Disclaimer: Die Charaktere aus Assassins Creed Rouge gehören Ubisoft und ich verdiene kein Geld damit, sondern leihe mir sie nur mal kurz aus. Das gleiche gilt für andere Teile von Assassins Creed.
Kapitel 6
Es waren, seit ich den Auftrag angenommen hatte, drei Wochen vergangen und vor vier Tagen erreichte in endlich Lissabon. Was für eine schreckliche Reise, das nächste mal würde ich über Land reisen. Zuerst hätte ich in London beinahe das Schiff verpasst, dann war der Wellengang alles andere als ruhig, so dass ich mehr über der Reling hing, als gut für mich war. Nein auf ein Schiff würde ich nicht so schnell wieder gehen. Wenn ich nur an ein Schiff dachte, wurde mir schon übel und so hoffte ich das mein Partner nicht so früh in der Stadt ankam, damit ich noch ein bisschen das Land genießen konnte. Ich erkundete also die Stadt, um mir einen Überblick zu verschaffen und dabei fand ich einige wirklich schöne Orte. Das waren zum Beispiel das Schloss „die Castelo de São Jorge" und noch weitere, aber ich war leider nicht zu meinem Vergnügen hier.
Es war der 31. Oktober 1755, als ich erfuhr das ein Schiff aus New York am Hafen angelegt hatte. Ich hörte mich etwas am Hafen um und fand schnell heraus, wo die Mannschaft ihren Abend verbringen würde. Es war eine kleine Schenke, deren Namen ich noch nicht mal aussprechen konnte. Als ich die Tür öffnete, drang mir der Geruch von ungewaschen Menschen in die Nase. Augen zu und durch, dachte ich, während meine Füße schon das Lokal betraten. Die Männer schauten mich nur kurz an und fielen dann wieder in ihre Gespräche. Auf den ersten Blick erkannte ich keinen Ornat in der Menge und so setzte ich mich an den Tresen. Dort bestellte ich mir gleich eine Flasche Wein, der schmeckte hier wenigstens gut. Was aber auch kein Wunder war, in diesem Land bauten sie ja Wein an.
Der Wirt stellte mir mein Getränk hin und ich legte ein paar Real auf den Tresen. Mein Gegenüber nickte mir zu und nahm das Geld, um dann den nächsten Gast zu bedienen, somit hatte ich immerhin meine Ruhe bis.. „Wie kommt es das eine junge, hübsche Dame wie Ihr, sich in so einer Spelunke verirrt?" Mein erster Gedanke war, was für eine wunderschöne Stimme, mein zweiter, dass ich ja nicht rot werden durfte und nachdem ich kurz durchatmete antwortete ich ihm. „Ich warte auf jemanden". Das der Mann neben mir englisch gesprochen hatte, registrierte mein Verstand gar nicht so schnell. Ich drehte mich zu meinen Nebenmann um und sah in wunderschöne dunkelbraune Augen. „Wie bekommt man solche schöne Augen" wollte ich eigentlich denken, aber ich sprach es laut aus. „Das werte Lady kann ich leider nicht sagen, aber Ihr seid die erste Frau die mir über meine Augen Komplimente macht", sagte er grinsend, „Ich vermute Ihr seid die Assassine aus London" „ Aye" „Dann darf ich mich vorstellen, Shay Patrick Cormac und Ihr seid?"
Mein Verstand war bestimmt immer noch ganz wo anders, denn sonst hätte ich nie zugelassen, das er mir einen Handkuss gab. Ich schüttelte kurz meinen Kopf um meine Gedanken zu ordnen. „Ich bin Faith McGregor. Es freut mich Sie kennenzulernen Shay. Ich darf doch Shay sagen, oder?" „Natürlich Faith. Eine Frage habe ich aber an dich?" „Stell sie ruhig", sagte ich zu ihm. „Wie hast du mich so schnell ausfindig gemacht, ich meine, ich bin gerade mal für vier Stunden an Land und wollte mir heute überlegen, wie ich dich finden kann", gestand er mir. „Oh das? Ganz einfach, sagen wir die Spatzen haben es seit circa zwei Stunden von den Dächern gepfiffen." grinste ich ihn an.
Er sah aber auch wirklich nicht schlecht aus, mein Assassinen Partner. Er hatte einen gut trainierten Körper, soweit es seine Kleidung vermuten ließ und seine Haare waren dunkelbraun und kurz, bis zu den Ohren. Die Nase war gerade und er hatte hohe Wangenknochen. Nur sein Mund war ein kleines Stück zu breit, aber so passte es einfach. Doch eins störte mich ein wenig und das war sein Oberlippenbart, der passte irgendwie nicht zu ihm. „So bist du fertig mit deiner Musterung?", fragte er mich direkt. „Ja" „Und gefällt dir was du siehst?" „Sagen wir es so Shay, du weißt mit deinen Aussehen bestimmt die Damenherzen zu erobern." „Nun ein Gentleman sollte so etwas nicht mit einer Dame besprechen" „Shay ich bin keine Dame, so werde ich nur von dir genannt, die meisten Herren die ich kenne oder besser kannte, nannten mich meistens Miststück, Hure oder Schlampe. Also kannst du ruhig meine Frage beantworten." „Da du von ,kannte' gesprochen hast, nehme ich an, das besagte Herren nicht mehr unter uns weilen, oder?", fragte er mich. „Ja, sonst wäre ich nicht hier." grinste ich ihn an und trank noch einen Schluck Wein. Shay trank ebenfalls etwas, nur das seines wahrscheinlich hochprozentiger war. „Wo waren wir stehen geblieben, Shay?" „Es ging darum wie dich die meisten Männer betiteln, aber ich bleibe bei deinem Vornamen, Faith. Wenn das okay ist", fragte er mich und trank einen weiteren Schluck. „Aye, mo chride, es ist okay. Nun wo kommst du genau her, wenn ich dich so einfach fragen darf? „Wie sagtest du gerade, ,aye' das darfst du. Ich lebe in den Kolonien in Davenport, das ist in der Nähe von Boston und du Faith?" „London, wo denn sonst auf der schönen sonnendurchfluteten Inseln Ihrer Majestät", sagte ich leicht sarkastisch. „ Also magst du London nicht besonders, wenn ich deinen Sarkasmus richtig deute", grinste er zurück. „Lasst mich raten", meinte er zugleich und gönnte sich einen weiteren Schluck „Du bist eigentlich aus Schottland." „Woher weist du das?" „Du rollst das ,R' so schön beim sprechen und ein Engländer hört sich viel steifer an wenn er etwas sagt." „Du hast Recht Shay, auch wenn das meiner Lehrerin nicht gefallen würde, das man so schnell meine Herkunft herausfinden kann. Dagegen hab ich deinen Dialekt noch nicht vorher gehört, mo chride", gebe ich vor ihm zu. „Dann kennst du also niemanden von den Kolonien?" „Nein, obwohl ich schon in einigen Ländern Europas war", sagte ich lächelnd zu ihm. „Oder doch, jetzt kenne ich ja dich", meinte ich weiter „Da hast du recht."
Shay trank sein Glas aus und bestellte sich ein neues. „Kann es sein das du gerne mal einen trinkst, Shay? Verstehe mich bitte nicht falsch, es ist nur, die meisten Assassinen die ich kenne, schauen das Zeug nicht mal an", begann ich leicht zu stottern und schlug mir in Gedanken meine Hand vor meine Stirn. Shay schaute mich an und fing an zu lachen „Faith du sagst wirklich immer was du denkst, oder? Auf jeden Fall sind die meisten Assassinen die du kennst dann wohl spießig." „Das wird es wohl sein", nuschelte ich und trank mein Glas mit einem Zug leer.
„Nun aber Spaß beiseite, besprechen wie unser morgiges Vorgehen bei der Mission, Faith." „Ich höre dir zu, mo chride." „Wie wäre es wenn wir uns morgen Mittag vor dem Kloster, hier am Hafen, treffen und dann unsere Mission erfüllen", schlug Shay mir vor. „Um zehn Uhr, Mittag finde ich etwas zu spät." „Dann zehn Uhr morgen Vormittag, vor dem Kloster" „Aye". Shay und ich unterhielten uns noch ein wenig über Gott und die Welt, bis wir beide unsere Getränke geleert hatten. „Nun dann Shay, ich wünsche dir eine erholsame Nacht. Wir sehen uns morgen." sagte ich zum Abschied. Shay stand ebenfalls auf und gab mir, zum zweiten Mal heute, einen Handkuss. „Das wünsche ich dir auch, Faith. Möchtest du das ich dich zu deiner Unterkunft begleite?" fragte er mich charmant. „Nein, aber danke für dein Angebot." meinte ich zu ihm und verließ die Schenke. Kaum das ich aus der Taverne raus war, begab ich mich zum nächsten Haus und mit Hilfe meines Seilwerfers war ich in null Komma nichts auf dem Dach und dann lief ich einfach los.
„Faith du bist so blöd. Er denkt jetzt bestimmt du bist irre oder so was in der Art. Jenny hätte bestimmt gesagt, das eine Nacht zu zweit viel schöner ist und was tue ich? Ich spiele einen auf holde Jungfrau", dachte ich und rannte weiter ziellos über die Dächer der Stadt bis ich total erschöpft stehen blieb. Jetzt war mein Kopf endlich frei und so drehte ich mich in Richtung Meer und lief zurück zu meiner Bleibe. Dort fiel ich dann ins Bett und nach einigen Minuten schlief ich schon tief und fest.
Der nächste Morgen kam viel zu früh und heute war auch noch Allerheiligen, der Tag der Toten, na wenn da mal alles gut ging. Ich stand also auf, wusch mich mit eiskaltem Wasser und zog meinen Ornat an. Danach lief ich die Treppe runter um noch eine Kleinigkeit zu essen. Nach dem echt guten Frühstück verließ ich meine vorläufige Bleibe und machte mich zum Kloster auf. Es war zwar noch ein halbe Stunde Zeit, bis zu meinem Treffen mit Shay, aber ich war halt lieber überpünktlich als zu spät. Zwanzig Minuten später tauchte Shay auf „Guten Morgen, Miss McGregor", sprach er mich förmlich an. „Madain mhath, Mister Cormac. Wollen wir mit unserer Mission beginnen", entgegnete ich genauso kühl. „Dafür sind wir hier", antwortete er in der gleichen Tonlage.
Schweigend liefen wir nebeneinander her und betraten die Kirche. Diese war mal echt atemberaubend, denn die Decken gingen etliche Meter hoch und wurden mit lauter Fresken bedeckt. Ich schaute mich weiter um, aber konnte leider keinen Hinweis oder ähnliches finden. Ich wollte gerade Shay um seine Meinung bitten, als ich sah, dass er irgendwie abwesend schaute. Das war bestimmt dieser berühmte Adlerblick. Davon hatte ich schon mal was gehört, aber jemanden mit diesen Talent zu kennen war schon was anderes.
Als Shay wieder normal schaute, war er verdutzt. „Was strahlst du mich so an Faith?" fragte er mich. „Du hast echt diese Fähigkeit mit dem Adlerblick?" „Ja. Ist daran was besonderes?" „Ich finde schon, ich meine das hat nicht jeder Assassine. Was hast du raus gefunden, mo chride?" fragte ich und wurde dabei immer hippeliger. „ Der Eingang lässt sich über vier Schalter öffnen." „Und weißt du wo sie sind?" „Ja da" antwortete er mir und zeigte mit den Fingern nach oben. „Dann bin ich wohl jetzt dran", meinte ich zu Shay und grinste ihn an. Er schaute mich skeptisch an „Was hast du vor?" Ohne länger zu überlegen trat ich an ihn ran und legte meinen Arm um ihn. „Du musst dich auch an mir festhalten, ich habe nicht so fiel Kraft um dich zu halten." erklärte ich. Er zögerte noch kurz, doch dann legte er die Arme um mich und hielt sich fest. Ich atmete tief durch und dabei fiel mir Shay's Geruch in die Nase. Er roch nach Holz, Leder und Meer, einfach einzigartig. Mich wieder auf meine Aufgabe konzentrierend, richtete ich meinen kleinen Freund auf die Balken und aktivierte den Mechanismus. Innerhalb eines Augenblickes waren wir unter dem Dach der Kirche.
„Das ist ja mal eine nette Erweiterung der versteckten Klinge." meinte Shay und ich lächelte ihn einfach an. „Na dann mal los, mo chride. Wo ist der erste?" „An jeder Wand ist einer. Siehst du die Einkerbungen dort?" „Ja" „Damit öffnen wir die Tür zum Tempel" „Dann mal los, mo chride. Wer die meisten schafft" sagte ich und balancierte vorsichtig über die Balken. Noch ein Sprung und ich war am Ziel. Ich landete sicher auf der kleinen Empore und mit Hilfe meiner versteckten Klinge knackte ich das Schloss. Unter mir lösten sich ein paar Platten im Boden, also schien es zu funktionieren.
Drei hatten wir schon und ich wollte den letzten in Angriff nehmen, doch mein Partner war schneller. Ich zuckte mit den Schultern und begann schon mal mit den Abstieg. Kaum dass ich unten angekommen war, landete Shay elegant neben mir. „Wer war nun schneller?" fragte er mit einem schelmischen grinsen. „Eindeutig du, na und", erwiderte ich trotzig zurück. „Lass uns gehen, Prinzessin." „Warum Prinzessin, Shay?" „Weiß nicht, das passt irgendwie zu dir." gab er als Antwort und lächelte mich ehrlich an. Ich folgte Shay langsam die Stufen hinab, gespannt was uns erwarten mochte.
