Disclaimer: Die Charaktere aus Assassins Creed Rouge gehören Ubisoft und ich verdiene kein Geld damit, sondern leihe mir sie nur mal kurz aus. Das gleiche gilt für andere Teile von Assassins Creed.


Kapitel 4

Es war mitten in der Nacht, als ich aus dem Schlaf schreckte. Schon wieder! Diese scheußlichen Alpträume. Immer und immer wieder sah ich Anna vor mir und kaum das ich es schaffte sie zu erreichen, erwachte ich. Nach diesen Träumen war leider an erholsamen Schlaf nicht mehr zu denken. So stand ich auf und zündete die Kerze mit einem kleinen Span an, welchen ich im Kamin entzündet hatte. Jemand sollte mal was erfinden, damit so was viel schneller geht. Ein Stückchen Holz das sich selbst entzündet, oder so was in der Art. Ich glaube diesen Einfall sollte ich mir merken. Als die Kerze nun endlich nach einer gefühlten Ewigkeit an war, schnappte ich das Buch vom Tisch und fing an darin zu lesen. Alles war besser als diese Alpträume.

Eine Stunde später hörte ich von unten Stimmen. John war heute aber früh wieder da. Sonst erschien er immer erst im Morgengrauen, doch bis dahin waren es bestimmt noch gut und gerne zwei Stunden. Eigentlich wollte ich das laute Gespräch zwischen ihm und Geillis nicht belauschen, aber als mein Name viel, wurde ich hellhörig. Leise, wie ein kleines Mäuschen, stieg ich aus dem Bett und öffnete vorsichtig meine Kammertür. Lautlos schlich ich durch den Flur und blieb auf der Empore des Flures sitzen, um nach unten zu spähen, denn dort standen John und Geillis.

„Du hast also einen von diesen Bastarden aufgespürt, die das Faith angetan haben, John.", fragte sie hoffnungsvoll. „Ja, aber das Problem ist, es waren mehr als nur der eine. Diese Bande bestand aus Deserteuren. Laut meinen Informationen hat die Armee zwei von ihnen schon gehängt. Der Rest ist wie vom Erdboden verschwunden.", teilte er seine Neuigkeiten mit ihr. „Aber du hast einen ausfindig gemacht?", wollte sie jetzt endlich wissen. „Ja ein junger Bursche, höchstens siebzehn Jahre alt. Hatte sich in der Armee wohl großen Ruhm erhofft und war dort an die falschen Kameraden geraten. Jetzt versteckt er sich bei seinem Clan, den Grahams.

„Nun das ist ja immerhin ein kleiner Lichtblick. Was willst du unternehmen John?", fragte sie ihn weiter. „Ich werde nichts machen Geillis. Die Bruderschaft hat mir eine Nachricht zukommen lassen, sie wollen mich in London sehen.", sprach er weiter. „Nimmst du Faith mit?" „Sie will nicht in die Bruderschaft, kümmerst du dich bitte um sie, solange ich weg bin?", fragte John jetzt Geillis „Du kennst doch die Antwort, mein Lieber. Ich passe auf Elisabeths Tochter auf, auch wenn ich ihren Vater gehasst habe. Wie konnte meine beste Freundin nur so jemanden heiraten, aber sie wollte nicht auf mich hören, dieser Sturkopf. Da kommt Faith hoffentlich nach ihren Erzeuger.", erzählte sie John. „Bleib ruhig meine Liebe, das wichtigste ist es die kleine Lady vor dem Orden zu beschützen.", erklärte er Ihr. „Ja da hast du Recht. Es ist gut das sie denken, sie wäre in dem Feuer umgekommen. Kannst du trotz allem weiter deine Augen und Ohren offenhalten?", fragt Geillis den Assassinen. „Natürlich mein Liebe", antwortete er ihr. „Nun John, für einen Sassenach bist du richtig höflich mein Lieber.", erwiderte sie John. „Oh ein Lob aus deinem Munde, ich glaube wenn du weiter so machst verliebe ich mich noch in dich, Geillis". Bei diesen Worten schaute John, Geillis in die Augen und sie versanken in einen leidenschaftlichen Kuss.

So leise wie ich konnte, schlich ich wieder in mein Zimmer und löschte die Kerze. Auf lesen war mir die Lust vergangen. Nun lag ich wieder mal wach, nur diesmal nicht wegen den Träumen, sondern wegen den neuen Erkenntnissen, welche ich gerade erfahren hatte. Als erstes, Geillis kannte meine Eltern, besonders meine Mutter, gut. Der zweite Punkt auf meiner Liste war, das dieser Angriff auf irgendeinen Orden ging. Nur was bedeutet das genau. So grübelte ich eine ganze Weile, bis es langsam anfing zu dämmern.

Da ich eh schon mal wach war, konnte ich auch gleich aufstehen. Ich zog mir mein Kleid an, obwohl ich die Dinger etwas unpraktisch fand, mochte ich sie doch eigentlich ganz gerne. Am schönsten fand ich die Kleider der oberen Gesellschaft, aber so etwas würde ich bestimmt niemals besitzen. Gut so ein teures Kleid war nicht für den Alltag bestimmt, da reichte mir mein jetziges, um die Tiere im Stall zu füttern. Leise huschte ich die Treppe herunter und öffnete die Haustür. Sogleich fegte ein eisiger Wind um meine Beine und ich verschloss schnell die Tür des Hauses. Dann machte ich mich über den Hof in Richtung Stall.

Die Tiere schauten mich noch verschlafen an, als ich durch die Stalltür trat, hatten aber nichts gegen die frühe Fütterung. Das einzige Tier welches fehlte, war der braune Hengst von John, also war er schon nach London aufgebrochen. Obwohl er es in der Nacht erwähnt hatte, so hatte ich gehofft, dass er sich noch verabschieden würde. So ging ich in die leere Box, um sie für die eventuelle Rückkehr von Ihm vorzubereiten. Es gab ja sonst nichts weiteres zu tun, denn meine beiden Mitbewohner schliefen eh noch. Als ich in der Box war, entdeckte ich auf einem kleinen Haufen Decken einen Brief, welcher an mich gerichtet war. Ich öffnete den Brief sogleich und begann ihn zu lesen.

Liebe kleine Lady,

es tut mir Leid, das ich mich nicht von dir persönlich Verabschieden konnte, aber den Befehl der Bruderschaft musste ich sofort folge leisten, denn der Befehl duldete keinen Aufschub. Aber das hast du ja letzte Nacht selbst gehört. Wenn du jetzt denkst, du bekommst Ärger dann liegst du falsch, denn als Junge war ich genauso neugierig wie du. Zu einem anderen Thema kleine Lady, denn ich weiß das du jede Nacht schreckliche Alpträume hast und deswegen wollte ich dir eine Möglichkeit geben, es besser zu verarbeiten. Mein Vorschlag steht übrigens noch und ich glaube du wirst ihn doch in Erwägung ziehen und sei es nur um Rache zu nehmen, was ich allerdings nicht hoffe. Ich freue mich auf unser nächstes Treffen meine kleine Lady und Pass, bitte auf dich auf.

Bis bald. John

Postskriptum: Sag Geillis alles Liebe von mir.

Als ich den Brief zu Ende gelesen hatte, war mein Herz irgendwie schwer und ich vermisste den Assassinen jetzt schon. Aber ich hoffte das er bald wieder bei uns war und dann würde ich Ihm zeigen was ich von Geillis gelernt hatte.

Nachdem ich nun alle Tiere versorgt hatte, lief ich zurück zum Haus und freute mich auf mein Frühstück, denn beim öffnen der Haustür kam mir schon der Geruch von frischem Porridge entgegen. Sofort fing mein Magen an laut zu knurren und ich beeilte mich, dass ich in die Küche kam. „Madain math, Caitriona. Was riecht hier denn so lecker?", wollte ich von unserer guten Seele des Hauses wissen „Nach Porridge, eingelegten Heringen und frischen Honigkuchen. Aber hast du dir das auch verdient, kleine Lady?", fragte sie nach. „Caitriona, Faith war schon vor dir auf den Beinen und hat die Tiere draußen im Stall versorgt.", schnitt mir Geillis das Wort ab und setzte sich an den Tisch. „Komm a leannan, setz dich hin und iss etwas, damit du genug Energie für deine Lektionen hast" sagte sie zu mir in einem Ton, der keine Wiederworte zuließ.

Somit setzte ich mich an den Frühstückstisch und begann zu essen, danach ging ich mit Geillis in den Salon und die Lektionen begannen. John vermisste ich jetzt schon, er war bei weitem nicht so streng wie Geillis, aber als Belohnung für meine Leistungen durfte ich dann mit zu Ihren Patienten, um die Praxis zu erlernen. So ging ein Tag in den nächsten und kaum das ich mich versah, hatte der Frühling begonnen. Das schöne war aber, das mit dem Frühling John Williams zu uns zurück kehrte und ich musste nun endlich eine Entscheidung treffen.

Nachdem er schon eine knappe Woche wieder bei uns war, besuchte er mich am Morgen im Stall, als ich gerade die Tiere fütterte. Diese Aufgabe hatte ich einfach übernommen und sie machte mir auch großen Spaß. „Morgen Faith, wie hast du letzte Nacht geschlafen", fragte er mich im Plauderton. „Wie immer, John. Erst Alpträume, dann wach gelegen und zum Schluss ein wenig gedöst.", antwortete ich Ihm grimmig. „Na na, wer wird denn hier auf einmal so böse. Die Frage war ehrlich gemeint, kleine Lady. Ich hatte nichts böses im Sinn", versuchte er die Wogen zu glätten. Ich drehte mich um und ging weiter meiner Arbeit nach. Er sah mir einfach schweigend dabei zu, so als wartete er auf den ersten Schritt von mir. „John", fing ich das Gespräch nach fünf Minuten erneut an „Was hast du auf deinem Herzen, Faith" „Du hattest damals in deinem Brief geschrieben, dass ich dein Angebot jeder Zeit annehmen könnte, mich stört nur daran dieser Umgang mit Waffen. Aber ich will halt das diese Träume aufhören und du kannst mir dabei helfen, oder?" „Das kann ich aber nur indirekt, denn die Ereignisse welche du erlebt hast, das kann nur die Zeit heilen und ein Schwert." „Wie soll mir ein Schwert dabei helfen?" „Ganz einfach kleine Lady, denn wenn ich dich im Kampf unterrichte, wirst du Abends am Tisch einschlafen, vor Erschöpfung.", sagt er grinsend.

„Das wird niemals geschehen, denn ich habe verdammt viel Energie", gab ich als trotzige Antwort. „Um was wollen wir wetten, kleine Lady?" „Okay, Mister Williams, wenn ich gewinne und nicht am Tisch einschlafe, dann gibst du mir in der Stadt eine Tasse Kakao aus, den habe ich nämlich schon eine Weile nicht mehr getrunken." „Kakao? Gut das geht in Ordnung und was bekomme ich wenn du verlierst?" „Dann trete ich in die Bruderschaft ein.", sagte ich frei heraus. „Nein, Faith das wirst du nicht. Man sollte in die Bruderschaft freiwillig und nicht weil man gezwungen wurde, wie zum Beispiel durch eine Wette. Oder willst du nun doch eintreten?" „Na ja, ich habe lange und viel drüber nachgedacht, was du mir alles darüber erzählt hast und wenn ich das könnte, was du kannst, dann könnte ich die Menschen beschützen die ich liebe. So etwas wie letztes Jahr, werde ich nie wieder zu lassen und diese bösen Menschen bekommen auch noch Ihre gerechte Strafe." „Du müsstest auch irgendwann Menschen umbringen und wolltest du nicht lieber eine Heilerin sein?" „Das kann ich lernen und wenn wir noch etwas bei Geillis bleiben, lerne ich beides. Bitte lass mich deine Schülerin werden, auch wenn ich die Wette gewinne."

John schloss die Augen und schien einen Augenblick zu überlegen. „Nun gut die Wette gilt, du willst ja doch freiwillig eintreten.", stimmte er mir zu und ich beendete meine Arbeit. „Wollen wir dann gleich loslegen, kleine Lady?" „Das wird in so einem Kleid aber schlecht gehen und was anderes habe ich nicht und warum sagst du immer kleine Lady zu mir? Das haben immer meine Eltern zu mir gesagt." „Weil du eine kleine Lady bist und ich glaube Geillis hat ein paar passende Sachen für dich. Wir fangen in einer halben Stunde an" sagte er und ich beeilte mich, um zu Geillis zu kommen.

Im Haus stürmte ich wie ein kleiner Wirbelwind die Treppe zum Dachboden hinauf, denn Geillis war vermutlich dort. Ich öffnete die Tür mit etwas viel Schwung und sie krachte laut gegen die Wand. Das brachte mir einen zornigen Blick von Geillis ein „Gabh mo leisgeul, Geillis. Hast du vielleicht was anderes zum anziehen für mich?" Sie blickte mich weiter an „Liegt in deinem Zimmer auf dem Bett, kleine Katastrophe, aber wehe du vernachlässigst dein Studium bei mir." Ich nickte ihr zu und schloss ganz leise die Tür und rannte dann schnell in mein Zimmer. Dort auf meinem Bett lag die neue Kleidung, es sah fast so aus wie die von John, nur ein paar nummern kleiner und weiß statt grau. Ich zog meinen neuen Ornat an und betrachtete mich im Spiegel. Ja ab jetzt würde ich mir mein Glück selber machen.