Disclaimer: Die Charaktere aus Assassins Creed Rouge gehören Ubisoft und ich verdiene kein Geld damit, sondern leihe mir sie nur mal kurz aus. Das gleiche gilt für andere Teile von Assassins Creed.


Kapitel 10

Der nächste wunderschöne Morgen kam wie immer viel zu schnell, doch heute war es wirklich mal ein schöner Morgen. Leicht neblig aber man konnte schon erkennen das die Sonne bald hervor kommen würde. Ich zog mir meinen neuen Ornat an und betrachte mich kritisch. Das gute Stuck war schwarz-rot und hatte wirklich noch mehr Schnallen und Taschen als der normale. Es gab platz für Rauchbomben, Wurfmesser und sonstiges Zeug. Das einzige was mich störte war, das der Ornat noch mehr Schnallen mit Assassinensymbolen hatte. Als ich mich fertig angekleidet hatte, hob ich meine Satteltaschen über die Schulter und verließ das wirklich exklusive Zimmer.

Als ich im Gastraum ankam, saßen nur eine Handvoll Männer im Raum und diese beachteten mich gar nicht, so sehr waren sie in ihre Gespräche vertieft. Ich setzte mich also ein Stück von den Herren weg und bestellte mein Frühstück. Ich meine viel Auswahl gab es eh nicht und so wurde mir einfach das übliche vorgesetzt. Gebratener Speck mit einer Scheibe Brot und Eiern. Das war doch mal eine Abwechslung und dieses Frühstück schmeckte richtig lecker, nicht so wie das gestrige Abendessen. Wenn ich wieder in London zurück bin, muss ich Wilma unbedingt überreden das für mich zu kochen, anstatt immer nur Porridge.

Während ich mein Frühstück in aller Ruhe genoss, bemerkte ich wie mich jemand beobachtete. So schaute ich von meinem Essen auf und mein Blick traf den eines Mannes. Dieser hatte einen grauen Dreispitz auf und darunter war braunes Haar zu erkennen, welches nach neuester Mode zu einem Zopf zusammen gebunden war. Seine Augen waren grau - blau, aber da war ich mir nicht sicher, dazu saß er zu weit weg von mir. Seine Nase war gerade und sein Mund optimal. Der Mann trug einen grauen Mantel und darüber hatte er einen Assassinenumhang. Das war so einer wie die alten Meister noch trugen. In meinem Gehirn machte es klick. Das konnte doch nicht möglich sein. Der Mann drehte sich wieder zu seinen Kumpanen und dabei konnte ich einen Blick auf seine rechte Hand erspähen. Er trug einen sehr speziellen Ring und da war ich mir absolut sicher, wer dieser Herr war. Nun immerhin hatte Jenny mit ihrer Beschreibung recht gehabt und er sah wirklich nicht schlecht aus.

Ich konzentrierte mich wieder auf mein Frühstück und fünf Minuten später verließ ich die Schenke. Nur schnell weg von diesem Ort, das sind eindeutig zu viele für mich, dachte ich und sattelte in Windeseile mein Pferd. Ich stieg auf Banfhlath und begab mich wieder auf meine Reise nach Davenport. Kaum das ich auf meinem Pferd saß, fing ich an zu grübeln. So wie der Templer mich kurz angeschaut hatte, wusste er, dass ich zur englischen Bruderschaft gehöre. Na ja meine Montur machte es ja auch einfach mit dem erkennen. Symbole an beiden schwarzen Stiefeln, am Gürtel und zum Schluss noch die Schärpe, mit unserem Zeichen der Bruderschaft. Kurz gesagt rief meine Kleidung förmlich Assassine. Das die anderen Männer das nicht gemerkt hatten wunderte mich schon ein bisschen. Ich schüttelte meinen Kopf und richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf den Weg vor mir. Weit waren wir nicht gekommen. Mein Pferd stoppte an der Kreuzung und ich wusste nicht weiter. Mist! Eigentlich wollte ich mich in der Taverne nach dem Weg erkundigen, aber durch diesen schnellen Aufbruch hatte ich das total vergessen. „Hey Sie sind doch der schweigsame Kerl von gestern.", schreckte mich eine Stimme aus meinen trüben Gedanken. Ich nickte dem jungen Kerl zu und wollte ihn schon nach dem Weg fragen, doch der Junge plapperte einfach weiter. „Sie sind bestimmt neu hier in der Gegend, aber nach Davenport geht es da lang", sagte er und zeigte auf den rechten Weg und dann war er auch schon wieder verschwunden.

Ich zuckte mit meinen Schultern und hoffte einfach mal darauf das er mir wirklich helfen wollte. So führte ich Banfhlath nach rechts und meine Reise konnte endlich weiter gehen. Ich musste den Assassinen unbedingt von dem Templertreffen erzählen. Mit solchen Gedanken und anderen ritt ich immer mehr in die Wildnis und hoffte dort meinen Bestimmungsort zu finden. Nach drei weiteren Stunden im Sattel, machte ich eine kleine Rast. Ich führte meine Gefährtin zu einem kleinen Bachlauf und lies sie dort ausgiebig trinken. Ich selbst streckte mich und packte etwas Proviant aus, um einen Happen zu essen. Danach ging es weiter und ich hoffte bald am Ziel zu sein.

Es war bereits Nachmittag und ich schätze es auf so 15 Uhr, als langsam eine Felswand immer näher kam. Ich dachte das der Weg bereits zu ende wäre, doch dann tat sich ein kleiner Durchgang im Felsen auf und der Weg führte weiter. So durchquerte ich die kleine Schlucht und als ich auf der anderen Seite wieder freie Sicht hatte, wurde mir ein wunderbarer Ausblick geboten. Vor mir breitete sich ein Tal aus, welches vollkommen von den Bergen umschlossen wurde. Anscheinend war der einzige Weg diese Schlucht. Mein Blick schweifte weiter über das Tal und so erblickte ich auf einem Hügel ein einzelnes Haus mit ein paar Nebengebäuden. Dahinter glitzerte das Meer. Ich ließ diese Landschaft erst mal auf mich wirken. Das war also Davenport, das Reich der Kolonialen Bruderschaft.

Ein paar Minuten später lenkte ich meine Stute in das Tal, in Richtung des großen Hauses. Auf der Hälfte der Stecke stellten sich mir zwei Männer in den Weg. Waren bestimmt die Wachen, wurde auch mal Zeit, ich hatte sie viel früher erwartet. „Wer seid Ihr und was ist euer Begehr?", fragte mich einer der Beiden, während der andere mit einer Pistole auf mich zielte. Ich atmete kurz durch und stellte mich den beiden vor. „Mein Name ist Faith McGregor und ich wurde von der englischen Bruderschaft geschickt, um etwas mit euren Meister zu besprechen." Die Wachen schauten sich an und schien nicht recht zu wissen was sie machen sollten. „Bob hol Liam", rang sich der Kerl mit der Pistole eine Entscheidung ab.

Ich lächelte mein Gegenüber an „Steck bitte diese Pistole weg, du machst mein Pferd noch nervös.", meinte ich zu ihm. Der gute zitterte noch mehr und langsam bangte ich wirklich um mein Leben, als die Rettung in Form eines großgewachsen Mannes kam. Der Kerl war breitschultrig und sein Gesicht war gut unter der Kapuze verborgen. „Geh auf deinen Posten zurück Rekrut und schlaf nicht wieder ein!", sagte er zu der Wache, welche sofort das Weite suchte. Nun richtete sich dieser Herr an mich. „Ihr wollt also unseren Meister sprechen. Sagt mir um was es geht!", kam er sogleich auf den Punkt. Dieser Kerl scheint ganz schön ruppig zu sein. Ich richtete mich noch etwas in meinen Steigbügeln auf und betrachtete ihn von oben herab, um dann in meinem besten Londoner Dialekt zu antworten. „Die Nachricht ist nur für euren Großmeister bestimmt." „Entweder Ihr sagt mir jetzt worum es geht oder Ihr seid ein Toter Mann", knurrte mich nun mein Gegenüber an.

Anscheinend hatte er nicht viel Geduld, aber schmunzeln musste ich trotzdem. Er hielt mich doch tatsächlich für einen Mann. Gut ich hatte ja ebenfalls meine Kapuze auf und wie meistens alles an mir kaschiert. Mein Gegenüber wurde immer misstrauischer, doch meine Laune hob sich mit jeder Sekunde die wir uns anstarrten. Nach zehn Sekunden war es mit meiner Selbstbeherrschung vorbei und ich fing an zu lachen. Mein Gegenüber schaute mich mit leicht verwirrten Blick an und glaubte bestimmt, dass ich nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte und so beschloss ich meine Identität zu lüften. Ich zog mir die Kapuze vom Kopf und grinste ihn an. „Hallo mein Name ist Faith und ich bin ein Meisterassassine der englischen Bruderschaft und ich muss wirklich dringend mit deinem Großmeister sprechen, Liam.", sagte ich zu ihm und verkniff es mir weiter über seine Verwirrung zu lachen. „Woher kennt Ihr meinen Namen?", fragte er noch immer leicht verwirrt. „Diese Rekruten nannten Euch so." „Nun da scheint Ihr ja gute Ohren zu haben", meinte er nur zu mir und gab mir ein Zeichen Ihm zu folgen.

Ich ritt langsam hinter Liam her und nach ein paar Minuten erreichten wir das große Herrenhaus. Während ich so hinter meinem Assassinen Kollegen hinter her trottete, versuchte ich mir eine Strategie auszudenken. Leider waren wir viel zu schnell da und ich stieg von Banfhlath ab. Vor dem Haus hatten sich einige Leute versammelt und schienen mich genaustens zu mustern. Die erste war eine Frau in einem violetten Kleid, der nächste kleidete sich in Felle und Leder und sah irgendwie exotisch aus und der dritte im Bunde hatte als einziger einen Ornat an.

Liam ging zu den Assassinen hin und stellte mich vor. „Meister Achilles, diese Dame hier heißt Faith und ist von der englischen Bruderschaft. Sie hat eine Nachricht für Euch". Der Großmeister schaute mich an und schien mich abzuschätzen. Ich schluckte und merkte wie trocken meine Kehle war. Nach einer kleinen Ewigkeit antwortete er endlich. „Willkommen Schwester, in Davenport. Darf ich mich vorstellen. Mein Name ist Achilles Davenport und ich würde Euch gerne unsere Gastfreundschaft anbieten. Wir können dann über Euer Anliegen morgen sprechen, wenn es Euch nichts ausmacht." „Oh das ist kein Problem, so sehr drängt es nicht.", stotterte ich leicht nervös. Der Meister gab mir ein kurzes lächeln und ich beruhigte mich ein kleines bisschen. „Nun dann werden wir Euch euer Zimmer zeigen, dann könnt Ihr Euch ein wenig von der Reise ausruhen. Hope würdest du Ihr ein Zimmer im Gästehaus herrichten.", wand er sich an die Frau in violett. Sie nickte Ihm zu und damit war die Vorstellung vorbei. „Faith, würdet Ihr mir dann bitte folgen. Um euer Pferd kümmert sich gleich jemand." sagte Hope zu mir. Ich nickte ihr zu und schon waren wir auf dem Weg zu dem kleineren Gebäude.

Hope und ich traten durch die Eingangstür des Gästehauses und sie führte mich in die erste Etage. Dort blieb sie vor einer Tür stehen. „Das ist Euer Zimmer. Ich hoffe das genügt Euch, es ist leider das einzige welches noch frei ist, da sein voriger Bewohner leider nicht mehr unter uns weilt. Ach ja Euer Gepäck wird gleich hergebracht. Ruht Euch etwas aus, ich werde Euch zum Abendessen holen." sagte Hope mit einer ziemlich arroganten Stimme zu mir. „Ich Danke Euch.", sagte ich trocken zu ihr. Diese Frau war mir irgendwie unsympathisch. Sie wollte das Zimmer gerade verlassen als es einfach aus mir heraus rutschte „Ist Shay auch da oder hat er eine Mission?" Sie drehte sich zu mir um und schaute kurz erstaunt, bevor sie sich wieder im Griff hatte. „Nein er kam von seiner letzten Mission im Herbst nicht wieder. Kanntet Ihr ihn etwa?" „Ja und aus diesem Grund bin ich hier." „Gut, dann fühlt Euch hier wohl, es war sein Zimmer". Mehr sagte sie nicht mehr zu mir und verließ mit schnellen Schritten den Raum.

Nach diesen Worten setzte ich mich auf das Bett und war betrübt. Shay hatte es also nicht wieder zurück geschafft. Mit düsteren Gedanken legte ich mich quer auf das Bett und fing mal wieder an zu grübeln. Ich wurde nach einiger Zeit durch ein Klopfen aus meinen Gedanken gerissen. Ich setzte mich wieder auf und rief der Person an der Tür zu, dass sie doch herein kommen möge. Ich dachte eigentlich es wäre mein Gepäck, deshalb war ich etwas überrascht als Liam in den Raum trat. „Euer Gepäck ist gleich da, Faith. Wollt Ihr vielleicht mit uns ein wenig trainieren?", fragte er mich. Ich lächelte ihn an „Gerne. Ein kleines Training wird mir bestimmt gut tun nach den letzten Monaten". Liam schaute mich an und erwiderte mein lächeln.

Fünf Minuten später folgte ich Liam zum Trainingsplatz. Dort warteten schon ein paar Rekruten auf ihn. „Nun meine Schüler heute üben wir den richtigen Umgang mit den Pistolen.", begrüßte er die Rekruten. „Ihr seht dort dies Strohpuppen, los fangt an einer nach dem anderen und versucht wenigstens halbwegs die Ziele zu treffen.", beendete er seine kleine Ansprache. Liam gab dem ersten Schüler ein Zeichen und dieser begann. Der Rekrut traf alle drei Ziele, der nächste dagegen nur zwei Strohpuppen und so ging es weiter bis nur noch ich übrig war. „Nun Faith, ihr seid an der Reihe.", meinte Liam. „Wollt ihr euch das wirklich antun, Liam?" „Warum? Seid ihr etwa keine gute Schützin?", fragte er mich. „Na ja, ich hab gegen Schusswaffen eine kleine Abneigung und deshalb meine Übungen mit diesen sehr oft vernachlässigt.", versuchte ich mich irgendwie zu drücken. „Nun dann ist dieses Training ja wie gemacht für euch, Faith. Ich verspreche keiner wird lachen." „Na gut. Ihr habt mich überredet, Liam.", gab ich seiner Bitte nach. So stellte ich mich in einigen Abstand zu den Puppen auf und zog meine erste Pistole. Ich zielte auf die erste Puppe und traf diese am Arm. Mit dem zweiten Schuss traf ich das nächste Ziel in den Kopf. Jetzt musste ich meine Pistolen nachladen, dann war das dritte Ziel dran und das erwischte ich im Bauch. „Gar nicht mal so schlecht Faith, nur du brauchst eindeutig zu lange zum Zielen. Mach das ganze nochmal und der Rest geht zu Hope.", forderte Liam die anderen Schüler auf.

Der gute Liam lies mich fast den ganzen Nachmittag mit den Pistolen üben und gab mir dabei immer wieder wertvolle Tipps. Nach einer Weile machte es mir sogar Spaß und so langsam verschwand mein Misstrauen gegen die Schusswaffen. „So ich glaube das Abendessen müsste fertig sein. Wie wäre es wenn wir morgen weiter üben, Faith?" „Aye Liam, essen ist gut. Ich habe einen Riesenhunger. Na los Liam, lasst uns gehen!", rief ich Liam zu während ich den Weg zum Herrenhaus einschlug. Liam folgte mir lachend.

Nach dem Abendessen war ich froh ins Bett zu kommen, dieser Tag war doch ziemlich anstrengend gewesen. Achilles hatte mich beim Essen über die Lage in Europa und England gefragt und was die dortigen Templer so planten. Ich sagt ihm alles was ich wusste und den Rest des Abendessens unterhielt ich mich mit Liam. Er war wirklich nett zu mir und es machte Spaß über seine Witze zu lachen, doch eines störte mich. Hope's giftige Blicke, fast so als wollte sie mich mit ihren Blicken töten. Ein Glück klappte so etwas nicht, sonst wäre ich heute schon mehrfach tot umgefallen. Ich glaube mit dieser Frau würde ich keine Freundschaft schließen. Als wir das Abendessen beendet hatten, begleitete mich Liam noch zu meinen Zimmer und wünschte mir eine gute Nacht, um sich dann selbst schlafen zu legen. Ich legte mich ins Bett und meine Erschöpfung brachte mich kurze Zeit später in Morpheus Arme.