Noch am selben Abend packte John Franco seine Sachen. Ben und George sprachen kaum ein Wort mit ihm. Die Angst war ihnen jedoch ins Gesicht geschrieben. Sie konnten noch immer nicht fassen, was eigentlich passiert war. John hingegen war erstaunlich ruhig. Selbst vor dem Gespräch mit seiner Mutter fürchtete er sich nicht. Ganz im Gegenteil, dass er endlich Hogwarts verlassen würde, brachte ihm eher Erleichterung. Als würde nach Jahren endlich eine Last von den Schultern genommen.
In den letzten drei Jahren hatte sich Hogwarts für ihn mehr und mehr zu einem Gefängnis verwandelt. Er haderte mit allem hier. Es war mehr ein philosophisches Problem, was ihn plagte. John konnte die ganze Art und Weise wie diese Schule funktionierte immer weniger mittragen. Vielleicht war es so besser als sich noch weitere zwei Jahre hier durchzuquälen.
Als er am nächsten Morgen in den Hogwartsexpress in Richtung London stieg kam es ihm richtig vor. Die Fahrt dauerte knapp fünf Stunden. Zeit sich zurückzulehnen und die Füße hochzulegen. Außerhalb der Ferienzeit führ ohnehin kaum jemand diese Strecke. John schloss die Augen und döste vor sich hin. Nur hin und wieder aufgeweckt durch das Pfeifen der Lok oder die raren Haltestellenansagen.
Erst eine halbe Stunde vor Kings Cross wachte er wieder richtig auf. John rieb sich die Augen und seinen durch die unbequeme Pose steif gewordenen Nacken. Es dauerte eine Weile bis er wieder klar im Kopf war. Schließlich fuhr der Zug In London ein. Er schnappte sich seinen Rucksack und seinen Koffer und stieg aus.
Kings Cross war betriebsam wie immer. Nur der Gleis 9 3/4 lag beinahe gespenstisch still da. Außer ihm und dem Bahnpersonal war niemand am Bahnsteig zu sehen. Außerhalb der Saison war es wie ausgestorben.
John ging durch die bekannte Säule am Gleis hinaus in den Teil des Bahnhofs der der Muggelwelt gehörte. Er hielt Ausschau, ob jemand auf ihn wartete. John hätte es Severus zugetraut, dass er seiner Mutter bescheid sagte, doch die war nirgends zu sehen. Nicht, dass ihn das enttäuscht hätte.
John stieg in den Bus in Richtung Zuhause. Die Fahrt durch den Londoner Dauerstau dauerte nochmal fast eine Stunde. Endlich daheim angekommen stand er vor verschlossener Tür. Seine Mutter war offenbar noch auf Arbeit. Er kramte den Schlüsselbund mit dem Haustürschlüssel aus der Hosentasche und schloss auf.
John öffnete die Tür und trat ein. Jetzt wo er hier war, war es doch ein seltsames Gefühl. Er nahm seine Sachen und schleppte sie die Treppe hinauf in sein Zimmer. Auspacken würde er später. John ging hinunter in die Küche. Dort sah er einen Brief vom Ministerium auf dem Tisch ausgebreitet. Sein Verweis von Hogwarts war also schon eingetrudelt. Dann musste er wenigstens nicht alles erklären. Er sah den Brief an. Alles schön amtlich. Dazu noch eine Aufforderung in zwei Tagen zur Anhörung im Ministerium zu erscheinen.
John fragte sich wozu noch eine Anhörung, wenn er bereits verwiesen wurde. Vermutlich ging es um seine Bestrafung. Er hätte vielleicht Angst davor haben müssen, doch die hatte er nicht. Es war nur dieses eine kleine, komische Gefühl, dass ihn pisackte und ihm klar machte, dass es jetzt vorbei war. Früher hatten ihnen die Lehrer immer Angst vor dem Rausschmiss gemacht. Bei jedem kleinen Vergehen ein Theater gemacht als hätten sie einen Mord begangen. Na ja, außer Severus. Der zog einfach nur Punkte ab und verdonnerte die Schüler zu endlosen Stunden des Nachsitzens. John wusste nicht wie das bei seinen eigenen Schülern war, aber sein Vater tat wenigstens nicht mal so als könne ihn irgendein Schülerverhalten noch in irgeneiner Art und Weise schockieren.
John ging nach oben und packte seine Sachen aus. Er hatte nicht annährend so viele Klamotten wie andere Schüler dabei gehabt. Selbst seine Uniform hatte er ja nur sporadisch getragen. Er war einfach nicht der Typ für Hemd und Krawatte. John würde drei Kreuze machen, wenn er das Zeug endlich los war.
Er hörte wie die Haustür ging. John ging hinaus in den Flur und spähte die Treppe nach unten. Es war seine Mutter. Sie kam von der Mittagsschicht. Er sah zu wie sich ihre Jacke auszog und ihren Rucksack fallen ließ. Ohne ihn zu bemerken ging sie in die Küche.
Leise ging John die Treppe hinunter und folgte ihr.
Ohne sich umzudrehen sagte seine Mutter „John, was hast du angestellt?"
„Du weißt es doch bestimmt schon.", antwortete er ungerührt.
Sie drehte sich um und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Dein Vater hat es mir nicht gesagt, falls du das meinst."
Das wunderte John jetzt.
„Schwere Körperverletzung?", fragte seine Mutter.
Das hatte das Ministerium im Brief als Anschuldigung hervorgebracht.
„Anders kapieren es die ja leider nicht.", sagte John. „Ich rechtfertige mich nicht. Ich weiß, dass ich die Konsequenzen tragen muss."
Die Gesichtszüge seiner Mutter erweichten und sie entschränkte ihre Arme. Sie atmete tief und rieb sich die Nasenwurzel.
„Ich komm damit klar.", sagte John. „Und ich bin froh da weg zu sein."
„Und Severus?", fragte sie.
„Der weiß es.", antwortete John. „Er hat es besser aufgenommen als erwartet."
„Warum in dreiteufelsnamen hast du auch ein Messer dabei?", sagte sie jetzt gerade heraus.
„Wie gesagt, die kapieren es nicht anders." John ging die restliche Treppe hinunter. „Sie haben bekommen, was sie verdienten."
„So einfach ist das nicht.", antwortete seine Mutter. „Ich kann auch nicht einfach jeden abstechen, der mir krumm kommt."
„Ich habe niemanden abgestochen." verteidigte John sich.
„Wir werden sehen.", schloss seine Mutter und umarmte ihn.
Trotz allem war sie froh ihren Sohn gesund und munter zu sehen.
Die Anhörung war im Ministerium für Zauberei. Obwohl Jennifer Franco keine Magierin war wusste sie wo der Eingang lag. Severus hatte ihn ihr gezeigt als sie einmal gemeinsam im Regierungsviertel waren. Und es war nicht oft der Fall, dass sie gemeinsam unterwegs waren. Das Doppelleben ihres Mannes hinderte sie daran. Ja, sie nannte ihn so, auch wenn sie nicht miteinander verheiratet waren. Es war schwierig, aber immer noch besser als so manche Alternative.
Als Johns Mutter begleitete sie ihren Sohn zu seiner Anhörung. Auch weil dies vom Ministerium gefordert wurde. Vermutlich würde man ihr einige Fragen stellen. John trug Anzug und Krawatte und sie einen schwarzen Damenanzug und eine weiße Bluse darunter. Es war selten, dass sie sich so herausputzten, aber vor Gericht mussten sie schon auf ihren Eindruck achten. Schon bei einer derartigen Geschichte.
Am Eingang wurde John aufgefordert seinen Zauberstab abzugeben. Das tat er. Anschließend nahmen sie einen der Fahrstühle in die unteren Etagen des Ministeriums.
Das Ministerium selbst wirkte erdrückend und furchteinflösend auf Jennifer. Mit schwarzen Marmor ausgestaltete Hallen in denen die gewaltigen Banner des Ministeriums hingen. Große, marmorne Figuren von bekannten Hexen und Zauberern. Alles erweckte den Anschein sich im Zentrum der Macht der Zauberer zu befinden und ohne Scham demonstrierten sie diese. Neben dem geschäftigen Treiben der Mitarbeiter, die ähnlich wie die Regierungsbänkler bei den Nichtzaubern graue und schwarze Anzüge und Krawatten trugen, gab es noch das Wachpersonal in ihren langen, schwarzen Trenchcoats und tief ins Gesicht gezogene Hüte. Jennifer erinnerten sie ein wenig an die Gestapo der Deutschen im Zweiten Weltkrieg, weniger an einfache Wachleute.
Schließlich öffneten sich die Fahrstuhltüren und sie wurden von zwei Wachmännern in Empfang genommen.
„John und Jennifer Franco?", fragte einer von ihnen.
„Ja, Sir.", sagte Jennifer. John nickte bloß.
Sie führten sie zum Anhörungsraum. Auch er war mit schwarzen Marmor ausgekleidet. Anders als erwartet war es aber kein Gerichtssaal, sondern ein Raum mit zwei sich längs gegenüber stehenden Tischen. Magisches Licht erleuchtete den ansonsten fensterlosen Raum hell.
„Setzen Sie sich.", sagte einer der Wachmänner.
Jennifer nahm mit ihren Sohn platz. Einen Augenblick später kam ein untersetzter Mann mit Glatze herein, der einen Stapel Akten vor sich hertrug. Er knallte sie vor ihnen auf den Tisch.
„Entschuldigen Sie vielmals.", sagte er und rückte sich sein Tweetjacket und die altmodische Fliege an seinem Hals zurecht. „Ich bin Bartus Harnequin, ihr Pflichtverteidiger."
Der Mann setzte sich ihnen gegenüber.
„Keine Sorge, das hier wird kein großes Tribunal. Eine Verweisung von Hogwarts wegen, na ja, derartiger Vorfälle ist nicht schön, aber keine Sorge, wir machen das schon." Der Mann zog eine altmodische, goldene Taschenuhr aus seiner Brusttasche. „Bis zur Hauptverhandlung bleibt uns noch etwas Zeit. Ich gehe mit Ihnen nur die wichtigsten Punkte durch damit ich sicher bin, dass wir auf dem gleichen Stand sind."
Harnequin kramte in dem Aktenstapel und holte einen altmodischen, roten Hefter hervor.
„Hach, normaler Weise ist es üblich dem Angeklagten mehr Vorbereitungszeit zu geben, aber Sie sehen ja selber, was hier an Sicherheit unterwegs ist. Das Ministerium ist ein wenig auf der Überlastungsschiene wegen unserem Flüchtling Nummer Eins, wenn sie verstehen. Da leidet grad die Judikative etwas."
„Sie meinen Sirius Black.", sagte John.
„Eine Peinlichkeit für uns alle, dass er überhaupt aus Askaban fliehen konnte. Jetzt ist hier seit Monaten höchste Alarmstufe und die kleinen Gerichtsverhandlungen werden so kurz wie möglich gehalten, weil sie Abteilung für Strafverfolgung überlastet ist. Aber genug davon, wir müssen uns dann doch etwas beeilen. Also gut, Sie sind John Franco, fünfzehn Jahre alt, Wohnhaft in der Albertstreet 15 in Surrey?"
„Ja, Sir.", antwortete John.
„Mutter Muggel. Zum Vater finde ich leider keine Angaben."
„Sein Vater ist fort. Ich habe ihn allein aufgezogen.", antwortete Jennifer. Sie hatte sich vor vielen Jahren mit Severus darauf geeinigt, dass es für sie vor den Behörden wohl besser wäre einen verschollenen, weggezogenen oder umgekommenen Rabenvater zu haben als die Behörden auch nur den Bruchteil der Wahrheit wissen zu lassen.
„Verstehe.", antwortete Harnequin. „Keine Auffälligkeiten vor Hogwarts."
„Ich war ein liebes, braves Kind.", sagte John.
„In Hogwarts mehrere leichte Verstöße, aber nichts was der Rede wert wäre. Kommen wir also zu ihrem Verweis. Ihnen wird vorgeworfen an einer Prügellei teilgenommen zu haben und einen der Beteiligten, Franklin Squade, mit einem Messer bedroht und niedergestochen zu haben. Ist das richtig?"
„Nein, ich habe ihn nicht bedroht. Also nicht willentlich. Er hat mich gewürgt. Ich bekam kaum noch Luft und habe im Effekt gehandelt. Meiner Meinung nach war das Notwehr.", antwortete John.
„Und Sie?", wandte sich Harnequin an Jennifer.
„Falls Sie meinen, was er mir mitgeteilt hat. Bis der Brief zur Anhörung eintraf wusste ich von nichts. Mein Sohn ist kein fleißiger Briefeschreiber, wenn Sie verstehen."
„Hmm.", machte Harnequin. Er kratzte sich auf seiner Glatze und blätterte in seinen Akten. „Wir haben jetzt folgendes Problem. Es steht Aussage gegen Aussage. Die Verweis von Hogwarts wird nicht rückgängig zu machen sein, aber mit etwas Glück können wir den Richter überzeugen das Verfahren aus Mangel an Beweisen einzustellen. Immerhin wurde nicht einmal die Tatwaffe sichergestellt. Zudem hat sich einer ihrer Lehrer bei der offiziellen Befragung vor einigen Tagen sehr für sie verbürgt."
Jennifer sah John an. Sie konnte förmlich sehen wie es seinem Kopf ratterte.
„Welcher Lehrer?", wollte John mit unschuldmiene wissen.
„Ein Professor Severus Snape. Meine Zeit in Hogwarts ist zu lange her, um mit Namen noch was anfangen zu können."
Jennifer versuchte sich nicht anmerken zu lassen wie sie Eins und Eins zusammenzählte. Severus hatte sich für John stark gemacht. Nicht nur das, er hatte auch das Messer ihres Sohnes mit all den Beweisspuren verschwinden lassen. Manchmal liebte sie ihn dafür. Manchmal wusste sie aber auch nicht, ob sie seine Effizienz erschreckend finden sollte.
Es klopfte an der Tür und eine Frau in schwarzer Robe betrat den Raum, gefolgt von einem jungen Mann, der jede Menge Akten schleppte.
„Nun, Mr Harnequin, wären wir soweit?", fragte die Frau.
„Amelia, ich dachte, ich hätte mehr Zeit."
„Im Gericht heißt es immer noch Euer Ehren.", maßregelte sie den Strafverteidiger. „Ich bin Amelia Bones, Vorsitzende der Abteilung für magische Strafverfolgung und die Richterin im heutigen Verfahren."
Sie setzte sich mit ihrem Assistenten an den gegenüberliegenden Tisch und breitete die Akten aus.
„Dunnell, schreiben Sie mit? Gut.", vergewissterte sie sich. „Das ist ein Schnellverfahren. Das heißt, es wird auch schnell vorbei sein. Erheben Sie sich bitte."
Sie standen allesamt auf.
„Dunnell!", sagte Richterin Bones und schnipste mit den Fingern in Richtung ihres protokollierenden Assistenten.
„Verlesung der Anklageschrift.", fuhr Dunnell zügig fort. „Tätlicher Angriff mit einem Messer während des zugelassenen Ausgangs in dem Dorf Hogsmead. Laut Zeugenaussagen drohte der Angeklagte mit der Tatwaffe und stach einen Mitschüler, Franklin Squade, nieder. Es folgte sofortige Suspendierung von der Hogwartsschule für Zauberei und Hexerei."
„Die Verhandlung ist eröffnet. Bitte setzen Sie sich.", sagte die Richterin und alle Beteiligten setzten sich wieder. „Was haben Sie zu den Vorwürfen zu sagen?"
„Es war Notwehr.", sagte John.
„Bitte konkretisieren Sie das.", entgegnete die Richterin.
„Dieser Kerl ... also Franklin Squade, hatte mich im Schwitzkasten und hat mir die Kehle zugedrückt. Es war ein Reflex."
„Und warum tragen Sie ein Messer in der Schule mit sich herum?", fragte die Richterin.
„Ein Messer hilft in verschiedenen Situationen.", antwortete John.
„Die da wären?"
Jennifer bedachte ihren Sohn mit einem warnenden Blick. Das würde noch fehlen, wenn er sich hier um Kopf und Kragen redete.
„Vielleicht finde ich ja schöne Blumen und will sie meiner Freundin schenken.", entgegnete John.
„Wofür haben Sie einen Zauberstab?", fragte die Richterin.
„Der ist auch nicht immer angemessen.", entgegnete John.
Die Richterin zog die Augenbrauen hoch und legte ein schiefes Lächeln auf. Sie schütelte kaum merklich den Kopf.
„Die Tatwaffe konnte nicht aufgefunden und untersucht werden. Zudem steht ihre Aussage gegen die von Mr Squade. Allerdings halte ich offiziell fest, dass selbst in einer solchen Situation ein Messer kein angemessenes Mittel zur Notwehr ist. Sie hätten genausogut ihren Zauberstab ziehen können. Ich rufe nun den Zeugen auf."
Die Tür zum Raum öffnete sich und jemand betrat den Raum, den Jennifer und John hier nicht erwartet hätten. Es war Severus. Er trug seinen schwarzen Anzug mit Hemd und Krawatte. Sie starrten ihn für einen Augenblick beide an.
Der Assistent der Richterin trat an Severus heran und hielt ihm einen dicken, wichtig aussehenden Folianten entgegen.
„Severus Tobias Snape, heben Sie die rechte Hand und sagen Sie Ich schwöre vor diesem Gerichts nur die Wahrheit zu sagen und nichts als die Wahrheit!"
Severus hob die Hand und sagte: „Ich schwöre."
Der Assistent setzte sich wieder neben die Richterin.
„Sie sind Lehrer an der Hogwartsschule für Zauberei und Hexerei. Zudem sind sie der Hausleiter des Hauses Slytherin und Professor für Zaubertränke. Ist das korrekt?", fragte die Richterin.
„Ja, Euer Ehren.", sagte Severus.
„Wie würden Sie ihren Schüler beschreiben?"
„Ein aufgeweckter, junger Mann, der wie alle Jungs in seinem Alter gerne Mal über die Stränge schlägt. Nichts, was man mit etwas Nachsitzen nicht beheben könnte.", antwortete Severus.
„Ist Ihnen der Beschuldigte bereits durch gewalttätige Akte aufgefallen?"
„Sie meinen, nichts was den Rahmen pupertierender Teenager sprengen würde? Nein, da ist er genauso wie seine Mitschüler. Hier und da eine Handgreiflichkeit oder Pöbellei, aber nichts wirklich erwähnenswertes. Wie ich in meiner Vorbefragung schon mitteilte, er ist ein umgänglicher Junge und wenn er sich derart gewehrt hat, hatte er sicherlich gute Gründe."
„Billigen Sie sein Vorgehen?", wollte die Richterin wissen.
„Natürlich nicht. Stellen Sie sich nur vor, was in Hogwarts los wäre, wenn sich jeder Verteidigen würde wie er wöllte. Nicht auszudenken, dieses Chaos."
Jennifer meinte einen unverholenen Sarkasmus in Severus' Stimme zu vernehmen. So wie immer, wenn er mit jemanden nicht einer Meinung war.
„Gut, das wäre alles. Sie sind aus dem Zeugenstand entlassen."
Severus machte kehrt und zwinkerte John beim hinausgehen kaum merklich und verschwörerisch zu.
„Damit schließe ich die Verhandlung ab. Der Ausschluss von Hogwarts bleibt erhalten. Da Sie jedoch das erste Mal in dieser Art auffällig wurden verfüge ich, dass Sie zusätzlich 20 Stunden in einer sozialen Einrichtung des Ministeriums arbeiten. Da können Sie gleich noch darüber nachdenken, was an Ihrem Verhalten unkorrekt war. Sie, junger Mann, sind mit einem blauen Auge davongekommen und ich will Sie hier nie wieder sehen, verstanden?"
„Ja, Euer Ehren.", sagte John.
Sie erhoben sich und gingen nach draußen. Gegenüber des zivilen Ausgangs des Ministeriums, der in einer Telefonzelle versteckt war, stand Severus an eine alte Litfassäule gelehnt und rauchte scheinbar gedankenverloren eine Zigarette.
John ging zielstrebig auf seinen Vater zu. Jennifer hielt das für keine gute Idee, folgte ihrem Sohn aber dennoch.
„Nichts als die Wahrheit?", fragte John fresch.
Severus sah auf und zuckte mit den Schultern.
„Ziemlich schwammiges Juristenlatein.", entgegnete er.
„Warum hast du gelogen?", wollte John wissen.
„Wer lügt denn? In Hogwarts gehen so viele Dinge verloren. Jedes Mal nach dem Zaubertrankunterricht bin ich froh, wenn das Labor noch steht. Du würdest mir nicht glauben, was Kinder alles klauen."
John steckte die Hände in die Hosentaschen und wollte gerade auf dem Absatz kehrt machen als Severus ihn an der Schulter festhielt und einen Zettel aus seinem Jackett zog.
„Für dich. Sag deiner Freundin aber, dass ich keine Eule bin."
John nahm den Zettel entgegen und steckte ihn in seine Jackentasche.
„Nicht doch, Professor Snape, bei Ihnen kommen nur Fledermäuse in Frage."
Severus verzog sein Gesicht zu einem Lächeln.
„Geh schon. Alles gute und John ... mach keinen Unsinn mehr."
„Ja, Sir.", antwortete John grinsend und trabte mit seiner Mutter davon.
