts sagen, doch in letzter Zeit ist Negans Laune nicht die Beste. Vielleicht können wir uns ja einmalig darauf einigen, dass ihr uns das nächste Mal mehr abgebt als üblich. Ihr würdet deswegen doch nicht verhungern, oder?"

Ezekiel schien darüber nachzudenken. „Nein, das würden wir nicht", meinte er, „Ich denke, wir können es einmal verschmerzen."

„Schön." Gavin strahlte den König glücklich an. Richards Miene zeugte davon, was er von dieser Abmachung hielt - genauso viel wie Carol. Das hier war eine eindeutige Abzocke. Gavin tat alles um es vernünftig klingen zu lassen, aber in Wahrheit würde es keine einmalige Erhöhung der Abgaben geben, sondern eine dauerhafte. Und die hatte er Ezekiel gerade gut verkauft, indem er sich betont liebenswürdig und logisch gegeben hatte.

Carol schüttelte ihren Kopf. Ezekiel dachte vielleicht, er würde das tun, was notwendig war um sein Königreich zu beschützen, doch sie sah ihn vor den Erlösern zu Kreuze kriechen, und das gefiel ihr nicht. Richard gefiel es eindeutig noch weniger, doch er schien bemüht nichts zu sagen, während einer von Gavins Alphas ihn immer wieder herausfordernd anknurrte.

Nachdem Richard nicht auf die Provokation einging, wandte sich der streitsuchende Alpha Carol zu. „Wen haben wir denn da?", wollte er wissen, „Eine neue königliche Wache?"

Carol hatte sich dazu überreden lassen sich die Königreich typische Rüstung anzulegen, als sie mit auf diesen Ausflug gekommen war, weswegen es nur logisch war, dass die Erlöser sie für eine Wache hielten. Sie sagte nichts und maß den Alpha nur mit einem stummen Blick, der ihrer Verachtung ausdrückte. „Ach, komm schon, Schätzchen, du könntest ruhig etwas freundlicher sein", beschwerte sich der Alpha bei ihr, „Warum schenkst du mir nicht ein Lächeln?"

„Jared, lass den Omega in Ruhe!", befahl Gavin.

Der Alpha schenkte Carol noch ein letztes Grinsen, wich aber dann wie angeordnet von ihr zurück. „König Ezekiels Wache nimmt Omegas und Kinder auf", meinte er und warf Blick voller Verachtung auf Richard Sohn Benjamin, der ebenfalls in voller Montur anwesend war, und nahe neben seinen Vater stand. Auch Benjamin war ein Omega.

„Ich wette die machen ihm weniger Arbeit als du mir", meinte Gavin nur dazu, „Wie wäre es, wenn du dich nützlich machst anstatt nach Ärger zu suchen?" Er deutete auf die Ladung, die von den anderen Erlösern zum Transport gesichert wurde, woraufhin Jared eine spöttische Verbeugung andeutete und seinen Kollegen dann zur Hand ging.

Der hier könnte Ärger machen, wurde Carol klar. Die anderen Alphas ordneten sich Gavin unter, und waren nicht besonders darauf aus Ärger vom Zaun zu brechen, dieser Jared aber, der war ein anderer Fall. Er tat zwar, was der Beta ihm anschaffte, respektierte ihn aber offenbar nicht und schien geradezu auf einen Kampf aus zu sein. Seine Provokation prallte an Gavin und Ezekiel ab, aber das wusste er auch, denn derjenige, den er offenbar reizen wollte, war Richard. Der widerstand dem Versuch einer direkten Herausforderung, also versuchte Jared seinen inneren Alpha dadurch zu erzürnen, dass er die anwesenden Omegas herabsetzte. Und wenn Carol Richard richtig einschätzte, dann wäre dieser Versuch früher oder später wohl auch von Erfolg gekrönt.

Carol konnte Alphas inzwischen sehr gut einschätzen. Jahre der Partnerschaft mit Ed hatten sie gelernt sofort zu erkennen, wenn einer kurz vor der Explosion stand. Und Richard stand kurz vor dieser.

Ed Peletier war ein verdammter Mistkerl gewesen, der es genossen hatte seine Macht über andere auszunutzen. Es war nie die wahre Liebe gewesen, doch Carols Eltern waren der Meinung, dass ein schwangerer Omega den Alpha-Vater ihres Kindes zu heiraten hatte, also hatte sie ihn geheiratet diesen Alpha, der sich ihr mehr oder weniger aufgezwungen hatte, als sie ihm zu Beginn einer ihrer Hitzen über den Weg gelaufen war. Schlimmer noch, Ed war altmodisch und hatte ihr eine Gefährtenzeremonie aufgezwungen. Ihre Hochzeit war eine Parodie der wahren Liebe gewesen, ihre Ehe eine einzige Hölle.

Er hatte sie nicht von Anfang an misshandelt. Und zu Beginn hatte sie sich wirklich alle Mühe gegeben dafür zu sorgen, dass es zwischen ihnen funktionierte. Aber Ed hatte sein Temperament nie unter Kontrolle gehabt und war der Meinung gewesen, dass Alphas am oberen Ende der Nahrungskette standen. Carol hatte im Laufe der Jahre gelernt vorsichtig zu sein, sich kleiner zu machen als sie war, sich unterwürfiger und harmloser zu geben, ein Küchenmesser unter ihrem Kopfpolster zu verstecken, für den Tag, an dem Ed zu weit ging, oder sich an Sophia vergriff. Sie hatte gelernt, dass es nichts brachte noch so schnell zu laufen, wenn einen sein Alpha an den Haaren packen konnte. Sie hatte gelernt, dass man nie frech antworten durfte, und niemals – niemals – anderen von den Dingen, die zu Hause vor sich gingen, erzählen durfte. Es waren harte Lektionen gewesen, aber sie hatte sie verinnerlicht.

Und niemals vergessen, bis heute nicht. Sie wusste, dass nicht alle Alphas von Natur aus böse waren. Nicht alle waren wie Ed, doch alle hatten das Potential wie Ed zu sein. Man musste mit ihnen vorsichtig umgehen, durfte sie nie alle seine Karten sehen lassen.

Nach Sophias Tod hatte Carol die Wahl gehabt: Sie hätte entweder sterben können oder weitermachen können. Sie hatte sich dazu entschieden weiterzumachen und sich geschworen zugleich auch ein neues Leben zu beginnen, ein Leben, in dem sie nie wieder ein Opfer sein würde. Von niemanden mehr. Aber besonders nicht von dahergelaufenen Alphas, die sich für etwas Besseres hielten.

Da sie Sophia nicht mehr beschützen konnte, war sie dazu übergegangen die anderen, die sie liebte, zu beschützen – ihr Rudel. So gut sie konnte, mit allen Mitteln, die ihr zur Verfügung standen, so hart das manchmal auch war. Sie war dabei oft an ihre Grenzen gestoßen, hatte Dinge getan, die unverzeihlich waren, das wusste sie. Aber sie hatte immer gewusst, dass sie diese Dinge tat, weil sonst keiner stark genug war sie zu tun. Jahre mit Ed hatten sie gelehrt sich einen eisernen Panzer zuzulegen. Nur der Verlust von Sophia hätte sie beinahe zerbrochen, doch sie war davon geheilt, war härter und noch gepanzerter herausgekommen.

Im Grunde wusste sie, dass die Omega das starke Geschlecht waren, nicht die Alphas. Die Alphas fürchteten sich vor so vielen, deswegen taten sie so, als hätten sie vor nichts Angst. Omegas fürchteten sich auch, vielleicht sogar vor noch mehr, aber sie standen zu ihrer Angst, stellten sich ihr, vernichteten sie, wenn es sein musste. Carol war gut darin geworden potentiell gefährliche Dinge zu vernichten. Das einzige, was sie niemals über sich gebracht hatte zu vernichten, war sie selbst gewesen, sie war immer nur weggegangen, nicht um wegzulaufen, nein, sondern um die anderen vor dem zu schützen, was aus ihr geworden war.

Aber Rick hatte entschieden, dass er sie brauchte, und dass sie für ihn von nun an König Ezekiel beschützen sollte. Diesen lächerlichen Mann auf seinem lächerlichen Thron, mit seinen blumigen Reden, seinem Tiger, seiner nervigen Angewohnheit zu allen und jeden nett und höflich zu sein, sogar zu den Erlösern, diesen Mann, der daran glaubte, dass die Menschheit tief in ihren Inneren gut war und nicht schlecht. Es war offensichtlich warum er sie als Bodyguard brauchte – Rick hatte recht, er war alleine offenbar nicht überlebensfähig. Wie er bisher überlebt hatte, war ihr ein Rätsel.

Obwohl … nun sie war nicht blind, sie wusste, dass seine Untertanen ihn wahrhaft liebten, und er hatte ihr ein Haus geschenkt, eine Heimat angeboten, sie beschützt, und ihr jede Möglichkeit offen gelassen so zu leben, wie sie es vorzog. Und irgendwie hatte er die Erlöser dazu gebracht ihm entgegen zu kommen, sich nur heimlich mit ihm zu treffen, ihnen monatelang weniger als ausgemacht geliefert, und er war trotz allem noch am Leben und König. Und abgesehen von Jared umschwirrten die Erlöser ihn nicht weniger begeistert als seine Untertanen es taten. Gavin mochte ihn offenbar wirklich. Und hatte Morgan sich nicht praktisch dazu entschlossen im Königreich zu bleiben?

Also gut, ja, er besaß Charisma. Aber wie sollte ihn das auf Dauer in einer Welt, in der der Stärkere überlebte, am Leben halten? Wenn er den Leuten immer das gab, was sie wollten, dann musste er doch einfach irgendwann übervorteilt werden! Wandten sich nicht genau deswegen alle ständig an sie, weil sie genau das für seine Zukunft befürchteten?

Närrischer Mann, denkst du wirklich, du hast das hier unter Kontrolle? Diese Erlöser, die von einem Beta angeführt werden, und deinen Alpha-Wachmann, der sich nichts sehnlicher wünscht, als dich und alle die deinen von genau diesen Erlösern zu beschützen?

Carol beobachtete Jared voller Abscheu. So viele hatte sie getötet, diese Frauen, mit denen sie sich verbunden gefühlt hatte, umgebracht, weil es nötig gewesen war, doch dieser Erlöser hatte überlebt, obwohl er viel schlimmer war als all die anderen es gewesen waren, weil er Konflikt um des Konflikts willens suchte, weil er sich langweilte, wenn alles glatt lief. Jared schien ihren Blick zu spüren und drehte sich zu ihr um und salutierte spöttisch in ihre Richtung. Er wusste, dass sie ihn durchschaut hatte, und es kümmerte ihn kein bisschen. Anderen Alphas wäre das wenigstens peinlich gewesen, ihm nicht.

Sie war so mit dem Alpha beschäftigt, dass sie beinahe versäumt hätte, wie Ezekiel zu Gavin sagte: „Ich würde gerne Negan treffen."

Schlagartig verstummten alle Geräusche um sie herum. Gavin wurde leichenblass. Sogar Jared hörte auf Alphaüberlegenheit darzustellen. „Bitte?", war alles, was Gavin als Antwort zu Stande brachte.

„Ich würde gerne Negan treffen", wiederholte Ezekiel unberührt.

„Das hatten wir doch schon. Ich bin Negan. Jared ist Negan. Wir alle sind Negan. Wenn du mit Negan verhandeln willst, verhandelst du durch uns, genauer gesagt durch mich mit Negan", sagte Gavin, „Wir sind doch immer gut miteinander klar gekommen, Ezekiel. Ich dachte, wir hätten ein gegenseitiges Verständnis."

„Das haben wir auch. Ich bin dir für alles, was du für mich getan hast, dankbar, Gavin. Und dir in tiefer Freundschaft verbunden", sagte Ezekiel (natürlich würde er das sagen und vermutlich sogar auch noch ernst meinen), „Und ich will auch nicht verhandeln. Ich würde Negan gerne treffen um mit ihm eine … delikate Angelegenheit zu besprechen. Von Alpha zu Alpha, sozusagen."

Jared schnaubte herablassend, als er den Teil mit dem Alpha vernahm. Gavin hingegen schien nicht zu wissen, wie ihm geschah. „Von Alpha zu …. Ezekiel, Eure Hoheit, ich schätze dich sehr, ernsthaft. Deswegen glaub mir bitte, wenn ich dir sage, dass keiner einfach so mit Negan spricht. Das passiert nun mal nicht", erklärte der Beta bemüht.

„Solange man keinen Fürsprecher hat, der sich für eine Audienz beim großen Negan einsetzt, ist das vermutlich so. Aber wenn man einen Fürsprecher hat, der versteht, wie dringend das Anliegen ist, das man vorzutragen hat, das überhaupt nichts mit der eigenen Abmachung zu tun hat, die man mit Negan, der durch Gavin vertreten wird, geschlossen hat, sieht alles vermutlich anders aus", hielt Ezekiel dagegen.

Gavin rieb sich die Stirn. Dieses Gespräch war eindeutig zu viel für ihn. „Als dein Fürsprecher bin ich der Meinung, dass es nur zu deinem eigenen Besten wäre, nicht mit Negan persönlich zu sprechen", erklärte er, und Carol war seiner Meinung. Ezekiel meinte es offenbar wirklich ernst, wollte mit Negan über Alexandria reden, sich für ihr Rudel einsetzen, und sie sollte das wollen, aber … sie war mit einem Schlag ganz und gar dagegen. Ricks Sorge in Bezug auf das Königreich und seinen Anführer war offenbar nicht unbegründet, das zeigte die Reaktion der versammelten Erlöser.

„Mein eigenes Bestes war für mich noch nie die oberste Priorität", erwiderte Ezekiel vorhersehbar, „Ich möchte wirklich mit Negan sprechen, Gavin."

„Wie soll ich … Wir beide sind auf Augenhöhe, ja? Aber Negan ist auf Niemandes Augenhöhe. Er ist der Boss. Und keiner, der Audienzen gewehrt. Du bist für ihn kein König eines benachbarten Königsreich, nicht einmal ein Vasall. Verstehst du, was ich dir sagen will?", argumentierte Gavin weiter.

„Ich will nicht als König mit ihm sprechen. Oder als Vasall. Ich möchte als Alpha mit ihm sprechen", sagte Ezekiel.

„Für ihn bist du aber kein Alpha!", zischte Gavin verzweifelt und schlug sich dann erschrocken die Hand vor den Mund, „Entschuldige, verzeih mir. Das hätte ich nicht sagen dürfen." Sieh an, diesen Beta hatte seine Mutter politisch korrekt erzogen, was bis heute nachwirkte. Vielleicht war das der Grund, warum Negan gerade ihn dem Königreich zugeteilt hatte.

„Man sollte sich niemals dafür entschuldigen die Wahrheit auszusprechen", sagte Ezekiel gefasst. Carol hoffte, dass er nun endlich ein Einsehen haben würde, aber natürlich war das nicht der Fall. Ezekiel war einer von der sturen Sorte. „Doch du musst mich nicht beschützen. Mir ist durchaus bewusst, dass ich nicht Negans Definition von Alpha entsprechen mag, doch ich will behaupten, dass die meisten Alphas das ebenfalls nicht tun", erklärte er, „Im Gegenteil, ich glaube, dass ich trotz meines Beta-Anteils mehr seiner Definition von Alpha entspreche als Richard oder Jared hier."

„Bitte?!", ließ sich Jared gar nicht begeistert vernehmen.

„Wir sind beide Anführer. Er ist vielleicht eine andere Kategorie von Anführer als ich es bin, doch das verbindet uns. Sag ihm das, wenn du ihm sagst, dass ich mit ihm zu sprechen wünsche", schloss Ezekiel, „Ich vertraue darauf, dass du ihm mein Gesuch ausrichtest."

Gavin starrte den Alpha-Beta auf eine leicht verzweifelte Art und Weise an, die Carol nicht unbekannt vorkam. Mehr als einmal hatte sie gewisse Rudelmitglieder Rick auf diese Art und Weise anstarren sehen. „Ich wünschte wirklich, du würdest das nicht von mir verlangen", sagte Gavin langsam.

„Ich verlange es aber", meinte Ezekiel nur dazu, „Und bin bereit alle Konsequenzen, die sich daraus ergeben, zu tragen." Das sagte er jetzt. Und vermutlich meinte er es auch so. Carol glaubte aber nach wie vor, dass er keine Ahnung von dem hatte, was auf ihn zukam.

Aber zumindest würde sie an seiner Seite stehen und ihn beschützen. Vielleicht hatte Rick ja recht, und sie konnte das Schlimmste verhindern. Sie hoffte es zumindest. Ezekiel mochte ein Narr sein, aber er hatte das Herz am rechten Fleck, und das gehörte zu den wenigen Dingen, die Carol Peletier in dieser Welt, in der sie lebten, immer noch respektierte – nicht alle Alphas waren schlecht, diejenigen, die sich für andere einsetzten, waren es nicht, und diejenigen waren es wert, dass man wiederum sie beschützte.


III.

Es war die Begegnung mit Morgan, die alles veränderte. Zuvor hatte sich nichts so entwickelt, wie es sich Rick erhofft hatte. Andrea hatte sich geweigert zu bleiben, hatte es vorgezogen nach Woodbury zurückzukehren, warum auch immer. Die Wiedervereinigung ihres Rudels, die sich Rick gewünscht hatte, kam also nicht zu Stande.

Er wiederum konnte sich nicht aufraffen Tyreese und seiner Gruppe zu gestatten zu bleiben. „Wir sind euch wirklich dankbar, und geben euch, was ihr braucht, aber ihr könnt nicht hierbleiben. Es geht einfach nicht", hatte er Tyreese erklärt, als sie unter sich waren, „Ich muss an meine Kinder denken."

„Was ist mit Ben? Zählt der nichts?", hielt Tyreese dagegen.

„Das sage ich doch gar nicht. Jeder hat Kinder, Geschwister, Geliebte, und …. Die letzten, die sich uns angeschlossen haben, wurden um die Hälfte dezimiert. Ich kann nicht … ich kann nicht die Verantwortung für euch übernehmen. Das geht einfach nicht", erklärte Rick händeringend, „Ich kann einfach nicht." Er konnte es nicht in Worte fassen. Aber es war wie seine Panikattacke im Gefängnishof nach Loris Tod. Er konnte einfach nicht.

Tyreese sah ihn lange an. „Okay", meinte er dann, „du kannst nicht. Ich verstehe das." Diese Antwort überraschte Rick, da er nicht mit ihr gerechnet hätte. Niemand hatte ihn jemals einfach nur verstanden. Es hatte immer Argumente und Streitereien gegeben. Immer.

Vielleicht lag es daran, dass Tyreese ebenfalls ein Omega-Anführer war. Vielleicht verstand er es wirklich, weil er im selben Boot saß wie Rick. Aber seine Schwester und die anderen würden es mit Sicherheit nicht verstehen.

Allen verstand es lautstark nicht. Aber sie gingen, sie verließen das Gefängnis. Allens Frau Donna würde vermutlich nicht mehr lange leben. Sie war gebissen worden. Ein Grund mehr, warum Rick die Gruppe nicht hierhaben wollte. Wenn sie sich verwandeln würde … er konnte nicht riskieren, sie in die Nähe seines Babys zu lassen. Er konnte es einfach nicht.

„Warum schmeißt du mich nicht auch gleich raus, wenn die anderen gehen müssen?", verlangte Michonne nach dieser Szene von ihm zu erfahren.

„Du bist verletzt", erklärte Rick, „Du musst erst noch heilen." Nein, er konnte auch sie nicht bleiben lassen, er wusste, er sollte es, aber … Sie hatte recht, er konnte nicht einfach Tyreeses Gruppe rausschmeißen und ihr erlauben zu bleiben, das wäre nicht fair.

Die anderen waren mit seinen Entscheidungen nicht einverstanden, das wusste er. Sie wollten, dass ihre Gäste bleiben durften. Carl hatte Tyreeses Gruppe gerettet und ihnen dann geraten Rick beizustehen, wenn sie bleiben wollten. Carl hatte ihn untergraben. Aber wollte Rick Carl wirklich beibringen, dass man Fremde vor die Türe setzte anstatt ihnen zu helfen? Dass man undankbar statt dankbar war?

Rick schlief schlecht. Fast gar nicht mehr. Judith weinte, und er konnte sie nicht trösten, vielleicht war sogar er der Grund, warum sie weinte, vielleicht spürte sie seine Anspannung. Er selbst konnte immer nur an Andrea denken, und an Tyreese und die anderen, an Michonne, an Woodbury, an Carl, an Judith, und daran, dass nichts so lief, wie es sollte.

Merle bot ihm Sex zur Entspannung an, aber auch darauf konnte Rick sich nicht einlassen, nicht mehr. Daryl hatte gesagt, dass er Merle das Herz gebrochen hatte, und er wusste, dass das wahr war. Alphas und Omegas konnten niemals einfach nur Freunde mit gewissen Vorzügen sein. So funktionierte das nicht. Aber Rick konnte sich nicht auf eine richtige Beziehungen mit einem Alpha einlassen, der nicht Shane war. Nicht jetzt und vielleicht niemals wieder. „Ich kann nicht", erklärte er Merle, und er hatte das Gefühl niemals mehr etwas anderes zu sagen als diesen Satz. Doch es war wahr, er konnte einfach nicht mehr.

„Ich fahr dich wohin du willst", sagte er zu Michonne, „Sag mir einfach, wo ich dich absetzen soll."

Die dunkle Frau sah ihn nachdenklich an. Sagte ihm dann, er solle sie in die nächste Stadt bringen, die nicht in Woodburys Reichweite lag. Kein Problem, behauptete Rick, das könnte er tun. Er fuhr schon wieder davon, ließ sein Baby schon wieder zurück. Aber er war es Michonne schuldig sie zumindest persönlich auszusetzen, wenn er sie schon aussetzte.

„Ich würde dich ja wirklich gerne bei uns behalten, aber ich kann nicht", sagte er zu ihr während der Fahrt, „Ich kann einfach nicht." Und das war die reine Wahrheit.

Michonne ließ sich zu keiner Erwiderung herab, und sie verbrachten den Rest der Fahrt schweigend.

Rick wollte die Tatsache, dass er in eine Stadt gefahren war, ausnutzen, um alles mitzunehmen, was er gebrauchen konnte, vor allem Sachen für Judith. Er stieg also ebenfalls aus dem Auto aus, bereit zum „shoppen". Ihm wollten keine passenden Abschiedsworte einfallen, und entschuldigen wollte er sich nicht noch ein weiteres Mal. Also nickte er Michonne nur zu, sie nickte zurück und stapfte dann davon. Er sah ihr hinterher, unterdrückte jeden Drang sie zurückzurufen. Dann ging er in die entgegengesetzte Richtung davon.

Er war noch nicht besonders weit gekommen, als er mit einem Mal einen bekannten Geruch erschnuppern konnte. Nein. Das kann doch nicht möglich sein, oder? Er folgte dem Geruch und dann sah er ihn, er war es wirklich …. Morgan Jones. Mutterseelen alleine stand Morgan in der Stadt, bewaffnet mit einer Harke, mit verwirrtem Gesichtsausdruck.

„Morgan!", rief Rick erfreut aus.

Der Alpha wandte sich langsam zu ihm um, starrte ihn einige Sekunden lang an, und rannte mit einem lauten Schrei und erhobener Harke auf Rick zu, mit der eindeutigen Absicht ihn umzubringen. „Morgan, was tust du?! Ich bin's doch!", rief Rick erschrocken aus und wich zurück, aber Morgan brach seinen wütenden Angriff nicht ab, sondern stürmte weiter auf Rick zu und hieb mit der Harke nach ihm.

Das kann doch nicht wahr sein! Warum passierte ihm das immer wieder? Shane, der mit seiner Waffe auf ihn zielte, Morgan, der allen Ernstes versuchte ihn umzubringen. Diese Alphas, seine Alphas, die sich gegen ihn wandten, als wäre er das Problem. „Morgan, hör bitte auf!", rief Rick, während er Morgans unkoordinierten Angriffen auszuweichen versuchte. Morgan brüllte nur wütend auf und hackte weiter nach dem Omega.

Rick begann sich langsam wirklich zu sorgen, dass er sich wehren musste, aber er hatte nur seinen Revolver und ein Messer dabei, und er wollte nicht auf Morgan schießen oder ihn das Messer in den Leib rammen, so wie er Shane…. Michonne tauchte wie aus dem Nichts auf und schlug mit ihrem Schwert nach Morgan. Der wurde nicht getroffen, sondern rollte sich zur Seite und harumpfte wütend. „Nein, tu ihm nichts!", rief Rick schnell, „Er ist ein Freund von mir!"

Michonne warf ihm einen „Ist das dein Ernst?"-Blick zu und musste sich dann im nächsten Moment gegen den sie angreifenden Morgan verteidigen, der nun scheinbar in ihr die größere Gefahr sah und nach ihr hackte. Sie durchhackte nun ihrerseits mit ihrem Schwert den Stiel seiner Harke, worauf diese zerbrach, was Morgan erst einmal aus den Konzept brachte. Dann trat sie nach dem verrückt gewordenen Alpha, und dieser geriet aus dem Gleichgewicht und stolperte, ein weiterer Kick beförderte ihn auf den Boden.

„Nein, nein, nein! Ich muss hier alles säubern!", rief Morgan verzweifelt aus.

Rick eilte zum ihm, blieb aber ein paar Schritte vor ihm stehen. „Morgan, was ist los mit dir? Erkennst du mich nicht? Ich bin's Rick! Wo ist Duane?", redete er eindringlich auf den Alpha ein. Dieser murmelte weiterhin zusammenhangloses Zeug, bis er den Namen seines Sohnes hörte, dieser ließ ihn inne halten. Er hob den Kopf, und sein Blick schien sich zu klären. „Rick", stellte er fest.

„Ja, ich bin's!", bestätigte Rick und deutete Michonne ihr erhobenes Schwert herunterzunehmen. Langsam, ohne die Augen von Morgan zu lassen, kam sie seinem Befehl nach. „Was ist passiert?", wiederholte er seine Frage.

Morgan runzelte die Stirn. Entweder, weil er sich nicht erinnern konnte, oder weil er die Frage nicht verstand. „Das Walkie hat nicht funktioniert. Ich konnte dich nicht erreichen", sagte Morgan langsam. Rick sah, dass das Walkie Talkie immer noch an Morgans Gürtel hing. Sein Gegenstück hatte er schon bei der Flucht von der Farm verloren. Schlechtes Gewissen packte ihn, als er daran dachte, er hatte sich nie mehr die Mühe gemacht sich ein neues zu besorgen und es auf die vereinbarte Frequenz einzustellen. Er hatte einfach darauf vergessen. Hatte andere Sorgen gehabt, sein Fieber, die Schwangerschaft….

„Wo ist Duane?", fragte er weiter.

„Duane", wiederholte Morgan, als wäre ihm dieser Name fremd, „Duane ist gestorben. Ich konnte ihn nicht beschützen. Ich konnte mein Kind nicht beschützen, Rick." Verzweiflung zeichnete sich in seiner Miene ab. „Ich hätte nie gehen dürfen, ich dachte, wir kommen alleine zurecht, aber das war ein Irrtum. Im Rudel waren wir stark, aber ich war zu stolz, zu stolz mich zu unterwerfen, zu stolz offen auf jedes Anrecht zu verzichten um mir so seinen guten Willen zu erkaufen", erklärte er.

Rick wusste, was er meinte, von wem er sprach. Morgan war wegen Shane gegangen, aber trotz Shanes beginnenden Wahnsinn war er zum damaligen Zeitpunkt zwar besitzergreifend, aber nicht uneinsichtig gewesen, er hätte Morgan bleiben lassen, wenn sich dieser offen unterworfen und jedem Anspruch auf Rick entsagt hätte. Aber Morgan hatte sich entschieden stattdessen zu gehen. Und nun hatte Rick keinen von beiden mehr. Morgan war mindestens genauso verrückt geworden wie Shane.

„Es tut mir so leid, Morgan", sagte Rick, doch der Alpha schien ihn nicht zu hören. „Duane ist gestorben, wurde getötet von diesen Monstern, und ich konnte nichts dagegen tun. Deswegen muss ich es jetzt wieder gut machen, muss die Welt wieder sicher machen, muss sie säubern, von allen Bösen säubern….", murmelte er und starrte auf seine zerstörte Harke, „Ich brauche eine neue Waffe."

„Was du brauchst ist Gesellschaft. Alleine zu sein tut dir nicht gut", widersprach Rick, „Komm zurück zum Rudel. Komm mit mir, wir haben uns in einem Gefängnis, das einige Meilen von hier entfernt liegt, niedergelassen. Glenn ist da, und die Dixon-Brüder, und Carol, Carl. Komm mit mir nach Hause. Es ist kein Alpha mehr da, der dir deinen Platz unter uns streitig machen würde."

Morgan starrte ihn an. „Nein", sagte er dann, „Nein, das geht nicht. Ich kann nicht nach Hause kommen, solange die Welt nicht sicher ist. Ich muss sie säubern, muss sie sicher machen. Für …. dich und deine Rudel, für die Kinder, für alle Kinder."

„Das musst du nicht alleine tun", beharrte Rick, „Wir können dir dabei helfen, wenn du mit uns kommst." Er wusste nicht, ob Hershel dazu in der Lage wäre Morgan zu helfen, aber er war in der Lage gewesen Rick zu helfen, als dieser unter Omega-Fieber gelitten hatte, also würde er vielleicht auch Morgan helfen können. Und sie könnten Morgan in einer der Zellen sperren, solange bis er wieder klar im Kopf war und keine Gefahr mehr für sich oder für andere darstellte.

Morgan schüttelte den Kopf. „Nein, ich muss zuerst alles säubern", wiederholte er.

„Alpha", weinte Rick, „ich brauche dich." Und das war einfach wahr. Rick hatte das Gefühl langsam aber sicher den Verstand zu verlieren, und jedes Mal, wenn er dachte, es würde besser werden, wurde es wieder schlimmer. Seit Shane … da hatte es begonnen, und seit Lori wurde es immer schlimmer. Er brauchte seinen Alpha wirklich dringend.

„Nein!", bellte Morgan, dann fügte er leiser hinzu: „Nein, Rick, ich kann nicht. Ich wäre eine Gefahr für euch. Ich muss alleine sein. Wenn ich mich von allen fern halte, dann kann ich niemanden weh tun. Kann niemanden im Stich lassen, wie ich Duane im Stich gelassen habe. Ihr seid ohne mich besser dran, ich bleibe hier draußen und säubere die Welt für euch."

„Wir können dir helfen", betonte Rick, „Gemeinsam sind wir stärker."

„Ich habe meine Aufgabe", sagte Morgan hart, „Geh zurück zu deiner." Es war eine eindeutige Entscheidung, eine eindeutige Zurückweisung, die Rick in der Seele weh tat. Zuerst Andrea und jetzt Morgan. Sein altes Rudel wollte ihn nicht mehr. Lori war lieber gestorben, als weiter in einer Welt zu leben, in der er kalt zu ihr war…. Das ist nicht wahr, und das weißt du. Lass dich nicht darauf ein, sonst wirst du genauso verrückt wie Morgan.

„Na gut, tu was du tun musst, aber wenn du deine Meinung änderst, dann kannst du jederzeit zu uns kommen. Das große Alpha-Gefängnis, du kannst es nicht verfehlen, dort kannst du uns finden", meinte Rick, „Komm zu uns, wenn es dir wieder besser geht."

Morgan nickte abgehackt. „Waffe, ich brauche eine neue Waffe, muss für Sicherheit sorgen. Muss alles säubern", verkündete er, „Bleibt hier hinten, wo ihr sicher seid, ich muss erst alles sichern, bevor ihr hinkönnt!" Und dann rannte er los, auf der Suche nach einer Waffe. Ich kann ihn nicht einfach so gehen lassen.

Rick setzte sich in Bewegung, doch Michonnes Schwer versperrte ihm den Weg. „Nein, er würde dich wieder angreifen, und dann muss ich dich wieder retten, muss ihn möglicherweise töten", sagte sie hart, „Nein."

Rick wollte protestieren, aber sie hatte vermutlich recht. Es grenzte überhaupt an ein Wunder, dass es Rick irgendwie gelungen war zu Morgan durchzudringen. Duane zu erwähnen hatte das Wunder bewirkt, doch wer wusste, ob es noch einmal funktionieren würde? Du hast Shane verstoßen, als er verrückt geworden ist, und jetzt willst du einen verrückt gewordenen Alpha mit zu deinem Rudel nehmen, zu deinem Baby? Bist du wirklich so einsam?

„Er sollte nicht alleine dort draußen sein", sagte er zu Michonne.

„Er hat sich aber dafür entschieden, weil er es für sicherer hält, und diese Entscheidung musst du respektieren", betonte sie, „Wenn du das nicht tust, dann ist sein Opfer umsonst." In allen seinen Wahnsinn, wusste Morgan, dass er eine Gefahr für andere war und hielt sich deswegen fern. Rick musste diese Entscheidung akzeptieren, wenn er sie schon nicht gutheißen konnte.

„Also gut", gab er schließlich nach, „Du hast recht, ihr habt beide recht." Morgan war verloren, es gab im Augenblick nichts, was er für ihn tun konnte. Aber vielleicht konnte er stattdessen etwas für andere tun. Gerade eben war er bereit gewesen einen offensichtlich wahnsinnigen Alpha mit in sein Nest zu nehmen, aber er verweigerte allen anderen Obdach, weil … weil er Angst hatte für sie genauso schlecht zu sein wie Morgan dachte für ihn schlecht zu sein? Oder weil er Angst hatte sich an sie zu gewöhnen und sie dann erst recht zu verlieren? Im Grunde kannte er auch Morgan kaum, was ihn niemals auch nur eine Sekunde daran gehindert hatte dem Alpha blind zu vertrauen.

„Lass uns nach Hause gehen", wandte er sich an Michonne.

Michonne zögerte einen Moment. „Ich dachte, du willst mich dort nicht haben", sagte sie dann.

„Ich lag falsch. Du gehörst zu uns. Wer seine Loyalität bewiesen hat, der sollte belohnt und nicht bestraft werden. Lass und Tyreese und die anderen suchen fahren", erwiderte Rick und sah den Alpha-Beta abwartend an. Sie nickte langsam. „Einverstanden", meinte sie.

Als sie gegangen waren, war Tyreeses Gruppe zu Fuß aufgebrochen. Es sollte nicht allzu schwer sein sie zu finden.

Tatsächlich fanden sie sie bald. Donna war unüberraschenderweise nicht mehr unter ihnen. „Steigt ein, wir fahren zurück zum Gefängnis", forderte Rick die vier Überlebenden auf.

Tyreese tauschte einen Blick mit seiner Schwester Sasha aus, während Allen wütend schnaufte, und sein Sohn verwirrt wirkte. „Ich dachte, du kannst uns nicht bleiben lassen", meinte Tyreese zu dieser Aufforderung.

„Und jetzt kann ich euch nicht hier draußen herumirren lassen, wenn ihr stattdessen sicher bei uns im Gefängnis sein könntet", erklärte Rick, „Kommt mit heim. Ich habe in letzter Zeit genug Leute verloren."

Tyreese musterte ihn einen Moment lang prüfend. Dann meinte er: „Okay. Wir kommen mit. Aber wenn wir einsteigen, dann ist das für immer. Dann kannst du deine Meinung nicht wieder einfach so ändern."

„Werde ich nicht. Ihr habt uns geholfen, ihr könnt zum Rudel beitragen, ich habe es gesehen. Gemeinsam sind wir stärker", erwiderte Rick, „Daran habe ich mich jetzt endlich erinnert." Er konnte viele Dinge nicht, aber vor allem konnte er sich nicht leisten in ständiger Angst und Misstrauen zu leben. Denn was für ein Leben wäre das denn?


IV.

„Okay, wir haben die jetzt lange genug beobachtet, Zeit mit ihnen zu sprechen, uns vorzustelle und unser Anliegen vorzubringen", meinte Morgan zu dem Omega neben sich.

„Ich sage dir, das ist ein Fehler. Die sind gefährlich", widersprach Owen und nickte in Richtung der Müllhalde, „Die sind nicht wie deine Freunde in Alexandria, sind nicht zivilisiert."

„Dann solltest du dich ja gleich wie zu Hause fühlen", lautete Morgans lapidare Antwort darauf, die ihm nur einen schweigsamen Blick einbrachte. Owen war noch nie jemand mit Sinn für Humor gewesen.

„Selbst wenn sie anders sind als wir, bedeutet das nicht, dass sie uns nicht helfen werden", erklärte der Alpha seinem Begleiter dann, „Wenn wir ihnen erklären, wer die Erlöser sind, und was sie tun, dann sind sie vielleicht bereit uns gegen sie zu helfen, immerhin bedrohen sie auch ihren Lebensstil. Du hast sie vielleicht ein paar Tage beobachtet, aber deswegen weißt du noch nichts über sie. Du weißt nicht, ob sie ihr Verhalten nicht ändern können, wenn es darauf ankommt."

„Morgan Jones immer bereit jedem eine Chance zu geben sich zu ändern", spottete Owen, „Manche Menschen wollen sich vielleicht nicht ändern."

„Du hast dich geändert", betonte Morgan, „Ich habe mich geändert."

Das war sein Motto, das was er allen immer sagte, wenn sie seinen Glauben an zweite Chancen kritisierten, seine Entscheidungen Leben zu schonen anstatt sie zu nehmen. Das hatte er Carol gesagt, als sie dahinter gekommen war, dass er Owen gerettet und geheim versteckt gehalten hatte, dass hatte er Owen selbst gesagt, als dieser ihn für seine Versuche ihn zum Guten zu bekehren verspottet hatte – er selbst hatte sich geändert, also konnten andere das auch.

Nach Duanes Tod war er verrückt geworden und das im klinischen Sinn. Sein Gehirn verkraftete den Verlust seines einzigen Kindes nicht, nicht so kurz nach dem Verlust seiner Gefährtin und der gesamten Zivilisation, nicht so kurz nachdem er sich freiwillig von Rick getrennt hatte. Also modelte es die Realität für ihn um. Schuf ihm eine neue Welt, die er dadurch unter Kontrolle halten konnte, dass sie von allen Bösen, das darin hauste, säuberte – er wurde zu einer sprichtwörtlichen Vernichtungsmaschine, nur noch darauf aus die Welt sicherer zu machen. Doch er vernichtete nicht nur die Wandelnden Toten, in seinem Wahn konnte er keinen Unterschied mehr zwischen Lebenden und Toten erkennen und griff alles und jeden an, den er traf. Er attackierte sogar Rick, erkannte ihn im ersten Moment nicht.

Ein Teil von ihm wusste, wie es um ihn stand. Wusste, dass er unter einer fortgeschrittenen Psychose litt. Dieser Teil mied jeden Ansatz von Zivilisation, jeden anderen Überlebenden. Rick wollte ihm helfen, doch er lehnte diese Hilfe ab, so wie er jedes andere Hilfsangebot ablehnte, das durch seinen vernebelten Verstand hindurch drang und von ihm als solches erkannt wurde. Er musste alleine sein. Musste die Toten vernichten und sich von den Lebenden fernhalten.

Bis ihm schließlich Hilfe aufgezwungen wurde. Sein Retter war ein guter Samariter, der Morgan einsperrte, ihn versorgte, und ihm dabei half wieder klar zu werden, durch viel Geduld und durch ein paar psychologische Tricks. Und es funktionierte.

„Das Leben ist immer den Tod vorzuziehen", sagte er Morgan, „Jeder hat eine zweite Chance verdient." Er brachte Morgan bei mit dem Stock zu kämpfen, sich zu verteidigen ohne andere zu töten, jedem die Möglichkeit einzuräumen sich zu ändern. Er half Morgan dabei sich zu ändern. Vielleicht mischte er Morgan Anti-Psychotiker unters Essen, aber Morgan glaube nicht wirklich daran. Morgan glaubte, dass Eastman Morgan alleine dadurch gerettet hatte, dass er für Morgan da gewesen wäre. Ja, vielleicht hätte es nicht so einfach funktioniert, wenn Eastman kein großer starker Alpha gewesen wäre. Oder kein ausgebildeter Psychiater mit jahrelanger Erfahrung mit Psychopathen. Der Punkt war, es hatte funktioniert. Morgan war wieder gesund geworden, hatte sich geändert.

So wie sich Eastman geändert hatte. Auch Eastman war nicht perfekt gewesen, war seiner Alpha-Rage erlegen, hatte sich zu Rache hinreißen lassen und den Mörder seiner Frau entführt, eingesperrt, und verhungern lassen. Doch um Wiedergutmachung zu leisten hatte er von da an beschlossen, dass er Menschen wieder helfen wollte anstatt sie zu bestrafen, weswegen er Morgan geholfen hatte. Nach seinem Tod, denn in dieser Welt, in der sie lebten, starben immer die Guten, fühlte Morgan sich verpflichtet sein Erbe fortzuführen. Deswegen predigte er ein gewaltloses Leben, deswegen lehrte er Kinder wie Benjamin und Henry den Kampf mit dem Stock, deswegen verschonte und rettete er Owen.

Morgan war nicht blöd, er wusste, dass es manchmal nicht ohne Gewalt ging, nicht in dieser Welt, er war nicht bereit lieber zu sterben als sich selbst zu verteidigen, aber er war auch nicht bereit, alles, was er von Eastman gelernt hatte, einfach aufzugeben, nur weil eine Gruppe verrückter Alphas aufgetaucht war, die andere Gruppen terrorisierte. Er hieß Ricks Methode ihr Erlöser-Problem loszuwerden nicht unbedingt gut, stellte sich aber auch nicht gegen ihn. Er war Carol gefolgt um sie vor sich selbst zu beschützen und vor anderen. Und das soweit möglich ohne Blutvergießen. Und nun wollte er diese neue Gruppe als Verbündete anwerben, in der Hoffnung, dass die Erlöser, wenn sie sahen, dass Alexandria, das Königreich, Hilltop, und diese Grupp hier zusammenstanden, auf einen offenen Konflikt verzichten würden und stattdessen jeder friedlich seiner Wege ging und alle lernten zusammenzuleben anstatt gegeneinander.

Vielleicht war es ein naiver Traum, aber Träume hatten das nun mal so an sich. Und Morgan war nicht bereit auf seinen zu verzichten.

Owen natürlich misstraute anderen Menschen aus Prinzip heraus. Das war nun mal seine Natur. Wenn Morgan der Meinung war, dass jeder Mensch sich ändern konnte, weil er sich geändert hatte, dann war Owen der Meinung das jeder Mensch zum Monster werden konnte, weil er ein Monster gewesen war. Doch diese Müllmenschen wirkten auf Morgan nicht wie Monster, sie wirkten auf ihn nur sonderbar. Und sonderbar durfte man nach dem Ende der Welt wohl doch werden.

„Lass uns zu ihnen gehen", meinte Morgan und war schon losgegangen. Owen beeilte sich ihm nachzukommen. „Falls wir sterben", zischte er Morgan ins Ohr, „Sei dir darüber im Klaren, dass du alleine daran die Schuld trägst."

„Von mir aus", erwiderte Morgan, „Und jetzt spiel den unterwürfigen Hund und nicht den aggressiven Wolf." Er hob demonstrativ seine Hände und betrat gefolgt von dem Omega die Müllhalde. „Hallo?!", rief er in die Halde hinein, da sich sämtliche Bewohner versteckt zu haben schienen, „Ich bin Morgan und das ist Owen. Wir kommen in Frieden! Wir sind gekommen, weil wir mit euch reden wollen!"

Die Müllmenschen tauchte rund um sie herum aus dem Müll auf und wirkten dabei durchaus ein wenig bedrohlich, doch Morgan ließ sich nicht nervös machen. „Tamiel hat Omega schon lange entdeckt, wie er beobachtet hat. Und dann Alpha, wie er kam und beide zusammen beobachtet haben", verkündete einer der weiblichen Müllmenschen, von dem Morgan annahm, dass sie die Anführerin dieser Gruppe war. Sie roch zu sehr nach Müll um ihr Geschlecht festzustellen, aber Morgan nahm an, dass sie ein Alpha war.

„Dann wusstet ihr ja, dass wir vorhatteen vorbeizukommen. Um so besser!", meinte Morgan fröhlich, „Mit wem habe ich das Vergnügen zu sprechen?"

„Jadis", zischte die Frau, „Jadis spricht. Morgan spricht nicht."

„Entschuldigung", meinte Morgan daraufhin.

„Wir ohne Interesse an Morgan und Owen. Oder an ihren Worten. Morgan und Owen Eindringlinge. Eindringlinge müssen kämpfen", erklärte Jadis.

„Nein, nein, wir wollen nicht kämpfen. Wir kommen im Frieden, wir wollten uns nur mit euch unterhalten", versuchte Morgan sie zu beschwichtigen.

„Eindringlinge kämpfen. Oder Eindringlinge sterben", erwiderte Jadis hart.

Owen knurrte, bereit zum Kampf. „Nicht Owen Omega kämpft", fuhr Jadis fort, „Morgan Alpha kämpft."

Na wunderbar. Er konnte kämpfen, er hatte damit kein Problem. Er kämpfte nur eben ohne zu töten, das würde ihm hier hoffentlich Pluspunkte einbringen. „Und gegen wen von euch soll ich kämpfen?", wollte Morgan wissen und bereitete seinen Stock vor.

„Nicht gegen uns", sagte Jadis ,und Morgan schwante Übles. Noch mehr Übles schwante ihm, als die Müllmenschen ihn packten und über ein paar Müllberge hinweg zur augenscheinlichen Kampfarena schleppten, wo ein Beißer auf ihn wartete, der wirkte, als hätte er sich aus den Silent Hill-Videospielen in die Realität verwirrt. Auf seinem Kopf thronte eine Art Helm, aus dem diverse spitze Gegenstände und Metallteile ragten. Metallstangen und speerartige Verlängerungen ragten auch aus dem Rest seines Körpers, der so durch eine Art Metallpanzer geschützt war. Alles in allem handelte es sich also um einen Beißer dessen Hirn man nicht zerstören konnte, und den man nicht sehr leicht auf den Boden festpinnen konnte, wenn man sich dabei nicht selbst erstechen wollte. Möglicherweise konnte man ihn köpfen, aber dazu müsste man nahe genug an ihn herankommen und mit mehr als nur einem ansonsten sehr praktischen Holzstock bewaffnet sein. „Morgan kämpft gegen Winslow", verkündete Jadis genüsslich.

Na toll, dachte Morgan, Soviel zum Thema sonderbar.


A/N: Ja, Winslow musste sein.

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