Warnung: In dieser Story geht es um die Beziehung von Minerva und Hermine, während Hermine noch nach Hogwarts geht.
In den späteren Kapiteln könnte es explizit werden.
Don't like don't read!
Dies ist außerdem meine erste Fanfic.
Ich bin dankbar über jede Kritik und freue mich immer über Eure Ratschläge und Tipps!
Danke an Alle da draußen, die sich die Zeit nehmen um meine kleine Geschichte zu lesen und einen noch größeren Dank an die Menschen, die tatsächlich eine kleine Review oder einen Kommentar geschrieben haben!


Es war acht Uhr morgens am Samstag und Hermine saß an ihrem Schreibtisch und fertigte einige Aufsätze an. Sie hatte zwar erst zwei Tage Schule gehabt, doch sie wollte sich nicht erlauben, dieses Jahr nach hinten geworfen zu werden. Die Nachtschichten, sowie ihre Aufgabe als Vertrauensschüler würden genug Energie verbrauchen und so wollte sie direkt am Anfang des Jahres keine Zeit verlieren. Um gut arbeiten zu können, hatte sie sich bereits um sechs Uhr ein wenig Verpflegung in den Küchen besorgt und war nun eifrig am schreiben. Um etwa acht Uhr dreißig klopfte es drei definierte Male an ihrer Tür.

„Herein" sagte sie neugierig und als die Tür aufschwang, wunderte sie sich plötzlich, wie sie nicht vorher auf die Identität des Klopfers kommen konnte. Niemand anderes als die stellvertretende Schulleiterin selbst würde so scharf und … ja.. definiert klopfen. Hermine hatte das mentale Bild vor Augen, wie die ehrwürdige Frau die Hand ausstreckte, die Ärmel ihrer Robe etwas hochrutschten und die eleganten Handgelenke der Frau die Hand dazu leitete, sich zu einer Faust zu verschließen und drei Mal kurz, bündig und schnell an die schwere Holztür zu klopfen. Die dünnen langen Finger öffneten sich wieder und der Arm wurde, nachdem der allseits bekannte Hut kurz gerichtet wurde, wieder neben den schmalen Körper gesenkt.

Lange Vorstellung - kurzer Sinn, Professor McGonagall trat herein. Im Zuge der Bewegung des Eintretens flogen ihre schweren Roben etwas um ihre Beine, bis sie schließlich in der Mitte des Raumes stehen blieb. Die Tür hatte sich magisch geschlossen.

„Guten Morgen Miss Granger. Wie ich sehe sind Sie schon fleißig am lernen" stellte sie unnötigerweise fest. Innerlich stieß sie sich gegen den Kopf — hatte sie tatsächlich nichts anderes zu sagen?
„Guten Morgen Professor. Ja, ich möchte nicht hinterherhinken" bestätigte Hermine ebenfalls unnötigerweise die Aussage.
„Ich hoffe Sie erinnern sich an unser Gespräch vor ein paar Tagen. Sie sollen sich nicht überanstrengen!" Professor McGonagall hatte all ihren Ernst in diese Aussage gelegt. Hermine musste wissen, dass sie ihre Grenzen nicht überschreiten sollte. Jedenfalls nicht, indem sie sich überarbeitete.
„Natürlich. Ich habe mir ihre Worte zu Herzen genommen." Gab Hermine fast kleinlaut bei. Beide Frauen im Raum wussten, dass es nicht ganz stimmte und Minerva weiterhin drauf aufpassen musste, dass sich die Schülerin nicht völlig übernahm.
Jetzt erst, nach einer kleinen Pause, viel Hermine auf, dass ihre Professorin gerade in ihrem kleinen privaten Zimmer stand. Es ging ihr nicht um die Proklamationen vom Vortag, sondern darum, dass ihr Bett völlig zerwühlt neben ihnen stand und sie noch in ihrem Nachthemd war. Sie hatte sich zwar einen Umhang übergeworfen um in die Küchen zu kommen, doch hatte sie diesen in ihrem Zimmer wieder ausgezogen, da sie es zu der frühen Stunde beim lernen gerne gemütlich hatte. So saß da nun diese halbnackte Schülerin gegenüber ihrer sehr angezogenen Lehrerin und die beiden hätten in diesem Moment nicht unterschiedlicher sein können.
Minerva schien dieser Zustand auch aufzufallen denn sie wurde plötzlich ein klitzekleines, sehr geringes, minimales bisschen rot in den Wangen.

„Miss Granger,… wie unsensibel von mir. Die Hauselfen sagten mir zwar, dass Sie bereits wach sind und lernen, doch ich hätte nicht darauf schließen sollen, dass Sie bereits Besuch empfangen. Ich werde Sie wieder verlassen" sprach die Lehrerin schnell und wandte sich bereits um.

Ohne große Mühe konnte Hermine darauf schließen, dass ihr Kleidungszustand die ältere Frau beschämt hat. Blitzschnell reagierte sie, noch bevor McGonagall die Tür öffnen konnte.
„Quatsch Professor, wenn sie kurz warten werde ich mich frisch machen und ankleiden. Sie können derweil meine Notizen zum Thema Animagi lesen, darum wollte ich Sie eh bitten" bot sie zügig an.

Obwohl Minerva die Lage hier sehr unwohl war, stimmte sie zögerlich zu. Hermine stand von ihrem Schreibtisch auf und räumte kurz ihre anderen Unterlagen zu den zugehörigen Büchern. Danach rollte sie den Pergamentbogen zu den Animagi aus und legte auch ihre Quellen dazu.
„Bitte setzen Sie sich und tun Sie sich keinen zwang an. Verbessern Sie ruhig, wenn etwas falsch oder mißverständlich ist" lächelte Hermine entwaffnend.
Mit einem Accio rief sie ihre Kleidung zu sich und ging damit in das angrenzende kleine Bad.

Obwohl Minerva eine Aufgabe hatte, konnte sie sich nicht davon abhalten, das Zimmer erneut zu mustern. Im Gegensatz zur Nacht in der sie hier war, hatte Hermine sich bereits ein wenig mehr eingerichtet. Minerva schritt durch den Raum um die gerahmten Fotos in den Regalen zu betrachten. Einige davon waren mit Hermines Eltern, ihren Freunden und einige davon sogar mit wichtigen Persönlichkeiten der Zauberer- und der Muggelwelt. So waren unter anderem ein Bild von Hermine mit Emeric Wendel, Bathilda Bagshot und Albus zu sehen. Als sie näher herantrat, sah sie auch noch ein Bild, dass sie sehr verwunderte. Es war ein Bild von Hermine und Minerva selbst. Beide standen lachend in der Bibliothek und hielten Bücher in den Händen. Minerva erinnerte sich daran, wie Irma das Bild letztes Jahr aufnahm, als Minerva Hermine in der Bibliothek überraschte um ihr zu sagen, wie außergewöhnlich gut sie in den Prüfungen abgeschnitten hatte.
Da sie die dusche noch laufen hörte, sah sie sich weiter um. Hermine hatte eine für ihr alter beachtliche Auswahl an qualitativ anspruchsvollen Büchern.
Neben dem Bett entdeckte sie etwas, das wie ein Tagebuch aussah. Sie sah es sich entgegen ihrer Neugier nicht näher an, denn sie respektierte die Privatsphäre der Hexe. Bei dem Gedanken an Privatsphäre, wurde Minerva wieder ins hier und jetzt gebracht und sie setzte sich schnell hin, um die Notizen noch beenden zu können, bevor Hermine kam und misstrauisch wurde, dass sie sie noch nicht fertig gelesen hatte.

Fünf Minuten später öffnete sich sie Tür zum Badezimmer und der Hauptraum wurde mit einem warmen Duft von Vanille geflutet. Nicht nur Minervas Sinne, sondern auch ihr denken waren sofort wie benebelt. Sie drehte sich um, um eine vollständig gekleidete Hermine zu sehen, die jedoch darauf verzichtet hatte ihre Haare zu trocknen und sich zu schminken. Hermine schminkte sich nie übermäßig, doch immer ein wenig.
Nun ging sie auf Minerva zu und beschwor einen Stuhl herauf um sich neben dieser niederzulassen. Ebenso magisch verlängerte sie die Tischplatte des Schreibtisches um mitarbeiten zu können. Sie erwartete ausführliche Kommentare und wohl durchdachte Kritikpunkte.

Auch wenn sie wusste, was Hermine von ihr erwartete, war Minerva für einen kurzen Moment machtlos gegenüber ihrer eigenen Verlangen. Sie sah zu Hermine herüber, die ja nun nah neben ihr und auf Augenhöhe saß und konnte einfach nicht anders, als diese völlig natürliche Schönheit zu bewundern.
Die nassen Haare waren nach hinten gekämmt doch fielen bereits in seichten Locken. Ihre Haut war so rein und rosig, die Sommersprossen rund um die Nase so wundervoll explizit und betont durch die porzellanartige Textur und Farbe der Haut. Die Lippen leicht geöffnet wirkten leicht rot und einzigartig geschwungen. Und die Augen. Minerva brauchte nicht lange um all dies aufzunehmen und so schnell wie möglich bei Hermines Augen zu landen. Ein freundliches braun umgeben von langen geschwungenen Wimpern, die jeden anlächelten.
Erst bei den Augen, die zurück starrten, begriff Minerva wieder wo und wer sie war.

Ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, auf welche Art und Weise sie gerade eine Schülerin angesehen hatte, drehte sie sich zum Pergament um. Innerhalb von zehn Minuten hatte sie Hermine alles erläutert. Sie wollte nicht, keinesfalls, egal was passierte, länger als nötig bleiben. Sie hatte das dringende Bedürfnis nachzudenken und konnte es im Moment nicht aushalten in Hermines Präsens zu sein.
Hermine war verwundert über die plötzliche Verschlossenheit der Professorin, die nichtmal wert drauf legte, ihr ihre Gedanken genauer zu erläutern. Als diese fertig war ihr einige Fakten besser zu erläutern, lockerte sich die Situation nicht. Um das Gespräch etwas zu erleichtern, begann Hermine ein anderes Thema.
„Professor, weshalb sind Sie eigentlich hierher gekommen?"
Langsam hatte Minerva ihre Fassung wieder erlangt. „Ach, gut dass Sie es ansprechen. Ich habe als ich Sie neulich Nacht zu Bett gebracht habe, gesehen, wie wenig Arbeitsplatz sie hier haben. Ich wollte einige Änderungen vornehmen. Ich hoffe es gefällt Ihnen und wenn nicht, können wir es immer noch umkehren" erläuterte Minerva schnell.
Mit eine Wisch ihres Zauberstabs erweiterte sie das Zimmer. Mit einem zweiten Wisch formte sie in die Runde Form des Zimmers eine viereckige Nische. Mit einem dritten Wisch passte sie die Einrichtung auf die Veränderungen an.
Die Nische war gegenüber des Bettes angelegt und in ihr stand Hermines Schreibtisch zu wie zwei weitere geräumige Tische an den Seiten. Hermine wurde an ihrem Schreibtisch jetzt praktisch von den anderen Tischen umgeben, die rechts und links neben ihr standen. Die beiden Tische an den Seiten hatten Schubladen unter sich. Jede Schublade hatte ein Fach als Aufschrift und hätte Hermine sie jetzt direkt geöffnet, hätte sie gesehen, dass auch sie magisch vergrößert waren, so dass alle ihre Unterlagen hineinpassten.

Der Rest des Zimmers hatte sich kaum verändert, außer, dass es größer geworden war. Hermine hatte nun auch einen Nachttisch, auf dem Minerva sorgsam das Tagebuch platziert hatte. In der Mitte standen nun ein kleines Sofa, sowie zwei Sessel und ein Kaffeetischchen. Das Ensemble war mit dunkelbraunem Leder sehr geschmackvoll bezogen und stand auf einem wunderschönen Gryffindorteppich. Auf dem Tischchen lagen die Bücher, die Hermine momentan las und die vorher neben dem Bett gestapelt waren.

Minerva schaute sich ihr Werk zufrieden an und blickte zu Hermine, die immer noch an ihre Schreibtisch saß, jedoch nun auf einem schönen antikem Stuhl, den Minerva mit einem gemütlichen goldenen Sitzkissen ausgestattet hatte. Hermine war sprachlos. Mit großen Augen und offenem Mund schaute sie in ihrem Zimmer umher. Minerva war zufrieden mit der Reaktion.
„Wow.. Professor. Ich — Ich weiß gar nicht was ich sagen soll…"
„Ein einfaches ‚Dankeschön' würde durchaus reichen, Miss Granger" schmunzelte Minerva.
Hermine hatte die Intention verstanden und stand auf um zu Professor McGonagall zu gehen.
„Danke" sagte sie schlicht und einfach und umarmte die große Frau. Minerva wusste in diesem Zuge nicht ganz wohin mit sich und ihren Armen und ihren Gedanken. Sie wollte doch gehen und nun stand sie hier und wurde von ihrer Schülerin umarmt.
Ohne darauf einzugehen ging Minerva einen Schritt zurück. Sie lächelte Hermine munter an und wünschte ihr viel Spaß beim lernen, sie würden sich ja beim Frühstück sehen. Ein bisschen verwirrt wegen der Reaktion ihrer Mentorin nickte Hermine semi-fröhlich. Sie brachte Minerva zur Tür und bedankte sich nochmal. Sie würde ihre Lehrerin auf die seltsame Stimmung ansprechen, doch sie war sich noch nicht sicher wann.


Das Frühstück und alle anderen Malzeiten gingen ohne besondere Vorfälle über die Bühne. Die Schüler hatten sich etwas beruhigt und kaum einer sprach noch von Umbridge. Fred und George waren besonders dreist und machten sich einen Spaß daraus ihre Scherzartikel in der Großen Halle zu verkaufen. Zu den Essenszeiten. Bei voll besetztem Lehrertisch. Ohne Scham.
Die Lehrer ignorierten die Szene gekonnt und schienen sich sogar darüber zu amüsieren. Umbridge selber war nicht anwesend. Sie hatte wohl wichtige Verpflichtungen oder saß alleine in ihrem Büro und sah ihre Katzenteller an. Doch jeder wusste, dass sie davon erfahren würde und niemanden störte es, am wenisgtens Fred und George. Sie freuten sich alle, der Hexe nicht zu gehorchen.
Minerva mied den Augenkontakt zu Hermine während des Essens und Hermine beschäftigte sich vornehmlich mit ihren Freunden, um nicht zu sehen (und darunter zu leiden) wie Minerva sie missachtete.
Den restlichen Tag verbrachten Harry, Ron, Hermine und Ginny draußen im freien. Gemeinsam saßen sie am See und plauderten. Zeitweise spielten Harry und Ron Schach, während Hermine las und Ginny zu ihren anderen Freunden gegangen war. Der Tag war sehr entspannt, da schulisch noch nicht so viel gelaufen war und so faulenzten unsere Lieblingsgryffindorschüler ordentlich. Das einzig spannende an dem Tag war, die Diskussion und den lebhaften Austausch von Professor Snape und Professor McGonagall auf einer nahen Bank zu beobachten.
Für Außenstehende erschien es, als würden sie gleich ihre Zauberstäbe ziehen und aufeinander losgehen, doch der geübte Beobachter wusste, dass die beiden sich gerade einen großen Spaß miteinander erlaubten.
Nach dem Abendessen saßen die drei gemeinsam im Gemeinschaftsraum vor dem Feuer und diskutierten den Unterricht. Ron und Hermine hatten heute beide Nachtschicht und so wollten sie noch Zeit mit Harry verbringen, von dem sie wussten, dass er sich ausgeschlossen und übersehen fühlte. Warum war er nicht Vertrauensschüler geworden? Dumbledore hatte seinen Antrag abgelehnt, auch freiwillig Nachtschichten zu übernehmen. Er habe im letzten Jahr bereits gesehen wie Voldemort wiederauferstanden ist und so ist gerade er in großer Gefahr. Harry verstand es jedoch nicht. Er war doch wohl in der Lage sich zu verteidigen. Er hatte gegen Voldemort gekämpft, zählte das etwa gar nicht?


Um zehn Uhr verließen Hermine, Ron und einige andere Gryffindors die freiwillig dabei waren den Gemeinschaftsraum. Alle hatten inzwischen ihre Gebiete eingeteilt und so trennten sie sich einer nach dem anderen.
Hermine blieb direkt bei der Fetten Dame, da dies von Anfang an ihr zugesprochenes Gebiet war. Sie steckte sich den leuchtenden Pin an, der plötzlich vibrierte. Sie sah ihn an und stutzte. Offensichtlich wurde sie gerade angerufen.
„Ron?!" Fragte sie verdutzt. Sie wusste nicht so wirklich wo sie hineinsprechen sollte, immerhin war dieses Ding nun fest an ihren Umhang gesteckt und wie sie bereits wusste, bekam sie es bis zwei Uhr nachts, bis zum offiziellen Ende der Schicht, auch nicht wieder ab.
„Hermine. Hörst du mich?"
„Ja Ron. Wie machst du das?"
„Hermine ist das nicht cool?! Dean hat mit davon erzählt. Du musst den Anstecken nur mit deinem Zauberstab antippen und Phonus sagen. Er hat es mit Hannah und Ernie ausprobiert. Nur du kannst mich hören und wenn du sprichst, hört es auch niemand in deiner Nähe, außer mir! Wie genial ist das bitte? McGonagall oder sogar Du-Weißt-Schon-Wer könnten neben dir stehen und sie würden dich nicht hören! Dumbledore ist genial!"
Bevor Hermine antworten konnte, sprach Ron wieder.
„Du, Hermine, ich muss Schluss machen, Malfoy kommt gerade meinen Gang hoch. Bis nachher!"


Ron teilte Hermine später über das „Telefon" mit, dass Malfoy nur rumgestänkert hat und sonst nichts. Hermine erklärte ihm im Gegenzug die Muggelerfindung „Telefon" und versprach ihm, es morgen nochmal detailliert zu erläutern, dass Ron es seinem Vater schreiben konnte.

Als Hermine und Ron aufgelegt hatten, hatte Hermine das Bedürfnis jetzt direkt zu Professor McGonagall zu gehen und sie auf heute morgen anzusprechen. Sie wollte es so oder so tun und diese Patrouillen erwiesen sich immer öfter als optimal.
Wie aus einem Instinkt heraus nahm sie ihrem Zauberstab und hielt die dünne Spitze an ihren Anstecken. Dabei dachte sie an Professor McGonagall. Wie durch Zauberhand, wie ironisch dieser Ausdruck doch ist, formte sich eine dünne rote Linie aus Rauch vor ihrem Körper und schien den ganzen Gang entlangzugehen und sogar um die Kurve. Hermine folgte dem Rauch und kam nach einigen Ecken zu ihrem Ziel. Minerva McGonagall. Wie versteinert stand sie an der Wand neben ihrer Klassenraum-Tür und las ein dünnes Buch. Wie konnte sie hier so ruhig stehen und lesen, wenn sie eigentlich die Schüler vor unangenehmen Überraschungen beschützen sollte.

Als sie näher kam, blickte Minerva noch immer nicht hoch. Hermine ging mit hell erleuchteter Zauberstab-Spitze auf sie zu und blieb kurz vor ihr stehen.
„Professor?" Sagte sie laut, als McGonagall noch immer nicht aufblickte.

„Miss Granger" kam die schnelle Antwort. „Wie kann ich Ihnen helfen?" Fragte Minerva und blickte endlich auf. Sie schloss das Buch (The Prime of Miss Jean Brodie) und sprach einen leisen Zauber.

„Warum patrouillieren sie nicht?" Fragte Hermine neugierig.

„Nun, Albus hat mir einen Zauber gezeigt, durch den die Anstecker eine Karte auf den Boden vor mir projiziert. So ähnlich wie die Karte des Rumtreibers, mit der Sie ja vertraut sein sollten, zeigt sie mir die Gänge und wer sich wo befindet" erklärte sie. Hermine verstand es und nahm ihre innerlichen Beschuldigungen zurück.

„Miss Granger, was war Ihr eigentliches Anliegen? Ich habe Sie seit Ihrem Startpunkt sehr zielstrebig auf mich zugehen sehen" sagte sie und deutete auf den Boden „und da sie nicht wissen konnten, dass ich mich heute Abend nicht bewege sondern lese, nehme ich an, dass die Frage eben aus der Situation geboren und nicht Ihr eigentliches Anliegen widerspiegelt." Noch immer war Minerva nicht komplett über die Situation des Morgens hinweg und versuchte Hermine unangenehm auf Abstand zu halten.

„Ich wollte mit Ihnen über etwas sprechen, das mich seit dem Morgen beschäftigt, Professor" begann Hermine. Sie setzte dazu an zu gehen und bedeutete Minerva ihr zu folgen. Gemeinsam setzten sie ihre Patrouille fort und Hermine schwieg eine Weile. Auch Minerva war still. Sie wartete auf Miss Grangers weitere Ausführungen, obwohl sie die wahrscheinlich gar nicht hören wollte, da sie ja nun schon wusste, dass sie etwas mit heute morgen zu tun haben würden.
Endlich fasste sich Hermine ein Herz und fing an zu sprechen „Professor, nachdem ich heute morgen aus dem Bad kam, waren Sie plötzlich so anders, so abweisend. Ich wollte Sie fragen woran das lag und was ich falsch gemacht habe?"

„Ich weiß nicht wovon Sie sprechen Miss Granger" blockierte Minerva den Ansatz. Sie hatte gehofft, dass Hermine nichts von ihrer Verhaltensänderung bemerkt hätte, doch natürlich entging dem klugen Mädchen nichts.

„Professor, einige Nächte zuvor haben Sie mir gesagt, ich solle Sie nicht anlügen. Vielleicht verliere ich gerade den Sinn für Hierarchie, doch auch wenn Sie praktisch über mir stehen, würde ich Sie das Gleiche bitten. Lügen Sie mich nicht an."

Das saß. Minerva wusste nicht wie ihr geschah. Dieses kleine Mädchen hatte ihr soeben eine Ansage gemacht, die sich im Normalfall vielleicht nichtmal Albus trauen würde. Es imponierte Minerva, wie viel Mut das Mädchen offensichtlich zusammennahm, nur um sie um die Wahrheit zu bitten. Minerva hasste Lügen, doch eben hatte sie keine andere Möglichkeit gesehen, außerdem… nein dachte Minerva sich plötzlich. Wer war sie um plötzlich anzufangen zu lügen? Was war passiert? Sie würde nicht weiter zulassen, dass sie sich und ihr Umfeld belügt. Sie war Minerva McGonagall und zu dieser Person sollte sie schnellstmöglich zurückfinden. Punkt.

Sie sah Hermine an und begann mit ihrer üblich selbstsicheren Stimme zu sprechen, doch Hermine bildete sich ein, einen Unterton zu hören. Eine kurze Sequenz lang klang es so, als wäre ein gewisser Schmerz in der Aussage.
„Es war falsch von mir zu lügen, es tut mir leid Miss Granger. Es kommt nicht wieder vor" sagte Minerva kleinlaut und sie fühlte sich schwach dabei, doch sie wusste, es war das Richtige.

„Es ist schon in Ordnung, aber ich würde Sie trotzdem bitten mir zu sagen was los war" presste Hermine nach. Sie sahen sich gegenseitig beim laufen an und Hermine sah, wie Professor McGonagall einen innerlichen Krieg mit sich selbst führte. Hermine wusste nicht so recht, wie sie darauf reagieren sollte, also wartete sie ab, dass Minerva sich selbst dazu äußerte. Sie gingen wieder einige Gänge ohne zu sprechen, bis sich in ein anderes Terrain kamen und umkehrten, um ihre Gebiete erneut abzulaufen. Nach einigen Minuten hatte Minerva sich endlich entschlossen.

„Als Sie heute morgen aus dem Bad gekommen sind, konnte ich nicht anders als zu bemerken wie erwachsen Sie geworden sind. Sie strahlten eine natürliche Schönheit aus und ich war sehr schockiert, als ich mich dabei ertappte wie ich darüber nachdachte. Sie sind meine Schülerin und normalerweise denke ich nicht über die Attraktivität von Schülern nach. Diese Gedanken und vor allem dieses realisieren, was ich da gerade bedachte, trafen mich völlig unvorbereitet. Sie sind eine hübsche junge Frau, doch es liegt nicht an mir das zu bemerken."
Während der ganzen Zeit blickte Minerva beschämt zu Boden und mied so, Hermine ins Gesicht zu sehen.
Hermine hatte aufmerksam zugehört und wusste nicht, wie sie antworten sollte. Sie war verblüfft, doch gleichzeitig freute sie sich, dass Minerva sie als hübsch empfand. Sie verstand allerdings auch den inneren Konflikt ihrer Mentorin und so beschloss sie vorerst nicht weiter direkt darauf einzugehen.

„Professor, das muss Ihnen doch nicht peinlich sein. Wir alle sind mal abgelenkt von unserem Gegenüber, das ist menschlich. Wenn es Sie tröstet, dann gebe ich gerne zu, dass ich selber häufig beim sprechen mit Ihnen abgelenkt bin." Bevor Minerva etwas falsches denken konnte, ergänzte sie: „Ihre Augen sind so wunderschön und aufregend, dass man manchmal nicht anders kann, als darin verloren zu gehen. Ich weiß, das klingt absolut kitschig, aber es ist die Wahrheit."
Ebenso wie Hermine zuvor, freute sich Minerva über das Kompliment, doch auch sie konnte nicht so recht reagieren. „Danke für das Kompliment, doch irgendwie beruhigt mich diese Aussage nicht" schmunzelte sie. Damit nahm sie die Spannung aus der Konversation, da Hermine lauthals lachte und Minerva anschließend anlächelte. Sie hatten das geklärt und konnten sich endlich den wichtigen Dingen der Nacht widmen. Sie zeigten sich gegenseitig, was ihre Anstecker alles konnten bzw. was sie inzwischen herausgefunden hatten. Beide waren sich sicher, dass Dumbledore noch weitere Funktionen eingebaut hatte.

„Ich werde Albus fragen, was das Ding alles kann."

„Nein Professor, bitte nicht" lachte Hermine. „Es ist viel spannender, wenn wir es selber herausfinden. Ich glaube es gibt einige Funktionen, die wir nur zusammen ermitteln können, wie zum Beispiel das Telefonieren und da passt es doch, dass wir unsere Nachtschichten eh zusammen absolvieren" lächelte Hermine freudig.

„Sie haben recht. Albus hatte wahrscheinlich das gleiche im Sinn und hätte es mir deswegen eh nicht gesagt" schloss Minerva und freute sich ebenfalls auf die zukünftige Recherche der beiden.

Der Samstag neigte sich dem Ende zu, doch den beiden Hexen ging der Gesprächsstoff nicht aus. Sie diskutierten die aktuelle Ausgabe von Verwandlung Heute und brachten es mit dem aktuellen Unterrichtsstoff in Verbindung. Wie so häufig zuvor nicht als Schüler und Lehrer, sondern als gleichrangige Hexen.
Um zwei Uhr morgens brachte Minerva Hermine zum Porträt der Fetten Dame.
„Dankeschön fürs Bringen, Professor. Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht" sagte Hermine herzlich und lächelte ein wenig. Ihre Augen funkelten auch in der Dunkelheit und hatten etwas geheimnisvolles an sich.

„Gute Nacht, Miss Granger" wünschte Minerva und drehte sich gerade um, da hörte sie Hermine sprechen.

„Warten Sie kurz Professor. Danke für Ihre Ehrlichkeit vorhin. Ich hätte da einen Vorschlag.."

„Ich höre" bestätigte Professor McGonagall ihre Aufmerksamkeit.

„Wir treffen uns doch wöchentlich zum Tee und haben dazu noch die fünf Nachtschichten gemeinsam. Ich würde Sie gerne besser kennenlernen, wenn ich so viel Zeit mit Ihnen verbringe…"

„Ich nehme an, von diesem Wunsch kann ich Sie nicht abbringen, richtig?" Fragte Minerva mit gespielter Verzweiflung.

„Nein können Sie nicht" grinste Hermine. „Ich dachte an ein Spiel. Wir stellen uns immer gegenseitig Fragen und der andere muss sie wahrheitsgemäß beantworten."

„Miss Granger, ich glaube das geht zu weit, meinen Sie nicht?" Fragte Minerva jetzt tatsächlich verzweifelt. Sie hatte wenig Interesse daran ihr Privatleben mit ihren Schülern zu teilen. Hermine war sicher eine Ausnahme, aber sie konnte nicht anders, als sich jetzt bereits vor den Fragen zu fürchten.

„Nein Professor, das geht nicht zu weit. Wir verbringen so viel Zeit miteinander und da ist es unser gutes Recht, Ihres sowohl wie meines, mehr über den Gegenüber zu erfahren. Sie können sich darauf verlassen, dass wir langsam starten und nicht direkt ans eingemachte gehen" grinste Hermine weiter. Sie war sich ihrer Sache sehr sicher und wollte Minerva um jeden Preis überzeugen.

„Nun gut, wir können es versuchen, doch wenn es mir zu viel wird, breche ich ab. Sie sind weiterhin meine Schülerin und ich bin nicht dafür bekannt, außerschulischen Kontakt zu meinen Schülern zu haben, wenigstens nicht so lange sie noch nach Hogwarts gehen."

Sie standen sich gegenüber und sahen sich an. Minerva konnte beim besten Willen keine Bösartigkeit oder ähnliches in Hermines Blick erkennen.

„Dann ist es abgemacht Professor. Ich freue mich! Bis morgen" beendete sie ihren Austausch rasch, bevor die andere Hexe es sich noch anders überlegen konnte.

„Bis morgen Miss Granger" murmelte Minerva als Hermine bereits durch das Porträtloch verschwunden war.

Beide waren gespannt, was das Spiel ausmachen würde und beide freuten sich auf das vertiefen ihrer Beziehung. Hermine zeigte das ganz offen, Minerva würde es niemals offen zugeben. So schliefen sie am frühen Sonntagmorgen ein und waren unterschiedlicher Ansicht und sich doch so ähnlich wie eh und je.


To be continued.
Ich würde mich sehr über eine kurze Rückmeldung freuen!