Beim Frühstück verteilte Minerva McGonagall an allen Tischen die neuen Stundenpläne an die Schüler. Harry nahm seinen entgegen und musterte ihn neugierig. „Oh, gleich am Anfang eine Stunde Zaubertränke, cool", stellte Ron fest und schob sich ein komplettes Würstchen in den Mund. „Wieso ist Snape eigentlich plötzlich Hauslehrer von Gryffindor? Naja, ich will mich nicht drüber beschweren, echt nicht, aber er war früher in Slytherin. Oder – wartet mal! Hat er etwa den Hut auch nochmal aufgesetzt?"

„Oh, Ron, ehrlich, manchmal bist du einfach nur blöd. Das ist doch ganz offensichtlich, oder?" Hermine stellte ihr Glas ab. „Zuerst mal ist McGonagall jetzt Schulleiterin und kann deswegen nicht gleichzeitig Hauslehrerin von Gryffindor sein, das wäre ein Interessenkonflikt. Zweitens gibt es kein Gesetz – und auch nichts in den Verwaltungsrichtlinien der Schule, da hab ich extra gestern Abend noch nachgesehen – dass Hauslehrer nur ihr eigenes früheres Haus betreuen dürfen. Das scheint eher so eine Art festgefahrene Tradition zu sein. Drittens hat Snape das gleiche Problem wie Malfoy – in Slytherin hätte er eine Menge Schwierigkeiten. Und nachdem er den ganzen Sommer mit uns verbracht hat, was läge da näher, als ihn in unserer Nähe bleiben zu lassen? Monica… ich meine, Professor Lupin kann die Slytherin-Schüler auch recht gut im Auge behalten, bei ihrer Begabung."

„Ach so, klar." Ron nickte und schob dem Würstchen entschlossen eine Scheibe Toast hinterher. Hermine griff kopfschüttelnd nach Zaubertränke für Fortgeschrittene und vergrub demonstrativ die Nase darin.

Verhältnismäßig früh fanden sich die drei zusammen mit Neville und Malfoy vor dem Klassenzimmer für Zaubertränke ein, und auch die restlichen Schüler, die einen UTZ in diesem Fach ablegen wollten, schienen sich allesamt beeilt zu haben. Aufgeregtes Gemurmel und Getuschel wogte durch die wartende Klasse, die jetzt um einiges größer war als in Harrys sechstem Jahr. Sie bestand aus sämtlichen Gryffindors und fast allen Hufflepuffs aus Harrys Jahrgang – plus Draco Malfoy, inzwischen ganz offiziell ebenfalls ein echter Gryffindor.

Anscheinend hatte das Lehrerkollegium beschlossen, das größte Gefahrenpotential ein wenig zu verringern, indem sie die Klassen anders aufgeteilt hatten als in den Jahren zuvor: die Slytherins würden – zumindest in Snapes Zaubertrank-Unterricht, was eindeutig gut war – nicht mehr zusammen mit den Gryffindors in den Kerkern sitzen.

Als die Tür schließlich pünktlich um Neun aufschwang, betraten Harry, Ron und Hermine als erste das Klassenzimmer, rasch gefolgt von Neville und Draco, dem die meisten Schüler trotz allem noch misstrauische Blicke zuwarfen.

Sie setzten sich wie gewohnt ohne großes Gerede an die Tische, und alle starrten Snape gespannt an. Der schloss mit einem kleinen Schwung seines Zauberstabs die Tür, allerdings wesentlich leiser als in den vergangenen Jahren, und wandte sich an die Klasse.

„Es hat sich einiges geändert", sagte er gelassen. Sein Ton war leise wie immer im Unterricht, doch die Schüler verharrten so still, dass jeder ihn problemlos verstand. Nicht nur Kingsley Shacklebolt hatte das erstaunliche Talent, mit seiner Stimme und seiner Wortwahl die Aufmerksamkeit aller auf sich zu lenken. „Lassen Sie mich Ihnen kurz erklären, was sich definitiv nicht ändern wird."

Langsam schritt er vor dem Lehrertisch auf und ab, und jedes Augenpaar im Raum war auf ihn geheftet.

„Der Unterricht in diesem Fach ist immer noch sehr anspruchsvoll und verlangt volle Konzentration und Aufmerksamkeit. Daher möchte ich doch sehr darum bitten, dass Sie mit Ihren Gedanken bei der Arbeit bleiben. Blödsinn wird hier nicht geduldet. Denn damit schaden Sie letztendlich nur Ihren Klassenkameraden, die wirklich hier sind, um etwas zu lernen. Wenn Sie etwas sagen oder fragen wollen, heben Sie bitte die Hand. Hat das jeder von Ihnen verstanden?"

Alle nickten, und ein paar murmelten leise: „Ja, Sir."

„Gut. Nur noch eines, bevor wir anfangen…"

Snape trat hinter seinen Stuhl, schloss kurz die Augen und klammerte die Hände fest um die Lehne. Dann holte er tief Luft und wandte sich wieder seinen Schülern zu. „Ich möchte mich bei Ihnen allen entschuldigen. In den vergangenen Jahren musste ich, um meine Tarnung aufrecht zu erhalten, meistens sehr hart und ungerecht Ihnen gegenüber sein. Vor allem während meiner kurzen Zeit als Schulleiter sind Dinge an dieser Schule geschehen, die ich normalerweise niemals gebilligt hätte. Ich kann nicht erwarten, dass Sie mir dieses Verhalten verzeihen. Aber ich hoffe, dass Sie zumindest die Hintergründe verstehen und Ihnen bewusst ist, dass sowohl mir als auch allen meinen Kolleginnen und Kollegen ihr Wohlergehen am Herzen liegt."

Es war so still im Klassenzimmer, dass Harry sein eigenes Herz schlagen hören konnte. Wie alle anderen starrte er den Tränkemeister fassungslos an; diese offenen Worte hatte er überhaupt nicht erwartet.

Und diesen Mann hab ich früher einen Feigling genannt? fuhr es ihm durch den Sinn.

Hilfesuchend wandte er den Kopf zu Hermine um, die jedoch stattdessen den Blick ihres Lehrers suchte und mit den Lippen stumm die Worte Gut gemacht formte.

„In Ordnung", meinte Snape nach einem Moment des Schweigens ein wenig unbehaglich, „wenn es von Ihrer Seite keine Fragen mehr gibt… ja, bitte, Mr Macmillan?"

Ernie hatte die Hand gehoben. Als Snape ihn aufrief, erhob er sich mit würdevoller Miene und trat in den Mittelgang, um für alle im Kerker sichtbar zu sein. „Professor, ich denke, ich spreche im Namen der gesamten Klasse, wenn ich Ihnen sage, dass wir das sehr gut verstehen. Zumindest was mich persönlich betrifft, gibt es überhaupt nichts zu verzeihen, aber dafür eine ganze Menge zu würdigen. Nicht nur, was Sie viele Jahre lang für Harry, den Orden des Phönix und damit für uns alle getan haben, verdient unsere Anerkennung und unseren Respekt - sondern auch Ihr Mut, sich persönlich an uns zu wenden, anstatt einfach darauf zu vertrauen, dass jeder wohl inzwischen den Tagespropheten gelesen haben sollte."

Spontaner Beifall kam in der Klasse auf. „Gut gesprochen, Ernie!" rief Seamus, und Dean ließ einen anerkennenden Pfiff los, während alle klatschten. Hermine stupste Harry an und nickte mit einem amüsierten Lächeln zu Snape hinüber, der zweifellos ein wenig verlegen wirkte, sich aber recht schnell wieder fing.

„Herzlichen Dank, Mr Macmillan", sagte er ernst, und es kehrte rasch wieder Ruhe in der Schülerschar ein. „Dann lassen Sie uns anfangen. Uns bleibt nicht viel Zeit, um Sie auf Ihren Abschluss vorzubereiten, daher sollten wir die Sache möglichst effizient angehen. Bitte sehen Sie bis zur nächsten Stunde Ihre Bücher und Aufzeichnungen durch. Schreiben Sie eine Zusammenfassung darüber, welche Tränke Sie bisher durchgenommen haben und bei welchen davon Sie Schwierigkeiten hatten. Da die meisten von Ihnen nach Ihrem fünften Schuljahr dieses Fach nicht mehr belegt hatten, gibt es sicher einige Wissenslücken. Wir werden uns bis zu den Weihnachtsferien damit befassen, diese Probleme auszuräumen, und danach werden Sie sich auf die UTZ-Prüfungen vorbereiten."

Snape nahm seinen üblichen schwarzen Umhang ab, hängte ihn über seine Stuhllehne und band mit einer geübten Bewegung seine Haare zusammen. Dann stellte er einen Kessel vor dem Lehrerpult auf. Die erstaunten Blicke seiner Schüler überging er kommentarlos.

„Bis zu den Prüfungen sollten wir jeden Trank aus dem Lehrbuch zumindest einmal im Unterricht durchgenommen haben. Das ist schon die halbe Miete. In einer UTZ-Prüfung wird üblicherweise ein Trank aus dem Lehrbuch geprüft und zusätzlich einer, der von der Zunft als prüfungstauglich eingestuft wurde, Ihnen aber nicht aus dem Unterricht bekannt ist. Sollten wir noch Zeit haben, werde ich mit Ihnen einige dieser Tränke durchgehen. Mit etwas Glück ist einer davon bei Ihrer Prüfung gefragt. Versprechen kann ich Ihnen das allerdings nicht, da wir Lehrer die Prüfungsaufgaben auch erst am Prüfungstag zu sehen bekommen."

„Du meine Güte", sagte Ron halblaut, stockte, lief rot an und hob dann etwas verspätet die Hand. Severus Snape hob die Augenbrauen. „Sie sind offenbar lernfähig, Mr Weasley. Das erfüllt mich mit Hoffnung und Zuversicht. Also, was wollten Sie sagen?"

Ron senkte verlegen den Kopf, räusperte sich und meinte dann: „Ich wollte nur wissen, wie lang denn diese Prüfung dauert, wenn wir da zwei komplette Tränke brauen sollen… Sir."

„Der praktische Teil zieht sich über einen kompletten Tag", erklärte Snape sachlich, ohne auf ihre entsetzten Mienen zu achten. „Aber mit der entsprechenden Vorbereitung brauchen Sie sich darüber keine Sorgen zu machen. Wir werden Sie schon einigermaßen ordentlich durch die Prüfung bringen. Solange Sie die grundlegenden Abläufe beachten, kann eigentlich nichts schiefgehen."

Er starrte kurz auf die Feuerschale unter dem Kessel, entzündete das Feuer auf Monicas Art – was die meisten seiner Schüler gewaltig verblüffte – und fuhr fort: „Was ich Ihnen jetzt sage, werden Sie in jeder Stunde brauchen, also hören Sie genau zu. Jeder erfolgreiche Trank beginnt mit einer ordentlichen Vorbereitung. Bevor Sie beginnen, lesen Sie sich das Rezept ganz genau durch. Dann stellen Sie alles bereit, was Sie benötigen. Während Sie die Zutaten vorbereiten, können Sie bereits Ihren Kessel vorheizen, außer die Anweisungen lauten anders. Danach müssen Sie nur noch dem Rezept folgen. Behalten Sie ständig die Anleitung im Kopf und Ihren Kessel im Auge. Und lassen Sie sich nicht ablenken oder aus der Ruhe bringen."

Neugierig sahen alle zu, wie ihr Lehrer einen Messbecher mit Wasser füllte und es in den Kessel kippte. „Kommen Sie bitte alle nach vorne", wies er sie an, stellte eine kleine Waage auf den Tisch und griff nach Schneidbrett und Silberdolch. Mit konzentrierter Miene machte er sich daran, Phosphoralgen abzuwiegen und zu zerkleinern. „Achten Sie darauf, Gewichts- und Mengenangaben genau einzuhalten", bemerkte er knapp und sehr sachlich, „die stehen nicht nur deshalb im Rezept, damit es schöner aussieht. Ich kann Ihnen das gern demonstrieren."

Snape warf die fein geschnittenen Algen zu dem inzwischen kochenden Wasser in den Kessel, drehte eine kleine Sanduhr um und nahm aus einer großen Flasche zwei scharfkantige weiße Steinchen, zog kurz die Stirn in Falten und holte noch einen weiteren Stein heraus. Harry sah, dass Hermine nach einem kurzen verwirrten Blick den Kopf senkte und versuchte, ein amüsiertes Schmunzeln zu unterdrücken, was ihr nur beinahe gelang. Was sollte das nun wieder bedeuten?

„Kommen Sie her, Mr Finnegan", sagte der Professor und fasste Seamus ins Auge. „Ich schätze, das dürfte Ihnen gefallen."

Vorsichtig schob sich Seamus nach vorne, direkt neben Snape, und lugte in den Kessel. Der Sand in der Uhr lief vollends durch, und der Zaubertrank-Lehrer nahm den Kessel vom Feuer und stellte ihn vor sich. Das Wasser darin hatte sich grünlich verfärbt und leuchtete schwach.

„Zwei Feuersteine werden im Rezept angegeben", erklärte Snape gelassen und schnippte mit seinem Zauberstab in Richtung Tafel, wo das Rezept für eine Funkenlösung erschien. „Wir werden jetzt mal rein interessehalber ausprobieren, was passiert, wenn wir die Menge ein wenig überdosieren… treten Sie etwas zurück, bitte. Here we go."

Es gab ein kurzes Geschubse und Gedränge, als alle rasch ein Stück zurückwichen, dann ließ der Professor die drei Steinchen in den dampfenden Kessel fallen. Es gab einen ziemlich beeindruckenden Knall, und aus dem Gebräu stoben riesige Wolken von weiß glühenden Funken auf. Gut die Hälfte der Klasse kreischte erschrocken auf, als sie sich wirbelnd im kompletten Zimmer ausbreiteten. Seamus dagegen grinste anerkennend, und Hermine kicherte verdruckst.

„Keine Panik", rief Snape über den Tumult hinweg. Die Funken verblassten rasch und lösten sich in Luft auf, und langsam beruhigten sich die Schüler wieder, während ihr Lehrer mit einem kaum merklichen Schmunzeln den Kessel leerte. Er sah aus, als hätte ihm die Sache wirklich Spaß gemacht.

„So", sagte er zufrieden, „das war gewissermaßen die Finnegan-Variante. Und jetzt lassen wir uns von Neville Longbottom demonstrieren, wie man es richtig macht. Kommen Sie bitte zu mir, Mr Longbottom?"

Neville wirkte ein wenig nervös, als er neben Snape trat, doch der klopfte ihm beruhigend auf die Schulter. „Nur keine Sorge, Sie werden das ganz hervorragend machen. Halten Sie sich an die übliche Routine. Rezept, Vorbereitung, Konzentration. Dann mal los."

Unsicher sah Neville auf die Tafel, wo immer noch das Rezept zu lesen war, und äugte dann misstrauisch in den mittlerweile leeren Kessel: „Der ist jetzt komplett sauber, oder, Sir?"

Snape nickte beifällig. „Sie können loslegen."

Während Neville den Kessel wieder über die Feuerschale hievte, wandte sich der Tränkemeister an die anderen: „Achten Sie immer darauf, dass Ihr Kessel frei von Rückständen früherer Tränke ist. Reste können ganz böse mit Ihren neuen Zutaten reagieren. - Außerdem", fügte er mit einem Augenzwinkern hinzu, „ist der Kontrollblick schon die Garantie für den ersten Pluspunkt, den Sie in der praktischen Prüfung sammeln können. Das wissen Sie aber nicht von mir."

Mann, dachte Harry erstaunt, ich wusste ja, dass er Ahnung von seinem Fach hat. Aber ich hatte keinen Plan, dass der Kerl ein echt toller Lehrer sein kann, wenn er nicht grad zwei ätzende Nebenjobs hat.

Ein Seitenblick zu Ron und Hermine zeigte ihm deutlich, dass die beiden ähnliche Gedanken zu haben schienen – wie übrigens auch der Rest der UTZ-Klasse. Die Schüler verzichteten zwar, wie immer in Snapes Unterricht, schon aus reiner Gewohnheit auf Geflüster, doch es wurden durchweg beeindruckte und teilweise auch erleichtert-hoffnungsvolle Blicke gewechselt.

Neville hatte inzwischen den Kessel angeheizt und das Wasser eingegossen und war dabei, die abgewogenen Algen in feine Streifen zu schneiden. Die beiden erforderlichen Feuersteine lagen schon bereit.

„Genau so möchte ich das haben", betonte Snape. „Sehen Sie her, Mr Longbottom hat alles im Voraus bereitgelegt. So sollte jeder Schüler das machen. Ich habe die Feuersteine erst herausgeholt, als die Algen schon im Kessel waren. Da ich das schon ein paar Jahre länger mache und über die entsprechende Erfahrung verfüge, kann ich mir das erlauben. Sie tun das bitte nicht. Sie machen es wie Mr Longbottom. Gewöhnen Sie sich das am besten gleich an… Bisher sehr gut, Neville, wirklich."

Neville lief leicht rosa an, streute die Algen ins kochende Wasser und drehte die Sanduhr um. Die Feuersteine hielt er abwartend in der Hand, bis der Sand komplett durchgelaufen war. Als er den Kessel vom Feuer nahm, sah die Flüssigkeit darin genauso aus wie die, die Snape vorhin fabriziert hatte.

Ein paar Schüler wichen sicherheitshalber ein gutes Stück zurück, als Neville mit zweifelnder Miene die Hand mit den Feuersteinen über den Kessel hielt. Doch Professor Snape stellte sich genau neben Neville und nickte ihm auffordernd zu. „Nur Mut, Longbottom, rein damit."

Die beiden kleinen Steinchen plumpsten in das Gebräu, und die Flüssigkeit im Kessel leuchtete etwas stärker als zuvor. Nichts knallte, nichts schoss fauchend aus dem Kessel. Neville wirkte ungeheuer erleichtert.

Seamus hob die Hand, und der Professor forderte ihn mit einem Nicken zum Sprechen auf. Seamus erkundigte sich neugierig: „Und wo sind jetzt die Funken, Sir? Ich meine… es heißt doch Funkenlösung, oder?"

Statt einer Antwort tauchte Snape einen Rührstab in den Trank und hielt ihn dann vor sich. Der Tropfen an der Spitze des Stabes erzitterte und fiel zu Boden – wo er in leuchtende bunte Funken verpuffte.

„So sieht eine perfekte Funkenlösung aus", erklärte der Tränkemeister zufrieden und nickte Neville anerkennend zu. „Diese Funken sind völlig ungefährlich und entstehen nur, wenn die Lösung auf einen festen Gegenstand trifft. Ein netter Partyspaß übrigens. – Gut, wir haben noch zehn Minuten Zeit. Das dürfte genügen, damit alle die Lösung einmal selber herstellen können. An die Kessel, Herrschaften. Wer Erfolg hat, darf sein Gebräu gerne mitnehmen, stellen Sie nur keinen Unsinn damit an. Wenn ich auch nur eine einzige Beschwerde von einem Kollegen oder Mr Filch höre, werden Sie sich von ganzem Herzen wünschen, Sie hätten dieses Fach abgewählt. Und seien Sie versichert, ich werde den Schuldigen finden."

Er schenkte der Klasse das spöttische Lächeln, das ihnen allen so vertraut war, tauchte einen großen Schöpflöffel in Nevilles Funkenlösung und fügte hinzu: „Mr Longbottom, Sie haben Gryffindor hiermit zehn wohlverdiente Punkte gesichert. Meinen Glückwunsch." Neville lief leuchtend scharlachrot an und nahm vorsichtig das verkorkte Glasröhrchen in Empfang, in das Snape sein Gebräu abgefüllt hatte.

Nachdem die Glocke das Ende der Stunde verkündet hatte, ging die Klasse aufgeregt schwatzend hinaus. Und anscheinend zog Snape das in jeder seiner Klassen durch, denn in den darauffolgenden Tagen wurden immer wieder Mädchen auf den Gängen gesichtet, die kleine Fläschchen mit leuchtendem Inhalt als Anhänger um den Hals trugen oder mit diesen ihre Büchertaschen geschmückt hatten.

„Ach du liebes Lieschen", kommentierte Ron diese Tatsache grinsend, „ich fürchte, unser verehrter Professor wird sich dieses Jahr wohl mit ´ner Menge Fans rumschlagen müssen. Nur gut, dass Bill genauso anziehend auf die Hühner wirkt! Sonst müssten wir unseren Hauslehrer wohl täglich gewaltsam aus seinen Privaträumen herausprügeln…"