Kapitel 15 - Ich finde dich Shay Patrick Cormac

Nach fünf Minuten des Suchens wusste ich nicht mehr wirklich wo ich war. Na toll jetzt hatte ich mich wegen diesem Kerl auch noch verirrt. Was dachte Shay sich bloß dabei, er war noch lange nicht gesund genug um diese Halunken zu jagen. Männer! Nach einer weiteren viertel Stunde des vergeblichen Suchens, stieg ich von meinem Pferd ab. So würde ich Shay nie finden, ich musste auf ein höheres Terrain, dort hatte ich eindeutig einen besseren Überblick. Doch zu meinem Pech, hatte ich heute mein Kleid angezogen und dieses war für eine Kletterpartie nicht ausgelegt. Das gute Stück war ein wenig zu lang und mein Ornat lag mit meinen Pistolen und den versteckten Klingen im Appel Pie. Ich hatte nur meinen Säbel mit, welcher gut versteckt am Sattel von Banfhlath steckte. Ich konnte ja nicht ahnen das der Herr einen auf großen Helden machte. Bevor ich noch ganz wuschig im Kopf wurde, kam mir eine Idee. Bei meinem Kleid störte nur die Länge ein wenig und so nahm ich meinen Säbel und schnitt in Höhe der Knie den Rock ab. Jetzt hatte ich endlich etwas Beinfreiheit, auch wenn einige der Leute mich geschockt anstarrten. Mein arisaid band ich mir als eine Art Gürtel, um meinen Säbel besser zu verstauen.

Nun musste ich nur noch Banfhlath in sichere Obhut geben, aber eine Lösung war schnell gefunden. Ich warf einen Jungen einfach ein 50 Pence Stück zu. „Bringst du mein Pferd zur Taverne Appel Pie?", fragte ich den kleinen Herren. „Kein Problem, Miss.", antwortete er mir und nahm die Zügel von Banfhlath und weg war er. So jetzt würde ich diesen verrückten Assassinen finden, ich lief in eine kleine Gasse und kletterte mühsam eine der Hauswände hoch. Warum musste ich ausgerechnet heute meinen Seilwerfer zu Hause lassen. Nach drei Minuten hatte ich es endlich auf das Hausdach geschafft. Ich blickte mich um, doch Shay konnte ich nicht entdecken. Das einzige was ich sah, war schwarzer Rauch, welcher von einer Ansammlung Häuser aufstieg.

Ohne mir dabei etwas zu denken, lief ich genau in die Richtung des Rauches. Mein Bauchgefühl sagte mir, das ich dort mein Zielobjekt finden würde. Ein paar Minuten später war ich bei den Häusern und diese entpuppten sich als eine kleine Festung. Konnte das etwa eines dieser Hauptquartiere sein, von denen damals mein „Informant" gesprochen hatte. Ich schaute mir die Gebäude aus der Ferne an und entdeckte auf den Dächern drei Scharfschützen, welche dort oben ihre Runden liefen. Auf der Erde sah es nicht besser aus, unten standen mindestens zehn Wachen und weitere waren bestimmt über das gesamte Gelände verteilt. Nun dann würde ich mit den Schützen anfangen und danach schauen was meine nächsten Schritte waren. Jetzt konnte ich endlich den Menschen in diesem Stadtviertel helfen und so machte ich mich ans Werk.

Ich lief langsam über ein relativ breites Seil, welches zwischen den Häusern angebracht war, um auf die andere Seite zu kommen. Leise schlich ich vorwärts über das Dach und zu meinem Glück stand Schütze Nummer eins genau mit seinem Rücken zu mir, ich konnte ihn meinen Säbel in die Nieren stoßen. Er ging auf die Knie und ich durchtrennte seine Kehle. Nummer eins erledigt, fehlten noch zwei weitere. Bevor ich aber zum nächsten schlich, kniete ich mich neben mein letztes Opfer und schloss seine Augen. „Requiescat in pace.", murmelte ich und huschte zum nächsten Dach. Wie bei dem ersten Schützen, stand der zweite wieder mit dem Rücken zu mir und so gab ich dem Herren einen kleinen Schubs und er flog vom Dach, in mehrere Meter Tiefe. Ich hörte einen dumpfen Aufschlag und als ich über die Dachkante spähte, lag die Wache mit verdrehten Gliedmaßen auf den Pflastersteinen. So wie sein Kopf zerschmettert war, starb der Schütze wenigstens schnell und musste nicht noch langen leiden.

Ich wand mich von dem Anblick der Leiche ab und lief zur anderen Seite des Daches. Von dort sprang ich auf einen kleinen Vorsprung, um so zum nächsten Hausdach zu gelangen. Ich zog mich an der Kante hoch und versuchte den letzten Schützen zu erspähen. Dieser stand auf der anderen Seite und würde sich bestimmt gleich umdrehen. Ich zog mich schnell auf das Dach und rannte auf ihn zu. Die Wache drehte sich um und schaute mich ganz perplex an, doch da war ich schon bei ihm und rammte ihn meinen Säbel in den Bauch. Er ging auf die Knie und viel zur Seite. Ich schloss die Augen und murmelte die Worte „Requie..." als ich plötzlich einen Aufruhr von unten hörte. Hatten die anderen Wachen mich entdeckt? Das konnte doch nicht sein! Ich war ganz vorsichtig vorgegangen. Ich stand auf und ging geduckt zur nächsten Dachkante. Ich schaute nach unten und Erleichterung durchströmte mich. Sie hatten mich nicht entdeckt sondern jemand anderen. Unter mir kämpfte ein Mann und dieser kam mir seltsam bekannt vor. Mein Gefühl hatte mich also nicht getrübt und endlich hatte ich meinen verschollenen Patienten gefunden.

Ich stand auf und lief zu meinem letzten Opfer zurück, nahm seine Muskete und lief wieder zurück zum Ort des geschehen. Ich stellte mich an die Kante und zielte mit der Muskete auf einen der Wächter. Als erstes musste ich Shay helfen, bevor ich ihm die Leviten lesen konnte. Der Gute musste sich mit fünf Wachen gleichzeitig herumschlagen, also konnte er etwas Hilfe von oben gut gebrauchen. Als ich mir sicher war zu treffen, feuerte ich die Muskete ab und traf die Wache an der Schulter. Zwar nicht ganz so wie ich es geplant hatte, aber diese Ablenkung nutze Shay um ihn zu seinem Schöpfer zu schicken.

Da ich nun mein Pulver verschossen hatte, konnte ich ruhig direkt in den Kampf eingreifen. Shay wollte sich gerade seinen letzten Gegner widmen, als ich diesen armen Kerl mit einem Luftattentat über den Jordan schickte. „Das war meiner, Prinzessin!", meckerte mich Shay als Begrüßung voll. „Ich wollte nur helfen, außerdem habe ich dich gesucht, mo chride.", antwortete ich ihm leicht schnippisch. „Und nichts zu danken wegen den Scharfschützen, die habe ich schon erledigt.", ergänzte ich noch meine Erläuterungen. „Ähm, danke Prinzessin, doch es fehlt immer noch einer und zwar der Anführer dieser Bande. Wir müssen ihn so schnell wie möglich finden.", meinte Shay. „Dann nutze doch deinen Adlerblick, mo chride." „Gute Idee", sagte er noch und dann war sein Blick irgendwie in die Ferne gerichtet. Echt so was war wirklich unheimlich, dass manche Leute so was konnten. „Ich habe ihn gefunden, klettere du voraus Prinzessin.",gab mir Shay den Befehl. „Ich übernehme lieber die Rückendeckung und du gehst voran", erwiderte ich ihm. „Warum?", fragte er zurück und schien mich erst jetzt richtig wahrzunehmen. „Interessante Kleidung Faith. Bei welchem Schneider gibt es diese Mode?", wollte er wissen und schien alles andere als begeistert mich so zu sehen. „Das ist deine verdammte Schuld, Shay Cormac. Du musstest hier ja unbedingt einen auf Held machen, anstatt schön brav im Bett zu liegen. Sind deine Wunden schon richtig verheilt, nein sind sie nicht. Und jetzt hör gefälligst auf mich so anzugrinsen, du Schuft.", redete ich mich in Rage und ich hätte bestimmt noch weiter rumgezetert, wenn uns nicht eine Stimme unterbrochen hätte.

Na wen haben wir denn da? Ist der falsche Ort für dich Freundchen. Nimm deine kleine Hure und verschwinde, bevor ich es mir anders überlege.", sprach uns ein Kerl von der Seite an. Shay zog sein Schwert und seinen Dolch und ich machte mich ebenfalls Kampfbereit. „Jetzt müssen wir den Anführer nicht mehr suchen. Das ist der Kerl, Prinzessin. Wenn wir den ausschalten, haben die Bürger von Greenwich wieder ein besseres Leben.", flüsterte Shay mir zu. „Wie schön, dann lass ich meine Wut eben an diesen Kerl aus.", sagte ich etwas lauter und ging auf meinen Gegner zu. „Und mo chride, mit dir bin ich noch nicht fertig.", sagte ich in Shay's Richtung und blockte schon den ersten Angriff des Anführers. „Sieh an, das Weibsbild will also kämpfen, na dann los.", lud mein Gegner mich förmlich ein ihm eine Abreibung zu verpassen. Auch wenn ich es eigentlich hasste zu kämpfen, doch heute war ich so geladen, dass ich richtig Lust dazu hatte.

Mein Gegenüber holte erneut zu einem Schlag mit dem Säbel aus, doch ich wich mit einer Drehung geschickt aus und startete nun selbst einen Angriff. Hinter mir hörte ich weiteren Kampflärm, also konnte Shay sich noch ein wenig austoben. Ich versuchte meinen Gegner an der linken Seite zu treffen, doch er parierte meinen Schlag und ich duckte mich um seinen Konterschlag auszuweichen, ich trat ihn mit meinem rechten Bein gegen sein linkes Schienbein. Der Anführer geriet leicht ins straucheln, so nutzte ich meine Chance und erwischte ihn mit meinem Säbel am Arm. Er schrie kurz vor Schmerz auf. „Du dreckiges kleines Miststück! Stirb Schlampe!", beschimpfte er mich jetzt und wurde immer wütender.

Mein Gegner rannte jetzt auf mich zu, ich ging einfach einen Schritt zur Seite und stellte ihm ein Bein. In seiner Rage merkte er dies nicht und flog ziemlich unelegant auf den staubigen Boden. Bevor er sich wieder aufraffen konnte stellte ich einen Fuß auf seinen Rücken und drückte meinen Säbel in seine Schulterblätter. „Gnade, Miss. Ich hatte es nicht so gemeint", bettelte er mich an. Ich nahm meinen Säbel weg und stellte meinen Fuß wieder auf den Boden. Der Anführer erhob sich „Danke Miss. Ihr seid zu gütig.", murmelte er. Ich wollte gerade etwas erwidern als ein Schuss viel und mein Gegner mit einem Loch in der Brust zu Boden sank. Er starrte mich noch einen kurzen Augenblick an und dann war es vorbei. Der Anführer von den Banditen in Greenwich war Tod. „Sag mal spinnst du?", fauchte ich den Schützen an. „Du darfst nicht so nachsichtig sein. Er hätte mit dir keine Gnade gehabt, Prinzessin. Und wisch dir das Blut aus dem Gesicht", antwortete Shay mir ruhig. Ich kramte in meiner Rocktasche, doch ich hatte leider kein Taschentuch dabei. Shay hielt mir seines hin. „Danke", nuschelte ich und versuchte mir das Blut abzuwischen.

Als ich wieder halbwegs vorzeigbar war, kniete ich mich neben den Toten und schloss seine noch geöffneten Augen. „Requiem aeternam dona ei, et lux perpetua luceat ei.", sagte ich leise und stand kurz darauf auf. Shay schaute mich etwas komisch an. „Was ist los mo chride?", wollte ich von ihm wissen. „Wieso hast du das gemacht, Prinzessin?", fragte er mich leicht neugierig. „Mein Mentor brachte mir bei, die Toten zu respektieren und das mache ich bis heute. Ist zwar ein verdammt alter Brauch, aber ich habe es mir angewöhnt. Stört es dich etwa?", stellte ich ihm eine Gegenfrage. „Es ist nur seltsam. Als ich in die Bruderschaft eintrat wurde mir so etwas nicht gelehrt.", antwortete Shay mir. „Ist bestimmt überall anders. Aber sollten wir vielleicht die Flagge von diesen Gaunern kappen, dann wissen die Bürger, dass sie jetzt in Ruhe leben können.", schlug ich meinen Partner vor.

Shay schien meinen Vorschlag zu akzeptieren und ich wartete brav auf ihn, während er die Flagge dieser Gauner kappte. Als er wieder neben mir landete, gingen wir gemeinsam zu den kleinen Hauptplatz des "Fort" und Shay warf die Flagge einfach in die Feuerschale. Von dieser kam also der schwarze Rauch. „Was starrst du mich so an,Prinzessin?", wollte Shay von mir wissen. „Du siehst nur so anders aus, aber diese Sachen stehen dir mo chride. ", antwortete ich ihm und lief eine kleine Runde um Shay herum. Seine Kleidung bestand aus einem schwarzen langen Ledermantel, welcher an den Schultern rote Verzierungen besaß und unter dem Mantel trug er eine gelbe Weste, darunter ein weißes Hemd. Seine Hose war schwarz und die Stiefel ebenfalls. Shay hatte seine dunkelbraunen Haare zu einem Zopf gebunden und sein Bart war komplett verschwunden.

Ich wusste das du ohne den Bart besser aussiehst.", murmelte ich mehr zu mir selbst, aber Shay hatte es trotzdem gehört. „Mir wurde von einer jungen Dame der Tipp gegeben, das mir ein Bart nicht stehen würde und so wollte ich es einfach mal testen.", sagte er zu mir und ich merkte wie ich langsam rot wurde.

Währenddessen wand Shay sich von mir ab und beugte sich über eine der Leichen. Er hob anscheinend was von dieser auf und murmelte dabei etwas in seinen nichtvorhanden Bart. „Was sagst du mo chride?", wollte ich wissen, denn meine Neugier siegte mal wieder. „Nichts", bekam ich als Antwort von ihm. „Na auch egal. Wollen wir uns dann deiner Verletzung widmen?", fragte ich ihn weiter. „Woher...?", doch weiter kam Shay nicht, wir bemerkten beide eine Bewegung aus dem Augenwinkel. Ich drehte mich um und vor uns beiden stand ein älterer Herr. Wer mochte das bloß sein und viel wichtiger. Was wollte er von uns?