Kapitel 16 - Der Colonel

Shay wollte schon seine Pistole ziehen, doch der Mann machte eine friedliche Geste und Shay wartete erst einmal ab. Ich trat langsam näher zu Shay und musterte diesen Herren aufmerksam. Der Fremde hatte einen Dreispitz auf, sah nach guter Qualität aus, darunter trug er eine dieser weißen Perücken. Sein Mantel war Schwarz und mit goldenen Stickereien verziert. Die Hose war dunkelrot und unter seinem Mantel trug er eine weißes Hemd, welches nach neuester Mode mit großen Rüschen ausgestattet war, darüber hatte er noch eine gold- gelbe Weste an. Die Stiefel waren aus einfachen schwarzen Leder. Um seine Hüfte trug der Fremde ein Schwert und eine Schärpe mit einem mir bekannten Zeichen darauf. Kurz huschte mein Blick zu seiner rechten Hand, ich wollte nur meine Vermutung bestätigen und tatsächlich sah ich einen mir bekannten Ring mit dem Tatzenkreuz darauf. Also war dieser Herr vor uns, vom Orden der Templer. Ich hatte ihn auch schon mal irgendwo gesehen, doch es viel mir einfach nicht mehr ein wo das war.

Nur was wollte er von uns beiden, obwohl er wollte bestimmt mit Shay reden und ich war zufällig anwesend. Ich trat einen kleinen Schritt zurück und wollte warten was als nächstes kam.* „Keine Angst ich bin ein Freund. Die Finnegans hatten sich Sogen um euch gemacht und mich gebeten nach Ihnen zu sehen, Master Cormac.",erklärte er uns. „Aber wie ich sehe hatten sie eine gute Hilfe.", wand der Fremde sich jetzt an mich. „Ich bin Colonel Monro.", stellte er sich uns endlich vor. „Colonel", antwortete ihm Shay kurz. Mein Partner versuchte sich ein Urteil über den Colonel zu bilden und bestimmt konnte er sich denken, wer genau vor uns stand.

Ich kam um zu helfen, aber wie ich sehe zu spät. Danke für eure Hilfe mit diesem Gesindel. Eine Seuche von New York.", gab der Colonel seine Absicht kund. Doch Shay reichte diese Aussage nicht wirklich und ich spürte wie er leicht wütend wurde. „Was schert es Euch? Ihr Rotröcke seid doch nichts anderes als Gutsherren. Das Stadtvolk hier muss hart schuften um einigermaßen zu überleben.",gab Shay ihm Kontra. „Eure Meinung kann ich Euch nicht übel nehmen. Einige meiner Stammesgenossen waren wenig hilfreich. Aber ich folge einem anderen Plan.",sagte er und ich schaute ihn skeptisch an. Seine Aussage war sehr zweideutig. Bezog er sie nun auf die Rotröcke oder auf seine Ordensbrüder. Ich schaute zu Shay, doch dieser redete schon wieder mit dem Colonel. „Und der da wäre?", wollte er jetzt weiter von seinem Gegenüber wissen. „Mich kümmern. Ich wünsche, dass die Kolonisten sicher und erfolgreich sind.", sprach der Colonel weiter „Noble Worte", antwortete Shay ihm wieder sehr einsilbig. „Vielleicht können ja Taten überzeugen, Master Cormac. Eure Begleitung kann gerne mitkommen", meinte er und lief in östliche Richtung.

Shay und ich schauten uns an. Wir konnten ja mal schauen was uns der Templer zeigen wollte und so folgten wir ihm. Auf dem Weg unterhielten sich die beiden Herren und ich hörte einfach zu. Der Colonel verglich Shay mit dem ältesten Sohn der Finnegans und das sie beide eine Gemeinsamkeit hatten. Fürsorge. Der Sohn der Finnegans wollte genau so wie der Colonel eine bessere Wellt erschaffen. Bei diesem Kommentar gab ich ein schnauben von mir. Das kannte ich aber ganz anders. Und das sagte ich auch den beiden „Ihr nutzt die Menschen doch nur aus, unterdrückt die armen und schwachen, schränkt die Menschen immer mehr in ihrer Freiheit ein." Das brachte mir vom Colonel einen sehr skeptischen Blick und ich war sicher das er mich von diesem Augenblick an nicht mehr mochte. „Wir wollen den Menschen in den Kolonien helfen, wie schon gesagt ich werde Euch zeigen, womit wir den Kolonisten helfen, Miss.", damit hatte er mir alles gesagt und er wand sich wieder Shay zu.

Ich lies mich ein kleines Stück zurückfallen und beobachtete die beiden Herren vor mir genau. Was wollte der Templer von einem Assassinen? Shay war ein ehemaliger Assassine, seine Bruderschaft hielt ihn ja für Tod. Also was? Und dann kam mir die Erkenntnis. Ein ehemaliger Assassine wäre perfekt für die Templer um ihre Ziele umzusetzen. Doch wollte Shay wirklich zu unseren Feinden wechseln? Das konnte ich nicht so recht glauben, obwohl hier in den Kolonien drehten sich die Uhren anders. Die hiesigen Assassinen unterdrückten das Volk wo sie nur konnten und das alles im Namen der Freiheit. Nur warum machten sie so was? Welche Ziele verfolgten die Assassinen hier in den Kolonien?

In meine Gedanken versunken, merkte ich nicht, dass die beiden Herren angehalten hatten und so lief ich prompt in Shay rein. Das brachte mich schlagartig in die Realität zurück und Shay schaute mich dazu noch mit einem bösen Blick an. Ich lächelte ihn entschuldigend an und versuchte meine Aufmerksamkeit auf das Gespräch der beiden Herren zu lenken. Doch so richtig klappte es nicht. Ich hörte nur etwas von Stadterneuerung und das die Templer dies in New York vorhatten. Moment mal. Schlagartig war ich wieder bei der Sache. "Ihr wollt den Leuten hier wirklich helfen?", fragte ich den Colonel einfach. Er schaute von Shay zu mir und bejahte meine Frage. "Verrückte Welt", murmelte ich nur und behelligte die beiden nicht weiter.

Nachdem die beiden Herren anscheinend alles besprochen hatten, kam Shay zu mir. Ich hatte mir in der Zwischenzeit ein schattiges Plätzchen gesucht und die beiden einfach beobachtet. "Und alles besprochen?", fragte ich ihn leicht zickig. "Ja", kam eine knappe Antwort von Shay und er wollte anscheinend wieder zu den Finnegans, doch ich hielt ihn auf. „Shay deine Verletzung. Komm ich werde sie behandeln.", sagte ich jetzt etwas ruhiger. Er blieb stehen und drehte sich zu mir um. „Meine Tasche ist bei mir zu Hause, mo chride.", meinte ich bloß und ging in die andere Richtung.

Keine Minute später liefen wir zusammen zum Appel Pie. „Faith", begann er nach einer Weile das Gespräch erneut. „Mhm" „Diese Chance könnte ein Neuanfang für mich sein. Ich muss die Assassinen aufhalten und wenn ich den Menschen mit solchen Projekten helfen kann, dann werde ich es tun. Ich muss meine Schuld begleichen. Die Vergangenheit kann ich nicht mehr ändern, aber die Zukunft schon und vielleicht kann ich diesmal das richtige tun.", erklärte Shay mir seine Entscheidung. „Und den Templern helfen?", fragte ich skeptisch nach. „Sie scheinen gutes für die Bürger der Kolonien zu wollen." „Also da wo ich herkomme bestimmt nicht. Dort geht es ihnen nur um ihr eigens Wohl.", vertrat ich meine Meinung. „Wie wäre es wenn du den hiesigen Templern eine Chance gibst. Mit ihrer Hilfe könntest du deinen Auftrag ausführen. Du kannst nicht alleine kämpfen, Faith. Lass mich dir helfen und zusammen werden wir nicht nochmal so eine Katastrophe wie in Lissabon geschehen lassen". Ich drehte mich zu ihm um und sah in seine Augen. Aus diesen sprach die Wahrheit. „Aber was sagen die anderen Templer dazu, wenn dir eine Assassine hilft. Zu diesem Verein werde ich nicht wechseln. Merk dir das Shay Patrick Cormac.", gab ich ihm meine Zustimmung. „Das lass mal meine Sorge sein, Prinzessin. Außerdem brauchst du dringend Training.", sagte er jetzt grinsend zu mir.

Ich bog um die nächste Ecke und stand vor dem Tor, welches zum Grundstück der Grants führte. „Wow, ein Haus mit Garten und eigenem Stall. Wo hast du das denn her?", fragte mich Shay, während wir durch das Tor schritten. „Das gehört den Grants. Sie besitzen eine Taverne und ich helfe als Bedienung abends aus. Dafür lassen sich mich hier wohnen.", erzählte ich ihm und lief in Richtung des Stalls. Ich öffnete die Stalltür und da kam mir schon meine Gefährtin entgegen. Der kleine Junge hatte sie einfach in den Stall gestellt und bestimmt keinen Bescheid gesagt. Gut dann würde ich noch schnell Banfhlath absatteln und mich anschließend um Shay kümmern.

Ich nahm die Zügel meines Pferdes, doch diese wollte lieber Shay beschnuppern als in ihre Box zu gehen. „Na mo álainn.", redete Shay meine Gefährtin an. Ich versuchte Banfhlath in ihre Box zu bekommen, doch sie wollte einfach nicht. „Schön! Dann stell du sie in ihre Box. Scheint ja einen Narren an dir gefressen zu haben, die Gute!", meinte ich beleidigt und gab Shay einfach die Zügel. Dieser führte Banfhlath ohne Probleme in die Box. „Soll ich?", fragte mich Shay und deutete auf den Sattel. „Tu dir keinen Zwang an.", meinte ich nur zu ihm. „Bist du etwa eifersüchtig auf mich, weil dein Pferd mich mag", fragte er mich grinsend. „Nö!", antwortete ich leicht eingeschnappt. „Wusste doch das du ein Frauenschwarm bist, also ...", weiter kam ich nicht, Shay brach in schallendes Gelächter aus und ich stimmte mit ein.

Als wir uns wieder beruhigt hatten, sattelte ich Banfhlath ab und hing den Sattel über einen Balken. „Wo hast du diesen Sattel her?", fragte mich Shay. „Von der hiesigen Bruderschaft geliehen, warum?" „Der gehört Liam.", meinte er nur und verließ fast fluchtartig den Stall. Memo an mich, Liam in Shay's Gegenwart nicht erwähnen. Ich gab Banfhlath noch Heu in die Raufe, ein paar Möhren in die Krippe, schloss die Tür ihrer Box, nahm noch meine Tasche und folgte Shay. Dieser wartete brav draußen auf mich und musste sich den prüfenden Blicken von Margery stellen.

Ich ging an Shay vorbei, griff seine Hand und führte ihn zum Haus. „Hallo Chefin, darf ich dir Shay vorstellen.", meinte ich gut gelaunt und bekam von ihr einen schockierten Blick. „Männerbesuch war aber nicht abgemacht.", sagte sie. Doch bevor ich etwas erwidern konnte, hatte sich Shay aus seiner Starre gelöst. „Guten Abend Ms. Grant. Ich bin erfreut sie kennenzulernen.", sagte er höflich zu ihr. „Spar dir das, Junge. Ich werde dich im Auge behalten und wenn du Faith nur ein Haar krümmst oder schlimmer, sie unsittlich berührst, wirst du mich kennen lernen.",fauchte sie ihn an und ich musste mir das grinsen verkneifen. Doch bevor sie Shay noch etwas antat, wollte ich zumindest seinen Besuch bei mir erklären. „Margery, Shay ist mein Patient. Können wir dann bitte rein?", fragte ich sie höflich. „Na gut. Aber ich werde dich im Auge behalten", knurrte sie in Shay's Richtung.

Immer noch grinsend führte ich meinen Assassinen ins Haus und zu meinem Behandlungszimmer. „Setz dich auf den Stuhl, mo chride.", sagte ich und huschte schnell wieder in die Küche. Dort schnappte ich mir einen Eimer und holte von draußen etwas Wasser. Umständlich! Als ich wieder zurück in der Küche war, kippte ich das Wasser in einen Topf und stellte diesen auf das Feuer. Nach fünf Minuten kochte es und ich füllte das Wasser vorsichtig in eine Schale. Jetzt konnte ich loslegen und damit ging ich wieder in mein Behandlungszimmer zu Shay.

Übersetzung: mo álainn (irisch)- meine Schöne

* und Kursiv - zitiert aus dem Spiel