Eine abgeschlossene Tür in seinem Haus war kein Problem für Hannibal, es wunderte ihn, dass es nur eine Tür mit einem Schlüssel benötigte, die junge Frau in vermeidliche Sicherheit zu wiegen. Roselyn lag auf der Seite und hatte sich zwischen den Kissen eingerollt, die Hände unter der Decke, auf der ihr Kopf ruhte, ihre Beine hatte sie ganz eng angezogen. Die kleine Kugel aus Mensch und Decke atmete leise und bewegte sich nicht, nach einem weiteren kurzen Blick verließ Hannibal den Raum wieder.
Als Roselyn aufwachte, schien es gerade zu dämmern, das Licht war schwach und kalt, das ganze Zimmer war in ein dunkles Blau getaucht. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie am vorherigen Abend die Vorhänge nicht zugezogen hatte.
Die junge Frau streckte ihre Beine aus, wühlte sich aus den Kissen und rieb sich ziemlich benommen die Augen, dann setzte Roselyn sich auf. So weit ihre Augen im Halbdunkel erkennen konnten, war sie alleine im Zimmer, nach einigen Augenblicken schwang sie ihre Beine über den Rand des Bettes und stellte ihre Füße auf den Boden. Roselyn war schwindelig und flau im Magen, sie schob es auf den Umstand, dass sie nicht wusste, wann sie das letzte Mal etwas gegessen hatte.
Als sie über die Bettkante rutschte, musste Roselyn feststellen, dass ihre Beine sie nicht tragen wollten, ehe sie es sich versah, landete sie mit dem Po auf dem Boden. Regungslos verharrte die junge Frau auf der Stelle, so schwach wie sie sich fühlte, schaffte sie es sicher nicht aufs Bett zurück. Der ganze Raum schien zu wanken, wodurch sie sich noch schlechter fühlte.
Roselyn rollte sich einfach auf dem Boden zusammen und sammelte ihre Kräfte, in Hoffnung, dass der Raum sich aufhörte zu bewegen und bald wieder auf die Beine zu kommen. Das Licht im Zimmer wurde immer heller, je höher die Sonne stieg.
Die junge Frau erschrak sich schrecklich, als sie hörte, wie sich ein Schlüssel in der Tür drehte und diese dann aufschwang. Leider lag sie mit dem Rücken zur Tür und ihre Glieder wollten ihr nicht gehorchen, so konnte sie nur lauschen, wie sich die Schritte nährten.
Dr. Lecter beugte sich über sie, drehte sie auf den Rücken und griff nach ihrer Hand. Sofort hatte sie wieder das Gefühl, dass der Boden sich bewegte.
"Nein!" ihre Stimme klang undeutlich und sie scheiterte kläglich, als sie versuchte ihre Hand wegzuziehen.
Hannibal ignorierte ihren Einwand, hielt ihr Handgelenk fest und fühlte ihren Puls, anschließend nahm er eine kleine Lampe aus seiner Westentasche und leuchtete nacheinander in beide Augen. Er packte die Lampe wieder weg, hob die junge Frau hoch und legte sie auf das Bett zurück. "Wie sind Sie hier rein gekommen?" nuschelte sie schwach. Zu ihrem Entsetzen nahm Hannibal eine halbvolle Spritze aus seiner anderen Westentasche, setzte sie an das Plastikteil in ihrem Unterarm an und drückte sacht den Kolben der Spritze herunter, sie konnte fühlen, wie sich die Flüssigkeit in ihrer Blutbahn verteilte. "Nun, dies ist mein Haus und ihm Notfall kam ich jede Tür öffnen." erläuterte er, während er die nun leere Spritze wieder in seiner Westentasche verschwinden ließ.
"Was soll das? Was haben Sie mir gegeben?" Ihre Zunge schien unheimlich schwer zu sein, sie merkte selber, dass sie kaum zu verstehen war. Ihr Protest wurde mit einen leisen "Sscht" quittiert, dann zog ihr Dr. Lecter die Decke bis über die Schultern, immer wieder versuchte sie seine Hände beiseite zu schlagen, doch er schien sich nicht an ihren Versuchen, Gegenwehr zu leisten, zu stören.
"Roselyn, ganz ruhig, Sie werden sich jetzt entspannen, liegen bleiben und ein wenig schlafen. Das Sedativum wird seine Wirkung entfalten, auch wenn Sie es nicht wollen. Später können wir dort weitermachen, wo wir gestern aufgehört haben. Blinzeln Sie zweimal, wenn Sie mich verstanden haben!" Roselyn blinzelte und nickte schwach, es war fast unmenschlich schwer sich zu bewegen. "Sehr gut, dann kümmere ich mich um ein paar Besorgungen und wir beide sprechen wir uns später." Dr. Lecter drehte sich um, zog die Vorhänge zu und verließ das Zimmer. Roselyn konnte nun fühlen, dass ihr Herz langsamer schlug, es wurde warm und ihre Lider wurden immer schwerer, dann war nichts mehr um sie herum.
