Harry ließ sich mit einem leisen Seufzen in einen der Sessel im Salon fallen und streifte seine Turnschuhe ab. Die Wärme des Kaminfeuers würde seine steif gewordenen Zehen hoffentlich bald auftauen!
Es war eiskalt in der alten Fabrikhalle gewesen, und er hatte sich bald ernsthaft dafür verflucht, keine Winterstiefel angezogen zu haben, während er zusammen mit den anderen den riesigen, unübersichtlichen Raum erkundet hatte. Immerhin lag Cokeworth im Norden des Landes!
Aber zumindest war seine Jacke dick gefüttert, und daher war ihm ansonsten warm genug gewesen, so dass er nicht wie Ron am ganzen Leib gezittert hatte! Während die anderen alle sofort nach ihrer Rückkehr zum Grimmauldplatz zum Aufwärmen in die diversen Badezimmer verschwunden waren, um sich bei einer heißen Dusche aufzuwärmen, war Harry schon zufrieden damit, nur seine Zehen enteisen zu müssen. Immerhin!
Er musste ehrlich zugeben, dass Snape eine gute Wahl getroffen hatte: die Halle war ausgezeichnet für ihr Vorhaben geeignet. Groß genug, um Platz für viele verbündete Kämpfer zu bieten, so dass sie sich nicht gegenseitig in die Quere kommen würden, und mit ausreichend Möglichkeiten, sich zu verstecken und aus dem Hinterhalt anzugreifen. Und wenn sie, wie ihr Lehrer empfohlen hatte, ihre Trainingsstunden in dieser Umgebung absolvierten, würden sie durch ihre Ortskenntnis einen gewaltigen Vorteil gegenüber den Todessern haben… falls sie es schafften, diese in die Falle zu locken. Sie würden natürlich die meiste Zeit auf die Option zurückgreifen müssen, die Umgebung im Raum der Wünsche zu simulieren, aber trotzdem!
Harry hatte Severus mit einer seltsamen Mischung aus Respekt und Besorgnis beobachtet, nachdem sie seinem zerstörten Haus den Rücken gekehrt und sich auf das Gelände der stillgelegten Gießerei geschlichen hatten. Der Mann hatte sehr professionell gewirkt, und wäre Harry nicht gerade vorhin erst Zeuge gewesen, wie der Professor sich ausgerechnet von Ron hatte trösten lassen, dann hätte er niemals vermutet, dass irgendetwas Besonderes vorgefallen sein könnte.
Doch das war immer schon Severus´ größtes und zugleich beunruhigendstes Talent gewesen, nicht wahr? Er konnte sich so absolut von seinen persönlichen Gefühlen abschotten, dass es wirklich unheimlich war… und leider nicht nur dann, wenn die Situation ein solches Vorgehen erforderte.
Gut, zugegeben, der Ältere hatte große Fortschritte gemacht, wenn es darum ging, anderen Menschen zu trauen. Oder sich ihnen zumindest ein wenig zu öffnen. Aber er zog sich weiterhin gewohnheitsmäßig in sich selbst zurück, so dass sie oft raten mussten, wie es tatsächlich tief in ihm drin aussah. Und das machte es nicht unbedingt einfacher, ihm zu helfen.
Gerade streckte Harry seine kalten Füße noch ein wenig näher in Richtung des Kamins, als Neville und Luna sich zu ihm gesellten. Neville begrüßte ihn strahlend und erklärte, er sei von Herzen dankbar darüber, wieder hier zu sein, was Luna zu einem Kichern verleitete. Harry warf Neville einen fragenden Blick zu.
„Naja", erklärte der rundgesichtige Junge verlegen, „Oma ist echt super, und seit sie nicht mehr auf meinem Mangel an Begabung rumreitet, ist es gar nicht mehr so übel. Aber…" Er lief leicht rosa an und setzte hinzu: „Sie ist oft… du weißt schon. Ein bisschen überfürsorglich. Sie erstickt mich fast mit ihrer Anhänglichkeit, ehrlich gesagt."
Harry nickte grinsend. Diese Beschreibung erinnerte ihn sehr an Mrs Weasley, die mit ihrer typischen, gluckenhaften Art dem am nächsten kam, was er als die Verkörperung einer Mutter bezeichnet hätte: herzensgut, freundlich, aber äußerst resolut und hartnäckig. Man schaffte es einfach nicht, dieser Sorte von Frau zu entkommen. Auch wenn er bei den paar Gelegenheiten, als er Augusta Longbottom getroffen hatte, den Eindruck gewonnen hatte, sie wäre eher eine Mischung aus Molly Weasley und Minerva McGonagall…
„Versteh schon", bemerkte er dennoch, ließ sich auf den Teppich hinunterrutschen und schob die langsam auftauenden Klumpen, die er immer noch einigermaßen überzeugt als seine Zehen bezeichnete, bis ganz dicht vor den Kaminrost. „Hast du mal dran gedacht, ihr zu sagen, dass du inzwischen erwachsen bist, Neville?"
„Klar", kommentierte Neville trocken. „Über dieses Thema könnte ich genauso gut mit ihrem Geierhut reden – der würde die Möglichkeit noch eher in Betracht ziehen als Oma, glaub mir. Für sie bin ich mit Vierzig sicher immer noch ihr kleiner Junge. Falls sie es bis dahin noch nicht geschafft hat, mich mit ihrer liebevollen Art zu ersticken. – Luna hat gesagt, ihr wart einen möglichen Kampfplatz besichtigen?" wechselte er das Thema. „Und, habt ihr was Passendes gefunden? Wie war´s?"
„Jepp." Harry zog ein Bein an und massierte seinen rechten Fuß, der unangenehm zu prickeln begonnen hatte. „Die Halle ist ideal für sowas. Aber hört mal, geht heute sehr schonend mit Snape um, in Ordnung? Es war… ziemlich heftig, wisst ihr?" Mit leiser Stimme erzählte er Luna und Neville von ihrem Ausflug nach Spinner´s End, und davon, was sie dort vorgefunden hatten.
Die beiden hörten aufmerksam zu. Sie wirkten geschockt und erschüttert, doch gleichzeitig ebenso beeindruckt von Rons unaufdringlichem, simplem Eingreifen wie Harry selbst. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich ihn deswegen mal ernsthaft beneiden würde", schloss er endlich, streckte das Bein wieder aus und ließ seinem linken Fuß die gleiche Behandlung zukommen wie zuvor schon dem anderen. „Keine Ahnung, wie er das hingekriegt hat."
Luna nickte nachdenklich und sagte versonnen: „Und er hatte Recht, weißt du? Mit dem, was er gesagt hat. Der heutige Abend wird schwierig für Severus werden. Ihr wisst ja, wie er ist. Er tut oft so, als gäbe es für ihn keinerlei persönliche Probleme, und mimt den Beherrschten. Aber ich weiß, dass 90 Prozent davon nur gespielt sind. Er ist einer der sensibelsten Menschen, die ich kenne, auch wenn er es nicht immer zeigt. Diese ständige Verschlossenheit ist nicht gesund."
Neville legte den Kopf schief und musterte sie eindringlich. „Das ist uns allen klar, Luna. Was ich nicht weiß, ist… wie sollen wir uns verhalten? Falls er uns überhaupt in seiner Nähe haben will, meine ich. Obwohl es ihm inzwischen ein bisschen leichter fällt, über sowas zu reden. Ehrlich gesagt, ich halt nicht viel davon, ihn völlig in Ruhe zu lassen. Genau deswegen. Sonst denkt er vielleicht mal wieder, er muss da allein durch. Aber ich will mich ihm auch nicht irgendwie aufdrängen oder sowas."
Luna öffnete den Mund, um ihm zu antworten, aber Schritte auf dem Treppenabsatz ließen sie innehalten. Hand in Hand kamen Hermine und Ron in den Salon, gleich darauf gefolgt von Ginny. „Hey, wir haben dich vermisst, Mann", begrüßte Ron Neville und fügte dann an alle gewandt hinzu: „Ähm... ich glaub, Kreacher hat ein spätes Mittagessen für uns vorbereitet. In der Küche riecht´s wirklich himmlisch!"
Nun, das war eine sehr erfreuliche Entwicklung, dachte Harry. Immerhin hatten sie seit dem Frühstück nichts mehr gegessen, und jetzt war es schon fast Zeit für den Nachmittagstee. Rons Magen stimmte seiner Überlegung laut grummelnd zu. Harry, Luna und Ginny konnten sich ein Grinsen nicht verkneifen, während Hermine den Kopf schüttelte und die Augen verdrehte. „Ehrlich, Ron, ich schwöre dir, ich kenne jetzt schon deine Todesursache: Verhungern! Wie kann man nur so verfressen sein? Man könnte wirklich glauben, du hättest ein oder zwei Mägen mehr als der gewöhnliche Zauberer."
„Dieser Vermutung würde ich ohne zu zögern zustimmen", bemerkte eine dunkle Stimme von der Tür her. „Ronald scheint eine anatomische Anomalie in der britischen Zaubererwelt zu sein."
„Was dann auch noch eine schöne Alliteration wäre", ergänzte Hermine mit einem Schmunzeln, warf dem älteren Zauberer dabei aber einen raschen, forschenden Blick zu. „Geht´s Ihnen gut, Severus?"
„Nein", gab der Mann leise zu und überraschte sie alle damit. „Tut es nicht. Im Moment weigere ich mich noch, darüber nachzudenken, aber spätestens in der Nacht holt mich das Problem ein. Ich schätze, das ist Ihnen allen klar, nicht wahr?" Er lächelte ein wenig schief zu Neville herüber und fügte hinzu: „Willkommen zurück, Neville. Es ist gut, Sie wieder bei uns zu haben."
Obwohl er bei dieser Begrüßung ein wenig rot wurde, blieb Neville erstaunlich gelassen. Er stand auf, ging auf den Tränkemeister zu und zog diesen zwar kurz, aber sehr freundschaftlich in eine kräftige Umarmung. „Danke… ich bin auch heilfroh, wieder hier zu sein. – Ich hab gehört, was passiert ist", ergänzte er leise, die Hände auf die Schultern des ehemaligen Spions gelegt. „Es tut mir wirklich leid, Severus… Sie wissen, dass wir gut im Zuhören sind, richtig?"
Als der Professor langsam nickte, drückte er rasch dessen Schultern und wandte sich mit nachdenklicher Miene an die anderen: „Ich weiß nicht, ob wir den Abend wirklich hier im Haus verbringen sollten. Ist vielleicht ein bisschen zu deprimierend. Was denkt ihr, könnten wir vielleicht heute auf diesen Wintermarkt in der Winkelgasse gehen? Das wär für uns alle eine echte Abwechslung…"
Abwartend ruhten alle Blicke auf Snape, der Neville unverwandt ansah und ihm schließlich lächelnd zunickte. „Eine wirklich gute Idee, Neville, danke. Ich denke, so kommen wir wesentlich leichter auf andere Gedanken."
„Jepp. Aber erst essen!"
„Ron!"
„Was denn? Kreacher hat gekocht, wir haben alle Hunger, und der Wintermarkt läuft uns nicht weg. Da ist es erst wirklich schön, wenn es dunkel wird", verteidigte sich Ron mit Vehemenz. „Bis dahin ist es einfach nur die Winkelgasse mit ´ner Menge Weihnachtsdekoration. Also haben wir noch mindestens zwei Stunden Zeit. Kommt schon, Kreacher hat den Tisch in der Küche gedeckt."
Im Nachhinein mussten sie Ron Recht geben. Obwohl sie nach Kreachers wundervollen Spaghetti mit frittierten Salbeiblättern bereits recht zeitig in die Winkelgasse aufgebrochen waren, entfaltete sich die gesamte winterliche Pracht der magischen Einkaufspassage erst, als die Dämmerung endlich hereinbrach.
Die riesigen Weihnachtsbäume, die sie an frühere Weihnachtsfeste in Hogwarts erinnerten, wirkten plötzlich um ein Vielfaches schöner, als sich die Kerzen auf ihren verschneiten Zweigen entzündeten und die gläsernen, vielfarbigen Kugeln zu leuchten und zu glitzern begannen. Dicke Schneeflocken fielen fast im Zeitlupentempo auf die Besucher herab, während nach und nach immer mehr schwebende Fackeln in der Luft über ihnen auftauchten und den Teppich aus Neuschnee mit warmem, gedämpftem Licht übergossen.
Eine gute Stunde schlenderten sie einfach nur durch die Gasse, vorbei an den unzähligen kleinen Läden, die ihre Schaufenster und Dachrinnen mit Girlanden aus Stechpalmenzweigen und Efeuranken geschmückt hatten, in denen winzige Lichter tanzten, vorbei auch an den vielen Imbisswägen mit Glühwein, heißem Met, Blaubeerpunsch, herzhaft duftenden Würsten, Esskastanien, glasierten Äpfeln und einer Vielzahl anderer Köstlichkeiten.
Hin und wieder blieben sie stehen, um an einem Stand die angebotenen Waren genauer in Augenschein zu nehmen. Sie ließen sich alle gemeinsam von einem jungen Zauberer mit einer gewaltigen Kamera fotografieren, und Severus bezahlte lächerliche sieben Sickel dafür, dass der Mann jedem von ihnen einen Abzug davon machte – mehr wollte der Fotograf partout nicht annehmen, begann aber vor lauter Ergriffenheit zu stottern, als sie alle ihre Unterschriften auf eine weitere Kopie setzten.
Harry bemerkte mit einem leisen Lächeln, wie sorgfältig der Tränkemeister sein Foto in der Innentasche verstaute. Er gab sich zwar wie immer, doch Harry war sich sicher, dass dieses Bild etwas ganz Besonderes für den Mann war. Er wechselte einen raschen, unauffälligen Blick mit Ginny, und in stiller Übereinkunft taten sie beide, als würde ihr ganzes Interesse den Ständen vor ihnen gelten.
Sie lachten alle herzlich darüber, wie albern Ron aussah, als er eine plüschige rote Nikolausmütze über sein leuchtend rotes Haar zog, woraufhin Harry jedem eine der Mützen kaufte. Hermine zierte sich zwar erst ein wenig, ließ sich dann aber doch dazu überreden, die ihre aufzusetzen. Angeblich, weil sie bei der Kälte keine Mittelohrentzündung bekommen wollte. Der Hauptgrund für ihr Einlenken bestand aber sicher darin, dass selbst Snape ohne Widerrede seine Nikolausmütze trug. Da war sich Harry ziemlich sicher!
Der Professor verzog selbst dann keine Miene, als ihre kleine Gruppe an einem Getränkestand Halt machte und von dem Metverkäufer recht seltsam angestarrt wurde. „Was?" fragte er mit einem seiner berühmten finsteren Blicke, und der Verkäufer wich unwillkürlich einen Schritt vor dem bedrohlichen Weihnachtsmann mit der Hakennase zurück. „Müssen wir Ihnen wirklich erklären, wie man es am besten anstellt, ein wenig Spaß zu haben?"
„Nein… nein, Sir, natürlich nicht", stotterte sein Gegenüber und reichte mit zitternden Händen Becher mit heißem, süßem Met über die kleine Theke, die sie dankbar in Empfang nahmen.
Severus blieb konsequent in seiner Rolle als Finsterling, bis die Hand des Verkäufers unwillkürlich zurückzuckte, als er ihm das Geld für den Met reichen wollte – diese Zurschaustellung offener Panik war dann auch für ihn zu viel, und er lachte schnaubend auf, während Harry und die anderen längst aufgegeben hatten und sich kichernd zusammengerottet hatten.
Beschämt darüber, dass er sich derartig hatte zum Narren machen lassen, kam der Verkäufer schließlich hinter seiner Theke hervor, schüttelte jedem Einzelnen die Hand und erklärte entschieden, dass ihre Getränke „aufs Haus" gingen. Harry vermutete im Stillen, der Mann würde sich später damit brüsten, die berühmtesten Helden des Zweiten Zaubererkrieges an seinem Stand bedient zu haben – alle gleichzeitig! Vermutlich würden diese Geschichte sogar seine Urenkel noch zu hören bekommen.
Mit den Bechern in den Händen spazierten sie weiter bis zu einem kleinen, magisch heraufbeschworenen Teich in einem großen runden Pavillon. Dutzende Hexen und Zauberer glitten auf Schlittschuhen über die glitzernde gefrorene Oberfläche des Teiches, und am Rand lehnten unzählige Zuschauer an der hölzernen Einfassung.
Harry hatte bisher noch nie auf Schlittschuhen gestanden, doch er fühlte sich bald recht sicher auf den wackeligen Kufen und lieferte sich eine wilde Jagd mit Ginny und Ron, der erstaunliches Talent auf dem Eis bewies. Luna und Hermine bewegten sich nicht so sportlich, sondern wählten eine elegantere Version des Eislaufens, während Neville und Snape ihnen lieber dabei zusahen… der Tränkemeister hatte sich entschieden geweigert, eine so abgrundtief unsinnige Betätigung auch nur in Betracht zu ziehen, und Neville meinte grinsend, er sei viel zu unfallträchtig für derartige Risiken.
Erhitzt vom Met und vom Eislaufen, gingen sie die Gasse weiter hinunter. Sie bestaunten die festlich dekorierte, beeindruckend wirkende Fassade der Gringotts-Bank, die die gesamte nähere Umgebung in ein sanftes, silbernes Licht einhüllte, kauften sich an einem Süßigkeitenstand einen ordentlichen Vorrat an Schokolade und gebrannten Mandeln, betrachteten die Angebote von Schmuckverkäufern und setzten sich etwa eine Stunde später zusammen auf die magisch angewärmten Holzbänke vor einem Restaurant, um eine Kleinigkeit zu essen.
Snape seufzte zufrieden, während sie vorsichtig das gekochte Fleisch und das Sauerkraut kosteten, das man direkt aus dem etwa faustgroßen, ausgehöhlten Brotlaib essen konnte, der als Schüssel für die Mahlzeit diente.
„Neville", sagte er ernsthaft, „das war wirklich eine hervorragende Idee. Ich hätte es heute im Haus nicht ausgehalten. Danke."
Neville lächelte nur und beließ es dabei, doch Ron legte dem Tränkemeister die Hand auf die Schulter und drückte sie kurz: „Wenn Sie später darüber reden wollen… wir sind jederzeit für Sie da, okay?"
Severus nickte stumm und senkte den Blick wieder auf sein Essen. Auch Harry und die anderen wandten sich ihren Brotlaiben zu, und erstaunlicherweise war es kein bedrücktes Schweigen, das sich zwischen ihnen ausbreitete, sondern eher ein Gefühl von Kameradschaft.
„Ich platze gleich", verkündete Ron schließlich, nachdem er den letzten Rest von Lunas Brot verdrückt hatte, und lehnte sich bequem zurück. „Das war echt gut, oder? Nur ein bisschen viel, ehrlich gesagt."
Als Hermine ihm die Hand auf die Stirn legte und erklärte, er habe sicher Fieber, schob er sie lachend von sich weg. „Hör schon auf, ich hab kein Fieber. Nur zu viel von Kreachers Spaghetti gegessen. Falls du es nicht bemerkt hast, ich hatte zwei Nachschläge mehr als du!"
„Ja, das erklärt es zufriedenstellend", kommentierte Snape trocken und nahm ebenfalls den letzten Bissen von seinem Brot, während der Rest der Truppe geschlossen darauf verzichtet hatte, die improvisierte Schüssel mitzuessen – dafür war die Portion tatsächlich zu groß gewesen. Ron boxte ihm spielerisch gegen die Schulter: „Werden Sie nicht frech, ja?"
„Und jetzt?" erkundigte sich Ginny, während sie langsam den Weg zurückgingen, den sie vorhin genommen hatten. „Zurück nach Hause? Oder sollen wir noch irgendwo einen Tee trinken?"
Sie einigten sich auf eine Tasse Tee im Tropfenden Kessel, um den Abend ruhig ausklingen zu lassen und sich ein wenig aufzuwärmen. Im Pub trafen sie zu ihrem Erstaunen auf Hannah Abbott, eine Hufflepuff aus Harrys Jahrgang und Mitglied der DA, die sie freundlich begrüßte und auf ihre fragenden Blicke hin erklärte: „Ich arbeite seit zwei Jahren während der Ferien für Tom, um ein bisschen Geld zu verdienen. Es macht wirklich Spaß, wisst ihr? Ich bin gern unter Menschen, und hier trifft man wirklich viele Leute. – Kommt mit, ich geb euch einen Tisch, an dem nicht die gesamte Meute vorbeikommt. Sonst werdet ihr nur ständig angestarrt."
Sie lächelte Snape freundlich zu und wies nach hinten in Richtung der Treppe, die zu den Gästezimmern führte. „Schön, Sie zu sehen, Sir. Wir haben uns ein bisschen Sorgen gemacht, als Professor McGonagall sagte, Sie seien krank. Es gab eine Menge Gerüchte, um ehrlich zu sein. Aber es geht Ihnen wieder besser, oder?"
„Viel besser", erwiderte der Professor leicht verlegen, „danke der Nachfrage, Miss Abbott. Ich hoffe, Sie genießen die Ferien ebenfalls… Würden Sie uns freundlicherweise einen Tee bringen?" Hannah nickte und zeigte ihnen ihren Tisch, bevor sie in der Küche verschwand.
In einer der dunkleren Ecken des Schankraums waren sie relativ sicher vor neugierigen Gästen, und die wenigen, die sie trotzdem bemerkten, hatten den Anstand, sie in Frieden zu lassen. Nicht nur Harry war sehr erleichtert darüber, dass Hannah so umsichtig gewesen war.
Das Mädchen mit den blonden Zöpfen brachte ihnen ihren Tee, stellte einen Teller mit frisch gebackenen Schokoladenkeksen auf den Tisch und ging dann wieder, um sich um die anderen Gäste zu kümmern, die aus der Winkelgasse hereinkamen und allesamt reichlich verfroren aussahen.
Da Severus sich bei dem Gedanken nicht ganz wohl zu fühlen schien, jetzt schon zum Grimmauldplatz zurückzukehren, ließen Harry und die anderen sich ebenfalls viel Zeit mit ihrem Tee. Sie beobachteten die anderen Leute und machten sich einen Spaß daraus, deren Kleidung, Frisuren und Verhalten zu kommentieren. Und keiner von ihnen beschwerte sich darüber, als der Tränkemeister nach der zweiten Runde Tee für jeden ein Glas Feuerwhisky bestellte. Wenn er noch eine Weile hierbleiben wollte, würden sie ihm mit Vergnügen Gesellschaft leisten.
„Severus", sagte Neville schließlich vorsichtig, als der letzte Gast längst den Tropfenden Kessel verlassen hatte, „ich denke, Tom möchte Feierabend machen. Wir sind die letzten Gäste. Was halten Sie davon, wenn wir zum Finsbury-Park apparieren und von dort zu Fuß zum Grimmauldplatz gehen? Ein bisschen frische Luft schadet uns sicher nicht, und der Park dürfte um diese Uhrzeit völlig verlassen sein. Kein Muggel wird uns dort ankommen sehen."
Als sie in drei Gruppen verschwanden – Neville, Hermine und Snape schienen die einzigen zu sein, die den erwähnten Park kannten – und auf einer weitläufigen Grünfläche wieder auftauchten, musste Harry sich eingestehen, dass er nicht viel Ahnung hatte, wo genau in London sein Haus eigentlich lag. Natürlich lag das daran, dass er meistens per Apparation oder Flohnetzwerk dorthin gelangt war – wenn man das eine Mal nicht mitrechnete, wo er und seine Freunde am 1. September in Begleitung von Molly Weasley, Alastor Moody und Tonks zum Bahnhof King´s Cross gelaufen waren. Doch damals war er zu angespannt gewesen, um sich den Weg zu merken.
Schön, Hermine war muggelstämmig und wusste ohnehin immer alles, und Snape war der Sohn eines Muggels und hatte den Kontakt mit dieser anderen Welt augenscheinlich niemals ganz verloren. Immerhin hatte Hermines Erwähnung eines fiktiven Muggelcharakters namens Mr Spock – aus einer Serie, die auch Harry gern gesehen hatte, wenn sich die seltene Gelegenheit geboten hatte – bei dem Tränkemeister keine Fragen aufgeworfen. Aber Neville?
Neville Longbottom war ein reinblütiger Zauberer und hatte erst kürzlich fälschlicherweise angenommen, der Fahrer des Pizza-Lieferdienstes hätte eine Küche in seinem winzigen Mini Cooper – wie in aller Welt war es dann möglich, dass er die Lage von Harrys Haus in Muggellondon kannte?
Einen Arm um Lunas Schultern gelegt, grinste Neville Harry ein wenig verlegen zu, als er ihn danach fragte. „Ach, weißt du, ich hab mir mal die Mühe gemacht, auf Muggelart hierher zu kommen… sicherheitshalber, weil ich doch eine echte Niete im Apparieren war. Ich dachte, im Notfall könnte ich einfach mit dem Fahrenden Ritter zum Finsbury-Park fahren und von dort aus zu euch laufen. Weil ja keiner sicher war, ob Stan Shunpike jetzt zu den Todessern gehörte oder nicht, wollte ich nicht riskieren, dass er durch meine Blödheit vom Grimmauldplatz erfährt."
„Weißt du, Neville", bemerkte Hermine mit leichter Bewunderung, „das war eine wirklich schlaue Überlegung. Und ziemlich mutig, wo du dich doch in der Muggelwelt so gar nicht ausgekannt hast."
„Naja", wiegelte Neville ab, „Oma hat mich begleitet beim ersten Mal, war also gar nicht so schlimm… obwohl ich eher auf sie aufpassen musste als andersrum, ehrlich gesagt. Sonst wären wir aufgefallen wie rosafarbene Hippogreife. Sie hat noch weniger Ahnung von Muggeln als ich – und das will was heißen, oder?"
Lachend schlenderten Harry und Ginny neben Neville und Luna her, während Hermine mit Ron und Snape vorausging. Im Nachhinein konnte Harry nicht mehr sagen, was ihn da geritten hatte – vielleicht hatten ihn der ungewohnt starke, heiße Met und der Feuerwhisky leichtsinnig gemacht – aber er blieb stehen, bückte sich und formte aus dem Schnee zu seinen Füßen einen ansehnlichen Schneeball.
„Hey!" rief er den Dreien vor sich zu – nur um in der nächsten Sekunde den Schneeball auf die Reise zu schicken. Er traf Ron, der sich bei seinem Ruf umgewandt hatte, direkt auf der Brust, und der Rothaarige stand kurz völlig reglos da, mit ungläubig aufgerissenen Augen, und klopfte sich endlich spotzend wie eine alte Gaslaterne den Schnee von der Jacke. Dann allerdings breitete sich ein Grinsen auf seinem Gesicht aus, und er ging zum Gegenangriff über, unterstützt von einer zuerst etwas befangen wirkenden Hermine.
Die Situation entwickelte erstaunlich rasch eine starke Eigendynamik, und innerhalb einer einzigen Minute war eine herrliche Schneeballschlacht im Gange. Harrys Gruppe bestand zwar aus mehr Leuten, war aber dadurch ein wenig im Nachteil, dass Snape und Hermine bei weitem die Besten im Zaubern waren. Von daher erwiesen sich die gegnerischen Fronten in etwa als gleich stark.
Luna überraschte Neville, Ginny und Harry mit einem äußerst kunstvollen Schutzwall, den sie mit einem Schwung ihres Zauberstabes aus dem tiefen Schnee um sie herum formte: eine Mauer, ähnlich wie die auf dem Dach des Astronomieturms, mit kleinen Zinnen und ein paar winzigen Schießscharten auf Hüfthöhe. Sie verbargen sich schnell dahinter, während Hermine einige Meter entfernt ebenfalls eine Deckung errichtete, und Harry begann begeistert Schneebälle zu werfen.
Gut eine halbe Stunde verging, bis Severus und Hermine es schließlich mit vereinten Kräften geschafft hatten, Lunas Mauer größtenteils zu zerstören. Jetzt waren sie ungeschützt und unter dauerhaftem Beschuss, und Harry sah sich verzweifelt um auf der Suche nach irgendetwas, das sie noch retten könnte. Er wich im letzten Augenblick einem gut gezielten Schneeball von Ron aus, drehte sich dabei seitwärts – und da sah er ihn!
Hermine hatte zu wenig auf ihre Umgebung geachtet, als sie ihre Festung errichtet hatte. Sie hatte die riesige Fichte, deren Zweige durch die Last des winterlichen Schnees weit heruntergedrückt wurden, offensichtlich nicht als potentielle Gefahr angesehen. Doch Harry wusste, genau dieser Baum konnte den Ausgang der Schlacht noch herumreißen!
Sorgfältig zielte er auf den Wipfel der Fichte, während Luna und Neville ihre Gegner mit Dauerbeschuss ablenkten: „Quatio!"
Die Baumspitze erzitterte heftig, als hätte eine Sturmböe sie geschüttelt, und die Schneehaube geriet ins Rutschen. Auf ihrem Weg hinunter riss sie den Schnee von sämtlichen Zweigen mit sich, der in einer ordentlichen Lawine Richtung Erdboden rauschte und endlich mit einem befriedigenden Flotsch die Gruppe um Snape unter sich begrub.
„Ja!" schrie Harry triumphierend, und Ginny klatschte ihn strahlend ab, während Neville jubelnd die Arme um Luna schlang. Einige lange Augenblicke genossen sie ihren Sieg, bis Harry klar wurde, dass es auf der anderen Seite ein wenig zu still war. Vorsichtig spähte er über die Reste ihres Verteidigungswalls hinweg und zum gegnerischen Schutzwall hinüber, und der Anblick ließ ihn vor Schreck erstarren.
Während sich Hermine noch schimpfend und zitternd aus dem Schneehaufen herauszuarbeiten versuchte, hatte Ron sich bereits befreien können und kniete nun mitten in der weißen Pracht, die Arme fest von hinten um Severus´ Schultern geschlungen, der panisch um sich schlug. Er schien den Rothaarigen nicht zu erkennen, der ihn offensichtlich aus den erdrückenden Schneemassen herausgezogen hatte.
„Severus, ganz ruhig, alles okay", versuchte Ron den Mann zu beruhigen, hatte damit allerdings wenig Erfolg, bis Neville ihm zu Hilfe kam und den Professor fest bei den Schultern fasste.
Der junge Mann mit dem freundlichen, runden Gesicht strahlte plötzlich eine Ruhe aus, die Harry noch nie an ihm bemerkt hatte. „Alles klar, Ron, du kannst ihn loslassen", sagte er leise. „Wenn du ihn so fest hältst, wird seine Panik nur noch größer werden. Ich hab ihn, keine Sorge. – Mein Dad hat auch manchmal solche Momente", setzte er erklärend hinzu, als Ron ihn zweifelnd beäugte, „ich kann damit umgehen, vertrau mir."
Er nahm kurz eine Hand herunter, um den Reißverschluss seiner Jacke zu öffnen, und konzentrierte sich dann ganz auf Snape, während Ron zögernd seinen Griff lockerte. „Severus? Ich bin´s, Neville Longbottom. Versuchen Sie sich zu beruhigen. Ist schon gut, ist nur Schnee. Niemand hat uns angegriffen. Kein Grund zur Panik. Alles in Ordnung."
Snape starrte ihn aus weit aufgerissenen Augen an. Er atmete keuchend und hektisch, doch Neville blieb völlig gelassen. „Alles gut, Severus. Kommen Sie, geben Sie mir ihre Hände…"
Langsam fuhr er mit seinen eigenen Händen an den Armen des Mannes hinab bis zu dessen Handgelenken und umschloss dann sanft die zitternden Finger des Tränkemeisters. „So, und jetzt hören Sie mir zu. Ich möchte, dass Sie mich ansehen. Können Sie das? Ja? Sehr gut. Sehen Sie mich an. Und jetzt werden wir beide gemeinsam atmen, okay? Hier…"
Regungslos stand Harry mit den anderen daneben, während Neville Snapes Handflächen langsam auf seine eigene Brust legte und sie dort festhielt: „In Ordnung, Severus, konzentrieren Sie sich auf mich und versuchen Sie, zusammen mit mir einzuatmen. Gut. Und jetzt wieder ausatmen. Schön langsam und tief. Ein… und aus. Ein. Aus. Sehr gut. Sehen Sie mich an. Und weiteratmen."
Irgendwie hatte Neville es tatsächlich geschafft, den Mann aus seiner Panik herauszureißen. Es dauerte zwar ein paar Minuten, bis sich der Professor nicht mehr gegen seinen Griff zu wehren versuchte, doch er schien langsam zu realisieren, dass er sich in Sicherheit befand. Zitternd holte er Luft, und die Anspannung verschwand größtenteils aus seinem Körper.
Widerstandslos ließ er sich von dem jungen Mann in die Arme schließen, die Hände immer noch auf Nevilles Brust, der tröstend mit einer Hand über seinen Rücken strich und im gleichen ruhigen Ton weitersprach. „Schon gut. War nur eine kleine Lawine, Severus. Beruhigen Sie sich, ja? Schön ruhig atmen. Genau so. Alles gut, ich halt Sie fest. Es ist alles in Ordnung."
Einige Minuten zogen sich in nahezu völligem Schweigen hin, Snapes angestrengte Atemzüge in der Stille der kalten Winternacht fast unnatürlich laut, doch es schien sich wirklich langsam zu beruhigen.
„Scheiße…", sagte er endlich leise, zog kurz die Nase hoch und fügte unsicher hinzu: „Ich würde gern… können wir jetzt einfach nach Hause gehen? Bitte?"
Neville ließ ihn los, hielt ihn aber an den Oberarmen fest und fing seinen Blick ein. „Alles okay?"
Snape nickte. „Geht schon wieder. Danke, Neville, ich hab da wohl ein bisschen… heftig reagiert. Tut mir leid."
„Muss es nicht", gab Neville ruhig zurück, und Ron bemerkte ebenso gelassen: „Machen Sie sich mal keinen Kopf. Das war wirklich unerwartet. Ich hab mich zuerst auch tierisch erschreckt, als das Zeug auf uns runtergekommen ist. Geht´s Ihnen gut?"
Der ältere Zauberer schien sich wieder gefasst zu haben. Er nickte mit einem verlegenen Grinsen. „Ja, Ronald, es geht mir gut. Ich bin nur nicht an… freundschaftliche Attacken aus dem Hinterhalt gewöhnt." Er warf Harry einen betont finsteren Blick zu und fuhr fort: „Und das war das letzte Mal, dass ich gegen Sie bei so einem Unsinn angetreten bin, verstanden?"
Er stemmte sich hoch, geriet aber leicht ins Schwanken. Ron fasste ihn sichernd am Ellbogen und legte ihm den Arm um die Taille. Der Professor setzte eine mürrisch-verlegene Miene auf und grummelte verdrossen: „Oh, um Himmelswillen, Ronald, ich bin kein Invalide. Können wir jetzt vielleicht gehen? Ich bin klatschnass, mir ist arschkalt, und ich würde mich gern eine Weile ans Feuer setzen, wenn es Ihnen nichts ausmacht."
„Kein Problem", gab Ron zurück, offensichtlich nicht bereit, sich von dem Älteren reizen zu lassen. „Aber Sie lassen sich von uns helfen, klar? Sie hatten eine Hölle von einem Tag, Severus, und Sie sind eindeutig erledigt. Kommen Sie schon. Ab nach Hause. Sie brauchen trockene Klamotten und einen Becher heiße Schokolade. Mit Schuss."
Snape nickte widerwillig, konnte sich aber einen weiteren missmutigen Kommentar nicht verkneifen: „Schön… und wenn Sie schon dabei sind, können Sie sich mit Poppy darum streiten, wer von Ihnen beiden der größere Tyrann ist. Ich warte nur noch auf den Tag, an dem Sie anfangen, mich Herzchen zu nennen, Weasley!"
„Herzchen…" Ron starrte ihn mit offenem Mund an. „Ich bin doch nicht lebensmüde, Mann! Wer bei Merlins dunkelgrünen Liebestötern wäre denn verrückt genug, sowas zu sagen?"
„Molly", beschied ihn Snape trocken und mit eindeutig verärgerter Miene, und alle brachen in Gelächter aus, erleichtert darüber, dass er bereits wieder Witze machen konnte. „Sie ist auch die einzige, die es je gewagt hat, mir mit einem Haarschnitt zu drohen…"
„Oh ja, das klingt genau nach Mum", kicherte Ginny und ließ sich in den Schneehaufen fallen, aus dem sich ihre drei Kameraden vorhin herausgewühlt hatten. „Ich staune darüber, dass Sie sie am Leben gelassen haben."
„Das war nur der Schock", behauptete ihr Lehrer ungeniert, und Ron erkundigte sich interessiert: „Wie sind Sie ihrem Zauberstab entkommen? Außer Bill hat das bisher keiner geschafft. Wenn Mum im Friseur-Modus ist, hält sie normalerweise nicht einmal ein Erumpent auf."
Snape grinste süffisant. Er ließ sich ausgesprochen viel Zeit damit, sich sorgfältig Jacke und Hose abzuklopfen, bevor er verriet: „Ich habe ihr nur klargemacht, dass meine Nase bei kurzen Haaren noch wesentlich größer aussehen würde. Das hat sie wohl überzeugt, nehme ich an."
Einen langen Augenblick starrten ihn alle sprachlos an.
„Das haben Sie nicht wirklich getan, oder?" keuchte Ginny entzückt, und Hermine lachte schallend auf. Neville dagegen drohten die Augen aus dem Kopf zu fallen bei dieser Vorstellung, und Harry hatte größte Mühe, ein belustigtes Schnauben zu unterdrücken. Von Luna kam eine Art anerkennendes Summen.
„Doch. Hab ich."
Ron hatte ein ähnlich verblüfftes Gesicht gemacht wie Neville, doch nun begann er regelrecht zu strahlen. „Severus… das ist schlichtweg genial! Darf ich mir diese Ausrede ausleihen, wenn Mum mich wieder mit dem Thema nervt? Ich möchte mein Haar wachsen lassen, so wie Bill, und sie geht mir ständig damit auf die Nerven… Naja, sehen Sie, meine Nase ist auch ganz schön lang. Vielleicht funktioniert das ja. Bitte!"
Harry war sich nicht sicher, was dafür verantwortlich war: die Tatsache, dass sie mit ihren Bemühungen wegen der Todesser endlich Fortschritte machten, ihr gemeinsamer Ausflug auf den Wintermarkt, die erholsame Auszeit im Tropfenden Kessel oder die abschließende nächtliche Schneeballschlacht im Finsbury-Park – aber in dieser Nacht schliefen sie alle tief und ruhig. Und ohne störende Träume.
Einschließlich Severus.
