A/N: Tut mir leid, dass ich schon wieder den Freitag verpasst habe! Verflixte Erkältung und Arbeit und ... *grummel* Aber lasst euch nicht vom Lesen abhalten. Viel Spaß. ; )

7. Der sechste Anker

Harry ging am nächsten Tag trotz der erschreckenden Erlebnisse bei der Anreise recht gut gelaunt in den Unterricht. Sie hatten fünf von Voldemorts Horcruxen vernichtet, ohne dass der Schwarzmagier etwas davon mitbekommen hätte, und Harry war Voldemort und seinen Todessern mit Peters Hilfe erfolgreich entkommen. Voldemorts Terrorkrieg war übel und machte jeden von ihnen auf Dauer zum Wrack, doch zum ersten Mal seit er wieder ein Mensch geworden war, hatte Harry das Gefühl, dass sie tatsächlich gegen ihn gewinnen konnten.

Auf eine relativ entspannte Stunde in Zauberkunde folgte eine Doppelstunde Zaubertränke bei Snape, ehe es in die Mittagspause gehen würde. Harry mochte den Lehrer genauso wenig wie der Rest seiner Familie - das traf sowohl für seine quasi-Adoptivfamilie, die Weasleys, zu, als auch auf seinen tatsächlichen Adoptivvater Sirius und die Rumtreiber; aber im Gegensatz zu ihnen hatte er vor Snapes Ahnung bezüglich Zauberkunden gehörigen Respekt.

Als Ratte war Harry zwei Jahre lang in der vortrefflichen Position gewesen, die Bemühungen der Schüler und Snapes hastiges Gegensteuern bei hochexplosiven Ergebnissen live (wenn auch nicht in Farbe) mitverfolgen zu können, ohne durch einen eigenen Brauprozess abgelenkt zu sein. Dabei war ihm nicht entgangen, dass Snape die Schüler prinzipiell ihre eigenen Fehler machen ließ - nicht unbedingt verkehrt, man lernte schließlich aus Fehlern oft am besten; dass er aber in der Regel eingriff, bevor ein Kessel tatsächlich in die Luft gehen konnte.

Neville freilich war ein Spezialfall. Der Junge schaffte es, so zielstrebig die exakt falsche Zutat zum exakt falschen Zeitpunkt hinzuzufügen, als hätte er es geplant. Folglich musste Snape bei ihm von Anfang bis Ende der Stunde stets in gesteigerter Alarmbereitschaft sein und konnte seiner Aufsichtspflicht gegenüber dem Rest der Klasse kaum gerecht werden. Das Ganze wurde durch die besonders stark ausgeprägte Slytherin-Gryffindor-Feindschaft in genau diesem Jahrgang keineswegs verbessert. Und so kam es, dass Harry in jedem seiner Tränkekurse damit rechnen musste, dass verdient oder unverdient ein Donnerwetter über ihn oder einen seiner Klassenkameraden hereinbrach, obwohl er Snape in Ginnys Kursen als durchaus zur Ruhe und ernsthaften Lehre fähigen Professor erlebt hatte.

Er saß aber als Mensch nicht in Ginnys Kursen. Sondern zusammen mit den anderen Gryffindors in Nevilles. Snape war gereizt und angespannt wie immer, denn irgendwie hatte Neville es doch tatsächlich durch sämtliche unparteiischen Prüfungen geschafft und war jetzt auch in den Kursen für höhere Tränkekunde präsent. Gut für ihn, wenn er tatsächlich in Kräuterkunde in die Lehre gehen wollte, aber schlecht für alle anderen in seinem Kurs. Nicht, dass das außer Harry und Snape irgendjemand wirklich würdigen konnte.

Die Stimmung im Tränkekurs der Sechstklässler war also mies wie immer, als es plötzlich an die Türe klopfte. "WAS?!" grollte Snape mies gelaunt.

Harry bewunderte die tapfere Seele, die sich bei diesem Tonfall traute die Türe zu öffnen. Neugierig reckte er den Hals.

Da stand Professor Flitwick, in der Hand eine Muggelzeitung, und auf dem Gesicht das glücklichste Lächeln, das Harry je an dem freundlichen kleinen Professor gesehen hatte. Noch ehe Snape ihn ob der Unterbrechung einen Kopf kürzer machen konnte, sprudelte es aus Flitwick heraus: "Voldemort ist tot! Der Krieg ist beendet! Und diese Stunde auch, Dumbledore hat einen Feiertag ausgerufen!"

Kaum hatte er seine Botschaft verkündet, sauste Flitwick auch schon weiter den Gang entlang, wohl um die frohe Kunder weiterzuverbreiten. Die Türe fiel hinter ihm ins Schloss und der Klang hallte in der absoluten Stille nach.

Im Klassenzimmer herrschte geplättetes Schweigen. Dann brach ein ohrenbetäubender Lärm aus.

"Tot, wie meint er das - tot?"

"Echt jetzt?"

"Hat der was genommen?"

"Der Krieg ist vorbei? Kann nicht sein. Der Krieg ist nicht vorbei. ...Der Krieg ist vorbei. Der Krieg ist vorbei. Der Krieg ist vorbei! DER KRIEG IST VORBEI!"

Skepsis war noch auf vielen Gesichtern zu lesen, doch immer mehr setzte sich uneingeschränkter Jubel durch.

Harry, selbst noch ziemlich überfahren von den großartigen Neuigkeiten, riskierte einen Blick auf Snape. Dieser hob gerade seinen Zauberstab und ließ dann mit einer unglaublich effizienten und irgendwie trotzdem noch eleganten Geste die Inhalte sämtlicher Kessel verschwinden. Sein Gesicht blieb dabei komplett emotionslos. Dann schickte er einen Patronus ab.

Harry bewunderte das bildhübsche Reh. Der Patronus war ein Zauber, der ihm trotz Remus geduldiger Anleitung immer noch nicht gut gelang, aber zum Glück hatte er auch nie Anlass gehabt, ihn im Kampf verwenden zu müssen. Für die Kommunikation wäre er aber wirklich praktisch und Harry nahm sich wieder einmal vor, sich in diesem Feld mehr anzustrengen.

Snapes Patronus kehrte postwendend zurück und überbrachte Snape offenbar gute Nachrichten, denn zum ersten Mal in all seinen Jahren in Hogwarts sah Harry auf Snapes Zügen echte Freude.

Als Snape sich an die Klasse wandte, brauchte er keinen Sonorus. Er hatte auch so die Aufmerksamkeit der gesamten Schülerschaft.

"Ich habe soeben vom Schulleiter die Bestätigung erhalten: Jedes Wort von Professor Flitwick ist wahr. Voldemort ist gefallen. Der Unterricht fällt für heute aus. Geht!"

Das ließen die Schüler sich nicht zweimal sagen. Eine vor Erleichterung lachende und weinende Meute drängte sich durch die Türe hinaus auf den Gang und quoll dann als lärmende Menge aus dem Kerker hinaus ans Tageslicht. Instinktiv wandten sich alle der Großen Halle zu, wo sich auch aus den anderen Klassenzimmern immer mehr Schüler einfanden.

Sie hatten Glück: eben betrat auch Dumbledore die Große Halle und er ging zielstrebig auf sein Rednerpult zu. Augenblicklich verfiel die Halle in gebanntes Schweigen.

"Liebe Schülerschaft, liebes Lehrerkollegium", begann Dumbledore. "Soeben erreichte uns die Nachricht, dass der Terrorist namens Voldemort in einem Unfall ums Leben gekommen ist."

Harry runzelte die Stirn. Was für ein Unfall konnte einen Dunklen Lord ereilen?

Dumbledore derweil fuhr fort. "Eine gute Freundin, die in Muggle-London lebt, sah einen Hinweis in der Zeitung. Sie gab mir Bescheid und ich alarmierte augenblicklich die Auroren, um den Ort des Geschehens zu überprüfen. Und in der Tat stellte sich heraus, dass meine liebe Freundin den Bericht in der Times korrekt gedeutet hatte: Voldemort und drei seiner Anhänger sind bei der gestrigen Verfolgungsjagd auf die Schienen der Londoner U-Bahn geraten und dort von einem Wagen erfasst worden. Laut Aussage der Muggel-Spezialisten sind sie bei dem Aufprall augenblicklich gestorben."

Überfahren.

Von der Tube.

Harry konnte es nicht fassen.

Er erinnerte sich nur zu genau an das vierfache Krachen Sekundenbruchteile ehe die Tube über ihn hinweg donnerte, und die absolute Stille danach. Aber er hätte niemals zu hoffen gewagt, dass das der Grund dafür war!

Die Tube. Ratternd, groß, unausweichlich. Harry schauderte. Die Begegnung hatte ihn nachhaltig traumatisiert und er konnte sich nicht recht an dem Gedanken freuen, dass andere das Schicksal ereilt hatte, dem er nur so knapp entkommen war. Was, wenn er kein Animagus gewesen wäre? Dann wäre er das jetzt, der sich über der Windschutzscheibe irgendeines bedauernswerten Zugführers verteilt hätte.

Harry beschloss in diesem Augenblick, dass er den Lokführer ausfindig machen und sicherstellen wollte, dass dieser einen guten Therapieplatz bekam.

Dann zwang er sich, nicht mehr an grausliche Unfälle zu denken und die andere Hälfte der Nachrichten auf sich wirken zu lassen: Voldemort war tot. Die Todesser waren führerlos und würden mit großer Wahrscheinlichkeit ihren Terrorkrieg aufgeben.

Frieden war in greifbarer Nähe, und Harry war endlich keine Zielscheibe mehr.

Langsam, ganz allmählich ergriff die Erleichterung von Harry Besitz. Er drehte sich mit ungläubigem Gesicht zu Ron und Ginny um. "Der dunkelste Schwarzmagier seit Grindelwald, und er stirbt an der Tube?!"

"Ich fass' es nicht", sagte Ginny.

"Ganz schön krass", stimmte Ron ihr zu. "Ich meine, gefallen in einem Duell mit Dumbledore, sicher; oder vielleicht sogar bei einem Experiment gestorben, wer weiß? Aber das hätte wohl niemand erwartet." Er grinste frech. "Stellt zumindest sicher, dass die Todesser ihn nicht wie einen Held feiern können. Ein Märtyrertod war das nun grade nicht."

Harry ließ sich noch einmal den Satz "Voldemort wurde von der Tube überfahren" durch den Kopf gehen. Mit jeder Wiederholung wurde er abartiger. Wirklich? Das war das Ende des gefürchteten Dunklen Lords Voldemort? Ein Verkehrsunfall?

Eine der häufigsten Todesarten gleich nach Unfällen im Haushalt, hörte er den Fernseher der Dursleys quaken. Urplötzlich war da ein Bild in Harrys Kopf, von seinen Verwandten, die breit und bequem in ihren Sesseln vor dem extragroßen Bildschirm saßen und einen Bericht über den tragischen Unfall in der U-Bahn hörten. "...wurden gestern Vormittag vier unbekannte Personen in ungewöhnlicher Kleidung beim verbotenen Betreten der Gänge von der Tube erfasst...", würde der Nachrichtensprecher sagen und die Dursleys würden gewichtig mit den Köpfen nicken.

"Waren vermutlich auf dem Heimweg von einer Fetisch-Party oder etwas ähnlich Unsittlichem", würde Onkel Vernon verkünden.

Petunia würde mit verkniffenem Gesicht hinzufügen: "Einfach in die Gänge hineinzuwandern, da muss man sich aber auch nicht wundern.", während Dudley den Faden der Unterhaltung beim Wort "Fetisch-Party" verloren hätte und in Gedanken bereits ganz woanders verweilte.

Ein ungläubiges Glucksen entwich Harry, das bald zu einem unaufhaltsamen Lachen anschwoll.

"Natürlich ist der Krieg mit dem Tod des Anführers der Dunklen Seite nicht automatisch beendet", verkündete Dumbledore. Damit holte er nicht nur Harry, sondern auch den Rest der Halle ganz schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Freilich hatte der Rest der Halle nicht so viel Ahnung wie Dumbledore, Harry, Sirius uns Snape, wie verdammt unbequem dieser Boden tatsächlich war.

Oh Kacke. Die fehlenden Horcruxe!

Über die Geheimhaltung der Horcruxe waren Harry, Sirius und Dumbledore sich nie einig geworden. Während Dumbledore um jeden Preis verhindern wollte, dass das Konzept eines Horcrux bekannt wurde und dafür sogar die Mithilfe des Ordens bei der Suche ausschloss, wollten Harry und Sirius vor allem, dass Voldemorts Horcruxe gefunden und vernichtet wurden. Dafür würden sie gerne alle Ressourcen nutzen. Man musste ja nicht jedem auf die Nase binden, was es denn genau war, das sie da suchten.

So oder so, es war immer der Plan gewesen, erst alle Horcruxe zu vernichten und dann gegen Voldemort selbst vorzugehen. Was würde passieren, jetzt, da Voldemort gestorben war, aber noch zwei Horcruxe existierten?

Dumbledore hatte Harry und Sirius von seiner Theorie erzählt, dass Voldemort nach seinem Mord an Harrys Eltern und dem Rückschlag seines Fluchs, der Harry das Mal auf seiner Stirn verpasst hatte, einige Jahre als körperloses Wesen verbracht hatte, bis er stark genug war, von Quirrell Besitz zu ergreifen.

War der Schwarzmagier nun wieder als Geist unterwegs? Und war er auch diesmal stark geschwächt oder hatte er seit damals dazugelernt, weitere Rituale vollzogen und sich selbst befähigt, Gevatter Tod raffinierter denn je zuvor von der Schippe zu springen?

Wie groß war die Wahrscheinlichkeit, dass ein Todesser ihn auffand und mit einem Ritual aus einem seiner Horcruxe wieder zum Leben erweckte?

Harry wollte es nicht herausfinden. Sie mussten die letzten beiden Horcruxe vernichten, und das sofort! Mit brennendem Blick schaute Harry zu Dumbledore auf und versuchte ihn mit bloßer Gedankenkraft zu zwingen, endlich nachzugeben.

Vielleicht hatte er wirklich etwas zu laut gedacht, denn Snape warf ihm einen vernichtenden Blick zu und auch Dumbledore schaute kurz stirnrunzelnd in seine Richtung.

Verdammt. Okklumentik, schalt sich Harry und arbeitete sofort eifrig daran, seine Schilde wieder aufzubauen. Dumbledore war ein guter Lehrer, aber so ganz verinnerlicht hatte Harry die Technik dennoch bisher nicht.

"Nur drei seiner Todesser sind zusammen mit Voldemort gestorben", fuhr Dumbledore jetzt fort. "Der Rest befindet sich auf freiem Fuß und muss bis auf Weiteres als extrem gefährlich eingestuft werden. Darüber hinaus hat Voldemort einige Artefakte hinterlassen, die auch nach seinem Tod für die Allgemeinheit eine Gefahr darstellen."

Würde er wirklich...? Harrys Augen hafteten erwartungsvoll an Dumbledore.

"Zum Einen ist sein Begleittier, die Schlange Nagini, weiterhin am Leben und unvermindert aggressiv und lebensgefährlich. Die Auroren sind informiert und machen nun verstärkt Jagd auf das Tier."

Erleichtert strahlte Harry den Schulleiter an. Yes! Er macht es wirklich!

"Außerdem", fuhr Dumbledore fort und warf Harry einen kurzen, wissenden Blick zu, "wissen wir aus zuverlässigen Quellen, dass es Voldemort gelungen ist, das sagenumwobene Diadem von Rowena Ravenclaw aufzuspüren und zu verderben. Das Diadem muss leider ab sofort als ausgesprochen gefährlich angesehen werden. Wer Hinweise auf seinen Verbleib findet, möge diese unverzüglich mir oder einem der anderen Lehrer mitteilen. Ich danke euch."

Dumbledore trat vom Podest zurück und ließ die Schülerschaft mit gemischten Gefühlen zurück. Ja, der große Dunkle Lord war vernichtet, aber Dumbledore rief weiterhin zur Vorsicht auf. War das nur die Übervorsicht eines alten Mannes oder gab es wirklich noch so viel Grund zur Sorge?

"Harry."

Jemand zupfte Harry am Ärmel. Er drehte sich um, so in seine Gedanken verloren, dass er erst gar nicht recht registrierte, wer da vor ihm stand. Es war eine Ravenclaw mit blonden Haaren und eher ungewöhnlichen Ohrringen. Harry kannte sie aus seiner Zeit als Fünkchen in Ginnys Unterricht, aber Ginny hatte nie viel Zeit mit der Ravenclaw verbracht. Die beiden waren nicht befreundet und Harry wusste, dass das Mädchen ein ziemlicher Außenseiter war. Schade eigentlich, zu Fünkchen war sie immer nett gewesen. Gerade bevor es peinlich werden konnte, fiel ihm auch ihr Name wieder ein.

"Luna!", sagte er, unzufrieden über die hörbare Erleichterung in seiner Stimme. "Wie geht es dir?"

"Mir geht es gut, vielen Dank, Harry", sagte das Mädchen mechanisch, bevor sich seine Gesichtszüge etwas entspannten. "Harry, ich muss mit dir reden."

"Jetzt gleich?", fragte Harry erstaunt.

"Ja, ich glaube es eilt", sagte Luna. Harry wollte sie schon ernst nehmen, doch dann fügte sie in typischer Luna-Manier hinzu: "Die Marwinkler sind schon ganz aufgeregt."

"Aha", sagte Harry. Er wollte sich schon wieder zu seinem Tisch umdrehen und Luna einfach stehen bleiben, da fiel ihm ihr niedergeschlagener Gesichtsausdruck auf. Vermutlich wurde sie ständig als Verrückte abgetan.

Warum eigentlich nicht? Im Moment herrschte hier Chaos und Harry hatte ganz ehrlich nichts Besseres zu tun. Dem Orden und den Auroren würden es hoffentlich gemeinsam gelingen, Nagini zu erlegen, aber dazu konnte Harry nichts beitragen. Genauso wenig hatte er auch nur den Hauch einer Ahnung, wo Voldemort Ravenclaws Diadem versteckt haben könnte. Er war aktuell im Grunde nutzlos.

Und er brauchte dringend eine Ablenkung von genau diesem Gedanken. Also warum nicht?

"Gut, lass uns hier verschwinden", sagte Harry also und musste kurz darauf schlucken: So sah also Freude auf Luna Lovegoods Gesicht aus. Warum sah er das heute zum ersten Mal?

Er verdrängte den Gedanken. "Bin kurz draußen", sagte er zu Ginny und Ron, die nur kurz nickten, beide vertieft in eine Unterhaltung über die enttarnten und die vermuteten Todesser und Spekulationen darüber, wen von ihnen es wohl erwischt haben könnte.

Etwas morbide, aber durchaus verständlich.

Harry selbst fragte sich in dem Moment, ob die Todesser selbst eigentlich schon vom Tod ihres Anführers erfahren hatten. Welcher reinblütige Fanatiker würde sich die Blöße geben, die Muggelnachrichten zu lesen? Und das dann auch noch zuzugeben? Selbst wenn einer von ihnen von dem Unfall hörte und die Puzzelteile korrekt zusammensetzte, konnte er eigentlich nicht guten Gewissens anderen Todessern davon erzählen.

Harry grinste. Irgendwo warteten gerade mehrere Dutzend Todesser darauf, dass ihr Lord zurückkehrte und triumphierend davon berichtete, dass er den Jungen-der-Lebt umgebracht hatte. Ein paar bedauernswerte Muggelbeamte versuchten, die Identität von vier unbekannten und übel zugerichteten Unfallopfern zu ermitteln und jemanden zu finden, der die Bestattungskosten übernahm. Und Harry ging derweil mit Luna Lovegood spazieren.

Das Leben war schon seltsam.

Luna verließ zusammen mit Harry die Große Halle. Dann schlug sie zielstrebig den Weg ins Treppenhaus ein und stieg schweigend eine Treppe nach der anderen hinauf. Harry lief eine Weile schweigend neben ihr her, doch als sie den vierten Stock passiert hatten und Luna weiterhin stur die Treppen hinauf stieg, nahm Harrys Neugierte überhand. "Luna, wohin gehen wir?"

"Zum Raum der Wünsche", antwortete Luna kryptisch.

"Zu was, bitte?", fragte Harry verdattert und blieb stehen.

Luna drehte sich um und sah ihn mit einem geradezu mitleidigen Ausdruck an. "Zum Raum der Wünsche", wiederholte sie langsam. "Dem Raum der Verlorenen Dinge." Sie sah ihn erwartungsvoll an, als müsste er jeden Moment sagen: "Ach, den Raum meinst du! Ja, natürlich, den kenne ich."

Sagte Harry aber nicht. Denn er hatte keine Ahnung, wovon sie da sprach.

Luna legte den Kopf schief. "Du kennst ihn nicht", folgerte sie schließlich, hörbar überrascht. "Ich dachte, eine Ratte kommt überall hin. Noch dazu mit der Karte der Rumtreiber." Sie zuckte die Schultern. "Naja, dann lernst du ihn eben jetzt kennen." Sie drehte sich um und begann, seelenruhig weiter die Treppe empor zu steigen.

Harry dagegen blieb wie angewurzelt stehen. Woher wusste Luna von der Karte? Und von seiner Animagusform?

Erst Lunas geduldig geäußertes "Harry? Kommst du?" riss ihn aus seiner Erstarrung. Eilig schloss er die mittlerweile zwei kompletten Treppen zu ihr auf und lief dann wieder neben ihr weiter.

"...Luna?" fragte er zögerlich.

"Hm?"

"Was weißt du über die Karte und über Hogwarts Ratten?"

Luna drehte den Kopf und sah ihn an. "Du weißt zu viel", sagte sie bloß.

Harry hatte nie zusammen mit den Dursleys ferngesehen, aber sie hatten den Fernseher meistens laut genug aufgedreht, dass er in seinem Schrank dennoch den Dialogen folgen konnte. "Du weißt zu viel" war in den Filmen der Dursleys meistens gefolgt von einem Mord. Irgendwie hatte Harry aber nicht das Gefühl, dass Luna hier gerade eine Todesdrohung aussprach.

"Was meinst du?" fragte Harry unbehaglich.

Diesmal war es Luna, die stehen blieb. Sie wandte sich ganz zu Harry und zählte dann auf: "An deinem ersten Schultag kanntest du schon alle Namen deines Hauses und deines Jahrgangs und hast dich nicht ein einziges Mal vertan. Aber noch viel verräterischer war, dass du auch alle Namen meines Jahrgangs kanntest. Beides könnte man vielleicht durch deine offensichtliche enge Freundschaft mit den Weasleys erklären; vielleicht sind sie wirklich gut darin, Personen zu beschreiben. Aber hätten sie dir auch alle Wege in Hogwarts so erklärt, dass du dich selbst alleine nicht ein einziges Mal verlaufen hast? ...Und dann war da Mrs. Norris."

Harry zuckte zusammen. Und schalt sich gleich darauf einen Narren. Er war ein Mensch! In Hogwarts war er schon seit zwei Jahren nicht mehr als Ratte unterwegs gewesen. Dennoch zuckte er beim bloßen Gedanken an die Katze des Hausmeisters noch immer heftig zusammen.

Das schiefe Lächeln auf Lunas Gesicht sagte ihm, dass sie ihn bei dieser Reaktion ertappt hatte, und das nicht zum ersten Mal.

"Du weißt, wer Fünkchen ist", sagte Harry ernüchtert.

"Ja," antwortete Luna schlicht und streckte einen Finger aus, um ihm damit über die Narbe zu streichen.

Harry ließ laut seinen angehaltenen Atem entweichen. "Okay", sagte er leise. "Okay."

Wie konnte er so leicht vergessen, dass Luna eine Ravenclaw war? Egal, wie sonderlich, das Haus war für seine besondere logische Begabung bekannt. Und Harry hatte sich von Lunas verrücktem Auftreten so blenden lassen, dass er sich offenbar dutzendfach vor ihr verraten hatte.

Peinlich.

Andererseits gab es wohl auch sonst keinen Schüler in Hogwarts, der auch nur ansatzweise ahnte, was für ein brillantes Hirn sich hinter Lunas abwesender Fassade verbarg. Die Lehrer müssten es eigentlich wissen, dachte er plötzlich, es sei denn sie stellte sich in ihren Hausaufgaben und Tests absichtlich dumm und gab statt der richtigen Antworten in ausreichend Fällen Fantasieantworten, um auch von den Lehrern für leicht wahnsinnig gehalten zu werden.

Harry sah sie scharf an. Luna erwiderte den Blick mit einem abwesendem Lächeln.

Hundert Punkte für famoses Schauspiel, dachte Harry bewundernd. Lunas Maske saß perfekt, das musste man ihr lassen.

"Und die Karte?" fragte er schließlich.

Luna lief wieder los, antwortet ihm aber nach einem kurzen, auffordernden Blick über ihre Schulter. "Ach, mit der habe ich dich und die Zwillinge beobachtet, als ich auf dem Dachbalken im Astronomieturm stand."

Harry, der gerade Anstalten machte ihr zu folgen, blieb wieder stehen. "Was in drei Teufels Namen hast du denn auf dem Dachbalken gemacht?"

Luna zuckte wieder die Schultern. "Ich habe meine Schuhe geholt."

Und zack, da war sie wieder: Die absolut unsinnige Antwort, mit der Luna sich den Anschein gab, viel verrückter zu sein, als sie eigentlich war. Wirklich, beeindruckend.

"Oookay", sagte Harry und beschloss, lieber das Thema zu wechseln. Wenn Luna ihn bis jetzt nicht verraten hatte, würde sie es ziemlich sicher auch weiterhin nicht tun. Ihre Familie war laut Sirius ganz entschieden weißmagisch und sie hätte keinen Nutzen davon, Harrys Geheimnisse auszuplaudern.

Außerdem würde ihr ohnehin niemand glauben.

Der Gedanke machte Harry auf einmal traurig. Wie kam es eigentlich, dass Luna lieber für verrückt gehalten als für voll genommen wurde?

...Vielleicht war das eine Unterhaltung, die er besser ein andermal weiter verfolgte. Aktuell interessierte ihn mehr, was Luna denn nun eigentlich mit ihm wollte. "Also was ist der Raum der Wünsche?"

Luna erklärte es ihm. Harry war etwas skeptisch.

Luna zeigte es ihm. Harry war geplättet.

Was auch immer er jemals über Luna gedacht haben mochte, er würde wohl nie wieder annehmen können, dass sie nicht ganz genau wusste, was sie tat und wovon sie sprach. Auch wenn sie dabei Marwinkler, Heliopathen und Trommelolme in die Unterhaltung einbaute.

Der Raum der Wünsche war ein Meisterwerk der Magie. Außerdem war er eine Fundgrube an Schätzen und Abfall von Generationen von Hogwartsschülern. Sowohl Ahnenforscher als auch Kulturwissenschaftler wären bei dem Anblick gewiss in Freudentränen ausgebrochen.

Luna führte Harry durch Reihen über Reihen von vollgestopften Regalen, auf denen sich alte Schuhe neben teuren Uhren, Südseemuscheln neben dunklen Artefakten und abgewetzte, alte Puppen Hand in Hand mit funkelnagelneuen Kesseln stapelten. Vor einer Büste mit einem kleinen Krönchen auf hielten sie an.

Harrys Augen wurden groß. Dumbledore hatte ihm Bilder von allen mutmaßlichen Horcruxen gezeigt und das war ganz eindeutig das Diadem von Rowena Ravenclaw!

"Luna! Wie hast du das gefunden?"

Zum ersten Mal sah Luna ein wenig verlegen aus. "Die anderen Schüler sprechen selten mit mir. Also unterhalte ich mich viel mit den Geistern. Die Graue Dame ist sehr nett..." Lunas Gesicht hellte sich merklich auf, als sie wieder auf Fakten zu sprechen kam. "Wusstest du, dass sie die Tochter von Rowena Ravenclaw ist?"

Harry hatte es nicht gewusst. "Oh."

"Ja, oh!" rief Luna, begeistert, ihre Entdeckung endlich mit jemandem teilen zu können. "Und sie ist gar nicht glücklich darüber, was dieser Riddle mit ihrem Diadem gemacht hat."

"Du kennst seinen früheren Namen?" Warum wunderte das Harry eigentlich noch?

"Helena hat ihn mir verraten", sagte Luna ruhig.

Helena. Rowena Ravenclaws Tochter. Die Graue Dame.

Klar, warum nicht?

"Luna?" sagte Harry, bemüht ruhig.

"Hm?"

"Du bist verdammt klasse, weißt du das eigentlich?"

"Hm", machte Luna, doch lange konnte sie die unbekümmerte Fassade diesmal nicht aufrecht erhalten. Ein leichter Hauch von Rot schlich sich in ihre Wangen. "Danke, Harry." Kurz danach schlich sich aber der Schalk in ihren Blick. "Ich hoffe, das war jetzt keine Anmache, Harry. Ich warte nämlich auf meinen Prinzen auf dem nachtschwarzen Thesteral, musst du wissen."

Harry lachte. "Nein, sollte es nicht sein, keine Bange. Aber Freundschaft wäre schön."

"Freundschaft, das können wir machen", sagte Luna und auch wenn sie es diesmal schaffte, ihre abwesende Maske wieder aufzusetzen, sah Harry mühelos hindurch bis hin zu der unbändigen Freude, die Luna zu verbergen suchte.

"Du solltest öfter so lächeln", sagte Harry verschmitzt. "Steht dir gut."

Luna lachte. "Jetzt hör aber auf, du Schleimbeutel!"

"Potter hat eben weder Stil noch Niveau", ertönte plötzlich hinter ihnen eine näselnde Stimme. Blitzschnell fuhren beide herum.

Malfoy. Und Anhang.

Ja verdammt.

"Malfoy. Was verschafft uns die Ehre?" fragte Harry mit zusammengekniffenen Zähnen.

"Wer sagt denn, dass die Ehre unseres Besuchs dir gilt, Potty?" fragte Malfoy hochnäsig und machte Anstalten, arrogant an Harry vorbei zu schreiten. Doch als er auf Höhe der Büste ankam, kam seine Hand blitzschnell hervorgeschossen und griff nach dem Diadem.

Malfoy war schnell, aber Harry war schneller. Seine Hand schlug genau in Malfoys Armbeuge und das Diadem fiel scheppernd zu Boden.

"Potter! Was fällt dir ein?!" rief Malfoy erbost. Crabbe und Goyle traten bedrohlich vorwärts und ballten knackend ihre Fäuste.

Harry wich einen Schritt zurück, zückte seinen Zauberstab und versuchte, sich beschützend vor Luna zu schieben. Diese hatte aber bereits ihren eigenen Zauberstab gezogen und sah offenbar überhaupt nicht ein, warum Harry sie beschützen sollte.

"Luna! Lass mich -"

Plopp.

Ein Hauself erschien plötzlich genau zwischen Harry und Malfoy. Harry und Luna sah er kurz mit weit aufgerissenen Augen an, dann wandte er sich Malfoy zu. "Dobby ist untröstlich, aber junger Herr Malfoy muss sofort nach Hause kommen!"

"Was?", fragte Malfoy, sichtlich genervt.

"Lady Malfoy verlangt, dass der junge Herr Malfoy augenblicklich nach Hause kommt, für die Beerdigung seines Vaters."

"WAS?!"

Der Elf schaute kurz noch einmal zwischen Harry und Malfoy hin und her, nahm ihre erhobenen Zauberstäbe wahr und schien die Situation erst jetzt so richtig zu erfassen.

"Lady Malfoy sagte augenblicklich", entschied er dann plötzlich und schlang ohne weitere Worte seine Arme um Malfoy. Mit einem weiteren Plopp waren die beiden verschwunden. Eine Sekunde später ploppte Dobby erneut in den Raum, verneigte sich vor Harry und sagte augenzwinkernd: "Bitte verzeiht Dobby, dass er Euch Euren Duellierpartner gestohlen hat, Harry Potter Sir." Dann war er wieder verschwunden.

Selbst Luna schien von dem Geschehen ein wenig überrascht.

"Oookay...?" sagte Harry schließlich. Er schielte unsicher zu Crabbe und Goyle rüber. "Sollen wir das jetzt trotzdem ausfechten oder wollt ihr lieber euren Eltern schreiben und fragen, ob es sie noch gibt? Ich habe gehört, wenn Voldemort Wutanfälle hat, kann das manchmal für eine ganze Reihe von Zauberern ziemlich übel ausgehen."

Faszinierend. Harry hatte ja gar nicht gewusst, wie schnell Crabbe und Goyle laufen konnten.

"So. Was machen wir jetzt mit dem Ding?", fragte Harry.

Luna sah ihn mit einem Ausdruck an, den Harry widerstrebend als "positiv überrascht" bezeichnen musste. Wirkte er etwa auf andere ebenfalls dümmer, als er war? Wie unerfreulich.

"Wer kann es zerstören?", antwortete Luna mit einer Gegenfrage.

"Dumbledore", sagte Harry sofort ohne darüber nachdenken zu müssen.

Luna sah über den Rand einer imaginären Brille hinweg mit großen Augen an, als wolle sie sagen: "Na? Merkst du was?"

"Okay...", sagte Harry und fuhr sich nervös mit der Hand durch die Haare. "Ich habe erst einmal ein so schwarzmagisches Artefakt in Händen gehalten und damals hat es mich ziemlich beunruhigt. Ich glaube, man sollte das lieber nur mit geeigneter Schutzkleidung transportieren. Oder in einem gut fluchisolierten Beutel. Oder..." Hoffnungsvoll sah er Luna an. "Wir könnten auch einfach Dumbledore herholen, statt es zu ihm zu bringen."

Luna sah unglaublich unbeeindruckt drein. "Was meinst du, warum ich dich hierher geführt habe und nicht Dumbledore?"

"Ähh", machte Harry intelligent. Ja, warum eigentlich? Sie hatten schon etabliert, dass Luna nichts von ihm wollte, also war es schon mal keine billige - hah, von wegen billig! Waren das Diamanten auf dem Diadem? - Anmache. Und Dumbledore wäre eigentlich die logische Wahl gewesen. Er war es ja auch, der zur Suche nach dem Diadem aufgerufen hatte. "Weil..." Harry hasste es, dumm dazustehen. Sein Hirn ratterte und schepperte auf der Suche nach einer intelligenten Antwort und er hatte plötzlich ein Bild vor Augen, wie in einer großen Salatschleuder zwei Knuts umeinanderspringen. Meine zwei Gehirnzellen, dachte er düster. "...Weil du nicht wolltest, dass Dumbledore von dem Raum erfährt?", brachte er schließlich hervor.

Luna lächelte nachsichtig, oder zumindest schien es Harry wie ein nachsichtiges Lächeln. "Fast", gab sie zu. "Professor Dumbledore entgeht nicht viel, was in Hogwarts passiert. Vermutlich kennt er ihn bereits. Aber wenn ich jetzt zum Schulleiter gegangen wäre, hätten es auch alle anderen mitbekommen und das sind ein paar Leute zu viel, findest du nicht?"

Harry stellte sich vor, wie Professor McGonagall ob des Chaos die Nase rümpfte, während Professor Flitwick vor Begeisterung auf und ab hüpfte und im Hintergrund Colin Creevy von dem Raum und seinen Besuchern ein paar Hundert Fotos pro Minute machte. Er schauderte. "Stimmt", gab er Luna Recht.

"Gut", sagte Luna mit einem zufriedenen Nicken. "Dann verstehst du auch, dass wir Professor Dumbledore jetzt nicht hierher holen können."

Langsam nickte auch Harry. Luna hatte da wohl Recht. Am besten wäre es, sie könnten Professor Dumbledore unbemerkt vom Rest der Belegschaft und von den Schülern trennen und hierher holen. Aber in der Zwischenzeit bliebe das Diadem unbewacht oder zumindest nur von einem der beiden Schüler behütet. Wäre der Hauself... Dobby?... nicht gewesen, wären Harry und Luna ja selbst zu zweit durch die drei Slytherins etwas in Bedrängnis gekommen. Einer alleine war zu unsicher.

"Also schön", seufzte Harry. "Weißt du, wie man sowas sicher transportiert?"

Luna wusste es nicht.

Letztendlich nahm Harry seinen Umhang ab, warf ihn über die Büste und wickelte ihn dann mehrfach eng um das Diadem. Das resultierende Knäuel versenkte er dann in seiner Schultasche. "Auf zum Büro des Schulleiters", sagte Harry grimmig. Er konnte es nicht erwarten, dieses Stück Schwarzmagie wieder loszuwerden.

Dumbledore hatte sein Passwort seit dem Vorabend zum Glück noch nicht geändert und der Gargoyle sprang nach Harrys geflüstertem "WattnWurm" brav beiseite. Harrys Gesicht verzog sich erneut bei dem Passwort. Wie konnte Dumbledore Lutscher mit Würmern drin interessant finden? Wenn noch irgendjemand einen Beweis gebraucht hätte, dass der Schulleiter reichlich durchgeknallt war... Kopfschüttelnd stieg Harry die Treppe hinauf, Luna dicht auf seinen Fersen.

Oben angekommen lud Harry Luna ein, Platz zu nehmen. Er selbst trat auf Fawkes zu, der ihn von seiner Stange aus aufmerksam beobachtete. "Fawkes, könntest du Dumbledore bitte Bescheid sagen, dass wir hier sind? Es ist recht eilig."

Fawkes legte den Kopf schief, dann breitete er die Flügel aus. Er sprang in die Luft, kreiste einmal ums Büro und pickte Harry im Vorbeifliegen auf den Kopf. Dann verschwand er aus dem Fenster.

"Hey!", grummelte Harry, musste aber gleich darauf grinsen. So pikiert hatte er Fawkes ja noch nie erlebt! Mit schiefer Grinse sah er Luna an. "Meinst du, ich habe ihn bei seinem Schönheitsschlaf gestört?"

Von draußen ertönte ein spürbar ungehaltenes Trällern, das rasch in der Ferne verklang. Harry und Luna sahen sich an und fingen an zu gackern.