Minerva McGonnagal ging hinunter in die Kerker. Severus hatte sich den ganzen Tag noch nicht blicken lassen, obwohl er heute Unterricht gehabt hätte. Sicherlich würde niemand einen Zweifel hegen wenn er später behauptete die Schüler seien bloß zu inkompetent ihre Stundenpläne richtig zu lesen. Als stellvertretende Direktorin ärgerte es sie zum einen, wenn Severus seinen Pflichten nicht nachkam und als alte Bekannte besorgte es sie. Er hatte immer wieder Phasen in denen ihm alles egal war. Eine ausgewachsene Depression, die immer in den ungünstigten Momenten widerkehrte.

Severus mochte all seine Schüler in Schrecken versetzen und so tun als pralle alles an ihm ab, sie kannte ihn jedoch lang genug um zu wissen, wann es ernst wurde, wann er Hilfe brauchte, die er nie im Leben freiwillig angenommen hätte. Er war eben ein elender Dickschädel!

Minerva klopfte an der Tür zu den Räumlichkeiten des Tränkemeisters. Niemand antwortete. Sie wusste mit welchen Zaubern er die Tür sicherte, daher holte sie einen altmodischen, großen Eisenschlüssel aus ihrer Manteltasche. Als Vize-Direktorin hatte sie jede Menge davon, für den Fall, dass sie mal Türen eintreten musste.

Möglichst vorsichtig und leise schob sie ihn in das alte Türschloss und entriegelte die massive Eichentür. Falls er schlief wollte sie ihn nicht wecken. Das hatte immer nur wütende Anfälle zur Folge.

Minerva öffnete die Tür möglichst leise, was bei den quietschenden Schanieren alles andere als einfach war. Drinnen erblickte sie einen auf dem Sofa dösenden Severus Snape, eine leere Flasche Whisky und genug Zigarettenstummel für eine ganze Fabrikbelegschaft.

Sie hatte es ja geahnt. Er hatte sich wieder gehen lassen.

Die alte Hündin vor dem Kamin blickte sie aufmerksam an. Sie bellte nicht Alarm, sondern schätze noch ein, ob Minerva eine Gefahr für ihr Herrchen darstellen könnte.

„Severus.", sagte Minerva laut und bestimmt. „Severus Snape."

Severus kniff die Augen zusammen und verzog schmerzerfüllt das Gesicht. Durch seine verquollenen Augen sah er sie an, stöhnte genervt und drehte sich um.

„Ich bin nicht ihr Kindermädchen!", ermahnte Minerva ihn und zog ihm mit einem Wink ihres Zauberstabs die Decke davon. Severus packte das Kissen und vergrub sein Gesicht darin.

„Fledermäuse sind nachtaktiv!", grummelte er ungehalten.

„Ja, Fledermäuse, aber selbst für grantige Zaubertranklehrer in vier Uhr Nachmittags gewagt."

Severus warf ihr über die Schulter einen vernichtenden Blick zu und rappelte sich auf, noch immer das Kissen umklammernd.

„Was wollen Sie?", fragte er sie .

„Ob Sie es glauben oder nicht, ich habe mir Sorgen gemacht.", sagte Minerva und rief mit einem Schwenk ihres Zauberstabs einen Stuhl herbei. Sie setzte sich. „Wenn ich das sagen darf, Sie sehen fürchterlich aus, Severus."

„Ach was? Ist mir gar nicht aufgefallen.", grummelte Severus.

„Möchten Sie darüber reden?", fragte Minerva.

„Sie sind nicht meine Psychiaterin.", grollte Severus ihr entgegen.

„Nein, das stimmt, aber ich bin nicht als Kollegin hier, sondern als Freundin. Ich weiß, dass es nie zugeben würden, wenn Sie jemanden zum Reden bräuchten. Schon immer hatten Sie diesen unbändigen Drang zu glauben Sie müssten alles, was man Ihnen aufbürdet allein durchstehen. Da sind Sie erstaunlich nah an Potter, wissen Sie."

Das Wort Potter riss Severus aus seiner Lethargie und er sah sie mit einem Mal mit wachen Augen an.

„Meine Probleme gehen Sie nichts an.", giftete er schließlich.

„Doch das tun Sie, wenn Sie dadurch Unterricht verpassen und sich gehen lassen. Wir brauchen Sie schließlich."

„Es ist mir egal und Dumbledore wird es mal einen Tag ohne seinen schlecht gelaunten Schülerschreck aushalten.", knurrte Severus.

Immerhin, er war bereits wieder zu Sarkasmus fähig.

„Egal weshalb, hören Sie auf sich so kaputt zu machen. So nützen Sie niemanden etwas."

„War's das?", fragte Severus.

„Waschen Sie sich und ziehen Sie sich etwas an. Es gibt eine Schule, die auf Sie wartet.", sagte Minerva. „Und ich komme wieder und hole Sie, wenn Sie mich ignorieren."

Severus brummte etwas Unverständliches.

Minerva erhob sich und verließ den Raum. Sie meinte das ernst: Sie würde ihn an den Ohren packen und wie einen Erstklässler nach oben zerren, wenn er nicht von alleine kam. Das wäre beileibe nicht das erste Mal.

Severus Snape stand unter der Dusche. Das kalte Wasser, welches seinen Rücken herunterlief vertrieb den Nebel seiner emotionalen Erschöpfung und seines Katers ein wenig. Er lehnte mit dem Kopf an den Fließen der Dusche und sah auf seine zitternden Hände hinab. Er war gestern Nacht, als er zurück kam, heulend vor dem Kamin zusammengebrochen, hatte sich weiter betrunken und geraucht - alles nur, weil ihn all diese Geister verfolgten. Die Geister, die er einfach nicht los wurde. Er fürchte nicht seine Zukunft - wenn es denn überhaupt eine gab -, sondern seine Vergangenheit.

Er hatte Jennifer nicht erzählt, was vorgefallen war und er würde es auch nie. Severus schämte sich so sehr. Die Begegnung mit Tobias und Josephine hatte viele alte Wunden wieder aufgerissen. Wunden, von denen er dachte, sie seien schon längst vernarbt.

Es gab Zeiten, da war er wieder der verlorene Teenager. Dann zuckte er zusammen, wenn ihn jemand berührte - selbst wenn es Jennifer war - und ertrug die einfachsten Dinge nicht mehr. Sein Verstand wusste, dass das Teil seiner Depression war, aber seine Gefühle waren trotzdem chaotisch.

Black und Lupin konnte er noch mit Verachtung strafen. Das war einfach. Der Kontakt mit seiner Familie löste jedoch so tiefe Schmerzen in ihm aus, dass er wieder wie ein Kind in sich zusammensank, in einer finsteren Ecke sitzend und weinend vor Gram.

Es lag nicht an Tobias, sondern an den ganzen Erinerungen, die mit ihm verbunden waren. Eines konnte er seinem Vater nicht vorwerfen, er hatte seinen Sohn nie geschlagen oder derartiges. Nach dem Tod von Eileen hatte er getrunken und sich gehen lassen. So wie Severus auch, aber auf andere Art. Aus dem verschüchterten Jungen wurde in dieser Zeit ein abweißender, von Zorn zerfressender Teenager, den am Ende selbst seine wenigen Freunde kaum noch aushielten. Außer Jennifer. Sie hatte ihm nur selten etwas vorgeworfen. Akzeptierte ihn auf eine Art, die er vorher nicht kannte. Das sie von außerhalb der Magierschaft kam erwieß sich als ungeahnter Vorteil. Wenn Severus an seine Teenagerjahre dachte, dann war sie der einzige Lichtblick, der Anker, der ihn rettete als er kurz davor war endgültig zu sterben.

Der emotionale Schmerz, der ihn seit gestern die Sicht nahm, lag tiefer. Der Tod von Tobias hatte ihn trotz allem mitgenommen. Severus hatte das Gefühl etwas unglaublich schändliches getan zu haben. Einem Sterbenden zu helfen würdevoll aus der Welt zu scheiden war zu viel für ihn. Es gab so viel ungesagtes zwischen ihnen und Severus hatte nicht die passenden Worte gefunden - so wie immer.

Es lag nicht am Töten. Severus hatte schon oft getötet, aber es war ein Unterschied, ob man im Krieg dem Sterben zusah oder im Frieden. Noch dazu, wenn es sein eigener Vater war.

Severus stieg aus der Dusche, trocknete sich ab und zog sich ein frisches Hemd an, dazu seine übliche schwarze Hose mit Hosenträgern. Für die Krawatte hatte er jetzt keine Nerven. Darüber sein schwarzes Jackett und die Wollrobe.

Er fühlte sich unsicher und wacklig auf den Beinen. Sein emotionaler Zustand hatte heftige Auswirkungen auf seinen Körper. Auch ganz ohne Kater. Severus schleppte sich mit Leia an der Seite die Stufen aus den Kerkern nach oben. In der großen Halle herrschte wie immer geschäftiges Treiben. Die vielen Stimmen und hektischen Bewegungen überlagerten sich. Er spürte wie ihm alles zu viel wurde. Am Liebsten hätte er geschrieen und sich die Ohren zugehalten. Stattdessen ging er mit seiner Hündin nach draußen.

Severus zog sich die Robe enger heran. Draußen schien die Sonne, trotzdem war es kalt. Er hätte seinen Schal mitnehmen sollen. Severus stampfte durch das Laub hinunter zum See.

Am Ufen saßen kaum Schüler. Zu dieser Jahreszeit saßen die lieber in ihren warmen Gemeinschaftsräumen. Severus stand da und sah auf das Wasser hinaus. Er hätte niemals geglaubt sich je wieder so alleine und verletzlich zu fühlen.

Die letzten fünf Jahre war John für ihn da gewesen. Sicher, sie hatten sich die meiste Zeit gestritten, doch sein Sohn wusste wenigstens wie er tickte und wie es ihm ging. Manchmal half schon seine Anwesendheit. Jetzt hatte er nur noch seine alte Schäferhündin, die treuherzig zu ihm hinauf schaute und nur von ihm erwartete hinter den Ohren gekrauelt zu werden.

Severus zog eine Schachtel Zigaretten aus seiner Jackentaschen. Er öffnete sie und zog eine Zigarette halb heraus, hielt kurz inne und steckte sie zurück. Vielleicht war es ja wirklich langsam Zeit damit aufzuhören?

Severus nahm die Zigarettenschachtel und warf sie schwungvoll ins Wasser. Schon viel besser.

Just in diesem Augenblick spürte er wie sich eine unnatürliche, alles durchdringende Kälte durch seine Glieder zog. Er wandte sich um und sah wie sich ein Trupp schwebender Kapuzengestalten nährte. Natürlich, in seinem Zustand war er ein gefundenes Fressen.

Severus zog seinen Zauberstab und richtete ihn auf die Dementoren.

„Verschwindet.", sagte er laut.

Ungerührt glitten die Kreaturen weiter auf ihn zu.

„Expacto Patronum!"

Nichts geschah. Oh, das war peinlich, wenn ihm in seinem Zustand nicht einmal sein üblicher Patronus gelang.

Severus begann zu zittern. Die Kälte der Dementore ließ ihn erstarren. Er spürte wie sie in sein Bewusstsein eindrangen und schlimmes hervorholten.

„Nein, ihr verfluchten Monster!", keuchte Severus. Er fühlte wieder den unglaublichen Schmerz, der ihn seit gestern plagte. So sehr er sich bemühte, Severus konnte nicht standhalten. Er ging auf die Knie und schlang seine Arme schützend über den Kopf.

Seine Hündin stellte sich drohend und bellend vor ihn. Sie schnappte nach der Robe eines Dementoren und zog verbissen daran. Der Stoff riss geräuschvoll. Mit seinen langen, knochigen Fingern griff die Kreatur nach Leia und zog sie am Halsband in die Luft. Sie winselte und kläffte. Und mit einem Mal erschlaffte sie Hündin. Der Dementor warf sie wie ein Stück Müll davon.

Das werdet ihr büßen!, dachte Severus voller Zorn. Mit einem Mal spürte er wie die wenige Kraft, die er hatte in ihn zurückkehrte. Er rappelte sich auf und richtete seinen Zauberstab auf die Dementoren.

„Expacto Patronum!", rief er wütend und aus der Spitze seines Zauberstabs brach gleißend hell in silbernen Dunst gehüllt das weibliche Reh und stieß die Dementoren davon. Unheimlich kreischend stroben die Monster auseinander und flogen davon.

Gerechter Zorn war genauso praktisch wie hoffnungsloser Optimismus.

Severus eilte zum leblosen Körper seiner Hündin. Er sah in ihre leeren Augen und fühlte nur noch Hass. Severus hockte sich neben sie und strich ihr durch ihr Fell. Sie hatten so viel miteinander durchgemacht. In all den Jahren in denen sie seine treue Begleiterin war. Ausgesaugt von einem Dementor, weil sie sich, treu wie immer, vor ihn gestellt hatte.

Nahmen seine Verluste denn nie ein Ende?

Hagrid war gerade dabei ein paar Frettchen an Seidenschnabel zu verfüttern als er Severus den Weg hinterlaufen sah. Er trug ein großes Bündes in seinen Armen. Hagrid wusste instinktiv, dass etwas nicht in Ordnung war. Er mochte nur der Wildhüter sein, den alle für einen liebenswerten Trottel hielten, doch er konnte immer sagen, wenn etwas Schlimmes passierte. Hagrid hatte leider eine Nase dafür.

Als Severus schließlich bei der Hütte ankam sagte er zunächst nichts und legte das Bündel behutsam auf dem Boden ab als habe er Angst es zu verletzen.

„Severus.", sagte Hagrid als er seinen leeren Blick sah.

„Nur einen Spaten. Es dauert nicht lange.", sagte Severus mit belegter Stimme.

Hagrid blickte ihn ängstlich an. Er sah sich das Bündel näher an und sah die Hundenase, die am vorderen Ende hinausragte.

„Was ist passiert?", wollte Hagrid wissen.

„Dementoren.", antwortete Severus und blickte zu Boden.

Hagrid nickte nur und schloss den Schuppen hinter seiner Hütte auf. Er holten einen Spaten heruas undgab ihn Severus.

„Soll ich dir helfen?", fragte er ernst.

„Nein, das muss ich alleine tun."

Severus nahm den Spaten und legte das Bündel auf seine Schulter. Hagrid sah ihm nach als er in Richtung des Waldes verschwand. Er hatte die Hündin immer gemocht. Dass die Dementoren selbst den Tiere derartiges antaten war grausam. Als reiche es nicht, dass sie die Menschen anfielen.

Betrübt ging Hagrid hinüber zu Seidenschnabel und strich ihm durch sein Gefieder. Die Tiere waren nun wirklich nicht schuldig.

Als Severus Snape am Ende dieses Tages in der großen Halle saß - so wie man es von ihm erwartete - aß er nichts. Er sah bloß auf seine Hände und die Rückstände der feuchten Walderde unter seinen Fingernägeln.

Nun war er endgültig allein. Nie wieder würden die wachen Hundeaugen ihn trösten, wenn er kurz davor war durchzudrehen. Das könnte sie immer gut. Sie kam immer zu ihm hin, schnüffelte und leckte ihn ab, stupste ihn mit ihrer Nase an, wenn er gerade wieder voller Verzweiflung in einer Ecke saß. Jetzt waren sie alle fort ... John, Leia ... Nur er war noch hier, in dieser Schule, die er noch nie gemocht hatte. Sie beide so schnell nacheinander zu verlieren machte ihn traurig. Seinem Gemüt taten solche Abschiede nie gut.

Severus verfiel wieder in alte Gewohnheiten. Schlich sich nachts durch die dunklen Korridore, weil er nicht schlafen konnte. Ihn plagte die alte Unruhe und wenn er doch schlief, dann waren es seine Träume. Er hätte Jennifer jetzt gut an seiner Seite brauchen können, doch sie war hunderte Kilometer weit weg.

Er stand auf dem Astronomieturm. Kalter Wind umspielte ihn und er hatte seinen Mantel dicht an sich gezogen. Severus wollte niemanden sehen, mit niemanden sprechen und erst recht keine Kinder unterrichten. Er wollte nur alleine sein und dieser Ort war so einsam wie er nur konnte, zumindest dachte er das.

„Was müssen Sie sich immer an solchen Orten verstecken?", fragte eine ihm wohlbekannte Stimme hinter seinem Rücken.

Severus antwortete nicht, sondern sah nur betrübt in die bedeckte Nacht hinaus. Minerva McGonnagal stellte sich neben ihn. Sie trug einen ihrer dicken Tweetmäntel und ihre schottische Jagdmütze auf dem Kopf. Fast wie ein weiblicher Sherlock Holmes. Es fehlte nur noch die Pfeife und ein treuer Begleiter, den sie herumkommandieren konnte.

„Sie kommen doch nicht auf komische Gedanken, wenn Sie hier oben sind?", fragte Minerva ernst.

„Wenn ich mich suizidieren wöllte fielen mir schönere Arten ein als von einem Schlossturm zu springen. All die gebrochenen Knochen und heraushängenden Organe, kein schöner Anblick."

„Sie sind optimistisch wie immer.", bemerkte Minerva.

„Hmpf.", machte Severus und verzog sein Gesicht zu einem grimmigen Lächeln. „Was wollen Sie?"

„Ich wollte sehen wie es Ihnen geht, ob Sie es glauben oder nicht."

„Und? Jetzt sehen Sie mich.", antwortete Severus. „Ich dachte, Sie wollen nicht mein Kindermädchen sein?"

„Will ich auch nicht, aber Sie lassen mir ja keine andere Wahl.", bemerkte Minerva. „Ich habe das von ihrer Hündin gehört ..."

„Konnte Hagrid wieder nicht den Mund halten?", fragte Severus.

„Ich habe Dumbledore von Anfang an gesagt, dass das nicht gut gehen wird. An seiner Stelle hätte ich Fudge hinausgeworfen als er das auch nur in Erwägung zog."

„Soll mich das aufmuntern? Klappt nicht."

„Severus, Sie wissen, dass Sie mit mir reden können. Ich weiß, dass Sie etwas ganz gewaltig bedrückt."

„Was mich bedrückt? Mein Leben bedrückt mich, aber das ist wohl nichts Neues.", sagte Severus. Er wandte sich um und lief einfach an Minerva vorbei die Turmtreppe nach unten.

„Bleiben Sie stehen!", sagte Minerva streng als würde sie einem ihrer Schüler die Leviten lesen. Severus ignorierte es.

„Sie bleiben jetzt sofort stehen!", rief sie und packte ihn am Ärmel seines Mantels.

„Was soll ich denn sagen, Minerva? Was?", rief er. Severus schrie sie fast an. Er wandte sich von ihr ab, widerstand jedoch dem Drang weiter davonzulaufen. Er sah aus einem der großen Fenster im Flur. „Ich sehe nur noch Geister. Das ist das Problem. Wo immer ich hingehe warten sie schon auf mich. Sehen Sie manchmal Geister? Von früher?"

Minerva nahm seinen Arm und tätschelte ihn. Eine völlig ungewohnte Geste von ihr.

„Wir alle sehen Geister, Severus. Ich, Sie, Albus, selbst der werte Mr Lupin, auch wenn Sie das nicht glauben mögen."

Severus sah sie an und zog seinen Arm aus ihren Griff.

„Sie dürfen sich nicht davon auffressen lassen. Es sind Geister, mehr nicht.", sagte Minerva eindringlich.

„Ich glaube, meine Geister sind hartnäckiger.", sagte Severus und wandte sich von ihr ab. Er wollte gerade losmarschieren als Minerva ihn erneut festhielt.

„Severus ...", sagte sie und legte seinen Kopf in ihre Hände.

Er sah sie zweifelnd an. Was sollte das werden?

„Sie sind ein guter Mensch, wenn Sie es nur zulassen."

Severus nahm ihre Hände und drückte sie von sich weg.

„Ich bin kein guter Mensch." Er schüttelte ungehalten den Kopf. „Sie wissen nichts von meinen Geistern, meinen Schrecken."

„Und Sie nichts von den meinen. Das ist auch gut so, aber die Alpträume hören nicht auf. Sie werden niemals aufhören, verstehen Sie. Sie können Sie nur als Teil von sich akzeptieren oder in einem Erdloch sterben."

Sie wäre tatsächlich eine gute Psychiaterin. , dachte Severus so für sich. Er nickte ihr zu und nahm ihre Hände.

„Minerva McGonnagal, diese Schule weiß gar nicht, welches Glück sie mit Ihnen hat."

Severus ließ sie los, steckte die Hände in die Manteltaschen und drehte sich auf dem Fuße um. Er ging mit Minervas Worten im Ohr davon.