Kapitel 5
Federkleid
Sie flog wieder über die Berge.
Der Wind küsste ihre Schwingen und sie fühlte sich federleicht und frei.
Sie schaute nach unten. Die ersten Baumwipfel waren viele Meter unter ihr. Es war höher als sie jemals mit einem Gleiter geflogen war.
Angst hatte sie keine.
Stattdessen schweifte ihr Blick über die Landschaft. Es war ein Land mit vielen Bergen und Wälder und Wiesen in matten Braun- und Rottönen.
Es war Herbst, fiel es ihr auf einmal ein.
Hatte sie etwa so lange geschlafen?
Sie wusste, dass sie nach etwas suchte, aber jedes Mal, wenn sie glaubte, sich daran erinnern zu können, wich die Erinnerung ihr aus wie ein Haken schlagender Hase.
Die Erinnerung war ihr egal. Vergangenes war nicht mehr von Belang.
Ihre Seele weitete sich und streckte sich nach allen Seiten aus, und es erfüllte sie dabei eine solche Ruhe wie sie sie noch nie gespürt hatte. Fern von jeder Verantwortung, fern von Drill und Struktur, die ihren Geist stets gefesselt hatten, fühlte sie sich von ihrem ersten Flug überwältigt wie ein Neugeborenes bei seinem ersten Atemzug.
Ihr wurde schnell bewusst, dass sie nicht alleine war.
Weiter unten und viel weiter vor ihr flog ein Vogel, der anders war als alle anderen. Dabei konnte sie sich gar nicht erklären, woher sie das wusste. Es war ihr auf einmal einfach klar.
Der Vogel war weiß und stach gleich auf den ersten Blick aus der Umgebung hervor.
Sie bewunderte den Vogel. Die Flügel bewegten sich anmutig und seine Bewegungen waren mächtig. Unter ihm bewegten sich Baumwipfel und Blätter, so kraftvoll war sein Flügelschlag.
Sie bewunderte den Vogel. Er war so viel eleganter als sie, so viel mächtiger.
Und eigentlich sollte ihr das Angst machen. Trotzdem fühlte sie sich sicher, fern von jedem Schmerz und allen Sorgen.
Gleichzeitig spürte sie ein Ziehen in ihrem Bewusstsein.
Zu spät bemerkte sie die andere Präsenz in ihrem Kopf. Und auf einmal schlug der weiße Vogel unter ihr einen Haken und schwang hinauf. Sein Schatten rauschte an ihr vorbei.
Erschrocken wich sie aus und machte sich im Sturzflug auf und davon. Aber es war schon zu spät. Der weiße Vogel hatte sie im Visier und flog ihr nach. Er war viel schneller und geübter, sowohl im Flug als auch bei der Jagd.
Sie hatte die Baumwipfel fest im Blick. Wenn sie diese nur erreichen würde, hätte sie bessere Chancen zu entkommen. Der große Vogel hätte wegen der vielen Bäume keinen großen Spielraum für seine Spannweite.
Nur noch wenige Flügelschläge und sie wäre in Sicherheit.
Die Angst packte sie erst als ihr Verfolger sie niederschlug. Seine Krallen gruben sich in ihre Flügel. Der Griff war so stark, dass sie sich nicht mehr bewegen konnte.
Das war ihr Ende!
Ihr Verfolger musste nur einmal mit dem Schnabel nach ihr hacken und sie wäre erledigt.
Sie öffnete den Mund, aber es kam kein menschlicher Schrei heraus, sondern der verzweifelte Ruf eines kleinen Raubvogels.
Jegliche Befreiungsversuche wirkten nur wie jämmerliches Gezappel ohne jeden beherzten Willen.
Die Klauen des großen Vogels gruben sich tiefer in ihr Gefieder und ihre Knochen, dass sie jeden Fluchtversuch unterließ.
Sie flogen mit einer solchen Geschwindigkeit auf den Wald unter ihnen zu, das alle Konturen zu einem orange braunen Film verschwammen.
Gedanklich schloss sie mit ihrem Leben ab.
Erst kurz über dem Boden ließ der Adler sie los und sie fiel und rollte sich mehrfach. Oben war unten und unten war irgend wo anders. Orientierungslos schaute sie sich um. Die Flügel ausgebreitet, weil sie kein Gefühl mehr in ihren Knochen hatte. Ihr Gang wankte und sie fiepte wie ein verwirrtes Küken.
Dann erblickte sie den weißen Adler.
Er hockte auf einem Stein - nein, das war falsch. Der Vogel hockte nicht. Er strahlte eine solche majestätische Kraft aus, dass er auf dem Stein thronte wie ein König in seinem prunkvollen Palast.
Seine gelben Augen durchdrangen sie unbarmherzig und unheilvoll. Ihr Herz pochte wie wild. Ob sich eine Flucht doch noch lohnen würde? Sie hatte immer noch kräftige Beine mit scharfen Krallen.
Wieder erklang dieses lächerliche Fiepen aus ihrem Schnabel.
Mit Leichtigkeit sprang der Adler von seinem Thron herunter. Ohne die Flügel zu heben oder auch nur zu wanken. Er bewegte sich mit einer solchen Eleganz, die sich hinter seiner Gestalt nicht vermuten ließ und wider die Natur sein musste.
Sie bewegte sich nicht. Auch wenn sie könnte, etwas hielt sie davon ab und jeder Gedanke an Flucht war verflogen.
Seine Talonen waren so lang wie ihre Beine. Sicherlich bildete sie sich das nur ein!
Mit einer kurzen Bewegung lag sie auf dem Rücken und der weiße Adler stand über ihr.
Seine Augen prüfend und berechnend bedachten sie mit einem Blick als wolle er abschätzen, wer oder was sie war.
Dann spürte sie seine Krallen auf ihrer Brust. Er drückte sie so fest zu Boden, dass sie dachte, mit der Erde vereint zu werden.
"Du gehörst hier nicht her!" hörte sie wieder diese Stimme in ihrem Kopf.
Ein schmerzhafter Ruck auf ihrer Brust und sie fühlte sich aus ihrem Körper gequetscht.
ooOOoo
Sie schrak auf mit einem stechenden Schmerz in der Brust auf.
Der Blick verschwommen. Die Stirn mit Schweißperlen bedeckt.
Zuerst war sie nicht sicher, wo sie überhaupt war und sie wollte instinktiv in die Luft springen und fortfliegen - egal wohin! Bis sie bemerkte, dass sie gar keine Flügel hatte, sondern einfach nur Arme. Gewöhnliche Menschenarme.
Ohne Federn!
Der Gedanke kam ihr im ersten Augenblick total absurd vor. Arme ohne Federn! Wo hatte man so etwas denn schon einmal gesehen! Das sah doch lächerlich aus!
Benommen legte sie sich wieder hin und starrte an die Decke. Sie bemerkte erst später die Gestalt, die bedrohlich nahe neben ihr saß und auf sie herab starrte.
Dann fiel es ihr wieder ein: Das gebrochene Bein. Die alte Frau, die sie aufgelesen hatte. Der seltsame Mann, der immer wieder zu Besuch die Alm hinaufstieg. Und der blonde Tunichtgut und Muskelprotz. Waren das zwei unterschiedliche Personen?
Ihr Kopf schmerzte.
Alles drehte sich und sie fühlte eine Schwere, die sie an den Boden kettete.
"Du bist ganz schön gesprächig im Schlaf, meine Liebe", sagte die Alte und verzog den Mund zu einem lückenhaften Lächeln. "Das solltest du dir lieber abgewöhnen. Du weißt nie, wer dir zuhört und was er mit deinen Informationen anfangen wird."
Teela war noch zu benommen, um den Ernst dieser Aussage zu erfassen.
Ihr war so als würde sie die Krallen noch in ihrer Brust direkt unter ihrer Haut spüren.
Was war mit ihr los?
Warum hatte sie diese Träume? Warum wirkten sie so real? Und wieso war sie immer ein Vogel? Das waren die Fragen, die sich ihr aufdrängten, als sie das Gefühl verließ, frei und sorglos zu sein.
Die Schwere des nur allzu menschlichen Lebens holten sie wieder ein. Es war ein Gefühl, das sie in Verzweiflung in die Ecke treiben wollte
Müde schloss sie die Augen und wischte sich mit der kalten Hand über die Stirn.
So hatte sie sich noch nie gefühlt. Einsam und allein, obwohl Dalia ihr Gesellschaft leistete.
Sie war früher immer zu beschäftigt, um ein derartiges Gefühl aufkommen zu lassen. Entweder hatte sie die Soldaten zu unterrichten oder sie musste Adam hinterherlaufen und aufpassen, dass er sich beim angeln nicht selbst aufspießte. Oder sie musste einen Schlachtplan ausarbeiten… Oder selbst dafür sorgen, dass sie fliehen konnte, vor wem oder was auch immer.
Ans Bett gefesselt konnte sie weder das eine noch das andere machen und war größtenteils mit ihren eigenen Gedanken allein gelassen. So viel wusste sie gar nicht mit ihren Gedanken anzufangen. Sie hatte sich nie eingehend damit beschäftigt, was sie wohl machen würde, wenn sie ihren Dienst nicht mehr ausführen konnte.
Und wenn sie einmal ans Krankenlager gefesselt war, so war stets jemand bei ihr, den sie auch kannte, und sie war in ihrer gewohnten Umgebung. Nicht irgendwo in den Bergen.
Was gäbe sie jetzt darum, einen gut gemeinten Tadel von ihrem Vater zu hören zu bekommen, oder etwas leichtsinniges und tagträumerisches von Adam…!
Adam!
Sie glaubte, sich an etwas zu erinnern!
Er war doch bei ihr gewesen! Davon war sie immer noch fest überzeugt.
"Kindchen, grüble nicht so viel, das tut dir nicht gut. Und außerdem gibt das Runzeln und Falten! So will dich doch kein Mann mehr haben!" lachte Dalia und machte sich am Kessel überm Kaminfeuer zu schaffen.
Ein Mann in ihrem Leben?
So etwas war Teela bisher noch nie in den Sinn gekommen.
Ihr Leben hatte bisher immer aus Militär und Drill bestanden. Da war keine Zeit für Liebesaffären oder dergleichen. Sobald sie wieder Zuhause war, würde sich daran auch nichts ändern.
Tagein, tagaus der gleiche Trott.
Bis zur nächsten Schlacht.
Bis zur nächsten Beförderung.
Bis sie alt und gebrechlich war.
Wollte sie wirklich so leben?
Sie hatte sich bisher nie als typische Frau betrachtet, die daheim auf den Mann wartet, mit 3 oder 4 Bälgern am Rockzipfel hängend und das nächste Kind schon unterm Herzen tragend. Für manche Frauen war das vielleicht der Sinn des Lebens, aber ihrer war es nicht.
"Wartet dein Herzblatt schon auf dich?" fragte die Alte und streckte den Kopf um die Ecke.
"Äh… Was?" fragte Teela bestürzt und war sicher, dass sie nur die Hälfte mitbekommen hatte, da die alte Frau eine unheimlich geschwätzige Angewohnheit hatte, die Teela nur allzu oft ausblendete.
"Na, ob dein Prinz auf dich wartet? So ein hübsches Mädchen wie du hat doch sicherlich einen Liebsten."
Sie starrte die alte Frau sprachlos an. Ihre Wortwahl war bestimmt nur Zufall. Etwas anderes konnte es gar nicht sein!
Oder… vielleicht… ?!
Teela überlegte sich ihre Antwort sehr gut. "Ja, es wartet jemand auf mich." Die Antwort war genauso gut wie jede andere, denn sie implizierte nicht, wer auf sie wartete. Besser noch: sie ließ den Zweifel gar nicht erst aufkommen, dass niemand nach ihr suchen würde. Tarnung und Täuschung war alles, wenn es darauf ankam, eine potentielle Gefahr einzuschätzen.
Sie wollte nicht unhöflich ihrer Retterin gegenüber sein und ihr schon gar nichts Bösartiges unterstellen. Aber gegen alte Angewohnheiten war schlecht anzukommen.
Die Pause, die Dalia einlegte und Teela währenddessen still beobachtete, war auch bestimmt nur Zufall und hatte nichts zu bedeuten.
'Teela! Du bist viel zu misstrauisch gegen liebevolle Menschen!' schalt sie sich selbst.
"Das wird die jungen Bengel im Dorf sicherlich enttäuschen", lachte Dalia. "Die haben aber auch noch keine Rothaarige in ihrem Leben gesehen und sollten es auch besser nicht. In ein paar Wochen ist die Frühlingsweihe. Das ist ein großes Fest für uns im Dorf. Es schaut zwar draußen noch nicht danach aus, aber das Wetter wird bald umschlagen, und wenn dein Bein weiterhin so gut heilt, wirst du mit mir kommen können. Vielleicht bringt Tahir seinen kleinen Karren hier rauf, dann kannst du dich ziehen lassen, wenn es nicht weitergeht mit deinem Bein. Das wird für dich sicher eine schöne Abwechslung sein. Selbst für mich sind die Tage hier oben sehr trist. Aber ich bin ja noch nicht ans Bett gefesselt." Sie setzte sich neben Teela auf die Kante ihres Bettkastens. In der einen Hand eine Tasse mit dünner Brühe für Teela und in der anderen Hand die Dose mit dem Schnupftabak. "Trink das. Es wird dir gut tun." Und überreichte ihr den Tonbecher. Mit glasigen Augen legte die Alte sich eine Prise Tabak auf den Handrücken zurecht, die sie schnell aufsog und dabei das Gesicht verzog. Das sah nicht angenehm aus.
"Wieso schnupfst du so etwas?" fragte Teela.
"Hm?" erwiderte Dalia etwas benommen. "Weißt du, Kindchen, ich hab nicht viel im Leben. Wenn Tahir und die anderen Bewohner mir nicht ab und zu was geben würden, dann müsste ich verhungern und der gute alte Amade würde beim Schlachter landen, weil niemand ihn durchfüttern würde. Der Tabak ist das einzige, was ich mir ab und zu gönne… Außerdem mag ich den Gestank von Pfeifentabak nicht im Haus haben."
Teela hätte beinahe laut aufgelacht.
Der Gestank im Haus war beinahe unerträglich und auch nach Tagen bemerkte man den Geruch immer noch. Sich dann über den Geruch von gerauchtem Tabak zu empören war einfach nur komisch!
"Wenn du die Frühlingsweihe mit uns feiern willst, müssen wir etwas gegen deine Haarpracht unternehmen."
"Was stimmt mit meinen Haaren nicht?" fragte Teela erschrocken.
"Nichts. Mit deinen Haaren ist alles in Ordnung, meine Liebe. Aber sie werden Aufsehen erregen und sie werden den anderen zeigen, dass du nicht von hier bist. Wir schneiden sie dir am besten ganz ab."
"Bitte was?!" rief Teela auf und fasste sich um den Kopf. Erst jetzt fiel ihr auf, dass ihr Stirnreif fehlte. Wie konnte ihr dieses Detail entgangen sein?!
"Hm, oder vielleicht nicht? Wenn du gar keine Haare hättest, würden sie dich abstoßend finden. Ein kahles Mädchen! Da kann doch etwas nicht stimmen. Wir wollen die armen Waschweiber unten im Tal doch nicht in Angst und Schrecken versetzen. Hinterher sehen die überall Pest und Cholera. Nein, nein, das können wir nicht zulassen." Nun sprach sie mehr zu sich selbst und murmelte weiter vor sich hin während sie aus einer alten Truhe ein dunkles Tuch aus grobem Stoff hervor holte. Hier und da hatte es hellere Stellen, wo es schon abgenutzt war, und es hatte vereinzelte Löcher. Prüfend hielt Dalia das Tuch gegen das Licht vom Kamin und schien sich selbst zu beraten.
"Hm… das müsste passen. Jaja, so müsste es gehen!" lachte sie sich selbst zu. "Das wirst du dir umwickeln müssen, sonst gibt es im Tal einen Aufstand. Ich hoffe, Tahir hat sein vorlautes Mundwerk gehalten und niemandem erzählt, dass ich eine Rothaarige aufgenommen habe. Sonst geraten wir ganz schnell in Teufels Küche."
Teela beäugte das fleckige Tuch misstrauisch. "Warum bringen rote Haare Unglück?" wollte sie wissen.
"Ach, dazu gibt es so viele Geschichten wie Geröll an den Bergausläufern! Einmal heißt es, dass Drokah eine Rothaarige geliebt hat, sie aber den Freitod vorzog als ihn zu heiraten. Ein anderes Mal sagt man sich, dass Rothaarige Hexen sein sollen. Oder es wurde ihm geweissagt, dass eine Rothaarige ihn irgend wann vergiften soll. Wie dem auch sei, Drokah ließ Rothaarige verbannen sobald er den Thron erobert hatte. Drokah wird nicht umsonst der Schreckliche genannt. Seither hat er viele Königreiche und Städte erobert. Wehe dem, der zur adeligen Familie gehörte, wenn Drokah ihr Reich erobert. Er lässt alle hinrichten, sogar die kleinen Kinder. Wahrlich keine nette Gesellschaft für einen abendlichen Plausch überm Kaminfeuer! Aber hier bist du sicher. Drokah hat sich bisher noch nie über den Bergkamm gewagt und wir bieten keine gute Beute an. Weder haben wir Schätze noch Macht, die wir an ihn abtreten müssten."
"Ich dachte, das Dorf gehört zu seinem Königreich", warf Teela skeptisch ein.
"Offiziell stimmt das auch. Inoffiziell haben weder er noch seine Schergen sich hier je blicken lassen. Das ist auch gut so. Den Tag möchte ich nicht erleben, an dem Drokah Interesse am Norden zeigt! Aber lass uns über etwas schöneres reden, Kindchen. Wir werden dich wieder fit machen, dass du bei der Frühjahrsweihe mitfeiern kannst. Das ist immer lustig, sag ich dir! Es wird Schausteller geben und Spielbuden und die Weihe eröffnet die Marktsaison. Du wirst sehen, es wird dir gefallen!" Dalias Euphorie ließ daran keinen Zweifel aufkommen.
So ein Fest wurde bestimmt sehnlich erwartet, um dem Trist des Dorfalltags für ein paar Stunden zu entkommen.
Und warum sollte sie es nicht ausnutzen können? Marktstände bedeuteten auch Verkäufer von außerhalb, und bestimmt nicht nur von Händlern aus dem nächsten Dorf. Vielleicht würde sie so zu mehr Informationen kommen.
So sehr sie auch nachdachte, es war ihr bisher kein König Drokah unter den Ratsmitgliedern bei König Randor untergekommen. Teela war zwar eher mit der Sicherheit und den Belangen des Prinzen beauftragt, trotzdem hatte sie sich stets zu allen anderen Besuchern und Gästen erkundigt, wenn es ihr Schichtplan zuließ. 'Konzentriere dich auf deine Aufgaben, aber verliere nie das Gesamtbild aus den Augen', hatte ihr Vater immer gesagt.
Die Erinnerung an ihn stach plötzlich in ihrem Herzen. Sie vermisste ihn! Ob er wohl noch nach ihr suchte? Oder hatte der König die Suche bereits offiziell abbrechen lassen?
Wie lange war es jetzt schon her? Zwei Wochen? Oder doch schon drei?
Den Suchtrupps müsste in der Zwischenzeit klar geworden sein, dass man sie nicht mehr finden würde.
Vielleicht hatte Adam es geschafft und sie suchten nur noch nach ihr. Wenn die Soldaten das Tal nach ihr durchforstet hätten, dann wären sie früher oder später auch am Dorf vorbeigekommen.
So wie Teela Dorfbewohner einschätzte, würde das Einmarschieren von königlichen Truppen mit Sicherheit für Aufsehen und Aufregung sorgen. Man hätte sie längst ausfindig, wenn dem so wäre.
"Nun zieh nicht so ein langes Gesicht, Mädchen. Du brauchst nur ein wenig Geduld. Im Schnee kannst du nicht einmal mit gesunden Beinen schnell vorankommen. Schon gar nicht über den Bergkamm zum nächsten Dorf. Wenn du wieder gesund bist, werden wir dich nicht aufhalten. Du findest sicherlich zu deinen Leuten zurück. Und nun lass mich mal deinen Verband sehen. Ich möchte nicht, dass du dich wund liegst oder dass dein Bein anschwillt." Dalia sprach noch eine ganze Weile weiter, doch Teelas Gedanken waren weit entfernt.
Dalias Behandlung schmerzte. Sie drückte hier und da auf Teelas Bein und auf die Schnittwunden, die inzwischen gut verheilt waren. Trotzdem rieb Dalia neue Kräuterpaste direkt auf die Wunden und auf die Stelle, an der noch vor wenigen Tagen eine dicke Beule aus dem Bein herausragte.
Gesund werden! Das war ihr einziges Ziel. Danach würde sich eins nach dem anderen ergeben.
Eine plötzliche Müdigkeit überkam Teela. Sie lehnte sich zurück und war schon in dem Moment eingeschlafen, als ihr Kopf das Kissen berührte.
Wie sehr sie sich die Gestalt im Federkleid herbeiwünschte.
A/N:
I am really, really sorry about the delay! (again!)
And I don't even have an excuse this time. But you know what? I decided to continue this project during nanowrimo :) But don't expect 50k words for this story. As I am a nano rebel, I count every word in all projects, which are written in November :D
I hope you liked this chapter. Nothing much happened so far, but I cannot let a broken bone appear like a scratch. I had a broken arm two years ago, and I hated every day about it...
TheSorceressQueen: I really like your assumptions, but you probably know that I cannot reveal identities or such before it happens in the story.
Bingo: Don't be ridiculous! Your german is much better than the german of some german native speakers xD As long as I can understand you there won't be a problem with it. Let's see if I am in the mood of a happy end... the end is quite far away from this chapter ;)
To everyone:
Have a nice weekend! :)
