Disclaimer: Die Charaktere aus Assassins Creed Rouge gehören Ubisoft und ich verdiene kein Geld damit, sondern leihe mir sie nur mal kurz aus. Das gleiche gilt für andere Teile von Assassins Creed.


Kapitel 9

Es waren mittlerweile fast drei Monate seit meiner Abreise aus London vergangen. Mit jedem weiteren langweiligen Tag hoffte ich, dass wir die Kolonien bald erreichten, auf so einem schaukelnden Ding konnte man wirklich nichts vernünftiges anstellen. Kurz gesagt man starb hier vor Langeweile.

Das konnte man von meinem letzten Tag in London nicht sagen. Ich stand früh auf und nach dem Frühstück begab ich mich sofort in die Stadt, ich musste ein Großteil meiner Heilkräuter und Verbände auffüllen. Der erste Halt war bei einem Schneider, um dort gutes weißes Leinen zu kaufen. Zurecht schneiden würde ich es dann selbst. Mein nächster weg war zum Shepherd Market in die Apotheke. Dort kaufte ich Lavendel zur Beruhigung, Frauenmantel für mich selbst, Kampfer, Salbei, Liebstöckel, Minze, Chinarinde, Weidenrinde, Fingerhut, Spitzwegerich, Birkenblätter, Hagebutten und ganz wichtig Laudanum. So ging der Vormittag schnell vorbei und am Nachmittag traf ich noch andere Vorbereitungen, bevor ich zu meinem vorerst letzten Abendessen mit meiner Familie ging.

Wenn ich so daran zurück dachte, wurde mir schwer ums Herz. Ich vermisste sie schrecklich, selbst Wilma mit ihren giftigen Blicken. Ich atmete tief durch „durchhalten Faith, du siehst sie bestimmt ende des Jahres wieder", dachte ich mir und schob somit die trüben Gedanken beiseite. Ich stand also von meiner Koje auf und streckte mich ausgiebig. Gerade als ich in Richtung Deck gehen wollte, ertönte der Erlösende Ruf für mich. „Land in Sicht." So schnell wie es dieses schaukelnde Etwas zuließ, rannte ich auf das Deck. Doch das einzige was ich sah war eine trübe Suppe, fast wie in London. „Und wo soll das Land bitteschön sein?", fragte ich mich laut. „Miss McGregor, ich wünsche Euch einen schönen guten Morgen.", rief der Kapitän mir zu. „Von hier unten werdet Ihr die schöne Stadt Boston nicht sehen, dazu müsst Ihr in das Krähennest.", erzählte er weiter. „Okay, dann klettere ich mal hoch und schau mir Boston von oben an.", sagte ich und kletterte über die Seile flink nach oben.

Nach kurzer Zeit stand ich oben und genoss die Aussicht auf Boston. Das sind also die umstrittenen Kolonien, in denen Frankreich und England um die Vorherrschaft kämpften, mit Hilfe von Indianerallianzen auf beiden Seiten. Ich betrachtete noch eine Weile die Stadt vor mir und meine Gedanken schweiften langsam in eine andere Richtung. „Vielleicht würde ich in Davenport ja ein bekanntes Gesicht sehen", dachte ich und schüttelte energisch meinen Kopf. Was dachte ich nur. Vielleicht war er ja vergeben und wollte mich gar nicht wiedersehen. Ich sollte mich lieber auf meine Mission konzentrieren. „Denk einfach nicht mehr dran, Faith. Du weißt das die meisten Männer eh nur das eine wollen.", sagte ich zu mir selbst. So beschloss ich wieder auf das Deck zurückzukehren und mein Habe zu packen.

„Und hatte ich Recht, Miss?", fragte mich der gute Kapitän. „Das hatten sie und wie lange dauert es noch bis wir an Land können?", wollte ich von Ihm wissen. „So ungefähr zwei Stunden, Miss. Ich vermute sie sind froh wieder festen Boden unter Ihren Füßen zu spüren. Sie sind sogar immer noch etwas blass um die Nase.", sagt er zu mir und drehte sich dann in Richtung Brücke um einigen Matrosen befehle zu erteilen. Mit dieser Vermutung hatte der gute Kapitän recht, von den knapp drei Monaten auf See, war ich circa einen Monat Seekrank gewesen und den Rest der Reise hatte ich ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Für mich stand fest, dass ich nur noch einmal freiwillig ein Schiff betreten würde und das wäre für meine Rückreise. So ging ich unter Deck, um in meiner kleinen Kabine alles zusammenzupacken.

Gerade als ich meine wenigen Habseligkeiten verstaut hatte, klopfte es an den Türrahmen. Ich schaute auf und an der Tür stand Dr. Harrison. „Faith meine Liebe, Sie sind bestimmt froh dieses Schiff zu verlassen. Selten hatte ich je einen so schlimmen Fall der Seekrankheit gesehen." „Ja ich bin wirklich froh wieder festen Boden unter meinen Füßen zu spüren. Danke das Sie sich um mich gekümmert haben, Doktor." „So etwas ist doch eine Selbstverständlichkeit, vor allem unter gleichgesinnten", zwinkerte er mir zu. „Faith ich habe ein kleines Abschiedsgeschenk für Sie", erklärte er mir den wahren Grund seines Besuches. „Wofür ist das denn?", fragte ich ein wenig überrascht. „Sie sind mir die letzten Wochen so toll zur Hand gegangen, sehen Sie es als ein kleines Dankeschön von mir. Ohne Sie wäre das Rheuma nicht so schnell abgeklungen. Diese Kräuterpackung und Ihre vortrefflichen Massagen haben ein kleines Wunder bewirkt. Ich würde mich freuen wenn Sie das Geschenk annehmen würden." „Da es Ihnen so wichtig ist, nehme ich Ihr Geschenk gerne an", antwortete ich ihm. Der Doktor überreichte mir ein großes Buch, auf dessen Einband „Die Anatomie des Menschen" stand. „Faith Sie haben dieses Buch zwar schon gelesen, aber es möge Ihnen gehören". Mit diesen Worten überreichte er mir das Buch und verschwand wieder in Richtung seiner Krankenstadion.

Ich mochte den Doktor, er hatte mir auf dieser Reise Gesellschaft geleistet und er hatte mir noch ein paar Dinge beigebracht. So wusste ich nun besser um die Anwendung mit Laudanum und wie eine Amputation durchgeführt wurde, leider hatte einer der Matrosen sich den Finger in einer Winde eingequetscht, so dass er nicht anders zu retten war. Ich packte mein neues Buch zu meinen restlichen Sachen und wartete geduldig darauf das Schiff endlich zu verlassen. Nach einer knappen Stunde legte das Schiff endlich in Boston an und ich konnte endlich von Bord. Ich verabschiedete mich von der wirklich netten Mannschaft und betrat den Hafen von Boston.

Jetzt musste ich mir wohl erst mal eine Bleibe suchen und so drehte ich mich in Richtung Stadt und lief los. Von einigen der Matrosen wusste ich das es in der „Green Dragon Tavern" immer ein freies Zimmer gab. So stieg ich dort also ab und da es gerade mal Nachmittags war, wollte ich Boston noch ein wenig erkunden. Ich zog meinen normalen Ornat an und machte mich auf den Weg. Schnell fand ich eine ziemlich große Kirche. Das war der perfekte Aussichtspunk für mich und ich freute mich, dass ich endlich wider mal auf ein Gebäude klettern konnte. Aber wie so oft war ich etwas zu faul und mein kleiner Helfer kam zum Einsatz. Diese kleine Erfindung war wirklich praktisch aber für ungeübte ganz schön gefährlich. Selbst ich musste höllisch aufpassen, das ich mich nirgends stieß oder hängen blieb. Dazu kam noch das man sich seine Hände sehr schnell aufschrammte und deshalb trug ich ein paar schwarze Lederhandschuhe, um das Verletzungsrisiko zu verringern. In sekundenschnelle war ich auf dem Dach der Kirche und lief in Richtung Turm, um an diesem höher zu klettern. Nach ein paar Minuten war ich auf dem Glockenturm und genoss die Aussicht über Boston. Die Stadt war doch ganz schön groß, zwar nicht zu vergleichen mit London, aber ansehnlich war sie. Hier in dieser Stadt hatten viele Häuser noch ihre eigenen Hinterhöfe und Gärten, so was gab es in meiner Heimatstadt nicht, dort konnten sich so was nur die oberen zehntausend leisten. Als ich wieder hinabklettern wollte erblickte ich einen Heuhaufen in unmittelbare Nähe der Kirche. Ich überlegte kurz und schüttelte dann meinen Kopf. Nein da würde ich mir glatt alle Knochen im Leib brechen, wenn ich von hier in den Heuhaufen springen würde. So kletterte ich hinab und als ich die letzten Meter runter sprang, schauten mich einige Passanten schräg an. Ich lief einfach in westliche Richtung und ignorierte die Blicke der Leute.

Als die Sonne langsam im Westen unterging, lief ich zurück zum Green Dragon, so langsam hatte ich ein leichtes Gefühl von Hunger. In der Taverne suchte ich mir eine ruhige Ecke, wo ich alle Tische im Blick hatte und bestellte mir etwas von dem Eintopf mit einem Becher Wein dazu. Als ich den wirklich leckeren Eintopf gegessen hatte, trank ich meinen Wein aus und ging auf mein Zimmer, um zu schlafen. Ich legte mich in das Bett und plante noch meinen morgigen Tag. Als erstes sollte ich mir ein gutes Pferd besorgen, um dann in Richtung Davenport aufzubrechen. Mit diesen und anderen Gedanken fiel ich in einen unruhigen Schlaf.

Als der nächste Morgen endlich kam, wäre ich gerne noch im Bett geblieben, ich fühlte mich wie gerädert. Aber leider hatte mein Auftrag höchste Priorität und so quälte ich mich aus dem Bett, streckte mich wie jeden Morgen ausgiebig und machte mich für den Tag fertig. Ich verließ das Dragon kurz nach acht Uhr und begab mich zum Markt, dort hoffte ich ein Pferd für mich zu finden. Auf dem zweiten Marktplatz wurde ich dann endlich fündig. Es gab dort einen Händler der Pferde anbot. „Kommen Sie meine Damen und Herren, hier gibt es die besten Tiere von hier bis New York.", rief er und es hatten sich wirklich schon etliche Leute zum schauen eingefunden.

Ich drängelte mich durch die Menge, dabei erleichterte ich einige Leute etwas um Ihr Geld, um die Auswahl des Händlers zu betrachten. Na so toll wie er seine Ware anpreiste, waren die Tiere nicht. Doch da ich ein Reittier brauchte wollte ich mir wenigstens ein gutes aussuchen. Ich entschied mich für eine schwarze Stute mit ruhigen dunkelbraunen Augen. Die Augen des Pferdes hatten fast die selbe Farbe wie die von Shay, aber leider konnte ich die Stute nicht einfach so nennen sondern ich taufte meine neue Gefährtin auf den Namen Banfhlath, was so viel wie Prinzessin bedeutete.

So führte ich meine neue Gefährtin zum Green Dragon zurück. Insgesamt hatte ich für Pferd, Sattel, Satteltaschen und Trense 50 Pfund bezahlt. Wucher! Aber ich brauchte das Pferd und die anderen Dinge. Zum Glück hatte ich noch etwas übrig, genug für Verpflegung, Unterkunft und wenn nötig für ein paar Heilmittel. Das Geld für meine Rückreise lag sicher verwahrt in meinem restlichen Gepäck. Jetzt konnte ich endlich meine Mission in Angriff nehmen und nach Davenport aufbrechen, auch wenn ich nur ungefähr den Weg kannte. Als erste Etappe wollte ich nach Lexington und von dort würde ich dann meine nächsten Schritte planen.

Am nächsten Morgen, den 21. April des Jahres 1756, ritt ich in Richtung Davenport. Ich hatte sogar mein ganzes Gepäck auf meiner neuen Gefährtin verstauen können. Viel war es ja nicht, ein bisschen Kleidung, mein kleines Medizinkästchen, Verbandsmaterial und Verpflegung. Meine Decke lag als eine Rolle hinter meinem Sattel und meine Waffen hatte ich ebenfalls gut verstaut. Es konnte also losgehen, ich war auf alles gefasst.

Die Sonne stand schon etwas höher an Himmel, ich vermutete das es so um zehn Uhr war, als ich die letzten Häuser von Boston hinter mir ließ. Vor mir lag nun also die Wildnis der Kolonien. Ich schluckte meinen Kloß im Hals runter und gab meinem Pferd die Sporen.

Banfhlath hatte ein wirklich ruhiges Wesen, selbst als ein Hase aus dem Unterholz hervor sprang, blieb sie ganz ruhig. Gut, genauso ein Pferd hatte ich gebraucht, da mein letzter Ritt auf dem Rücken eines Pferdes schon zwei Jahre her war. Als die Sonne immer mehr im Westen versank, erreichte ich endlich das kleine Städtchen Lexington.

Hoffentlich gab es dort eine Taverne und ein Bett für mich, durch diese ungewohnte Belastung waren meine Muskeln ganz steif. Am Ortseingang fragte ich einen jungen Bengel nach der Schenke. „Immer der Straße nach und am ende rechts weg, mein Herr". Ich nickte ihm zu und setzte meinen Weg in besagte Richtung fort. Meine Verkleidung schien auch mal wieder zu funktionieren, meist verkleidete ich mich als Mann, wenn ich längere Reisen unternahm. Nur auf dem Schiff hatte ich es nicht gemacht, dort wusste man ja schon von Anfang an, dass ich eine Frau war. Trotzdem hoffe ich diese Farce bald wieder ablegen zu können, denn im Gegensatz zu einem Mann, musste ich mir leider meine Brust abbinden und so etwas tat nach einem Tag im Sattel schon etwas weh. In ein paar Gedanken vertieft, wäre ich beinahe an der Taverne vorbei geritten, aber anscheinend wusste meine Gefährtin wo unser Ziel lag.

Ich stieg schwerfällig von ihr runter und rieb erst mal mein Hinterteil. Ich war wirklich weich geworden in der Stadt. Meine Stute band ich an einem Pfosten fest und ging in das Lokal. Wie eigentlich immer, wenn man einen Raum betritt, es starren einen zuerst alle an. Ich ignorierte die anderen Gäste und begab mich an den Tresen zum Wirt. „Seid Ihr so freundlich mir ein Zimmer für die Nacht zu überlassen und einen Platz in eurem Stall für mein Pferd?", fragte ich in meinem Londoner Dialekt und bekam dafür einen schrägen Blick von meinen Gegenüber. „Fünf Pfund", antwortete er barsch. „Abgemacht.", sagte ich zu Ihm. Ich griff in meine Tasche und legte das Geld auf den Tresen. Diese Leute ziehen hier echt die Leute über den Tisch, dachte ich und lächelte den Wirt freundlich an. „Hey Jimmy, du elender fauler Bengel, draußen seht ein Pferd, bring es in den Stall und das Gepäck in das dritte Zimmer von links, erster Stock.", brüllte er laut durch den Raum.

Na toll, jetzt wusste jeder welches Zimmer ich hatte, das hieß dann wohl eine schlaflose Nacht. Bei diesem wirklich zuvorkommenden Mann von einem Wirt, bestellte ich dann noch mein Abendessen und dazu ein Becher Ale, so was wie Wein hatte der Kerl noch nicht wirklich gesehen. Ich setzte mich in eine ruhige Ecke und merkte gar nicht wie ich überhaupt etwas aß, das Essen schmeckte nach nichts. Es fehlten eindeutig Gewürze, doch dafür schmeckte das Ale umso besser. Nach gerade mal zwanzig Minuten stand ich auf und verließ den Schankraum in Richtung meines Zimmers. Dort angekommen schob ich den Riegel vor die Tür und betrachtete den Raum. Es gab ein kleines Bett, welches nicht gerade einladend aussah, ein Tisch mit Stuhl, auf welchem einen gefüllte Waschschüssel stand und ein klappriger Kleiderschrank. Was für ein Luxus. Ich legte mir meine Satteltaschen neben das Bett und breitete noch meine Decke aus. Keine zehn Pferde würden mich in dieses Bett bekommen, da schlief ich lieber auf dem Boden, der sah wenigstens halbwegs sauber aus, was, man vom Bett nicht gerade sagen konnte. Als mein Nachtlager fertig war, wusch ich mich noch schnell dann legte ich mich auf den Boden und versuchte wenigsten für ein paar Stunden etwas Schlaf zu bekommen.