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Nun geht es weiter. Viel Spaß beim Schmökern!!

Nachdem Professor McGonagall ihr das Zimmer gezeigt hatte, das mit einem für Hogwarts üblichen Himmelbett, einem Tisch und Stühlen, einem Kleiderschrank, einem Bücherregal und dem Luxus eines eigenen Waschbeckens ausgestattet war, ging Hermine zum Fenster und riss es auf. Sie hatte sich, als sie mit Harry und Ron abgetaucht war, an Frischluft gewöhnt. Mehr als ein Zeltdach über dem Kopf und ihre paar Habseligkeiten hatten sie nicht gehabt, denn um nicht in die Hände von Todessern zu fallen, waren sie ständig auf Achse gewesen, und hatten in Wäldern und an Küstenstreifen ihr Lager aufgeschlagen.

Freundlich begrüßte sie die warme Brise, die ins Zimmer wehte, und der blaue Spätsommerhimmel. Hermine würde bis zum Herbsteinbruch so viel davon kosten, wie sie kriegen konnte.

Plopp. Einer der Hauselfen stand im Zimmer, legte Hermines Handtasche und ihren Rucksack ab. Weg war er wieder, bevor sie sich bedanken konnte. Sie mochte die hilfsbereiten Elfen. Mit einigen war sie befreundet und sie hatten das Schloss emsig gegen die eindringenden Todesser verteidigt. Merlin, hoffentlich waren sie alle wohlauf.

Es war grausig, aber Hermine wusste, dass ihr das noch bevorstand. Sie hatte drei Monate verschlafen, um sich von ihrer Überanstrengung zu erholen. Während ihre Freunde sich langsam an den Alltag gewöhnt hatten, war alles an ihr vorbeigezogen. Sie wusste nur, dass sie den Kampf gewonnen hatten und Voldemort endlich zerstört war. Wie es Rons Familie, ihren Mitschülern oder den anderen Lehrern ging, ob sie noch lebten, davon wusste sie nichts. Sie rechnete jedoch fest damit, dass Harry und Ron sie bald besuchen und ihr alles erzählen würden. Spätestens dann wusste sie es. Bis dahin wollte sie gar nicht daran denken.

Hermine schüttete den Inhalt ihrer Tasche auf den Teppich, der in der Mitte ihres Zimmers den Fußboden bedeckte. Die Tasche war so verzaubert, dass sie ein sehr viel größeres Fassungsvermögen hatte, als man vermuten würde. Darin waren ihre ganzen Sachen aufbewahrt, die sie unterwegs mitgehabt hatte. Ordentlich packte sie ihre Kleidung in den Schrank. Jemand musste sie während ihrer langen Auszeit gewaschen haben, denn sie duftete nicht mehr nach Natur und Zelt, sondern nach Lavendel. Ihre Bücher räumte sie in das Regal. Es war ziemlich geräumig und das hatte sie bestimmt Poppy zu verdanken. Die Lehrer wussten, dass Hermine ein Büchernarr war. Als sie alles verstaut hatte, legte sie sich ins Bett, um sich etwas auszuruhen. Ihr Körper würde sich erst wieder an die tägliche Arbeit gewöhnen müssen.

Es war Nachmittag, als Hermine erwachte. Das Mittagessen hatte sie verpasst, aber das machte nichts. Sie wischte sich den Schlaf aus den Augen, ging zum Waschbecken und erfrischte und frisierte sich. Danach tauschte sie ihren Morgenmantel und den Schlafanzug gegen ein weißes T-Shirt und eine kurze Jeans und schlüpfte statt in Pantoffel in Turnschuhe.

Unternehmungslustig verließ sie den Turm, in dem das Haus Gryffindor seine Schlafräume hatte. Sie wollte sich ein bisschen umsehen und ein Bild von den Arbeiten machen, die am Schloss gemacht wurden.

"Schön, Sie so munter zu sehen", sagte die Fette Dame mit ungewöhnlich guter Laune.

"Danke, gleichfalls", erwiderte Hermine. "Können Sie mir bitte das Passwort verraten? Wenn ich zurückkomme, brauche ich es." Als McGonagall sie hergebracht hatte, waren sie ohne durchgekommen.

"Ausnahmsweise", flötete die Fette Dame in voller Fahrt. "Es ist ganz einfach: Wiederauferstehung."

"Sehr passend." Grinsend bedankte Hermine sich und ging los, um das Schloss zu erkunden.

Der erste Eindruck war positiv, McGonagall hatte also nicht übertrieben. Hier und da waren noch größere Reparaturen nötig, aber die wichtigsten Räume sahen intakt aus. Die Große Halle, die Bibliothek, die Klassenzimmer.

Mehrmals konnte sie unterwegs Fachleute vom Ministerium beobachten, die Baupläne in den Händen hatten und Zauberstäbe schwangen. Auch freiwilligen Helfern und einigen Lehrern begegnete sie. Flitwick und Sprout waren gerade dabei, den Innenhof zu restaurieren. Sie unterbrachen ihre Arbeit.

"Miss Granger, wie geht es Ihnen?", erkundigte sich der Zauberkunstlehrer.

"Ganz hervorragend. Ich freue mich, Sie alle zu sehen."

Als sie nach kurzem Smalltalk fragte, ob sie sich nützlich machen konnte, verneinten sie einstimmig und Hermine bekam den Eindruck, dass es sich dabei um eine abgesprochene Sache handelte. Sie hatte es schon so erwartet. Poppy und McGonagall überschlugen sich ja richtig in ihrer Fürsorge.

"Genießen Sie den schönen Tag", schlug Flitwick munter vor.

"Wir schaffen das schon. Gehen Sie lieber zum See und tanken Sie etwas Sonne", meinte Professor Sprout.

Also ging Hermine nach draußen. Die größte Sorge galt zwei Türmen, da vor ihnen die meisten Helfer versammelt waren. Aber sogar von dort betrachtet stellte sie fest, dass alles zeitig fertig werden würde, wenn die Arbeiten so gut vorankamen wie McGonagall gesagt hatte.

Zerstreut ließ sie sich treiben und gelangte zu Hagrids Hütte, wo sie von seinem großen Hund begrüßt wurde, der ihr mit nasser Zunge übers Gesicht leckte.

"Wenn das mal nicht Hermine Granger ist. Du, weg da, Fang."

Hagrid stand in der Tür und breitete die Arme aus, um sie zu umarmen.

"Willst du was essen? Ich hab gebacken", bot er freundlich an.

"Danke, aber ich hab keinen Hunger." Hermine hielt sich absichtlich zurück. Hagrids Backkünste waren mit Vorsicht zu genießen und sie wollte sich nicht den Magen verderben, nachdem sie ewig nichts mehr gegessen hatte.

Sie setzten sich vor seiner Hütte in den Halbschatten. Während Fang den Schmetterlingen hinterherlief, ließ sich Hermine von dem großen gutmütigen Halbriesen erzählen.

"Remus Lupin, Nymphadora Tonks und Fred Weasley." Tränen bildeten sich in den dunklen Käferaugen und liefen in seinen buschigen Bart. "Sie haben's nicht geschafft."

Hermine schloss sich der Trauer des Halbriesen an und zusammen weinten sie über den Tod ihrer Freunde.

"Weiß Harry, dass du wach bist? Er konnte es nicht erwarten, dich wieder zurück zu haben."

"Ich freue mich auch auf ihn. McGonagall hat ihm bestimmt schon eine Eule geschickt."

Es war nur noch eine Frage von Stunden, bis ihre Freunde sie besuchen würden. Die Zeit bis dahin wollte sie nutzen, um Kraft zu tanken, Sonnenvitamine und Wärme. Es zog sie noch weiter.

Nun war es soweit. Das dumme Granger-Gör wach, Minerva auf der Suche nach ihm. Er konnte gar nicht schnell genug nach draußen fliehen, wo sie ihn nicht vermutete. In seinen Räumen oder in den Kerkern ja, aber nicht im blendend hellen Sonnenlicht. Aber dort war es auch nicht besser. Überall wurden Reparaturen vorgenommen und wo er auch hinkam, begegnete er seinen Kollegen oder Arbeitern vom Ministerium, die ihn kritisch musterten. Obwohl der Krieg gewonnen und zu ihren Gunsten ausgegangen war, wurde er noch immer von manchen behandelt wie der Killer von Dumbledore.

Er ging achtlos an ihnen vorbei wie er auch sonst jedem aus dem Weg ging, suchte sich einen der Pfade, die vom Schloss wegführten. Die Sonne meinte es gut, aber da es in seinen Räumen im Keller im Sommer sehr kühl war, hatte er seine Alltagsrobe angelegt und kam ins Schwitzen. Erst am See wehte ein erfrischender Wind übers Wasser. Eine Wohltat mit großer Anziehungskraft.

Er blieb auf den Hacken stehen und seine schwarze Robe flatterte um seine Knöchel, als er nicht weit von ihm sie entdeckte.

Hermine plumpste gedankenlos ins Gras, rollte ihr T-Shirt bis zum BH auf und machte seitwärts einen Knoten hinein. Genüsslich streckte sie sich aus und schloss die Augen. Keine Minute lag sie da, als sich bei wolkenlosem Himmel ein Schatten über ihren Körper legte.

"Da ist sie. Meine Retterin. Unvorteilhafterweise habe ich keine Blumen zur Hand."

Was bei Merlin war das? Snape draußen am See konnte nur eine Fata Morgana sein. Aber dieses Schnarren ... das war einfach einzigartig.

"Woha! Professor Snape!" Sie schreckte hoch und schirmte ihre Augen vor der Sonne ab. Snape war ziemlich groß und sie musste sich den Hals verdrehen, um zu ihm hinaufsehen zu können. Er hatte sich fast nicht verändert. Wohl gealtert, was nach einem solchen Jahr kein Wunder war. Alle hatten sie schwer zu tragen gehabt.

"Ja, der bin ich", sagte er schneidend und der gleiche herablassende Ton von früher war in seiner Stimme. Vorteilhafterweise starrte er direkt in ihre Augen, sodass er ihr bauchfreies Outfit nicht zu bemerken schien. Vielleicht irrte sie auch, denn plötzlich hatte er nichts mehr zu sagen. Kurz war sein blasses Gesicht auf ihren Arm gerichtet, wo in ihre Haut das Schimpfwort Schlammblut geritzt war. Dann machte er eine Kehrtwende und eilte davon, einen leisen Fluch auf seinen Lippen.

Beschämt notierte Hermine sein Verhalten. Die Narben waren ein Andenken an den Krieg.

Nach ein paar Schritten rauschte er zu ihr zurück. "Was haben Sie sich dabei gedacht?"

"Bitte?" Etwas mehr Dankbarkeit hätte es auch getan.

"Stellen Sie sich nicht dumm", polterte Snape.

"Sie halten nicht viel von Menschlichkeit, oder? Jeder hätte das getan", murmelte sie zerknirscht.

"Menschlichkeit." Hämisch grinste er sie an: "Ihre Freunde waren ausnahmsweise klüger. Ich war bei vollem Bewusstsein und Potter machte nicht den Eindruck, sein Leben aufs Spiel setzen zu wollen, um einem Feind das seine zu retten."

Stolz straffte Hermine die Schultern. "Harrys Magie war für Voldemort bestimmt. Meine nicht."

"Sie glauben wohl, Sie haben mir einen Gefallen getan", spuckte er herzlos aus.

Aber er konnte sie nicht verletzen. Nichts war so eindeutig wie dieser Zustand, in dem er sich nicht zu helfen wusste. "Ich glaube, Sie haben ein Problem damit, dass jemand etwas für Sie getan hat", sagte sie. "Noch niemand war bereit, sein Leben für Ihres aufs Spiel zu setzen."