Ginny dachte schon, Snape sei wieder eingeschlafen, doch nach einer Weile hob er leicht den Kopf, um sie müde anzublinzeln. „Es war…", begann er zögernd, senkte den Blick und rappelte sich umständlich hoch, bis er im Bett saß. „Es war kurz nachdem ich mich dem Orden verpflichtet hatte… an meinem Geburtstag."
Langsam setzte sich auch Ginny auf und lehnte sich, ein Kissen zwischen sich und der Wand, zurück. Sie kannte ihn mittlerweile. Das war eine typische Einleitung, und doch suchte er schon jetzt nach den passenden Worten. Sie hatte Recht gehabt: es würde schlimm werden. Sehr schlimm. Schweigend nagte er auf seiner Unterlippe herum, und Ginny beschloss ihm ein wenig zu helfen. „Wie alt waren Sie, Severus?" fragte sie in sanftem Ton.
„Einundzwanzig", antwortete er sehr leise, schlang die Arme um die angezogenen Knie und starrte blicklos auf die gegenüberliegende Wand. Ginny drängte ihn nicht. Er brauchte immer ein bisschen Zeit, um die Vergangenheit in Worte zu fassen. Was auch durchaus verständlich war.
Schließlich sprach er fast unhörbar weiter: „Ich hatte mich erst zwei Jahre zuvor den Todessern angeschlossen, einige Wochen nach meinem Schulabschluss. Doch der Dunkle Lord hat schnell Gefallen an mir gefunden. Ich hatte einige Talente, die er sich zunutze machen konnte, und außerdem war ich ein geeignetes… Spielzeug. Nicht nur für ihn selber, er benutzte mich auch als Ablenkung für Bellatrix, Rodolphus und Rabastan, wenn es wieder einmal unmöglich war, sie auf einen wichtigen Einsatz mitzunehmen. Die Lestranges waren oft übereifrig, manchmal sogar völlig unberechenbar, und dann musste er sie mit etwas anderem beschäftigen, um den Erfolg der Mission nicht zu gefährden."
Ginny starrte ihn entsetzt an; ihr war jetzt schon entschieden übel. „Wie, soll das heißen, die haben…?"
„Was? Oh… nein." Mit einem schwachen Lächeln schüttelte Snape den Kopf. „Nein, keine Sorge, Ginny. Nicht das, was Sie befürchten. Reinblütige Todesser sind vorwiegend ziemlich dekadente und blasierte Snobs, viele zugegebenermaßen auch blutgierig, aber nicht animalisch veranlagt. Solche Dinge fallen tatsächlich unter die Kategorie wilde Gerüchte, jedenfalls soweit ich weiß. Für die meisten dient… ähm… Sex nur der Erhaltung der reinen Blutlinien, und das schön ordentlich mit dem eigenen Ehepartner, so wie sich das gehört. Immerhin stammen sie fast alle aus dem Hochadel und haben die Vorgaben der Etikette schon mit der Muttermilch eingesogen. Wobei ich allerdings glaube, dass Anstand und Moral bei den meisten nicht sehr ausführlich unterrichtet wurden."
Ginny ließ sich nicht anmerken, dass sie das kurze Zögern bemerkt hatte sowie die leichte Röte, die seine Wangen färbte. Und er ging auch nicht näher auf das Thema ein, sondern sprach rasch weiter: „Nein, sie haben mich als Übungsobjekt benutzt, um mit dem Zauberstab zu trainieren… mich und die wenigen anderen Halbblüter in ihren Reihen. Damit verdienten wir uns unsere Stellung zwischen den Reinblütern… Cruciatus und ähnliche Flüche hauptsächlich. Ich konnte durch meine Okklumentik-Begabung den Angriffen länger standhalten als die anderen, das machte mich… interessant. Ich denke, Bella war auch ein wenig eifersüchtig, weil sie in Okklumentik nicht so gut war wie ich. Und sie hat mir nie richtig über den Weg getraut."
„Haben Sie es ihr beigebracht?" fragte das Mädchen nach und bemühte sich, die Erleichterung aus ihrer Stimme zu verbannen; keine Orgien oder Ähnliches also, aber was der Mann da erzählte, war immer noch schlimm genug. Sie hatten Flüche und Folter tatsächlich an ihren eigenen Kameraden geübt? Das ließ Ginny sofort an die Carrows und ihre Unterrichtsmethoden denken. „Okklumentik, mein ich."
„Nein, das wäre nicht möglich gewesen, selbst wenn ich gewollt hätte. Sehen Sie, Ginny, ich nutze diese Fähigkeit rein instinktiv, ich musste es nie lernen. Daher wüsste ich auch nicht, wie ich es jemandem richtig beibringen kann. So gesehen war der Okklumentikunterricht für Harry, zu dem Dumbledore mich verpflichtet hatte, von vornherein unsinnig. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, wie ich ihm so etwas hätte erklären können. Das ist, als wollten Sie einem Fisch erklären, wie man atmet. Aber der Schulleiter ließ sich von dieser Idee einfach nicht abbringen. Und so mussten wir beide sozusagen ins kalte Wasser springen."
Severus runzelte leicht verärgert die Stirn, fuhr dann jedoch mit einem Achselzucken fort: „Nein, ich schätze, Abraxas Malfoy hat Bellatrix unterrichtet, genau wie seinen Sohn. Abraxas war sehr versiert in beiden Kategorien und diente dem Dunklen Lord oft als Verhörspezialist, wenn der sich nicht selber die Mühe machen wollte. Allerdings erwies sich Lucius auf diesem Gebiet überraschenderweise als kompletter Versager, was für etliche derbe Witze über seine Herkunft gesorgt hat. Bella dagegen hatte Ehrgeiz… Sie hat gelernt Okklumentik zu nutzen, genau wie die Grundzüge der Legilimentik, und sie konnte beides einigermaßen erfolgreich anwenden. Nur wird etwas, was man erst mühsam lernen muss, nie so problemlos zu handhaben sein wie eine angeborene Gabe. Sie konnte mich nie lesen, nicht einmal ansatzweise, und das vergrößerte ihr Misstrauen mir gegenüber noch mehr als ohnehin schon. Ich schätze, sie hat mich in diesen Trainingsstunden dafür büßen lassen… und natürlich für meine beispiellose Unverschämtheit, als schmutziges Halbblut mit ihr auf der selben Stufe zu stehen. Nun, da sind sie alle ein wenig kleinlich."
Mit einem verächtlichen Schnauben ging er darüber hinweg. „Jedenfalls hat Lucius damals unser Training unterbrochen, weil der Dunkle Lord mich zu sehen wünschte. Ich ging zu ihm, und er sagte mir, er habe ein Geschenk für mich. Er erlaubte mir zum ersten Mal, auf eine Jagd mitzugehen… eine Ehre, die uns Halbblütern normalerweise nicht zuteil wurde."
„Eine… eine Jagd?" Ginny schwante Übles.
„Muggelstämmige und ihre Familien", bestätigte Snape ihre Befürchtungen, den Blick immer noch teilnahmslos ins Leere gerichtet. „Seit ich für Dumbledore arbeitete, hatte ich jedes Mal versucht, den Orden zu warnen, wenn ich von einer geplanten Jagd erfahren hatte. Sie schafften es, viele der potentiellen Opfer vorher in Sicherheit zu bringen, sofern ich Namen, eine Adresse oder sonstige Hinweise an sie weitergeben konnte. Hin und wieder wurde sogar einer der Todesser von den informierten Auroren gefasst, doch das konnte Dumbledore nicht allzu oft riskieren, damit meine Tarnung nicht aufflog."
Severus seufzte lautlos. „Nun, dieses Mal sollte ich selber dabei sein. Ich war mir sicher, dass ich die gleiche Aufgabe hätte wie die anderen, die zum ersten Mal mitgingen: Rückendeckung und Absicherung für die anderen. Anfänger mussten üblicherweise Wache stehen. Es wäre perfekt gewesen. In diesem Fall hätte ich dem Orden problemlos und unauffällig eine detaillierte Nachricht zukommen lassen können. Also spielte ich den eifrig begeisterten Diener und schloss mich dem Einsatztrupp an. Doch ich hatte dabei nicht bedacht, wie angetan unser Meister von mir war, und dass er manchmal zu Anflügen von Großmut neigte…"
Er schwieg eine Weile, und Ginny war sich nicht sicher, ob er überhaupt weitererzählen würde. Sie wusste nicht einmal genau, ob sie das alles wirklich hören wollte!
An Snapes Wange zuckte ein Muskel, doch ansonsten blieb er erschreckend ruhig, als er fortfuhr: „Ich fand mich unversehens in der vordersten Reihe, zusammen mit Bellatrix, Rodolphus, Rabastan und den Carrows, die auch zum ersten Mal dabei waren und aus gutem Grund hofften, zur Belohnung das Mal zu erhalten. In ihrem blinden Eifer waren die beiden völlig rücksichtslos, und die Lestranges waren nicht besser. Sie haben die ahnungslose Familie mitten in der Nacht aus ihren Betten gezerrt. Die Frau hatte panische Angst, der Mann hat versucht zu kämpfen und seine Kinder zu beschützen, aber gegen so viele hatte er keine Chance. Als Muggel sowieso nicht. Bella, Alecto und Amycus haben sich eine Weile die Zeit mit ihnen vertrieben… sie haben sie kopfüber in der Luft hängen lassen, Flüche an ihnen ausprobiert… ich dachte, das war´s auch schon. Ähnliches hatte ich schon von anderen Todessern gehört, die bei solchen Ausflügen dabei gewesen waren. Doch dann haben Rodolphus und Rabastan die Leute zurück ins Haus getrieben und sämtliche Fenster und Türen magisch versiegelt… und… und… und sie ha-haben…"
Schlagartig hatte seine gelassene Fassade zu bröckeln begonnen. Rasch legte Ginny den Arm um seine schmalen Schultern und drückte ihn an sich, als seine Beherrschung sich in Nichts auflöste. Die bloße Erinnerung an diese längst vergangene Nacht ließ den ehemaligen Todesser erschaudern, und schon während das Mädchen ihn in ihre Umarmung zog, ließen die ersten trockenen Schluchzer seine Schultern beben.
„Sie… sie haben das Haus in Brand gesetzt, Ginny", brachte er mühsam heraus, „und die Familie hatte keine… k-keine Chance zu fliehen… Die Schreie, sie… sie waren sogar über den Lärm des Feuers zu hören. Ich, ich… ich k-konnte nur zusehen… hatte keine Möglichkeit Hilfe zu rufen… sonst hätte ich mich verraten, sie hätten mich ebenfalls umgebracht, und der Orden hätte niemanden mehr in ihren Reihen gehabt… und Bellatrix, sie hat es richtig ge-genossen… sie hat gelacht wie eine Wahnsinnige, und die Carrows genauso… es war entsetzlich! In dieser Nacht hätte ich… ich wäre lieber selber gestorben."
Völlig aufgelöst klammerte er sich an ihr fest, und Ginny drückte ihn noch fester an sich, zog seinen Kopf an ihre Brust und strich ihm übers Haar, selbst den Tränen nahe.
Verdammt nochmal, Dumbledore – wusstest du, was du diesem Jungen alles abverlangt hast? War dir auch nur ansatzweise klar, wie sehr er unter dieser Aufgabe gelitten hat? Wolltest du ihn damit vielleicht für seine Fehler büßen lassen? Oder war dir einfach egal, was du ihm angetan hast, Hauptsache der Orden hatte einen Vorteil dadurch?
Einige Minuten lang weinte der schlanke Mann hilflos und verzweifelt, während sie schweigend mit der freien Hand über seinen Rücken fuhr, dann holte er zitternd Luft und gestand: „Das war der… der erste Moment, in dem ich dachte, ich kann… ich kann nicht mehr weitermachen. Ich… ich hatte… ge-gehofft, sie würden die armen Leute nur erschrecken, aber Bellatrix… sie hatte Spaß daran, und die Carrows waren ihr ebenbürtig, und… und dann wollte ich nur noch weg. Ich… ich hab mich in meinem Haus verkrochen, sobald uns erlaubt worden war, unseren Herrn zu verlassen. Ich hatte keinen Feuerwhisky da, nicht mal Bier, sonst hätte ich mich betrunken, aber ich hatte sogar Angst davor, das Haus nochmal zu verlassen… ich hab… hab mich die halbe Nacht übergeben… ich bin gegen Morgen einfach auf dem Boden eingeschlafen, glaube ich." Er verlor erneut den aussichtslosen Kampf gegen die Tränen, und seine Stimme erstarb.
Ein schönes Geburtstagsgeschenk, dachte Ginny bitter. Sanft strich sie mit dem Daumen über seine nasse Wange. „Ist schon gut, Severus, Sie hätten nichts tun können. Schon gut. Es ist nur noch eine schreckliche Erinnerung, das ist alles lange her. Versuchen Sie loszulassen, Junge. Es war nicht Ihre Schuld, okay? Sie hatten keine Wahl."
„Sie… Sie verurteilen mich nicht?" würgte er zittrig hervor.
„Nein", entgegnete sie ruhig. „Nein, Severus, ich verurteile Sie nicht. Ich wüsste auch gar nicht wofür. Sie haben etwas Furchtbares miterleben müssen, ohne es verhindern zu können, und die Erinnerung daran verfolgt Sie seit Jahren. Sie werden das alles nie ganz vergessen können, und es wird vermutlich immer weh tun, daran zu denken. Haben Sie jemals mit jemandem darüber geredet? Mit Dumbledore vielleicht?"
Severus nickte, ohne sie anzusehen. „Ich war am Tag darauf im Büro des Schulleiters… um meinen Bericht abzuliefern."
„Und?" drängte Ginny sanft.
„Und das habe ich getan."
Ginny schloss die Augen und zählte langsam bis Zehn, um nicht vor Wut zu explodieren. Einen Bericht! Diese Art Gespräch hatte sie nicht gemeint.
Wieder einmal spürte sie heißen Zorn auf den ehemaligen Schulleiter in sich aufsteigen. Hatte er es nicht einmal über sich gebracht, den jungen Mann, der einen so schrecklichen Geburtstag gehabt hatte, zumindest ein wenig zu trösten? Ihm zu versichern, dass das Ganze nicht seine Schuld gewesen war? Immerhin war der abtrünnige Todesser ein enormes Risiko eingegangen, um den Phönixorden zu unterstützen! Und da konnte Dumbledore ihm nicht einmal ein kleines bisschen helfen? In einer solchen Situation?
Es hätte damals, solange die Eindrücke noch so frisch waren, sicher genügt, den Jungen kurz in den Arm zu nehmen und mit ihm zu sprechen. Ihn vielleicht diesen einen Tag in der Sicherheit der Schulleiterräume zu behalten und während der Nacht bei ihm zu bleiben, damit er nicht allein mit den drohenden Albträumen fertig werden musste.
Der alte Ordensgründer hatte wie auch Kingsley Shacklebolt die Gabe gehabt, in jeder Lebenslage die richtigen Worte zu finden und stets den passenden Ton anzuschlagen – er hätte es innerhalb weniger Minuten fertig gebracht, dem jungen Snape seine grundlosen Schuldgefühle zu nehmen. War das wirklich zu viel verlangt gewesen?
Hatte Dumbledore die Todesser tatsächlich so verabscheut, dass sogar ein Abtrünniger es noch dermaßen hart zu spüren bekommen hatte? Oder hatte er dessen Selbstvorwürfe für seine eigenen Ziele genutzt, so wie er immer alles rücksichtslos benutzt hatte, was ihm hilfreich sein konnte? Die Wahrheit verdreht oder schlicht verschwiegen, damit sein kostbarer Spion den Eindruck bekam, für dieses Erlebnis Buße tun zu müssen, indem er sich noch mehr für den Orden einsetzte?
Sie begriff ohnehin nicht ganz, weshalb der mächtige Albus Dumbledore in seiner angeblich allumfassenden Weisheit es versäumt haben konnte, sich für den Fall abzusichern, dass der junge Slytherin dem gewaltigen Druck nicht standhielt. Was ja durchaus hätte sein können.
Ginny war keine große Strategin, doch sie hatte vor einer Weile mit Harry über Snapes damalige Situation im Orden gesprochen, und sie hatten diese Entscheidung des Ordensleiters beide nicht ganz verstanden. Selbst Ginny hätte, genau wie Harry, in Dumbledores Lage dafür Sorge getragen, dass über die Jahre hinweg unauffällig ein oder zwei weitere Leute bei den Todessern eingeschleust wurden, um im Notfall zu übernehmen.
Konnte der Schulleiter wirklich so ignorant gewesen sein? Oder hatte er Severus absichtlich mit dieser schweren Aufgabe allein gelassen, damit dieser gar nicht erst auf den Gedanken kam, sich bei gewissen Einsätzen etwas zurückzuhalten? Diese Vermutung hatte Harry ihr gegenüber geäußert, und er war überhaupt nicht begeistert davon gewesen.
Mühsam bekämpfte Ginny den Drang, ihre Wut laut hinauszuschreien. Das würde nicht helfen, sondern alles nur noch verschlimmern.
„Severus", wiederholte sie leise, „es war nicht Ihre Schuld, okay? Niemand wird Sie dafür verurteilen. Ich nicht, und die anderen auch nicht. Für den Tod dieser armen Muggel waren Andere verantwortlich. Sie konnten es nicht verhindern. Sie haben alles getan, was in Ihrer Macht stand, und das war mehr, als Sie verkraften können. Deswegen sind Sie jetzt so fertig. Ich weiß, es ist furchtbar schwer, aber Sie müssen versuchen, mit der Vergangenheit abzuschließen. Sie haben Schreckliches erlebt, ja. Aber diese Erfahrungen haben Sie zu dem Mann gemacht, der Sie heute sind. Zu einem großartigen Menschen, der unseren Respekt mehr als verdient hat."
Tränen rannen immer noch unaufhaltsam über Snapes Gesicht, und er lehnte sich haltlos zitternd bei Ginny an, die tröstend seinen Rücken streichelte. „Sehen Sie sich an. Sie sind völlig am Ende. Voldemort hat Ihnen das angetan, Junge. Er hat Ihnen das Leben zur Hölle gemacht, sogar über seinen eigenen Tod hinaus, und wenn Sie es erlauben, wird Sie das alles total kaputt machen. Lassen Sie nicht zu, dass er weiterhin solche Macht über Sie hat, in Ordnung? Wehren Sie sich dagegen. Lassen Sie ihn nicht gewinnen, nicht dieses Mal. Bitte, Severus. Wir stehen hinter Ihnen, genau dafür sind Freunde da. Wir lassen Sie nicht allein, versprochen. Und Sie können über alles mit uns reden. Über alles. Vertrauen Sie uns. Wir sind für Sie da. Sie müssen nicht allein damit klarkommen. Kommen Sie, ich halt Sie fest… Weinen Sie ruhig, das wird Ihnen gut tun. Manchmal braucht man das einfach, oder? Und danach wird es besser. Alles in Ordnung, Junge, ich bin da. Ich lass Sie nicht allein. Alles wird gut, wir stehen das zusammen durch."
Mit sanfter Gewalt zog sie ihn noch enger in die Geborgenheit ihrer Umarmung und wiegte ihn schweigend hin und her, während er sich heftig schluchzend an sie presste und stetig heiße Tränen auf ihr Shirt tropften.
„Sie hatten niemandem etwas getan", flüsterte er gequält und lehnte sich schwer gegen sie. „Niemandem… die haben unschuldige Menschen getötet, nur weil sie Muggel waren oder von Muggeln abstammten… wie ich. Wie Lily… es waren so viele, Ginny. So viele… und ich konnte ihnen nicht helfen… Sie hatten keine Chance."
„Ich weiß, Junge. Ich weiß." Ginny ließ ihn weinen, hielt ihn im Arm, bis die Erschöpfung ihn übermannte und er schließlich einnickte. Sie selber fand in dieser Nacht keine Ruhe. Sie blieb einfach sitzen, den restlos ausgelaugten Mann an sich gedrückt, und wachte über seinen Schlaf.
Und in ein paar Tagen hat er wieder Geburtstag. Verdammt.
