Kapitel 13 - Die ersten Tage in einer neuen Stadt
Der Erste rannte auf mich zu und ich schaffte es im letzten Moment auszuweichen und ihm ein Bein zu stellen. Mein Gegner stolperte und legte sich alle viere von sich gestreckt auf den Boden der Taverne. Doch konnte ich mich über diesen kleinen Triumph nicht lange freuen, Nummer zwei wollte auch noch etwas von mir. Er ging auf mich los, anscheinend im Glauben ich wäre ein leichtes Opfer, doch ich rammte den guten einfach mein Knie in seine Kronjuwelen und er ging stöhnend zu Boden. Nummer eins hatte sich derweil wieder aufgerafft und versuchte mich von hinten zu packen, da traf ihn Alex mit seiner Rechten und er machte wieder Bekanntschaft mit dem Boden. Jetzt waren es Zwei gegen zwei und der Dritte dieser Halunken wollte, wie sollte es auch anders sein, mich attackieren. Doch der gute Alex kam ihm zuvor und sein Faustschlag traf unseren Gegner direkt in den Magen, ich trat den guten in die Kniekehle, so dass er zu Boden fiel und sich krümmte. Da der Anführer jetzt ganz alleine dastand, drehte er sich um und gab Fersengeld, um aus dem Appel Pie zu verschwinden. Seine Kumpane humpelten langsam hinter ihm her. Damit waren diese Halunken erst mal Geschichte und wir hatten hoffentlich für diese Nacht ruhe.
Alex drehte sich zu mir und ich erkannte, dass er einen kleinen Kratzer an der Augenbraue hatte. „Komm setz dich hin, ich sehe mir diese Verletzung an.", meinte ich zu ihm und dirigierte ihn zu den Stühlen am Tresen. „Mach dir keine Umstände Faith, du hast mir schon genug geholfen.", wollte er sich drücken aber ich lies bei einer Verletzung nicht mit mir reden. Ich ging hinter den Tresen und holte eine Flasche Whisky hervor und einen halbwegs sauberen Lappen. Ich schüttete den Alkohol auf den Lappen und drückte diesen einfach auf die Wunde. Das müsste eigentlich reichen, so tief war der Schnitt nicht, dass ich es nähen musste. Alex zog kurz scharf die Luft ein, der Whisky brannte bestimmt und so lächelte ich ihn aufmunternd an, wie ich es bei all meinen Patienten tat.
Nach einer knappen Minute packte ich den Lappen weg und schenkte uns aus der Flasche zwei Gläser ein. „Slàinte mhath!", sagte ich zu ihm und wir prosteten uns zu. Der Whisky brannte in meiner Kehle, aber nach der ganzen Aufregung tat das ganz gut. „Alex euer rechter Haken kann sich wirklich sehen lassen.", meinte ich zu dem Wirt. „Danke Faith. Ihr seid ganz schön flink und habt diese Halunken alt aussehen lassen. Ohne euch hätten sie wieder das Mobiliar zerstört und unsere Wocheneinnahmen als angebliches Schutzgeld genommen. Wegen diesen Halunken ist meine Frau so schlecht gelaunt. Ein Glück hat sie das heute nicht mitbekommen.", erzählte er mir.
Ich trank noch mein Glas aus und Alex verriegelte die Tür, an der Treppe wünschte ich ihm eine gute Nacht und ging in mein Zimmer. Doch an Schlaf war nicht zu denken. Ich wechselte mein Kleid gegen den Ornat und legte mir meine Waffen an. Als das erledigt war öffnete ich das Fenster und kletterte auf das Dach. Mal sehen was die Templer so ausheckten, dachte ich und verschwand in westliche Richtung, zum Hafen.
Über die Dächer New Yorks kam ich schnell voran und nach einer halben Stunde hatte ich einen von diesen Halunken aufgespürt. Ja das war mein größtes Talent. Das beschaffen von Informationen. Darin war ich wahrlich ein Meister, doch das war auch schon das einzige was ich perfekt beherrschte, meine Kampfkünste waren um einiges Verbesserungswürdig und von meinen Kletterkünsten wollte ich gar nicht erst anfangen. Ich meine ich kam ein Haus schon hoch, aber es dauerte seine Zeit und meistens nahm ich den Seilwerfer. Wenn ich dann endlich oben war konnte ich mich relativ gut oben halten, mehr auch nicht.
Ich stand auf einem kleinen Dach eines Lagerhauses, als unter mir einer dieser Gauner entlang spazierte. Diese Chance nutzte ich und lies mich direkt auf meinen Gegner fallen. Durch die Wucht des Aufpralls gingen wir beide zu Boden und ich rollte mich schnell herum und drückte mein Knie auf seine Brust, lies meine versteckten Klingen hervor schnellen und schaute böse unter meiner Kapuze hervor. „Wer ist dein Boss und warum terrorisiert ihr die Bevölkerung New Yorks. Rede elender Templer!", knurrte ich ihn an. Mein Gegner schaute mich verwirrt an „Warum greift ihr mich an? Wir sind doch auf der gleichen Seite und arbeiten beide für die Miss.", entgegnete er mir und jetzt schaute ich skeptisch. Was sollte das heißen auf der gleichen Seite? Das musste ich raus finden. Ich drückte meine Klinge stärker an seinen Hals und mein Gegner bekam langsam Angst, er fing an zu schwitzen und roch ich da etwa Urin? Widerlich! Ich stand schnell von ihm auf und stellte meinen Fuß auf seine Brust, mit meinem Säbel an seinem Hals hielt ich ihn am Boden.
„Los Rede! Ich war eine Weile nicht im Lande also bringe mich doch bitte auf den laufenden Stand.", sagte ich höflich und der Kerl schien meine kleine Lüge auch noch zu glauben. „Wir gehorchen alle der Miss. Sie ist unserer Anführer und hat uns erlaubt das zu machen was wir wollen. Kurz Rauben, Morden, Schutzgeld, das übliche halt. Die Miss meint das wir so die Bevölkerung besser kontrollieren können und sie hat recht. Die Menschen hier sind wie Vieh, welches zur Schlachtbank geführt wird. Haben viel zu viel Angst sich gegen uns zu wehren. Unsere Bosse freut das natürlich riesig, scheffeln ne menge Geld und so und wir kriegen auch alle nen saftigen Lohn. Alles dank der Miss.", sprudelte es aus ihm raus. „Und was ist mit der sogenannten Freiheit?", fragte ich ihm weiter. „Das ist doch nur was für Träumer, meint die Miss. Sie hat andere Ziele, aber welche weiß ich nicht." „Wo finde ich eure Bosse?", fragte ich ihn weiter und bekam immer mehr ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. „Sie haben New York unter sich aufgeteilt, in sechs Bezirke. Dort befindet sich auch ihr Hauptquartier. Bitte lasst mich jetzt gehen. Ich habe euch alles erzählt und ihr seid doch einer von uns oder etwa nicht?" Ich gab den Kerl keine Antwort und stach einfach zu, kniete mich neben ihn und schloss seine Augen „Requiescat in pace. Danke für die Informationen.", murmelte ich zu seinem toten Körper und stand auf. Mit meinem Seilwerfer war ich wieder ganz schnell auf einem der Dächer.
Was hatte das alles zu bedeuten? Sollten die Assassinen für diese Ungerechtigkeit verantwortlich sein und die Bevölkerung für ihre Zwecke missbrauchen. Das wollte ich nicht glauben, solche Aktionen würden das Wohl von unschuldigen gefährden und das würde gegen unser Credo verstoßen, halte deine Klinge fern vom Fleisch Unschuldiger. Dieser Typ musste sich geirrt haben und meinte bestimmt die Templer. Kein Assassine würde das tun, ganz sicher. Obwohl die hiesige Bruderschaft störte es nicht was in Lissabon geschehen war. Argh! Das war zu verwirrend und so beschloss ich zum Appel Pie zurück zu kehren, um dort in Ruhe über alles nachzudenken.
Ich drehte mich in östliche Richtung und lief los. Es waren vielleicht noch hundert Meter als plötzlich die Wolkendecke aufbrach und es wie aus Eimern zu schütten begann. Na toll. Das hatte mir gerade noch gefehlt und so kam ich total durchweicht in meinem Zimmer an, durch den Regen war auch noch mein Bett, welches zum Teil unter dem offenen Fenster stand, nass geworden. Für den nächsten Ausflug musste ich mir unbedingt vornehmen das Fenster zu schließen. Ich zog meinen Ornat aus und schmiss ihn auf den Boden, nahm mir meine Decke und legte mich auf das kleine trockene Plätzchen in meinem Bett und versuchte irgendwie einzuschlafen. Das Leben konnte ja nur noch besser werden und nach einer gefühlten Ewigkeit war ich in Morpheus Armen.
Seit diesem Erlebnis waren zwei Wochen vergangen und so langsam konnte ich als Heilerin arbeiten. Es reichte zwar nicht zum Leben, aber immerhin konnte ich den Menschen helfen und abends arbeitete ich weiter als Schankmaid. Diese Halunken waren zum Glück nicht wieder im Appel Pie aufgetaucht und so war Margery schon viel entspannter und eigentlich ganz nett, vor allem nachdem ich ihr gesagt hatte, dass ich keine Sassenach war.
Da heute ein schöner Tag im Mai war, hatte ich beschlossen ein paar Leuten in Not zu helfen. Ich meine ich ging jeden Tag in die Stadt und bat meine Heilkünste an, aber bei einem so schönen Tag machte das Arbeiten gleich mehr Spaß als bei Regen. Heute handelte es sich um einen kleinen Jungen, welcher sich das Bein vor drei Wochen gebrochen hatte. Als ich die Familie vor einer Woche das erste Mal besucht hatte, musste ich das Bein nochmals brechen, es wäre sonst schief zusammengewachsen und der Junge hätte sein Leben lang Probleme damit gehabt. Nachdem ich das Bein gerichtet hatte, verschiente ich es und machte straffe Verbände um das Bein, damit nichts verrutschen konnte. Mit der strickten Anweisung sein Bein nicht zu belasten, hatte ich die Familie verlassen und jetzt wollte ich nochmals nach dem kleinen Rabauken sehen.
Die Familie des kleinen wohnte in dem Stadtteil Greenwich und so hatte ich einen Fußweg von ungefähr einer halben Stunde. Als ich gerade Greenwich betrat, fielen mir ein paar Schurken auf, welche eine ältere Dame belästigten. Wie konnten diese Kerle nur! Ich ging auf die Kerle zu, hob noch schnell einen Stein von der Straße auf und warf einfach auf einen von diesen Kerlen. Wie durch ein Wunder traf ich einen von ihnen und dieser drehte sich zu mir um. „Was fällt dir elendes Weibsbild ein mich mit einem Stein zu bewerfen?", fragte er mich noch doof. „Lasst die Frau in Ruhe, sie hat euch nichts getan!", sagte ich zornig und zog mein Schwert, welches ich zum Glück dabei hatte. „Oh die Kleine will spielen, na los komm doch!", rief einer der Kerle mir zu. Den Gefallen tat ich ihm gern und mit ein paar schritten war ich vor den Halunken. Dieser hatte ebenfalls seinen Degen gezogen und ging damit auf mich los. Ich parierte seinen Schlag und versuchte ihm seine Waffe aus der Hand zu drehen, aber der Kerl durchschaute meinen Plan und wich einen Schritt zurück. Zum Glück übersah mein Gegner den Pferdehaufen hinter ihm und rutsche darin aus. Er stürzte zu Boden und landete mit seinem Hintern genau im Mist. Damit war der Erste außer Gefecht und nun folgte Nummer Zwei, welcher mich mit großen Augen ansah. „Bitte Miss, Gnade. Es tut uns Leid.", rief er noch und war dann ganz schnell verschwunden. Was war denn mit dem los?, fragte ich mich und ging mit zügigen Schritten zu der älteren Dame. „Geht es ihnen halbwegs gut?", fragte ich sie und sie nickte mir zu. „Danke junge Dame. Das war sehr mutig von ihnen", sagte sie freundlich und versuchte wieder aufzustehen. Ich griff ihren Arm und half ihr dabei. „Soll ich sie vielleicht nach Hause begleiten und mir dort mal ihren Fuß anschauen", fragte ich sie. „Nur keine Umstände. Ich wohne nicht weit weg. Das schaffe ich schon allein.", versuchte sie sich raus zureden und wollte den ersten Schritt tun, doch sie knickte mit dem Fuß weg. Schnell hielt ich sie fest und stützte sie.
„Ich helfe ihnen, stützen sie sich auf mich. Wo gehts zu ihnen nach Hause? Keine Widerworte!", beharrte ich auf meine Meinung und zusammen humpelten wir zu ihrem Haus. Die Dame hatte recht, es war nur zwei Straßen entfernt, aber ohne meine Hilfe hätte sie mindestens eine Stunde gebraucht. Ich klopfte an die Tür und hoffte das jemand sie schnell öffnen würde, die Dame wurde langsam schwer und meine Kräfte ließen langsam nach. Keine Minute war vergangen, da öffnete mir ein älterer Herr die Tür. „Cassidy?", fragte er überrascht und lies uns ins Haus. Er half mir seine Frau auf das Sofa zu setzen. „Könnten sie mir bitte eine Schüssel mit kaltem Wasser und ein sauberes Tuch bringen?", fragte ich ihn höflich. „Natürlich. Aber Liebes was ist passiert?", fragte er seine Frau. „Ach Barry, diese Schurken haben mich bedrängt und da bin ich umgeknickt. Zum Glück hat diese junge Dame hier, mir gegen die Verbrecher geholfen. Sie hat ganz alleine diese Kerle vertrieben. Nun mach was sie gesagt hat.", sagte sie zu ihrem Mann gebieterisch.
Nach fünf Minuten stellte Barry die Schüssel mit kaltem Wasser neben mich und legte die Tücher neben jene. Ich untersuchte Cassidy's Knöchel. Dieser war ganz schön geschwollen, aber zum Glück schien nichts gebrochen zu sein. Ich nahm eines der Tücher und legte es in die Schüssel mit Wasser. Ich wartete einen Moment, bis sich das Tuch vollgesogen hatte, dann drückte ich es aus und legte es über Cassidy's Fuß. Das kühlen würde helfen und in ein paar Tagen konnte sie wieder richtig laufen. „Ihr müsst den Fuß noch eine Weile kühlen und ihn dann schonen!", ermahnte ich meine Patientin. „Das geht nicht, Miss. Ich muss mich um einen verletzten jungen Mann kümmern. Er ist vor zwei Wochen erst wieder aufgewacht. Ich kann jetzt nicht einfach krank machen.", sagte sie mir. „Das geht nicht, aber bestimmt hilft ihr Mann ihnen, oder?", fragte ich zurück und blickte dabei zu Barry. Dieser nickte nur. „Wenn sie möchten, kann ich mich um ihren Patienten solange kümmern, bis es ihnen wieder besser geht.", schlug ich ihr vor. „Aber sie haben doch schon so viel für uns getan.", erhob sie ihre Einwände. Ich setzte meinen strengsten Heilerblick auf und nach kurzer Zeit ergab sich die gute Cassidy.
Nachdem ich Cassidy komplett versorgt hatte und sie auf dem Sofa im Wohnzimmer mit ihrer Strickarbeit zurück gelassen hatte, führte mich ihr Mann zum Zimmer ihres Hauspatienten. „Ich weiß nicht ob er wach ist, klopfen sie mal. Ich warte dann unten und wenn sie was benötigen, rufen sie einfach", sagte er mir und verschwand die Treppe runter. Ich klopfte an die Tür und als nach einer Weile keine Antwort kam, öffnete ich sie. Mein Blick huschte durch das Zimmer und ich hatte Probleme etwas zu erkennen. Ich ging hinein und zog als erstes die Vorhänge auf. So jetzt war wenigstens Licht in dem Raum. Ich drehte mich zum Bett und schaute in dunkle Augen.
